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Benutzername: gaby2707
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Bewertungen

Insgesamt 860 Bewertungen
Bewertung vom 20.10.2020
Eine Liebe in Paris - Romy und Alain
Wydra, Thilo

Eine Liebe in Paris - Romy und Alain


ausgezeichnet

Erinnerungen an zwei ganz Große der Filmgeschichte


Seit ich die Sissy-Filme das erste mal gesehen habe, habe ich den Lebensweg von Romy Schneider ein wenig mit verfolgt. Zwar bin ich in den Biografien, die ich über Romy Schneider gelesen habe, auch auf Alain Delon gestoßen. Aber so ausführlich wie hier, habe ich ihn bisher nicht kennengelernt. Auch die gemeinsamen Jahre der Beiden habe ich bisher nur aus Sicht von Romy Schneider gelesen. Hier verdichtet sich mein Blick auf sie noch etwas mehr.

In Teil I wird mir die Kindheit und Jugend von Alain Delon ab 1935, von Romy Schneider ab 1938 nahe gebracht.
Für mich sind hier gerade diese Jahre von Alain Delon sehr interessant. Wenn ich lese, wie unterschiedlich ihre Lebenslinien verlaufen sind, ist es fast nicht verwunderlich, dass ihre gemeinsame Zeit von Beginn an endig war. Dieses Buch vermitteln ein gutes Bild über zwei Menschen, die nicht mit und nicht ohne einander leben konnten oder wollten.
Die Beschreibung ihrer Lebens- und Liebesgeschichte wird begleitet von vielen Menschen und ihren Eindrücken über die Beiden. So kommen hier Mario Adorf, Senta Berger, Jane Birkin, Jean-Claude Carrière, Karl Lieffen, Volker Schlöndorf, Bertrand Tavernie und Georg Stefan Troller zu Wort.
Besonders berührend finde ich den Abspann, wo Alain Delon zu Wort kommt und der „Hauptdarsteller“ ist. Hier geht es nur um ihn und sein Leben, was ich sehr interessant finde. Ganz besonders die Auszüge eines Briefes an Romy Schneider haben mich berührt und zeigen mir einen Menschen, dessen Liebe zu dieser Frau nie aufgehört hat.

Auch nach so vielen Jahren, die Romy Schneider nun nicht mehr unter uns ist, fesselt es mich immer noch über die Beiden zu lesen. Zwei Getriebene, jeder auf seine Weise. Romy Schneider hat den Druck irgendwann nicht mehr ausgehalten. Alain Delon feiert im kommenden Jahr seinen 85. Geburtstag.

Einige der wunderbaren schwarz-weiß und auch farbige Fotografien, die hier eingestreut sind, kenne ich schon. Viele andere waren mir bisher unbekannt und werten die Geschichte dieses Buches ungemein auf.

Im Anhang finde ich noch 2 Zeittafeln beginnend am jeweiligen Tag der Geburt, endend bei Romy Schneider an ihrem 40 Todestag am 29. Mai 2022. Bei Alain Delon endend am 8.11.2020 zu seinem 85. Geburtstag. In einer Filmographie werden mir drei Filme der Beiden vorgestellt, ein gemeinsames Theaterstück und deutschsprachige bzw. ins deutsche übersetzte und in französischer Sprache erschienene Literatur über die beiden Stars. Ein Personen- und ein Werkregister, sowie ein Bildnachweis verbunden mit einem weiteren wunderschönen Foto der Beiden runden das Gesamtwerk ab.

Es soll um die Liebe der beiden großen Schauspieler gehen. Aber im Laufe des Buches habe ich immer mehr den Eindruck, dass Romy hier die absolute Hauptrolle spielt. Trotzdem hat es mich sehr gut unterhalten und ich habe weitere Einblicke in das Leben von zwei großen Schauspielern bekommen.

