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easymarkt3
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Insgesamt 892 Bewertungen
Bewertung vom 22.04.2022
Thiele, Markus

Die sieben Schalen des Zorns


ausgezeichnet

Selbstbestimmt sterben mit welchen Hilfen – juristisches Minenfeld in der BRD?
Mit diesem Titel wird Bezug genommen auf die Bibel. Im Gespräch mit Pfarrer Braun geht es um die Johannesoffenbarung, in der Gott die alte Welt dem Erdboden gleichgemacht hat und seinen Zorn dabei auf sieben Schalen verteilt, die die Engel nach und nach auf die Erde ausschütten. Dabei trifft es jedes Mal den Hauptakteur Dr. Max Keller, der im Verlauf seines Lebens von ihm geliebte Menschen durch Tod verliert: seine Großmutter, Ehefrau und Tochter, seinen Vater inclusive Bauernhof, seine todkranke Tante Marie. Ihr assistiert er beim Sterben und erfüllt damit ihren letzten Wunsch, nachdem Alzheimer in fortgeschrittenem Stadium ihr Leben mehr als unwürdig gestaltet.
Inspiriert von wahren Fakten der Justiz in Deutschland liest sich dieser Roman wie ein Krimi rund um das Thema ‚Sterbehilfe‘ mit moralischen, religiösen und juristischen Diskussionen über das Recht auf einen selbstbestimmten Tod.

Bewertung vom 20.04.2022
Bohnet, Ilja; Naumann, Thomas

Das rätselhafte Universum (eBook, ePUB)


sehr gut

Eine interessante Reise vom Reise vom Mikro- zum Makrokosmos - allgemein verständlich!
Der erste Teil beschreibt das bisher erarbeitete physikalische Wissen, viele Welträtsel im Wandel der Zeit. Im zweiten Teil geht es um offene Fragen, um sieben fundamentale Welträtsel – stets für jedermann verständlich mit einigen anschaulichen Beispielen aus unserem Alltag. Während der erste Teil nur 5 % der Materie des Universums beschreibt, versuchen die Naturwissenschaften nun, die 95 % noch verstehen zu lernen. Die Philosophie befasste sich schon zu Zeiten Aristoteles zumindest in der Theorie – ohne jegliche Experimente – mit Fragen nach Raum und Zeit, nach Harmonie in der Welt, nach dem Leben aus dem Nichts oder nach Ideal und Wirklichkeit.
Auch ich müsste hier zugeben: Ich weiß, dass ich nichts weiß!

Bewertung vom 20.04.2022
Enriquez, Mariana

Unser Teil der Nacht


ausgezeichnet

Ein Medium und die gefährliche Dunkelheit sorgen für fantasievolle Albträume.
Volkstümlicher Heiligenglaube und Legenden aus Europa und Südamerika, besonders aus Argentinien, ergibt einen Roman mit Magie, Fantasie, Freundschaft, Aberglaube und Historie, rund um Juan Peterson und seinen Sohn Gaspar als Medien. Juan ist vierunddreißig, aber er fühlt sich wie zweihundert vor seinem Tod und er sagt zu Gaspar: Du hast etwas von mir, ich habe dir etwas von mir hinterlassen, hoffentlich ist es nichts Schlechtes, ich weiß nicht, ob ich dir etwas hinterlassen kann, das nicht beschmutzt ist, nicht dunkel, unser Teil der Nacht. Er hat den Schutz seines Sohns mit Elementen entworfen, die er vom Anderen Ort mitgebracht hat, aus einem Bereich der Dunkelheit, den der Orden nicht kennt. Und noch fehlt ihm der definitive, der endgültige Schutz, der auf sich warten lässt. Der Herr der Geduld, denkt er.
Verheiratet ist Juan mit Rosario Reyes Bradford, 1949 in Buenos Aires geboren. Sie erhält als erste Argentinierin an der Universität Cambridge einen Doktortitel in Anthropologie. Ihre Spezialgebiete sind symbolische Anthropologie, Religionsanthropologie und Ethnographie der Guaraní. Sie lehrt und forscht an der Universität Buenos Aires und hat über zwanzig Artikel in Argentinien, Paraguay, Brasilien, Kolumbien, Mexiko, den USA, England, Frankreich und Belgien veröffentlicht. Sie ist Autorin des Buchs Tekoporã: Anthropologische Erkundungen zu Geschichte, Religion und Ontologie der Guaraní.« Ihre Familie kommt aus Großbrittannien, ist sehr reich und mächtig, die einem Orden der Dunkelheit vorsteht mit vielen Initiierten
Dr. Bradford ist Chirurg und Kardiologe, auch Engländer. Dass seine Familie einem Schattenkult, dem Orden, angehört, bedeutet lange Zeit kaum mehr, als dass sie sich in einem internationalen Zirkel aus Geld, Privilegien und Beziehungen bewegen. In Misiones, Argentinien, tritt auch er 1983 in die Dunkelheit, die nicht versteht, keine Sprache hat, dass sie ein wilder oder allzu ferner Gott ist.
Nur einige schillernde Protagonisten mögen hier vorgestellt werden.

