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smartie11
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Insgesamt 935 Bewertungen
Bewertung vom 22.10.2015
Jaud, Tommy

Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich


sehr gut

Wenn Dich mal wieder das schlechte Gewissen plagt: ESMI!

Mit Sean „Brummel – Einen Scheiß muss ich“ wagt sich Erfolgs-Autor Tommy Jaud (u.a. „Hummeldumm“, „Millionär“, „Resturlaub“) auf ein neues Terrain. Zwar bleibt er dem und seinem Humor 100%ig treu, aber diesmal nicht in reiner Roman-Form. Sein neues Buch ist viel mehr ein triefend-ironischer, stellenweise völlig überspitzer Lebens-Ratgeber, der mit einer Vielzahl von gesellschaftlichen Vorgaben und Trends sowie Erwartungshaltungen (egal ob von anderen oder von einem selbst) radikal aufräumt. Natürlich wäre Tommy Jaud nicht Tommy Jaud, wenn er um diesen Anti-Ratgeber nicht doch auch einen kleinen Roman herumgeschrieben hätte: Den kometenhaften Aufstieg des fiktiven Amerikaners Sean Brummel. Genau, dem Erfinder des Brummel-Bock, einem der stärksten Biere Amerikas, gebraut in der original Brau-Hummel aus Deutschland!

Zentraler Dreh- und Angelpunkt von Jauds „Ratgeber“ ist das von ihm erfundene „Muss-Monster“ („Du musst noch…“), das einem ständig im Nacken sitzt und gebetsmühlenartig zu ungeliebten aber (angeblich!) notwendigen Tätigkeiten auffordert. Diesem fiesen „Muss-Monster“ hat Jaud alias Brummel seine neue Zauberformel entgegengestellt: „Einen Scheiß muss ich!“ oder kurz: „ESMI!“ (englisch „Do Whatever the Fuck You Want!“).

Auf rd. 320 Seiten zieht Jaud hemmungslos diverse Ratgeber und angebliche Verhaltenszwänge querbeet aus allen Bereichen des Lebens durch den Kakao. Beispiele gefällig?
-> Ich muss aufräumen? ESMI, denn Ordnung ist wider die Natur!
-> Ich muss mehr Fisch essen? ESMI, auf Quecksilber und Nano-Plastikpartikel kann ich verzichten!
-> Ich muss mehr Sport machen? ESMI, viel zu viel Stress (Wo ist der MP3-Player? Ist der Akku geladen? Die Playlist aktualisiert? Und wo ist mein Funktionsshirt?)!

So oder so ähnlich arbeitet Jaud einen „Zwang“ nach dem anderen auf wunderbar unterhaltsame Weise ab. Im Ergebnis: Ich MUSS gar nichts! Auch wenn vieles bewusst vollkommen überzeichnet dargestellt wird, erkennt man sich beim Lesen doch an der ein oder anderen Stelle durchaus wider und man reflektiert das eigene Verhalten. Denn manches, was Brummel-Jaud behauptet, hat ja durchaus auch Hand- und Fuß, wie z.B. „Je dogmatischer sich jemand ernährt, desto größer die Gefahr der Unterversorgung.“

Dennoch steht der Humor und der Spaß an der Sache bei Jaud wie immer an erster Stelle, so dass bei mir vom Schmunzeln bis zum lauten Auflachen alles dabei war, gerade wenn Jaud mit seinen schonungslosen Wort-Neukreationen um die Ecke gekommen ist, wie beispielsweise „Wochenend-ADHS“, „Freizeit-Taliban“ oder auch „kultur- und antriebslosen Wochenendamöbe“.

Einen Stern Abzug gibt es von mir, da das Thema über die Gesamtheit der rd. 320 Seiten gegen Ende durchaus ein paar „Abnutzungserscheinungen“ gezeigt hat und auch die ein oder andere schwächere Strecke zwischendrin hatte.

FAZIT:
Schluss mit dem Müssen! Jaud beweist auf sehr humorvolle Art und Weise, dass man eben NICHT immer alles muss!

Bewertung vom 22.10.2015
Hegarty, Shane

Die andere Seite / Darkmouth Bd.2


ausgezeichnet

Eine fantastische Fortsetzung: Super-Spannend, ein wohl dosierter Grusel und ein toller Humor!

