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Kuehn, S.

Bewertungen

Insgesamt 925 Bewertungen
Bewertung vom 28.06.2021
Zechner, Marion

Bewölkt aber trocken


ausgezeichnet

Suchtgefahr
"Bewölkt aber trocken" von Marion Zechner ist ein Roman zu einem Thema, dass sehr oft noch als Tabuthema behandelt wird und es doch so wichtig ist, darüber zu reden. Es geht hier um Alkohol und die Folgen seines Mißbrauchs.
Im Mittelpunkt hier steht Lucy, Lehrerin, glücklich verheiratet mit Lars und Mutter zweier Kinder. Ich könnte hier noch Alkoholikerin mit anführen, aber das ist ihr zum Beginn selber noch nicht so ganz bewußt. Dafür mußte erst ein Unfall geschehen, sie hatte Alkohol getrunken und ihren kleinen Sohn mit im Auto. Nach diesem Ereignis ändert sich ihr Leben, ihr Mann zwingt sie zu einer Entscheidung.
Der Schreibstil hier ist etwas ganz Besonderes, teilweise wirr und unsortiert, so wie Lucys Gedanken und Gefühle. Dadurch kann man ihre Reaktionen hautnah nachvollziehen. Das Gesagte bleibt dabei aber jederzeit verständlich. Es wird Lucys Gegenwart erzählt und abwechselnd in die Vergangenheit geblickt, diese Mischung liest sich sehr gut, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, es fesselte mich von Anfang an.
Nachdem man erfährt, wie Lucy in diese Lage geraten ist, begleitet man sie in den Alltag in der Entwöhnungsklinik mit allen Höhen und Tiefen. Für Lucy kein einfacher Weg, schön dass hier viel mit Humor beschrieben wird.
Für mich kam der Schluß des Buches schon fast zu schnell, hätte Lucy gerne noch weiter außerhalb ihrer geschützten Umgebung begleitet. Im Buch gab es heitere Szenen und auch Augenblicke, die schwer zu ertragen waren, man hatte aber immer das Gefühl eine ehrliche und aufrichtige Sicht zu erfahren.
Ein absolut gelungenes Buch über ein so wichtiges Thema mit einer Protagonistin, die im Gedächtnis bleiben wird.

Bewertung vom 28.06.2021
Gnettner, Reinhard

Nur der Tod ist unsterblich


ausgezeichnet

Schreiben im Kaffeehaus
"Nur der Tod ist unsterblich" von Reinhard Gnettner ist ein mörderischer Literaturkrimi, der es wirklich in sich hat. Das Lesen hat mir hier von der ersten bis zur letzten Seite sehr viel Vergnügen gebracht, obwohl es auch um Mord geht.
Die Autoren Friedrich Torberg, Stefan Zweig, Erich Fried, Leo Perutz und Heimito von Doderer treffen sich in der Gegenwart in einem Kaffeehaus in Wien und trauern den alten Zeiten nach. Nicht mal mehr die Kaffeehauskultur ist mehr das, was sie mal war, also wollen sie ihr ganz eigenes Kaffeehaus eröffnen. Sie suchen eine geeignete Wohnung und schon gibt es eine Altherren-WG mit professioneller Betreuung durch eine private Pflegekraft. Diese Ella ist auch eine sehr außergewöhnliche Frau, der die Arbeit und das Leben mit diesen streitsüchtigen älteren Herren sehr gut gefällt.
Damit die schon geschriebenen Klassiker nicht in Vergessenheit geraten und vielleicht auch die Verkaufszahlen wieder steigen, wird beschlossen noch ein großes gemeinsames Werk zu verfassen. Anbetracht des Alters der Autoren gibt es für sie nur ein ernstzunehmendes Thema: den Tod.
Zu diesem Zeitpunkt wird einer der Autoren tot aufgefunden und die Suche nach dem Täter beginnt.
Selten hat mir ein Buch so viel Freude bereitet, dessen Thema auch der Tod ist, es ist mit viel Humor und Feingefühl verfasst. Ja, man bekommt sogar Lust einige der im Buch angesprochenen Klassiker zu lesen und mehr über die einzelnen Autoren zu erfahren.
Dieses Buch kann ich jedem Literaturliebhaber nur empfehlen, die Lektüre lohnt sich und wirkt noch länger im Kopf nach.

