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seschat
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Bewertungen

Insgesamt 938 Bewertungen
Bewertung vom 18.09.2015
Amtenbrink, Kay;Volkens, Bernd

Vom Kiez zum Kap


ausgezeichnet

INHALT
Das Buch "Vom Kiez zum Kap" erzählt die Geschichte zweier Fußballkumpels, die sich 2010 mit dem VW-Bulli (T3 Syncro) auf die Reise von Hamburg nach Kapstadt machten - wechselnde Mitfahrer und allerhand Abenteuer inklusive.

MEINUNG
Dieser Reisebericht hat mich durch seine beeindruckenden Fotos und sehr persönlichen Reiseschilderungen sofort mitgerissen. Ich kann den beiden Abenteurern zu diesem Buch nur gratulieren. 2010 brachen Bernd Volkens, Motorjournalist, und Kay Amtenbrink, Grafiker, zu ihrem persönlichen Abenteuer auf. Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika wollten die beiden Fußballfans unbedingt ein Spiel live vor Ort erleben. Doch bevor sie Kapstadt und das nächste Fußballstadion erreichen, liegen tausende von Kilometern entlang der sog. afrikanischen Westroute (Ägypten-Sudan-Äthiopien-Kenia-Tansania-Sambia-Malawi-Botswana-Südafrika) vor ihnen. Windige Grenzbeamte, Autoreparaturen, einzigartige Landschaften und viel menschliche Wärme warten auf die beiden sympathischen und langmütigen Reisenden.
In leicht verständlichen und prägnanten Worten lässt das Autorenduo ihre Erlebnisse Revue passieren - herrlich authentische und damit sehr gut nachvollziehbare Beschreibungen. Persönliche Befindlichkeiten und Eindrücke werden eins zu eins wiedergegeben. Die brillanten Fotos von Mensch und Natur runden dieses stimmige Werk ab. Zudem verfügen die Innenseiten des Bucheinbands jeweils über eine farbige Afrikakarte mit markierter Route, was ich sehr gelungen finde, denn so weiß der Leser immer, wo in Afrika sich das Hamburger Duo gerade aufhält.
Das Cover mit dem Pyramiden von Meroe hat mich auf Anhieb angesprochen und einfach nur neugierig auf den Buchinhalt gemacht.

FAZIT
Ich habe mich durch diese afrikanische Nahaufnahme sehr gut unterhalten gefühlt und konnte sogar noch einiges Neues über den Schwarzen Kontinent dazulernen. Mein Fernweh ist geweckt. Absolute Leseempfehlung, nicht nur für passionierte Abenteurer!

Bewertung vom 10.09.2015
Tingler, Philipp

Schöne Seelen


weniger gut

INHALT
Der Züricher Bohemien und Gelegenheitsschriftsteller Oskar Canow verkehrt in den besten Kreisen der Schweizerischen Gesellschaft. Er sieht das ganze Bohei um die oberen Zehntausend sehr kritisch und kann sich manch sarkastische Bemerkung über Schönheits-OPs, falsche Zähne und weiße Hollywoodzähne bei passender Gelegenheit nicht verkneifen. Als ihm sein alter Jugendfreund Viktor bittet, anstatt seiner eine Therapie zu machen, willigt er nach anfänglichen Bedenken ein, weil ihm gerade eine Schreibblockade plagt. Mit Dr. Hockstädter wälzt er nun Viktors Eheprobleme und liefert sich dabei das ein oder andere Philosophieduell.

