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smartie11
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Insgesamt 935 Bewertungen
Bewertung vom 26.04.2016
Tomasson, Ben Kryst

Sylter Affären / Kari Blom Bd.1


sehr gut

Lieben und Morden auf Sylt – spannend und überraschend


Zum Inhalt
Sylt – der deutsche Hotspot der Schönen und Reichen. Mit der neuen Szene-Location „Club Royale“ hat sich der Bauunternehmer Siegmund Jahnke nun sein eigenes Denkmal gesetzt, mitten im Dünenschutzgebiet. Unter dem Decknamen „Kari Blom“ soll Undercover-Ermittlerin Karolina Dahl vom Kieler LKA dem Baulöwen und seinen Geschäftspartnern auf den Zahn fühlen, um den Verdacht auf illegale Machenschaften aufzudecken. Doch leider wird Jahnke schon nach ihrem ersten Treffen bei der Eröffnung des „Club Royale“ ermordet, und alle Indizien deuten auf Kari Blom…

Meine Meinung:

„Sylter Affären“ ist der erste Krimi des deutschen Autors Ben Kryst Tomasson. Als Schauplatz hat sich Tomasson die beliebte Urlaubs- und Promi-Insel Sylt ausgesucht. Wie es sich für einen guten Regionalkrimi gehört, schafft es der Autor für meinen Geschmack, sehr viel „Sylt-Athmosphäre“ zu transportieren. Wer schon mal auf Sylt gewesen ist, wird sicherlich die eine oder andere Ortschaft oder Lokalität wiedererkennen, und sei es „nur“ der inzwischen bundesweit bekannte „Gosch“. Genau das zeichnet einen guten Regionalkrimi für mich aus. Lediglich die Beschreibung von Natur und Landschaft hätte für mich persönlich an manchen Stellen ruhig noch etwas ausführlicher sein dürfen.

Die Handlung, die Tomasson entworfen hat, würde ich als grundsolide Krimi-Story bezeichnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Nach dem Mord am Bauunternehmer Jahnke, der schon relativ früh im Buch geschieht, wird ganz klassisch eine Handvoll Verdächtiger eingeführt, wobei es für mich stets einfach war, den Überblick über die einzelnen Personen zu behalten. Im Folgenden geht es um die Charakterstudien der Verdächtigen, das Aufdecken des Beziehungsgeflechts, den Aufbau von möglichen Alibis und natürlich das Aufdecken der kriminellen Machenschaften (hier hatte der Autor eine wirklich „schöne“ Idee).

Der besondere Reiz an dieser Story war für mich der Undercover-Einsatz der Protagonistin, der dafür gesorgt hat, dass Kari Blom über weite Strecken ganz auf sich allein gestellt ist und dabei selbst stets im Ermittlungsfokus der lokalen Polizeibeamten steht. Hilfe erhält sie lediglich von den vier älteren, sehr unterschiedlichen aber noch immer sehr patenten Damen vom Sylter Häkel-Club, die allesamt zu den „Insel-Urgesteinen“ gehören und dort entsprechend extrem gut vernetzt sind. Diese eher ungewöhnliche Zusammenarbeit hat mir sehr gut gefallen.

Zwischendurch hatte ich über längere Strecken arge Befürchtungen, dass der Autor am Ende des Buches eine allzu profane und vorhersehbare Auflösung präsentieren wird. Aber weit gefehlt: Im spannenden, temporeichen und punktuell humorvollen Finale hat mich Ben Kryst Tomasson doch wirklich überrascht. Die Hintergründe, die er am Schluss offenlegt, waren dennoch schlüssig und nachvollziehbar, so dass sich für mich ein absolut rundes Bild ergab.

Die Charaktere der „Sylter Affären“ sind sehr unterschiedlich, gut gezeichnet und stellenweise natürlich auch ein wenig klischeebehaftet, was mich persönlich aber in keiner Weise gestört hat. Die Vorstellung eines halbseidenen Sylter Bauunternehmers dürfte bei den meisten Menschen ja wohl ungefähr in die gleiche Richtung gehen. An Tomassons Protagonistin Kari Blom haben mir insbesondere ihre forsche Art und der Mut zu Alleingängen gefallen, wobei sie durchaus auch mal die offiziellen Ermittlungspfade verlassen hat. Eine sympathische Ermittlerin, von der ich gerne noch mehr lesen würde (gerne auch wieder in Zusammenarbeit mit der „Sylter Häkel-Mafia)!