Bewertung vom 28.06.2021
Cibura, Manfred

Lautlos nach unten


ausgezeichnet

Der Weg des Geldes
"Lautlos nach unten" von Manfred Cibura, ist ein Buch, dass mich von der ersten Seite an begeistert hat. Der Autor versteht es, sehr rasch die Spannung aufzubauen und dann auch bis zum Schluß zu halten.
Manager, Bankeninhaber, Geschäftsmänner, von ihren Konten verschwindet das Geld, einfach so, von jetzt auf gleich und das nicht nur von ihren bekannten Konten, sondern auch von Schweizer Geheimkonten und Immobilienanlagen und anderen Finanzformen. Der Weg des Geldes mündet in so vielen, kleinen Einzelaktionen, dass sie sich kaum nachverfolgen, geschweige denn rückgängig machen lassen. Diese ganzen Transaktionen zur gleichen Zeit, es scheint menschenunmöglich, das so durchzuführen.
Zeitgleich tauchen auf sehr vielen Konten Geldbeträge auf, Konten von Arbeitslosen, chronisch Kranken, armen Rentnern, Alleinerziehenden ohne Job und vielen weiteren Bedürftigen. Teilweise lernen wir diese Personen und ihre Lebensumstände im Buch näher kennen.
Die Suche nach den Tätern wird immer dringender und an oberste Stelle gesetzt, da ja auch alle Größen aus Politik und Wirtschaft selbst betroffen sind. Ein wahnsinnig spannender Wettlauf gegen die Zeit kommt in gang. Wer wohl hinter allem steckt?
Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung, rasant und spannend, topaktuell und nicht mal undenkbar.

Bewertung vom 26.06.2021
MacDonald, Andrew David

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz


ausgezeichnet

Eine Kämpferin der Wikinger
"Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz" von Andrew David MacDonald ist ein Debütroman, mit dessen Wucht ich so überhaupt nicht gerechnet hätte. Es ist sehr spannend geschrieben, emotional und mitreißend. Es ist ein Buch, dass noch lange in mir nachwirken wird.
Erzählt wird hier die Geschichte der Geschwister Zelda und Gert aus der Sicht von Zelda. Zelda liebt Wikinger, ihre Sippe, feste Strukturen in ihrem Leben und Zelda wurde mit dem fetalen Alkoholsyndrom geboren, da ihre Mutter während der Schwangerschaft Alkohol trank. Aber Zelda ist so ein besonderer Mensch, dass es viel Spaß macht das Leben durch ihre Augen zu sehen. Sie ist mutig, treu und viel stärker, als ihr alle zutrauen.
Gert liebt seine kleine Schwester sehr, wohnt mit ihr zusammen und kümmert sich um sie. Gert hat aber seine eigenen Probleme, die ihn schnell in die falschen Kreise ziehen, er verstrickt sich in kriminelle Machenschaften und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf sein Familienleben.
Durch Zeldas Augen werden in diesem Buch sehr viele Themen betrachtet und angesprochen, auf ihre ganz spezielle Art. Das Buch macht sehr viel Mut, es mit allen Schwierigkeiten aufzunehmen und nicht aufzugeben und nebenbei lernt man noch einiges über die Wikinger.

Bewertung vom 26.06.2021
Etzold, Veit

Höllenkind / Clara Vidalis Bd.8


gut

Dantes Höllenkreise
"Höllenkind" von Veit Etzold ist der achte Fall der Reihe rund um die Patho-Psychologin Clara Vidalis. Ich habe nicht alle vorherigen Bücher der Reihe gelesen, das ist hier zum Verständnis auch nicht notwendig, ab und an wird aber Bezug genommen auf ältere Fälle.
Hier wird sie aufgrund der Ergebnisse ihres letzten Falles vom Dienst freigestellt, fliegt zur Erholung nach Florenz und schon wird sie vom Vatikan zu neuen Ermittlungen um Hilfe gebeten. Bei einer Hochzeit innerhalb zweier alten Adelsfamilien bricht die Braut blutüberströmt mitten in der Sixtinischen Kapelle zusammen. Anhaltspunkte gibt es wenig, die berühmte Familie ist nicht grade hilfreich.
Ein anderer Handlungsstrang führt zu einer entführten jungen Frau in Rumänien, die in schrecklichen Verhältnissen schmutzige Arbeiten verrichten muss und zur Prostitution gezwungen wird. Sie tut alles, um zu überleben. Wie alles zusammenpaßt, wird am Ende der Buches aufgeklärt.
Mich hat dieses Buch etwas zu sehr an die Thriller von Dan Brown erinnert, durch die ganzen historischen und kirchlichen Hintergründe und Beschreibungen, ohne jedoch an dessen Klasse heranzureichen. Ansonsten fand ich es etwas störend, dass man den Täter so früh kannte und es dadurch etwas an Spannung fehlte. Für mich ein guter, aber nicht herausragender Teil der Reihe.

