Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: gaby2707
Danksagungen: 23 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 492 Bewertungen
Bewertung vom 17.01.2019
Zärtlich ist der Tod / Kommissar Völxen Bd.8
Mischke, Susanne

Zärtlich ist der Tod / Kommissar Völxen Bd.8


ausgezeichnet

Wenn Liebe zum Geschäft wird

Edeltraud Cebulla, Sekretärin im Kriminalkommissariat Hannover ist verzweifelt. Ihr Freund Viktor Füssli, mit dem sie dieses verlängerte Wochenende in Heilgendamm an der Ostsee verbringen wollte, ist nicht gekommen. Nach kurzen Ermittlungen muss ihr ihr Chef KHK Bodo Völxen mitteilen, dass es sich bei Füssli sehr wahrscheinlich um einen Heiratsschwindler handelt und sie ihre 30.000 Є in den Wind schreiben kann. Als er dann tot in einem Waldstück aufgefunden wird, wird es richtig spannend und interessant.

Dies ist mein erster krimineller Einblick ins Kommissariat Hannover und es wird definitiv nicht mein letzter sein. Mir hat es sehr gut gefallen, dass ich die Dezernatsmitglieder um Völxen herum durch seine Gedanken, die um seine Versetzung bzw. seinen Aufstieg gekreist sind, wie nebenbei kennengelernt habe. Z.B. Oda Kristensen, die von einer kleinen Midlifekrise gebeutelt wird; Fernando Rodriguez, der durch den Wohnungsausbau langsam an seine Grenzen kommt und Erwin Raukel, der von einem Bier zum nächsten lebt, ist auch nicht ohne. Insgesamt sind alle Personen, die ich hier kennengelernt habe, eingeschlossen auch Hund Oscar und die 5 Rasenmäher Schafe von Völksen, so intensiv, bildlich vorstellbar und menschlich beschrieben, dass ich bei dem ein oder anderen meine, ihn persönlich zu kennen.

Auch, dass die Geschichte in der Gegenwart erzählt wird, gefällt mir sehr gut. Da bin ich noch mehr dabei und fühle mich mittendrin. Interessante Dialoge und immer wieder kleine Einblicke in das Privatleben der Ermittler lenken nicht vom eigentlichen Fall ab. Nein, ich finde, sie sind ebenfalls so interessant und spannend und intensivieren das ganze noch. Völxen und Co. ist es sogar gelungen ein paar heitere Passagen in den doch meist strengen Alltag eines Dezernats einfließen zu lassen.

Die Kriminalgeschichte liest sich leicht und flüssig. Nach verschiedenen Wendungen habe ich meine Verdächtigen immer wieder ad acta legen müssen. Und der Schluss hat mich überrascht und gleichzeitig zufrieden zurück gelassen. Und da aus Volxens Versetzung nichts wird, habe ich ja die Hoffnung, dass er noch einen weiteren Fall in Hannover bearbeiten wird.

Ein spannender Fall, interessante Protagonisten und ein Umfeld, dass mir sehr gut gefällt ist mir 5 Sterne wert.

Bewertung vom 14.01.2019
Die Farben des Feuers
Lemaitre, Pierre

Die Farben des Feuers


ausgezeichnet

Eine imposante Familiengeschichte

Der reiche, bewunderte und geachtete Pariser Bankier Marcel Pericourt ist tot. Am Tag seiner Beerdigung springt sein Enkel Paul aus einem Fenster im 2. Stock der Stadtvilla. Nach quälenden Tagen im Krankenhaus steht fest, Paul ist gelähmt, er wird nie wieder laufen können. Für Madeleine, die Tochter des Bankiers und Pauls Mutter, bricht eine Welt zusammen. Ihre Trauer und ihr Muttersein benutzt Gustave Joubert, der langjährige Buchhalter des Bankenimperiums, dazu, nach und nach das Vermögen der Pericourts auf seine Konten zu schaufeln. Aber auch verarmt gibt Madeleine nicht auf und entwickelt sich zu einer starken Frau, die mit ihrem Starrsinn und einer kriminellen Energie, die ich ihr nicht zugetraut hätte, ihren ganz eigenen Weg der Rache geht.


Pierre Lemaitre nimmt mich auf seine ganz eigene Art und Weise zu schreiben, die ich nicht immer leicht zu lesen fand, mit ins Paris von 1927. Hier lebe und leide ich mit Madeleine und ihrem Sohn Paul bis ihr Rachefeldzug nach ca. 6 Jahren beendet ist. Ein Leben voller Intrigen, Neid, Habgier, Hass, Vergeltung und Faszination.