MEINUNG
Ich kannte den Berliner Autor Philipp Tingler vor der Lektüre des Romans nicht und habe mich durch die vielversprechende, beißend ironische Leseprobe ködern lassen. Wenn man auf sprachliche Brillanz steht und dafür beim Plot Abstriche in Kauf nimmt, dann kann dieses Buch durchaus unterhaltsam sein, aber nur dann...
Ich mag es, wie Tingler in jeder Zeile die oberflächliche, von Statussymbolen bestimmte Highsociety auseinander nimmt. Er scheut sich nicht Dinge beim Namen zu nennen und lebensphilosophische Fragen zu stellen. Besonders Tinglers exzellenter Sprachstil hat mir gefallen, wohingegen ich mit der lahmen, vor sich hin wabernden Handlung meine Probleme hatte. Oskars Therapie nimmt fast das gesamte Buch ein und langweilt mit jeder neuen Sitzung mehr. Irgendwie kommt er nicht voran bzw. Viktor scheint sich durch Oskars Tipps nicht zu bessern. Als Leser fragt man sich: Ist es das inhaltlich schon gewesen? Hierbei muss ich Tingler zugute halten, dass er sein Ding durchzieht und bis zum Schluss an der unaufgeregten Story festhält; was vielleicht zeigen soll, wie leer und gesichtslos sich diese nur auf Äußerlichkeiten und Erfolg getrimmte Gesellschaftsgruppe darstellt. Es geht um den schönen Schein und das nichtssagende Geschwätz und natürlich um emotionale Kälte, weil Besitz und Reichtum abstumpfen lässt. Dahingehend wirkt der ambivalente Buchtitel "Schöne Seelen" sehr passend. Wäre der Plot nicht so redundant und damit einschläfernd gewesen, hätte ich vielleicht nicht so viele Anläufe gebraucht dieses Buch bis zum Schluss zu lesen. Einige Stellen konnte ich nur überfliegen bzw. ich musste einfach weiterblättern, sonst säße ich heute noch an der Lektüre - schade.

FAZIT
Nach 20 Seiten kennt man bereits alles und will gar nicht weiterlesen. Ermüdende Lektüre, die einzig mit ihrem Sprachwitz und den z.T. bitterbösen Demaskierungen der ach so feinen Gesellschaft punkten kann. Leider nur bedingt empfehlbar.

Bewertung vom 10.09.2015
Hooper, Emma

Etta und Otto und Russell und James


sehr gut

INHALT
Die 83-jährige Kanadierin Etta will noch einmal das Meer sehen und verlässt dafür klammheimlich ihren Ehemann Otto samt Heimat. Insgesamt wandert sie über 3000 km, freundet sich mit einen Kojoten an und wird dabei immer wieder von Erinnerungen eingeholt. Ihr Leben, das ihres Mannes Otto und des gemeinsamen besten Freundes Russell lässt sie Revue passieren.

MEINUNG
Emma Hooper schafft es, den Leser durch ihre prosaische, bildhafte Sprache für sich einzunehmen. Etta, die Hauptfigur des Romans, ist eine mutige, leider aufgrund des Alters sehr vergessliche Frau, die sich endlich ihren Lebenstraum erfüllen möchte. Die einstige Lehrerin von Otto und Russell hat die Zeit der großen Depression und des Zweiten Weltkriegs hautnah miterlebt. Mit beiden Männern ist sie seit ihrer Jugend eng verbunden. Otto, den kräftigen Farmer und Ex-Soldaten, liebt sie und Russell, den verständnisvollen Farmer mit Gehbehinderung schätzt sie als Freund.
Mich hat besonders der Einblick in die Kindheit der drei Freunde angesprochen. Otto und Russell werden auf den Land groß und erleben dort einige gemeinsame Abenteuer, während Etta in der Stadt aufwächst und sehr an ihrer älteren Schwester hängt. Diese persönlichen Familien-/Kindheitsgeschichten aus dem Kanada der 30er-Jahre empfand ich als sehr aufschlussreich - man konnte sich gut in die damalige Lebenswelt einfühlen.
Darüber hinaus geht es um die Frage: Was ist ein erfülltes Leben bzw. welchen Beitrag können wir selbst dabei leisten? Etta, die viele Jahre zurückstecken musste, erkennt nun, als es fast zu spät ist, dass sie Zeit für sich selbst und ihre Träume braucht. Dabei geht es auch um verpasste Chancen, prägende Schicksalsschläge und Hoffnung. Was macht den Menschen aus? Hier bekommt liefert uns die Autorin ein klares Bild davon. Es gab nur eine Kleinigkeit, die mir missfallen hat, nämlich Ettas Gespräche mit dem Kojoten. Seit wann können Tiere sprechen? Oder wurde diese künstlerische Freiheit bewusst eingesetzt?

