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smartie11
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Insgesamt 935 Bewertungen
Bewertung vom 21.07.2015
Cruz, Augusto

Um Mitternacht


gut

Zum Inhalt:
Scott McKenzie, ehemaliger FBI-Agent und Vertrauter von J. Edgar Hoover, wird von Forrest J. Ackerman, einem exzentrischen Sammler von Film- und Science-Fiction-Memorabilien, angeheuert, um eine Kopie des seit Jahrzehnten verschollenen Stummfilmes „Um Mitternacht“ zu suchen. Doch um diesen Film, der als erster amerikanischer Vampirfilm gilt, ranken sich unzählige mystische Legenden. Viele Sammler haben vor McKenzie probiert, eine Kopie dieses Films zu finden. Doch bislang hatte anscheinend niemand Erfolg auf dieser schicksalhaften Suche, die McKenzie auf eine surreale Odyssee führt…

Meine Meinung:
Es ist ein außergewöhnliches wie gleichsam spannendes Grundthema, dass sich Autor Augusto Cruz für seinen Roman ausgesucht hat. Er basiert auf dem tatsächlich ungeklärten Schicksal des Films „Um Mitternacht“ des US-amerikanischen Regisseurs Tod Browning von 1927 sowie auf realen Personen, wie z.B. Forrest J. Ackerman (1916 – 2008 / „Mr. Science Fiction“ / US-amerikanischer Herausgeber, Verfasser und Verleger von Science-Fiction-Literatur), dem Stummfilm-Star Lon Chaney (1883 – 1930 / „der Mann mit den 1.000 Gesichtern“ / u.a. „Quasimodo“, „Das Phantom der Oper“) und der heutzutage weitgehend unbekannten Stummfilm-Schauspielerin Edna Tichenor (1901 – 1965). Ohne dass ich es wirklich beurteilen könnte, erscheinen mir die dem Roman zu Grunde liegenden Fakten sehr gut recherchiert zu sein.

Es ist faszinierend zu lesen, wie der Autor diese Fakten und reellen Charaktere zu einer fiktiven Story verwebt und daraus seine Geschichte entspinnt. Diese beginnt relativ unspektakulär mit einem sehr ausführlichen Gespräch zwischen Scott McKenzie und Forrest J. Ackerman, als dieser ihm seinen Auftrag und seine Motivation erläutert. Im Folgenden begibt sich McKenzie auf die Suche nach dem Film, die ihn einem Puzzle gleich von einem Anhaltspunkt zum nächsten führt. Dabei trifft er auf eine Menge sehr schräger und teilweise zwielichtiger Charaktere, wird immer weiter hineingesogen in das mysteriöse Schicksal des Filmes „Um Mitternacht“ und derer, die damit zu tun hatten. Schritt für Schritt wird diese Suche immer merkwürdiger. Sind es Anfangs noch leicht gruselige Grundelemente, wie beispielsweise spontan erlöschende Kerzen oder auch unerklärliche Geräusche flatternder Flügel, steigert sich die Atmosphäre dieser Geschichte immer mehr ins Ungewisse, die Grenzen zwischen Realität und vielleicht fieberhafte Wahnvorstellung (so habe ich es zumindest empfunden) verwischen dabei zusehends. Die Handlung, die Orte und die Geschehnisse werden immer surrealer und „verschwommener“. So kämpft sich McKenzie beispielsweise durch den mexikanischen Dschungel bis zu einem merkwürdigen Schloss („Las Pozas“ – das sollte man mal googeln!) mit mystischen Skulpturen, gebaut von einem Engländer, verwaltet von einer ehemaligen israelischen Soldatin. Surreal genug? Oder ein Flashmob, bei dem auf offener Straße mit Hämmern auf einen langsam dahinziehenden Werbedino eingedroschen wird. Dies sind nur zwei, durchaus gegensätzliche, Beispiele für die merkwürdigen Begebenheiten in diesem Roman.

Es ist eine schon fast psychedelische Story, die sicherlich nicht jedem gefallen wird, auf die man sich bewusst einlassen muss. Wenn man dies aber tut, kann sie durchaus einen faszinierenden Sog auf den Leser entfalten. Auch spielen m. E. die „Leseumstände“ bei diesem Buch eine große Rolle. Ich glaube nicht, dass diese Geschichte im Urlaub am Strand bei 30 Grad und Wellenrauschen funktioniert. Wenn sie aber abends, bei dämmriger Atmosphäre und einem draußen tobenden Gewitter gelesen wird, sollte das sehr gut passen.

