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ech
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Bochum

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Insgesamt 774 Bewertungen
Bewertung vom 04.02.2020
Born, Leo

Blinde Rache / Mara Billinsky Bd.1


ausgezeichnet

Gelungener erster Auftritt einer außergewöhnlichen und unkonventionellen Ermittlerin

Mit Mara Billinsky schickt der Autor Leo Born eine außergewöhnliche und unkonventionelle Ermittlerin ins Rennen, die mich bei ihrem ersten Auftritt gleich überzeugen konnte.

Mara Billinsky hat sich gerade erst von Düsseldorf zurück in ihre Heimatstadt Frankfurt versetzen lassen, als eine brutale Mordserie die Mainmetropole erschüttert. Das ihr Chef und ihre Kollegen sie aus den Ermittlungen heraushalten wollen und stattdessen lieber auf eine Einbruchserie ansetzen, hält Mara nicht davon ab, auf eigene Faust in dem Fall zu ermitteln. Dabei kommt sie dem unheimlichen Mörder gefährlich nah.

Den typischen Spagat eines Auftaktbandes, neben einer spannenden Geschichte auch noch eine überzeugende Einführung der Charaktere und ihrer Hintergründe abzuliefern, absolviert der Autor hier auf gekonnte Art und Weise. Seine gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Figuren verfügen durchgehend über reichlich Potential für weitere Auftritte.
Mara Billinsky ist dabei zunächst ein etwas sperriger Charakter, der es einem zu Beginn nicht gerade leicht macht, ihn zu mögen. Dies ändert sich dann aber im weiteren Verlauf der Geschichte, wenn wir immer öfter hinter ihre Fassade blicken dürfen.

Leo Born zeichnet hier ein düsteres und ungeschminktes Bild der Mainmetropole und lässt seine Protagonisten in der gut aufgebauten Geschichte tief in die düsteren Ecken Frankfurts eintauchen. Neben reichlich Spannung und Dramatik liefert er darüber hinaus auch noch eine überzeugende und zugleich überraschende Auflösung, die zum aktuellen Fall keine wesentlichen Fragen offen lässt.
Zugleich spinnt er aber auch noch ein paar weitere Erzählstränge, die in den kommenden Büchern sicherlich noch eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen werden.

Auf die weiteren Bände der Reihe, die beide noch im Jahr 2019 erscheinen sollen, bin ich nun auf jeden Fall schon mehr als gespannt. Der Auftaktband hat hier die Meßlatte aber gleich ordentlich hoch gehängt.

Bewertung vom 04.02.2020
Born, Leo

Lautlose Schreie / Mara Billinsky Bd.2


ausgezeichnet

Die Krähe und der Spatz ermitteln wieder in den dunkelsten Ecken von Frankfurt

Nachdem mich der Autor Leo Born bereits mit dem ersten Auftritt von Mara Billinsky, seiner außergewöhnlichen und ziemlich unkonventionellen Ermittlerin aus Frankfurt, restlos überzeugen konnte, habe ich mich direkt gefragt, ob er beim zweiten Band der Reihe das hohe Niveau des Auftaktes würde halten können. Das vorliegene Buch beantwortet diese Frage nun zu meiner vollten Zufriedenheit und lässt mich voller Vorfreude und gespannter Erwartung auf die weiteren Bände blicken.
Grundsätzlich kann man dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band lesen und nachvollziehen, da hier eine in sich abgeschlossenen Geschichte erzählt wird und alle erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte gut in die laufende Handlung eingebunden werden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.
Da sich aber mit der Geschichte um den unaufgeklärten Mord an Maras Mutter doch ein gewisser roter Faden durch die ersten beiden Bände zieht und dieser mit Sicherheit auch im nächsten Band weitergesponnen werden wird, empfiehlt es sich schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Der zweite Fall beginnt mit sieben toten Jugendlichen, die in einem Massengrab vor den Toren Frankfurtes gefunden werden.
Mara "Die Krähe" Billinsky will sich natürlich sofort in die Ermittlungen stürzen, wird dabei aber von ihrem Vorgesetzten Klimmt direkt ausgebremst und mit ihrem Partner Jan "Der Spatz" Rosen auf einen Mordfall in einem Frankfurter Hotel angesetzt. Doch so einfach lässt sich Mara nicht die Butter von Brot nehmen, sie beginnt parallel zu ermitteln und entdeckt dabei auch schnell Verbindungen zwischen den beiden Fällen.

