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melange
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Insgesamt 910 Bewertungen
Bewertung vom 31.03.2014
Utlu, Deniz

Die Ungehaltenen


weniger gut

Immer sind die Anderen schuld

Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler Elyas ist der Sohn eines türkischen Gastarbeiters der ersten Generation. Im ersten Teil studiert er offiziell Jura, lässt sich aber in Wirklichkeit treiben, der zweite Teil spielt vier Jahre später, Elyas wurde exmatrikuliert, bastelt teilweise an Websites, ist aber arbeitslos und lässt sich immer noch treiben.

Zum Cover:
Ein Pärchen schaut in die Ferne, - entweder auf der Suche oder dem Müßiggang frönend.

Mein Eindruck:
Positiv lässt sich dem Hörbuch zugute halten, dass Stipe Erceg die lakonische Art des Textes in Perfektion trifft. Was mir ebenfalls sehr gefällt, ist der Zusammenhalt in der türkischen Gemeinschaft, - dass zum Beispiel fast Fremde zum Übernachten eingeladen werden oder Benzin mitten in der Nacht gebracht wird, ohne groß nach den Gründen zu fragen. Bei der Person des Elyas kann ich mich jedoch nicht des Eindrucks erwehren, als ob er sich in diesem Bett aus Freundschaft und Großzügigkeit sehr bequem und faul platziert. Wer sich jedoch auf ihn verlässt, ist verlassen: Die Krankheit des Vaters wird so gut es geht ignoriert, die Beerdigung geschwänzt, das Studium - obwohl mit Brillanz gesegnet - geschmissen..... aber es liegt alles nur daran, dass sein Vater als Gastarbeiter nach Deutschland gegangen ist. Diese Art von "Ich bekomme mein Leben nicht auf die Reihe, aber natürlich ist nur die böse, ignorante und deutsche Gesellschaft daran schuld", die latente Gewalttätigkeit und das asoziale Benehmen kotzen mich einfach an, - um im Jargon des Buches zu bleiben. Keine Ahnung, ob Deniz Utlu sich ebenfalls gemobbt und missverstanden fühlt, vielen seiner türkischen Figuren legt er diese Gedanken jedenfalls in Hirn und Mund, die deutschen Protagonisten sind entweder arrogant, ignorant, dämlich oder schlagen Frauen. Diese Art von Schwarz-Weiß-Malerei finde ich ärgerlich und führt dazu, dass ich ganz gewiss Abstand von möglicherweise folgenden literarischen Ergüssen nehmen werde.

Fazit:
Wenn ich selbst keine Motivation habe, liegt das nur an der Integrationspolitik der Deutschen. Das ist mir zu billig. Für die gute Interpretation des Textes durch Stipe Erceg 2 Sterne

Bewertung vom 31.03.2014
Haig, Matt

Ich und die Menschen


sehr gut

Gefallen an der Sterblichkeit

Zum Inhalt:
Ein Außerirdischer schlüpft in den Körper eines Mathematikers, um dessen Entdeckung eines Beweises zu verhindern. Diese Entdeckung würde die rückständige und kriegerische Menschheit befähigen, sich weiterzuentwickeln. Ein Umstand, der nach Meinung der viel weiter entwickelten und unsterblichen Wesen in entfernten Galaxien verhindert werden muss, - mit Gewalt und Eliminierung aller Mitwisser. Aber das Wesen im Körper von Andrew Martin findet immer mehr Gefallen am irdischen Leben und verweigert schließlich zum Entsetzen seiner Auftraggeber seine Aufgabe.

Zum Cover:
Ein Mann, ein Hund und das Universum, - mehr braucht es nicht zum Glück. Die Romantik, die Andrew irgendwann gefangen nimmt, wird durch dieses Bild wunderbar gespiegelt.

