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gaby2707

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Insgesamt 2034 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2022
Bogdan, Isabel

Der Pfau


ausgezeichnet

Ich bin begeistert...

von dem britischen Humor, von den außergewöhnlichen Personen, von Verwicklungen, die skurriler nicht sein könnten.
Aber von Anfang an:
Zusammen mit ihren Untergebenen Jim, Andrew, David und Bernhard macht sich Chefin Liz zu einem Teambuildingausflug in ein kleines Tal am Fuße der schottischen Highlands auf. Mit dabei Psychologin Rachel und Köchin Helen, die für das leibliche Wohl sorgen wird.
Lady Fiona und Lord Hamish McIntosh vermieten auf ihrem renovierungsbedürftigen Landsitz, den sie zusammen mit ca. 10 Pfauen, 2 Hunden, einer Gans, dem polnischen Mann für „Alles“ Ryszard und Aileen, der Haushalts- und Putzhilfe bewohnen, kleine Cottages und ein größeres Haus, das jetzt die Mitglieder der Investmentabteilung einer großen Bank übers Wochenende beziehen. Ab Mitte September dreht einer der Pfauen regelmäßig durch, wenn er blau sieht.
Was das an Verwicklungen und Missverständnissen mit sich bringt, habe ich in diesem Buch von Isabel Bogdan gelesen.
Im Grund ist es eine kleine Geschichte, die sehr schnell erzählt ist. Aber was die Autorin daraus gemacht hat, hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Einfach köstlich. Vielleicht auch gerade deshalb, weil ich mir das ganze Prozedere in diesem kleinen Tal, wo es plötzlich zu schneien beginnt, der Strom ausfällt und die Menschen untereinander langsam auftauen, so gut vorstellen kann. Und weil jeder meint, sein Wissen für sich behalten zu müssen, was zu den verschiedensten Missverständnissen und Geheimnissen führt. Obwohl ich ja weiß, wie alles zusammenhängt, ist es so amüsant zu lesen, wie die einzelnen Personen mit dem Geschehen umgehen.
Eine rundum gelungene Geschichte mit einem very britischen Humor. Ich liebe es.

Bewertung vom 09.01.2022
Lind, Hera

Mit dem Rücken zur Wand


ausgezeichnet

Erschreckend, packend, lesenswert!

Sara Müller hat vor einem Jahr nicht nur ihre Mutter an den Krebs verloren. Ihr Mann kam bei einem Autounfall ums Leben. Nun ist auch noch ihre geliebte Großmutter verstorben. Die hat Sara ihr Haus in Pützleinsdorf vererbt. Aber dieses Haus grenzt an das Haus ihres Vaters Heinz, ihr Elternhaus, aus dem sie vor vielen Jahren geflohen ist. Soll sie nun dort neben am Mann, der sie gedemütigt und verprügelt hat, so lange sie zurück denken kann, mit ihren beiden kleinen Kindern einziehen? In der Hoffnung, dass sich ihr Vater vielleicht im Laufe der Jahre geändert hat, wagt sie den Umzug. Aber sie hat sich schwer getäuscht.


In den vergangenen Wochen habe ich die Autorin Hera Lind immer mal wieder in Talkshows gesehen und über ihr neues Buch reden hören. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Und ich habe es nicht bereut.

Gerade in Zeiten von Corona liest man immer wieder Artikel über häusliche Gewalt. Es aber hier von einer direkt Betroffenen zu lesen ist nochmal grausamer und erschreckender. Weil ich fast mittendrin bin und nicht nur als Zuschauer am Zaun stehe.

