Benutzername: gaby2707
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Insgesamt 276 Bewertungen
Bewertung vom 18.09.2017
In einem anderen Licht
Burseg, Katrin

In einem anderen Licht


sehr gut

Miriam Raven lebt mit ihrem 5-jährigen Sohn Max in Hamburg-St. Georg. Seit ihr Mann, der als Fotojournalist im gleichen Verlag arbeitete wie sie, vor 2 Jahren bei einem Auslandseinsatz ums Leben gekommen ist und sie daraufhin ihr Baby verloren hat, kümmert sie sich nur noch um Max und ihre neue Arbeit bei der Frauenzeitschrift Anabel.
Sie bekommt wie so oft in den letzten Tagen einen Stapel Post. In den großen Umschlägen sind Bewerbungen für den mit € 25.000,00 dotierten „Preis für Zivilcourage“, den die „Lady mit dem Löwenherzen“, wie die verwitwete Reederswitwe Dorothea Sartorius von den Hamburgern genannt wird, ausgelobt hat und der im Mai im Schauspielhaus übergeben werden soll. Diesmal ist aber noch ein anderer Umschlag mit dabei. Reinweiß, ohne Absender mit einem einzigen Satz auf einem weißen Blatt Papier „Fragen Sie Dorothea nach Marguerite!“ Unterschrift Elisabeth. Miriam, die diese Briefe ab jetzt jeden Tag erhält, versucht sie zunächst zu ignorieren. Aber als der 14 Brief kommt, beginnt sie zu recherchieren. Bei einem Interview mit der Mäzenin spricht sie sie auf diese Briefe an. Der einzige Kommentar von Frau Sartorius: Fragen Sie Elisabeth – Elisabeth Manzel.
Bei einem Besuch in einem Kloster an der Schlei kommt sie dem Geheimnis und einem Drachenbauer Bo sehr nahe.

Miriam war mir von Anfang an sehr sympathisch. Ein paar Tage bevor der Todestag ihres Mannes sich zum 2. mal jährt, kämpft sie wie so oft mit ihrer Trauer, die für sie nicht weniger zu werden scheint. Bei ihr ist es ein schwarzer Rabe, der unter ihrem Rippenbogen sein Unwesen treibt. Ich denke, jeder, der eine solche Zeit schon mitgemacht hat, kann sich sehr gut in die junge Frau hineinversetzen. Auch ihre Schuldgefühle, die der Rabe aufrüttelt, wenn sie beginnt sich etwas Neuem zuzuwenden, ist sehr anschaulich beschrieben. Ebenso wird die Trauer ihres kleinen Sohnes Max stark thematisiert und wie Miriam versucht mit seinen Wutausbrüchen klarzukommen und umzugehen. Ich hab den Knirps sofort in mein Herz geschlossen.

Katrin Burseg hat einen Schreib- und Erzählstil, der es mir schwer gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen. Sie wertet nicht, was ich sehr gut finde. Ich kann mir mein Urteil über die Personen und ihr Handeln selbst bilden. Ich denke, dies ist ein Buch bei dem man über Einiges sehr gut diskutieren kann.

Vielleicht sollte man sich, bevor man an diese Lektüre geht, mit den politischen Hintergründen in Deutschland in den 70er Jahren, dem RAF-Terror und dem sogenannten Deutschen Herbst vertraut machen. Es wird zwar auf einiges eingegangen, aber ich war froh, dass ich doch ein Grundwissen über diese Zeit hatte.

Das Geheimnis, das sich um die Reederswitwe rankt, bringt in die Geschichte eine gewisse Spannung, die ich als sehr angenehm empfunden habe. Ganz langsam kommt Miriam dem Ganzen auf die Spur – und ich bin mittendrin und voll dabei. Dabei stellt sich auch mir die Frage: Liegt die Wahrheit wirklich nur im Auge des Betrachters? Und gibt es wirklich so viele Zufälle, wie sie sich hier häufen?