Mein Eindruck:
Wirkt der Anfang des Buches noch nach einer Culture-Clash-Komödie mit extraterrestrischem Einschlag im Stil von "Alf", bekommt das Bild mit dem Auftrag Andrews, alle Mitwisser der großen Entdeckung zu töten, eine düstere Komponente. Dabei bleibt unklar, warum das so sein muss: Mit dem kriegerischen Versuch, die Menschheit in ihrer Entwicklung zu stoppen, stellen sich die Andrew befehligenden Wesen auf eine Stufe mit den barbarischen Erdenbürgern. Und so sehr sich Andrew über das Äußere der Menschen mokiert, - seine wahre Gestalt und sein Name werden nicht thematisiert, möglicherweise, weil dem Autor bei allem Amüsement über die Menschheit die Fantasie dafür fehlte. Was aber absolut gefällt, ist die Wandlung Andrews, die dieser in der Geschichte durchmacht. In kleinen Schritten, dadurch umso glaubwürdiger, entwickelt er Verständnis für die Menschen und schließlich sogar etwas wie Liebe für seine Familie, - etwas, was der "echte" Andrew schmerzlich vermissen ließ, der tatsächlich der gierige Egozentriker war, den die Außerirdischen als Bild für den Menschen verachten. Es berührt sehr, zu lesen, wie Andrew sogar seine Unsterblichkeit und alle überlegenen Kräfte aufgibt, um den Versuch zu starten, sich in das Leben auf der Erde einzufügen und seine Familie zurückzugewinnen, obwohl ihm einige kulturelle Fallstricke begegnen.
Zwei Welten prallen aufeinander und finden letztendlich Verständnis für die jeweils andere.

Fazit:
Ein sehr gutes Plädoyer für die Verständigung, - hier sogar über die Galaxie hinaus.

4 Sterne

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.03.2014
Matthews, Owen

Winterkinder


ausgezeichnet

Liebe zwischen zwei Welten

Zum Inhalt:
In seinem Roman beschreibt Owen Matthews hauptsächlich die Liebe seines Vaters Mervyn zu seiner Mutter Ljudmila, dich sich lange Jahre nur durch Briefe zu nähren wusste. Flankiert wird diese Geschichte von der Vergangenheit seiner Großeltern im stalinistischen Russland und seinen eigenen Erlebnissen im Russland von Glasnost und Perestroika.

Zum Cover:
Wunderschön und entrückt, kalt und abweisend, genauso, wie sich Russland der Liebe gegenüber zeigte und wie sich die Liebenden darüber hinwegsetzten: Perfekt eingefangen!

Mein Eindruck:
Die Wahrhaftigkeit der Geschichte ist das, was den großen Reiz für den Lesenden ausmacht. Von den Zeiten Stalins, die der russische Großvater nicht überlebte und welche Großmutter, Mutter und Tante des Autors prägte, bis hin zum heutigen Russland, im dem Wenige hemmungslos Konsum und Luxus frönen, während viele andere unter die Räder kommen.
Das große Kernstück jedoch - die Briefliebe von Vater und Mutter - zeigt in fantastischer Weise Verzweiflung, Hoffnung und Glück, wie es ein fiktiver Roman nicht annähernd zu schaffen vermag. Die große Tragik, dass sich diese Liebe nicht in die wirkliche Welt retten kann, ist dabei so echt, dass es schon fast wieder wie eine erdachte Geschichte wirkt.
Hauptsächlich befasst sich Matthews mit der russischen Seite seiner Vorfahren bzw. mit den Teilen derer Vergangenheit, die in Russland spielen. Das spiegelt sich in den meisten der eingestreuten Fotografien wider. Die Zeiten in Großbritannien befassen sich fast ausschließlich mit dem Kampf von Mervyn um die Ausreise Ljudmilas, Orte und Menschen hier werden erwähnt, aber nicht näher beschrieben und scheinen beliebig austauschbar weil unwichtig. Da jedoch die russischen Teilstücke nicht nur in exotischer und interessanter Umgebung stattfinden, sondern die Vorkommnisse bedeutend dramatisch ablaufen (Verhaftungen, Flucht, Hungersnöte und Verfolgung), verhilft genau dieser Umstand dem Roman zu Spannung und Tiefe.
Die Ergänzung durch Fotos, eine ausführliche Bibliografie und ein Personenregister trägt zu einer Identifikation mit dem Buch bei, die ein einfacher Text nicht geschafft hätte.

Fazit:
Eine überaus gelungene Aufarbeitung der Familiengeschichte

5 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.03.2014
Groff, Maggie

Frauen am Rande des Strandes


sehr gut

Miss Marple ist Australierin

Zum Inhalt:
Die Journalistin Scout Davis erhält den Auftrag, einer aus Amerika nach Australien übergesiedelten Sekte nachzuforschen. Nebenher ist sie Mitglied der Strick-Guerilla und hilft ihrer Schwester Harper bei privaten Problemen und kriminellen Vorkommnissen an deren Schule. Ganz wie eine verjüngte Version der pfiffigen Schnüfflerin aus Merry Old England verlässt sie sich nicht auf Waffen, sondern auf ihren Instinkt und besitzt ebenfalls gute Kontakte zu den "echten" Ermittlern, wenn auch auf etwas anderem Gebiet.

