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easymarkt3
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Insgesamt 892 Bewertungen
Bewertung vom 29.10.2021
Mankell, Henning

Der Verrückte


gut

Aufarbeitung der schwedischen Neutralitätspolitik nach dem 2. Weltkrieg mit tragischem Schicksal.

Bertil Kras aus Stockholm, Kommunist, versucht sein Glück in einem Marktflecken in Norrland in einem Sägewerk, das jedoch auf verdächtige Art abbrennt. Gleichzeitig versucht eine kommunistische Ortsgruppe, für die Vergangenheit der letzten Kriegsjahre über ein Lager für internierte Kommunisten und andere Oppositionelle im dortigen Wald Vergeltung zu üben. Bertil wird des Brandanschlages ohne einen Beweis verdächtigt, findet keine weitere gesicherte Arbeitsstelle und verzweifelt mit Margot und ihrem Kind Rubinchen an den Gerüchten und Unsicherheiten. Schließlich tobt sich Bertil auf dem dortigen Güterbahnhof aus, indem er die Waggons entgleisen lässt.
Obwohl Schweden im 2. Weltkrieg offiziell kein Verbündeter Deutschlands war, hatten es die dortigen Kommunisten nicht leicht, wären sogar im o.g. Lager erschossen worden bei anderem Kriegsausgang. Diese geschichtliche Auseinandersetzung wird subtil thematisiert.
In ruhigem Spannungsbogen wird das Dorfleben mit diversen Charakteren beleuchtet im Wandel der Jahreszeiten, mit genauen Schilderungen zu Elchjagd, Angeln und der Preiselbeersuche. Neben dieser Idylle häufen sich rund um das Opfer – nämlich Bertil - in steigendem Maße Ängste, Wutausbrüche, Verdächtigungen bis zu seiner Verzweiflung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.10.2021
Eggers, Dave

Every (deutsche Ausgabe)


ausgezeichnet

Wie steht es um unsere Demokratie, um die Freiheit des Einzelnen in unserem Staat mit seinen Überwachungsmechanismen??
Die umfassende Überwachung im Staat haben wir in manchen Ländern bereits. Und auf unseren Social-Media-Plattformen 'erfreuen' wir uns an den infantilen Emojis und pfeifen auf persönliche Nachrichten mit freier Wortwahl und hoffentlich korrekter Rechtschreibung.
Will die Menschheit tatsächlich frei sein (auch in all seinen Entscheidungen)?
Überwachungsmaßnahmen an öffentlichen und privaten Bereichen, Datenschutzmaßnahmen, technologiekritische Einstellung z.B. auch zu bargeldlosem Verkehr – diese Gedanken sollte die Menschheit, die ihre Unabhängigkeit liebt, schon bewegen, ob wir viele dieser fundamentalen Veränderungen immer noch wollen oder lieber volle Transparenz für Jedermann befürworten.
Sind unsere Geheimnisse tatsächlich Lügen, die deshalb öffentlich gemacht werden sollten?
Dieser Every-Campus ist tatsächlich machtgierig, aber auch zu geisteskrank (s. 297).
Every kontrolliert nicht nur den Informationsfluß der meisten Menschen über ihre diversen verkauften Gadgets, sondern überwacht sogar die Privatsphäre per Smart Speaker, beugt sich nicht den gesetzlichen Grenzen. Über Social Media mit ihren Fake-Accounts operiert dieses Monopol illegal.
Die Bevölkerung rebelliert nicht gegen diese Einschränkungen ihrer Lebensweisen. Sie ändern ihr Verhalten und schätzen das Gefühl von mehr Sicherheit.
Wie der Roman ‚1984‘ von George Orwell spielt dieser Roman an auf eine zwar noch fern erscheinende, doch eng mit der heutigen Gegenwart verknüpfte Zukunft. Auch dort geht es um staatliche Überwachungsmaßnahmen, jedoch in einem totalitären Überwachungsstaat.
Mit dem Tod von Delauney erreicht das Buch das Ende der Freiheit und des freien Willens. Every sorgt zu 100% für das Ende der Gesellschaft des Ichs.
Die Flut an Selbstmorden wird steigen?
Zum Cover: Auf schwarzen Grund steht ein rotes Logo mit 3 sich zum Zentrum biegenden Bögen, vielleicht stellvertretend für 3 Einzelfirmen, die zu einem neuen, gewaltigen Ganzen als Firma ineinander geflochten sind. Den Titel 'EVERY' sehe ich darin nicht verkörpert.