FAZIT
Ein lesenswertes Buch, das dem Leser vor Augen führt, dass das Leben kostbar und selbstständig gestaltbar ist. Wir müssen nur aufstehen und losgehen...

Bewertung vom 10.09.2015
Einzlkind

Billy


gut

INHALT
Der 34-jährige Schotte Billy wächst ohne Eltern in der Kleinstadt Duffmore auf, beide starben an einer Überdosis. Er steigt mit 22 Jahren in die Firma seines Onkels Seamus ein und wird Auftragskiller. Als er zum Spielen nach Las Vegas reist, holt ihn nichtsahnend eine alte Geschichte ein.

MEINUNG
Ich hatte mir nach der Leseprobe mehr von diesem Roman erwartet.Doch leider konnte mich Billys Geschichte nicht hundertprozentig mitreißen. Warum? Im Klappentext wurde ein witziger Roadmovie versprochen, der leider viel zu oft ins Langweilige abdriftete. Klar, ab und an gab es Momente mit gelungener Situationskomik, so musste ich z. B. herzhaft über den Elvis-Imitator aus Las Vegas lachen, der seine Autogramme immer mit Elwis anstatt mit Elvis unterschrieb oder über Billys makabre Opferliste, die die letzten Worte und den letzten Musikwunsch von Billys Zielobjekten enthielt.

Die Ausführungen über Billys Kindheit hätten m. E. zugunsten seiner Tätigkeit als Auftragskiller gekürzt werden können. Was interessiert mich, die Lebensgeschichte seines Onkels, wenn ich doch wissen will, wie und warum Billy tötet. Sicher gibt es vereinzelte, dann meist ins Philosophische abgleitende Passagen über seine Morde, aber das ist mir zu wenig gewesen. Zudem kam Billys besonderer Beruf erst ab Seite 134 zur Sprache - eindeutig zu spät...

Die Wahl von Billy als Antihelden finde ich sehr gelungen. Er hat früh seine Eltern verloren und ist zum Morden eigentlich zu weich. Nur weil er bei seinem Onkel aufwächst und dieser ihm eine schöne Kindheit mit Heranführung zum philosophischen Denken beschert, steigt er ins Familien-Business ein. Letzteres hat sich auf Rache- bzw. Gerechtigkeitstaten spezialisiert.
Ich empfinde Mitleid mit Billy und gleichzeitig verachte ich ihn für seinen Beruf. Er ist Opfer und Täter zugleich und hängt irgendwie immer in der Schwebe. Ihm fehlen die Wurzeln, was gefährlich sein kann, vor allem in Las Vegas.Besonders wenn Billy ins Philosophieren gerät und Nietzsche zitiert, mochte ich den Roman. Hier gab es durchaus nachdenkliche und tiefgreifende Momente. Billys nonchalante Beschreibungen seiner Mitmenschen sind wiederum urkomisch. Er ist der perfekte Erzähler, wenn nur nicht die endlos erscheinenden Exkurse über Whips - Billys Freund und Arbeitskollege - abstruse und nerdige Technik-Utopien und die lahme Reise nach Las Vegas gewesen wären. Billy trifft auf seiner Reise einige skurrile Typen, die durchaus unterhaltsam sind und zeigen, wie verkommen und oberflächlich die Wüstenstadt ist. Die darin enthaltene Tragikomik ist nicht schlecht.

