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Marie aus E.

Bewertungen

Insgesamt 887 Bewertungen
Bewertung vom 27.10.2019
Elstad, Lotta

Mittwoch also


ausgezeichnet

Keine leichte Kost, aber bestimmt sehr interessant, so waren meine Gedankengänge, bevor ich zu lesen begonnen habe.

Für mich überraschend war das Buch aber sehr leicht zu lesen, selbstironisch, sarkastisch, selbstkritisch, verletzt, verliebt und verloren - all das ist Hedda.

Sie steht für die "Generation Praktikum", hat zwar einen Job, aber nur als Freelancerin und ist damit Kandidatin Nummer 1 beim Personalabbau.
Ihre Wohnung ist winzig und hat kaum genug Platz für eine Person, für zwei Menschen nie und nimmer. Ihre Beziehung (bei der auch nur sie echte Gefühle investiert hat) zerbricht und dann wird sie von einem One-Night-Stand schwanger.

Es ist kein Buch über das Für- und Wider eines Schwangerschaftsabbruchs, sondern spiegelt das Leben einer ganzen Generation wider.
Und trotz des Inhalts ist es kein schweres Buch, es macht Spaß zu lesen und bringt einen doch zum Grübeln.

Richtig gut geschrieben - von der Autorin möchte ich gerne mehr lesen.

Bewertung vom 26.10.2019
Aichner, Bernhard

Der Fund


sehr gut

Das ist mein erster Aichner und ich habe das Buch sehr genossen.

Der Schreibstil ist ungewöhnlich, kurze Sätze und Kapitel, alles auf den Punkt gebracht, das passt prima zur Story.

Rita wurde ermordet und ihr Tod ziemlich schnell zu den Akten gelegt. Wäre da nicht ein Ermittler, der es unbedingt genau wissen will und einfach keine Ruhe gibt.
Stück für Stück kann man dann in chronologischer Reihenfolge von Beginn an mit verfolgen, was wirklich geschah, immer wieder unterbrochen von Befragungen des Ermittlers. Gut gemacht.

Die Auflösung der Story war sehr vorhersehbar, ich war mir schon nach einem Drittel des Buchs sehr sicher, was geschah.
Trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, weil es so gut geschrieben war (und weil ich natürlich die Bestätigung wollte, dass ich richtig liege).

Ein Thriller war das Buch für mich nicht, eher ein Roman mit Krimielementen, aber das ist egal, Hauptsache es war gut.

Den Autor werde ich weiterverfolgen.

Bewertung vom 19.10.2019
Dautremer, Rébecca

Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough


gut

Das Buch ist optisch eines der Schönsten des Jahres. Großformatig, hochwertig und mit einem dermaßen hinreißenden Cover wollte ich es unbedingt haben.

Innendrin dann die Überraschung, dass der Inhalt nicht (nur) zauberhaft poetisch ist, sondern eben die Lebensgeschichte des Jacominus Gainsborough erzählt, zwar auch mit schönen, aber auch vielen schweren Momenten.
Dementsprechend sind auch die Bilder, Krieg und Tod machen nicht halt.

Ich habe keinen rechten Zugang zu dem Buch bekommen, normalerweise mag ich ernste und komplexe Bilderbücher, die sich auch an Erwachsene richten, hier bin ich von den Illustrationen durchgängig entzückt und angetan (es sind nicht alle niedlich, aber alle großartig), es hat etwas von einem anspruchsvollen Wimmelbuch.
Die Geschichte an sich, hm, es wird zu viel nur angedeutet und sie schafft es einfach nicht, mich zu packen. Ich habe sie nur aus der Distanz verfolgt.

Auch die Kindersicht fiel - obwohl ich meine Meinung nicht kommuniziert hatte - ähnlich aus.
Viel zu viele schwierige Namen, so dass man völlig den Überblick verlor, zu viele schwierige Worte und keine kindgerechte Handlung. Auch wenn die Autorin eingangs schreibt:
"Bist du klein, so werden dir einige Stellen vielleicht rätselhaft vorkommen. Keine Angst, Du kannst ein wenig nachdenken und vieles erraten."
Das stimmt natürlich, aber dazu müsste man erst einen Zugang zum Buch haben und das hat leider bei uns nicht geklappt.

