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seschat
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Bewertungen

Insgesamt 938 Bewertungen
Bewertung vom 22.10.2015
Groschupf, Johannes

Das Lächeln des Panthers


ausgezeichnet

INHALT
Katinka Schwartz steht kurz vor ihrem Internatsabschluss in Schottland, als ihr Vater, ein Hotelier aus Berlin, mit einer Hirnblutung ins Krankenhaus gebracht wird. Als Tochter und zukünftige Erbin reist sie sofort nach Berlin und hält im bereits in die Jahre gekommenen Hotel Marabu die Stellung. Doch dieses finanziell schwer angeschlagene Hotel ist voller Geheimnisse und mysteriöser Gäste...

MEINUNG
"Das Lächeln des Panthers" ist das erste Buch des vielfach ausgezeichneten Jugendbuchautors und freien Journalisten Johannes Groschupf, das ich bisher lesen durfte. Es hat mir ausgesprochen gut gefallen, weil es einmal nicht durch klischeehafte Teeniesorgen, sondern durch eine wohldurchdachte, geschichtsträchtige Story punktet. Im Großen und Ganzen geht es um die Geschichte des Hotels Marabu und seiner Gäste. In den Dreißiger Jahren waren hier die Reichskulturkammer und diverse Gemälde zeitgenössischer Künstler untergebracht. Die damalige High Society gab sich damals die Klinke in die Hand. Doch vom Ruhm der alten Zeiten ist heute, im 21. Jh., nur wenig übrig geblieben. U. a. kann man im prächtigen Bibliothekszimmer das Gemälde "Das Lächeln des Panthers" (vgl. Titel) bestaunen, das innerhalb des Plots noch eine wichtige Rolle spielen soll.

Der Plot ist geradezu innovativ mitreißend. Über ein altes Hotel mit zwielichtiger Vergangenheit kann man gut und gerne 217 Seiten schreiben, ohne dass es dem Leser langweilig wird.

Die Hauptprotagonistin Katinka ist eine verantwortungsbewusste, mutige und extrem neugierige Person. Wie sie sich trotz ihrer Jugend rührend um ihr Familienerbe kümmert, nötigt Respekt ab. Einzig die Beziehung zu ihrer emotional kalt auftretenden Mutter wirft Fragen auf. Zum Vater scheint das Band enger zu sein, wenngleich seine laxe Geschäftsführer-Mentalität dem Hotel nicht gerade zuträglich gewesen ist. Abgesehen von Katinka verfügt der Jugendroman über allerhand interessante Charaktere, wie z. B. den englischen Künstler Finley oder die mondän auftretende Baronin von Rochlitz. Es bereitet einfach nur große Freude, sich auf diese unterschiedlichen Personen mit ihren individuellen Geschichten einzulassen. Hierbei konnte mich vor allem die Baronin mit ihren außergewöhnlichen Jugenderinnerungen überzeugen. Auch ihr Haustier, der Panther, spielt auch eine Rolle, wenngleich diese nicht tragend ausfällt. Auch die Szenerie, Berlin gestern und heute, wurde so versiert angelegt, dass man gar nicht merkt, dass das Hotel nur ein fiktiver Ort ist.

Sprachlich gibt es rein gar nichts zu bemängeln. Der Stil des Autors ist flüssig, gern bildhaft und meisterlich pointiert. Zudem kann sich der Leser auf eine Lektüre in großer Schrift und mit guter Kapiteldosierung freuen.

FAZIT
Ein sehr abwechslungsreiches Jugendbuch, dessen Lektüre ich nicht nur Jugendlichen ans Herz legen möchte. Weiter so!

Bewertung vom 22.10.2015
Hagedorn, Janna

Elbe aufwärts


gut

INHALT
Die 45-jährige Hamburgerin Harmony Schlüter-Hansen hat alles um glücklich zu sein: einen gut bezahlten Job als Chefredakteurin, einen jungen attraktiven Geliebten und eine stilvolle Eigentumswohnung. Doch Harmony, die in einer Hippie-Kommune groß geworden ist, kann nicht weinen und auch sonst wenig Emotionen zeigen. Sie spürt Tag für Tag den körperlichen Verfall. Als sie ihren Freund Moritz des Fremdgehens überführt und kurz darauf entlassen wird, gerät die ach so heile Welt von "Ms.-To-do-Liste" gehörig ins Wanken. Doch Harmony gibt nicht auf und wagt im schönen idyllischen Wendland den Neuanfang als Gastronomin, nichtsahnend, dass Vintagemöbel und Sushi bei den niedersächsischen Ökobauern und Gartenzwergsammlern aus Wunnefitz auf wenig Gegenliebe stoßen werden...