Der unaufgeregte, nüchterne Erzählstil passt gut zum skurrilen Plot.
Hierzu ein paar gelungene Bonmots:
"Mein Leben ist an mir vorbeigezogen und keiner hat es gesehen, nicht einmal ich selbst." (S. 29)

"Manchmal mache ich mir Sorgen um Whip, er sehnt sich so sehr nach dieser realen Irrealität, dass er die Schönheit des Unvollkommenen übersieht, das Schroffe, das Unmögliche, das Zerbrechliche und das immer wiederkehrende Endlich." (S. 170)

"Es ist merkwürdig, wie sehr dieses Land ein Film ist, ein Film mit permanent neuer Besetzung, neuen, umwerfenden Figuren, selbst dann, wenn sie dein Leben nur einen kurzen Moment lang begleiten und eigentlich sprachlos sind." (S. 180)

Das Cover strahlt etwas Außenseiterhaftes aus, besonders das Elvis-Double am rechten Coverrand - passt also sensationell zu Protagonist Billy. Mich hat die hellblaue Farbgebung, die Himmel und Erde zu einem Ganzen macht, fasziniert.

FAZIT
Ein etwas zu hochgelobtes Buch mit vertanem Potenzial. Durchaus bisweilen unterhaltsam, aber nicht stringent.

Bewertung vom 10.09.2015
Charney, Noah

Original Meisterfälscher


ausgezeichnet

Ich habe mir dieses Buch seit der beeindruckenden 3Sat-Reportage über Wolfgang Beltracchi herbeigesehnt.
Das Inhaltsverzeichnis erzeugt Spannung, weil es allein auf die Beweggründe der Fälscher abzielt, die teilweise an die sieben biblischen Todsünden erinnern ;-)
Es geht um Themen wie Ruhm, Macht, Kriminalität und Genie. Dabei wird der Leser peu à peu an die Materie herangeführt, ohne mit Fachbegriffen überschüttet zu werden. Man lernt, dass das Fälschen keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern bereits in der Antike ein einträgliches Business gewesen ist. Die im Buch aufgeführten Fälscher haben sich größtenteils mit Künstlern der Moderne beschäftigt, weil das dafür nötige Equipment (Farben, Holz etc.) noch vorhanden war und nicht extra hergestellt werden musste. Gern hat man auch mithilfe von Chemikalien Bilder oder auch Skulpturen auf alt getrimmt, was mich fasziniert hat. Zudem werden die Begrifflichkeiten "Fälschung", "Verfälschung" usw. definiert.
Mich haben vor allem die Menschen hinter den sog. "Verbrechern" interessiert, denn eines steht fest, wer ein Bild erfolgreich fälschen will, muss selbst immenses Talent besitzen. Viele fälschten, um bekannt zu werden oder die Kunstexperten bewusst zu linken. Letzteres fand ich besonders amüsant, weil die sogenannte Kennerschaft ad absurdum geführt wurde.
Die einzelnen kurzweiligen Künstlerporträts der Leseprobe lesen sich sehr frisch und sind unterhaltsam, weil auf eine klare und pointierte Sprache gesetzt wurde. Auf Nebensächlichkeiten, die das Buch künstlich aufblähen und daher viele Sachbücher bisweilen aufweisen, wurde verzichtet - danke!
Zudem empfinde ich die Einbindung der Gemäldefotografien als sehr gelungen. Auf diese Weise kann der Leser sich schnell in Künstler und Werk hineinversetzen.
Ob Hebborn, Han van Meegern etc., allesamt sind sie interessante Persönlichkeiten, die ihr Handwerk, auch wenn es kriminell ist, aufs Beste verstehen. Vor allem Hebborn, der ein Buch über seine Fälschermethoden geschrieben hat, finde ich erwähnenswert, weil er bei seinen Fälschungen stets um Perfektion bemüht gewesen ist und nichts dem Zufall überließ.
Auch der Anhang wurde gut aufbereitet. Hier kann man sich schnell über Quellen und wissenschaftliche Testmethoden für gefälschte Kunst (Röntgen bzw. UV-Methode etc.) informieren.
Das Cover, das das berühmte Bild vom Mädchen mit dem Perlenohrgehänge zeigt, passt perfekt zum Sujet des Sachbuchs. Denn das berühmte Gemälde erscheint unfertig, so dass der Meisterfälscher noch Hand anlegen muss. Auch der Titel sticht durch die rosa Einfärbung vor dem dunklen Hintergrund gut hervor.
Mein Lieblingszitat aus dem Buch: "Schlechte Künstler kopieren, gute stehlen." (Picasso)

