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seschat
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Insgesamt 938 Bewertungen
Bewertung vom 06.03.2016
Walton, Emily

Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte


ausgezeichnet

Wer die Goldenen Zwanziger und die damaligen Künstler F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Dorothy Parker und Pablo Picasso verehrt, wird dieses Buch lieben. Es berichtet über den Sommerurlaub der genannten Bohemiens in Südfrankreich, genauer in Juan-les-Pins. Im Mittelpunkt steht Scott Fitzgerald, der sich 1926 auf den Höhepunkt seines Schaffens befindet und gerade den "Großen Gatsby" veröffentlicht hat. Es werden die Sonnen- und Schattenseiten des damaligen Künstlerdaseins beleuchtet. Ob mondäne Partys, Alkoholexzesse oder exquisite Gesprächsrunden, der Leser bekommt ein gutes Gespür für die wilden Zwanziger vermittelt. Im charmanten, avantgardistisch angehauchten Plauderton lässt es sich gut von der Vergangenheit träumen. Stück für Stück wird man mit dem Verfall des genialen Schriftstellers Fitzgerald konfrontiert, der sich zeitlebens innerhalb Kunstszene als Aussätziger fühlte. Seine Freundschaft mit und seine Eifersüchteleien gegenüber Ernest Hemingway belegen Fitzgeralds Zerrissenheit. Labil, alkoholsüchtig und finanziell geschwächt kehrt er nach seinem Südfrankreichaufenthalt zurück in die Vereinigten Staaten. Und dass, obwohl er sich in Frankreich doch so wohl fühlte. Aber das französische Laissez-faire hat Spuren hinterlassen. Die Autorin Emily Walton überzeugt vor allem durch die realistisch in Szene gesetzte Verletzlichkeit von Fitzgerald. Man kann sich leicht mit dem dandyhaften Literaten treiben und mitreißen lassen. Gerade einmal 165 Seiten umfasst diese literarische Momentaufnahme. Für mich hätten es gut und gern etwas mehr Seiten sein können.

FAZIT
Eine gelungene literarische Zeitreise, die begeistert und viel zeitgenössisches vermittelt. Wer mehr über F. Scott Fitzgeralds Persönlichkeit erfahren möchte, sollte zu diesem kurzweiligen Roman greifen.

Bewertung vom 06.03.2016
Laurain, Antoine

Der Hut des Präsidenten


ausgezeichnet

INHALT
Der französische Staatspräsident François Mitterrand lässt nach einem Abendessen in einer Pariser Brasserie seinen schwarzen Filzhut im Lokal liegen. Dies bleibt dem unscheinbaren Buchhalter Daniel Mercier nicht verborgen und er nimmt den Hut kurzerhand mit nach Hause. Doch auch er lässt ihn eines Tages liegen. Infolge geht der Präsidentenhut durch verschiedene Hände und bringt seinen neuen Besitzern immerfort Glück und neue Impulse.

MEINUNG
Ich hatte das außerordentliche Vergnügen nach Laurains erstem Buch "Liebe mit zwei Unbekannten" nun auch sein zweites, „Der Hut des Präsidenten“, lesen zu dürfen. Und einmal mehr konnte mich der französische Romancier mit seinem Werk verzaubern.

Antoine Laurain ist ein leichtfüßiger und charmanter Erzähler. Sein unverstellter Blick für die kleinen Dinge und Alltagsbegebenheiten imponiert. Bis zum Ende des Romans bleibt man als Leser von Laurains pointierter Sprache und dessen unaufgeregtem Plot gefesselt.

Mitterrands Hut ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Für seine wechselnden Besitzer wird er zum Glücksbringer und lebensverändernden Kleidungsstück. Ob Buchhalter, unglückliche Geliebte oder depressiver Parfümeur, der Hut bringt ihnen Lebensmut und Entscheidungswillen zurück. Unweigerlich fühlt sich der Leser an das Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ erinnert. Diese positive Grundaussage hat mich sofort angesprochen. Denn jeden Tag kann man sich weiterentwickeln oder selbstbestimmt Veränderungen herbeiführen, man muss nur an sich und seinen Traum glauben…

Darüber hinaus vermittelt Laurains Geschichte einen guten Einblick in die französische Lebenswelt der 80er Jahre. Liebhaber des französischen Lebensgefühls bzw. Flairs werden auf ihre Kosten kommen.

