Benutzer
Benutzername: 
bolie
Wohnort: 
Langscheid

Bewertungen

Insgesamt 960 Bewertungen
Bewertung vom 13.01.2020
Berger, Nora

Die Tochter der Bettlerin


sehr gut

Es ist im Winter 1743/44. Anna und ihre Mutter leben in Berlin und bestreiten ihren Lebensunterhalt mit Betteln. Anna ist ausgesprochen hübsch und ihre Mutter möchte sie unbedingt als Prostituierte sehen. Sie ist überzeugt davon, dass sie sehr viel Geld verdienen könnte und sie selbst nicht mehr betteln bräuchte. Anna wehrt sich jedoch und als es zu schlimm wird, flüchtet sie vor der garstigen Mutter und deren Freund. Zur gleichen Zeit regiert König Friedrich II und der ist voller Tatendrang. Er möchte als Eroberer in die Geschichte eingehen und Preußen zu einem Großreich machen. Aus dem Grund erklärt er immer mehr Nachbarn den Krieg.

Neben Anna ist auch Friedrich von der Trenck eine Hauptperson in dem Buch Die Tochter der Bettlerin. Er ist 17 Jahre alt, Kornett und rang jüngster Offizier der Kavallerie. Der König mag ihn sehr und er hat eine erfolgreiche Zukunft vor sich. Friedrich II lädt die Familie seines Gardisten zur Ballsaison nach Berlin ein. Mutter, Tochter und Sohn Karl Albrecht folgen der Einladung sehr gerne. Gleich in der ersten Nacht nach der Ankunft verschwindet Karl heimlich aus dem Schlafgemach und macht sich auf den Weg ins Nachtleben von Berlin. Aber bereits nach wenigen Minuten wird er angegriffen und kann sich nur mit Mühe vor einer Verletzung retten. Er verläuft sich und begegnet Anna. Sie führt ihn am nächsten Tag nach Hause und er steht in ihrer Schuld. Sie bittet ihn, dass er ihr zu einer Stelle im Haus der Mutter verhilft. Ob das wohl gut geht?

Es waren die Memoiren Friedrich zu Trencks´, welche eine Grundlage für diesen Roman darstellten. Viele Fakten hat die Autorin verarbeitet und trotz einiger Längen gefiel mir das Buch recht gut. Am Ende gibt es eine Personenliste mit allen historischen Personen sowie danach eine Liste, wo die fiktiven Akteure aufgeführt sind. Gerne gebe ich vier Sterne für den Roman und empfehle ihn weiter.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.01.2020
Oppenlander, Annette

Vaterland, wo bist du?


ausgezeichnet

Lilly und Günter sind zwei Kinder, die plötzlich mit der Grausamkeit des Krieges konfrontiert wurden. Zunächst müssen sie sich von ihren Vätern verabschieden. Von beiden erwarten die Mütter, dass sie Verantwortung übernehmen. Günter, weil er ein Junge und Lilly, weil sie die ältere von zwei Geschwistern ist. Während Günter sich auf die Liebe seiner Mutter verlassen und immer wieder in deren Arme flüchten kann, sieht es für Lilly viel schlechter aus. Die Mutter verachtet sie und zieht ihr stets den kleinen Sohn vor. Das Leben der beiden Hauptfiguren des Romans ist geprägt von Hunger und der täglichen Gefahr, von Bomben ihrer Wohnung oder gar des Lebens beraubt zu werden.
Das Buch hat mich sehr bewegt. Schildert es doch aus zweiter Hand, was damals während und nach dem Krieg geschah. Die Autorin Annette Oppenlander schreibt über das Leben ihrer Eltern. Ohne Beschönigung oder erfundenen Erlebnissen. Nein, es sind Tatsachen, die sie niederschrieb und aus dem Grund war das Grauen für mich auch so greifbar. Den Zweiten Weltkrieg aus Sicht von Kindern und Jugendlichen zu beleuchten, das kommt nicht häufig vor. Und wenn, dann sind es fiktive Geschichten, die oft nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.
Frau Oppenlander bedient sich eines Stils, der mitreißt und mich immer wieder in den Sog der Geschichte zog. Gekrönt wird dieses Werk noch mit einer Galerie, die am Ende des Buches gedruckt ist. Sie zeigt mit Foto und kurzem Lebenslauf, wer in dem Roman als Akteur mitwirkte. Eine Chronik des Krieges legt die Fakten dar und im Epilog schreibt Frau Oppenlander, was sie zum Schreiben des Romans veranlasste. Bemerkenswert ist auch, dass Vaterland, wo bist Du? in den USA einige Auszeichnungen erhielt. Ich hoffe und wünsche mir, dass es hier in Deutschland viele Leser findet.

