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seschat
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Insgesamt 938 Bewertungen
Bewertung vom 09.06.2015
Boyd, Natasha

Ein einziger Moment / Eversea Bd.1


ausgezeichnet

Angelockt durch das verträumte, sommerliche Cover war ich gespannt auf die Lektüre dieses Romans. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Ich mochte die Geschichte vom Liebeskummer kranken Erfolgsschauspieler Jack Eversea, der im Örtchen Butler Cover in South Carolina anonym Zuflucht sucht und zu sich selbst finden möchte, auf Anhieb. Das lag vor allem an den wunderbaren Protagonisten. Neben den gebrochenen, aber humorvollen Jack schlägt mein Leserherz besonders für die junge, toughe Kellnerin Keri Ann. Obwohl sie erkennt, wer in der Bar vor ihr steht, flippt sie nicht aus, sondern bleibt ruhig. Nur der humorige Wortwechsel im Anschluss an Jacks Ankunft in Butler lässt erahnen, dass beide sich nicht so egal sind, wie sie es vorzugeben scheinen. Schnell beginnt sich ein Hollywoodmärchen zwischen dem 26-jährigen Jack und der 22-jährigen Keri Ann anzubahnen. Die pflichtbewusste Provinzbardame und der umtriebige, weltbekannte Schauspieler verlieben sich ineinander und scheinen angekommen zu sein. Doch gegenseitiges Vertrauen ist ein zerbrechliches Gut. Eine Tatsache, die was schmerzlich am eigenem Leib erfahren müssen, als unverhofft Jacks On-Off-Freundin Audrey vor ihnen steht. Eine emotionale Achterbahnfahrt setzt ein.

Die Autorin Natasha Boyd hat mit "Eversea. Ein einziger Moment" ein sehr lesenswertes Sommerbuch verfasst, das neben den zu erwartenden Klischees a la armes Mädchen trifft auf reichen, attraktiven Mann ungewohnt ernste, nachdenkliche Töne anschlägt. Jack zweifelt an der Hollywood-Scheinwelt und an seinem damit einhergehenden fremdbestimmten Leben. Zudem laboriert er immer noch ein seiner unglücklichen Kindheit. Auch Keri Ann hat Probleme. Sie vermisst ihre Eltern, die tot sind, und will endlich leben, doch behindert sich immer wieder selbst dabei. Beide scheinen Schicksalsgenossen zu sein, haben dazu noch den gleichen Literatur- und Filmgeschmack. Sie fangen sich gegenseitig auf. Besonders haben mich hierbei die heiteren Wortwechsel bzw. skurrilen Szenen zwischen beiden Protagonisten gefallen. Aber es gibt auch einige traurige Momente, in denen sie an der Loyalität bzw. Liebe des anderen (ver-)zweifeln - ein richtiges Gefühlschaos bricht aus und verändert beide. Keri Ann und Jack reifen durch ihre verzwickte, geheim gehaltene Liebschaft. Ich finde beide Charaktere sehr sympathisch, sowohl den impulsiven, hartnäckigen Jack als auch die starke und unerfahrene Keri Ann. Daneben gibt es noch einige Nebencharaktere, die ebenfalls in ihren Rollen überzeugen. So z.B. Jazz, Keri Anns quirlige und feinfühlige Freundin, Joey, Keri Anns besorgter Bruder, und Mrs Weaton, die fürsorgliche Nachbarin von Keri Ann.

Die Sprache ist locker, leicht verständlich und verfügt über eine Menge Witz, was der Story ordentlich Pfeffer verleiht. Auch die Tatsache, dass die Geschichte aus Keri Anns Sicht erzählt wird, hat mir gefallen. Seite für Seite kann man an ihrem wechselhaften Seelenleben teilhaben und sich mitfreuen bzw. mitleiden.

Insgesamt hat mich der Plot überzeugt, auch wenn er vorhersehbar ist und einige typische Liebesromanklischees zitiert. Wortwiederholungen, die mit der Übersetzung einhergehen, habe ich gekonnt übersehen. Einzig das offene Ende hat mich etwas traurig gestimmt, aber bald wird ja der Fortsetzungsband erscheinen.