Lieblingszitat (S. 120f.):
„Unser Leben gleicht einem Baum, der einen Wald von parallelen Leben verbirgt, in denen wir weder ganz der Gleiche noch ein vollkommen Anderer sind.“

FAZIT
Ein charmanter Roman, der keine große Bühne benötigt, um nachzuwirken und zu verzaubern. Ich bin ein großer Fan von Laurains Erzählweise und kann seine Werke nur jedem ans Herz legen.

Bewertung vom 04.03.2016
Zöbeli, Alexandra

Die Rosen von Abbotswood Castle (eBook, ePUB)


sehr gut

INHALT
Die Londonerin Hetty ist 38 und seit Jahren Hausfrau. Für ihre Familie und ihren Mann hat sie die eigenen Bedürfnisse immer hintenan gestellt. Doch damit ist nun Schluss. Als Hettys Großonkel Maxwell in Schottland Hilfe braucht, überlegt sie nicht lang und verlässt London. Maxwells Anwesen Abbotswood Castle ist groß und voller Geheimnisse; Hausgeist eingeschlossen. Und einen smarten und hilfsbereiten Schreiner gibt es auch noch.

MEINUNG
Die Schweizer Autorin Alexandra Zöbeli hat einen romantischen und gleichzeitig emotional sehr aufwühlenden Roman geschrieben.

Die Story verlief anfangs etwas schleppend, wurde dann aber im letzten Drittel spannender. Hettys eingestaubte Familienverhältnisse bzw. Ehe wurde sehr realistisch betrachtet. Auch die Auszeit in Schottland mit seiner urigen Landschaft und den geschichtsträchtigen Schlössern konnte überzeugen.

Hetty ist ein sehr warmherzige und aufopferungsvoll agierende Frau. Jahrelang hat sie ihr Leben in den Dienst der Familie gestellt und gerade jetzt verhält sich ihr Mann so kalt und mies zu ihr. Während ich mit Hetty im Verlauf der Handlung sehr mitgelitten habe, habe ich für ihren Ehemann, den unaufrichtigen Banker Oliver, keine Sympathie entwickeln können. Seine Gleichgültigkeit und Arroganz hat mich regelrecht angewidert, aber die Story natürlich spannungstechnisch hochgehalten. Von den weiteren Nebencharakteren waren mir der liebevolle und einfühlsame Schreiner Jules und Hettys etwas kauziger Großonkel Maxwell die liebsten. Denn beide haben mit Hetty kein falsches Spiel gespielt. Hausgeist Rose, die seit 300 Jahren mit Schloss herumgeistern, nimmt eine Sonderstellung unter den handelnden Personen ein, weil nur relativ selten in Romanen eine solche Figur vorkommt. Ich habe sie sofort in mein Leserherz geschlossen, weil sie die Lebenden nicht erschrecken wollte und Hetty freundschaftlich gesinnt gewesen ist.

Sprachlich weiß Zöbeli den Leser auf eine wohl durchdachte und leichte Reise mitzunehmen. Es fällt nicht schwer, den Gedanken von Hetty & Co zu folgen, was vor allem am flüssigen und beschreibenden Erzählstil liegen mag. Einfühlsam und sehr treffsicher fühlt sich Zöbeli in ihre sehr unterschiedlich komponierten Figuren ein.

Das Cover hat mit auf den ersten Blick wegen des geradezu "märchenhaften" Motiv verzaubert. Als romantisch veranlagte Frau ist das nur allzu verständlich oder?

FAZIT
Wer einen unterhaltsamen Frauenroman mit britisch-schottischen Charme/Lokalkolorit sucht, sollte dieses Buch zur Hand nehmen.