Zum Inhalt:
Finns Vater Hugo, der letzte der Legendenjäger, ist noch immer auf der Verseuchten Seite verschollen. Nun taucht auch noch Estravon auf, ein konfuser Gutachter des Rats der Zwölf, der Finn eine Frist von gerade mal 48 Stunden setzt, um zu beweisen, dass sein Vater doch noch lebt. Verzweifelt suchen Finn und Emmie, den letzten Hinweis, den Finns Vater ihm gegeben hatte, zu entschlüsseln und gelangen dabei tatsächlich zusammen mit Estravon durch ein merkwürdiges Tor auf die Verseuchte Seite…

Meine Meinung:
Mit „Darkmouth – Die andere Seite“ legt Shane Hegarty, der sich auch schon mal selbst als „schlechtester Stand-up-Komiker der irischen Comedyszene“ bezeichnet hat, nun die Fortsetzung seines erfolgreichen Debutromans vor. Diesen muss man nicht zwingend gelesen haben, um „Darkmouth – Die andere Seite“ zu verstehen (Hegarty hat seiner neuen Geschichte ein kurzes, aber sehr gutes „Was bisher geschah“-Kapitel vorangestellt), es macht mit Sicherheit aber noch mehr Spaß, wenn man den ersten Teil kennt!

Die Geschichte knüpft relativ nahtlos an die Geschehnisse des ersten Bandes an, entsprechend schnell ist man auch wieder „drin“. Die meisten Hauptcharaktere sind bereits bekannt, lediglich mit dem schlaksigen Paragrafenreiter Estravon kommt ein neuer Protagonist hinzu, dessen Motive man sich zu Beginn nicht so wirklich sicher sein kann. Durch seine alltags-untaugliche Beamtenmentalität sorgt er aber durchaus für den ein oder anderen Lacher. Auch auf Seiten der Legenden gibt es im weiteren Verlauf der Story einen Neuzugang bei den Protagonisten, den Orthross Cornelius-Hiss, welcher mir durchaus ans Herz gewachsen ist (ähnlich wie Broonie im ersten Band).

Die Geschichte selbst ist mal wieder äußerst spannend, actionreich, sehr humorvoll und wieder mit wohl dosiertem Grusel „gewürzt“, allein schon durch die merkwürdigsten Legenden und surreale Szenerien (z.B. ein Turm als alten, verblichenen Knochen… brrrr!). Da die Geschichte diesmal über weite Strecken auf der Verseuchten Seite spielt, ist Band zwei für mein Empfinden sogar noch spannender und phantastischer als der erste Band, so dass es mir wirklich schwer gefallen ist, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen. Shane Hegarty nutzt die unendlichen Möglichkeiten der Verseuchten Seite perfekt, um ihr sehr fantasievoll und kreativ seine ganz eigenen Regel zu bescheren, so dass mich der Verlauf der Handlung immer wieder überrascht hat, ohne dass es unpassend oder gar zu konstruiert gewirkt hätte.

Separat erwähnen möchte ich – ohne freilich zu viel zu verraten - gerne noch das große Finale, den Showdown am Ende dieses zweiten Bandes. Dies ist ganz großes Kopf-Kino, das sich vor keinem Action-Blockbuster aus Hollywood zu verstecken braucht. Und auch hierbei gelingt es Hegarty, dem Schrecken eines großen Kampfes die Schärfe durch wunderbar humorvolle Einlagen zu nehmen, sodass ich mich der offiziellen Leseempfehlung ab ca. 10 Jahren gut anschließen kann. Überhaupt ist der Humor („nur“) eine der ganz großen Stärken von Hegartys Büchern. Hier merkt man deutlich, dass der Autor ein Fan von Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“) ist.

Last but not least wird auch der zweite Band durch eine tolle Aufmachung komplettiert: bedrohlich-rotes Cover, schwarzer Seitenschnitt und zahlreiche sehr schöne Illustrationen von Moritz Schaaf. So ergibt sich - alles zusammen genommen – wieder ein echt rundes Komplettpaket, das aus meiner Sicht keine Wünsche offen lässt!