Bewertung vom 19.10.2020
Die Tote mit dem Diamantcollier / Ein Fall für Jackie Dupont Bd.1
Lambert, Eve

Die Tote mit dem Diamantcollier / Ein Fall für Jackie Dupont Bd.1


sehr gut

Monaco im Februar 1920

In der Bucht vor Monaco schippert die Jacht Celluloid der millionenschweren Reedereitochter Carla Tush, die gerade mit ihrem sündteuren Collier aus weißen Diamanten protzt, und ihres Mannes Ronald, dem wichtigsten Filmproduzenten Amerikas. Sie hat zur Party geladen und alle sind gekommen: der Duke of Surrey Christopher „Kit“ St. Yves, der dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit mit sich herum schleppt, mit seiner Verlobten Anne Fortescue; Sègoléne Pistou, die von sich behauptet, sie sei Romanautorin; Dame Zelda Monteserra, eine der besten Opernsängerinnen der Welt; Maya Fay, die gerade angesagte Filmgöttin; Graf Yuri Balaton, ein ungarischer Adelsmann; ein alter Freund Heinrich Weidemann; Lord und Lady Wrexley, der Lord war bis vor Kurzem Vizekönig von Indien; der Bankier Samuel Greenberg und einige Andere. Wer ist diese Rose Munroe, auf die Kit immer wieder angesprochen wird?
Der Abend schreitet voran, der Champagner fließt in Strömen, die Stimmung ist ausgelassen und die ersten Gäste machen sich schon wieder auf den Heimweg, als plötzlich Ronald Tush schreit „Carla ist tot“. Und ihr über alles geliebtes Diamant-Collier fehlt.
Gut, dass die berühmte Privatdetektivin Jackie Dupont am Hof des Fürsten von Monaco weilt und sich zusammen mit der Polizei des Mordes annehmen kann.

Da Carla Tush ihre Gäste bei deren Eintreffen einander vorstellt, lerne ich alle Beteiligten schon zu Anfang der Geschichte kennen. Alle haben ihre eigenen Charakterzüge, an denen ich sie sehr gut wiedererkennen kann. Jackie Dupont hat es nicht leicht, kann doch jeder der Gäste, der Band oder des Personals der Täter sein. Einige von ihnen haben sogar ein starkes Motiv.

Ich hatte so einige Anfangsschwierigkeiten mit der arroganten, etwas zu lauten, teilweise frechen Privatdetektivin, die ihre Frisur, den Bob, erfunden hat, die raucht wie ein Schlot, vor nichts und niemandem Respekt zeigt, die alles besser weiß, alles besser kann, für jeden Fall gerüstet ist, wirklich jeden kennt und fast jeder schuldet ihr noch einen Gefallen. Dazu passt ihr Hund, mit dem sie sogar den Fall bespricht. Über sich selbst gibt sie fast nichts preis und eine Frage stellt sich weiterhin: Wer ist sie wirklich?
Aber irgendwie hat sie mich dann in ihrer Andersartigkeit doch überzeugen können und ich bin ihr bei ihren Ermittlungen bis zum erlösenden Ende gefolgt. Sie gräbt immer wieder neue Geheimnisse aus, von denen ich nicht weiß, ob die zum Fall gehören oder ob ich damit nur in die Irre geführt werden soll.

Der Schreib- und Erzählstil von Eva Lambert hat mir sehr gut gefallen und mich gleich um 100 Jahre zurück versetzt in die 20er Jahre und auch in die Sprache der Aristokratie. Vor jedem neuen Kapitel finde ich einen Brief, der in der damaligen Zeit geschrieben wurde. Geschrieben von verschiedenen Personen, Korrespondenz zwischen zwei Frauen, oder so geschrieben, dass man rätseln muss, was sie wohl zu bedeuten haben und ob sie für den Fall relevant sind.

Bei der Auflösung war ich dann doch ein wenig überrascht. So hatte ich sie nicht kommen sehen. Und als Täter hatte ich auch jemand Anderen im Blick.

Jetzt, wo ich mich an Jackie, ihr loses Mundwerk und ihre Arbeitsweise gewöhnt habe, freue ich mich schon auf ihren nächsten Fall, bei dem ich ihr bestimmt wieder zur Seite stehen werde.

Bewertung vom 19.10.2020
Der Ernährungskompass - Das Kochbuch
Kast, Bas

Der Ernährungskompass - Das Kochbuch


ausgezeichnet

Gesund, einfach und richtig lecker

Nachdem ich den Ernährungskompass gelesen hatte, musste ich natürlich auch gleich das Kochbuch dazu haben.
Am Anfang bekomme ich im Kochbuch eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Grundsätze aus dem Kompass. Auch die Kompass-Pyramide und die -Ampel ist wieder dabei. Genau so wie die Goldenen Regeln, die hier auf 10 zusammengefasst sind.