FAZIT:
Ein grundsolider, eher unblutiger Krimi mit einer überraschenden Auflösung und viel Sylt-Charme.

Bewertung vom 25.04.2016
Meister, Derek; Meister, Marion

Fantastische Entdeckungen / Sternenschiff Argon Bd.1


ausgezeichnet

Ein spannendes und wunderbar fantasievolles Weltraumabenteuer

Meine Meinung:

Das Autorenpaar Derek und Marion Meister kann zusammen schon auf eine Reihe erfolgreicher Veröffentlichungen in verschiedenen Genres zurückblicken, u.a. die „Drachenhof Feuerfels“-Reihe oder auch die „Patrizier Runghold“-Reihe. Mit „Sternenschiff Argon“ haben die beiden nun ihr erstes „Weltraumabenteuer“ für kleine und große Leser ab ca. 8 Jahren veröffentlicht.

Der Start in die Geschichte ist gleich spannend, als Alex (11) und seine Schwester Lizzy (10) zum abgeschiedenen Haus ihres Großvaters Odysseus Viante kommen und der ehemalige Astronaut spurlos verschwunden ist. Das hat bei meinem Sohn gleich für die nötige Neugier und Motivation zum Weiterlesen gesorgt. Auch im weiteren Verlauf bleibt die Geschichte sehr tempo- und abwechslungsreich und führt so von einer „Spannungsspitze“ zur nächsten. In dieser unglaublich fantasievollen Geschichte gibt es andauernd etwas Neues zu entdecken und zu bestaunen: Neue Techniken (z.B. „Eipost“), neue Wesen und sogar neue Welten! Dies führte dazu, dass wir die rd. 150 Seiten schnell „verschlungen“ hatten und am Ende einer fesselnden Geschichte angekommen waren, das zum Glück gleich eine Fortsetzung versprochen hat (der zweite Band „Der Wolken-Planet“ ist bereits angekündigt – Stand 04/2016), gerade da zum Ende doch noch ein paar Fragen offen geblieben sind.

Die Charaktere, die sich die beiden Autoren für ihre neue Abenteuerreihe ausgedacht haben, mochten wir vom Start weg. Mit Alex und Lizzy gibt es sowohl für Jungs als auch für Mädels eine passende Identifikationsfigur. Und für die Aliens unter uns gibt es dann auch noch den Außerirdischen Bogus „Bo“ Benadius (aus der Canis-Major-Zwerggalaxie), sicherlich einer der knuffigsten Aliens seit „Alf“ und „E.T.“. Von ihm hätten wir in dieser Geschichte gerne noch ein Bisschen mehr gelesen!

Der Schreibstil ist unterhaltsam und sehr flüssig zu lesen. Die Beschreibungen sind oftmals wunderbar bildhaft und manchmal schon fast poetisch („Das Holzhaus wirkte, als sei es aus der Zeit gefallen und hier am See vergessen worden.“). Aber auch der Humor hat uns wirklich gut gefallen (z.B.: „Entwicklungsstufe drei: Keine Mikrowellen, kein Schokoladeneis, aber dafür jede Menge Mücken“ – Der „Camping-Planet“). Neben Spaß, Spannung und jeder Menge guter Unterhaltung bietet „Sternenschiff Argon“ aber durchaus auch Tiefgang. Anhand der kleinen Drei-Personen-Crew aus Alex, Lizzy und Bo wird schnell klar, dass jeder seine ganz besonderen Stärken und Talente hat und dass es extrem wichtig ist, zusammenzuhalten und die Herausforderungen im Team anzugehen. Durch dieses Abenteuer wird jüngeren Lesern z.B. aber auch (ganz unaufdringlich!) vermittelt, Manches nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen, oder auch sich für Andere in Not einzusetzen. Das habe ich als sehr gelungen empfunden.