Auch wenn sich ihre Situation im Kommissariat langsam aber sicher bessert und sie nicht mehr so sehr um ihren Stellenwert in den Reihen der Polizei kämpfen muss, ist und bleibt Mara Billinsky ein etwas sperriger Charakter, der es ihren Mitmenschen und auch uns Lesern nicht gerade leicht macht, sie zu mögen. Das unter ihrer harten Schale aber doch ein weicher und verletzlicher Kern steckt, wird auch im weiteren Verlauf dieser Geschichte immer dann besonders deutlich, wenn sie uns ein wenig hinter ihre Fassade blicken lässt.

Leo Born zeichnet mit seinem packenden Schreibstil und seinen bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen lassen, auch hier wieder ein düsteres und ungeschminktes Bild der Mainmetropole, bei dem er seine überzeugend gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten tief in die düsteren Ecken Frankfurts eintauchen lässt. Neben reichlich Spannung und Dramatik liefert er in seiner gut aufgebauten Geschichte darüber hinaus auch noch eine überzeugende und zugleich überraschende Auflösung, die zum aktuellen Fall keine wesentlichen Fragen offen lässt und auch ziemlich realitätsnah ausfällt.

Auf den nächsten Band der Reihe, der ebenfalls noch im Jahr 2019 erscheinen soll, (ein weiterer Band ist auch schon für das nächste Jahr angekündigt) bin ich nun auf jeden Fall schon mehr als gespannt.
Die Meßlatte hängt dabei weiterhin ziemlich hoch.

Bewertung vom 04.02.2020
Born, Leo

Brennende Narben / Mara Billinsky Bd.3


ausgezeichnet

Die Krähe und der Spatz im Zentrum eines gnadenlosen Machtkampfes in der Frankfurter Unterwelt

Nachdem mich der Autor Leo Born bereits mit den ersten beiden ersten Auftritten von Mara Billinsky restlos überzeugen konnte, lag die Messlatte für den dritten Fall mit der außergewöhnlichen und ziemlich unkonventionellen Ermittlerin aus Frankfurt natürlich ziemlich hoch. Und doch schafft es der Autor ein weiteres Mal, diese hohe Hürde zu überspringen und mich erneut restlos zu überzeugen.
Grundsätzlich kann man dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten beiden Bänden lesen und nachvollziehen, da hier eine in sich abgeschlossenen Geschichte erzählt wird und alle erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte gut in die laufende Handlung eingebunden werden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.
Da sich aber mit der Geschichte um den unaufgeklärten Mord an Maras Mutter doch ein gewisser roter Faden durch die einzelnen Bände zieht, empfiehlt es sich schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Zumal dieser alte Fall hier einen ziemlich breiten Raum einnimmt.

Diesmal wird Mara Billinsky in einen undurchsichtigen Machtkampf der Frankfurter Unterwelt hineingezogen, da ein mysteriöser Informant ausgerechnet sie als seinen Ansprechpartner gewählt hat. Als Mara merkt, das dies alles andere als zufällig geschehen ist und sie nur eine Spielfigur in einem perfiden Spiel abgeben soll, steckt sie schon bis über beide Ohren in Schwierigkeiten.
Dabei würde sie sich viel lieber um den unaufgeklärten Mord an ihrer Mutter kümmern, der seit vielen Jahren wie ein Stachel in ihrem Fleisch sitzt.

Auch wenn sich ihre Situation im Kommissariat immer mehr verbessert und sie nicht mehr so sehr um ihren Stellenwert in den Reihen der Polizei kämpfen muss, ist und bleibt Mara Billinsky alias "Die Krähe" ein etwas sperriger Charakter, der es ihren Mitmenschen und auch uns Lesern nicht gerade leicht macht, sie zu mögen. Das unter ihrer harten Schale aber doch ein weicher und verletzlicher Kern steckt, wird auch im weiteren Verlauf dieser Geschichte immer dann besonders deutlich, wenn sie uns ein wenig hinter ihre Fassade blicken lässt.
Gut, das sie sich wenigstens auf ihren Partner Jan Rosen alias "Der Spatz" jederzeit verlassen kann.