Und dann geht es auch schon los mit den Rezepten für ein gesundes Frühstück. Man kann kritisieren, dass das Zusammenschütten von Zutaten, einmal umrühren, fertig, keine Rezepte sind. Aber es sind tolle Anregungen für ein gesundes und abwechslungsreiches Frühstück. Vor allem sind diese Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die die Zutaten mit den Zubereitungsschritten kombinieren, für Menschen, die sich nicht so gerne mit aufwendigem Kochen beschäftigen, ideal. Auch bekomme ich von dem meisten Gerichten ein Foto. Die alleine lassen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Als Frühstück ist z.B. der exotische Fruchtsalat mit Kardamom und Kokosflocken und das pochierte Ei mit Lachs und Vollkornbrot echt lecker. Demnächst werde ich auch das Vollkornbrot mal selbst backen.
Zu Mittag gab es bei mir bisher nur Nudeln mit Lachs-Spinat-Soße, Linsenpflanzerl und Auberginenragout in Tomatensoße mit Gewürzreis. Den Limetten-Joghurt-Dip habe ich diesmal weggelassen. Als Nachtisch habe ich mich an gebratenen Pfirsichen mit Joghurt versucht. Auch das hat meinem Mann und mir richtig gut geschmeckt.
Abends gab es die Zucchinipuffer und das mediterrane Ofengemüse mit Kichererbsen und Minzjoghurt. Auch das leicht zuzubereiten und mega lecker.
Ich liebe Salate und brauche dazu immer ein Dressing, was nicht so null-acht-fünfzehn ist wie Essig, Öl und Salz. Dazu finde ich hier auch einiges, was mich allein vom Lesen her sehr anspricht. Die werde ich auch alle der Reihe nach ausprobieren.
Die allermeisten Zutaten bekomme ich im Supermarkt um die Ecke. Einige wenige wie z.B. Kardamonkapseln oder Kurkumampulver besorgt man sich halt im Gewürzhandel.

Insgesamt bekomme ich mit diesem Kochbuch relativ einfach und schnell zuzubereitende Gerichte, die richtig lecker und auch noch gesund sind. Wenn ich mal Kartoffeln, Fleisch oder Geflügel essen will, wandle ich sie jeweils ein bisserl ab.
Ein tolles Kochbuch, eine super Ergänzung zum Ernährungskompass, den ich allen empfehlen kann, die sich nicht stundenlang an den Herd stellen wollen und eine gesunde Ernährung bevorzugen.

Bewertung vom 18.10.2020
Ich wäre so gerne ...
Löhlein, Henning

Ich wäre so gerne ...


ausgezeichnet

Macht riesigen Spaß
Das kleine Schwein, der kleine Hase, der kleine Esel, die kleine Kuh, der kleine Hund und viel andere kleine Tiere träumen, was sie gerne wären, wenn sie groß sind.
Das ist so lustig und es macht Spaß zu lesen, wer sich hier was wünscht oder zu raten, wer wer anderes sein möchte. Die 98 bunten, verstärkten Seiten machen Lust, sich auch selbst damit zu beschäftigen, was man gerne mal sein möchte.
Ein nettes kleines Buch in einem Format, dass man es sehr gut überall mit hinnehmen kann. Uns bringt es immer wieder Spaß.

Bewertung vom 18.10.2020
Mein Taschenlampenbuch - Dinosaurier
Hoffmann, Brigitte; Ferrero, Elisabetta

Mein Taschenlampenbuch - Dinosaurier


ausgezeichnet

Entdecken, staunen, lernen

Unser Kleiner liebt das Buch mit den Texten von Brigitte Hoffmann und den Illustrationen von Elisabetta Ferrero aus dem Schwager & Steinlein Verlag.
Das Ringbuch mit dicken Seiten für kleine Dinosaurierfans macht auf dem Cover schon klar, worum es geht. Natürlich um Dinos in allen Variationen.
Das Besondere an diesem Buch – man braucht eine Taschenlampe um die auf Folien vor den 5 schwarzen Pappseiten aufgebrachten Dinos sichtbar werden zu lassen. Das macht natürlich besonderen Spaß. Auf der ersten Seite und auf den Rückseiten der schwarzen Seiten bekommt der kleine Leser Informationen zu Jägern und Gejagten, zu gigantischen Pflanzenfressern, zu dem Nachwuchs der Dinos, zu Flugsauriern, zu Meeressauriern und eine Seite, wo kleine Fragen aus dem Text aufgelöst werden. Ganz zum Schluss gibt es noch ein Quiz, bei dem man testen kann, was man von den vorherigen Seiten behalten hat.
Sogar mir als Oma gefällt dieses Buch sehr gut und ich habe einiges über Dinosaurier gelernt.