Die Familiengeschichte der Pericourts lebt von ihren lebhaften Dialogen, wird erzählt von einem unbeteiligten Beobachter, der sich hin und wieder auch direkt an den Leser wendet, was ich so bisher in keinem Buch gefunden habe, was sich aber sehr interessant liest.

Die handelnden Charaktere werden detailliert und aufwendig beschrieben. Es ist mir nicht immer leicht gefallen, mich zwischen Sympathie und Ablehnung gegenüber einer Person zu entscheiden. Zu vielfältig nach beiden Seiten sind die Eigenschaften gezeichnet. Ich habe mit geliebt, mit gelitten, mit getrauert und mich an kleinen Besonderheiten, die die Geschichte zu etwas ganz besonderem machen, gefreut. Auch wenn ich die ein oder andere Person mal aus den Augen verliere, bekomme ich zum Schluss der Geschichte eine Zusammenfassung, was aus jedem Einzelnen geworden ist.
Pauls Leidenschaft für die Sängerin Solange Gallinato und sein polnisches „Kindermädchen“ Vladi, die keinen Ton französisch spricht, aber zupackt und für Paul durchs Feuer gehen würde, lockern die manchmal etwas dunkle Atmosphäre immer wieder auf.

Eine wunderbare Geschichte inmitten von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Krisen über eine starke Frau, die ihren ganz eigenen Weg der Vergeltung geht. Ein beeindruckendes Buch, dem man aber etwas Zeit geben sollte, sich zu entfalten. Dann bekommt man absoluten Lesegenuss.

Bewertung vom 11.01.2019
Müritz, Mord und Mückenstich
Feyerabend, Charly von

Müritz, Mord und Mückenstich


sehr gut

Nun weiß ich, warum campen nichts für mich ist.

Zusammen mit Ehemann Georg und den Kindern Jonni und Lea verbringt die im 7. Monat schwangere Hobby-Ornithlogin Friederika "Frieda" Rudi ihren Sommerurlaub auf dem Campingplatz Hexenwäldchen in der Gemeinde Mirow an der Müritz. Camping ist so gar nicht ihres, aber als dann morgens ein Toter in ihrer Hängematte liegt, beginnt es, ein spannender Urlaub zu werden. Herzinfarkt? Bei einem so durchtrainierten Mann? Nein, das kann sich Frieda absolut nicht vorstellen und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Was nicht bei allen Campingplatzbesuchern gut ankommt...

Dank einer Umgebungskarte vor der Geschichte weiß ich beim Lesen immer genau, an welcher Stelle des Campingplatzes ich mich gerade befinde.

Frieda habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie hat so eine natürlich-naive unbekümmerte Art und einen ganz eigenen Humor, der mir immer wieder die Mundwinkel nach oben gezogen hat. Zusammen mit Manuela, die sie hier am Campingplatz kennenlernt, ergibt sich ein unschlagbares Team. Ich finde es bewundernswert, wie zwei so total verschiedene Frauen wie Frieda und Manuela plötzlich auf einer Welle schwimmen, zusammen ermitteln, auch wenn ihre Gedanken nicht immer in einem Takt schwingen. Auch die anderen Personen, die hier mitspielen, haben ausgefeilte Charaktere und sind für mich gut vorstellbar gezeichnet.

Der Debütkrimi kommt ohne großes Blutvergießen aus, hält trotzdem eine gewisse Spannung aufrecht. Es kommen immer neue Verdächtige hinzu, andere werden fallengelassen. Aber war es wirklich Mord? Die Frage bleibt bis kurz vor Schluss offen.

Aber nicht nur der Krimi spielt hier eine Rolle. Auch die Schwangerschaft mit ihren Tücken und die Familie spielen immer wieder eine Rolle.

Im Anschluss an die Geschichte finde ich jede Menge Rezepte, die auf Camper zugeschnitten sind. Und auch wenn campen nicht meins ist, so werde ich doch das ein oder andere Rezept mal ausprobieren.
Was mit den Tagen ein bisserl nervt ist der tägliche Bericht der "Schwangerschafts-App". Darauf hätte ich hier gerne verzichten können. Aber, durch diese App habe ich einige Vokabeln norwegisch gelernt.Ha det bra – Gute Zeit

Wer einen superspannenden, vor Blut triefenden Krimi sucht, dem hat Frieda leider nichts zu bieten. Wer aber einen sprachlich interessanten, trotz allem spannenden und etwas humorigen Krimi lesen und ins Campingleben hinein schnuppern möchte, der ist hier genau richtig.