MEINUNG
Janna Hagedorn hat mit ihrem Roman "Elbe aufwärts" eine allseits bekannte Geschichte herausgegriffen - frustrierte, schon etwas in die Jahre gekommene Großstädterin sucht ihr Glück auf dem Land. So weit, so gut.

Auf den 350 Leseseiten begegnet dem Leser wenig Neues, eher trifft er auf alte Klischees. Die eingeschworene Dorfgemeinde mit Vorbehalten überrascht ebenso wenig wie die oberflächliche und rein kapitalistische Modezeitschriftenbranche.

Die kaltherzige und ehrgeizige Karrieristin Harmony agiert zu eindimensional und wenig mitreißend. Ihre distanzierte Art kann sie auf dem Land nur bedingt ablegen. Auch mit dem sympathischen Campingplatzwart Paul passiert wenig. Beide verstehen sich gut und bleiben doch nur Freunde. Bei beiden Charakteren hätte ich mir mehr Ecken und Kanten bzw. Emotionen gewünscht; von charakterlicher Weiterentwicklung ganz zu schweigen. Wiebke, die quirlige und lebensbejahende Behinderte aus Wunnefitz, will irgendwie so gar nicht zur Handlung passen und lässt letztere recht konstruiert wirken. Insgesamt wäre die mehr als kurzweilige, vorhersehbare Story auch mit 100 Seiten weniger gut ausgekommen.

Die Sprache ist wie der Plot seicht und wenig spannend. Wenngleich sie sich leicht lesen lässt, hätte ein wenig mehr Tiefe Wunder bewirken können. Manches Mal konnte ich dröge Passagen einfach nur überfliegen.

Sicherlich ist die Quintessenz des Buchs - Lebe dein Leben und zögere nicht eingefahrene Wege zu verlassen! - nicht von der Hand zu weisen und löblich, doch konnte mich die Umsetzung bzw. der Romaninhalt leider nicht von sich überzeugen; auch wenn das Cover eine dörfliche Idylle schlechthin zeigt.

FAZIT
Kurzweilige Lektüre ohne Pep. Hier wurde Potenzial verschenkt - leider.

Bewertung vom 22.10.2015
McFarlane, Mhairi

Vielleicht mag ich dich morgen


sehr gut

Cover
Das bunte, verspielte Cover hat sofort mein Interesse geweckt. Ich mag es einfach, wie die beiden Figuren und der Buchtitel angeordnet wurden. Besonders die männliche Person scheint förmlich ins Bild zu schweben.

Inhalt
Die 32-jährige Anna trifft nach 16 Jahren beim Klassentreffen genau jenen Typen wieder, der ihr damals den Schulalltag zur Hölle machte. Damals war sie noch die ängstliche, pummelige und so gern gehänselte Aureliana Alessi und heute ist sie eine schöne und begehrenswerte Frau Professorin. Ihr Erzfeind Medienexperte James Fraser erkennt sie nicht wieder und möchte sie kennenlernen. Das ist Annas Chance, ihm endlich alles heimzahlen, was er ihr je angetan hat.

Meinung
Die Autorin McFarlane hat einen authentischen, witzigen Roman mitten aus dem Leben geschrieben. Denn Mobbing ist in der heutigen Zeit leider alltäglich und keine Randerscheinung mehr. Ihr Sprachstil ist leicht und frisch. Schnell findet man in den Plot hinein. Für Anna hege ich sofort Sympathie, denn sie wurde als Teenager böse gemobbt und will sich nun an ihrem Peiniger James rechen. Die Zeit der stummen Duldung ist vorbei, nun kämpft sie mit den Waffen einer Frau - großartig und sehr unterhaltsam. Jetzt muss sie sich ihren Ängsten stellen und vielleicht wird ihre Zeit als Dauersingle damit auch bald vorbei sein? Die geschilderten Internetdates finde ich gruselig - bäh. Dort findet man alles andere als einen aufrichtigen Lebenspartner. Sicher ist die Handlung mehr als vorhersehbar und die Erzfeinde werden nach langem Hin und Her zueinander finden. Doch gerade die nicht immer reibungsfreie Annäherungsphase zwischen Anna und James macht diesen Roman so lesens- und liebenswert. Anna und James sind äußerlich wie Feuer und Wasser und sich doch innerlich viel ähnlicher als gedacht. Hitzige und freche Wortwechsel später werden beide nicht mehr dieselben sein. Besonders die wilden Fahrten mit der Gefühlsachterbahn haben mir gefallen. Darüber hinaus mochte ich den Fakt, dass die kesse Anna Byzantinistikprofessorin ist und es dementsprechend auch historische und intellektuelle Passagen gab.
Die Sprache ist modern, frisch und sehr humorig. Nur manches Mal ein wenig ordinär, weshalb ich einen Stern abziehen muss.