Bewertung vom 18.10.2020
Syltwind / Anna Bergmann Bd.4
Narberhaus, Sibylle

Syltwind / Anna Bergmann Bd.4


ausgezeichnet

Für mich die bisher beste Geschichte um Anna Bergmann

Da ich in diesem Jahr nicht auf die Insel meiner Sehnsucht – Sylt – reisen kann, wollte ich es zumindest mit diesem Buch tun. Und Sibylle Narberhaus hat mich auch mit ihrer 4. Geschichte um die Landschaftsarchitektin Anna Bergmann nicht enttäuscht. Und darum geht es diesmal:
Anna Bergmann, inzwischen hat sie ihren Nick geheiratet, genießt gerade das schöne Wetter und will den Segelkurs machen, den ihr ihre Eltern zum Geburtstag geschenkt haben. Ihr kleiner Sohn ist mit ihren Eltern im Urlaub auf der Nachbarinsel Amrum. Gerade als Segellehrer Bastian seine neuen Schüler mit den Sicherheitsbestimmungen auf dem Gelände rund um den Hafen von Hörnum bekannt machen will, entdeckt Anna etwas im Wasser. Eine Leiche. Sofort kommen ihr Mann Nick und der 2. Polizist der Insel Uwe Wilmsen zum Einsatz.
Durch Annas gute Beobachtungsgabe ist die Identität des Toten schnell geklärt.
Außerdem gibt es noch den Einbruch in einen Material-Container für den bald stattfindenden Kitesurf-Cup aufzuklären.
Die kriminelle Lage spitzt sich weiter zu, als es beim Kitesurf-Cup zu einem Unfall kommt und sich eine Frau in einem Auto mit ihrer eigenen Waffe auf einem Parkplatz der „Sansibar“ erschießt. Was zuerst wie ein Suizid aussieht, stellt sich aber schnell als Mord heraus. Und auch der Kite Unfall war nicht das wonach es aussah. Nick und Uwe haben viel zu tun, natürlich nicht ohne die unfreiwillige Unterstützung von Anna.

Dies alles und noch einiges mehr hat Sibylle Narberhaus wieder sehr gut unter einen Hut gebracht und in dieser Geschichte verarbeitet. Auch diesmal ist Anna nicht als „Detektivin“ oder „Privatermittlerin“ dabei, sondern stolpert immer wieder über die ein oder andere Information, belauscht ein Gespräch, was schlussendlich zur Auflösung eines sehr verzwickten Falles führt. Denn irgendwie hängt hier alles zusammen. Auch, dass es immer wieder kleine persönliche Einspielungen gibt, gefällt mir sehr gut.

Ich kann mir wunderbar die beschriebenen Orte und Plätze auf der Insel, von denen mir einige sofort bekannt vorkamen, sehr gut vorstellen. Ich spüre den Wind, das Salz des Meeres auf meinen Lippen und höre die Wellen rauschen. Ich bin durch den farbigen und detailgetreuen Erzählstil gleich mittendrin in Westerland und auf meiner Lieblingsinsel angekommen.
Ich genieße die Spannung ab der ersten Seite, den Bogen, der sich dauerhaft bis zum Schluss aufbaut und sich ganz weit oben hält. Am Schluss wird alles nachvollziehbar aufgedröselt, die losen Enden fügen sich zusammen und ich stelle mir vor, wie Anna und Nick ihren letzten Abend mit einem sensationellen Sonnenuntergang genießen.

Damit ich auch immer weiß, wo ich mich als Leser gerade aufhalte, bekomme ich am Ende noch eine Karte von Sylt, wo alle Orte der Insel eingezeichnet sind.