Von mir gibt es hier 4,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 07.01.2019
Flucht aus dem Eichenwald
Dronzella, Arno; Nord, Ina

Flucht aus dem Eichenwald


ausgezeichnet

Vom Käfer Kalle, der Abenteurer werden will

Dem kleinen Käfer Kalle ist es einfach nur langweilig. Er will doch Abenteurer werden, in die Welt hinaus gehen. Er dagegen hängt mit seinen Freunden Tim und Joe zuhause rum, muss auf seine kleine quengelige Schwester Heidi aufpassen und in die Schule möchte er auch nicht mehr gehen. Da kommt ihm ein kleines Paddelboot ganz recht, in das er von seinem Ausguck auf einem Baum hinein stürzt. Nun hat er seine Abenteuer, eins nach dem anderen, und merkt sehr schnell, wie sehr ihm seine Eltern, seine kleine Schwester Heidi und seine Freunde fehlen. Und sogar seine Schule beginnt er zu vermissen.

Mich hat das bunte Cover mit dem kleinen wandernden Käfer sofort angesprochen. Und ich wusste sofort, mit wem ich diese Geschichte lesen würde. Sie lässt sich gut vorlesen, aber auch von Zweitklässlern selbst gut lesen.
Dass dieses Buch in 15 Kapitel unterteilt ist, kam dem Leseverhalten meines kleinen Nachbarn sehr gelegen. So haben wir jeden Tag zusammen gesetzt und eine Geschichte gelesen, uns über den Abschnitt unterhalten und ich musste immer wieder Fragen beantworten. Aber auch ich habe Fragen gestellt, die wir dann diskutiert haben.

Die wundervollen Zeichnungen von Ina Nord wurden angeschaut und kommentiert. Wir haben uns sogar überlegt, wie die Geschichte jeweils weiter gehen könnte und waren dann überrascht, was am nächsten Tag wirklich geschah.

Mir hat es großen Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen bzw. vorgelesen zu bekommen und darüber zu sprechen. Sie hat sogar einen lehrreichen Aspekt, denn immer wieder haben wir uns Sachen im Lexikon angeschaut, die hier angesprochen wurden.

Ein wunderbares Buch für Leseanfänger, aber auch für Erwachsene.

Bewertung vom 07.01.2019
Sommer der Erinnerung (eBook, ePUB)
Matisek, Marie

Sommer der Erinnerung (eBook, ePUB)


sehr gut

Eine kleine Sommergeschichte…

als Einstimmung zu einem Roman von Marie Matiseck „Ein Sommer wie Limoneneis“.

Bei einem Geschäftsessen trifft Anwalt Marco Pantanella, der mit seiner Familie seit Jahren in München lebt, auf einen Landsmann von der Amalfi-Küste. Als dieser einen kleinen Kompass aus der Tasche holt, schweifen Marcos Gedanken zurück in seine Kindheit. Denn auch er hatte einen solchen Kompass, ein Geschenk vom Vater seines besten Freundes Pippo.
Zusammen mit Marco und Pippo gehe ich im Jahr 1987 auf die Suche nach 2 kleinen Zicklein, die nach einem Erdbeben hoch auf den Berg verschwunden waren.

Der Schreibstil ist leicht und locker, bringt mir die Menschen, ihr karges Leben und ihre Lebensfreude nahe. Ich fühle mich sehr schnell mittendrin in Italien an der Amalfi-Küste, wo man immer wieder mal mit Erdbeben rechnen muss.
Ich spüre die Angst des kleinen Marco, der vor Erschöpfung eingeschlafen, spät abends wieder wach wird und sich nicht allein wieder den Berg runter traut. Aber die Geschichte geht ja noch mal gut aus.

Ein wunderbarer Einstieg in den ersten Roman der Amalfi-Reihe „Ein Sommer wie Limoneneis“. Diese Geschichte weckt in mir den Wunsch, die daraus folgenden Bücher ebenfalls lesen zu wollen.

Ein unterhaltsamer Kurzroman, für den ich gerne 4 Sterne in Italien zurück lasse.