Was ich bei den Schilderungen von Sara aus ihrer Kindheit und auch als sie mit ihren Kindern im Haus ihrer Oma lebt zu lesen bekomme ist schon extrem hart und kaum zu glauben. Was für mich auch so schwer zu begreifen ist, dass ihr Vater, von dem die meisten Dorfbewohner wissen, wie er tickt, mit allem durchkommt; sie von niemandem Hilfe zu erwarten hat. Sogar die Polizei, bei der ihr Vater durch verschiedenste Delikte aktenkundig ist, macht ihr keine Hoffnung. Das hat mich beim Lesen immer wieder fassungslos werden und an unserem Rechtssystem zweifeln lassen.
Da kann ich Sara sehr gut verstehen, dass sie selbst handelt, einen Plan schmiedet, wie sie dem Monster nebenan entkommen kann – und dafür dann vor Gericht gestellt wird.

Die Geschichte, die Sara erlebt hat, braucht keine Spannung erzeugenden Zusätze. Sie ist an sich so spannend und aufwühlend, dass ich hier und da mal eine Pause machen musste, um das alles zu verdauen.

Auch das Nachwort der Autorin und der Protagonistin Sara finde ich sehr interessant und aufschlussreich. Beide Darstellungen runden den Roman sehr gut ab.

Eine Geschichte, die zeigt, mit wie viel Angst, Verzweiflung, Demütigung, Zorn und Wut diese junge Frau umgehen musste. Bis zu dem Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens -
versuchter Mord bzw. Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung. Wie es dazu kommt und wie es ausgeht, lest ihr hier in diesem packenden Roman von Hera Lind.

Ich möchte diesen Roman absolut empfehlen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.01.2022
Sohr, Daniel

Ein Drache auf Burg Erbsenfels - Leserabe ab 1. Klasse - Erstlesebuch für Kinder ab 6 Jahren


ausgezeichnet

Ein tolles Drachenabenteuer für junge Erstleser
Jungritter Bruno tut sich schwer mit Pfeil und Bogen. Was Ritter Otto, der ihn ausbilden soll, gar nicht gefällt. So geht der erst mal auf die Jagd um einen Bären fürs Essen zu schießen. Während Bruno im Burgturm seinen verschossenen Pfeil sucht, kracht es im Burghof. Dort liegt plötzlich ein Drache. Sind Drachen nicht gefährlich? Nein, Drache Yuri ist das ganz und gar nicht. Bruno und er schließen sogar Freundschaft.
Ein tolles Abenteuerbuch mit 48 Seiten unterteilt in 4 Kapitel für alle kleinen Drachenfans, die mit Bruno, Yuri und dem Leseraben lesen üben wollen. Dazu eignen sich die großformatige Druckschrift und die knappen Sätze der spannenden und lehrreichen Geschichte über Mut, Vorurteile und Freundschaft überaus gut.
Sehr gut gefallen mir auch die bunten Illustrationen auf denen man bei Bruno und Yuri sehr gut an der Mimik ihre jeweiligen Gefühle ablesen kann.
Hinten im Buch gibt es einen Bogen mit 8 Stickern. Nach jedem gelesenen Kapitel kann man einen Sticker als Belohnung in das dafür vorgesehene Feld einkleben. Dazu gibt es noch ein Leserätsel und wenn man das Rätsel für die Rabenpost gelöst hat, kann man auch noch etwas gewinnen.
Genau wie die Stiftung Lesen empfehle ich dieses Buch jedem Leseanfänger und Drachenfan sehr gerne.

Bewertung vom 09.01.2022
Römer, Lotte

Orangencreme und süße Träume


ausgezeichnet

Ein wunderschöner Ausflug an den Gardasee

Seit ihre Eltern bei einem Kletterunfall vor 4 Jahren ums Leben kamen, hat Valentina Dorner, 22, die Mutterstelle für ihren Bruder Tim, 18, übernommen. Aus ihrem Heimatort im Bayrischen Wald sind die beiden ins sonnige Italien an den Gardasee gezogen. Valentina arbeitet hier im kleinen privat geführten Hotel „Casa Feliciità“ in Limone sul Garda, wo sie als Kinder schon Urlaub gemacht haben, bei der leidenschaftlichen Köchin Antonella als Mädchen für alles. Als Maximilian Richter, ein leidenschaftlicher Kletterer, mit seiner Mutter Helene im Hotel eincheckt, beginnt sich die Welt von Valentina plötzlich schneller zu drehen.