FAZIT
Ein ungemein lesenswertes und aufschlussreiches Sachbuch, dessen besonderem Charme ich mich nicht entziehen konnte. So müssten gute Sachbücher immer sein!

Bewertung vom 23.08.2015
Fiore, Kelly

Der tiefe Fall der Cecelia Price


ausgezeichnet

INHALT
"Der tiefe Fall der Cecelia Price" von Kelly Fiore schildert das Schicksal der 17-jährigen Einserschülerin Cecelia Price, die ihren geliebten, nur zwei Jahre älteren Bruder Cyrus an Drogen verlor und sich selbst dafür die Schuld gibt.
Infolge wird sie verhaftet und muss eine Verhaltenstherapie absolvieren, welche sie mehr und mehr mit sich selbst, der Schuldfrage und ihrer Familie konfrontieren wird...

MEINUNG
Kelly Fiore hat ein emotionales, sehr authentisches Jugendbuch zum Thema Drogensucht und Schuld geschrieben.

Die Ich-Erzählerin und Protagonistin Cecelia ist ein sympathischer, vom Leben arg gebeutelter Charakter. Ihre Mutter starb früh an Krebs und der Bruder Cyrus an einem Drogencocktail.
Hinzu kommt die finanzielle Notlage des Vaters. Die Familienfarm steht auf dem Spiel und Cecelia sieht nur einen fatalen Ausweg aus der Misere, den illegalen Handel mit dem in Amerika weit verbreiteten Schmerzmittel Oxycodon. Dieser „Droge“ war auch ihr Bruder verfallen. Das einstige hoffnungsreiche und selbstbewusste Fußball-Nachwuchstalent richtete sich und seine Familie damit Stück für Stück zugrunde.
Cecelias innere und äußere Kämpfe nach dem Tod ihres Bruders werden beeindruckend offen dargelegt. Von Protest, Hilflosigkeit bis Resignation ist alles dabei. Wie sie aus dieser ausweglosen Situation zurück ins normale Leben findet, beschreibt die Autorin in einfachen, der Jugendsprache entlehnten Worten, was zum Teil sehr an die Nieren gehen kann. Alles in allem hat dieses Buch mich sehr bewegt, weil die Themen Drogensucht und Schuld vielschichtig beleuchtet wurden. Gut fand ich in diesem Zusammenhang auch, dass Fiore auf eine bewusste Beantwortung der Schuldfrage verzichtet hat und damit den ethisch-moralisch denkenden Leser in die Pflicht nimmt, selbst darüber zu urteilen. Denn nicht immer ist alles so klar, wie es am Anfang zu sein scheint.

FAZIT
Ein lesenswertes Jugendbuch, das ein schwieriges, aktuelles Jugendproblem lebensecht und auf sensible Weise thematisiert, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu argumentieren. Es eignet sich gut als Schullektüre.

Bewertung vom 12.08.2015
Kalypso, Katie

Valentines Rage (eBook, ePUB)


weniger gut

INHALT
Nachdem Krankenschwester Sarah ihren Freund Steve mit einer anderen Frau erwischt hat, beginnt sie eine heiße Affäre mit Valentine, dem Mitglied der berüchtigten Rockerbande "The Beasts". Für ein Leben an seiner Seite nimmt Sarah alles in Kauf, auch brutale Bandenkriege...