Leo Born zeichnet mit seinem packenden Schreibstil und seinen bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen lassen, auch hier wieder ein düsteres und ungeschminktes Bild der Mainmetropole, bei dem er seine überzeugend gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten tief in die düsteren Ecken Frankfurts eintauchen lässt. Neben reichlich Spannung und Dramatik liefert er in seiner gut aufgebauten Geschichte darüber hinaus auch noch eine überzeugende und zugleich überraschende Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offen lässt und auch ziemlich realitätsnah ausfällt.

Auf den nächsten Band der Reihe, der bereits für den Anfang des nächsten Jahres angekündigt ist, bin ich nun auf jeden Fall schon mehr als gespannt.
Die Meßlatte hängt dabei aber wieder ein ganzes Stück höher.

Bewertung vom 04.02.2020
Born, Leo

Blutige Gnade / Mara Billinsky Bd.4


ausgezeichnet

Auch bei ihrem vierten Auftritt kann die Krähe wieder überzeugen

Nachdem mich der Autor Leo Born bereits mit den ersten beiden drei Auftritten von Mara Billinsky restlos überzeugen konnte, lag die Messlatte für den vierten Fall mit der außergewöhnlichen und ziemlich unkonventionellen Ermittlerin aus Frankfurt natürlich ziemlich hoch. Und doch schafft es der Autor ein weiteres Mal, mich zu überzeugen.
Da der rote Fader der ersten Bände, der Mord an Maras Mutter, seit Band 3 abgeschlossen ist, kann man dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten Bänden lesen und nachvollziehen. Alle hierfür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.

Diesmal bekommen es Mara "Die Krähe" Billinsky und ihr Partner Jan "Der Spatz" Rosen gleich mit zwei undurchsichtigen Mordfällen zu tun, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Zum einen wird bei einem Einbruch ohne Beute die Frau eines angesehenen Geschäftsmannes getötet, zum anderen wird ein Enthüllungsjournalist bestialisch gefoltert und anschließend ermordet. Als dann auch noch ein alter Bekannter wieder in Maras Leben tritt und der junge Rafael, den Mara vor einiger Zeit unter ihre Fittiche genommen hat, im Rahmen seines Jobs in einer Fleischfabrik auf einige rätselhafte Vorgänge stößt, finden sich die Krähe und der Spatz urplötzlich mitten im Zentrum eines Orkans wieder.

Leo Born zeichnet mit seinem packenden Schreibstil und seinen bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen lassen, auch hier wieder ein düsteres und ungeschminktes Bild der Mainmetropole, bei dem er seine überzeugend gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten tief in die düsteren Ecken Frankfurts eintauchen lässt. Neben reichlich Spannung und Dramatik liefert er in seiner gut aufgebauten Geschichte darüber hinaus auch noch eine überzeugende Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offen lässt und auch ziemlich realitätsnah ausfällt. Das ich diesmal schon frühzeitig geahnt habe, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde, konnte meinen absolut positiven Eindruck kaum trüben, zumal Leo Born immer noch die eine oder andere kleinere Überraschung im Köcher hat.

Auch wenn dieser Band vielleicht nicht der beste der Reihe ist, bietet er unter dem Strich immer noch Thrillerunterhaltung von Feinsten, die dafür sorgt, das die Meßlatte für die weiteren Bände weiterhin mächtig hoch hängt.

Bewertung vom 23.01.2020
Rehm, Thorsten Oliver

Subliminal. Das Experiment


ausgezeichnet

Packender Thriller von erschreckender Aktualität

Nachdem mich Thorsten Oliver Rehm bereits mit seinem ersten Thriller "Der Bornholm-Code" auf ganzer Linie begeistern konnte, war ich schon sehr gespannt, ob der Nachfolger das hohe Niveau dieses Buches würde halten können. Diese Frage kann ich nun voller Überzeugung mit ja beantworten.