Eine sehr berührende Geschichte über Trauerbewältigung, Neuanfang, Schuldgefühle und den Mut auch im Nachhinein zu seiner Vergangenheit zu stehen. Ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

Bewertung vom 16.09.2017
Bittere Liebe an der Ruhr
Detering, Monika; Radke, Horst-Dieter

Bittere Liebe an der Ruhr


ausgezeichnet

Juni 1957. Heiko Harms, Fotojournalist extra aus Cuxhafen angereist um in dem Naturschutzgebiet am Rhein Vogelaufnahmen zu machen stolpert im wahrsten Sinne des Wortes über eine Leiche im Wasser. Kriminalkommissar Alfred Poggel und seine Mitarbeiter Jürgen Schnittger und Rosemarie Stankowski haben alle Hände voll zu tun um den Mörder ausfindig zu machen. Aber auch Poggels Vermieterin und selbsternannte Ermittlerin aus Leidenschaft Anna Puff will unbedingt wieder bei der Aufklärung helfen um ihrem neuen Freund und Untermieter Boris Nikitisch Pawlenko aus Odessa zu imponieren.

Dies ist wieder einer der ruhigen und leisen Krimis, die ich so mag. Ohne großes Blutvergießen bin ich von dem Auffinden der Leiche bis zur endgültigen Aufklärung in den Gedanken und Taten der Ermittler mit dabei. Die ein oder andere Anekdote hat mich sogar schmunzeln lassen.

Was diesen Krimi so charmant macht ist zum einen der Ruhrpottdialekt, den Anna Puff in Vollendung beherrscht. Und wie sich Kriminalinski ausdrückt und dem ich total zustimme: "Der Krimi is ja getz kwasi inne Vergangenheit am spielen. Abba dat machen die beiden Autoren total töffte." Nochmal mit Schreibmaschine, Telefonzelle, Nierentischchen, Metigel und Plattenspieler konfrontiert zu werden, war für mich, die ich genau zu dieser Zeit geboren wurde, ein einziger Genuss.

Die Autoren haben es sehr gut verstanden mich mit ihrem Erzählstil direkt in die Geschichte bzw. Anna Küche, ihr Schlafzimmer, oder das Büro der Kommissare hineinzuziehen. Die Personen mit ihren Ecken und Kanten haben mir allesamt gut gefallen. Sie sind detailreich und gut vorstellbar beschrieben. Besonders Anna hat sich mit ihrem Dialekt und ihrer manchmal etwas einfachen Denkweise schnell zu meinem Liebling gemausert. Es hat mir auch gefallen, dass ich etwas Privates von Poggel lesen durfte. Genau so dosiert, dass es den eigentlichen Fall nicht gestört hat.

Der Kriminalfall selbst ist gut durchdacht, interessant und es hat doch bis zum Schluss gedauert, bis auch ich den Täter ausgemacht hatte.

Wer einen bierernsten, knallharten Krimi lesen will, der ist hier verkehrt. Wer sich aber von den Kommissaren und Anna Puff in die 50er Jahre entführen lassen und bei einem interessanten Fall dabei sein will, der ist hier genau richtig.

Bewertung vom 14.09.2017
Morgen ist es Liebe
Maifeld, Monika

Morgen ist es Liebe


sehr gut

Mich hat das Cover mit den Luftballons und dem händchenhaltenden Paar gleich in seinen Bann gezogen. Außerdem lerne ich gerne neue Autoren mit ihrem ersten Buch kennen. Da mich auch der Klappentext und vor allem die Leseprobe angesprochen hat, muste ich dieses Buch unbedingt lesen.