Bewertung vom 10.01.2020
Chevalier, Tracy

Violet (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Violet ist eine junge Frau, die mit schmerzvollen Verlusten zurechtkommen muss. Nicht alleine ihr Bruder kam im Ersten Weltkrieg ums Leben, auch ihr Verlobter wurde Opfer der Kämpfe. Das Leben bei ihrer Mutter wird zunehmend schwieriger und sie entschließt sich, dass sie endlich auf eigenen Füßen stehen und umziehen möchte. Das Schicksal verschlägt sie nach Winchester. Sie kann hier weiter für ihren Arbeitgeber tätig sein, da er auch in diesem Ort eine Zweigstelle des Versicherungsbüros unterhält. Was für damalige Verhältnisse selten und für viele Menschen absolut nicht normal war, Violet hatte einen Beruf gelernt und arbeitete als Sekretärin. Ja, sie hätte lieber geheiratet, aber durch den Krieg gab es einen „Frauenüberschuss“ und sie war mit 38 Jahren noch immer Single. In Winchester lernte sie einen Stickklub kennen, der sich regelmäßig in der Kathedrale von Winchester traf. Sie fand Freude an dieser Handarbeit und knüpfte Freundschaften. Ganz langsam kam sie über ihre Traumen hinweg und mit der Zeit verstand sie es auch, auf eigenen Füßen zu stehen und für sich selbst zu kämpfen.

Es waren die Broderinnen, welche Violet beim ersten Besuch in der Kathedrale zu Winchester dort antraf. Sie versammelten sich zum Gottesdienst, um ihre Stickereien segnen zu lassen. Es sind Knie- und Sitzkissen, die in mühevoller Kleinarbeit geschmückt wurden. Und diese Frauen gab es tatsächlich. Auch ihre Kunstwerke können heute noch in der dortigen Kirche betrachtet werden. Die Broder, das war im Mittelalter eine Gilde der Sticker und die Tätigkeit wurde von etlichen Frauen Winchesters weitergeführt. Für sie gilt: Ars longa, vita brevis. (Die Kunst ist lang, das Leben kurz.) Viele Fakten stehen in dem Roman, die sich nicht nur um das Sticken drehen. Auch die Beschreibung der Kathedrale ist gelungen und das gilt ebenfalls für die Darstellung der Tätigkeit von Glöcknern. Schon das macht dieses Buch so lesenswert.

Die Hauptfigur Violet wird so beschrieben, wie es für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg normal war. Auch die im Roman gewählte Sprache deckt sich damit und dafür gilt der Übersetzerin ein großes Lob. Ja, mir gefiel das Buch, weil es realistisch geschrieben wurde und die Autorin viel Arbeit in die Recherche steckte. Oder wussten Sie, dass Jane Austen in der Kathedrale zu Winchester ihre letzte Ruhe fand und welche Symbolik das Hakenkreuz tatsächlich hat?

Bewertung vom 07.01.2020
Roth, Charlotte

Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Michael Ende wäre am 12. November 2019 90 Jahre alt geworden. Das war wohl mit ein Grund für Frau Roth, dieses besondere Buch zu schreiben. Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit, würdigt nicht alleine das Leben des Autors. Auch sein steiniger Weg bis zum ersten Erfolg wird eindrucksvoll geschildert. Herr Ende wurde nicht mit einem goldenen Löffel in der Hand geboren. Sein Vater, ein unbekannter Maler, dessen Werke als „entartete Kunst“ gebrandmarkt wurde, trug nicht viel zum Lebensunterhalt bei. Die Mutter war es, die dafür sorgte, dass das Ehepaar nicht hungerte. Sie arbeitete hart in ihrem kleinen Laden, der gerade so viel einbrachte, dass sie ein Dach über dem Kopf und immer etwas zu Essen hatten. Als dann Michael auf die Welt kam, musste ein dritter Mund gestopft werden. Das machte das Leben nicht einfacher. Aber es war die Liebe der Eltern und der Zusammenhalt der Familie, der sie für Michael bis an sein Lebensende so einzigartig erschien.