Diesen wunderschönen Ausflug nach Bella Italia an den Gardasee habe ich bei dem usseligen Wetter, das wir hier gerade haben, absolut gebraucht und sehr genossen.
Lotte Römer hat einen so mitreißenden Schreibstil, der mich sofort in diese so liebevolle Geschichte hinein gezogen hat. Eine tolle Location, wo ich sehr gerne auch mal mit Antonella auf der kleinen Bank am Hotel sitzen würde um ganz in Ruhe einen Cappuccino zu trinken. Wunderbare Menschen, denen ich hier begegne. Allen voran natürlich Valentina, die so hart arbeitet um ihrem Bruder den Lebensstil weiter zu ermöglichen, den er bisher gekannt hat. Tim, der mir mit seiner kindischen, störrischen und unnachgiebigen Art zuerst gar nicht gefallen hat, macht nach einem Gespräch mit seiner Schwester einen sehr positiven Wandel durch. Natürlich Maximilian, der von Anfang an eine fürsorgliche und absolut liebenswerte Art an den Tag legt, die es einem fast unmöglich macht, ihn nicht zu mögen. Und natürlich Antonella, die liebevolle kreative Mama des Hauses, deren einziger Lebenszweck es zu sein scheint, andere glücklich zu machen. Ihre Gerichte sind einfach ein Gedicht. Da bekomme ich beim Lesen dauernd Appetit. Kein Wunder, dass die Gäste immer wieder gerne zu ihr ins kleine Hotel kommen. Eine absolute Wohlfühl-Oase.
Die Autorin spricht beim Lesen wirklich alle meine Sinne an. Die Schilderungen der Umgebung sind so lebhaft, dass ich sofort dort hin reisen möchte; der Blick von den Bergen ins Tal liest sich so traumhaft schön und ich habe das Panorama direkt vor Augen. Das Aroma der leckeren Speisen, die Antonella immer frisch zubereitet, habe ich noch immer in der Nase. Dazu eine kleine Liebesgeschichte, die mich wie ein warmer Mantel eingehüllt hat. Außerdem habe ich auch noch etwas übers Klettern gelernt.
Ein absoluter Wohlfühl-Liebesroman in einer traumhaft schönen Kulisse, den ich sehr gerne gelesen habe.

Bewertung vom 08.01.2022
Eriksson, Kjell

Die Nacht des Feuers / Ann Lindell Bd.8


gut

Ein Thriller, der mich nicht angesprochen hat

Das idyllische Cover vermittelt zwar ein bisserl schwedisches Lebensgefühl, hat aber so gar nichts mit der eher düsteren Geschichte aus der schwedischen Provinz Uppland gemein.

Ann Lindell ist aus dem Polizeialltag ausgestiegen um sich ihrem Alkoholproblem zu stellen und wieder zu sich selbst zu finden. Sie hat sich in der schwedischen Kleinstadt Tilltorp niedergelassen und arbeitet hier halbtags in einer Käserei. Als bei einem Brand in der alten Schule, wo derzeit 49 Asylanten auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung untergebracht sind, ein Feuer ausbricht und 3 Menschen sterben, erwacht bei ihr der Spürsinn und sie versorgt ihren ehemaligen Kollegen Sammy Nilsson, der mit privaten Problemen zu kämpfen hat, mit Infos aus dem Dorf, wo immer viel geredet wird. Dann kommt bei einem weiteren Brand in einer Schmiede die junge Lovisa Friman ums Leben. Hängen die Brände zusammen? Kommt dazu vielleicht auch noch der Sprengstoffanschlag in Hökarängen?