Bewertung vom 18.10.2019
Mäderer, Anja

Einer flog über die Vogelsburg


ausgezeichnet

Die Vogelsburg im scheinbar gemütlichen Unterfranken beheimatet eine psychosomatische Klinik.
Dort wird Will Klien behandelt, er leidet unter einer schlimmen Form des Waschzwangs. Als allerdings sein Therapeut ermordet wird, da beschließen Will und seine Therapiegruppe den Mörder zu finden.

Die originelle Handlung mit Hobby-Ermittlern fernab der üblichen Klischees hat mich vollständig überzeugt. Das Leid der Patienten wird thematisiert, aber nicht als Klamauk missbraucht, sondern einfühlsam dargestellt. Und trotzdem ist es ein sehr humorvoller, leichter und witziger Krimi, die Balance ist super gelungen.

Besonders gut hat mir neben der bunten und schrägen Truppe und der schönen Ortswahl Unterfranken gefallen, dass man so schön miträtseln konnte. Auch als Leser folgt man ständig neuen Theorien über die Täter (es gibt nämlich nicht nur den oben erwähnten Mord, nein, die Vogelsburg zieht Verbrecher wohl magisch an....).

Jedes Kapitel hat auch gleich zu Beginn ein Highlight, die Überschriften sind einfach der Knaller.
"Hinterher ist man gar nicht immer klüger. Manchmal ist man hinterher auch einfach ärmer oder überfressen oder betrunken oder schwanger!" ist einer meiner Lieblingsüberschriften.

Ich lehne ich jetzt mal weit aus dem Fenster, aber das ist der beste Frankenkrimi, den ich jemals gelesen habe. Absolute Leseempfehlung, auch für Nichtfranken!

Bewertung vom 17.10.2019
Roeder, Annette

Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus / Hetty Flattermaus Bd.1


ausgezeichnet

Hetty ist ein winziges Hummelfledermausmädchen, das es faustdick hinter den kleinen Fledermausohren hat.
Ihre Mutter ist eine echte Helicopter-Mama und möchte ihre kleine Tochter am liebsten unter ständiger Beobachtung haben. Als Mutter weiß man, wie schwierig hier die Balance sein kann - ich konnte mich gut in die Fledermausmama hineinfühlen, auch wenn sie den Fürsorgebogen doch ein klein wenig überspannt.
Klar, dass Hetty da erst recht auf Entdeckungsreise gehen will, mit Hilfe ihrer besten Freundin Fidelia klappt das recht gut. Und "draußen" wartet dann ein richtiges Abenteuer!


Uns hat das Buch richtig gut gefallen, Text und Illustration sind hier so dermaßen perfekt miteinander verbunden, wir sind aus den "Ooooooh, wie niedlich"s gar nicht mehr herausgekommen.
Sehr hochwertig gestaltet gibt es gibt doppelseitige, komplett durchillustrierte Seiten, generell viele großflächige Illus, einen wunderschönen Übersichtsplan, alles bunt und ganz, ganz viel Text, so dass ein richtig spannendes Abenteuer entstanden ist.

Besonders gut hat meiner Tochter die Umkehrung gefallen, Hetty ist schließlich nachtaktiv, klar, dass sie da nicht irgendwo übernachtet, sondern logischerweise übertagt.

Ein wunderschönes Buch zum Vorlesen und gemeinsamen Bilder betrachten und für etwas fortgeschrittenere Leser auch zum eigenständigen Schmöckern. Ende der zweiten Klasse würden wir hierfür aber schon empfehlen, weil es (zum Glück) schon relativ viel Text ist.

Ein Buch, das wir mit einem glücklichen "Hach" beendet haben. Wir freuen uns schon sehr auf ein Wiederlesen und Wiedersehen im zweiten Teil, der im Frühjahr 2020 erscheinen soll. Yiepieeeh!