Bewertung vom 14.04.2022
Heller, Miranda Cowley

Der Papierpalast


sehr gut

Ein trauriges Wechselspiel über Selbsterkenntnis und Aufrichtigkeit.
Eleanor Bishop, Elle, erzählt in Kapitel 1 von einem Sommertag im August, an dem sie eine lebenswichtige Entscheidung am See trifft, im Alter von 50 Jahren. Das letzte Kapitel endet ebenso mit diesem entscheidenden Sommertag.
Es ist früh am Morgen, alle schlafen noch, als Elle an einem perfekten Augusttag zum See läuft. Er liegt unterhalb des Sommercamps der Familie, ein paar altersschwache Hütten, die ihr Großvater in den Back Woods von Cape Code zusammengezimmert hat. Der Titel des Buches ›Papierpalast‹ ist ironisch gemeint, denn dieses Haus ist aus Papier gebaut, aus geschredderter und gepresster Pappe, und doch ist es zu etwas Festem geworden, das der Zeit, den langen, einsamen Wintern standhält. An diesem Ort sind Elle`s Geheimnisse in dem langsam verfallenden Haus geborgen.
Zwischen den Kapiteln erzählt Elle über die gemeinsam gegangenen Wege seit Kindheitstagen mit ihrer großen Familie, mit Ehemann Peter und Jonas, über diese unglaubliche Reise durchs Leben mit ihrer verborgenen Liebe zu Jonas und einem düsteren Geheimnis um Conrad.

Bewertung vom 12.04.2022
Leciejewski, Barbara

Für immer und noch ein bisschen länger


ausgezeichnet

Die Überwindung verschiedener Ängste mit viel Taktgefühl im Roman eingebettet.
Trauer und Neuanfang, bewegend festgehalten in emotional nachfühlsamen Szenarien, anfangs mit Anna in ihrer Wohnung, nach Auszug in einer Senioren-WG mit einem seltsamen Sohn und einem blinden Schulpsychologen in der Nachbarwohnung, der allen recht rüstigen, interessanten, jedoch vereinsamten Mitbewohnern aus ihrer lähmenden Lethargie mit Anna in der Vermittlerrolle. Auch für sie findet sich die Tür aus der Enge und Dunkelheit zur neuen, ganzheitlichen Person.
Mehrere Fragen tauchten für mich während des Lesens auf:
Auf die Flugangst von Kurt wurde im Roman nicht eingegangen. Warum nicht?
Wie lange dauert es bei einer Konfrontationstherapie, bis die Betroffenen ihre jeweiligen Ängste überwunden haben?.... Pauschal sicher nicht sinnvoll zu beantworten.
Wie handhabt ein Blinder in Corona-Zeiten die Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands zur nächsten Person? Darf die blinde Person dann noch nicht einmal zum Einkaufen raus?
Der achtundvierzig-jährige Sohn Michel der ehemaligen Opernsängerin verhält sich an schlechten Tagen sehr sonderbar, ohne genauere Erklärungen zu dieser Anormalität - schade!
Sämtliche Problematiken sind mit sehr viel Einfühlungsvermögen behandelt, neben einem Gläschen Prosecco.