Bewertung vom 02.03.2016
Nentwich, Vera

Tote Models nerven nur / Biene Hagen Bd.1


ausgezeichnet

INHALT
Im Grefrather Teich wird die Leiche des Starmodels Judith Schöller gefunden. Der vermeintliche Täter wird schnell ausgemacht. Doch ist die 32-jährige Grefrather Steuerfachangestellte Sabine, die sich einen Tag vor dem Unglück noch mit der Toten, ihrer Erzfeindin, geprügelt hat, wirklich die Mörderin? Die Polizei stochert im Dunkeln.
Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt Sabine auf eigene Faust zu ermitteln...

MEINUNG
Vera Nentwich hat mit ihrem Lokalkrimi "Tote Models nerven nur" eine angenehme, locker-leichte und zudem recht amüsante Lektüre geschaffen. Ich fühlte mich bestens unterhalten.

Ich-Erzählerin und Hauptprotagonistin Sabine ist eine liebenswerte und chaotische Person, die sich irgendwie immer zur falschen Zeit am falschen Ort aufzuhalten scheint. Jedenfalls gerät sie bald nach Judiths Besuch in Grefrath mit dem Model aneinander und wird später, bei deren Begräbnis, fast selbst begraben...
Ihr Gerechtigkeitssinn und ihr Mut machten sie sehr sympathisch. Mir hat es gefallen, dass sie sich innerhalb der Handlung persönlich weiterentwickelt hat und nun nach dieser Tragödie ihr Leben endlich in die Hand nimmt.

Auch die anderen Charaktere, allen voran Sabines Oma, Polizist Jochen sowie Judiths spanischer Verlobter Jago konnten in ihren Rollen überzeugen. Hier hat mir besonders Jago gefallen. Sein niedlicher Akzent und seine Hilfsbereitschaft fand ich cool.

Inhaltlich wird einiges geboten, obschon die Geschichte einzig und allein im Provinznest Grefrath spielt. Das Lokalkolorit tritt fast aus Zeile hervor. Bis zum Ende bleibt die Mördersuche spannend, weil sich selbst in der Kleinstadt genügend Verdächtige tummeln und ordentlich getratscht wird.

Nentwichs Schreibe ist flüssig und sehr ironisch. Ich mochte die Mundart- bzw. spanischen Einflüsse sehr. Der heitere Krimi lässt sich schnell weglesen.

Das Cover verfügt über einen hohen Wiedererkennungswert. Der skurrile Mordfall wird auf witzige Weise in Szene gesetzt. Ich musste unweigerlich an die Redewendung "ins Gras beißen" denken, obwohl ein Teich mit Schilf abgebildet ist.

FAZIT
Wer humorige Heimat-Krimis ohne viel Blutvergießen mag, wird dieses Buch lieben. Es ist eine wunderbare Geschichte zum Abschalten und toller Situationskomik.

Bewertung vom 29.02.2016
Macht, Sascha

Der Krieg im Garten des Königs der Toten


schlecht

Ich habe schon viele Bücher aus verschiedenen Genres gelesen. Doch Sascha Machts Fiction-Werk "Der Krieg im Garten des Königs der Toten" hat alles Bisherige in den Schatten gestellt; leider nicht im positiven Sinne.

Das ausgesprochen interessant gestaltete Cover, das stark eine Landkarte erinnert, hat mich ehrlich gesagt dazu verführt, dieses Buch zur Hand zu nehmen.

Die Geschichte des 17-jährigen Bruno Hidalgo, der eines Tages von seinen Eltern im südafrikanischen Dorf Kajagoogoo zurückgelassen wird, ist mehr als merkwürdig, um nicht zu sagen, ungemein obskur. Er flüchtet sich in die Welt der Horrorfilme, als seine Ersparnisse aufgebraucht sind, beginnt er nicht zu arbeiten, sondern reist in die Stadt und gabelt einen schwer verwundeten preußischen Soldaten auf, der ihn dann finanziell über Wasser hält. Weder Nachbarn noch der revolutionäre Staat helfen Bruno, der später mit einer irischen Familie in einen Wohnwagen steigt, um zum Filmfestival in der Großstadt zu gelangen. Doch vorher begegnet er einem einsilbigen Mexikaner, der ihn aus dem städtischen Kriegsherd befreit und mit ihm durch die Lande zieht...