Bewertung vom 07.01.2019
Der Gesang des Nordlichts
Fröhling, Heike

Der Gesang des Nordlichts


ausgezeichnet

Ein ganz besonderes Weihnachtsfest

Gerhard Schlüter hat seine drei Töchter, Claudia, Alexandra und Simone, mit Familie zu seinem 79. Geburtstag zwei Tage vor Weihnachten in sein Haus nach Smaland in Schweden eingeladen. Hier haben sie gemeinsam viele Sommer- und Winterferien verbracht. Und es gibt ein Geheimnis, dass er unbedingt lüften will. Doch wie schon früher gibt es immer wieder Streit, Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten und Ärger. Auch das vorgeschlagene Weihnachtswichteln, das Gerhard vorschlägt, trifft nicht bei allen auf Zustimmung. Dann beginnt Gerhard aus seiner Vergangenheit ab 1945 zu erzählen und allen wird bewusst, wie wenig sie eigentlich übereinander wissen.


Mit diesem Buch hat Heike Fröhling einen sehr emotionalen, aber auch unterhaltsamen Roman geschrieben. Er liest sich leicht und locker, aber gerade die melancholischen Momente haben mich immer etwas innehalten und nachdenken lassen.

Ich genieße es mit den Kindern auf dem zugefrorenen See direkt vor der Haustüre Schlittschuh zu laufen, gehe mit Holger joggen und genieße die Naturbeschreibungen von Gerhard aus den Nachkriegsjahren.
Ich lerne die einzelnen Familienmitglieder mehr oder weniger gut kennen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, zeigen ihre wunden Punkte genau so wie ihre Stärken, sind gut vorstellbar und wirken lebensecht. Auffallend finde ich, wie wenig die einzelnen Personen miteinander reden. Bis auf die Kinder, die ihren Gedanken freien Lauf lassen, reden sie eher über- als miteinander, was immer wieder auch zur Verwicklungen führt.

Die Geschichte führt mich durch die Rückblenden von Gerhard auch immer wieder zurück zu seiner ersten Zeit in Schweden. Hier wird er von einer Familie aufgenommen und verliebt sich in die älteste Tochter Sessa. Ich bin berührt von den Erzählungen und den Gedanken an seine Vergangenheit, die Gerhard an seine Kinder und seine Enkel nun weitergibt. Gerade Niklas hängt an den Lippen seines Opas. Und ich meine zu erahnen, wie gut es ihm tut, sich das alles von der Seele reden zu können. Außerdem erfahren Gerhards Töchter nun auch, wie die Familie zu diesem Haus gekommen ist. Diese Rückblicke sind so interessant und spannend, dass ich einfach immer weiterlesen musste. Und sie passen sich sehr gut in die vorweihnachtlichen Vorbereitungen ein.

Auch diesmal hat mich Heike Fröhling mit ihrem emotionsgeladenen, einfühlsamen, berührenden und spannenden Familienroman sehr gut unterhalten.

Bewertung vom 05.01.2019
Himmel - Herrgott - Sakrament
Schießler, Rainer Maria

Himmel - Herrgott - Sakrament


sehr gut

So sollte Kirche sein

Rainer Maria Schießler, den ich als kellnernden Pfarrer von der Wies´n und aus einigen Besuchen in St. Maximilian im Glockenbachviertel und Heilig Geist direkt am Viktualienmarkt kenne, hat unter Mitarbeit von Stefan Linde seine Gedanken zu Papier gebracht. Sollte man dieses Buch lesen? Von mir ein eindeutiges JA!

In seiner für einen ‚Priester unnachahmlichen offenen Art erzählt Schießler aus seiner Kindheit, wie er mit 19 dazu kam, zölibat leben und Pfarrer werden zu wollen. Er spricht über seine zeitweilige Einsamkeit; Menschen, die am Sonntag lieber brunchen, als zu ihm in die Messe zu kommen; Menschen, die am liebsten das Glockengeläut abschaffen würden; Taxifahren als rollender Beichtstuhl und seiner Liebe zu seinem Motorrad. Er lässt mich in sein Innerstes blicken, breitet seine Höhen und Tiefen vor mir aus und ich erkenne das Einzige, was er wirklich zu wollen scheint – die Liebe an alle Mitmenschen weiter zugeben. Alles in allem meine ich ihn durch seine Selbstbeschreibungen gut kennenzulernen.

Mit seinen Predigten trifft Rainer M. Schießler punktgenau in die Herzen der Menschen. Er spricht konkret an, was andere Kirchenmänner nur sanft umschreiben. Er ist mittendrin in unserer Gesellschaft und schafft es, entgegen vieler anderer Kirchengemeinden, seine Schäfchenherde weiter zu vergrößern. So, wie ich es hier lese, sollte Kirche gelebt werden.