FAZIT:
Eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Fortsetzung: Wieder eine tolle Story, schaurig-schräge Charaktere und ein klasse Humor gepaart mit ganz viel Spannung, Action und angenehmer Grusel-Atmosphäre. Ich freu´ mich auf Band 3!

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.10.2015
Bruder, B.

Die Gefahr des gelben Auges / Cross Worlds Bd.1


sehr gut

Ein aufregendes Abenteuer in einer neuen Welt

Zum Inhalt:
Jonas ist ein Tagträumer, der sich gerne in fremde Welten hineinträumt. Doch eines Tages ist alles auf einmal viel realer als er in der Welt Mirfanija landet und dort gleich Martis helfen muss, diese Welt vor dem Untergang zu retten…

Meine Meingung:
„Die Gefahr des gelben Auges“ ist der Auftakt zu einer neuen Abenteuerreihe für junge Leser ab 8 Jahren, die aufgrund des breiten Zeilenabstands und des vergrößerten Schriftbildes keine Probleme mit dem Selbstlesen haben sollten. Darüber hinaus lockern viele Illustrationen den Text auf, vermitteln Eindrücke von der fantastischen Welt Mirfanijas und regen die Fantasie beim Lesen weiter an.
Die Story ist eine solide Abenteuergeschichte nach dem klassischen „Welt bedroht–Welt gerettet“-Muster. Die Umsetzung dieses Musters finde ich durchaus gelungen, auch wenn B. Bruder das Rad hier nicht neu erfunden hat (was bei solchen „Serien-Abenteuern“ ja auch gar nicht der Anspruch sein muss / kann). Passgenau für die Zielgruppe gibt es Action und Nervenkitzel, so dass die Spannung über die rd. 140 Seiten intakt bleibt. Der Schreibstil des Autors ist leicht und locker ohne zu langweilen und stellt somit auch die jüngeren der Leser vor keine Schwierigkeiten.

FAZIT:
Ein solide und spannende Abenteuergeschichte (nicht mehr, aber auch nicht weniger), die sich gut in einem Rutsch durchlesen lässt und Appetit auf die Folgebände macht.

Bewertung vom 13.10.2015
Wolff, Freda

Töte ihn, dann darf sie leben


sehr gut

Spannend, überraschend und überzeugend – eine tolle Fortsetzung

Meine Meinung:

„Es war nicht vorbei, es fing alles wieder von vorne an“ (S. 95)

„Töte ihn, dann darf sie leben“ ist nach „Schwesterlein muss sterben“ der zweite Thriller um die Psychologin Merette Schulman des Autorenpaars Ulrike Gerold und Wolfram Hänel. Man kann ihn sicherlich auch separat ohne die Vorkenntnis des ersten Bandes lesen, empfehlen würde ich es aber nicht, da „Töte ihn, dann darf die leben“ doch sehr stark auf den Geschehnissen des ersten Thrillers aufbaut.

Dementsprechend ist es mir auch sehr leicht gefallen, in die knapp 370 Seiten lange Story hineinzukommen. Sie startet auch gleich mit einem sehr spannenden und unheilvollen Szenario in den schwarzen Tiefen der norwegischen Wälder. Nach den ersten 20 Seiten werden aber Tempo und Spannung erstmal wieder zurückgefahren, um zum für den schon im ersten Teil typischen Stil zurückzukehren: Eine unterschwellig brodelnde, stets latent vorhandene Gefahr, die wie ein Damoklesschwert über Merette und ihrer Familie hängt. Auch Killer Aksel bleibt sich treu und spielt wieder seine bekannten, perfiden Psychospiele mit Merette. Die ganz große Überraschung ist den beiden Autoren für meinen Geschmack schon ca. zur Mitte des Buches gelungen, als auf einmal durch eine „Beichte“ eine längst vergangene Geschichte zutage kommt. Hier ergibt sich streckenweise schon fast ein zweiter Krimi im Ersten. Selbstverständlich verknüpfen die beiden Autoren die Handlungsstränge aus den verschiedenen Zeiten und lassen ihren Thriller auf ein für mich erneut sehr überraschendes und spannendes Finale zulaufen. Die Aufklärung der Geschehnisse, die am Ende präsentiert wird, ist im großen Ganzen nachvollziehbar, auch wenn sich die Autoren hierfür den schier unendlichen „Möglichkeiten“ der menschlichen Psyche bedienen, was vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist. Mir persönlich hat es jedoch gefallen.