Bewertung vom 22.06.2021
Winner, Jonas

Der Nachlass


sehr gut

Spiel um das Erbe
"Der Nachlass" von Jonas Winner ist nicht das erste Buch des Autors, dass ich lese. Es ist ein Thriller, indem es um ein Spiel geht, ein Spiel um ein Erbe von beachtlichem Wert. Mitspieler sind die erbberechtigten Familienangehörigen. Eine Konstellation, die von vornherein Spannung um Abgründe der menschlichen Psyche verspricht.
Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr, er schafft es eine spannende Atmosphäre aufzubauen. Etwas verwirrend fand ich die vielen Zeitsprünge im Buch, so stirbt eine Person gleich zu Beginn und ist dann im weiteren Verlauf wieder dabei, da muß man schon sehr aufpassen beim lesen.
Mit den Personen kann man sich nicht identifizieren, dazu weiß man zu wenig über sie und sie sind auch durchweg nicht sympathisch, was aber sicher auch so gewollt ist.
Bei jeder Aufgabe fragt man sich erneut, wer sich das wohl ausgedacht hat, der eigenen Mutter ist sowas wohl nicht zuzuschreiben. Die große Frage ist hier auch, wie schnell Familienbande, Freundschaft und Moral kippen, wenn es um Geld geht, viel Geld.
Die Auflösung der Geschichte ist stimmig, läßt mich allerdings auch etwas ratlos zurück, da man darauf nicht mal ansatzweise hätte kommen können. Ein paar versteckte Hinweise wären gut gewesen.
Gute und spannende Unterhaltung war das Buch auf jeden Fall und wer Thriller gerne liest, sollte sich diesen mal auf die Merkliste setzen.

Bewertung vom 22.06.2021
Tesson, Sylvain

Der Schneeleopard


sehr gut

Innere und äußere Reise
"Der Schneeleopard" von Sylvain Tesson ist eine Reisebeschreibung in die Hochebene von Tibet, gemeinsam mit dem bekannten Tierfotografen Vincent Munier. Sie sind auf der Suche nach Tieren zum beobachten, filmen und fotografieren, hauptsächlich geht es hier um den seltenen Schneeleoparden.
Viel Zeit verbringen sie auf der Lauer beim Ausharren bei klirrender Kälte. Hier braucht man viel Zeit, Ruhe und Geduld. Die Zeit wird ausgefüllt mit den Beobachtungen von Mensch und Natur, an denen uns der Autor hier ausführlich teilhaben läßt.
Die Natur und das Leben der Menschen da auf der Hochebene ziehen einen in einen Bann, das wird sehr gut und anschaulich beschrieben. Der Autor teilt hier sehr viele Gedanken, fast philosophische Betrachtungen mit uns. Diese Gedanken nehmen im Buch sehr viel mehr Raum ein als die Reisebeschreibungen an sich, was ich ein wenig schade finde. Ich hätte mir persönlich auch ein paar mehr Fotos gewünscht.
Der Schreibstil des Autors ist sehr ruhig und bedacht und macht aufmerksam auf den Umgang des Menschen mit der Natur und den Konsequenzen daraus.

Bewertung vom 21.06.2021
Schaller, Katharina

Unterwasserflimmern


gut

Reise zu sich selbst
"Unterwasserflimmern" von Katharina Schaller ist ein Roman, indem wir eine Frau begleiten. Eine Frau ohne Namen, die uns ihre Geschichte erzählt. Sie ist Anfang 30 und hat einen Partner und einen Liebhaber. Von jetzt auf gleich zweifelt sie an ihrem Leben und hat Angst vor einer Zukunft in festen Bahnen, vorbestimmt und vorhersehbar.
Also packt sie eine Tasche und geht los, ohne Abschied, ohne festes Ziel. Unterwegs trifft sie Menschen, die ihr fremd sind, denen sie aber näher kommt und mit denen sie auch reden kann. Sie ist wie eine Getriebene, Vertriebene unterwegs und wir sehen ihre Umgebung durch ihre Augen. Dieses ruhelose ist oft fast greifbar, viele Szenen sehr schön und bildhaft geschildert. Sie ist eine Frau, die halt nicht in die typischen Klischees und Rollenbilder gesteckt werden will und ihr Leben genießen will. An vielen wichtigen Fragen bleibt mir die Geschichte hier zu oberflächlich, obwohl ich sie wirklich gerne gelesen habe.