Auch diesmal hat mich die Autorin sehr gut unterhalten. Sie hat mich mit rätseln und mit ermitteln lassen, mich auf Spuren in die Irre geführt und mich mit der Auflösung wieder überrascht. Aber so soll es ja auch sein. Genau das erwarte ich von einem guten Krimi, der von mir die volle Punktzahl von 5 Sternen und eine Leseempfehlung bekommt.

Bewertung vom 17.10.2020
Die Macht der Clans
Heise, Thomas; Meyer-Heuer, Claas

Die Macht der Clans


ausgezeichnet

Unglaublich und unbegreiflich

In ihrem Buch „Die Macht der Clans“ geben die Autoren Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer einen Einblick in die verschiedenen Clans, die sich in unserer Republik eingenistet, aber keinesfalls integriert haben. Vor ca. 40 Jahren kamen die ersten Familien, mittellos und ungebildet, aus dem Nahen Osten, zumeist aus dem Libanon. Über Jahre haben sie in Berlin, Bremen, Dortmund und Essen ihre Stadtteile für sich eingenommen und Ableger der Familien sind weiter gewandert nach Hameln, Oberhausen oder Duisburg. Allein in NRW gibt es nach neuesten Erkenntnissen mind. 111 kriminelle Clans.

Sie alle, bzw. die meisten der Familienmitglieder, leben von Betrug, Erpressung, Einbrüchen, Diebstählen, Raubüberfällen, Schutzgelderpressungen, Drogenhandel, illegalen Glücksspielautomaten, Zwangsprostitution bis hin zu betrügerischen Schlüsseldiensten, Telefonabzocke und Mord. Es gibt noch immer Ehrenmorde, die in diesen Kreise als ganz normal angesehen werden.

Kriminelle Clans haben Rockerbanden und die Mafia aus unseren Schlagzeilen verdrängt. Immer wieder liest man von ihren Taten, bekommt Auszüge davon im TV präsentiert. Aber nach dem, was ich hier im Buch gelesen habe, finde ich das alles einfach nur unglaublich und unbegreiflich.

Das Autorenduo hat jahrelang intensiv im Milieu recherchiert und nun bekomme ich hier einen Einblick in ihr Wertesystem, ihre Denkweise, ihre Planung von Raubzügen und wie sie reden. In einer Familie zählen nur die Männer. Frauen haben keine Rechte und werden als Gebärmaschinen gebraucht, um die Größe und damit die Macht der Familie, den Clan, zu vergrößern.

Für mich nicht nachvollziehbar ist auch, wie die Regierung, die Justiz und die Polizei mit den mutmaßlichen Betrügern umgeht. Da sie zumeist ohne große Strafen davon kommen, lohnt sich für die Clans das Verbrechen weiterhin. Während ich das hier lese, schüttle ich dauernd den Kopf und verstehe nicht, wie sanft gerade die Gerichte in Berlin mit diesen Verbrechern umgeht. Ich bin gespannt, ob die Maßnahmen, die z.B. Niedersachsen gerade plant und ausführt, fruchten.

Zum Schluss bekomme ich noch ein Quellen- und Personenregister zum nachschlagen.

Ein Buch, das mir einen guten Einblick in das Innenleben der wichtigsten Clans hier in Deutschland gibt. Das mir die spektakulärsten Fälle, die ich aus Presse und TV schon kannte, nochmal ins Gedächtnis ruft. Das mir das Wertesystem dieser Parallelgesellschaft aufzeigt. Aber auch die Versäumnisse der deutschen Politik.
Ein Buch, spannend und verstörend wie ein Krimi.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.10.2020
Prost, auf die Wirtin
Kalpenstein, Friedrich

Prost, auf die Wirtin


ausgezeichnet

„Immer wenn es am ungünstigsten ist...“

Der Mond scheint auf das kleine Wäldchen bei Brunngries. Es riecht nach feuchten Moos und Harz. Eine hübsche brünette Frau blickt im Laufen immer wieder über ihre Schulter. Doch ihr Verfolger holt sie ein – und schießt.
Hauptkommissar Constantin Tischler ist gerade von München nach Brunngries gezogen. Morgen ist sein erster Arbeitstag in der neuen Dienststelle. Nur, heute gibt es eine Tote im Wald. Und heute hat er den Sonderauftrag schon heute seinen Dienst anzutreten. Kruzefix. Also steht er wenig später in seinen niegelnagelneuen Sneakers an einem Tatort im Wald vor der Leiche von Franziska Leidinger, der Wirtin aus dem Gasthof „Zum >Brunnen“ im Ortskern von Brunngries.