Zu Cover und Titel:
Schön der Verweis auf Wolle und die Katze Miau-Zedong. Warum das Buch "Frauen am Rande des Strandes" in der deutschen Übersetzung genannt wird, ist mir - auch mit zum Titel passendem Cover - ein Rätsel. Der Originaltitel "Verrückte Männer, schlechte Mädchen" passt gerade mit seinem Bezug auf Sektenführer und Mädchenclique an Harpers Schule inhaltlich bedeutend besser.

Mein Eindruck:
Wegen des unpassenden Titels keine lange Feindschaft! Dafür ist die Geschichte viel zu charmant geschrieben. Obwohl bis zum Schluss keine Einsortierung in ein Genre möglich ist, macht die Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte, Komödie und Familienerzählung großen Spaß. Zwar übertreibt die Autorin für meinen Geschmack die Beschäftigung Scouts mit ihrem Diabetes, da diese Krankheit jedoch den Aufhänger für einige witzige und spannende Teilstücke der Handlung bietet, ist diese Nabelschau entschuldbar. Einen inhaltlichen Kunstgriff zum Schluss fand ich besonders gekonnt: Die Ich-Erzählerin zählt die ganzen ungeklärten Rätsel der Geschichte auf, um dann zu erklären:" Das hätte ich auch gerne erfahren!" Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss selbst der miesepetrigste Leser über die Raffinesse der Erzählung schmunzeln.
Durch die interessanten Konstellationen innerhalb der Familie, dem Freundes- und Bekanntenkreis und dem beruflichen Umfeld und durch den hintersinnigen, teilweise britisch anmutenden Humos bieten sich noch einige Möglichkeiten der Fortsetzung der Geschichten um Scout Davis an, - und darauf kann man sich jetzt schon freuen.

Fazit:
Ein ruhig, aber nicht langweilig dahinplätschernder Krimi mit humorvollen und familiären Touch.
4 Sterne

Bewertung vom 02.03.2014
Winslow, Don

Vergeltung


gut

Spannung, Action und zu viele Waffen

Zum Inhalt:
Nachdem die amerikanische Regierung den Anschlag auf ein Passagierflugzeug aus politischen Gründen totschweigen will, mobilisiert der Ex-Elitesoldat Dave Collins eine Söldnertruppe. Diese soll den Tod von Collins Frau und Sohn rächen, welche in dem Flugzeug saßen, das auf Befehl des Terroristen Aziz abgeschossen wurde. Während Aziz an einem noch größeren Anschlag tüftelt, kommt Daves Truppe ihm immer näher, - bis zum Showdown auf einer indonesischen Insel.

Zum Cover:
Brennendes Flugzeug über der Skyline von New York, Blockbuchstaben in stahlfarbener Schrift, - die Härte der Geschichte, die Härte der Mission und die Härte der Söldner und der Terroristen sehen sich perfekt dargestellt.

Mein Eindruck:
Ja, die Story ist spannend. Ja, der Stakkato-Stil von Winslow gefällt mir. Ja, die Beweggründe aller handelnden Personen sind nachvollziehbar. Aber: Ja, ich bin ein Stückweit enttäuscht!
Und zwar ein Stückweit ungefähr von der Reichweite eines B596, dem Nachfolgemodell des B595, welche als Kleinkalibergewehr etwa dem A566 entspricht, dabei aber mit mehr Patronen und höherer Durchschlagskraft punkten kann. Das ist das große Manko des Buchs, das stellenweise wie ein Katalog der Militärindustrie wirkt: Waffen werden nicht nur genannt, sondern in allen Einzelheiten in ihrer Leistungsfähigkeit und dem Unterschied zu anderen Modellen beschrieben. Ich frage mich ernsthaft: Wen interessiert das? 80 Seiten mit diesen nutzlosen Informationen hätten entweder ersatzlos gestrichen werden können, oder Winslow hätte sich mehr um die Zeichnung seiner Figuren bemühen können. So wirken die Söldner nur fast alle edel und gut, die Terroristen tumb und fanatisch und das bis zum Erbrechen. Diese Schwarz-Weiß-Malerei und der damit verbundene Patriotismus des aufrechten Manns, der tut, was ein Mann eben tun muss (wenn ihn seine Regierung politisch unkorrekt im Regen stehen lässt) hätte trotzdem wegen des wirklich brillanten Spannungsaufbaus gefallen können... aber irgendwann ist es eine Sprengstoffdurchschlagsbeschreibung zu viel und Ottilie-Normal-Leserin beginnt querzulesen.
Eine wirklich gute Textstelle möchte ich - ohne zu viel zu spoilern - trotzdem erwähnen, da ich sie zweimal gelesen habe: Es gibt eine Aktion, die nicht glatt läuft, weil eine Person falsch spielt. Dass das so ist, merkt man jedoch nicht beim ersten Lesen. Beim Zurückblättern fällt dann auf, dass die Sätze auch ganz anders interpretiert werden können. Das finde ich wirklich fantastisch!