Stand in seinem Erstlingswerk noch eher die Archäologie im Mittelpunkt der Geschichte, geht es diesmal deutlich mehr in Richtung Polit-Thriller, der zudem von erschreckender Aktualität ist. Und obwohl hier einige Protagonisten aus dem "Bornholm-Code" wieder mit dabei sind, kann man das Buch problemlos auch ohne Vorkenntnisse lesen und nachvolziehen. Alle erforderlichen Informationen dazu werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne den Lesefluss zu stören. Die bereits bekannten Protagonisten nehmen diesmal auch eher Nebenrollen ein, die aber durchaus tragend ausfallen

Im Mittelpunkt des Geschehens steht hier aber die Journalistin und allein erziehende Mutter Natascha da Silva, die beruflich unter starkem Druck steht und dringend eine überzeugende Reportage braucht, um hier einen Befreiungsschlag zu landen. Angeregt durch einige Meldungen wählt sie als Thema die zunehmende Gewalt bzw Verrohung in unserer Gesellschaft und stürzt sich mit Feuereifer in die Recherche. Dabei kommt ihr schon bald ein schlimmer Verdacht. Handelt es sich hier gar nicht um eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, sondern wird das Ganze etwa von außen gesteuert ? Diese Frage führt sie auf die Spur eines perfiden Experiments und sie bekommt es mit Gegnern zu tun, die vor nichts zurückschrecken, um ihr Geheimnis zu wahren.

Mit einem packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute und atmosphärisch dichte Geschichte voran und verknüpft dabei die einzelnen Erzählstränge geschickt miteinander, bis sich schließlich das erschreckende Gesamtbild enthüllt. Getragen wird die Geschichte von fein gezeichneten und vielschichtig angelegten Charakteren, mit denen man beim Lesen gerne mitfiebert. Dabei durchläuft besonders die Hauptfigur Natascha im Laufe der Geschichte eine erstaunlich Entwicklung. Kommt sie zunächst noch etwas verzagt und ziemlich kopflastig rüber, gewinnt sie im Laufe der Geschichte deutlich an Kontur und an Stärke hinzu.

Ein spannende Thriller zu einem aktuellen Themen, der mich nicht nur bestens unterhalten konnte, sondern zudem auch zum Nachdenken anregt und noch lange über sein Ende hinaus nachhallt.

Bewertung vom 22.01.2020
Schmidt, Michael (ed.)

Zwielicht Classic 14


gut

Gelungene Anthologie mit abwechslungsreichen Beiträgen aus dem phantastischen Bereich

Mit diesem Band legt der Herausgeber Michael Schmidt den inzwischen bereits 14. Band aus der Reihe "Zwielicht Classic" vor. In der Classic-Reihe werden im Gegensatz zur Reihe "Zwielicht" in erster Linie Nachdrucke von Geschichten und Artikeln, die bereits zuvor in anderen Veröffentlichungen abgedruckt wurden, teilweise sogar mehrfach.

In dieser Ausgabe finden sich nun 7 neuere Geschichten, die zwischen 2006 und 2018 geschrieben wurden, 3 ältere Geschichten aus den Jahren 1916 bis 1937 und ein Artikel aus dem Jahr 2018.
So ergibt sich wieder einmal eine sehr abwechslungsreiche Mischung mit Beiträgen aus der gesamten Palette des phantastischen Bereiches, bei der jeder Liebhaber des Genres den einen oder anderen Beitrag ganz nach seinem Geschmack finden sollte.

Meine persönlichen Favoriten sind hier die Geschichte "Symbiose" von Julia Annina Jorges und "Was bleibt von Dir ?" von Nina Teller, aber auch die übrigen Geschichten konnten mich größtenteils gut unterhalten. Diesmal waren allerdings auch wieder ein paar Beiträge dabei, die mich nicht so überzeugen konnten, oder zu denen ich keinen rechten Zugang finden konnte.

Unter dem Strich ergibt sich aber doch wieder eine gelungene Anthologie, die mir ein paar spannende und gruselige Stunden bereiten konnte.

Bewertung vom 22.01.2020
Krepinsky, Karsten

Blutroter Schleier (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Packender Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen und wohldosierten Schockmomenten

Mit diesem Buch legt der Autor Karsten Krepinsky einen packenden Thriller vor, der schnell eine unheimliche Sogwirkung ausübt und zum echten Pageturner wird. Mich konnte dieses Buch auf jeden Fall auf ganzer Linie überzeugen und begeistern.

Sechs Mitarbeiter des Weltkonzerns Global Companion haben scheinbar das große Los gezogen, als sie in einer firmeninternen Lotterie einen einwöchigen Luxusurlaub auf einer Yacht im Atlantik gewinnen. Doch auf dem Flug dorthin geraten sie in einen Sturm, der den Piloten ihres Helikopters zu einer ordentlichen Bruchlandung auf einer Bohrinsel zwingt. Und dort wartet auf die sieben Menschen kein Paradies, sondern ein gnadenloser Überlebenskampf.