FAZIT:
Keine einfache Lektüre und sicherlich nicht jedermanns Sache. Man muss sich auf diese Geschichte und den Schreibstil des Autors einlassen wollen und es braucht durchaus auch ein Stück Durchhaltevermögen. Dann aber kann man sich von dieser surrealen Odyssee durchaus in seinen Bann ziehen lassen.

Bewertung vom 21.07.2015
Polanski, Paula; Nesser, Hakan

STRAFE (Restauflage)


gut

Ein sehr ungewöhnliches und spezielles Leseerlebnis

Meine Meinung:
Dieser Roman ist vor allem eines: sehr ungewöhnlich! Vor diesem Hintergrund fällt es mir auch durchaus schwer, eine vernünftige und nachvollziehbare Rezension zu schreiben, die nicht zu viel verrät. Ich werde es trotzdem mal versuchen:

Der Schreibstil, im Präsens und der Dritten Person, wirkte auf mich von Beginn an irgendwie sehr distanziert, teilnahmslos, ja fast schon lieblos. So schwebte ich als Leser gefühlt die ganze Zeit „über“ der Handlung, wie ein stiller Beobachter. Hierdurch war es mir auch bis zum Schluss leider nicht möglich, auch nur zu einem der Charaktere eine „Beziehung“, geschweige denn Sympathien aufzubauen. Zudem machten die Charaktere einen ziemlich verschrobenen und irgendwie abstrakten Eindruck auf mich. Es fehlte mir der letzte Funke Lebendigkeit, die Authentizität. Dies habe ich über weite Teile des Buches als sehr störend empfunden. Nichts mit mitzittern, mitbangen, miträtseln. Das führte in Summe dazu, dass ich die Geschichte die ersten rd. 200 (von knapp 290!) Seiten zwar „tapfer“ gelesen habe, aber weder Spannung noch Neugier auf den Fortgang beim mir aufkamen. Ja, ich habe mich regelrecht durchgekämpft.

Eigentlich hatte ich diesen Roman schon fast abgeschrieben. Eigentlich. Doch nachdem ich mich immer unmotivierter durch die ersten rd. 2/3 des Buches hindurchgequält habe, hat die Autorin nicht nur den Protagonisten Max Schmeling, sondern auch mich gehörig überrascht. Auch wenn nach und nach eigene Vermutungen und Theorien zu den Hintergründen der Story in mir aufkeimten (und ich mit einigen Details richtig lag), so muss ich doch uneingeschränkt anerkennen, dass die Geschichte im letzten Teil eine wirklich überzeugende und in Summe sehr unerwartete Wendung genommen hat. Hierdurch habe ich Details, die ich in den ersten ca. zwei Dritteln noch als sehr schwach bis wirklich störend empfunden habe, am Ende als durchaus gekonnt eingesetzte stilistische Mittel wahrgenommen. Ich hätte wirklich nicht geglaubt, dass es der Autorin auch nur ansatzweise gelingen könnte, das Steuer dermaßen herumzureißen. Respekt! Leider kann ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, ohne zu viel von der Story und dem dazugehörigen „Aha-Effekt“ zu verraten.

Alles in allem hat mich die Autorin mit der Auflösung ihrer Story und den eingesetzten Stilmitteln wirklich versöhnt. Auch wenn der „langatmige“ Part der Geschichte mir mit rd. 2/3 viel zu lang gewesen ist, reicht es so am Ende dennoch für 4 Sterne für mich.

FAZIT:
Sehr ungewöhnlich: Über lange Strecken für mich persönlich echt enttäuschend und spannungslos dahin plätschernd, hat mich die Autorin mit der Auflösung doch noch überzeugt. „Blind empfehlen“ würde ich dieses Buch allerdings nicht.