Fazit
Rundum gelungenes Buch mit viel Esprit. Genau die richtige Lektüre für junge bzw. jung gebliebene Leser. Verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 27.05.2015
Wittkamp, Rainer

Frettchenland / Martin Nettelbeck Bd.3


ausgezeichnet

Ich lese relativ wenige Krimis und Thriller und suche mir daher zur Lektüre nur Raritäten bzw. Juwelen aus. "Frettchenland" gehört eindeutig dazu.

Worum geht's?
Im Berliner Bundestag wird die Personenschützerin Lotte Weiland ermordet. Die Ermittler Martin Nettelback und Wilbert Täubner versuchen diesen ungewöhnlichen Fall aufzuklären und stoßen dabei auf allerhand zwielichtige und windige Gesellen aus Politik und Polizei.

Meinung
Der Autor Rainer Wittkamp ist ein versierter Krimiautor, der den Leser bis zur letzten Zeile bei Laune hält. Seine Story könnte, obschon sie fiktiv ist, genauso stattgefunden haben. Eine Personenschützerin will komprimittierendes Material über den geplanten Atomausstieg stehlen und wird dabei erwischt. Was lernen wir daraus? PC-Spionage kann tödlich sein....
Politik und Lobbyismus blühen und keiner will dem anderen schaden - genau wie im echten Leben. Die Großen kommen davon und die Kleinen müssen büßen. Wittkamp versteht in launiger, pointenreicher Sprache von diesem Spiel der Eitelkeiten zu berichten. Auch die Figuren sind gut gewählt. Besonders der Chefermittler Nettelbeck mit seinem Hang zur Selbstkritik hat mich überzeugt. Stück für Stück nähert sich dieser dem Täter an und zieht die richtigen Schlüsse. Doch er hat die Rechnung ohne Lottes rüstige, Haschisch abhängige Oma Luise gemacht. Die einstige Sportschützin sinnt auf Selbstjustiz - was dem Leser sehr amüsante Szenen beschert.
Darüber hinaus gibt es zwei hochintelligente Charaktere - Annika und Maximilian. Beide sind Mensa-Mitglieder und dem Staatssekretär Füting untergeben, dessen Nacktselfies an Annika sie zu ihrem Vorteil nutzen. Annika und Maximilian sind ein prima Paar und ihre Dialoge bzw. Ideen einfach nur filmreif. Ich habe beide sehr gemocht, auch wenn sie Helene-Fischer-Fans sind ;-) Besonders die wechselnden, oft skurrilen Großstadttypen beleben den Plot. Dieser Krimi steht nicht still, was der Spannung sehr gut tut, denn auf jeder neuen Buchseite gibt es neue Wendungen/Überraschungen zu entdecken.
Durch die gute Beschreibung der Stadt Berlin bzw. der Handlungsorte kann man den Verlauf der Handlung sehr gut mitverfolgen und sich mit auf Spurensuche begeben.

Komplettiert wird dieser spannungsgeladene Berlin-Krimi durch ein cooles Cover mit etwas verwirrenden Titel.

Fazit
Absolute Leseempfehlung. Cooles Setting und überzeugener Plot - was will man mehr? Mir hat vor allem das Realitätsbezug sehr gefallen. Verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 20.05.2015
Gärtner, Regina

Liebe unter griechischem Himmel (eBook, ePUB)


sehr gut

"Liebe unter griechischem Himmel" ist der zweite Roman von Regina Gärtner, den ich bisher gelesen habe.

Schon das Buchcover des eBooks versprüht mit abgebildeten Mittelmeerstrand, Sonnenhut und typisch griechisch-blauer Hauswand ordentlich Urlaubsfeeling. Als Leser möchte man sich sofort ins Flugzeug steigen, um in griechischen Gefilden ein paar unbeschwerte Tage zu verbringen.

Regina Gärtners 112 Seiten umfassender Kurzroman ist alles andere als ein seichtes Sommerbuch. Neben der zu erwartenden Romanze wartet der Plot mit allerhand zwischenmenschlichen Turbulenzen/Missverständnissen auf, die die Lektüre befeuern.