Die Protagonisten waren mir ja schon aus dem ersten Teil größtenteils bekannt. Angereichert wurde das Set um eine überschaubare Anzahl neuer Charaktere. Während bei „Schwesterlein muss sterben“ eine für mein Empfinden deutliche Charakterentwicklung stattgefunden hat, war dies bei „Töte ihn, dann darf die leben“ – mit einer Ausnahme – eher ein bisschen nebensächlich. Gleich stark, oder vielleicht sogar noch ein bisschen intensiver, habe ich die für mich sehr gelungene Beschreibung der Landschaft, der wilden Natur der norwegischen Wälder und Seen empfunden. Ohne selbst in Norwegen gewesen zu sein, erscheint mir die Beschreibung als sehr authentisch, so dass ich mir beim Lesen ein gutes Bild der Settings machen konnte.

Dass dieses Buch aus der Feder zweier Autoren stammt, habe ich an keiner Stelle gemerkt. Es liest sich absolut flüssig, ohne Brüche, und weist einen durchgängig sehr angenehmen, zum Plot passenden Schreibstil auf. Die Erzählperspektive wechselt kontinuierlich zwischen der Psychologin Merette, ihrer Tochter Julia und dem „großen Unbekannten“ selbst, was regelmäßig tiefe Einblicke in die Psyche der handelnden Personen ermöglicht.

Last but not least möchte ich noch einen kleinen „Wehrmutstropfen“ erwähnen: Die Autoren nutzen auch den Zufall für ihre Story. Wie im richtigen Leben auch, spielt oft der Zufall eine entscheidende Rolle. Doch mit der überraschenden Auflösung eines Handlungsteilstrangs haben es sich die beiden Autoren für meinen Geschmack ein bisschen zu leicht gemacht. Daher von mir an dieser Stelle in der Bewertung einen Stern Abzug.

FAZIT:
Packende Psychospiele in der Wildnis Norwegens mit überraschenden Wendungen – eine tolle Fortsetzung!

Bewertung vom 08.10.2015

Phänomenal


ausgezeichnet

Nomen est Omen – ein wirklich phänomenales Experimentierbuch

Der Kosmos-Verlag ist ja seit langem für seine tollen Experimentierkästen zu zahlreichen Themen bekannt. Mit „Phänomenal“ hat Kosmos nun einen tollen „Experimentierkasten in Buchform“ herausgebracht. Im handlichen Format von 23,5 x 23,5 cm und mit einem stabilen Hardcover versehen, präsentieren die Experimentier-Experten auf 112 Seiten über 150 sehr unterschiedliche Versuche aus vielen Bereichen. Das Buch richtet sich dabei an kleine und große Forscher ab ca. 8 Jahren.

Schon beim ersten Aufschlagen macht dieses Buch vor allem eines: sehr, sehr neugierig! Die Doppelseiten sind stets sehr bunt und (im positiven Sinne) „wimmelig“ mit einer Mischung aus Texten, Fotos, Skizzen und Illustrationen. Bei jedem Umblättern lädt das Buch zum Betrachten und Entdecken ein und am liebsten würde man sofort mit dem Experimentieren loslegen.

Aber gehen wir gedanklich nochmal zurück zu den ersten Seiten. Nach einer kurzen und knackigen Einleitung („Die schlausten Wissenschaftler stellen die scheinbar einfachsten Fragen“) gibt es eine kleine, sehr übersichtliche „Gebrauchsanleitung“ für dieses Buch und dazu noch einen kleinen „Werkzeug-Kasten“ in dem 14 handliche Dinge aufgeführt werden, die in jedem Haushalt zu finden sein dürften und die eine gute Grundausrüstung für eine Experimentiertasche (die man auch prima mit nach Draußen nehmen kann) bilden. In solch eine Tasche gehören z.B. Stifte & Papier, Schere, Klebeband, Lupe (liegt ja auch dem Buch bei) & Co. Danach gibt es noch eine – für meinen Geschmack – sehr schöne Aufforderung an die jungen Forscher mit dem Titel „Schau dich um“, die dazu auffordert, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Dinge bewusst zu betrachten und zu be“greifen“.