Die Ärztin Dr. Alexandra Nowak ist nach ihrem letzten Arbeitstag vor Weihnachten auf dem Weg zu ihrer Mutter. Auf ihrer Abkürzung durch den Weinberg hat sie einen schweren Unfall. Martin Hallberg wollte hier im Weinberg eigentlich heute Nacht seinem Leben ein Ende setzen. Doch nun wird er zum Retter in allerhöchster Not. Er legt Alexandra noch seinen Mantel um und verschwimdet, bevor der Notarztwagen eintrifft. Später stellt er fest, dass sein Abschiedsbrief in der Manteltasche steckt. Und so nähert er sich langsam Alexandra, die sich zu ihrer Mutter zurück gezogen hat um hier gesund zu werden.

Die Geschichte, die 3 Tage vor Weihnachten beginnt und sich bis in die erste Woche des neuen Jahres hineinzieht, ist schon sehr vorhersehbar. Man weiß sofort, dass die beiden Hauptpersonen gar nicht anders können, als zusammen zu kommen. Aber durch viele Missverständnisse, Wendungen und Irrungen, wie im richtigen Leben halt auch manchmal, habe ich immer mit Alex und Martin mitgefiebert.

Ganz besonders gut gefallen hat mir auch Alexandras Mutter Martha mit ihrer warmherzigen, gütigen Art.
Aber es geht nicht nur um die Liebe. Auch Themen wie die Folgen von Arbeitslosigkeit oder unser Sensations-Journalismus finden Eingang in die Geschichte.

Normalerweise sind reine Liebesgeschichten nicht so meins. Aber hier wird durch den verschwundenen Abschiedsbrief eine Spannung aufgebaut, die mich absolut beim Lesen hält. Warum sich Martin umbringen wollte, hat sich mir allerdings bis zum Schluss nicht erschlossen.

In Sachen Stil und Sprache ist nach oben noch Luft. Die Dialoge könnten flüssiger und aussagekräftiger sein. Aber da dies ein Debüt ist, sehe ich es mal nicht ganz so eng.

Eine bezaubernde, berührende Geschichte, die mich verzaubert hat und die ich gerne gelesen habe.

Bewertung vom 14.09.2017
Sonntags fehlst du am meisten
Drews, Christine

Sonntags fehlst du am meisten


ausgezeichnet

Ein heiterer Familienroman – so dachte ich mir, als ich das Cover gesehen habe. Aber weit gefehlt. Christine Drews, die ich bisher nur von ihren Krimis her kenne, macht mich mit einer Familie bekannt, in der es vor Problemen nur so wimmelt. Nur werden diese Probleme nicht behandelt, sondern unter den Tisch gekehrt. Es gibt keine Auseinandersetzungen miteinander, eine Streitkultur kennt man in dieser Familie nicht. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Carolina an ihren Problemen zerbricht und schon früh zu trinken beginnt. Bis zu diesem Unfall kommt, der ihr Leben aus den Fugen schleudert, sie aber nach ihrem Entzug beginnt, sich mit sich selbst und den Erlebnissen der vergangenen Jahren auseinander zu setzen.
Ab 1944 bis 2016 erfahre ich, wie Caros Vater Carl Weber den Krieg zusammen mit seinem Mutterle und seiner Schwester überlebt hat, wie schwer er im Westen als Flüchtling schuften musste, bis er seinen eigenen Betrieb aufgebaut hatte. Caro war seit ihrer Geburt immer seine Prinzessin, die er über alles liebt. Allerdings war er durch seine viele Arbeit fast nie da, überbrückte dies aber mit unendlichen Geschenken. Bis zu diesem unsäglichen Unfall, nach dem er sich abrupt von seiner Tochter abwandte. Seit einem Jahr haben sie nicht miteinander gesprochen. Und nun steht die Goldene Hochzeit an, und für Caro die Frage: Soll sie sich mit ihrem Vater versöhnen? Und wenn ja, wie will sie das anstellen?