Last but not least möchte ich gerne noch die vielen schönen und sehr passenden Schwarz-Weiß-Illustrationen von Artur Bodenstein erwähnen, die die Geschichte von Alex und Lizzy für meinen Geschmack stets perfekt und ausdrucksstark umgesetzt haben.

FAZIT:
Ein tolles Weltraumabenteuer für Klein und Groß: Unglaublich fantasievoll, spannend, unterhaltsam und doch mit Tiefgang. Wir freuen uns auf Band 2!

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Bewertung vom 14.04.2016
Peters, Katharina

Leuchtturmmord / Romy Beccare Bd.5


sehr gut

Zum Inhalt:
Am Leuchtturm Maltzien wird die Leiche einer jungen Frau aufgefunden. Während sich Romy Beccare dieses Falls mit ihrem Team annimmt, ermittelt ihr Freund Jan Riechter in einem Mordfall in Stralsund. Wie es scheint, zwei ganz verschiedene Taten, dennoch wird die Abstimmung zwischen Romy & Jan hierbei immer enger…


Meine Meinung:

Es ist mittlerweile der fünfte Band von Katharina Peters´ „Romy Beccare-Reihe“. Obgleich ich die Vorgänger-Bände noch nicht kenne, bin ich problemlos in die Geschichte hineingekommen. Anfangs musste ich zwar die Mitglieder der beiden Ermittlungsteams um Romy Beccare und ihren Freund Jan Riechter noch „auseinandersortieren“, aber auch das war schon nach kurzer Zeit kein Problem mehr. Sehr gut gefallen hat es mir, dass Katharina Peters ihre Verdächtigen erst nach und nach in die Story einbaut und den Leser nicht gleich zu Beginn mit einer unübersichtlichen Zahl von Charakteren überfordert (Wie es ja manchmal bei klassischen englischen Krimis der Fall ist). Auch dass es in diesem Krimi gleich um zwei Fälle geht, die von Anfang an ihren Berührungspunkt über das Ermittlerpaar haben, finde ich sehr gelungen. Hierdurch bleibt die Story über ihre komplette Länge hinweg sehr abwechslungs- und temporeich und es gab für mich während des Lesens genügend Gelegenheiten, mitzurätseln, eigene Theorien zu entwickeln und diese oftmals auch wieder über Bord zu werfen. Genau so muss ein guter Krimi in meinen Augen sein! Am Ende präsentiert Katharina Peters eine Auflösung, die mich in Teilen wirklich überrascht hat. Dennoch war die Lösung der Fälle im Nachhinein plausibel und nachvollziehbar und man hätte beim Lesen tatsächlich schon auf die passenden Ideen kommen können, wenn man denn manchen – wie zufällig eingestreuten – Informationen beim Lesen mehr Beachtung geschenkt hätte. Sehr gut gemacht, Frau Peters!

Ein weiterer Pluspunkt dieses Krimis sind für mich die vielfältigen und teilweise sehr schön herausgearbeiteten Charaktere, sowohl auf Seiten der Ermittler (z.B. Olivia) als auch auf Seiten der Verdächtigen. Nicht nur bei der Story an sich, auch bei der Entwicklung, die einzelne Charaktere im Verlauf des Buches genommen haben, hat es für mich die eine oder andere Überraschung gegeben, was mir sehr gut gefallen hat.

Der Schreibstil der Autorin ist nordisch frisch und sehr angenehm und flüssig zu lesen. Lediglich die Beschreibungen der Landschaften und Orte hätte für meinen Geschmack noch etwas besser ausgebaut werden können, um mehr typisches „Rügen- oder Ostsee“-Feeling zu transportieren. Abgesehen von einigen regionalen Ortsnamen sind mir im Nachhinein tatsächlich nur der Leuchtturm Maltzien und die ganz kurze Erwähnung der Gorch Fock (liegt im Stralsunder Hafen) im Gedächtnis geblieben, die die Story lokal „verankert“ haben. So hätte dieser Krimi eigentlich fast an jedem beliebigen Küstenstrich Deutschlands spielen können.