Kommen wir nun zum Eigentlichen, den Experimenten! Wie schon gesagt, bietet dieses Buch über 150 ganz unterschiedliche Experimentiervorschläge, so dass ich hier nicht alle nennen kann. Das Themenspektrum ist aber sehr weit und reicht vom morgendlichen „Müffel-Atem“ über eine selbst gebastelte Skyline aus Modellierton bis dahin, DNS-Moleküle aus der eigenen Spucke zu isolieren (!). Gut, letzteres ist vielleicht wissenschaftlich nicht 100% exakt, aber ein toller Aha-Effekt für Klein und Groß, den man im Anschluss noch mit der Lupe oder sogar (falls im Kinderzimmer vorhanden) mit dem Mikroskop betrachten kann.

Wir haben inzwischen selbst einige der Experimente ausprobiert und bei allen Versuchen großen Spaß gehabt. Sehr gut haben uns z.B. die Seifenblasen-Experimente (u.a. echt künstlerische Bilder, die mit Seifenblasen „gemalt“ werden!) von S. 26 gefallen. Auch die Einladung zum Erforschen der Welt der „Krabbeltiere“ (z.B. „Warum marschieren Ameisen“) war für unsere beiden kleinen Wald- & Wiesen-Freunde genau das Richtige. Selbst den gemeinsamen Wocheneinkauf bereichert dieses Buch, denn es gibt die Anregung, einfach mal nach ganz exotischem Obst & Gemüse Ausschau zu halten und es zu Hause bewusst zu probieren (wer hat denn schon mal eine „Noni“ probiert?).

Besonders gut gefällt mir an diesem Buch, dass sich viele Experimente mit ganz alltäglichen Hilfsmitteln durchführen lassen, die wohl jeder zu Hause haben sollte. Selbstverständlich gibt es aber auch Experimente, für die man zuvor spezielle Dinge einkaufen muss (z.B. Modellierton). Das Buch selbst bringt sogar noch eine Lupe, Spiegel- und Whiteboard-Folie mit!

FAZIT:
Dieses tolle Buch garantiert unzählige Stunden vielfältigen Experimentier-Spaß für drinnen und draußen und so manchen „Aha-Effekt“. Einfach super!

Bewertung vom 08.10.2015
Schiller, B. C.

Rattenkinder / Chefinspektor Tony Braun Bd.6


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Grausame Vorgänge in einem tschechischen Ghetto, zwei brutale Morde an jungen Müttern in Linz und ein für Inspektor Tony Braun dringend Tatverdächtiger, der seit einem Jahr in der geschlossenen Psychiatrie einsitzt…

Meine Meinung:

Mit „Rattenkinder“ legt das erfolgreiche Autorenpaar B.C. (Barbara und Christian) Schiller den nunmehr fünften Teil ihrer Thriller-Reihe um den österreichischen Ermittler Tony Braun vor. Da ich die vorherigen Bände selbst noch nicht gelesen habe, kann ich bestätigen, dass man „Rattenkinder“ problemlos auch einzeln lesen, verstehen und genießen kann. Dass dieses Buch aus der Feder zweier Autoren stammt, habe ich an keiner Stelle gemerkt. Es liest sich absolut flüssig, ohne Brüche und weist einen durchgängig sehr angenehmen Schreibstil auf.

Die Story selbst startet mit einem rätselhaften und mysteriösen Prolog und macht direkt neugierig. Aber auch nach dem Prolog nimmt der Thriller sehr schnell an Fahrt auf. Lediglich mit der Zuordnung der ganzen Namen hatte ich zu Beginn ein paar Probleme, was sich aber relativ schnell gebessert hat. Durch einen stetigen Wechsel der Schauplätze und immer wieder eingeschobene Kapitel eines dem Leser über lange Strecken unbekannten Erzählers bleibt das Spannungsniveau stets auf einem hohem Niveau, so dass dieser Thriller für mich ein waschechter Page-Turner ist.