Ich habe normalerweise keine Schwierigkeiten mich in eine Geschichte hinein fallen zu lassen. Hier ist mir das bis zum Schuss leider nicht gelungen. Die Story hat mich nicht gepackt, mich nicht fesseln können. Vielleicht liegt es aber auch an der, wie ich finde, nicht so guten Übersetzung, dass ich keinen Zugang gefunden habe. Weder zu den Menschen, wo ich mit den vielen für mich fremden Namen Probleme hatte, noch zu dem Fall, bei dem mir die Spannung gefehlt hat. Obwohl das Thema Rechtsextremismus und Fremdenhass sehr gut gewählt ist. Ein aktuelles Thema, sowohl hier bei uns in Deutschland, als wohl auch in Schweden. Dazu wird die Dorfidylle so richtig auseinander genommen. Geheimnisse und Abgründe werden aufgedeckt. Kjell Eriksson gelingt es sehr gut, die dörfliche Atmosphäre zu beschreiben, wo bald keiner mehr weiß, wem er noch trauen kann und wem nicht.

Die Menschen, die ich hier kennenlerne, angefangen bei Ann Lindell und Sammy Nilsson, finde ich durchweg sehr gut und eindrücklich beschrieben. Ihre Beziehung untereinander, vor allem der Dorfbewohner, werden beleuchtet und einiges kommt zutage, was wohl unter dem Mantel der Verschwiegenheit hätte bleiben sollen.

Der Schreib- und Erzählstil hat mich nicht angesprochen. Die dauernden Abschweifungen waren mir zu viel. Dadurch fiel die aufkommende Spannung immer wieder in sich zusammen. Manche verschachtelten Sätze musste ich ein paar mal lesen um sie zu verstehen.

Ein Thriller mit viel Potential, der mich leider nicht angesprochen hat.

Bewertung vom 07.01.2022
Gladwin, Laura

Was uns schmeckt


ausgezeichnet

Einfach köstlich

Unser Enkel beginnt gerade sich näher mit seinem und unserem Essen und den dazugehörigen Lebensmitteln zu beschäftigen. Und da tun sich natürlich Fragen auf. Da fand ich es sehr hilfreich, als ich auf Vorablesen auf das Buch „Was uns schmeckt - Ein Atlas der Köstlichkeiten“ von Laura Gladwin aus dem Insel-Verlag gestoßen bin.
Hier erfahren wir, als erstes viel Grundsätzliches: wie wir unser Essen mit allen Sinnen genießen; wie sich unser Essen auf unseren Körper auswirkt; was das Essen mit unserem Planeten macht und dass es eine unendliche Vielfalt an Lebensmitteln gibt.
Auf 92 Seiten erfahren wir einiges über Obst und Gemüse, Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch und Geflügel, Würzmittel, Gewürze und Kräuter, Vegetarisches, Gebäck, Eingelegtes und Getrocknetes und sogar Backzutaten in unserem Vorratsschrank werden thematisiert. Auch Lebensmittel mit vielen Kohlehydraten wie Brot, Kuchen, Reis etc. finden hier ihren Platz. Alles wird auch noch in verschiedene Unterpunkte gegliedert. Einige der Lebensmittel, die hier angesprochen werden, kannten wir bisher gar nicht. Wobei das Buch anregt, auch diese in Zukunft mal zu probieren und so kulinarisch in die weite Welt einzutauchen. Dazu verleiten auch die Rezeptideen am Ende des Buches.
Als Highlight des Buches überhaupt empfinde ich die liebevollen Illustrationen der vorgestellten Köstlichkeiten. Zu jedem Lebensmittel bekomme ich ein Bild mit seinem Namen und einer kurzen Beschreibung. So detailreich und liebevoll gestaltet bieten sich allein schon ein absolutes Lese- und Anschauvergnügen.
Ich habe das Buch mit meinem Enkel durchgeschaut und war froh, dass die allermeisten seiner Fragen im Buch bei den einzelnen Lebensmitteln schon direkt beantwortet wurden.
Ein wundervolles kindgerechtes Sachbuch für die ganze Familie voller Köstlichkeiten aus aller Welt, das Zoe Barker ganz wunderbar und liebevoll illustriert hat und das wir bestimmt noch oft zur Hand nehmen werden.