Für Freunde von Eva Almstädts „Pia Korittki“-Reihe („Ostsee…“) und Klaus-Peter Wolfs „Ann Kathrin Klaasen“-Reihe („Ostfriesen…“) genau die richtige Lektüre!

FAZIT:
Ein Krimi, der alles hat, was ein guter Krimi braucht: Spannung, Tempo und eine überraschende Auflösung. Es hätte nur noch ein Bisschen mehr „Rügen“ sein dürfen.

Bewertung vom 06.04.2016
Stronk, Cally

Die Geburtstagsparty / Die Mafflies Bd.2


sehr gut

„Die Mafflies: Die Geburtstagsparty“ ist bereits der zweite Mafflies-Band von Cally Stronk (bekannt durch die „Giraffen-Affen“), den man aber problemlos ohne die Vorkenntnis des ersten Bandes lesen kann (so wie wir). Es ist ein einfacher und unterhaltsamer Start in die 124 Seiten lange Geschichte. Man merkt sofort, dass es der kleine Mafflie Radieschen (Mafflies nennen sich immer nach ihrer Lieblingsspeise!) faustdick hinter den Ohren hat und es gibt gleich einen großen, nassen Spaß, als Max und Radieschen in der Badewanne mit vollem Einsatz Piraten spielen.

Doch das Unheil nimmt schnell seinen Lauf, als Max erfährt, dass seine zickige Stiefschwester Lara am gleichen Tag wie er Geburtstag hat wie er und die beiden auch noch eine gemeinsame Geburtstagsparty feiern sollen. Dass Radieschen Lara nun ausgerechnet noch einen sandigen Streich spielt, macht die ganze Lage natürlich nicht besser, so dass diese sich immer weiter zuspitzt (und an einer Stelle sogar ein bisschen gefährlich wird). Max hat uns schnell echt Leid getan, da er umziehen musste und außer dem kleinen Mafflie noch keinen Freund in seiner neuer Heimat hat. Lara hingegen mochten wir weniger. So haben wir eigentlich die ganze Zeit über bis zum Ende Partei für Max ergriffen.

Aber wie es sich für ein gutes Kinderbuch gehört, wendet sich die Geschichte doch noch zum Guten. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten. Es war eine lustige und sehr unterhaltsame Geschichte, die uns gut gefallen hat. Einen großen Anteil daran hatten natürlich die beiden knuffigen Mafflies Radieschen und Papaya, die sich auch gerne mal zoffen und zusammen durchaus eine Riesentorte in Nullkommanichts verputzen können. Ein bisschen haben uns die kleinen Mafflies an Pumuckel erinnert (der ja auch stets eine „gute“ Idee parat hat).

Aufgelockert wird die Geschichte durch viele schöne Schwarz-Weiß-Illustrationen von Nina Hammerle, die stets sehr gut zum Text passen und die jeweilige Stelle schön umsetzen. Durch die vergrößerte Schrift und den höheren Zeilenabstand sollte das Buch für geübte Selbstleser kein Problem sein.


FAZIT:
Ein schönes, unterhaltsames und humorvolles Kinderbuch über Freundschaft und Familie, die man sich ja bekanntlich nicht aussuchen kann. Wir hatten unseren Spaß!

Bewertung vom 21.03.2016
Tromly, Stephanie

Tot ermittelt es sich schlecht / Digby Bd.1


ausgezeichnet

Cool, schräg, komisch und spannend – eine Leseempfehlung

Zum Inhalt:
Nach der Scheidung ihrer Eltern zieht Zoe mit ihrer Mutter von der quirligen Großstadt in das beschauliche River Heights. Doch dort soziale Kontakte zu schließen, scheint schlichtweg unmöglich. Bis es eines Tages an ihrer Haustür klingelt und ihr Mitschüler Digby davor steht, der gerne Abzüge ihrer Selfies hätte. Von da an stolpert Zoe total unvorbereitet und zumeist auch unfreiwillig von einer bizarren Situation in die nächste, wobei es durchaus äußerst brenzlig wird…

Meine Meinung:

„Digby“ (OT: „Trouble is a friend of mine“) ist der Debütroman der in Manila geboren Schriftstellerin Stephanie Tromly, die zuvor als Drehbuchautorin in Los Angeles tätig war. Das Buch wurde von Publishers Weekly (USA) zu einem der „Best Books 2015“ gekürt.