Mehr als einmal habe ich mir während der Lektüre ungläubig die Augen gerieben und mich zwingen müssen, das Buch nicht abzubrechen. Der Hauptprotagonist und Ich-Erzähler Bruno agierte mir insgesamt zu passiv und zu kindisch. Seine Sucht nach Horrorfilmen, die sich durch den gesamten Plot zieht, konnte ich nicht nachvollziehen und diese ödete mich regelrecht an. Alles gipfelte in dem Aha-Erlebnis in der Großstadt, als auf dem Filmfestival Brunos Film gezeigt wurde, für den bisher nur Skizzen entworfen wurden, den Bruno also gar nicht selbst gedreht haben kann - hä?
War alles nur ein Traum? Bei Fiction-Texten kann man dies nicht immer so genau sagen. Den roten Faden habe ich bis zum Schluss vermisst. Zu vieles geriet durcheinander bzw. wiederholte sich. Wenn dieses Werk als Persiflage auf die Horrorfilmszene verstanden werden sollte, so kann ich mit dieser leider nicht anfangen.

Sprachlich konnte ich dem Buch leider auch nichts abgewinnen. Der Stil war mir zu unpersönlich und zu verwaschen, also nicht wirklich greifbar. Die Dialoge waren lahm bis nichtssagend.

FAZIT
Ein Buch, mit dem ich bis zum Ende kämpfen musste und das sich mir trotzdem nicht erschlossen hat. Mehr noch, ich bin verwirrt zurückgeblieben und kann daher keine Leseempfehlung aussprechen. Das hätte ich von einem preisgekrönten Autor nicht erwartet.

Bewertung vom 28.02.2016
Mewe, Susanna

Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten (eBook, ePUB)


weniger gut

INHALT
Mia ist Mitte 30 und freie Journalistin in Berlin. Nachdem sie ihr Freund Lars nach 8-jähriger Beziehung vor die Tür gesetzt hat, zweifelt sie erstmals an ihrem persönlichen Lebensentwurf. Trostsuchend wendet sie sich an ihre drei Schwestern und zieht kurzerhand bei der ältesten, Paula, ein, deren Ehe gerade alles andere als rosig läuft. Doch statt Harmonie kommt es zwischen den Schwestern immer wieder zu Streitigkeiten und Eifersüchteleien...

MEINUNG
Susanna Mewes Romandebüt weist ein sehr bezauberndes Cover auf, das aber mitnichten alle inhaltlichen Schwächen kaschieren kann. Zwischen Klappentext und Plot liegen Welten.
Ich hatte mir von der Geschichte insgesamt mehr Tiefgang und eine stärkere Betonung auf die unterschiedlichen Schwesternbeziehungen gewünscht. Bekommen habe ich einen dröge, vor sich hin wabernde Story, die noch dazu von der vollkommen unentschlossenen und unreif auftretenden Hauptfigur Mia erzählt wird. Ihre gescheiterte Beziehung und die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit nehmen einfach zu viel Raum ein, so dass beispielsweise die Eheprobleme von Schwester Paula nur eine untergeordnete Rolle spielten. Mehr als einmal habe ich mich beim Lesen des durchaus flüssig geschriebenen Romans dazu zwingen müssen, das Buch nicht wegzulegen. Denn Belanglosigkeiten gaben sich die Klinke in die Hand. Doch nicht nur der Plot, sondern auch die handelnden Figuren wirkten blass und wenig interessant. Zudem empfand ich den häufigen Szenen- und Themenwechsel innerhalb der Handlung (besonders die unvermittelten Rückschauen) als unpassend. Erst gegen Ende liefen dann alle Handlungsstränge wieder einigermaßen zusammen.