Caro ist eine Frau von 44 Jahren, die ich gleich in mein Herz geschlossen habe. Mit ihren Ecken und Kanten, mit ihren Selbstzweifeln und ihren Versagensängsten, eine Frau, die mit dem goldenen Löffel im Mund groß geworden ist, die ihr Studium der Architektur geschmissen hat, die immer alles dafür getan hat, ihrem Vater zu gefallen, die immer nach dem Motto gelebt hat: jedem gefallen, niemandem zur Last fallen, die ihre Alkoholsucht bezwungen hat und sich die größten Gedanken macht, wie ihr kleiner Sohn Cornelius die letzten 9 Jahre überstanden hat. Nun ist sie dabei, sich ihr eigenes Leben aufzubauen.

„Probleme sind wie Unkraut. Entweder man geht dagegen an, oder sie wachsen einem irgendwann über den Kopf. Aber was sie bestimmt nicht weiterbringt, ist Selbstmitleid.“ Dieser Satz stammt von der Person, die mich in diesem Buch ebenso beeindruckt hat, wie Caro – Maria Schneiders. Auch die rüstige, resolute, alte Dame hat in ihrem Leben viel mitgemacht und möchte nun, des Alleinseins satt, aus ihrer Villa eine Senioren WG machen. Für Caro sind diese Umbaumaßnahmen der erste eigene Auftrag als nicht abgeschlossene Architektin.

Aber auch die anderen Protagonisten sind hervorragend gezeichnet und für mich gut vorstellbar und absolut präsent. Die Emotionen, von denen es sehr viele hier gibt, kann ich sehr gut nach empfinden. Hier und da hatte ich Gänsehaut und ganz zum Schluss ein kleines Tränchen im Auge.

Eine interessante intensive Familiengeschichte über drei Generationen, die die Beziehung von Vater Carl und Tochter Carolina besonders hervor hebt und die zeigt, dass es hinter den Fassaden oft ganz anders ausschaut als davor. Mich hat diese Geschichte auch ein wenig zum Nachdenken angeregt.

Bewertung vom 12.09.2017
Luisa und die Stunde der Kraniche
Krätschmar, Tania

Luisa und die Stunde der Kraniche


sehr gut

Die 38-jährige Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Luisa Mewelt lebt seit 7 Jahren in Berlin mit ihrem Freund Richard Hartung zusammen, als er ihr zum einen sein neues Jobangebot aus London vorstellt und sie gleichzeitig bittet seine Frau zu werden. Er, der normalerweise nichts von Heirat hält und von Kindern schon gar nichts wissen will, hat, wie er meint, mit einer vorzeigbaren Frau an seiner Seite in London noch mehr berufliche Chancen. In Luisa regen sich Zweifel und sie bittet Richard um 2 Wochen Auszeit in Zingst an der Ostsee. Hier hat die Familie Mewelt seit vielen Jahren ein kleines Haus, das reihum für Ferienaufenthalte genutzt wird. Hier trifft sie nach einigen Jahren auch ihre Schwester Emilia mit den Zwillingsmädchen wieder. Eine alte Frau, Mary, die sie auf ihre Spazierwegen trifft, kommt ihr sehr bekannt vor und auch zu dem Biologen und Kranichforscher Jan, der das genau Gegenteil von Richard zu sein scheint, baut sie in wenigen Tagen eine intensive Beziehung auf. Wie wird sich Luisa entscheiden?


Mit der Hauptfigur Luisa hatte ich so meine Probleme. Einerseits kam sie mir vor wie eine Pubertierende, ohne eigenen Willen, ohne Selbstwertgefühl, ohne einen Weg vor Augen, nur auf Richard fixiert. Der wiederum weiß genau, wie er mit Kleinigkeiten seine Luisa manipulieren und so seinen Willen durchsetzen kann. Egoistisch, arrogant, selbstverliebt, karriereorientiert, der Luisas Schmuckdesign als Basteleien abtut – so einen Mann braucht eigentlich niemand. Außer Luisa, die sich bei ihm fast immer wohlfühlt, sich um nichts Gedanken machen muss, ihr kleines Atelier finanziert bekommt, und glaubt, ihn zu lieben.