Bewertung vom 19.06.2015
Stilton, Geronimo

Der Mona-Mausa-Code / Geronimo Stilton Bd.16


ausgezeichnet

Ein wimmelig-bunter Lesespaß

ZUM INHALT:
„Der Mona-Mausa-Code“ ist bereits der 16. Fall für Geronimo Stilton, Autor und Verleger der NNN (Neuen Nager Nachrichten). Zusammen mit seiner Schwester Thea, seinem Cousin Farfalle und seinem Lieblingsneffen Benjamin kommt Geronimo einem Geheimnis auf die Spur, dass im berühmten Gemälde „Mona Mausa“ versteckt ist. Diese Schatzjagd führt sie kreuz und quer durch die Stadt Mausilia zu elf ganz unterschiedlichen Orten, vom Käsekontrollinstitut über ein Scherzartikelgeschäft bis in die Tranige Taverne. Doch gleichzeitig scheinen auch noch geheimnisvolle Fremde dem Rätsel hinterher zu jagen.

MEINE MEINUNG:
„Der Mona-Mausa-Code“ ist ein buntes, wuseliges Leseabenteuer mit einer Leseempfehlung von 8 – 10 Jahren. Durch einen großen Text und einen deutlichen Zeilenabstand dürfte das Buch für fortgeschrittene Leseanfänger gut zu meistern sein. Auch die schönen Illustrationen und die locker eingestreuten Textformatierungen á la WordART lockern das Lesen zusätzlich auf. Dazu noch eine spannende, absolut gewaltfreie Story, ohne die kindliche Fantasie zu lange und zu sehr zu (über)fordern.

FAZIT:
Genauso stelle ich mir ein schönes Kinderbuch vor, dass den Kindern grade in der wichtigen Phase der ersten eigenen Leseschritte viel Spaß am Thema Lesen und an Büchern an sich vermittelt.

Bewertung vom 19.06.2015
Columbus, Chris; Vizzini, Ned

Der Fluch des Denver Kristoff / House of Secrets Bd.1


sehr gut

Eine tolle Mischung aus Action, Spannung, Grusel & Phantastik aber auch Gewalt

ERSTER EINDRUCK
Bereits das geheimnisvolle und detailverliebte Cover hat mich mit seiner verschlossenen Tür, den wild wogenden Wellen und der mythischen Eule sofort in seinen Bann gezogen. Das Buch liegt schwer und vielversprechend in der Hand und die einzelnen Seiten sind auf dickem, wertigem Papier gedruckt.

ZUM INHALT
Die Familie Walker scheint nach langer Suche endlich ein neues zu Hause gefunden zu haben. Doch der Kaufpreis für die glamouröse wie mysteriöse Villa Kristoff scheint doch viel zu günstig zu sein. Schon kurz nach dem Einzug machen die fünf Walkers Bekanntschaft mit der gruseligen alten Nachbarin Dahlia Kristoff. Und auch sie hat ein schreckliches Geheimnis, dass sie den Walkers nur allzu schnell und unverhofft offenbart und dadurch die drei Geschwister Brendan, Cordelia und Eleanor Walker auf eine abenteuerliche, rasante und gefährliche Reise in die phantastische Welt des Denver Kristoff schickt.

MEINE MEINUNG
Ich habe bislang selten ein Buch gelesen, dessen Start mich durch die überstürzten und actiongeladenen Ereignisse so schnell gefesselt hat wie „House of Secrets“. Hier zeigt sich der ganze filmische Erfahrungsschatz von Chris Columbus (Harry Potter, Percy Jackson, Nachts im Museum,...) gepaart mit der frischen Kreativität Ned Vizzinis. Das Chaos bricht über mich als Leser genauso unvorbereitet und apokalyptisch herein wie über die Protagonisten. Die unglaubliche Reise der Geschwister Walker ist gespickt mit vielen illustren Abenteuergestalten und reihenweise gefährlichen Situationen, garniert mit coolen Teenie-Sprüchen der Geschwister. Langeweile beim Lesen ist bei mir an keiner Stelle aufgekommen. Lediglich ein roter Faden hat mir gefehlt, anhand dessen sich die Geschichte systematisch hätte weiterentwickeln können. So kommt die Rettung am Schluss des Buches doch etwas schnell und auch eher banal daher. Auch fand ich, dass die Geschichte für 10 Jährige mitunter noch zu viel Gewalt enthält (siehe bei Bedarf ganz unten unter SPOILER).