FAZIT
Ein vor sich hin plätschernder Roman mit vielen Belanglosigkeiten und wenig wirklichem Inhalt. Ich habe mich gelangweilt und kann daher leider keine Leseempfehlung aussprechen.

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Bewertung vom 27.02.2016
Bauerfeind, Katrin

Hinten sind Rezepte drin


gut

INHALT
Die Journalistin und TV-Moderatorin Katrin Bauerfeind hat sich der Thematik Frausein 2.0 angenommen. Mit viel Humor wagt sich die 33-Jährige an gängige Klischees, Ungerechtigkeiten und Vorteile, welche der heutigen Frau im Alltag begegnen.

MEINUNG
"Hinten sind Rezepte drin" ist ein durch und durch ironisches, manches Mal stark selbstironisches Buch über die moderne Frau.

Schon der provokative Titel spricht wohl eher die weibliche Leserschaft an, die sich darüber wundern wird, dass hinten, also im Buchende, doch keine Rezepte enthalten sind :-)Das witzige Coverbild mit Kaktus wiederum macht neugierig und verspricht humorige Unterhaltung.

Gewohnt frech und offen kommentiert die Autorin vorwiegend die Tücken, denen sich Frau heutzutage erwehren muss. Ob Cellulite, schlechtere Löhne, mangelndes Durchsetzungsvermögen im Beruf oder Zickenterror, Frausein 2.0 ist alles andere als einfach. Viele von Katrin Bauerfeinds angeführten Einwänden gegen die heutige Bloggeritis oder die Emoji-Schwämme kann ich als 30-Jährige durchaus nachempfinden. Auch ihre Schilderungen aus der Kindheit sind mir nicht ganz fremd. Kurzum, sie verleiht der weiblichen Generation 30+ ein Gesicht; auch wenn's nicht immer ganz ernst ist.

Bauerfeinds Buch ist eine Ansammlung von persönlichen Beobachtungen, Erfahrungen und Studien, folgt aber leider keinem erkennbaren roten Faden. Die kurzweiligen Kapitel sollen mehr unterhalten als aufklären und reichen daher nicht allzu weit in die Tiefe.

Bauerfeinds humorvoller bis deklassierender Erzählstil gefällt mir immens gut. Ich mag Autoren, die sich und ihren Lebensalltag nicht so bierernst nehmen. Besonders musste ich über ihre kritischen Äußerungen über die Vertreter des männlichen Geschlechts schmunzeln. In der Autorin steckt schon eine kleine Emanze :-)

Hier ein paar Zitate zum Amüsement:

"Ulrich Deppendorf wurde ja auch nicht gefragt, ob es für ihn in seinem Job hinderlich war, so auszusehen wie eine Figur bei den Simpsons."

"Emotionale Gespräche mit Männern sind wortkarger als ein Stummfilm und zäher als ein gekochtes Steak."

"Jesus hatte zu Lebzeiten zwölf Follower und überhaupt kein Merchandise."

FAZIT
Ein witziges Frauenbuch, das unter der Maske des Humors allerlei unbestrittene Wahrheiten über die moderne Frau offenbart. Eine ideale Lektüre für Zwischendurch und zur leichten Unterhaltung.

Bewertung vom 27.02.2016
Marten, Lena

Nicht auch noch der!


ausgezeichnet

INHALT
Biologiestudentin Luca, Anfang 20, wurde gerade von ihrem Freund betrogen und sucht nach einem neuen Wohnheimzimmer in Erlangen. Überraschenderweise landet sie in einer Männer-WG. Ihre beiden Mitbewohner sind immens gut aussehend und zudem noch sehr schlau. Während sie mit Mathematikstudent Tobi keine Probleme hat, eckt sie mit dem notorischen Womanizer Ben ständig an. Der Frauenverschleiß und die Machosprüche des Informatikstudenten bringen sie fast täglich auf die Palme. Würde er nur nicht so verdammt attraktiv und lieb zu seinen Mitmenschen sein...