Fazit: Die Technik würgt die Spannung fast ab. Für die Ehre und die Familie 3 Sterne

Bewertung vom 02.03.2014
Kreslehner, Gabi

Rabenschwestern


sehr gut

Familiengeschichten

Zum Inhalt:
Franza Oberwieser, patente Kriminalbeamtin mit sympathischem Team, Ex-Mann, jungem Liebhaber und Plätzchenbackfimmel, muss den Mord an einer Töpferin aufklären. Diese fühlte sich von einem jungen Mann verfolgt, der auf der Suche nach seinen väterlichen Wurzeln ist und sie und ihre angenommene Schwester zur Vergangenheit befragen wollte. All das führt zu großen familiären Turbulenzen, die nicht nur durch den Mord einige Brüche zu Folge haben werden.

Cover und Titel:
Diese verstehe ich gerade im Nachhinein gar nicht, denn erstens mögen sich die Schwestern (teilweise fast zu sehr) und eine große Wiese hinter einem Gatter spielt überhaupt keine Rolle in dem Buch. Der erhabene Druck gefällt mir jedoch und verleiht dem Äußeren edle Güte.

Mein Eindruck:
Der Einfall Kreslehners, die Perspektive des Buchs kapitelweise wechseln zu lassen, verführt dazu, immer noch ein bisschen mehr zu lesen. Dazu schafft die Geschichte viel Angriffspotenzial für die kleinen, grauen Zellen der Leser: Einerseits das Privatleben des Ermittlerteams, welches zwar seine Ecken und Kanten vor allem für die Hauptperson Franza bietet, aber herrlich unaufgeregt und unspektakulär den Rahmen für die Mordermittlung bietet. Keine Leichen im Keller, keine unheilbaren Krankheiten, keine Depressionen, Drogenabhängigkeit oder Alkoholismus. Dazu ein Mord, in den mehrere Personen mit ihren ganz eigenen, unterschiedlichen Hoffnungen und Ängsten involviert sind. Und obwohl der Leser durch die Perspektivwechsel viele Informationen zum Fall erhält, bleibt er trotzdem lange im Unklaren über Tatmotiv und Täter, über das, was in ferner und naher Vergangenheit passierte. Stückchen für Stückchen erschließt sich das Puzzle und bietet letztendlich ein Gesamtkunstwerk von Schuld und Sühne, Liebe und Hass, Vergangenheit und Zukunft und einen Strudel der Ereignisse, der (an einer Stelle sogar plastisch) die Figuren verschlingt und wieder ausspuckt.

Fazit: Eine ernsthafte Geschichte über Fehler der Vergangenheit, die sich rächen und eine humorvolle Story über das Zusammenleben und -arbeiten und das Plätzchenbacken im Hier und Jetzt des Kommissariats.

4 Sterne

Bewertung vom 08.02.2014
D'Urbano, Valentina

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung


gut

Trostlos, gnadenlos! Hoffnungslos?

Zum Inhalt:
Die junge Beatrice beschreibt ihr Aufwachsen in einer Armensiedlung Italiens und das Verhältnis zu Alfredo, dessen Beerdigung titelgebend für diesen Roman ist.

Zum Cover: Ein Aufbruch in ein (besseres) Leben, zwar noch in schwarz und ohne Schuhe, dafür aber mit gepackter Reisetasche und lackierten Fußnägeln. Dieses Cover trifft die Gefühle der Hauptprotagonistin sehr gut.