Schießler schreibt so interessant, so spannend, dass ich Mühe hatte, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Er reiht nicht nur die Stationen seines bisherigen Weges aneinander, sondern füllt die Seiten mit kirchlichem Leben. Die Lektüre macht nicht nur nachdenklich, sondern sie hat auch Momente, bei denen ich schmunzeln musste. Schießler ist keiner dieser alten verknöcherten Pfarrer, die ihre Predigt am Snntag hinter sich bringen wolen und gut is. Nein, er füllt das Leben seiner Gemeindemitglieder mit Leben in vielerlei Situationen, nicht nur auf die Kirche bezogen.

Ein tolles Buch, das zeigt, das Kirche auch heutzutage lebendig sein kann und ist. Gäbe es mehr solch offene Menschen im Priesteramt, hätte die katholische Kirche bestimmt einige Sorgen und Austritte weniger.

Bewertung vom 01.01.2019
Hochzeit im Café am Meer / Café am Meer Bd.3
Ashley, Phillipa

Hochzeit im Café am Meer / Café am Meer Bd.3


sehr gut

Locker, leicht und unterhaltsam

Die Kälte des Winters vergeht und langsam wird es Frühling in Cornwall. Kilhallon Park ist auf den Ansturm der Gäste gut vorbereitet, Demelza´s Café läuft auch sehr gut. Da bekommen Demelza „Demi“ Jones und Calvin „Cal“ Penwith den Auftrag eine Promihochzeit auszurichten. Die Schauspieler Lily Craig und Ben Trevone wollen sich auf dem Anwesen das Ja-Wort geben. Da an diesem Tag mit viel Aufmerksamkeit zu rechnen ist, die die Ferienanlage gut brauchen kann, sagt Demi zu. Nicht ahnend, was nun alles auf sie einstürmen wird.

Dies ist der 3. und letzte Teil der Serie um das kleine Café am Meer. Für mich war es das erste Buch aus der Reihe, aber ich hatte keine Probleme dem Geschehen zu folgen. Im Gegenteil. Die vielen kleinen Andeutungen, die in die Vergangenheit zielen, machen neugierig. Vielleicht werde ich die ersten beiden Geschichten auch noch lesen.

Die Protagonisten werden ziemlich detailliert, mit Ecken und Kanten, beschrieben. Gerade Cal hat immer noch das Päckchen der Aufarbeitung seiner Vergangenheit zu tragen, die auch in dieser Geschichte noch eine Rolle spielt. Genauso wie Demi, die erst seit einem Jahr wieder sesshaft geworden ist und sich ihrer Familie langsam wieder annähert. Lily und Ben, bei dessen „Für dich tu ich doch alles Baby“ ich schon geahnt habe, was da wahrscheinlich noch kommen wird, entsprechen genau dem Klischee von verwöhnten egoistischen Schauspielern. Wobei ich bei Lily die Wandlung, die sie durchgemacht hat, geschätzt habe. Und natürlich gibt es auch hier wieder jemanden, der sich meine Sympathien erst hat verdienen müssen.

Die Geschichte lässt sich leicht und locker lesen, typisch Sommerlesebuch. Sehr gut gefallen mir die Beschreibungen von Land und Leuten, von der rauen See und der weiten grünen Landschaft mit ihrem Blütenreigen. Es werden aber auch ernste Themen angeschnitten, die jedoch der Leichtigkeit der Geschichte nicht schaden. Sie hätten für mich sogar noch etwas tiefer gehen dürfen.

Da in diesem Buch im Café viel gemixt wird, finde ich die im Anschluss an die Geschichte eingestellten Rezepte für Cocktails sehr gelungen.

„Hochzeit im Café am Meer“ ist ein leichter, abwechslungsreicher Frühlingsroman, der mich einige Lesestunden lang gut unterhalten hat.

Bewertung vom 30.12.2018
Scherbenfrau (Thriller)
Büttner, Olaf

Scherbenfrau (Thriller)


ausgezeichnet

Hat das Potential zu mehr

Emily Hansen ist begeistert von der neuen Freundin ihres Vaters, die sie über eine Datingplattform gefunden hat. Doch bald kommt Vera Fortmann ihr seltsam vor. Schon nach wenigen Wochen will sie einziehen, heiraten, Kinder kriegen. Ihren Vater scheint das in seiner Verliebtheit nicht aufzufallen. Und Vera versucht alles um ihre Ideen von einer perfekten Familie umzusetzen – auch mit Gewalt…


Die Geschichte wird aus Sicht der siebzehnjährigen Emily erzählt. Daher kommt auch der Schreibstil recht einfach rüber. Die Spannung baut sich langsam auf und hält sich bis zum Schluss, ohne mich aber zu berühren. Mir fehlt der Nervenkitzel, der Überraschungsmoment. Vielleicht wäre es noch spannender geworden, wenn ich auch die Sicht in Veras Gedanken gehabt hätte.