Bewertung vom 17.10.2019
Nesser, Hakan

Der Verein der Linkshänder


sehr gut

Ich hatte mir unter dem Buch etwas anderes vorgestellt, eine spannende Story mit den zwei berühmten Kommissaren Van Veeteren und Inspektor Barbarotti.

Tatsächlich ist es aber ein eher ruhiges Buch, das trotz seiner 608 Seiten eher dahinplätschert und nicht gerade durch einen kaum auszuhaltenden Spannungsbogen überzeugt.
Eigentlich ein No-Go bei einem Krimi - hier hat mir das Buch aber trotzdem sehr gut gefallen. Interessanterweise steht auf dem Buch auch gar nicht Krimi, sondern lediglich Roman.

Van Veeteren wird 75 und sinniert über das Leben. Die Gespräche mit seiner Frau, die von Herzlichkeit, Dankbarkeit, Tiefgang und kleinen nett gemeinten Sticheleien geprägt sind, haben mit besonders gut gefallen.
Der Kriminalfall an sich ist zwar nicht uninteressant, durch den besonders zu Buchanfang aber ständig hin- und herspringenden Zeitwechsel fiel mir das Lesen da auch relativ schwer.

Insgesamt fand ich es aber gar nicht störend, sogar sehr angenehm, dass hier der Akzent mal etwas anders gelegt wurde, ein schönes Buch.

Bewertung vom 15.10.2019
Fölck, Romy

Sterbekammer / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.3


ausgezeichnet

Sterbekammer ist bereits der dritte Band um das Ermittlerteam Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn und ich habe bereits die Vorgängerbände verschlungen.
Der aktuelle Band toppt diese sogar noch.

Bereits das Cover hat einen hohen Wiederkennungswert, nach ein paar Seiten war es fast wie nach Hause kommen. Die Charaktere sind mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen und Romy Fölck hat genau die richtige Balance aus Spannung und Privatleben ihrer Hauptpersonen gefunden. Letzteres nimmt relativ viel Raum ein, passt hier aber wunderbar, man lernt Frida und Bjarne von Band zu Band besser kennen. Ob unangenehme Vorgesetzte, innige neue Familienbande oder aufregende Arbeitskollegen, er passiert ganz schön viel.

Hauptstrang ist aber natürlich der Kriminalfall. Genau genommen sind es sogar zwei, denn nach dem Tod eines alten Mannes wird der Zugang zu einem Gefängnisverlies entdeckt, der vermuten lässt, dass hier ein Zusammenhang mit einer schon Jahre zurückliegender und nie aufgeklärter Entführung besteht.
Obwohl ich schon relativ bald eine Ahnung hatte, hat mich die Auflösung wieder überrascht (zum Glück!) und die Entwicklung der Handlung war beklemmend und sehr überzeugend geschrieben. Streckenweise konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Hoffentlich gibt es bald Lesenachschub - eine Krimireihe, die Suchtpotential hat.

Bewertung vom 10.10.2019
Meyer, Thomas

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin


ausgezeichnet

Der Titel deutet es schon an, das hier ist ein Buch der etwas abgefahrenen Sorte.


Es ist bereits der zweite Band um Motti Wolkenbruch, aber man kann problemlos folgen, auch wenn man Teil 1 nicht gelesen hat (allerdings kann man es auch gleich chronologisch lesen, denn spätestens nach der Lektüre wird man Band 1 sowieso lesen wollen...).