Dann kommt ganz langsam eine Wandlung, die mir gut gefallen hat. Luisa beginnt zu begreifen, was sie vermisst, was ihr an ihrem Leben nicht gefällt, wie sie ihr Leben eigentlich einrichten möchte. Als sie Mary kennenlernt, die anscheinend nur Luisa sehen kann, und diese aus ihrem Leben erzählt, sieht sich Luisa im Alter, wenn sie an Richards Seite bleibt.

Auch die Begegnung mit ihrer Schwester Emilia, die so ganz anders ist als Luisa, und ihren Nichten Nike und Nina tragen dazu bei, dass Luisa nachdenkt. Die drei haben mir sehr gut gefallen.

Und da ist dann noch Jan, der Biologe, Ranger und Kranichexperte, von dem ich sehr vieles über die Kraniche und ihr Leben an der Ostsee erfahre. Bei ihm, der sehr gut kochen kann und zuhört, kann sich Frau wohlfühlen.

Ganz besonders gut gefallen haben mir hier die Beschreibungen der Landschaft rund um die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an der Ostsee. Auch in das kleine Haus der Familie Mewelt habe ich mich gleich nach Luisas Ankunft verliebt.

Tania Krätschmar hat einen so intensiven, bezaubernden Schreib- und Erzählstil, dass ich beim Lesen richtig abschalten kann. Die Geschichte hat mich gefangen genommen und nur so durch die Seiten fliegen lassen. Wenn Luisa mit nackten Füßen am Wasserrand entlangläuft, kann ich die salzige Meeresluft riechen und das Plätschern der Wellen hören. Beim Lesen höre ich die Rufe der Kraniche.

Eine wunderbare Geschichte über die Zeit, die verrinnt und die wir nutzen sollten, über die Wandlung einer jungen Frau zu sich selbst. Ich hatte mit diesem Roman ein paar wundervolle Lesestunden, die ich sehr genossen habe.

Bewertung vom 08.09.2017
Blutvilla
Gregg, Stefanie; Schenke, Paul

Blutvilla


gut

Johanna Krogmann, die Erbin der Krogmann-Papierfabrik, von der Flintbeker Bevölkerung als arrogant und gefühlskalt beschrieben, wird von ihrer Putzfrau erschlagen in ihrer feudalen Villa aufgefunden. Nur ein paar Tage zuvor war ihr Mann Thomas Eggerstedt bei einem Drachenflug in Mexiko tödlich verunglückt. Hauptkommissar Sven Fricke und Staatsanwältin Elena Karinoglous tun alles, um den Tod der Fabrikbesitzerin aufzuklären. Aber die allerseits unbeliebte Frau hat mehr als genügend Feinde bzw. Menschen, die über ihren Tod nicht unglücklich sind.

Stefanie Gregg und Paul Schenke haben sich bei dieser Geschichte zusammen getan und einen Krimi geschrieben. Der Plot hat mir sehr gut gefallen. Die unterschiedlichen Personen finde ich sehr deutlich charakterisiert und farbig beschrieben. Besonders hat mir hier der Dorfpolizist sehr gut gefallen, der im Gegensatz zu allen Anderen auch heute noch, nach vielen Jahren Schwärmerei, Gefallen an Johanna Krogmann findet bzw. gefunden hat.

Was ich allerdings vermisst habe, ist die Spannung. Sie baut sich immer mal wieder auf, fällt aber durch das dauernde Hin und Her zwischen Sven und Elena immer wieder zusammen. Gefielen mir die Reibereien, die fliegenden Funken und das Gefetze zwischen den Beiden anfangs noch, wurde es für mich im Laufe der Geschichte einfach nur nervig.

Gut gefallen haben mir die Wendungen, die die Geschichte bzw. die Ermittlungen immer wieder genommen haben. So hatte ich immer wieder einen neuen Täter für mich entdeckt, der es dann doch nicht war.