Fazit
Ein spritzig-witziger Roman mit viel Emotionen, der sich bestens als Urlaubslektüre eignet.

Bewertung vom 22.10.2015
Ogawa, Yoko

Liebe am Papierrand


ausgezeichnet

INHALT
Eine junge asiatische Frau, Anfang 20, leidet an einem Ohrenleiden und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Vom Ehemann verlassen, sind Stenograph Y und Neffe Hiro ihre einzigen Bezugspersonen. Vor allem Y hilft ihr ihre Krankheit zu akzeptieren bzw. zu vergessen, indem er ihre Erinnerungen stenographisch festhält. Die abendlichen Gespräche werden zum festen Ritual, bei dem die junge Frau immer schneller zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Traum hin und her springt...

MEINUNG
"Liebe am Papierrand" ist das erste Buch der japanischen Gegenwartsautorin Yoko Ogawa, das ich bisher gelesen habe und wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein.

Der eigenwillige, leise Erzählstil ist geradezu einzigartig. Sie setzt auf poetische Umschreibungen voller Synästhesie, wo andere Literaten Tatsachen direkt benennen. Einiges bleibt dabei in der Schwebe und man weiß nie so wirklich, ob das Geschilderte realistisch oder illusorisch ist. Doch letzteres wird in solch samtweicher, emotionaler Weise dargeboten, dass man sich als Leser einfach nur wohlfühlt und immer mehr in die Geschichte hineingezogen wird.

Zitat (S. 37/8): "Die säuberlichen, mit Filzstift gezeichneten Zeichen stürzten bis in die Tiefe meiner Seele, blieben dort liegen und gefroren zu Eis."

Die junge Protagonistin schwankt zwischen körperlichen Schmerz und Glücksmomenten hin und her. Mal ist sie depressiv und dann bewundert sie Ys Hände in manischer Weise. Ihr Handfaible bzw. -fetisch zieht sich wie ein roter Faden durch diesen Roman. Warum liebt sie nur Ys Hände und nicht den ganzen Mann? Der schüchterne, hilfsbereite Stenograph behandelt sie unentwegt höflich, fasst sie regelrecht mit Glacéhandschuhen an. Diese Verbindung ist besonders und bereitet beiden Freude. An seiner Seite wird sie ruhiger, entspannter, so dass sie ihm ihre ganze Vergangenheit anvertrauen kann. Doch existiert Y im wirklichen Leben überhaupt?

Das Ende ist so ungewöhnlich wie die Story selbst. Eine Überraschung oder doch nicht? Hier soll sich der Leser sein eigenes Urteil bilden...

FAZIT
Rätselhaft, zauberhaft und poetisch zugleich. Eine wunderbar leise Erzählung, deren Intensität ab der ersten Zeile gefangen nimmt. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 10.10.2015
Gusel, Christoph

Salzverkrustet


weniger gut

INHALT
Mit wenig Segelerfahrung, aber viel Fernweh und Abenteuerlust absolviert die dreiköpfige Familie Gusel einen einjährigen Segeltörn durchs Mittelmeer; Schiffskrankheit, technische Probleme und allerhand neue Eindrücke inklusive.