Die Geschichte ist aus der Sicht der 15jährigen Zoe geschrieben, die nach dem Umzug große Probleme hat, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen und am liebsten gleich auf eine Privatschule wechseln würde. Ich mochte Zoe von Anfang an sehr gerne, da sie sehr authentisch und sympathisch rüber kommt. Der zweite Protagonist ist der Namensgeber Digby, und Digby ist… echt speziell. Er ist absolut cool & lässig, immer wieder überraschend und kommt auf die aberwitzigsten Ideen. Dabei vertraut er oft auf sein Glück und seine Spontanität, die ihn tatsächlich auch selten im Stich lassen. Doch wenn, dann kann es durchaus auch mal sehr schnell sehr gefährlich werden. Ein bisschen hat Digby mich von seiner Art an „Ferris Bueller“ („Ferris macht blau“; 1986) erinnert, nur einen Tick moderner.

Aber auch die Nebencharaktere sind Stephanie Tromly sehr gut gelungen, wie beispielsweise die mysteriöse Zilla und ihr „Gefolge“ von Gegenüber, der Mädchenschwarm und Quarterback der Schulmannschaft Henry oder auch Zoes viel zu junger, aber sehr gewitzter und mutiger Verehrer Felix.

In die Geschichte selbst bin ich schnell und ohne Probleme hineingekommen. Stephanie Tromlys Schreibstil ist locker und sehr erfrischend zu lesen. Er passt sehr gut sowohl zur Story als auch zum Setting. Auch die Spannung stellt sich dank Digbys erstem wahnwitzigen Vorhaben schnell ein und reißt über die gesamten 320 Seiten (aufgeteilt in 30 „handliche“ Kapitel) nicht wieder ab. Zwar gibt es durchaus einige Passagen, in denen der Spannungslevel ein wenig absinkt, aber das sind in der Regel nur wohldosierte Pausen bis zur nächsten spannenden Passage, die Stephanie Tromly problemlos durch viel Witz und absolut schräge Situationen auflockert. Da liefert sich Zoe z.B. schon mal einem Spontan-Kampf mit einem Bären-Maskottchen im Einkaufscenter oder fungiert der junge Felix als V-Mann bei einer zweifelhaften Drogen-Aktion. Letztendlich gelingt es der Autorin problemlos, die Fäden ihrer Geschichte zum Ende hin alle zusammenzubringen und in einem furiosen und explosiven Finale münden zu lassen. Die wesentlichen Fragen werden weitestgehend beantwortet. Eine zentrale Frage bleibt allerdings (ich denke mal bewusst) offen, was ich als Versprechen auf eine Fortsetzung werte. So fehlte mir am Ende „nur“ eine nachvollziehbare Erklärung, die ich hier aber nicht genauer thematisieren kann, ohne deutlich zu spoilern. Dennoch war es für mich insgesamt ein stimmiges und rundes Ende.

Mich hat dieses Buch vom Anfang bis zum Ende sehr gut unterhalten, stellenweise regelrecht gefesselt und mehr als einmal überrascht. Digby und Zoe sind ein wirklich herrlich skurriles Paar, fast ein kleines Bisschen wie Miss Marple und Mr Stringer oder auch Sherlock Holmes und Dr. Watson. Ich würde mich sehr freuen, mehr von den beiden zu lesen.

FAZIT:
Digby & Zoe – schräg, frisch, witzig und unkonventionell. Bitte mehr von diesem neuen tollen Ermittlerpaar!