MEINUNG
Lena Marten konnte mich mit ihrem Roman "Nicht auch noch der!" von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen. Ich habe mit der Hauptfigur Luca innig mitgefiebert. Ihre Wortgefechte mit Frauenheld Ben waren Highlights des insgesamt sehr flüssig zu lesenden Buchs. Luca und Ben haben sehr gegensätzliche Lebenseinstellungen und Charaktereigenschaften. Während die empathische Luca gern tiefstapelt und sich nach einer romantischen Paarbeziehung sehnt, ist der wilde Ben überzeugter Single und mit einem überdurchschnittlich großem Selbstbewusstsein ausgestattet. Doch sowohl Ben als auch Luca haben ein Geheimnis, das diese im Alltag belastet. Die antagonistische Anlage beider Figuren hat mir gefallen und bis zum Romanende gut unterhalten. Darüber hinaus hat die Autorin sehr ansprechende Nebencharaktere geschaffen, die die Story wesentlich bunter machen.

Neben dem Studentenalltag geht es vor allem um unterschiedliche Lebens- bzw. Beziehungsentwürfe. Im Großen und Ganzen wirkt alles sehr modern und zeitgemäß. Lucas beste Freundin ist lesbisch, Bens Kumpel Erdi ist schon Vater und Ben immer auf der Pirsch. Man wähnt sich in einer Art TV-Soap, aber zwischenmenschlich wird hier eindeutig authentischer agiert, obgleich sich dabei einige Mann-Frau-Klischees nicht vermeiden ließen; was mich aber nicht gestört hat.

FAZIT
Ein Liebesroman, der mit Esprit und nachdenklichen Tönen punktet. Moderne Lektüre genau nach meinem Geschmack. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 24.02.2016
Jones, Andy

Zwei für immer


sehr gut

INHALT
Die Filmleute William Fisher (32) und Ivy (41) lernen sich am Filmset kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Bereits nach drei gemeinsamen Wochen wird Ivy schwanger und beide sind mehr als überrascht darüber. Sind sie beide nach so kurzer Zeit überhaupt in der Lage, eine feste Beziehung zu führen?
Man kennt sich einfach zu wenig und hat im Liebesrausch noch nicht über die Zukunft nachgedacht. Zudem muss sich William Fisher um seinen schwerkranken Freund El kümmern...

MEINUNG
Das Cover suggeriert eine heitere Liebesgeschichte, doch das Gegenteil ist der Fall. Andy Jones lässt in "Zwei für immer" den 32-jährigen Londoner William Fisher (im Roman nur Fisher genannt) zu Wort kommen und seine ungewöhnliche Beziehungsgeschichte erzählen. Einen Liebesroman aus männlicher Perspektive, das bekommt der Leser nicht alle Tage vorgesetzt und noch dazu mit einer entkitschten Ernsthaftigkeit, die anrührt.

Mich konnte der Roman abgesehen von minimalen Schwächen 100%ig überzeugen. Die emotionale Berg- und Talfahrt innerhalb einer Beziehung wird sehr authentisch und offen thematisiert. Hier ist es besonders William Fisher, der über sich hinaus wächst und als Mann Gefühle zulässt. Seine anhaltenden Ängste, aber auch seine Hoffnung auf eine harmonische Lösung mit Ivy reißen mit.
Der Hauptcharakter glaubt trotz verschiedener zwischenmenschlicher Krisen an die Liebe zu Ivy, während letztere sich immer mehr in sich zurückzieht und William viele Male hilflos und kommentarlos allein lässt. Sie als Ältere müsste doch eigentlich reifer und in Sachen Emotionen kommunikativer sein, aber sie ist es nicht. Man möchte sie regelrecht schütteln, damit sie einmal die berühmten drei Worte sagt. Gerade diese unausgesprochene Gefühlslage bestimmt die Handlung. Es ist ein Abziehbild eines typischen Mann-Frau-Problems: der Kommunikation. Darüber hinaus sind Leben und Tod die bestimmenden Themen des Buchs. Während Williams und Ivys frische Verbindung das Leben symbolisiert, steht Williams Freund El für den Tod. Dieser ist unheilbar krank und sehnt sich nach Erlösung. Auch diesem schwer verdaulichen Kontext nähert sich der Autor auf sehr realistische Weise. Das Beste daran ist, dass er keine Beschönigungen als notwendig erachtet, sondern auf ein authentisches Abbild des Lebens setzt. Es wird gezweifelt, geweint, aber auch gelacht. Die gesamte Klaviatur der menschlichen Emotionen kommt zum Tragen. Doch Vorsicht! Die ernsteren und nachdenklichen Momente überwiegen, was mich aber so gar nicht gestört hat. Denn zu oft, beschreiben die Liebesromane der Gegenwart eine Traum- bzw. unrealistische Märchenwelt.