FAZIT
„House of Secrets“ ist ein Buch, mit dem ich mich am liebsten ganz ungestört mit einem heißen Tee und einer kuscheligen Decke auf die Couch verkrümelt hätte, um die ganze Geschichte ungestört in einem Rutsch durchzulesen. Es hat mir viel Spaß und einige schöne Lesestunden beschert, trotz der kleinen Einschränkungen (fehlender roter Faden und eher banales Ende). Besonders schön fand ich den (im wahrsten Sinne des Wortes) „Cliff Hanger“ am Ende des Romans, der selbstverständlich eine Fortsetzung verspricht. Die Leseempfehlung (10 – 12 Jahre) teile ich NICHT, ich würde eher eine Leseempfehlung ab 12 Jahren aussprechen.
Ich freue mich schon auf die filmische Umsetzung durch Chris Columbus und bin sehr gespannt, ob er tatsächlich Mick Jagger und den Undertaker hierfür verpflichten kann.

---SPOILER ---
ACHTUNG, IM FOLGENDEN WERDEN DETAILS ZUM INHALT UND ZUM ENDE VERRATEN: Die Leseempfehlung ab 10 Jahren kann ich nicht teilen, da in „House of Secrets“ durchaus Hauptfiguren sterben (u.a. die Eltern, bis diese am Schluss überraschend wieder zum Leben erweckt werden) und auch einiges an Brutalität enthalten ist. Vieles davon ist zwar „nur“ angedrohte Brutalität, aber auch diese ist für die Fantasie vieler 10 Jähriger sicherlich noch nicht geeignet.

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Bewertung vom 19.06.2015
Dietz, Hanna

Wie Buddha in der Sonne


ausgezeichnet

Ein wunderbar humorvolles Kopfkino auf Larishang

Meine Meinung:
Wer etwas über den Inhalt wissen möchte, dem sei an dieser Stelle die Kurzbeschreibung sehr ans Herz gelegt, denn die trifft den Nagel auf den Kopf (was ja leider nicht bei allen Büchern der Fall ist!).

Das Einzige, was man diesem Roman von Autorin Hanna Dietz (u.a. „Männerkrankheiten“, „Weiberwahnsinn“) vorwerfen *könnte* ist, dass er in Teilen durchaus vorhersehbar ist. Natürlich entpuppt sich der gebuchte und lang ersehnte Luxus-Traumurlaub unter tropischer Sonne als weniger luxuriös und mit Pannen behaftet. Und selbstverständlich wird Frida die schrägsten und unangenehmsten Mitreisenden, über die sie sich schon beim Abflug am Flughafen richtig aufregen konnte, nicht wieder los. Aber diese Vorhersehbarkeit hat mich persönlich nicht das kleinste Bisschen gestört, denn ein Roman wie „Buddha“ soll für meinen Geschmack in erster Linie eines: Den Leser gut unterhalten. Und genau das hat „Buddha“ wirklich gut hinbekommen: Die Lektüre war wunderbar humorvoll, leicht und flüssig zu lesen und absolut kurzweilig. Für mich eine perfekte Gute-Laune-Urlaubslektüre!

Die Story sprüht regelrecht vor witzigen und kreativen Ein- & Zufällen, spielt leichtfüßig mit dem deutsch-südostasiatischen Culture-Clash und hat echt eine ganze Menge schräger Charaktere. Seien es nun die liebevoll-biedere Frida und ihr „natural born Chiller“ Henning, die spießigen & spaßbremsenden Workaholics, die polterige Ruhrpott-Family oder einfach nur der orakelnde Stalker-Inder Stachman. Hanna Dietz´s Charaktere sind so schillernd und abwechslungsreich wie ein Feuerwerk. Hier bleibt beim Lesen garantiert kein Mundwinkel unten.

Hinzu kommt noch das tropische Urlaubsfeeling, das Hanna Dietz mit ihrer sehr gelungenen Beschreibung von Orten, Menschen, Fauna und Flora hervorruft. Wenn man sich ganz in die Lektüre vertieft kann man sich schon fast ein bisschen wie im Urlaub fühlen, oder zumindest eine gehörige Portion Fernweh bekommen.

Wem Bücher wie z.B. „Hummeldumm“ von Tommy Jaud oder auch „Kaimankacke“ von Lars Simon gefallen haben, dem kann ich „Buddha“ nur wärmstens empfehlen!

FAZIT:
Eine sehr humorvolle und wunderbar beschwingte, perfekte Sommer-Sonne-Gute-Laune-Lektüre! Wer beim Lesen mal wieder richtig lachen möchte, sollte hier zugreifen.