Bewertung vom 06.01.2022
Barks, Carl

Onkel Dagobert und der Geist der Weihnacht


ausgezeichnet

Nostalgie pur!

Ich bin mit Donald Duck und seinen Großneffen Tick, Trick und Track aufgewachsen. Daher habe ich mich riesig auf „Onkel Dagobert und der Geist der Weihnacht“, eine Bilderbuchgeschichte in Anlehnung an die weltbekannte Weihnachtsgeschichte um Ebenezer Scrooge von Charles Dickens gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Onkel Dagobert verhält sich in der Geschichte genau wie sein Vorbild Ebenezer Scrooge: abweisend und geldgierig. Ein Unsympath auf ganzer Linie, der Dank seiner Großneffen doch noch den Geist der Weihnacht, also was Weihnachten wirklich bedeutet, erfährt.

Norman McGary hat die Original-Zeichnungen von Carl Barks aus dem Jahr 1960 überarbeitet. Sie haben mich an die alten Disneyfilme bzw. die alten Entenhausen-Comics erinnert. Da kommt schon etwas Nostalgie auf.

Als Zusatz bekomme ich zum Schluss noch drei Kurzcomics mit Donald Duck rund um das Thema Weihnachten und Geschenke. Ein Ausschnitt aus er Weihnachtsgeschichte rundet das ganze ab.

Durch die große Schrift können Kinder ab 7 Jahren die Bilderbuchgeschichte auch schon selbst lesen. Da die Geschichte aus mehr Illustrationen als Text besteht, werden sie hier auf den 32 Seiten auch nicht überfordert. Mir reicht es allerdings schon nur die Bilder anzuschauen und mich vom „Geist der Weihnacht“ berieseln zu lassen. Einfach nur schön.

Ein Muss für alle Entenhausen-Fans und solche, die es mit diesem Buch bestimmt werden.

Bewertung vom 06.01.2022
Persson Winter, Fredrik

Der Gräber


sehr gut

Nichts für schwache Nerven

Genau wie bei „Dinner for one“ am 31.12. spielt sich seit 5 Jahren das gleiche Prozedere hier am 6.11. ab. „Der Gräber“ wählt in den Göteborger Villenvierteln ein allein lebendes Opfer aus, gräbt sich durch die Erde und gelangt durch die Kellerfußbodendecke in die Häuser. Durch den Tunnel durch den er gekommen ist, verschleppt er sein Opfer in seine Unterwelt.
Kriminalkommissarin Cecilia Wreede und ihr Kollege Kriminalkommissar Jonas Andrén tun alles um den „Gräber“ zu finden. Aber seit 5 Jahren haben sie fast nichts an Spuren, was sie auf seine Fährte bringen könnte.
Lektorin Annika Granlund plagt die Sorge um den Eklund-Verlag. Sie brauchen mal wieder einen Bestseller, damit der Verlag nicht in die Pleite rutscht. Da findet sie eines morgens ein verdrecktes Manuskript mit einer schonungslosen, beängstigenden und gruseligen Story vor ihrer Bürotür. Als Absender Jan Apelgren, der Autor, der seit 6 Jahren zusammen mit seiner Frau verschwunden ist und den sie als Lektorin jahrelang betreut hat.