Wer einen Krimi mit einer sehr ausgeprägten angehenden „Liebesgeschichte“ lesen möchte, der ist hier genau richtig. Mir war es des Guten etwas zu viel.

Bewertung vom 05.09.2017
Ermordung des Glücks / Jakob Franck Bd.2
Ani, Friedrich

Ermordung des Glücks / Jakob Franck Bd.2


ausgezeichnet

Es ist kurz vor Weihnachten. Seit nun schon 34 Tagen steht Tanja Grabbe hinter dem Fenster ihres kleinen Cafes nahe der Münchner Freiheit und wartet auf ihren 11-jährigen Sohn Lennard. Er ist am 18. November nicht von der Schule nachhause gekommen. Heute nun steht ein Polizist vor der Tür und eröffnet ihr und ihrem Mann, dass Lennard tot ist – erschlagen und in einem Waldstück bei Höllriegelskreut abgelegt wurde.
Jakob Franck, Ex-Kommissar und heute als Überbringer schlechter Nachrichten weiterhin hier und da im Einsatz, kann sich nicht mit ungeklärten Fällen abfinden und versucht zusammen mit seinem Nachfolger Soko-Leiter André Block Licht ins Dunkel um das Verschwinden von Lennard zu bringen. Da er als Kind seine ältere Schwester Lina verloren hat, gehen ihm solche Vermisstenfälle auch heute noch immer sehr nahe.

Friedrich Ani schafft es mit dieser Geschichte und seinem ausgefeilten Erzählstil Gefühle in mir zu wecken, die ich normalerweise beim Lesen nicht habe. Ich bin mittendrin in der Geschichte, werde hier und da sehr emotional und bin voll mit dabei. Ich leide mit der Mutter, verstehe sie aber auch manchmal nicht; hoffe, dass die Eltern nicht an ihrem Schicksal zerbrechen und habe total zwiespältige Gefühle, wenn ich von einem ehemaligen Nachbarn lese.

Da ich schon seit vielen Jahren in München, dem Handlungsort der Geschichte, lebe, kenne ich mich hier sehr gut auskenne und habe gedanklich die Wege, die mich der Autor führt, genau vor Augen.

Es baut sich eine ganz leichte Spannung auf, die ihr Level bis zum Schluss hält. Die vielen Gespräche, die Franck mit den Eltern, dem Bruder der Mutter , seiner Exfrau und anderen in den Fall Verwickelten führt, lassen mich immer weiter in die Köpfe der Menschen eindringen. Eindeutige Spuren ergeben sich da für mich allerdings auch nicht. Als es Franck dann doch gelingt den Täter auszumachen, war ich sprachlos und schockiert, wie eine Banalität verschiedene Familien so tief ins Unglück stürzen kann.

Eine sehr emotionale Geschichte, unerwartete Wandungen und z.T. sehr spezielle Protagonisten – alles, was ein gutes Buch für mich haben muss. Ich habe das Lesen sehr genossen.

Bewertung vom 04.09.2017
Und draußen stirbt ein Vogel
Thiesler, Sabine

Und draußen stirbt ein Vogel


sehr gut

Bei jeder Lesung der Erfolgsautorin Rina Kramer sitzt in der letzten Reihe ein Mann, der nicht auffallen will. In seinem Kopf hat sich die Idee verfestigt, dass Rina Kramer seine Gedanken lesen und seine Ideen zu Büchern verarbeitet. Und dafür will er sich rächen. Nach Abschluss der Lesereise fährt er der Autorin hinterher, erruiert, wo sie lebt und mietet sich in ihr Gästehaus in der Toskana ein. Hier wartet er auf den günstigsten Augenblick um sich an Rina zu rächen.
Obwohl es von anfang an klar ist, wer der Täter ist, bleibt es super spannend. In die Gedanken des Täters einzutauchen ist an manchen Stellen schon brisant. Wer ist der Mann, der meint, man habe ihm seine Ideen für Romane geklaut:
Manuel Gelting beantwortet als Frau Erika, wie in meiner Jugend Dr. Sommer in der Bravo, Fragen zu Problemen von Erwachsenen und lebt mit seiner Ratte Toni in einem Wohnwagen. Ab November 1984 bis Sommer 1985 lerne ich ihn als 15-jährigen mit seinen Eltern Ferdinand und Josefine und mit Au-pair-Mädchen Monique kennen. Zu ihr baut Mauel eine ganz besondere Zuneigung auf, die jäh zerbricht und ihn traumatisiert zurück lässt.