Bewertung vom 19.06.2015
Pfeiffer, Boris

Unter der Stadt / Unsichtbar und trotzdem da! Bd.2


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Agan behauptet felsenfest, in einer U-Bahn von einem Dschinn entführt worden zu sein, dem er erst in letzter Sekunde entkommen konnte. Gleichzeitig halten merkwürdige Blitz-Überfälle Berlin in Atem. Solche geheimnisvollen Merkwürdigkeiten wecken natürlich den Detektiv-Instinkt der Unsichtbar-Affen und so begeben sich Agan, Jenny und Addi zusammen mit ihrem kleptomanischen Äffchen Goffi auf eine gefährliche Spurensuche tief unter der Stadt…

Meine Meinung:
„Unter der Stadt“ ist der zweite Band der „Unsichtbar und trotzdem da“-Reihe des erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautors Boris Pfeiffer (u.a. „Die drei ??? Kids“, „Das Wilde Pack“, „Akademie der Abenteuer“). Diesen zweiten Band kann man problemlos auch ohne Kenntnis des ersten Teils lesen und verstehen (ich habe den ersten Teil selbst noch nicht gelesen).

Die Story, dies sich Boris Pfeiffer für den zweiten Fall der „Unsichtbar-Affen“ ausgedacht hat, hat es wirklich in sich. Es geht um Sagengestalten, rätselhafte Überfälle und eine spannende und teilweise unheimliche Spurensuch in den pechschwarzen U-Bahntunneln tief unter der Stadt. Hier passen Story und Setting wirklich perfekt zusammen und ergeben gemeinsam eine nicht unangenehme schaurige Atmosphäre. Die Spannung hält hier wirklich bis zum Schluss und animiert zum kontinuierlichen Weiterlesen, ohne für die anvisierte Zielgruppe (ab 9 Jahren) zu überfordern. Der allgemeine Schauplatz der Reihe ist mit Berlin für meinen Geschmack sehr gut gewählt, weil sich mit Sicherheit viele Leser im Großstadtdschungel heimisch fühlen.

Die drei Helden der Reihe, Jenny, Agan und Addi, bilden ein tolles Trio, bei dem für die meisten jungen Leser eine passende Identifikationsfigur dabei sein dürfte. Unerschrocken, sehr kreativ, tolerant und verständnisvoll scheuen die drei keine Herausforderung. Und das Wort „aufgeben“ scheint ich ihrem Wortschatz erst gar nicht vorzukommen.


FAZIT:
Ein spannender, sehr zeitgemäß urbaner Kinderkrimi mit einem prima Setting und einem tollen Ermittlerteam.

Bewertung vom 10.06.2015
Raabe, Marc

Heimweh


ausgezeichnet

Meine Meinung:
Der neue Psychothriller von Bestseller-Autor Marc Raabe („Schnitt“, „Der Schock“) startet mit einem Paukenschlag: Jesse Bergs Ex-Frau wird ermordet, ihre gemeinsame Tochter Isa entführt (so viel verrät ja bereits der Klappentext). Es beginnt ein Wettlauf um seine Tochter, gegen die Zeit und gegen einen mysteriösen Unbekannten mit undurchschaubaren Motiven.

Marc Raabe erzählt seine Geschichte in zwei parallel verlaufenden Handlungssträngen, einem in der Gegenwart und einem in der Vergangenheit, der die damaligen Geschehnisse im Heim Adlershofs beleuchtet. Hierdurch bleibt das Tempo stets hoch und kleine Cliff-Hanger sorgen für stetige Spannungsspitzen. Dabei wird der Leser kontinuierlich (positiv) herausgefordert, die Geschehnisse in den beiden Handlungssträngen miteinander zu verbinden.