Bewertung vom 22.10.2021
Winter, Madita

Mordlichter / Anelie Andersson ermittelt Bd.1


sehr gut

Mehr als nur ein spannender Krimi!
Im winterlichen Norden Schwedens wird nicht nur die Natur zur tödlichen Falle besonders für Menschen, wie die junge Amelie Andersson, sehr erfolgreiche Ermittlerin aus Stockholm, seit 3 Jahren feststellen muss. Mit Eis und Schnee fast ganzjährig am Polarkreis rund um Jokkmokk umgeben, ist sie auf der Suche nach einem vermissten siebzehnjährigen Schüler, der jedoch bald von einem LKW überfahren, in Rentierfällen gehüllt und mit diversen Verletzungen an Extremitäten tot aufgefunden wird. Ihre intensiven Ermittlungen offenbaren direkte Anzeichen einer größeren Anzahl unaufgeklärter, mysteriöser Vermisstenfälle in dieser Gegend, alles junge Männer. Auf der Suche nach Beweisen, dass es sich hier nicht nur um Unfälle handelt, gerät sie selbst in große Lebensgefahr.
Welche lebensnotwendigen Vorsichtsmaßnahmen dortige Bewohner gegen die Kälte treffen müssen, wird klar herausgestellt. Auch werden die Probleme der Samen mit ihren Rentierherden thematisiert, verbunden mit wachsendem Tourismus, Ausbeutung weiterer Resourcen der Natur durch den Bau von Minen, Staudämmen etc.. Diese Ureinwohner äußern verstärkt ihre Abneigung gegenüber dem Staat und allen Nicht-Samen.

Bewertung vom 21.10.2021
Ahnhem, Stefan

Meeressarg / Fabian Risk Bd.6


ausgezeichnet

Kommissar Fabian Risk erfolgreich gegen den Polizeichef in Kopenhagen.
Der Polizeichef von Kopenhagen, Kim Sleizner, ist verwickelt in viele kriminelle Aktivitäten nicht nur in Dänemark, sondern auch in Schweden. Seine ehemalige, untergetauchte Kollegin Dunja Hougard ermittelt verdeckt gegen ihren Chef und wird nach dem Fund von zwei Leichen in einem Auto am Meeresgrund sehr aktiv, denn einer der Toten ist der Chef des Polizeilichen Nachrichtendiensts im Smoking und einem Kopfschuss.
Während Fabian Risk im Alleingang den überraschenden, mysteriösen Tod seines Sohnes im dänischen Gefängnis untersucht, unterstützt er seine frühere junge Kollegin Dunja bei der Suche nach Beweisen bis zur völligen Erschöpfung, denn auch er verdächtigt Kim Sleizner hinter vielen Misshandlungen, Erpressungen und Morden.
Das Cover suggeriert ein eher ländliches Szenario mit einem beleuchteten, landestypischen Haus auf einer Felsklippe am Wasser, obwohl das Geschehen an dem meist städtischen Tatort in Kopenhagen abläuft.
Äußerst spannend und einfühlsam geschrieben.

Bewertung vom 18.10.2021
Harmel, Kristin

Das Buch der verschollenen Namen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die französische, jüdische Fälscherin und die Resistance im 2. Weltkrieg – tragisch, spannend!