Das Buch ist eine Mischung aus Fakten und Fiktion. Als Michael auf die Welt kam, war seine Mutter bereits 38 Jahre alt und er musste durch Notkaiserschnitt entbunden werden. Vielleicht war es dieser Umstand, dass Mutter Luise so abgöttisch an dem Kleinen hing. Frau Roth schrieb über das Leben Endes von der Wiege bis zur Bahre. Und das machte sie mit so viel Gefühl, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Sprachgewaltig, ja, auch blumig, vermittelte sie mir die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg hautnah. "Die sind nie weg, die Braunen. Die kleiden sich jetzt nur in Grau."

Auch die Schwierigkeiten Endes, bis sein Jim Knopf endlich anerkannt und gelesen wurde, erlebte ich mit. Der Roman ist ein erstes Highlight in meinem Lesejahr 2020. Jetzt werde ich wohl endlich auch mal ein Buch von Michael Ende lesen. Er ist mir durch das Werk von Frau Roth ans Herz gewachsen. Das Nachwort schrieb Roman Hocke, der mit Herrn Ende eng verbunden war.

Bewertung vom 04.01.2020
Nordbo, Mads Peder

Eisgrab / Matthew Cave Bd.2 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Bereits das Cover von Eisgrab erzeugt Gänsehaut. Es bringt eindrucksvoll die Kälte des „ewigen Eises“ Grönlands rüber und hat mich sofort neugierig. Matthew Cave ist ein dänischer Journalist, der seine Arbeit sehr ernst nimmt. Sein Spezialgebiete sind Nachforschungen über mysteriöse Todesfälle. So auch in diesem Thriller.

Das Buch beginnt mit einer anderen Hauptperson, die jeden Tag mit ihrer Büchse in der Nähe des Wildwechsels liegt. Es ist in der Nähe des Ortes Tasiilaq und die Einwohner des Dorfes mögen die Frau mit dem Namen Tupaarnaq nicht. Ein weiblicher Jäger? Mit einer Flinte? Nein, das Jagen darf nie von Frauen durchgeführt werden. Hier oben in Grönland ist es ausschließlich dem „starken Geschlecht“ vorbehalten. Und dann soll sie auch noch ihren Vater ermordet haben. Es wäre also gut, wenn sie verschwände. Matthew und Tupaarnaq machen sich gemeinsam auf den Weg und suchen die Halbschwester Matthews. Dabei stoßen sie auf Verbrechen der Vergangenheit und treten sowohl den Amerikanern als auch der Polizei Grönlands auf die Füße. Und nicht nur das. Sie begeben sich in große Gefahr.

Der Einstieg war für mich perfekt. Weil der Autor es bestens verstand, mich durch seine bildhafte Sprache ins Geschehen eintauchen zu lassen. Am Anfang ist es ein wenig schwierig, sich die fremd klingenden Namen zu merken und es ist ein Hin und Her zwischen dem Heute und Gestern. Durch den Aufbau der Spannung legt sich das Schwierige aber sehr schnell und ich war gefangen von diesem spannenden Thriller. Für mich ein typisches Buch eines nordeuropäischen Autors.

Bewertung vom 30.12.2019
Edvardsson, Mattias

Der unschuldige Mörder


sehr gut

Zack ist Anfang 30 und von heute auf morgen ändert sich sein Leben. Ihm wird die stelle gekündigt, er kann seine Wohnung nicht halten und kehrt heim ins Hotel Mama. Die Frau nervt ihn und das ist verständlich. Gibt sie doch die Schuld für ihr verkorkstes Leben unter anderem auch ihrem Sohn. Um wieder Geld flüssig zu sein, also Geld zu verdienen beschließt Zack, dass er ein Buch schreiben möchte. Es soll ein Tatsachenroman werden und über das Verschwinden von Leo Stark berichten. Den lernten er und seine Freunde nämlich vor 12 Jahren kennen. Obwohl keine Leiche gefunden wurde, galt er als ermordet und einer der Freunde kam als Täter für 8 Jahre ins Gefängnis. Zack glaubte schon damals nicht an seine Schuld.