Auch über Rina, ihren Mann Eckart und den 11-jährigen Sohn Fabian erfahre ich einiges Privates. Obwohl sie in einem tollen Landhaus leben mit einem fantastischen Blick über Teile der Toskana, ist auch in ihrer Beziehung nicht alles Gold was glänzt. Und so nimmt das Schicksal, als Eckart wieder zu einer Filmproduktopn nach Paris fliegt, seinen Lauf. Zu Rina selbst habe ich keinen richtigen Zugang finden können. Ich empfinde ihr Verhalten hier und da etwas unglaubwürdig.

Gut gefallen hat mir dagegen eine der Nebenfiguren, Pater Johannes, der sich auch des kleinen Fabian annimmt. Aber auch die anderen Figuren, sei es die Oma in Rosenheim, die knurrige alte Primetta aus dem kleinen Dorf oder der Dorfpolizist Neri. Alle tragen zum runden Abschluss der Geschichte bei.
Auch die Beschreibungen der Umgebung des Hauses und von Teilen der Toskana durch die z.B. Manuel mit seinem Wohnwagen fährt, haben meine Fantasie angeregt und ich war mittendrin in diesem wohl wunderschönen Landstrich.

Sabine Thiesler beweist mit ihrem klaren, flüssigen und leicht zu lesenden Schreib- und Erzählstil, dass eine gute Kriminalgeschichte auch ohne großes Blutvergießen und tagelange polizeiliche Ermittlungen auskommt. Hier und da hätte ich mir vielleicht etwas mehr Spannung gewünscht. Aber alles in allem hatte ich ein Buch in Händen, dessen Seiten mir nur so durch die Finger geflutscht sind.
Das Ende kam dann doch anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es hat mich mal wieder überrascht.

Ich habe einen Thriller gelesen, der mit sehr wenig Blutvergießen auskommt, der eher von den leisen Tönen lebt, der aber etwas mehr Spannung und Überraschungen vertragen könnte. Trotzdem hatte ich ein paar sehr schöne Lesestunden und kann den Thriller nur empfehlen.

Bewertung vom 02.09.2017
Nach dem Schweigen
Drews, Christine

Nach dem Schweigen


ausgezeichnet

London im April. Gerade noch hatten sich Syskia Flynt und ihre Tange Ellen Cramer, der sie sich emotional sehr verbunden fühlt, in einem kleinen Cafe getroffen – da ist sie am nächsten Tag tot. Was zunächst wie Suizid aussieht, stellt sich als Mord heraus. Doch wer tut so etwas? Saskia versucht auf eigene Faust mehr heraus zu finden und kommt dabei dem Mörder sehr nahe.

In ihrem neuen Thriller lerne ich durch Christine Drews die Familie Flynt kennen, die mit Koffern in der 3. Generation ihren Unterhalt verdient. Ich bekomme Kontakt zu Noemi Redcliff, einer jungen Frau im Crystal Met Rausch, zu Jack ernard, der in dem Haus lebt, von dessen Dach Tante Ellen fiel, Sienna Johnstone und ihre Familie und den Psychotherapeuten Oliver Stinner. Alles Menschen wie Du und ich, mit ihren Fehlern, und Eigenheiten, deren Gedanken ich hier lesen kann. Doch was haben sie miteinander zu tun?
Das wird beim Lesen, je weiter ich komme, immer klarer.