Es wird die Geschichte von Alison Conrad, einer Londoner PR-Beraterin, erzählt, die für ihre beste Freundin Olympia Vangelis Kontakt zu deren Bruder Alexandros aufnehmen soll. Seit 4 Jahren ist das einst innige Geschwisterverhältnis zwischen Olympia und Alexandros angeschlagen. Damals wurde seine Schwester von den Eltern gezwungen, aus wirtschaftlichen Gründen den Nachbarssohn Dimitrios zu heiraten. Alexandros hat dies gar nicht geschmeckt und er hat sich von der Familie losgesagt, ist Veranstalter für Segeltouren rund um die griechische Chalkidike geworden. Olympia überredet Alison ihren Resturlaub zu nehmen und inkognito einen Segelturn bei Alexandros zu buchen. Doch aus der neutralen Vermittlerin wird schnell die verliebte Europäerin, die nur noch schwer zwischen Herz und Verstand trennen kann. Alexandros ist attraktiv und charmant, aber auch ziemlich dickköpfig und wehe man erweckt den Eindruck, ihn ausspionieren zu wollen. Die Zeichen stehen auf Sturm, denn Alexandros sieht in Alison eine verdeckte Erdölinteressentin, die nur auf sein Familienlandgut scharf ist. Wird sich alles aufklären?

Mir hat Regina Gärtners leichter, gut verständlicher Sprachstil sehr gefallen. Auch die handelnden Personen, allen voran Alexandros und Alison, wurden sehr authentisch gestaltet. Alexandros als einsamer Wolf, der sich nach einer heilen Familie sehnt und Alison, die hilfsbereite Karrierefrau auf der Suche nach privatem und beruflichem Neustart. Sie scheinen perfekt zusammen zu passen, gäbe es nicht allerhand unausgesprochene Wahrheiten...

Fazit
Ein guter Sommerroman mit einer ordentlichen Prise Romantik und einem Hauch von Dramatik. Beste, kurzweilige Unterhaltung!

Bewertung vom 12.05.2015
Gärtner, Regina

Der Glanz von Südseemuscheln


ausgezeichnet

"Der Glanz von Südseemuscheln" ist ein wunderbar vielschichtiger Roman.Er nimmt die Lebensläufe von zwei deutschen Schwestern - Alma und Mathilde - in den Blick. Beide leben in Australien bzw. auf Samoa und werden ungewollt in die Wirren des Ersten Weltkrieges mit hineingezogen. Denn Samoa, einst deutsche Kolonie, wird von den Neuseeländern besetzt.Hinzu kommt, dass Almas Mann, Kapitän Joshua, von einer Seereise nicht mehr zurückkehrt. Wie kann sie als Witwe in Feindesland überleben?Auch Mathilde kämpft mit sich, hat sie sich doch in den neuseeländischen Kapitän Turner verliebt...


Meinung
Die Autorin Regina Gärtner hat eine spannende, geschichtlich interessante Story verfasst, die den Leser in die Zeit zwischen 1914 und 1917 zurückversetzt. Als Art Familiensaga angelegt, schafft es die Fortsetzung von "Unter dem Südseemond", den Leser auf Anhieb von den handelnden Personen zu überzeugen. Vor allem Alma und Mathilde wurden sehr authentisch konstruiert. Die beiden Frauen müssen den inneren Kampf zwischen Emotionen und staatlichen Konventionen täglich neu ausfechten. Ihnen dabei zusehen zu können, macht große Freude.

Zudem helfen die treffenden Zwischenüberschriften, das übersichtliche Glossar und das Kartenmaterial zur besseren Orientierung im 623 Seiten starken Roman. Ausgestattet mit dem genannten Equipment können Verständnisprobleme gar nicht erst aufkommen.

Die Sprache des Romans ist leicht verständlich und insgesamt sehr flüssig. Schnellleser werden sich darüber freuen.
Auch die Träumer und Vielreiser werden ihren Spaß an diesem Werk haben, weil die Szenerie der Südsee (siehe Buchcover) einfach nur traumhaft, exotisch und abenteuerlich zugleich ist.

Fazit
Eine gelungene Symbiose aus Historien- und Familienroman. Weiter so!

Bewertung vom 11.05.2015
Jacobi, Brigitte

Schwiegermutter all'arrabbiata


ausgezeichnet

COVER
Das gemalte Cover hat mich sofort angesprochen. Es versprüht ordentlich Urlaubsfeeling und macht Lust auf einen Italienurlaub.
Die Farben und Motive wurden harmonisch aufeinander abgestimmt. Ich war selbst schon in der Toskana und kann nur sagen, dass dieses auf Bella Italia getrimmte Cover der Wahrheit entspricht und kein bloßes Postkartenmotiv ist.