In Paris wird ihr jüdischer Vater 1942 von französischen Polizisten ins Gefängnis von Darcy gebracht und kurz darauf schon in das Arbeitslager in Auschwitz verfrachtet, während daraufhin seine Tochter Eva Abrams mit der Mutter mit selbst gefälschten Papieren in das Bergdorf Aurignon flüchten, in eine unbesetzte Zone, wo ein katholischer Geistlicher und der Widerstandskämpfer Remy im Auftrag der Resistance jüdische Kinder mit neuer Identität in die Schweiz bringen. Zusammen mit ihm, ihrer großen Liebe, fälscht Eva originalgetreu in der geheimen Bibliothek der Kirche notwendige Papiere und legt ein Codebuch mit verschlüsselten Aufzeichnungen an, um die wahre Identität der Personen für nach dem Krieg zu bewahren. Nach dem Verrat dieser Untergrundbewegung, was unter anderem den Tod ihrer Mutter bewirkt, flüchtet auch sie in die Schweiz. Nach Kriegsende sucht sie nach alten Kontakten, ihren Vater und nach diesem besonderen Buch der verschollenen Namen, leider erfolglos – bis sie zufällig in der New York Times einen Artikel mit Bild findet.
Dieser historische Roman über Frankreich zur Zeit des Hitlerregimes gibt ein umfassendes Bild über die erfolgreiche Tätigkeit der Resistance, inspiriert von einer wahren, berührenden Geschichte voller Gefahren – aber auch voller Liebe, Hoffnung und Mut.

Bewertung vom 14.10.2021
Rubin, Susanne

Das Grandhotel an der Alster


sehr gut

Das Leben ist hier voller Überraschungen – lesenswert!

Das Hotel Jacoby wechselt seinen Chef im Jahre 2019, der zu aller Überraschung laut Testament der schottische Schriftsteller Ryan Maclane aus Inverness, Schottland ist und nicht die Kinder des vorigen Besitzers. Die Übergabe durch Emily Magnussen an den 32-jährigen Schotten verläuft problemlos. Bei der Renovierung seines Büros stoßen sie auf eine versteckte Raumabtrennung, die das Geheimnis dieser unerwarteten Erbschaft preisgibt: Vor sechzig Jahren hatte Lina Jacoby als ‚Frau Direktor‘ das Hotel erfolgreich durch die Kriegsjahre geführt. Unerwartet taucht eine Hebamme mit einer unglaublichen Geschichte auf, die ihr Leben sehr in Unordnung bringt. Doch zusammen mit dem Einverständnis ihres Sohnes regelt sie notariell Wichtiges für ihre Familie.
Der Schreibstil ist spannend und leicht lesbar, feinfühlig und voller Romantik.
Die zeitlichen Rückblicke in die Geschichte des Grandhotels sind geschickt eingewoben in den Gesamtverlauf, auch den jeweiligen Zeitgeist berücksichtigend, auch mit dem besonderen Flair von Hamburg.
Die Charakteren sind in all ihren Facetten und Eigenheiten rund und klar dargestellt – sehr lebendig.

Bewertung vom 10.10.2021
Lahnstein, Petra

Scheiß auf Intelligenz


gut

Erfolgreich im Berufsleben, doch glücklos in der Liebe – leichte, amüsante Sommerlektüre.

Miriam ist die erfolgreiche Projektmanagerin in einer Automotive-Entwicklungsabteilung zwischen lauter Berufskollegen. Ihr letzter von vielen Freunden betrügt sie mit ihrer Putzfrau. Und so kommt sie schließlich zu dem Schluss: Wenn sich dumme Frauen die besseren Männer angeln können, probiere ich dies ebenfalls! Sie nimmt sich also eine Auszeit bei ihrer Firma und startet als Aushilfe in einer Bäckerei, um sich bei ‚unterbelichteten‘ Frauen Tipps in Sachen Männer zu holen, tauscht Wohnung und Auto mit ihrem weniger erfolgreichen Bruder. Neben der liebenswerten, lebenslustigen, überhaupt nicht dummen Bäckereifachverkäuferin Marie und ihren wertvollen Männer-Kenntnissen arbeitend verändert Miriam ihr Äußeres, wählt als Hobby Biken und meldet sich auch auf einer Dating-Plattform an unter zwei Identitäten, um sich als intelligente bzw. dumme Frau darzustellen.
Sie macht dabei tatsächlich interessante Erfahrungen.