Die Charaktere sind alle recht einfach gestrickt, aber gut vorstellbar. Emily agiert in meinen Augen oft unbedacht und naiv. Ihre Freundin Lena dagegen ist schon sehr abgeklärt. Vera hat mich mit ihrer Maskenhaftigkeit überzeugt. Sie switscht von einer Frau, die mit allen Mitteln überzeugen und perfekt sein will, zurück zu dem kleinen Mädchen, dem Unfassbares wiederfahren ist. Und das innerhalb einer Zeile. Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Vera versucht ihre Fassade aufrecht zu erhaltren, während Emily, die gerade gegen Ende der Geschichte ihre Naivität aufgibt, versucht, sie zu enttarnen.

Viel zu schnell war die Geschichte ausgelesen und hat mich etwas enttäuscht zurück gelassen.

Der für mich seichten, oft vorhersehbaren Geschichte, der es an Intensität, Spannng und Thrill fehlt, die aber das Potential zu einem richtig guten Thriler hätte, gebe ich hier 3,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 29.12.2018
Unter uns nur Wolken
Pfeffer, Anna

Unter uns nur Wolken


ausgezeichnet

Berührend, unterhaltsam und real

Anika „Ani“ Bayer ist verzweifelt. Sie hat ihren Job verloren, nur noch 50 Euro im Portmonee und ihr Freund Noah hat sie verlassen. Er hat seit langem ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin.
Genau so, nur auf andere Art, ist Thomas „Tom“ Hartmann verzweifelt. Sein Opa Florian ist leicht dement, braucht eine 24-Stunden-Pflege und ekelt jede Pflegerin, die sich bisher vorgestellt hat, wieder raus. Tom aber will unter allen Umständen verhindern, dass Opa ins Heim abgeschoben wird.
Und wie es der Zufall will, treffen genau diese drei Menschen aufeinander.

Als erstes habe ich hier Tom kennengelernt. Er ist mit seinen Kräften am Ende. Tagsüber widmet er sich seinem Opa, abends muss er schauen, dass er seine Bar auf Laufen hält.
Bei Ani schaut es auch nicht viel besser aus. Freund weg, Job weg, kein Zuhause – also bleibt sie erst mal bei Florian, der es ihr mit seinen dauernden Spielchen nicht leicht macht. Aber Ani ist nicht auf den Mund gefallen und bietet dem alten Herrn Paroli.

Tom und Ani erzählen ihre Geschichte jeweils abwechselnd in der Ich-Form. Da bin ich den Beiden noch viel näher, kann ihre Gedanken und ihre Gefühle noch besser nachempfinden. Überhaupt hat mich die Geschichte sehr schnell vollkommen vereinnahmt. Ich bin mitten drin und schaue den Dreien unauffällig über die Schulter. Die Dialoge sind witzig und charmant, aber ich spüre immer auch einen ernsten Hintergrund. Gerade wenn Ani nicht so will wie Florian, kommt mir immer wieder ein Grinsen aus. Der alte Herr ist einfach so klasse. Außerdem platzieren mir die bildreichen Sätze immer wieder Bilder und Szenen in den Kopf.

Obwohl Alzheimer, Altenpflege und das Zusammenleben verschiedener Generationen keine leichten Themen sind, schaffen es die beiden Autorinnen, diese drei Komponenten absolut leicht, locker und witzig in einen Roman zu verpacken.

Die Charaktere sind so liebevoll und individuell mit Ecken und Kanten ausgestattet, wirken lebensecht und menschlich, so dass ich mich schnell mit ihnen angefreundet habe. Besonders Opa Florian, der doch immer mal wieder wirklich was vergisst, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er hat trotz seines Leidens eine so erfrischende Art, die mich einfach berührt hat. Wobei es absolut nicht einfach ist, als Angehöriger, wie hier Tom, damit umzugehen.

Ich hatte mit Florian, Tom und Ani einige wunderbar unterhaltsame Lesestunden. Ich habe geschmunzelt, hatte aber hier und da auch ein paar Tränchen im Auge. Eine doch nachdenklich machende Generationen-Geschichte, die noch lange in mir nachwirken wird.