INHALT
Die Mittdreißigerin Henrike erlebt ihr persönliches Waterloo. Der Pachtvertrag ihrer Lübecker Manufaktur für Marzipan soll nicht verlängert werden und ihr italienischer Freund Dario wurde entführt. Also beschließt sie, so schnell wie möglich, nach Kalabrien zu reisen. Begleitet von ihrem Vater, einem emeritierten Literaturprofessor mit Putzwahn, reist sie in Darios Heimatdorf Pietralucca.

MEINUNG
Die Autorin Brigitte Jacobi hat mit "Schwiegermutter all'arrabbiata" einen richtigen Sommerroman mit einer liebenswerten Protagonistin geschrieben. Die Lübeckerin Henrike Burmeister ist eine chaotische, etwas übergewichtige Frau, was ihr ihr strenger Vater bei jeder Gelegenheit unter die Nase reibt. Sie kommt mir vor wie Don Quijote, der gegen die Windmühlen kämpft. Ihr Marzipan-Geschäft ist bankrott und der Freund mal wieder ohne sie zu seiner Mamma Lucia nach Kalabrien gereist. Schlimmer könnte es nicht kommen.
Als Leser möchte man Henrike einfach nur einmal kurz in den Arm nehmen und sie trösten. Ihre geplante Rettungsaktion ist nicht gerade leicht, weil Schwiegermutter Lucia nichts über Darios Verschwinden oder über dessen deutsche Freundin Henrike weiß. Zähneknirschend nimmt sie die vermeintliche Schwiegertochter Henrike dann doch bei sich, Oma Amelia und Tante Benedetta auf. Im Weiberhaushalt ist der belesene Vater Hoimar bald Hahn im Korb. Wenn er nicht gerade den drei Damen vorliest, dann wird er mit allen möglichen italienischen Spezialitäten gemästet. Leider ohne Erfolg, denn Hoimar ist lang und drahtig. Henrike wird von der Familie hingegen wie das dritte Rat am Wagen behandelt und kulturelle Fettnäpfchen lauern auch überall; was zu einigen heiteren Szenen führt. Insgesamt schafft es Jacobi auf vorzügliche Weise, den Leser einen Einblick in das italienische Familienleben zu gewähren. Letzteres hat ungeahnte, positive Auswirkungen auf das Verhältnis von Henrike und Vater Hoimar - beide verstehen sich nach dieser Reise besser denn je und wissen, was sie im Leben noch wollen.

Neben der herrlich-witzigen Story sind es die Lebenskultur- und Landschaftsbeschreibungen, die den Leser förmlich verzaubern und von Italien träumen lassen.

Der Sprachstil ist angemessen locker-leicht und wird durch eingestreute italienische Vokabeln passend ergänzt. Ein richtiges Buch für Schnellleser und Freunde von humorvollen Büchern im Stile von Jan Weilers "Maria, ihm schmeckt's nicht".

FAZIT
Kurzweiliger, sehr amüsanter Roman für ein bis zwei Stunden. Auf nach Bella Italia!

Bewertung vom 03.05.2015
Redenkämper, Otto

'Dat Leben is kein Trallafitti'


ausgezeichnet

INHALT
Nach 40 Jahren Maloche in einer Zeche ist Otto Redenkämper nun Rentner. In Gelsenkirchen-Buer versucht er sich mit seinem neuen Dasein zu arrangieren. Gegen Langeweile helfen regelmäßige Besuche von Jupps Stammkiosks oder das tägliche aus dem Fenster gucken - natürlich im weißen Feinripp und mit auf ein Kissen gestützten Armen. Otto Redenkämper ist ein liebenswert tollpatschiger Ruheständler mit Herz am rechten Fleck, der für seine Kumpels einsteht und allerhand Unsinn verzapft. So demoliert er u.a. die angefrorene Biotonne mit Auto oder zaubert mal eben aus Schmelzkäse einen Büffel-Mozzarella. Die Frau an seiner Seite hat es daher nicht gerade leicht, aber Wilma kennt ihren Otto mittlerweile aus dem Efeff. Sie bereitet ihm täglich sein Pfefferrührei und sieht über kleine Schrullen hinweg.