MEINUNG
"Valentines Rage" von Katie Kalypso konnte mich leider nicht überzeugen. Irgendwie war mir die Story zu vorhersehbar und zu klischeehaft. Die brave Krankenschwester trifft auf den gewaltbereiten und muskelbepackten Motorradpiraten, der sein Mädchen heroisch gegen alle Gefahren beschützt. Gleichförmige Gewalt- und Liebesszenen wechseln sich stetig ab und man fragt sich, soll das inhaltlich schon alles gewesen sein?
Ja, die Geschichte gibt leider nicht mehr her und wird dazu noch auf 241 Seiten gezogen.
Auch die Sprache ist gewöhnungsbedürftig. Sie changiert zwischen direkt, vulgär und ordinär. Hier hat mir eindeutig der Stil gefehlt. Zudem werden einzelne Sätze bzw. Szenen iterativ verwendet. Abwechselung und Spannung sieht anders aus.

FAZIT
Zu viel heiße Luft um heiße Öfen.

Bewertung vom 08.08.2015
Canaves, Sebastian

Off The Path


ausgezeichnet

INHALT
Sebastian Canaves ist echt zu beneiden. Aufgewachsen auf Mallorca und mit ordentlich Fernweh im Blut, hat er bereits im Alter von 25 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Reiseblogger bereist er die schönsten und entlegensten Orte der Welt. Sein Erfahrungsschatz ist groß. Am liebsten ist er dabei als Individualreisender unterwegs, um Land und Leute besser kennen zu lernen. Ob Australien, Bangkok oder Schweden, Canaves kennt sich einfach aus.

MEINUNG
Der Reiseratgeber ist optisch und inhaltlich sehr ansprechend gestaltet. In leicht verständlichen und übersichtlich angelegten Kapiteln gibt er dem Leser das nötige Rüstzeug für eine spannende und gut organisierte Reise in die Hand. Canaves hat an alles gedacht, angefangen von der Planung (Geld, Reisezeit, Verkehrsmittel oder Impfungen) bis hin zur erfolgreichen Umsetzung/Durchführung. Die Backpacking-Idee hat mich neugierig gemacht, denn hier gilt: weniger ist mehr. Ergo weniger Gepäck ergibt mehr Freiheit für Gedanken und Geist im Allgemeinen.
Auch die Übersicht über die verschiedenen Reisetypen (Abenteurer, Romantiker etc.) hat mir sehr gefallen und gezeigt, dass ich von allem etwas in mir trage, aber vor allem der planende, kulturbegeisterte Reisende bin. Weitere recht lesenswerte Abschnitte über Fortbewegungsmittel (Auto, Flugzeug, Fahrrad etc.), Gepäckgröße bzw. Fettnäpfchen schließen sich an. Als besonders aufschlussreich empfand ich das Kapitel über Arbeiten im Reiseland/Ausland (WWOOFing, Travel-and-Work oder Volunteering etc.). Zudem habe ich erfahren, dass es vor allem in Australien giftige Tiere gibt.

FAZIT
Ein sehr gelungener Reiseführer für Menschen, die Lust auf abenteuerliche und individuelle Reisen verspüren.
Informativ, inspirierend und lehrreich zugleich.
Wer mehr Infos wünscht, dem empfehle ich den gleichnamigen Reise-Blog des Autors: www.off-the-path.com/de