MEINUNG
Rein optisch hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Das Motiv und die hellblaue Farbgebung vermitteln unwillkürlich Urlaubsfeeling, was im grauen Herbstalltag ganz nett sein kann.
Inhaltlich hatte ich mich auf eine spannende, gut konzipierte Lektüre mit Routenkarte, Glossar für "Seglerlatein" und Einblicke ins Familienleben der drei Österreicher eingestellt. Doch leider konnten meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Autor und Familienvater Christoph Gusel steigt mitten ins Geschehen ein und verzichtet auf große Vorreden zur Motivation und Vorbereitung auf die 45 Wochen auf See, was mich sehr überrascht hat. Im Folgenden berichtet er gleichförmig und wenig mitreißend von seinen Erlebnissen, vor allem von unspektakulären Schiffsmanövern (ankern, festmachen am Hafen bzw. ablegen). Hinzu kommt, dass er von sich und seiner Familie fortwährend in Verniedlichungsformen (Kindergartensprech) wie Papabert oder Kindbert spricht, was ich einfach nur unangemessen fand. Zudem erfährt man gänzlich wenig über seine Familie, Alter des Sohnes etc., was nicht zum eher persönlich angelegten Buch passen will. Im Vergleich dazu war das ebenfalls im Delius Klasing Verlag erschienene Buch "Vom Kiez zum Kap" ein wahrhaftes Reisetagebuch. "Salzverkrustet" ist hingegen nur ein netter und neutraler und damit wenig berührender Reisebericht, bei dem zu viel Gewicht auf das seglerische Handwerk gelegt wurde. Wenngleich ich die Haltestationen, u.a. Sardinien, Alicante, sehr interessant fand und die dazugehörigen Fotos mochte, konnte mich der wenig stringent aufgebaute Text einfach nicht hundertprozentig erreichen. Auch die Anlage des Fließtextes empfinde ich als suboptimal. Der Text ist einfach zu engzeilig und von der Schriftgröße zu klein gewählt worden. Insbesondere die Fotobeschriftung geht aufgrund der kleinen Schriftgröße unter.

FAZIT
Ein Buch mit Potenzial, das aufgrund seiner nachlässigen Umsetzung aber leider baden gegangen ist.

Bewertung vom 09.10.2015
Richter, Martina

Mopshimmel / Holmes und Waterson Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

COVER
Das Cover finde ich wegen des drolligen Mopses einfach nur unheimlich putzig. Jede Frau bzw. jeder Mopsfan wird sich angezogen fühlen. Ein Mops vor einem nebulösen Alpenpanorama - mehr Harmonie und "Schönheit" geht nicht.

INHALT
Im ach so verträumten Knieslingen, Provinznest auf der Schwäbischen Alb, ereignen sich unangekündigte Verbrechen - Diebstahl, Mord etc. Das ungewöhnliche Ermittlerpaar, bestehend aus Mops Holmes und Kommissar Johannes Waterson, hat alle Hände voll zu tun.

MEINUNG
Der 249 Seiten starke Krimi hat sich sehr amüsant gelesen. Als Leser konnte man richtig in die Lebenswelt des Mopses Holmes eintauchen, was ich sehr genossen habe. Holmes gibt den Ich-Erzähler und berichtet in dieser Funktion sehr anschaulich über seine Kindheit. Seine Erlebnisse - Geburt, Spielen mit den Geschwistern, Schatzsucherpassion - werden von der Autorin, die selbst Mopshalterin ist, sehr hundgerecht geschildert, was sicher nicht ganz einfach gewesen ist. Aus jeder Zeile spricht hundertprozentige Tierliebe und Verehrung für diese spezielle Hunderasse. Der leicht verständliche Sprachstil begünstigt den Lesefluss. Zudem gab es einige Neologismen wie "moppern" oder "schallhörig", über die ich herzhaft gelacht habe. Holmes ist ein wahrer Schatz und dazu noch verdammt gescheit. Sein Spürsinn ist unübertroffen. Mit seiner Hilfe kann der sympathische Kommissar Waterson die Kriminalfälle im Ort klären, was bei der Namenspaarung "Holmes" und "Waterson" wohl nicht für allzu große Verwunderung sorgt. Inhaltlich liegt das Hauptaugenmerk auf Mops Holmes Alltag und seiner Familie. Die Crime-Komponente tritt eher in den Hintergrund, was mich aber nicht gestört hat, weil ich die übrigen Charaktere (Frauchen Marlene, Kater Maurice etc.) einfach nur liebenswert und sehr lebensnah fand.

FAZIT
Ein Hundeabenteuer nach meinem Geschmack. Ein wahres "tierisches" Lesevergnügen.