Der unschuldige Mörder berichtet in zwei Zeitebenen. Das sind die Erlebnisse der Jugendlichen mit dem extrovertierten und jähzornigen Autor vor 12 Jahren und den Recherchen zum Buch von Zack. Der nimmt Kontakt mit allen Kommilitonen auf und staunt nicht schlecht über deren Entwicklung. Alle waren damals gemeinsam als Literaturstudenten an einer Uni. Jeder ist verdächtigt und der Autor Mattias Edvardsson gibt keinerlei Hinweise auf den wahren Täter. Die Überraschung ist ihm also gelungen.

Das Buch ist nicht schlecht und der Spannungsaufbau gut. Es ist als Roman bezeichnet, kann aber auch dem Genre Krimi zugeordnet werden. Die Sprache ist schlicht wobei mir die Ausführungen zur Arbeit eines Literaten wirklich gut gefielen. Ein netter Roman, der sich locker weglesen lässt und von mir vier Sterne bekommt.

Bewertung vom 29.12.2019
Windmeijer, Jeroen

Das Paulus-Labyrinth / Peter de Haan Bd.2 (eBook, ePUB)


gut

Der Archäologe Peter de Haan gehört zu den Hauptpersonen des Thrillers Das Pauluslabyrinth. Gemeinsam mit vielen weiteren Leuten wird er Zeuge, als der Bürgermeister von Leiden mit einem Kran in einen vorher unbekannten Tunnel stürzt. Bei der Suche nach dem Verunglückten findet er einen blutverschmierten Mann, der sofort in ein Krankenhaus transportiert wird. Das ist aber längst nicht die einzige Überraschung für Peter. Er muss vor der Polizei fliehen und eine seiner guten Freundinnen wird entführt. Dass er nach ihr sucht, ist für ihn keine Frage, obwohl er sich dabei in Lebensgefahr begibt.

Das Buch ist zwar für mich kein Thriller aber gute Krimikost. Allerdings nur für Leser, die sich nicht vor Bibelzitaten scheuen und sich zudem für das Leben des Paulus interessieren. Ja, es sind viele Stellen aus dem Buch der Bücher, die es zu lesen gibt. Auch der Untergrund Leidens sowie die Sehenswürdigkeiten der Stadt werden ausführlich beschrieben. Spannend wird es auch zwischendurch aber zuweilen auch recht mystisch. Ich gebe drei Sterne für das Buch und eine bedingte Leseempfehlung.

Bewertung vom 22.12.2019
Åslund, Sandra

Verhängnisvolle Provence (eBook, ePUB)


sehr gut

Verhängnisvolle Provence führt den Leser in das wohl schönste Gebiet Frankreichs, die Provence. Bei einer Leiche im Kölner Grüngürtel handelt es sich um einen Franzosen, der für eine bekannte Kosmetikfirma in Vaison la Romaine tätig war. Die Kommissarin Hannah Richter kennt sich dort bestens aus, da sie eine Weile im verantwortlichen Kommissariat tätig war. Ihr Kölner Chef ruft sie auch sofort an und bittet sie, dass sie sich auf den Weg nach Frankreich macht. Ihr Freund ist beim Radio beschäftigt und spontan entschließt er sich dazu, sie zu begleiten. Seine Arbeit könne er auch in Frankreich erledigen. Kurz nach der Ankunft wird sie zu einer zweiten Leiche gerufen.

Ein Buch, welches mir die Provence wirklich wunderbar vor Augen führte. Ich sah die Weinberge vor mir und es fiel mir auch nicht schwer, in Gedanken die Lavendelfelder zu bestaunen. Die Autorin Sandra Aslund versteht es auch, mich als Leser in den Bann zu ziehen. Die Spannung steigt langsam an und hält sich bis zum Schluss. Die Charaktere sind ausführlich dargestellt und kein Akteur wirkt unrealistisch. Verhängnisvolle Provence zeigte mir ebenfalls, wie Kosmetikfirmen arbeiten und dass es dort in den meisten Fällen nicht um das Wohl der Kunden geht. Nein, auch hier regiert das Geld und Werbung ist der wichtigste Faktor der Unternehmen.