Bewertung vom 10.06.2021
Terry, Teri

Dark Blue Rising Bd.1


gut

Enttäuschender Serienstart
"Dark Blue Rising" von Teri Terry ist der Auftakt einer Klima-Thriller-Trilogie.
Als erstes lernen wir Tabby kennen, die mit ihrer Mutter Cate ein Leben unter dem Radar führt, sie geht nicht zur Schule, hat keine Freunde, darf nirgends ihren Namen sagen und sie wechseln öfter ihren Wohnort. Dann wird doch die Polizei auf die beiden aufmerksam und Cate wird verhaftet. Danach ist für Tabby nichts mehr so, wie es war und sie weiß absolut nicht mehr, wem sie glauben und vertrauen kann.
Die Geschichte fand ich bis zu diesem Punkt auch sehr spannend und auch, wie Tabby dann zu "neuen" Eltern kommt. Kurz danach kommen einige Fantasyelemente ins Spiel und für mich wirkte vieles in der Geschichte unglaubwürdig und inszeniert. Die Personen, die wir kennenlernen, bleiben flach und mir fremd und spielen dann teilweise auch keine Rolle mehr. Fragen nach Zusammenhängen, die auftauchen, werden für mich sehr unzureichend geklärt oder sogar offen gelassen. Vielleicht finde ich die Themenvielfalt im Buch zu umfangreich, da wäre weniger mehr gewesen. Da es eine Trilogie wird, denke ich, einiges wird in den Folgebänden geklärt.
Gegen Ende des Buches kam noch einmal Spannung auf, die mich dann aber nicht mehr erreichte.

Bewertung vom 10.06.2021
Abel, Susanne

Stay away from Gretchen / Gretchen Bd.1


ausgezeichnet

Eine Liebe, die nicht sein durfte
"Stay away from Gretchen" von Susanne Abel ist eine großartige Liebesgeschichte, aber es ist auch noch viel mehr. Es ist eine Geschichte der Nachkriegsjahre in Deutschland, eine Geschichte über Rassismus, eine Geschichte über Menschlichkeit und auch über Unmenschlichkeit.
Erzählt wird diese Geschichte in zwei Zeitebenen. Einmal sind wir in den Jahren 2015 und 2016, Greta ist eine fünfundachtzigjährige Frau und ihr Sohn Tom ein überarbeiteter und bekannter Nachrichtensprecher. Greta zeigt erste Anzeichen von Altersdemenz und Tom muss sich mehr um seine sonst noch sehr rüstige und schlagfertige Mutter kümmern. Dabei stößt er auf Spuren und Fragmente aus der Vergangenheit, die ihn interessieren und er fängt an zu recherchieren. Durch seinen Job wird hier auch die politische Gegenwart mit den Flüchtlingen ins Spiel gebracht, was sehr interessante Parallelen bildet.
Im anderen Erzählstrang erfahren wir nach und nach Details aus Gretas Leben von ihrer Kindheit an. Die Nazizeit, der Krieg, Hunger und Leid, das alles wird hier sehr bildhaft beschrieben, dass man es sich schon fast zu gut vorstellen kann.
In die Zeit kurz nach dem Krieg fällt auch die große Liebe ihres Lebens, die als furchtbares Schicksal endete und die sie wohl bis ins hohe Alter nicht verarbeitet hatte. Das alles wird hier sehr emotional erzählt, ohne ins kitschige abzudriften. Alleine das Ende war mir persönlich dann etwas zuviel.
Im Laufe dieses Buches habe ich sehr viel über die Nachkriegsjahre und auch die Zeit der großen Verdrängung erfahren. Hier werden sehr viele gut recherchierte Fakten verarbeitet und als spannende Geschichte erzählt, in der am Ende alle Stränge zueinander finden. Eine absolute Empfehlung von mir.
Auch das Hörbuch ist wundervoll gesprochen von Vera Teltz, die es schaffte jeder Person eine eigene Stimme zu geben und mit der man sich in die Geschichte fallen lassen konnte.