Den humorigen, mit verschiedenen Seitenhieben gespickten Schreib- und Erzählstil von Friedrich Kalpenstein kenne ich schon aus einigen seiner vorherigen Bücher. Ich liebe es, wenn die Metzgersfrau sich über ihre Kundschaft aufregt, die zwar jeden Tag eine gehörige Portion Fleisch auf dem Teller haben wollen, alles bio natürlich. Nur kosten darf es nichts. Oder wenn die Dame im Krämerladen einen Kaffee anpreist, der im Angebot ist, und zwar fast immer. Und er schmeckt, dass sich die Zehennägel hoch drehen.

Genau so lockern witzige Dialoge die Ermittlungen auf. Besonders Felix Fink schafft es immer wieder mich zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen zu bringen. Kein Fettnäpfchen ist vor ihm sicher.
Die meisten Menschen, die ich hier kennenlerne, finde ich eigentlich sehr sympathisch. In einigen habe ich mich auch getäuscht. Und dann gibt es auch hier Menschen, denen ich im wahren Leben nicht begegnen möchte. Hach, da gibt es noch die kleine Resi, die hab ich ganz tief ins Herz geschlossen. Sie ist die Dackeldame von Förster Ferstl.

Ich konnte auch hier wieder sehr gut mit rätseln und mit ermitteln, wurde immer wieder auf falsche Fährten gelockt und ja, ich hab mich wieder mal blamiert. Der Mörder ist ein ganz Anderer, als ich vermutet habe. Aber so soll es ja bei einem guten Krimi, auch wenn er stark vom Humor lebt, sein. Das wieso, weshalb, warum der Zusammenhänge kommt erst ganz zum Schluss heraus.

Durch den Krämerladen, in dem es den ganz besonders schlechten Kaffee gibt; den Güllewagen, der vorbei fährt und seine Spur durchs Dorf zieht; und natürlich die „Dorfratschn“ kann ich mir die Dorfidylle in dem kleinen Ort in der Nähe von Traunstein sehr gut vorstellen. Der immer wieder auftauchende bayerische Dialekt macht klar, wo man sich hier gerade aufhält.

„Prost, auf die Wirtin“ ist der gelungene Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe aus der bayerischen Provinz mit Spannung, viel Witz und Humor, sehr unterschiedlichen Menschen und dem nötigen lokalen Anstrich. Ich freue mich schon jetzt, wenn ich mit Hauptkommissar Tischler und seinem Team seinen nächsten Fall lösen kann.

Bewertung vom 15.10.2020
Der Ernährungskompass
Kast, Bas

Der Ernährungskompass


ausgezeichnet

Eine Entdeckungsreise in die Alters- und Ernährungsforschung

Da ich seit meiner ersten Entbindung dauerhaft mit meinem Gewicht zu kämpfen, immer wieder neue Diäten ausprobiert und wieder abgebrochen habe, da sie außer einem erneuten Anstieg meiner Kilos nichts gebracht haben, habe ich sofort zugegriffen, als mir dieses Buch angeboten wurde.

Ich habe schon einiges an Sachbüchern über das Thema Abnehmen, Gesünder essen und Fasten gelesen. Ich war mir auch sicher, dass ich einiges dafür tue, gesund und fit zu sein und zu bleiben. Da aber dauernd neue wissenschaftliche Studien heraus kommen, die die „alten“ Studien als falsch hinstellen, war ich immer wieder verunsichert. Bei „Der Ernährungskompass“ bekomme ich alles auf einen Blick, sogar noch wissenschaftlich untermauert. Vor allem schreibt und erklärt Bas Kast alles so, dass ich es als Laie wunderbar verstehen und für mich zuordnen kann. Zwar weiß ich immer noch nicht, was richtig oder falsch ist, aber ich habe mit diesem Buch einen, wie ich finde, exzellenten Ratgeber an der Hand, der mich fundiert über die meisten Fragen zu diesem Thema informiert. Es gibt nicht nur die eine richtige Ernährungsweise. Aber ich habe nun die Möglichkeit Verschiedenes auszuprobieren und für mich festzustellen, was bei mir anschlägt und was nicht.
Mit den „12 wichtigsten Ernährungstipps“ am Ende des Buches habe ich einen Grundstock, auf dem ich aufbauen kann.