Bewertung vom 09.10.2021
Diamond, Cheryl

Nowhere Girl


ausgezeichnet

Mit der Familie ständig auf der Flucht – ein Alptraum für jeden – lesenswert.
Aufzuwachsen mit 2 Geschwistern zwischen unzählig vielen Ländern, Kontinenten, Religionen mit gehetzten Eltern, die sich Interpol und anderen Strafverfolgungsbehörden entziehen. Ein solches Leben ohne Freunde, mit zurückgelassenen Dingen, mit Unterricht durch die Mutter statt öffentlichen Schulen – dafür mit gefälschten Pässen mit ständig neuer Identität – so viele Geheimnisse allein zu bewältigen ist keine Kleinigkeit. In New York modelt Cheryl mit 16 Jahren und beginnt zu schreiben, erkrankt an Morbus Crohn und kontaktiert mit der Mutter den Großvater in Luxemburg als letzten Ausweg. Durch ihn als ehemaligen Geheimagenten wurde die Strafverfolgung durch Interpol betrieben. Dort dauern behördliche Anträge auf Anerkennung ihrer Staatsangehörigkeit über viele Jahre. Nach Aufenthalt in einer Berliner Spezialklinik verbessert sich ihr Gesundheitszustand und sie fühlt sich besonders in Italien sehr wohl.
Für ihren äußerst ungewöhnlichen Lebenslauf benötigt die Autorin 10 Jahre, in dem sie ihre Kindheit und ihr Leben bis zum 30. Lebensjahr reflektiert, ohne Lügen oder Halbwahrheiten, nachfühlbar beschrieben..
Das Leben kann ein immerwährender Kampf sein.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.10.2021
Geda, Fabio;Akbari, Enaiatollah

Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr


sehr gut

Eine einfühlsam geschriebene, interessante Erfolgsgeschichte eines Afghanen in Italien.

Dieses Buch gibt Einblicke in das junge Leben des Afghanen Enaiatollah Akbari nach seiner Ankunft in Turin, Italien. Nach einer jahrelangen Flucht aus Afghanistan, ohne Eltern und Schulbildung etc., beginnt er in Italien mit 15 Jahren sein Leben zu gestalten mit einem Schulabschluss, sogar mit einem Studium in Politikwissenschaften. Trotz gelungener Eingliederung in die für ihn fremde westliche Kultur vermisst er besonders seine Mutter und seine zwei Geschwister, die er nach vielen Jahren in Pakistan besucht und dort auch seine große Liebe findet.
Zusammen mit dem Schriftsteller Fabio Geda ist ein Buch entstanden, das einfühlsam Konflikte aufzeigt von Zugehörigkeit, Heimaterinnerungen, Familie, Sprache und auch der Identität in einem doch immer noch fremden Land. So einfach wechselt sich nicht die Nationalität, man wird nicht - selbst nach mehrjährigem erfolgreichem Aufenthalt dort - so einfach zum Italiener wie in diesem Fall. Heimweh und Sorge um die Zurückgebliebenen in Kriegsgebieten plagt so manch einen Emigranten.

Bewertung vom 05.10.2021
Schlink, Bernhard

Die Enkelin


ausgezeichnet

Ost- und Westdeutschland, dazwischen ein bedrücktes, junges Leben in zwei extremen, fremden Welten – sehr lesenswert.
Die junge Frau Birgit flieht von Ostberlin zu Kaspar in den Westsektor. Jedoch lässt sie ein Neugeborenes zurück, von dem Kaspar nichts weiß, ebenso wenig von anderen Geheimnissen. Diese entdeckt Kaspar erst nach ihrem Tod aus einem angefangenen Buch auf ihrem Computer. Er spürt im Osten Birgits Tochter in einer völkischen Gemeinschaft auf, verheiratet und mit einer Tochter. Diese Enkelin sieht in ihm den liebenswerten, geduldigen Großvater, bei dem sie mehrere im Jahr verteilte Ferienwochen besonders mit Klavierspielen verbringt – nur bis zu ihrem 16. Geburtstag. Nach ihrem 18. Geburtstag hilft Kaspar ihr aus einer heiklen strafrechtlichen Situation heraus. Daraufhin verschwindet sie kurz darauf wieder und taucht in Brisbane, Australien laut seinem Scheckkartenauszug wieder auf.
Die Parolen aus Hitlers Zeiten und dessen Weltanschauungen, deren Hass und die Verachtung allem Nicht-Deutschen gegenüber steht hier in krassem Gegensatz zu liberalen, offenen Weltanschauungen, vertreten durch Kaspar. Und dazwischen laviert die Enkelin, die aus der Welt der Eltern ausbrechen will – sehr tiefgehend geschildert, ebenso die taktvollen, geduldigen und vorsichtigen Vorgehensweisen des Großvaters, der sehr um sie ringt.