Durch ihre gewohnt tief schürfenden Art gibt mir die Autorin Einblicke in die Welt von Trauma-Patienten und dem Zustandekommen von Albträumen. Dieses Thema hat mich hier, neben dem Mordfall, besonders fasziniert.
Ich habe mitgefiebert, mit gerätselt, irgendwie passt alles zusammen – aber auch wieder nicht und bin bis zum Schluss, als sich alle Fäden aus dem Knäuel gelöst haben, nicht drauf gekommen, wer der Mörder ist.

Spannung hoch drei – eine Geschichte, die mich etwas verstört hat – Protagonisten, deren Tun ich absolut nachvollziehen konnte – das alles hat mir spannungsgeladene, sehr interessante Lesestunden beschert. Vielen Dank dafür.

Bewertung vom 29.08.2017
Inselcocktail
Eichbaum, Anja

Inselcocktail


gut

Daniela Rick aus Bonn gönnt sich nach ihrem Liebesaus zwei Wochen Freizeit auf ihrer Lieblingsinsel und in ihrer kleinen Pension bei Marte Dirkens.
Ruth Keiser reist auf die Insel, weil sie für die Cartas ein Seminar leiten soll.
Vier Frauen - Juliane Kemper, Dörthe Brandstetter, Merle Rosenbaum und Constance Tarnow haben auf verschiedenen Datingplattformen den gleichen Mann kennengelernt. Hier auf der Insel soll nun an diesem Wochenende ein erstes Kennenlernen stattfinden. Aber "Johannes Duweißtschonwer" vertröstet die Damen immer wieder. Nachhause können sie auch nicht, da ein Orkan sie auf der Insel festhält.
Als am nächsten Morgen eine Frau, die mit ihrem Date angegeben hatte, tot aufgefunden wird, findet sich, da niemand vom Festlandauf die Insel kann, eine etwas skuriele "Ermittlergruppe" zusammen. Inselpolizist Martin Ziegler und Polizeipsychologin Ruth Keiser, Daniela Rick, die Ruth kurz kennengelernt hat, Computerfachmann Frank Prinzen und die Ärztin Anne Wagner versuchen zusammen herauzufinden, was hier vor sich geht. Erst als eine weitere junge Frau zusammenbricht, geht man von Verbrechen aus. Wird es der zusammen gewürfeltern Ermittlergruppe gelingen, den Täter dingfest zu machen?

Ich muss zugeben, mich hat die Lektüre nicht so ganz fesseln könnne. Viele Erklärung, Gedanken, die nicht hätten aufgeschrieben werden müssen, eine Spannung, die von Anfang an gleich bleibt, sich nicht steigert, das alles hat das Lesen für mich etwas anstrengend und mühsam gemacht. Hier wäre bestimmt weniger mehr gewesen.
Trotzdem habe ich durchgehalten und wurde auch hier und da belohnt: mit interessanten Protagonisten, lebendigen Inselbeschreibungen, die mein Kopfkino angefacht und in mir den Wunsch haben wachsen lassen, auch mal auf Norderney zu urlauben, in der Milchbar einen Cocktail genießen und mit Frau Dirkens frühstücken.
Dadurch, dass die Geschichte immer wieder von den einzelnen Betroffenen erzählt wird, lerne ich die Personen sehr gut kennen und kann durch die Hintergrundgeschichten verstehen, warum wer was macht. Sogar die Motivation des Täters kann ich irgendwann nachvollziehen. Leider ist mir hier nur vieles einfach zu langatmig.
Ich habe ein Buch gelesen, bei dem ich erst so meine schwierigkeiten hatte, aber mit der Zeit immer besser reingekommen bin in eine sehr gut nachzuvollziehende Geshcichte. Etwas weniger Gedankengänge, etwas mehr Spannung und das Buch wäre für mich top. So bekommt es leider nur 3,5 Sterne von 5.