Die Geschichte wird anfangs aus zwei Perspektiven erzählt. Zum einen lerne ich so die Lektorin Annika Granlund kennen, die für sich und ihren Mann ein neues Haus sucht. Aber bitte ohne Keller. Damit hat sie als Kind schlechte Erfahrungen gemacht.
Als nächstes erlebe ich die Geschichte aus Sicht der Kommissarin Cecilia Wreede. Hier fehlt mir allerdings die Recherche, die Ermittlungsarbeit. Die rückt für mich zu stark in den Hintergrund.
Später meldet sich dann auch „der Gräber“ mit seiner Geschichte von vor 6 Jahren zu Wort. Wie er zu dem wurde, was er jetzt ist. Aber ich lese schon vor jedem neuen Kapitel von ihm, wo er etwas Privates von sich preis gibt.
Mir hat es Spaß gemacht, den eindringlich und gut vorstellbar skizzierten Personen, die alle ihre Eigenheiten haben, zu folgen.

Die bildhaften und farbigen Beschreibungen mit einigen richtig gruselige Szenen fachen das Kopfkino ab der ersten Seite an. Die Spannung steigt anfangs recht hoch, lässt aber dann stark nach, bis sie zum Ende hin wieder hochsteigt. Den Mittelteil empfinde ich persönlich als etwas langatmig, teils sogar langweilig bzw. uninteressant. Aber zum Ende hin nimmt die Geschichte so an Fahrt zu, wird wieder richtig aufregend. Da hätte ich noch stundenlang weiter lesen können. Bis auf wenige Fragen hat sich für mich auch alles schlüssig aufgeklärt.

Ein Thriller mit einer richtig guten Geschichte, dem es für mich leider etwas an Spannung fehlt. Unterhalten hat er mich trotzdem gut.

Bewertung vom 04.01.2022
Kliesch, Vincent

Im Auge des Zebras / Olivia Holzmann Bd.1


ausgezeichnet

Ein super spannender Serien-Auftakt

An verschiedenen Orten in Deutschland werden insgesamt 7 Jungs von ein und dem selben Täter entführt. Kurz darauf werden ihre Eltern ermordet. Ebenfalls vom selben Täter. Wie kann das sein? Kommissarin Olivia Holzmann vom BKA Berlin steht vor einem Rätsel. Die heiße Spur zu Fjodor Sokolov, einem mächtigen Spieler im internationalen Drogenschmuggel, entpuppt sich schnell als Luftnummer. Sie bittet ihren ehemaligen Kollegen und Mentor, den legendären Severin Boesherz, der sich unwiderruflich aus dem Ermittlerleben zurückgezogen hat, um Hilfe. Doch der hat kein Interesse, sich in den Fall hinein ziehen zu lassen. Und den 7 entführten Jungs läuft die Zeit davon.


Durch den leisen und doch sehr eindringlichen Erzählstil von Vincent Kliesch gelingt es mir mühelos in die Geschichte hinein zu finden. Die kurzen Kapitel machen die Story sehr schnell und ich fliege nur so durch die Seiten. Die Spannung ist sofort da und steigert sich immer weiter, bis das Ganze, wie kann es anders sein, ein gutes Ende findet. Aber bis dahin gibt es einige für mich nicht so überraschende und einige absolut überraschende Wendungen, die dem Ganzen noch mehr Speed geben.

Was mich auch total fasziniert hat, sind die so unterschiedlichen Menschen, die ich hier kennenlerne. Sei es Olivia Holzmann, die mir sofort sehr sympathisch war. Oder Severin Boesherz und sein Sohn Ferdinand, die mich mit ihrem fotografischen Gedächtnis beeindrucken. Auch Esther Wardy, die vor 20 Jahren schon mal einen ähnlichen Fall bearbeitet hat, finde ich sehr interessant.

Da die Geschichte aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt wird, habe ich immer einiges an Informationen mehr, als die Ermittlerin. Auch kann ich so sehr gut nachvollziehen, was in den Köpfen der verschiedenen Menschen hier vorgeht und warum sie so handeln, wie sie es tun.