Ein interessantes und teilweise richtig spannendes Buch bei dem Vieles nicht neu ist, ich aber eine sehr gute Zusammenfassung bekomme. Ein Ratgeber, aus dem ich Einiges für mich mitnehmen kann, den ich gerne weitergebe und empfehle.

Bewertung vom 14.10.2020
Die Tote im Stadl
Maiwald, Stefan

Die Tote im Stadl


ausgezeichnet

Gelungener Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe

Ernstl Tiefenhauer, Star der Ski- und Snowboardschule Kraxler in Bad Kleinkirchheim in Kärnten, entdeckt bei einem Skikurs in der Holztür eines Stadls am Waldrand eine junge Frau mit einem Messer in der Brust.
Wendelin Kerschbaumer, 46, hat gerade seine Scheidung hinter sich und möchte seinen Body durch eine Fitness- und Diätkur in diesem idyllischen Ort auf Vordermann bringen. Da er ja schon mal da ist, bekommt er von seinem Vorgesetzten die Order die Ermittlungen zu übernehmen. Seine Kollegen aus Bad Kleinkirchheim erwarten den Wiener Chefinspektor bereits.
Da die Tote ihren Ausweis dabei hat, ist sie schnell als Swetlana Kastelic, eine Slowenin, die als Putzfrau im Hotel Pulracher arbeitet, identifiziert. Was wollte die junge Frau, zwar mit dicker Daunenjacke und Schal, aber nur mit Halbschuhe bekleidet, dort oben am Berg? Gemeinsam mit Inspektorin Hilde Hofgärtner und Revierinspektor Volker Feiersinger macht Kerschbaumer sich auf, den Fall zu lösen.

„Die Tote im Stadl“ ist der erste Krimi, den ich von Stefan Maiwald gelesen habe. Mit seinem feinsinnigen, trockenen, manchmal hintergründigen Humor trifft er bei mir mit diesem Krimi voll ins Schwarze. Bei den Bildern, die er mir in den Kopf pflanzt, habe ich oft schmunzeln und manchmal sogar laut lachen müssen. Durch seine bildhaften Beschreibungen von Bad Kleinkirchheim habe ich mich dort schnell richtig wohl gefühlt. Da es hier gerade scheußlich kalt ist, kann ich mir die winterliche Atmosphäre sehr gut vorstellen. Ich habe Lust bekommen, mir diesen kleinen Ort in den Gurktaler Alpen mal in Natura anzuschauen.

Gleich nach den ersten Seiten ist mir der Wiener Chefinspektor mit seiner ruhigen, besonnenen Art sympathisch. Er, der nach seiner Scheidung immer noch etwas angeschlagen wirkt, startet seinen Neuanfang mit einer Sport- und Diätkur. Ihn sich mir im Fitnessstudio keuchend Hanteln stemmend vorzustellen, um ihn herum lauter junge Hüpfer mit Muckis ohne Ende, fand ich sehr erheiternd. Auch seine Erklärungen, die sich immer wieder gegen seine Diät stellen, haben meine Mundwinkel nach oben ziehen lassen. Auch mit Inspektorin Hilde Hofgärtner und Revierinspektor Volker Feiersinger habe ich mich schnell angefreundet. Aber wie überall gibt es auch hier Menschen, mit denen ich nicht befreundet sein möchte.

Der Kriminalfall ist spannend, gibt einige Rätsel auf und wird schließlich gut und nachvollziehbar gelöst. Vor allem kann ich mit rätseln, mit ermitteln und mich auch auf falsche Spuren führen lassen.

Sehr phantasievoll gestaltet finde ich auch das Cover. Vor allem fällt der blaue Schnitt sofort ins Auge.
Witzig zu lesen sind vor jedem Tag, der die Ermittlungen andauert, ein Wetter- und ein Pistenbericht. Im Anhang kann ich mich noch zu einer kulinarischen „Tatortbegehung“ aufmachen. Der lokale Anstrich des Krimis kommt hier immer wieder sehr gut heraus. Und Dank Frau Google kenne ich nun auch das „Binnenmajuskel“.

Alles in allem ein spannend aufgebauter Krimi mit viel Lokalkolorit, der mich sehr gut unterhalten hat.