Äußerst geschickt hat Marc Raabe mit Jesse Berg einen Protagonisten entworfen, der in seiner absoluten Verzweiflung nicht davor zurück schreckt, Tabus zu brechen oder Grenzen zu überschreiten. Unweigerlich fragt man sich beim Lesen, wie weit man selbst gehen würde. Das „i-Tüpfelchen“ hierbei ist die Figur von Jule, der besten Freundin seiner getöteten Ex-Frau, die unfreiwillig in die Geschehnisse hineingezogen wird. Bei diesem ungewöhnlichen Duo lässt Marc Raabe nicht nur Jule und einige andere teilweise sehr verschrobene Charaktere an seinem Protagonisten Jesse zweifeln, sondern auch den Leser selbst. Schon früh merkt man, dass bei Jesse irgendetwas nicht stimmt. Etwas Ungewisses aber Bedeutendes liegt ganz tief verschüttet – in der Vergangenheit wie gleichsam in Jesses fehlenden Erinnerungen. Doch was ist es? Die Antwort auf diese wirklich sehr spannend angelegte Frage und damit den Clou der Geschichte legt der Autor, einem gründlichen Archäologen gleich, nur Stück für Stück frei. Einem Mosaik gleich erhält der Leser im Fortgang der Geschichte Steinchen für Steinchen, um daraus ein ganzes Bild zusammenzusetzen, einen Schritt zurück zu treten und es mit Abstand zu betrachten. Während des Lesens habe ich Theorien entwickelt, weitergesponnen und wieder verworfen. Genau so muss ein guter Psychothriller sein! Gegen Ende hatte ich schon eine Idee für die Auflösung, deren Grundzüge ich dann tatsächlich in der Auflösung wiedergefunden habe. Dies hat mich aber nicht weiter gestört und könnte durchaus daran gelegen haben, dass es nicht mein erstes Buch des Autors war.

FAZIT:
Ein geschickt angelegtes Verwirrspiel und ein absolut empfehlenswerter Psychothriller, den ich am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Wem „Der Schock“ gefallen hat, sei „Heimweh“ wärmstens ans Herz gelegt.

Bewertung vom 04.06.2015
Marx, André;Pfeiffer, Boris

Das wilde Pack in der Falle / Das wilde Pack Bd.5


ausgezeichnet

Ein rasantes und gefährliches fünftes Abenteuer für das Wilde Pack

Zum Inhalt:
Da hat das Wilde Pack in der letzten Zeit wohl doch etwas zu viel Chaos angerichtet und Aufmerksamkeit erregt. Plötzlich sind uniformierte Männer mit Spürhunden in der Stadt unterwegs und kommen dem Unterschlupf des Wilden Packs bedrohlich nahe…

Meine Meinung:
„Das Wilde Pack – in der Falle“ ist das fünfte Abenteuer rund um die kunterbunt zusammengewürfelte Tierbande des Wilden Packs. Auf knapp 130 Seiten, aufgeteilt in vierzehn lesefreundliche Kapitel und wieder reichlich verziert mit vielen tollen Illustrationen, erzählt Autor Boris Pfeiffer (u.a. „Die drei ??? Kids“, „Unsichtbar und trotzdem da“) die Geschichte über das Wilde Pack weiter. Das Buch kann man problemlos auch ohne Vorkenntnisse der ersten vier Bände lesen, doch mehr Spaß macht es sicherlich, wenn man die ganze Vorgeschichte schon kennt (es gibt einen sehr preiswerten Sammelband mit den Bänden 1-3!).
Diesmal wird es beim Wilden Pack nicht nur spannend, sondern durchaus richtig bedrohlich und gefährlich. Doch das Wilde Pack wäre nicht das Wilde Pack, wenn es sich nicht wagemutig und äußerst kreativ auch dieser Herausforderung stellen würde. So dürfen sich die Leser in diesem Band auf nervenaufreibende Szenen und Verfolgungsjagden freuen, wobei Autor Boris Pfeiffer das Alter seiner Zielgruppe (ab 8 Jahren) keineswegs aus den Augen verloren hat.
Die Charaktere der Tiere, die Boris Pfeiffer zeichnet, sind liebevoll, individuell und passen für mein Empfinden sehr gut zu der jeweiligen Tierart. Hier wird jeder Leser sicherlich sehr schnell seinen persönlichen Lieblingscharakter beim Wilden Pack finden, sei es der mutige junge Wolf Hamlet, der selbstlose Gorilla Barnabas, der flinke, reimende Kolibri Spy oder auch das „unbekannte Tier“ Oskar, der für mich einer der liebsten Helden beim Wilden Pack geworden ist. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei!
Aber es geht beim „Wilden Pack“ nicht nur um Spannung und Unterhaltung. Nebenbei und ganz unaufdringlich vermitteln die Geschichten, wie wichtig Freundschaft, Zusammenhalt, Selbstvertrauen, Mut und auch Selbstlosigkeit sind! Jedes Tier beim Wilden Pack ist einzigartig und hat seine ganz persönlichen Stärken, die der Gruppe weiterhelfen. Und genau an dieser Stelle vermittelt „Das Wilde Pack“ zwei ganz wichtige Botschaften für junge Leser: Jeder hat seine Stärken und zusammen in der Gruppe kann man (fast) alles schaffen, auch gegen scheinbar übermächtige Gegner!
Separat erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch nochmal die wunderbaren Illustrationen von Sebastian Meyer, die für mich perfekt die Charaktere der Tiere und auch die Atmosphäre der jeweiligen Situation eingefangen haben.