MEINUNG
Otto Redenkämpers Buch "Dat Leben is kein Trallafitti" ist ein Kompendium an aberwitzigen Alltagsgeschichten rund um den Rentner Otto. Es lebt von Ottos unnachahmlichen Ruhrpotthumor. Wer die Pottsprache liebt, ist hier genau richtig. So man trifft u. a. auf Wörter wie Killefit, Blagen, Pottgranate oder Buxe. Auch wenn man einmal das ein oder andere Wort nicht kennt, so kann man es sich doch aus dem Zusammenhang erschließen. Ich habe Ottos eigenwillige Art und vor allem seine direkte Sprache sofort ins Herz geschlossen. So sind sie halt die Ruhrpottler, herrlich geradeheraus.

Hier einige Kostproben:
"Die haut sich alles zwischen die Kiemen, was grün ist und nach Komposthaufen aussieht." (S. 16)

"Opa halt deine Dritten fest, es gibt Westwind." (S.163)

Otto Redenkämper agiert als versierter Ich-Erzähler, dessen tragikkomische Geschichten den Leser das Wasser in die Augen treiben lässt. Ich habe während der Lektüre mehr als einmal herzhaft lachen müssen. Besonders über Ottos selbstgeklebtes Augenbrauenfifi mit dem er aussah wie "Lord Opamort" oder das Kristall Mett-Missverständnis. Auch die erwähnten Wortverdreher bzw. Missverständnisse sind herrlich amüsant (z.B. "tabuloses rasen" für "Tabula rasa").

Insgesamt bietet dieses humorvolle Buch beste pointierte, kurzweilige Unterhaltung. Einmal angefangen, will man nicht mehr mit dem Lesen aufhören.

Fazit
Absolute Leseempfehlung.
Glück auf! Auf das dieses Buch viele begeisterte Leser finden wird!

Bewertung vom 29.04.2015
Prammer, Theresa

Wiener Totenlieder / Carlotta Fiore Bd.1


ausgezeichnet

Ich bin sehr dankbar, dass ich Theresa Prammers Kiminalroman "Wiener Totenlieder" lesen durfte, denn er hat mich einfach umgehauen. Ich lese für gewöhnlich nicht so viele Krimis, aber in diesem Fall habe ich mich eines Besseren belehren lassen.

Der Krimi entführt den Leser in die mondäne und zugleich neidvolle Wiener Opernwelt. Doch der schöne Schein ist trügerisch. In der Wiener Staatsoper werden täglich neue Darsteller (Sänger, Souffleusen etc.) ermordet und keiner kann sich diese Mordserie erklären. Der einzig positive Effekt ist, dass der Kartenverkauf immens nach oben schießt. In den Garderoben und Übungsräumen des altehrwürdigen Operhauses grassiert die Angst.

Eines wird klar: schnelle Hilfe muss her. Der Polizist Hannes Wagener engagiert den Gelegenheitsclown bzw. Ex-Polizisten Konrad Fürst und die Kaufhausdetektivin Carlotta Fiori, um die Verbrechen aufzuklären. Beide schleichen sich als Statisten in die Oper ein und stoßen dort Schritt für Schritt auf wichtige Hinweise.

Die Wiener Autorin Theresa Prammer kennt sich als ehemalige Schauspielerin am Wiener Burgtheater und an der Volksoper sehr gut mit der Wiener Kunstszene aus, das merkt man ab der ersten Zeile. Zudem versteht sie es in ihrer Funktion als Regisseurin, Spannung aufzubauen und den Leser bei der Stange zu halten. Ihr temporeiches, engmaschiges Werk fasziniert. Die Hauptprotagonisten - Konrad und Carlotta - überzeugen in ihren Rollen, weil sie menschliche Schwächen und Einzelschicksale abbilden. Auch die Nebendarsteller fügen sich stimmig in die Handlung ein. Letztere bereitet einfach nur großen Lesespaß und könnte gut für ein TV-Format herhalten.

Fazit
Ein überzeugender Krimi, der nach einer ebenso spannungsgeladenen Fortsetzung verlangt. Wohlverdiente 5 Sterne.