Bewertung vom 03.08.2015
Rayven, Leisa

Wohin du auch gehst / Bad Romeo & Broken Juliet Bd.1


ausgezeichnet

INHALT
Gibt es die Liebe auf den ersten Blick?
Ja, zwischen Cassandra Taylor und Ethan Holt sind bei ihrer ersten Begegnung im Jahr 2007 sprichwörtlich die Funken geflogen. Damals haben beide an der renommierten Grove School of Creative Arts in New York vorgesprochen bzw. vorgespielt und wurden angenommen. Ihr gemeinsames Spiel funktioniert außerordentlich gut - sie harmonieren perfekt. So kommt es, dass sie auf der Bühne mehr und mehr das Liebespaar geben müssen. Doch privat verläuft die Liebesbeziehung alles andere als linear. Cassandra kämpft um ihre Liebe, während Ethan sie aus Angst vor Nähe mehr als einmal zurückweist. Nach einer kurzen Zeit als Paar, verlässt Ethan Cassandra, die danach keiner männlichen Person mehr vertrauen kann. Ethan ertränkt seinen Trennungsschmerz in Alkohol und Cassandra betäubt sich mit bedeutungslosen Affären. Alles hilft nichts, denn was sie auch tun, sie können einander nicht vergessen.
Doch wie es der Zufall will, werden beide 2013 gemeinsam für ein Stück engagiert, in dem sie wieder ein glückliches Paar mimen sollen. Alte Wunden und enttäuschte Hoffnungen kommen endlich zur Sprache. Hitzige Wortgefechte und prickelnde Funkenstürme sind vorprogrammiert.

MEINUNG
Die australische Autorin Leisa Rayven hat einen modernen Liebesroman mit zwei unterschiedlichen/antagonistischen Charakteren geschrieben. Ethan ist der kaputte, unnahbare Typ, der Bad Boy bzw. Bad Romeo, und Cassandra ist die Betrogene/Feinfühlige, die Broken Juliet. Beide Figuren mochte ich auf Anhieb. Ich habe den Roman mit Genuss gelesen, weil er das emotionale Feuer zwischen dem Paar auf perfekte Weise transportiert. Die gegenseitige Anziehung spricht aus jeder Zeile; besonders bei ihrem Premierestück Romeo und Julia (s. Titel) stimmt die Chemie. Vor allem Cassandras Wille hinter Ethans arrogante Fassade bzw. Arschloch-Gehabe schauen zu wollen, hat mich beeindruckt. Sie lässt sich von seinen Zurückweisungen nicht entmutigen, weil sie erkennt, dass Einzelgänger Ethan auch starke Empfindungen für sie hat. Er kann ihr seine Gefühle einfach nicht zeigen bzw. will Cassandra damit nicht zerstören. Diese emotionalen Achterbahnfahrten reißen mit. Infolge wünscht man sich regelrecht ein Happy End, das allerdings auf sich warten lässt.

Mit dem direkten und damit modernen Sprachstil konnte ich mich nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Zeit sehr gut anfreunden. Er passt perfekt zum Plot. Auch die Zeitsprünge konnten mich begeistern. Erstens, lassen sich diese mittels gesonderter Überschriften bzw. Jahresangaben gut nachvollziehen. Zweitens, erlangt man durch sie ein umfassendes Gesamtbild der Beziehung von Cassandra und Ethan zwischen 2007 und 2013. Zudem beleben eingestreute Tagebucheinträge bzw. E-Mails aus dieser Zeitspanne die Handlung ungemein.

Das Cover ist ein wahrer Eyecatcher/Magnet. Das zersplitternde, jedoch glühende Herz in der Covermitte zieht besonders Romantiker wie mich an. Die goldene Einfärbung des Buchs hat mir sehr gefallen, weil sie das Buch zu etwas Besonderem - zu einer Art Schatz - stilisiert. Auch der in weißer Schnörkelschrift gehaltene Titel passt perfekt zum Buch bzw. zur Geschichte einer Liebe, die vom Wechsel aus Anziehung und Abstoßung lebt.

FAZIT
Ein beeindruckendes Porträt einer leidenschaftlichen, echten Liebe, die die ganze Klaviatur der menschlichen Emotionen bedient. Hier wird bedingungslos gekämpft, tief geliebt und wild geflüchtet wie in Shakespeares Dramen, nur die Sprache ist zeitgemäßer. Ich fühlte mich bestens unterhalten und erwarte den im November erscheinenden Fortsetzungsband schon jetzt sehnsüchtig.