Bewertung vom 21.03.2016
Läckberg, Camilla

Die Schneelöwin / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.9


sehr gut

Das Haus des Schreckens – ein spannender Krimi mit überzeugender Auflösung

Zum Inhalt:
Wie ein Gespenst taucht ein entführtes Mädchen verstümmelt aus einem verschneiten Wald auf, taumelt auf die Straße – und wird überfahren. Unter Hochdruck arbeitet Kommissar Patrik Hedström mit seinem Team an der Auflösung dieses Falls, auch weil noch weitere Mädchen vermisst werden. Währenddessen führt Patriks Frau Erica Falck Gespräche mit Laila Kowalska, die für den viele Jahre zurück liegenden Mord an ihrem Ehemann Vladek im Gefängnis sitzt, um für ein Buch über häusliche Gewalt zu recherchieren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Meine Meinung:

„Die Schneelöwin“ ist der mittlerweile neunte Teil der um das Ermittlerpaar Erica Falck und Patrik Hedström der schwedischen Bestseller-Autorin Camilla Läckberg und gleichzeitig „mein erster Camilla Läckberg“. Der Einstieg in die Geschichte gelang mir auch ohne Vorkenntnisse der vorangegangenen Geschehnisse recht problemlos. Nur die vielen Charaktere, die „Skandinavien typisch“ meistens nur mit ihren Vornamen benannt werden, haben mir auf den ersten rd. 100 Seiten durchaus meine Schwierigkeiten bereitet. Stellenweise musste ich immer wieder Überlegungen anstellen á la „Wer war denn nochmal Anna?“. Eingefleischte Camilla Läckberg-Fans dürften hier aber keinerlei Probleme bekommen.

Die Story an sich beginnt mit einem kurzen Auftakt, der an Dramatik kaum noch zu überbieten ist. Im Folgenden nimmt die Autorin erstmal ein wenig Tempo raus und entwickelt ihre beiden Handlungsstränge, zum einen die – zunächst etwas hilflos erscheinende – Ermittlungsarbeit von Patrik und seinem Team und zum andern die Recherchearbeit von Erica, die geschickt mit immer wieder eingestreuten Blicken in die Vergangenheit von Laila garniert ist. Breiten Raum nehmen hierbei – insbesondere in der ca. ersten Hälfte - die Beziehungs-und Charakterstudien ein, bei denen Camilla Läckberg ihren Lesern tiefe Einblicke in gleich mehrere Familienleben gewährt. Hier hätten es für meinen Geschmack ein Bisschen mehr Spannung und ein paar „Ereignisse“ mehr sein dürfen!

Die Spannung nimmt dann im letzten Drittel wieder deutlich zu und steigert sich auf den rd. letzten 100 Seiten immer weiter. Es ist unglaublich, wie viele kleine „Cliffhganger“ Camilla Läckberg auf diesen rd. letzten 100 Seiten eingebaut hat. An vielen Stellen heißt es dann in etwa „…und dann fiel ihr endlich der Zusammenhang auf“… und prompt wechselt die Erzählung zu einem der anderen Charaktere. Hier hat mich die Autorin oftmals richtig neugierig gemacht, so dass ich das Buch zuletzt regelrecht verschlungen habe und nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Auflösung, die Camilla Läckberg am Ende ihres Krimis präsentiert, ist insgesamt rund und nachvollziehbar. Alles, aber auch wirklich alles fügt sich im Nachhinein zu einem passenden Bild zusammen. Das meiste davon war für mich durchaus überraschend, und bei einer zentralen Auflösung hat mich die Autorin wirklich sehr, sehr lange an der Nasenspitze herumgeführt und ganz zum Schluss ein besonderes Detail mit einem großen Tusch enthüllt. Sehr gut gemacht! Einziger Wermutstropfen ist für mich, dass sich Camilla Läckberg hier für meinen Geschmack an einer neuralgischen Stelle der Auflösung sehr stark der Hilfe des Zufalls bedient hat („wer trifft wann auf wen“), um ihre Fäden zusammenzuknüpfen. Mehr kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen, ohne zu viel zu spoilern.

Alles in allem hat mich „Die Schneelöwin“ wirklich gut unterhalten und zum Schluss regelrecht gefesselt. Für Läckberg-Fans sicherlich ein „Muss“ aber auch für alle quereinsteigenden Läckberg-Neulinge auch „stand alone“ ein guter Krimi. Ich werde auf jeden Fall auch noch die früheren Fälle von Erica und Patrik lesen.