Bewertung vom 20.12.2019
Barry, Jessica

Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod


sehr gut

Schon auf den ersten Seiten wird der Leser des Thrillers Freefall: Die Wahrheit ist dein Tod in das unwegsame Gelände der Rocky Mountains geführt. Er ist hautnah dabei, wie eine junge Frau den Absturz des Flugzeugs überlebt, in dem sie mit ihrem Verlobten saß. Sie sieht die schlimmen Verletzungen ihres Partners, dessen Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verbrannte. Ally, so heißt die Frau, hat nur noch einen Wunsch: Sie will überleben und sehr schnell die Unglücksstelle verlassen. Zeitgleich beschreibt die Autorin, wie es der Mutter von Ally geht. Maggie wird nur wenige Stunden nach dem Vorfall von der örtlichen Polizei über das Unglück informiert. Und nein, sie glaubt nicht daran, dass ihre Tochter tot ist. Warum das so ist? Ihre Leiche wird nicht gefunden und Maggie spürt, dass ihre Kleine noch lebt.

Der Thriller ist in zwei Erzählstränge geteilt. Die Erlebnisse von Mutter und Tochter wechseln sich in regelmäßigen Abständen ab. Dabei wird bei Maggie nicht nur die Gegenwart beschrieben. Hier steht auch die Vergangenheit mit ihrem Verlobten im Fokus. Mutter und Tochter hatten zwar seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr, ihre Verbindung besteht aber noch, wenn auch nur auf mentaler Ebene.

Nun ja, es ist ein Debüt und daher bin ich nicht so kritisch, wie es normal wäre. Das Buch ist nicht schlecht, mir persönlich fehlt allerdings die Spannung. Die ist nicht wirklich vorhanden und meiner Meinung nach hat dieses Werk den Begriff Thriller nicht verdient. Dennoch gebe ich vier Sterne, da das Lesen kurzweilig war und der Krimi mich gut unterhalten konnte.

Bewertung vom 18.12.2019
Fohl, Dagmar

Frieda (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Am 04.12.2019 jährte sich der Geburtstag von Elfriede Lohse-Wächtler zum 120. Mal. Dazu schreibt die Autorin des Romans #Frieda, Dagmar Fohl, folgendes:

Ich musste ihr und allen Menschen, die in nationalsozialistischen psychiatrischen Anstalten ermordet wurden, ein Denkmal setzen.

Wann ist das Erlebte Vergangenheit? Die Antwort lautet: NIEMALS.

Elfriede verließ mit 16 ihr Elternhaus. Der strenge und zur Brutalität neigende Vater war für sie nicht mehr zu ertragen. Sie lebte zunächst bei Freunden und zog dann mit ihre späteren Ehemann, dem Maler und Sänger Kurt Lohse. Die Ehe zeichnete sich durch brutale Kämpfe beider Seiten aus und war weder für Frieda noch für Kurt dauerhaft erträglich. Sie trennten sich später und damit kam Elfriede nicht zurecht. Sie wurde krank, erholte sich aber rasch. Später wusste der Vater sich keinen Rat mehr und ließ sie in die „Landes-, Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf einweisen.

Der Roman ist ein erschütternder Bericht einer jungen Frau, die an ihren Plänen und ihrer Unrast scheiterte. Dazu trug auch das Misslingen der Ehe mit Kurt bei. Sie konnte die Trennung nie verwinden. Was sie in der Anstalt erlebte und allein, dass sie als Ballastexistenz bezeichnet wurde, sagt alles über die damalige Zeit. Frau Fohl ist es gelungen, mir als Leser die Gefühle Friedas mit all den Ängsten und auch den Phasen in Hochstimmung, plastisch zu vermitteln. Die Ich-Erzählerin berichtet aus der Sicht Friedas und das genau so verworren, wie wohl deren Gedanken auch waren. Zwischendurch störten mich die abgehackten Sätze ein wenig aber die Begeisterung für das Buch blieb. Es ist traurig, dass mittlerweile wieder Stimmen laut werden, die von lebensunwertem Leben faseln. Ein ganz wichtiges Buch, dass auch in Schulen gelesen werden sollte.

Nach dem Epilog folgt noch einmal das Foto des Covers und der Lebenslauf der Künstlerin. Auch die aufgeführten Personen werden vorgestellt. Danach gibt es die Erklärung von Begriffen, wie etwa die „Dresdner Sezession“. Die Autorin macht auf Literatur zum Thema aufmerksam und beendet das Buch mit Quellenangaben zu den Zitaten und Texten im Buch.