In diesem Thriller passiert wirklich sehr viel und es ist bis zum Finale ein Verwirrspiel par excellence. Gerade auf den ca. letzten 150 Seiten sind Tempo und Action so hoch, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Zum Finale, nach mehreren kleineren Show-Downs, präsentieren die Autoren noch einen richtig packenden Show-Down in einem sehr atmosphärischen Setting. Am Ende wurden die wesentlichen Fragen für mich nachvollziehbar beantwortet. Manches bleibt allerdings auch nach der letzten Seite der Fantasie des Lesers überlassen, was ich als bewusstes Stilmittel empfunden habe. Anderes wird wohl erst im bereits geplanten nächsten „Tony Braun“-Thriller Erwähnung finden. Alles in Allem war der Plot und dessen überraschende Auflösung sehr rund.

Auch die Charaktere gefallen mit außergewöhnlich gut. Sie sind für meinen Geschmack detailliert „ausgearbeitet“ und sehr unterschiedlich, so dass man es mit „wirklichen Individuen“ zu tun bekommt. Als echtes „Highlight“ habe ich den zentralen Charakter des „Viktor Maly“ empfunden. Er ist absolut undurchschaubar, geradezu ein Phantom, und hatte für mein Empfinden etwas „Hannibal Lecter artiges“. Dass uns die beiden Autoren einen Blick in sein Innerstes erlauben ohne dass es dem Leser „dank“ der Amnesie Malys zu viel verrät, finde ich äußerst raffiniert. Aber auch die Nebencharaktere sind den beiden Autoren für meinen Geschmack wirklich gut gelungen (allen voran der „Dönerbuden-Poet“ Kemal).

FAZIT:
Ein Verwirrspiel par excellence, das diesen wahnsinnig spannenden Thriller zu einem echten page-Turner macht. Nichts für schwache Nerven!

Bewertung vom 07.10.2015
Weger, Nina Rosa

Trick 347 oder Der mutigste Junge der Welt


ausgezeichnet

Meine Meinung:
Mit ihrem „Trick 347“ entführt uns die erfolgreiche Kinderbuchautorin Nina Weger (u.a. „Die Sagenhafte Saubande“ und „Ein Krokodil taucht ab“) auf 324 Seiten in die faszinierende Welt des Zirkus. Dieses Setting gefällt mir persönlich besonders gut, da ich das Gefühl habe, dass der Zirkus (leider!) eine aussterbende Art ist und viele Kinder heutzutage noch nie in ihrem Leben einen Zirkus von innen gesehen haben. Hier leistet dieses wunderbare Kinder- und Jugendbuch einen tollen Beitrag dazu, die Neugier auf den einzigartigen Mikrokosmos „Zirkus“ bei den Lesern zu wecken.

Man darf allerdings nicht die schillernde und bunte „heile Welt des Zirkus“ erwarten! Nina Weger führt den Leser mit ihrem Buch vielmehr hinter die Kulissen dieser traumhaften Scheinwelt, abseits von Strahlern und Trommelwirbel. Da die Autorin selbst schon ausgiebig Zirkusluft geschnuppert und darüber hinaus familiäre Bindungen in diese Welt hat, weiß sie sehr genau, worüber sie schreibt und das merkt man diesem Buch auch an.

Denn auch die „Stars in der Manege“ werden von ganz alltäglichen Sorgen geplagt, angefangen bei Angstneurosen über ernste Beziehungsprobleme bis hin zu schweren Existenzsorgen. Doch all diese ernsten Themen bringt Nina Weger kindgerecht verpackt in einer spannenden Story unter. Die Suche nach der Antwort, wer sein Vater ist, führt den elfjährigen Tom, durch einen spontanen Umzug nach Hannover seinen Wurzeln beraubt, in das Quartier des Zirkus Merlini. Schritt für Schritt taucht Tom tiefer in diese ganz andere Welt ein, findet (mehr als) zwei tolle Freunde und lernt ganz viele, bunte und jeder auf seine Art liebenswerte Charaktere kennen. Mit den drei Freunden Tom, Coco und Mia sollte für die jüngeren Leser problemlos eine passende Identifikationsfigur dabei sein.