FAZIT:
Ein überzeugender Krimi, der mich insbesondere im letzten Viertel gefesselt und auch schockiert hat. Für (Skandinavien-)Krimifans eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 21.03.2016
Pratt, Tim; Deemer, Andy

Stormglass


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Nachdem alle seine Freunde sich in die Ferien verabschiedet haben, langweilt sich der 14jährige Jake zu Tode. Zumindest so lange, bis ihn die beiden Teenager-Agenten Lizzie und Filby vollkommen unvorbereitet als Agent für die mysteriöse Organisation Stormglass rekrutieren wollen. Ehe Jake sich richtig versieht ist er weit weg von zu Hause und wird gejagt…

Meine Meinung:

„Stromglass – Angriff der Killerbienen“ ist der rd. 280 Seiten starke, in 41 Kapitel unterteile Auftakt für eine neue Jugendbuchserie der beiden Autoren Tim Pratt & Andy Deemer. So gefährlich, wie die auf dem Cover erhoben abgebildete Killerbiene aussieht, so gefährlich wird auch die Story für ihren Protagonisten Jake…

(Fast) genauso ahnungslos wie Jake, stolpert auch der Leser in ein Abenteuer, von dem er anfangs überhaupt nicht weiß, was noch so alles auf ihn zukommt. Während Jake noch gar nicht richtig rekrutiert – geschweige denn ausgebildet – ist, gibt es für ihn schon kaum noch einen Weg zurück. Dafür nimmt die Story wirklich schnell an Fahrt auf und steuert schon bald auf die erste richtig brenzlige Situation zu. Von da an kennen Spannung und Tempo nur noch eine Richtung: aufwärts! Ich finde, man merkt dem Buch richtig an, wieviel Spaß die beiden Autoren dabei hatten, das Tempo immer weiter anzuziehen und ihre Helden von einer Action-Szene zur nächsten zu jagen. Dabei führt diese rasante Verfolgungs-Achterbahn die drei Jung-Agenten rund um den Globus: Ausgehend von Jakes behütetem Heim in den USA findet er sich in kürzester Zeit auf einem beschaulichen Landsitz in Großbritannien, im Hochland Argentiniens, in der transsibirischen Eisenbahn oder auch im Dschungel Tansanias wieder. Mehr Tempo geht nicht, oder?

Dabei haben die Autoren ein tolles Agententrio entworfen, das sich mit seinen Eigenschaften perfekt ergänzt und für die ein oder andere Überraschung gut ist: Jake, der bodenständige Frisch-Agent mit der guten Beobachtungsgabe, der etwas pummelige Filby, der nie um eine Lösung verlegen ist und die quirlige und draufgängerische Lizzy, die mutig jeder noch so großen Gefahr unerschrocken ins Auge sieht. Hier ist für jeden Leser die passende Identifikationsfigur zum Mitfiebern dabei! Die Erwachsenen haben in diesem Buch mehr oder minder den Charakter von Nebencharakteren, was mich an einem Jugendbuch aber alles andere als stört. Dennoch sind auch diese Charaktere sehr individuell gezeichnet, allen voran Colonel Cyrus Rex (vom Schlage Nick Furys) und dessen Widersacher Dr. Host (ja sorry, der heißt wirklich so – ein nicht wirklich furchteinflößender Name).

Neben Spannung, Action und Tempo hat dieses Buch alles, was zu einem guten Agententhriller dazugehört: Vom Fallschirmsprung über selbstlenkende Fahrzeuge, Blendgranaten, zu dechiffrierende Geheimbotschaften bis hin zu diversen Spionage-Gadgets, bei denen selbst Bonds guten alten Q vor Neid erblassen lassen dürfte. Darüber hinaus gibt es auch noch ein anderes, klassisches & sehr bestimmendes „Spionage-Detail“, über das ich hier aber nichts verraten möchte.

Wer „Die Spione von Meyers Holt“ oder auch „Sturmbändiger“ mochte, wird „Stromglass“ lieben!


FAZIT:
Nervenzerreißende Action und ein atemberaubendes Tempo – ein toller Agententhriller für junge und junggebliebene Leser ab ca. 12 Jahre.