Bewertung vom 10.04.2022
Reid, Taylor Jenkins

Die sieben Männer der Evelyn Hugo


ausgezeichnet

Die Welt schenkt einem nichts, man muss es sich nehmen. Spannende Story!
Diese Hollywood-Filmikone, verstorben mit 79 Jahren, präsentiert ihr wahres Leben – schillernd, frei von verdrehter Wahrheit und spannend präsentiert, wie von ihr gewünscht in Form einer Biographie, geschrieben von einer jungen, bisher unbekannten Journalistin, Elizabeth Monique Grant, die aus einem ganz bestimmten Grund von der Schauspielerin benannt wird. Die überraschende Begründung dafür erfährt der Leser zum Schluss – emotional bewegend. So wird über die Ehe mit diesen sieben verschiedenen Ehemännern ein sehr farbiger Regenbogen gespannt, um Gedankenspiele über Bisexualität, Lesben und Schwule im Amerika der 50er- bis 70er-Jahre kreisen zu lassen, über wahre Freundschaft, die Wahrheit und Intimität, aber auch über häusliche Gewalt in der Ehe zu reflektieren, weniger über Sex.
“ Evelyn, wer war Ihre große Liebe? „ Auf diese Frage erhält der Leser erst nach und nach die aufrichtige, nachvollziehbare Antwort.

Bewertung vom 06.04.2022
Mohlin, Peter; Nyström, Peter

Die andere Schwester / Karlstad-Krimi Bd.2


sehr gut

Dating in the Dark – wohl nicht so romantisch, aber spannend!
Stella Bjelke, Geschäftsführerin einer erfolgreichen neuen Dating-App und ihre Schwester Alicia als IT-Spezialistin bzw. Programmiererin dieser App sind im Visier von John Adderley, der im schwedischen Karlstad ermittelt.
Geprägt ist dieser Krimi durch viele Puzzleteile, die bei allen Beteiligten weit zurück in die Vergangenheit führen, den oben genannten Hauptermittler aus den USA eingeschlossen.
Schweden scheint ein Land zu sein, in dem der Staat die Kontrolle über alles und jeden hat. Mit einer Ausnahme: anonyme SIM-Karten. Ist in der BRD diese Kontrolle ebenso weitreichend gegeben?
Gestört hat mich am Charakter der Schwester Alicia besonders, dass sie derart dem Alkohol frönt. Ansonsten finde ich die einzelnen, weiteren Charaktere sehr kreativ gestaltet in ihrer Verschiedenheit.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.04.2022
Jürgensen, Dennis

Gezeitenmord / Teit und Lehmann ermitteln Bd.1


sehr gut

Ein spektakulärer Spaziergang im Watt mit spannenden Folgen!
Das frischgebackene Team Rudolph Lehmann, Polizei Flensburg und Lykke Teit, Polizei Kopenhagen arbeiten zusammen an der deutsch-dänischen Grenze. Und was finden sie vor: einen toten Kriminellen, der im Sand vergraben ist, die Leichen von zwei gefolterten Junkies in einem Turm und einen unbekannten Täter, der einen Lehrer bei einem Spaziergang im Watt überfallen und möglicherweise einen Schüler gewaltsam entführt hat. . Im Übrigen arbeiten die dänische und die deutsche Polizei hier zusammen, weil der tote Kriminelle auf der Grenze zwischen den oben genannten Ländern gefunden wird.
Die Aufklärung von zwei Entführungen kleiner Mädchen verkompliziert diese Sachlage. Dort draußen läuft also noch ein lebensgefährlicher Pädophiler frei herum, den sie finden und dingfest machen sollen. Daher gehen sie unkonventionelle Wege bei ihren Ermittlungen. Wie passt das nun alles zusammen?
Die Textpassagen mit Witzen des deutschen Kommissars Rudi mit Bezug auf den 2. Weltkrieg würde ich streichen. Dass all die eingebaute Technik in seinem Wohnmobil bisher nicht zum Einsatz kommt, finde ich schade.