Wolkenbruch wurde von seiner jüdischen Familie verstoßen und landet in einem Kibbuz. Aber nicht in irgendeinem, nein, das Ziel ist die Weltherrschaft.
Im entfernten Bayern strebt das eine Gruppe von Nazis auch an - und beide Gruppierungen sind so absurd gezeichnet, das man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.
Anfangs noch mit Zweifeln. ob man darüber lachen darf und zwischendrin stockt das Lachen auch fast, denn Meyer hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und bringt Dinge genau auf den Punkt. Dabei schafft er aber eine Balance aus Witz/Absurdität und erschreckender Realitätsnähe, die das Lesen zu einem großen Vergnügen macht.
Die Macht von Social Media und Internet, die moderne Technik generell (Alexa-Besitzer werden auf ihre Kosten kommen), Markenhype, ach, es sind so viele Aspekte, die hier aufgegriffen werden.
Eigentlich sollte das Buch gleich mit einem Textmarker verkauft werden, weil man immerzu Textpassagen anmalen möchte.

Intelligente Unterhaltung für alle, die es schräg mögen.
Ein echtes Lieblingsbuch.

Bewertung vom 08.10.2019
Till, Jochen

Schule ist die Hölle / Luzifer junior Bd.6


ausgezeichnet

Opa kommt zu Besuch!
Eigentlich müssten sich Luzie und Lilly ja freuen, aber dieser Opa ist einfach...großartig.
Sagt er zumindest über sich und auch alle anderen in St. Fidibus sehen das so.
Tatsächlich ist Opa einfach grässlich. Und zwar richtig grässlich.
Für Luzie und Lilly steht fest: Opa muss weg und zwar so schnell wie möglich. Aber ob das klappt? Opa ist ja nicht irgendein Opa...

Auch Band 6 hat nichts von seinem Witz eingebüßt und thematisiert Freundschaft.
Unser absoluter Superheld ist weiterhin der kleine Hausdämon Cornibus mit seinem ständigen Verlangen nach "Schlotzolade" und für die Erwachsenen gibt es mit dem Techniker der Hölle natürlich auch wieder witzige Anspielungen.

Leider war auch dieser Band viel zu schnell wieder ausgelesen, doch zum Abschluss gab es immerhin zwei kleine Trostpflaster:
Den traditionellen Abschlusscomic (hihi) und die Aussicht auf Band 7 im Frühjahr 2020.

Luzifer Junior ist weiterhin eine der absoluten Lieblingsreihen der Tochter...und der Mutter ebenso.

Bewertung vom 05.10.2019
Kürthy, Ildikó von

Es wird Zeit


ausgezeichnet

Das schöne an den Ildiko-Büchern ist, dass sie mit einem erwachsen wurden.
Vor 20 Jahren (oh weh, ist das tatsächlich schon so lange her?) habe ich in "Mondscheintarif" mit gewartet, dass ER endlich anruft.

Inzwischen haben sich die Problemlagen deutlich geändert, so auch in dem neuen Buch.
Die Mutter verstorben, so dass eine Reise in das Elternhaus ansteht. Und damit ein Zurückkehren zu all den Erinnerungen, die man erfolgreich verdrängt hatte.
Judith trifft ihre ehemals beste Freundin wieder, die todkrank ist, ihre Jugendliebe, die auf einmal wieder Interesse an ihr hat.
Und dann ist da auch noch ihre Ehe, die das Funkeln und Herzflattern schon lange verloren hat bzw. noch nie so wie in Hollywood-Filmen geboten hat.

Während Anne (die kranke Freundin) tapfer versucht, das Leben zu genießen, hadert Judith. Mit allem, statt einfach glücklich zu sein. Manchmal möchte man sie einfach schütteln und ihr die Meinung sagen, zum Glück hat sie Freunde, die das übernehmen.

Ein Buch zum Lachen und Weinen, berührend und doch auch mit den "früheren" leichten Ildiko-Elementen.
Das Leben in den 50ern, wenn die Kinder aus dem Haus sind, der Körper nicht mehr jugendlich ist, die Eltern und auch schon Freunde krank werden und sterben und einem die eigene Endlichkeit immer mehr bewusst wird und Instagram-Bilder die scheinbar perfekte Welt als Widerspruch zum eigenen Leben widerspiegeln.

Gute Unterhaltung mit nachdenklichen, ernsten und witzigen Elementen.
Mit Ildiko gehe ich dann gerne auch mit 70 ins betreute Wohnen.