Mein Eindruck: Im Klappentext erfährt man, dass die junge Autorin in einem ähnlichen Viertel wie die Personen ihres Romans aufgewachsen ist. Daher verwundert nicht, dass sie Sprache und Umgebung treffend wiedergeben kann. Sie versteht es zu zeigen, dass auch unter widrigen Umständen Würde und Geborgenheit in einer Familie vorherrschen können und Ehrgefühl kein Privileg der gutbürgerlichen Schicht ist.
Leider tun sich dennoch einige Ungereimtheiten auf: Woher haben Beatrice und Alfredo das Geld, um sich das Bier und Haschisch zu leisten, welches sie dauernd konsumieren? Warum sieht Beatrice keine andere Möglichkeit als Schläge, Kratzen, Beißen und Treten, um Alfredo ihre Zuneigung zu zeigen? Schließlich sind ihre Eltern zwar arm, gehen aber zumeist liebevoll mit dem Nachwuchs um. Ganz im Gegenteil zu Alfredos Familie, - dieser jedoch bedenkt Beatrice mit vielen Schimpfworten, bleibt aber (bis auf eine sehr unrühmliche Ausnahme) gewaltfrei und bestraft sich lieber selbst. Hier zeigt sich auch das Manko einer Ich-Erzählerin: Wenn sich Beatrice so gut gegenüber den Lesenden erklären kann, warum schafft sie dieses dann nicht ein einziges Mal bei Alfredo?
Die ganze Erzählung gerät sehr trist und reiht ein unangenehmes Erlebnis an die nächste Prügelszene, eine Beschimpfung an den nächsten Entzug, einen Rückfall an die Beschreibung von Dreck; nur unterbrochen von einem kurzen Ausflug ans Meer und einiger Bastelstunden, die etwas Freude am Leben bereiten.
Glücklicherweise beschließt Beatrice zum Schluss den Abflug in ein anderes Leben, sonst hätte diese doch so dunkle Geschichte eine wahre Herausforderung für suizidgefährdete Zeitgenossen werden können.

Fazit:
Es wird Trauer sein und Schmerz. Für mich zu viel davon. Taschentücher bereithalten oder einen Eisblock ums Herz legen.

3 Sterne

Bewertung vom 08.02.2014
Sullivan, J. Courtney

Die Verlobungen


sehr gut

Ein Diamant für die Ewigkeit

Zum Inhalt:
Fünf einzelne Geschichten - um eine Werbetexterin, ein älteres Paar, dessen Sohn sich scheiden lassen will, einen Violinvirtuosen und seine französische Freundin, eine sozial engagierte Frau mit schwulen Freunden und einen desillusionierten Krankenwagenfahrer, welcher um das wirtschaftliche Überleben seiner Familie kämpft - werden über einen Zeitraum von 65 Jahren für sich erzählt, um zum Schluss ineinander verwoben zu sein. Grundthemen sind dabei Diamanten (abstrakt als Slogan und konkret als Ringbestandteil) und Beziehungen, die starten, zerbrechen, gelebt und erkämpft werden.

Zur Aufmachung:
Titel und Cover passen zwar zusammen, sind aber für die Geschichten falsch gewählt. Eigentlich dreht sich alles um den Jahrhundert-Werbeslogan "A diamond is forever" und kaum um Verlobungen. Gut gefallen jedoch das Lesebändchen und der hochwertige Druck.

Mein Eindruck:
Mit großer Lässigkeit entwirft die Autorin ihre Geschichte um Beziehungen vieler Amerikaner und dreier Franzosen. Bewundernswert dabei die Art und Weise, wie sie sich den höchst unterschiedlichen Zeiten anpasst, in denen ihre Personen agieren: Egal ob ledige Frauen 1955 in Golfclubs unerwünscht sind, Scheidungen für die Eltern im Jahr 1972 undenkbar erscheinen oder 2012 Homoehen erlaubt sind, - J. Courtney Sullivan findet die richtigen Worte. Und obwohl sie die Leser lange im Unklaren über die Konstellationen der Figuren zueinander lässt, fügt sich zum Schluss alles ineinander wie ein gut berechnetes Uhrwerk. Das Schönste dabei ist zu merken, dass man bei sehr aufmerksamen Lesen schon früher auf einige Zusammenhänge hätte kommen könne, wenn man auf Vornamen, Eigenarten und Orte der Teilgeschichten geachtet hätte. Das Einzige, was man der Geschichte zum Vorwurf machen kann, ist ihr Dahinplätschern ohne große Dramatik...
... aber so ist das Leben ja größtenteils: Ein langer, ruhiger Fluss mit ein paar Stromschnellen.

Fazit:
Bitter, süß und strahlend, wie die Liebe und ein Diamant

4 Sterne