Bewertung vom 04.04.2022
Peetz, Monika

Die Sommerschwestern Bd.1


ausgezeichnet

Gelungene Beschreibung von Emotionen.
Johannes Thalberg, verheiratet, Vater von vier Töchtern, verunglückt tödlich mit dem Auto in Bergen, Holland in den Sommerferien. Diese so verschiedenen Schwestern, Sommerschwestern, treffen sich auf überraschende Einladung der Mutter wieder an diesem Ort, zwanzig Jahre nach seinem Tod. Sie entstammen zwar demselben Genpool und sind doch so unterschiedlich in ihrem Charakter. Neben der Frage, was sich im Leben ihrer Mutter abspielt, haben sie alle ihren eigenen unsichtbaren Rucksack mit Problemen mit nach Holland gebracht. Sobald man an der Oberfläche kratzt, wird das Leben unübersichtlich. Sie verhalten sich auch nach dieser langen Zeit wie eine Patchworkfamilie, die nur zusammengekommen ist, um gemeinsam alte Konflikte zu lösen.
Die überraschenden Heiratsabsichten ihrer Mutter, die Auseinandersetzung mit Doro, der schwelende Konflikt mit David, die verstörenden Informationen über Thijs, all das macht Yella zu schaffen, die durch den ganzen Roman hauptsächlich präsent ist.
Am besten man handelt nach dem Motto: Ignoriere die dunklen Wolken am Himmel und konzentriere dich stattdessen auf die schönen Dinge im Leben. Was auch immer passiert, wir haben immer noch uns. Wir bleiben die Sommerschwestern – trotz aller Diskrepanzen. »Wir streiten, und wo Reibung ist, entsteht Wärme. Und die hält uns zusammen.«

Bewertung vom 02.04.2022
Thaler, Anna

Das Land, von dem wir träumen / Die Südtirol Saga Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Südtirol und die Bauernfamilie Bruggmoser nach dem 1. Weltkrieg im politischen Kreuzfeuer
Sehr interessant finde ich die Ausführungen über geheime Schulen. Gamper hatte zur Gründung von Katakomben Schulen aufgerufen. Leider ist auf den Namensgebung des Römerturms und seiner Geschichte in diesem Zusammenhang nicht weiter eingegangen worden. »Eine geheime Schule. Das machen sie in vielen Gemeinden in ganz Südtirol. Damit wir den Kindern unsere Sprache beibringen, ihnen unsere Kultur und die Werte unserer Heimat vermitteln können. Die Südtiroler wollen nur, dass ihre Traditionen nicht aussterben und die Kinder die Sprache ihrer Eltern lernen. Vernünftig lernen, nicht nur sprechen.«
Solche Waal Stiege habe ich bei Wanderungen um Meran herum auch 2019 finden können.
Dass die Carabinieri bei der Behandlung von Südtiroler Rebellen nicht zimperlich ist, wird klar herausgestellt. Dass damit auch Misstrauen zwischen den Menschen untereinander wächst, die Ungleichheit zwischen denen, die die Macht innehaben, und denen, auf deren Kosten die Macht missbraucht wird, wird ebenso eindrucksvoll geschildert.
Wie schwer jahrhundertalte Traditionen geändert werden können, erkennt man am Schicksal von Franziska und dem Knecht aus Bayern – erfrischend beschrieben.