Die Grundidee dieses Thrillers liest sich wie eine Mischung aus der Fernsehserie "LOST" und den Filmen der "SAW"-Reihe. Aus diesen Versatzstücken schafft der Autor hier jedoch keine bloße Kopie, sondern ein ganz eigenes Werk, das dem Thema noch einige neue Facetten abgewinnen kann. Mit einem packenden Schreibstil, vielen unerwarteten Wendungen mit wohldosierten Schockmomenten und einem hohen Erzähltempo treibt er die gut aufgebaute Geschichte voran und lässt sie schließlich in einem krachenden Showdown münden, der eine überraschende und zugleich schlüssige Auflösung bietet. Die Protagonisten und ihren Hintergrund lernen wir dabei auch durch eingestreute Rückblenden immer besser kennen, so das sich die ganze Geschichte wie ein Puzzle erst nach und nach zusammensetzt, bis sich schließlich das erschreckende Gesamtbild enthüllt.

Wer auf packende Thriller steht, die einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lassen, wird hier bestens bedient und unterhalten.

Und sollte sich jemand fragen, was ein Schaukelpferd auf dem Cover eines Buches zu suchen hat, das auf einer Bohrinsel spielt, auch darauf gibt das Buch eine überzeugende Antwort.

Bewertung vom 21.01.2020
Krantz, Gereon

Hinter blutroten Schatten


ausgezeichnet

Abgedrehter, aber dennoch spannender Kriminalroman mit skurrilen Typen und reichlich Situationskomik

Konnte mich der Autor Gereon Krantz bereits bei seinem Debüt, dem ersten Fall mit Thomas Harder und Claudia Vogt, auf ganzer Linie überzeugen, gelingt ihm hier sogar noch einmal eine Steigerung, die zudem noch einmal ein Stück weit abgedrehter daherkommt. Dabei kann man das Buch grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band lesen und nachvollziehen. Alle dafür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne den Lesefluss zu stören. Da hier aber auch ein paar offenen Fäden aus dem Vorgängerwerk weitergesponnen werden, empfiehlt es sich schon, die Bücher in der richtige Reihenfolge zu lesen.

Auch diesmal bekommt es das ungleiche Ermittlerpaar Harder und Vogt wieder mit einer bizarren Mordserie zu tun, die mit einem jungen Mann beginnt, der am S-Bahnhof Alexanderplatz vor eine einfahrende Bahn gestoßen wird. Die Ermittlungen in Sachen Täter und Motiv führen diesmal in die Welt der Tattoos, in der auch Polka und rote Grütze eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen.

Erneut gelingt es dem Autoren wieder auf überzeugende Art und Weise, dem altbekannten Thema vom ungleichen Ermittlerpaar, das eher notgedrungen zusammenarbeiten muss, noch ein paar neue Facetten abzugewinnen. Dies liegt insbesondere an der Figur des Thomas Harder, der weiterhin als klassischer abgehalfterter Ermittler mit Todessehnsucht rüberkommt, im Laufe der Geschichte aber auch wieder ganz andere Seiten von sich zeigen darf. Seine Kollegin steht hier weiterhin über weite Strecken etwas in seinem Schatten, kann sich diesmal aber deutlich besser freischwimmen wie noch im ersten Band. Auch die weiteren Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen sind gut gezeichnet und vielschichtig angelegt.

Der eigentliche Kriminalfall kommt auch diesmal wieder ziemlich düster rüber, zudem lässt der Autor in seinen Beschreibungen in Sachen Gewalt und Blut erneut wenig bis nichts aus. Und dennoch gelingt es ihm immer wieder, das Geschehen mit fast schon absurden Situationen und reichlich schwarzem Humor aufzulockern. Auch wenn die Geschichte in diesen Passagen manchmal nur haarscharf an der Parodie vorbeischliddert, funktioniert diese Mischung insgesamt doch erneut ganz wunderbar und macht zudem einfach viel Spaß. Der Krimiplot an sich ist dabei aber nie bloße Kulisse für den abgedrehten Humor, sondern bis zum Ende überzeugend konstruiert.

Ein Buch, das ich jedem Krimi- und Thrillerfan nur wärmstens ans Herz legen kann, und ein Autor, den man sich merken sollte. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den nächsten Fall mit Harder und Vogt.