Das Motiv des Zebras, das mich schon auf dem Cover angezogen hat, zieht sich durch die Geschichte wie der rote Faden.

Ein dramatischer Fall, der es in sich hat. Bei dem ich mitgefiebert und mitgelitten habe. Der mich bedrückt und erschüttert hat. Bei dem mich das Ende schockiert hat. Bei dem ich Mitleid gespürt habe. Mit den beiden Kindern, die vor 20 Jahren entführt wurden und die nur mit großem Glück einem gespenstischen Schicksal entkommen sind. Und mit den Jungs, die heute darauf warten, ob sie dem Tod noch entkommen können. Ein Buch, das gespannt macht, auf das, was da hoffentlich bald nach kommt. Ein Buch, das eine eindeutige Leseempfehlung bekommt.

Bewertung vom 31.12.2021
Fröhling, Heike

Weil Träume unendlich sind


ausgezeichnet

Die bewegende Lebensgeschichte einer sehr interessanten Frau

Nachdem ich bereits das 1. Buch "Weil ich an uns glaubte“ aus der Reihe „Zeit der Schattenfrauen“ von Heike Fröhling gelesen habe, wollte ich natürlich auch wissen, wie es Marlies Schwester Ruth in ihrem Leben ergangen ist.

Nach einem Schwächeanfall wird der 81-jährigen Marlies bewusst, dass sie vielleicht nicht mehr lange zu leben hat. Sie möchte ihre 6 Jahre jüngere Schwester Ruth noch einmal sehen, mit der sie vor vielen Jahren im Streit auseinander gegangen ist. Marlies Enkelin Lena macht sich auf die Suche nach ihrer Großtante und wird im Internet schnell fündig…


Mir hat die Lebensgeschichte von Marlies schon sehr gut gefallen. Ruth ist ein ganz anderer Charakter und zu ihr passt der Titel „Weil Träume unendlich sind“ so gut. Sie ist auf alle Fälle mein Liebling der beiden Frauen.

Heike Fröhling schreibt so wunderbar flüssig und leicht, zieht mich so schnell in die Geschichte hinein. Ich fühle mich Ruth sehr nahe. Ich bin ihr schnell viel näher, als ich Marlies je gekommen bin. Vor allem Ruths Arbeit bei den Fledermäusen hat mich stark beeindruckt und in ihre Einsamkeit mit abtauchen lassen. Die Landschaftsbeschreibungen auf Usedom laden zum Träumen und Verweilen ein und ich will mir das alte Forsthaus unbedingt einmal anschauen. Vielleicht finde ich ja auch Anders´ Wohnwagen.

Auch Lena, Ruth´s Großnichte war mir gleich sympathisch. Ich finde es toll, wie sie versucht ihrer Oma deren Wunsch zu erfüllen und ihre Schwester zu finden. Die Gespräche zwischen ihr und ihrer Großmutter und später mit Ruth empfinde ich als sehr emotional. Sie haben mich berührt und bewegt. Lena scheint ihrer Großtante um so vieles näher als ihrer Oma. Auch sie hat ihre kleinen Sorgen und ich finde es toll, wie sie beginnt ihr derzeitiges Leben zu hinterfragen.

Besonders gefallen haben mir auch die Menschen, die ich im Forsthaus kennenlerne: Emmi Junker, die als Köchin für das leibliche Wohl zuständig ist; Herr Moosbacher, der sich Ruth schon fast liebevoll annimmt und seine „Waldarbeiter“ Andreas, Werner und Manfred, die Ruth als die wohl erste und einzige Frau in ihrer Mitte so selbstverständlich annehmen.

Eine Geschichte, die mich stark beeindruckt und berührt hat. Die auch nachdenklich macht. Die mich aber hauptsächlich sehr gut unterhalten hat. Eine fesselnde, packende und ergreifende Geschichte über eine mutige, starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und es trotz aller Widerstände schafft, ihren Jugendtraum zu verwirklichen.