Andy Jones Sprache ist humorvoll, aber auch tiefsinnig und lässt sich wunderbar flüssig weg lesen. Ich mag einfach Autoren/Menschen, die selbst in schwärzester Stunde nicht ihren Humor verlieren, auch wenn's eine Art Galgenhumor ist.

FAZIT
Ein Liebesroman mit Ecken und Kanten, der den Leser anrührt. Ich wünsche mir mehr solche lebensnahen Liebesgeschichten.

Bewertung vom 22.02.2016
Vida, Vendela

Des Tauchers leere Kleider


weniger gut

INHALT
Eine 33-jährige Amerikanerin reist nach Casablanca, um Urlaub zu machen und die unschöne Vergangenheit hinter sich zu lassen. Vom Ehemann getrennt und mit der Zwillingsschwester zerstritten, hofft sie in Marokko auf neue Impulse. Doch bereits am Anreisetag wird ihr noch in der Hotellobby ihr schwarzer Rucksack mit allen persönlichen Dokumenten gestohlen.Auf der einheimischen Polizeiwache bekommt sie statt ihrer Sachen, die von einer Fremden ausgehändigt und nimmt in ihrer materiellen Not diese andere Identität kurzerhand an.

MEINUNG
Die Autorin Vendela Vida hat mit "Des Taucherds leere Kleider" einen sehr ungewöhnlichen Roman zum Thema "Identitätssuche" geschrieben.

Über die Hauptfigur erfährt man im Verlauf der Handlung nur dürftig wenig. Ihr Name bleibt bis zum Ende geheim. Das erhält einerseits die Spannung hoch, andererseits werden die vakanten Passagen mit allerhand trivialen bis unnützen Informationen gefühlt. So wechselt die Amerikanerin mehrfach innerhalb des Plots ihren Namen, rennt getrieben durch das eigene Lügenkonstrukt durch Marokkas bekannteste Städte und wird sogar noch für einen Filmdreh engagiert. An erklärungswürdigen und sinnfreien Szenen mangelt es also nicht. Gut, die Hauptfigur ist eine verunsicherte Person, die durch ihre neue Identität aufzublühen scheint, aber ihre Altlasten nicht so leicht abschütteln kann. Und man fragt sich unentwegt: Wer ist sie wirklich? Gerade darauf gibt Vendela Vida leider keine aussagekräftige Antwort; sie scheint es im Sinne dieses genreuntypischen Romans auch nicht zu wollen.

Anfangs weiß man als Leser nicht so recht, was man von diesem Buch halten soll, denn nicht nur der Inhalt, sondern auch die Erzählweise des inneren Monologs wirft Fragen und allerhand Erstaunen auf. Gegen Ende kommt dann etwas Licht ins Dunkel, weil sporadische Versatzstücke aus der Vergangenheit verraten werden. Doch so richtig warm wurde ich mit der zu blass geratenen Hauptfigur und dem wenig ereignisreichen Romaninhalt bis zum Schluss nicht.

FAZIT
Verstörender Roman, bei dem man besser nicht die Sinnfrage stellt.

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