Der Hauptstrang der Geschichte um den ehemaligen Weltklasse-Artisten Arthur Merlini und den windigen Immobilen-Makler, der den Artisten ihr Grundstück streitig machen will, sorgt immer wieder für Spannung und auch für die eine oder andere Überraschung. Dabei nehmen die Themen Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt und nicht zuletzt Mut einen sehr breiten Raum ein. Der Leser merkt schnell, wie wichtig es sein kann, sich seinen eigenen Ängsten zu stellen und niemals den Mut aufzugeben.

Abgerundet wird dieses wirklich schöne Buch mit einem kleinen Lexikon der Zirkuswörter im Anhang. Wenn es jetzt noch ein paar schöne Illustrationen gehabt hätte (das Cover finde ich toll!), wäre das das Sahnehäubchen obendrauf gewesen.

FAZIT:
Ein spannender Blick hinter die Kulissen. Dieses Buch macht einfach Lust auf Zirkus!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.09.2015
Lüftner, Kai

Der Gewitter-Ritter und weitere Geschichten


sehr gut

Unsere Meinung:
Auf diesem Hörbuch für Klein und Groß finden sich drei kurze Hörspiele, die sehr unterschiedlich sind und die wir daher auch getrennt besprechen möchten:

1. „Der Zauberer Barbeutzebutz"
Der Zauberer Barbeutzebutz will mal wieder etwas Ordnung in seine Zaubererbehausung bringen. Und wie macht ein guter Zauberer das? Richtig, mit einem Zauber! Nur geht beim guten Barbeutzebutz so Einiges schief, egal was für schräge Zutaten (da wird es echt abenteuerlich und ober-kreativ) er zusammenmixt.
Diese Geschichte in Reimform wird gesprochen, ja gespielt von Simon Jäger. Quirlig haucht er Barbeutzebutz Leben ein und bringt ordentlich Stimmung in die Bude. Ein Bisschen hat es mich an den Disney´schen Zauberlehrling Micky Maus erinnert („Fantasia“; 1940). Bei dem, was bei Barbeutzebutz so alles im Kessel landet, haben sich meine beiden Jungs (4 & 7) köstlich amüsiert – und ich natürlich auch!
Unterlegt ist diese temporeiche Zaubergeschichte mit quirliger, quietschiger, mal jazziger, mal fast schon psychedelischer Musik. Eigentlich keine klassische Kindermusik, aber hier passt es perfekt zum Gesamtkonzept und hat uns allen gut gefallen.


2. "Der Manni im Mond"
Anna Thalbach entführt uns mit dieser gereimten Geschichte zusammen mit Manni in den Weltraum und auf den Mond. Eigentlich wollte Manni dort den Mann im Mond finden, doch stattdessen findet er die Frau im Mond. Das ist doch viel besser, oder Manni?
Die lyrische Geschichte, Anna Thalbachs beruhigende Stimme und die stellenweise schon sphärische Musik harmonieren wirklich sehr gut miteinander und haben etwas Verträumtes an sich. Es ist schon fast so zauberhaft wie beim kleinen Prinzen und eignet sich für meinen Geschmack sehr gut als kleine „Gute-Nacht-Hörgeschichte“.
Mit dieser „Ruhe“ bildet „Der Manni im Mond“ einen schönen Kontrast zu den quirligen, ja aufwühlenden anderen beiden Geschichten. Meinen Söhnen hat sie sehr gut gefallen!

3. "Der Gewitter-Ritter"
Der Namensgebende „Gewitter-Ritter“ wird mit aller Leidenschaft von Martin Kautz intoniert und inszeniert. Was seicht beginnt wächst sich langsam aus, bis der Hörer sich inmitten eines tobenden Gewitters wiederfindet, in dem Martin Kautz, einer Naturgewalt gleich, ebenso tobt und wütet. Sehr, sehr passend hierzu wird diese Geschichte von Musik untermalt, die sich ebenfalls von einer seichten und beruhigenden Piano-Musik bis zu einem Orchestralen Gewaltausbruch steigert. Doch wie bei einem echten Gewitter folgt auch hier zum Ende der ebenfalls gereimten Geschichte eine reine, versöhnliche und beruhigende Phase.
Mir hat die Inszenierung dieser Geschichte wirklich außerordentlich gut gefallen! Für meinen kleinen Sohn (4) war es im Mittelteil aber viel zu laut und „gewaltvoll“, so dass er sich schon fast weinend die Ohren zugehalten hat (als guter Vater habe ich dann natürlich erstmal die Stop-Taste gedrückt).
Hier fallen die Welten von Hörbuch und Kinderbuch vielleicht am deutlichsten auseinander. Während das Kinderbuch durch die entsprechenden Bilder um unteren Teil des Buches einen Fokus auf die Parallele zum kindlichen Wutausbruch legt (der „Gewitter-Ritter“ halt) verbleibt dies medienbedingt im Hörbuch.