FAZIT:
Diese Fortsetzung des Abenteuers rund um das Wilde Pack ist wie schon seine Vorgänger wieder einmal rundum gelungen und für mich die bislang spannendste Story. Ich freue mich auf die weiteren Abenteuer!

Bewertung vom 28.05.2015
Wendeberg, Annelie

Tiefer Fall / Anna Kronberg & Sherlock Holmes Bd.2


ausgezeichnet

Ein untypischer, aber spannender Krimi (nicht nur) für Sherlock-Holmes-Fans

Meine Meinung:
„Tiefer Fall“ ist nach „Teufelsgrinsen“ der zweite Krimi mit der Bakteriologin Dr. Anna Kronberg. Wie schon im ersten Band dreht sich auch diese Story um die beiden Themen „bakteriologische Krankheiten“ und „Sherlock Holmes“. Die Geschichte, die auf einem erschreckenden wie gleichfalls bestialischem Plan fußt, schließt dabei nahezu nahtlos an die Geschehnisse in „Teufelsgrinsen“ an, so dass es sich aus meiner Sicht durchaus empfiehlt, „Teufelsgrinsen“ zuerst zu lesen, obgleich „Tiefer Fall“ als eigenständiger Roman konzipiert wurde und auch so funktionieren sollte.
Eines vorab: „Tiefer Fall“ ist für mich ein eher untypischer Krimi, der beispielsweise nichts mit klassischen „whodunit“-Krimis gemein hat. Die Handlung ist über weite Strecken des Buches auf wenige Orte begrenzt, so dass ich mir diesen Roman auch sehr gut als Theaterstück vorstellen könnte. Statt der klassischen Krimi-Frage „wer ist der Mörder“ steht bei „Tiefer Fall“ vielmehr das psychische und intellektuelle Kräftemessen der drei Hauptcharaktere im eindeutigen Vordergrund. Und genau dieses „Zusammen- bzw. Gegeneinanderspiel“ ist der Autorin wirklich außerordentlich gut gelungen und macht für mich den zentralen Reiz dieses Buches aus. Es ist faszinierend zu lesen, wie sich die sehr starken Charaktere über die rd. 330 Seiten hinweg entwickeln, neue und teilweise sehr überraschende Facetten zeigen und immer wieder zwischen Faszination und Abstoßung hin- und her alternieren.
Wie schon im ersten Fall ist auch dieser Krimi im „Sherlock Holmes Universum“ angesiedelt. Eine Adaption des wohl berühmtesten Detektives der Literatur-Geschichte ist immer mit Risiken verbunden. Doch Annelie Wendeberg hat diese Adaption ganz souverän und mit einer eigenen Heldin vollzogen. Mit Dr. Anna Kronberg hat sie eine neue Partnerin für Sherlock Holmes gefunden, die sowohl analytisch als auch menschlich einen perfekt passenden Gegenpol zum Meisterdetektiv bildet. Hat Anna im ersten Teil noch den guten alten Dr. Watson zur Randfigur macht, schafft sie dies im zweiten Fall auch schon fast mit Sherlock Holmes selbst. Und warum Dr. Anna Kronberg in keinem klassischen Sherlock-Holmes-Roman auftaucht, tja, diese Erklärung liefert Annelie Wendeberg auch gleich mit…

FAZIT:
Ein untypischer, gleichsam spannender Krimi aus einem sehr passigen und überzeugenden „Sherlock Holmes Universum“, der insbesondere durch das intellektuelle und pyschische Kräftemessen der drei Hauptcharaktere zu faszinieren weiß.