FAZIT:
Drei kurze, aber wundervolle Geschichten in einer sehr guten Inszenierung mit drei fantastischen Sprechern. Es macht richtig Spaß zuzuhören. Nur bei der Geschichte mit dem „Gewitter-Ritter“ wäre ich aus eigener Erfahrung bei jüngeren Zuhörern (offizielle Altersempfehlung: ab 4) vorsichtig.

Bewertung vom 29.09.2015
Schröder, Patricia

Kuno, der Ritter mit dem magischen Schwert / Erst ich ein Stück, dann du Bd.30


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Als die Burg von König Kasimir von Rasmus dem Rachdurstigen und seinen üblen Gesellen bedroht wird, kann nur einer helfen: Ritter Kuno von Kleinwuchs, der seine geringe Körpergröße mit einer extragroßen Portion Mut mehr als ausgleicht.

Unsere Meinung:
„Kuno, der Ritter mit dem magischen Schwert“ ist ein Band aus der wunderbaren „Erst ich ein Stück, dann du“-Reihe für Leseanfänger (ca. 1. & 2. Klasse) von der erfolgreichen (Kinderbuch-)Autorin Patricia Schröder (u.a. „Die Meeres-Saga“, „Lilly-Reihe“, „Tilla-Reihe“, „Blind Walk“). Hierbei sind im Vorlesetext immer wieder ein paar größer gedruckte Textabschnitte mit zwei bis zehn Zeilen, die für die Leseanfänger zum Selbstlesen gedacht sind. Diese Selbstlesepassagen sind sehr passend dosiert (i.d.R. eine / maximal zwei pro Doppelseite), so dass die Leseanfänger damit nicht überfordert werden. Die Wortwahl ist nicht nur in diesen Abschnitten, sondern im ganzen Buch sehr altersgerecht und passend. Auch wenn mein Sohn (Anfang 2. Klasse) noch immer seine Schwierigkeiten mit dem Lesen hat, hat er dieses Buch doch sehr gerne zusammen mit mir gelesen.

Die Geschichte, die Patricia Schröder sich für dieses Buch erdacht hat, hat alles, was eine gute Abenteuergeschichte für Kinder braucht: Spannung, Humor, Überraschungen, Ritter, Räuber, einen Drachen, ein magisches Schwert und natürlich auch einen Schatz (soviel sei an dieser Stelle schon mal verraten). Auf 83 Seiten, aufgeteilt in acht Gute-Nacht-Geschichten-taugliche Kapitel, erleben wir das Abenteuer des kleinen Ritters Kuno mit, der doch eigentlich ein ganz, ganz Großer ist. Er zeigt uns dabei wie wichtig es ist, mutig zu sein und an sich selbst zu glauben, auch wenn andere diesen Glauben vielleicht (noch) nicht haben. Doch auch die Themen Freundschaft, Zusammenhalt und „verzeihen können“ spielen in diesem Abenteuer eine zentrale Rolle.

Komplettiert wird dieses wunderbare Kinderbuch mit einer Vielzahl von sehr schön und liebevoll gestalteten, teilweise doppelseitigen Illustrationen von Patrick Wirbeleit, die zum Betrachten, Entdecken und teilweise auch Lachen einladen.

Den taschengeldfreundlichen Preis von 7,99 für die gebundene Ausgabe empfinde ich als sehr fair.

FAZIT:
Manchmal sind die Kleinsten einfach die Größten. Ein tolles und spannendes Vor- und Selbstleseabenteuer für junge Leser ab ca. Mitte der ersten Klasse.