Benutzer
Benutzername: 
Christina P.
Wohnort: 
Hamburg

Bewertungen

Insgesamt 1153 Bewertungen
Bewertung vom 03.05.2020
May, Isabell

Das Licht der fünf Monde / Shadow Tales Bd.1


sehr gut

Emotionales Abenteuer voller Magie und Märchenelemente
Lelani und ihr bester Freund Haze staunen nicht schlecht, als sich an ihrem 18. Geburtstag ihr bisher verschlossenes Medaillon öffnet und eine vertraut wirkende Frau sie zu sich zu rufen scheint. Ihre leibliche Mutter? Zudem ruft das geöffnete Amulett Kräfte in Lelani frei, welche fortan die Königin des Reiches Jagd auf sie machen lässt. Lelani und Haze machen sich auf die Suche nach der Frau - eine aufregende und gefährliche Reise beginnt für die beiden.
Das Buch ist primär aus Lelanis Sicht geschrieben, wobei die böse Seite ebenfalls einige Passagen erhält. Lelani und Haze sind mir auf Anhieb sympathisch gewesen und bilden ein gutes Team, welches jedoch durch einen dritten Part empfindlich gestört wird, zumal Lelani stellenweise doch recht verträumt-naiv wirkt. Neben einem leichten Dreiecksverhältnis gibt es zudem einige märchenhafte Anspielungen, welche die Autorin gekonnt in die Erzählung verwoben hat wie die Gefangene im Turm, den großen bösen Wolf, Snow und die sieben Räuber oder eben die böse Königin. Von der Geschwindigkeit der Abenteuer her ging es mir manchmal etwas zu langsam voran, der Schwerpunkt lag wiederholt auf Emotionen und Gedanken, was andererseits der Geschichte eine ziemliche Tiefe verleiht, aber eben auf Kosten der Spannung.
Ebenfalls störten mich ein paar Unstimmigkeiten [Achtung, Spoiler!]: Warum trat Lelanis ererbte Magie erst an ihrem 18. Geburtstag zutage, obwohl dies ansonsten viel früher geschieht? Und warum ruft die Mutter ihre Tochter erst zu sich, nur um nach all den gefährlichen Strapazen der Tochter dieser zu sagen, sie solle verschwinden, weil es für sie dort zu gefährlich sei?! Warum dann erst das Mädchen zu sich rufen?!
Eine schöne Idee voller Magie und Anklang an Märchenelemente, leider mit einigen Längen und Unstimmigkeiten, welche dennoch Lust auf eine Fortsetzung macht.

Bewertung vom 03.05.2020
Ammon, Katja

Darker Things


ausgezeichnet

Wenn dich die dunkle Variante der Realität zu sich ruft
Die 17-jährige Lejla wurde dazu verdonnert, den Sommer über illegale Graffitis zu beseitigen als Strafe für eine Tat, welche sie gar nicht begangen hat. Hilft alles nichts, da muss sie nun durch. An einem Nachmittag wird sie jedoch bei ihrem "Sommerjob" von einem düsteren Typen recht ruppig vertrieben, der sich dort mit jemandem treffen will. Als sie sich kurz darauf wieder an den Ort traut, stellt sie erschrocken fest, dass nun die gesamte Wand besprayt ist: Mit der Skyline von Basel, nur in einer deutlich zerstörteren Version. Merkwürdig nur, dass ihre beste Freundin Endra das Bild nicht sehen kann. Kurz darauf beginnen Lejlas Visionen der Zerstörung ihrer Stadt, welche anschließend eintreffen. Stets taucht dieser Fremde kurz vorher auf. Hat er etwas mit der Sache zu tun? Oder zieht Leyla selbst die Zerstörung an? Und was hat es mit der Dunkelwelt auf sich und der Geheimgesellschaft, welche fortan Jagd auf sie macht? Lejla flieht - in die Dunkelwelt...
Das Buch ist sowohl aus Lejlas Sicht wie auch aus der des Fremden erzählt. Inhaltlich wird man langsam an die Story herangeführt, lernt Lejla und ihre Freundin kennen, ebenso wie den Fremden, der natürlich auch einen Namen hat. Dabei ist Lejla eine angenehm umgängliche Person, kein zickiger Teenager, der einem auf die Nerven geht. Und beim Fremden zeichnete sich mir schnell das Bild eines Bad Boys ab, der längt kein Bad Boy mehr sein will und nicht so schlecht ist, wie es zunächst scheint.
Die Idee der Dunkelwelt, was sich dahinter verbirgt und welche Rolle diese spielt, hat mir sehr gefallen, ebenso die Hintergründe der Geheimgesellschaft. Stilistisch hat die Autorin recht viele Details eingebaut, welche die Story auf eine angenehme Geschwindigkeit bremsen und dadurch alles für mich greifbarer machten. So konnte ich mir die Personen ebenso gut vorstellen wie die Umgebung, vor allem die Dunkelwelt war recht anschaulich beschrieben.
Wer ein Buch voller Action und einer übertoughen Protagonistin erwartet, wird sich vielleicht im Buch nicht ganz wohl fühlen. Ich empfand es vielmehr als ein Wohlfühlabenteuer mit zwei sympathischen Hauptcharakteren, welches zwar in sich abgeschlossen ist, aber aufgrund der Dunkelwelt die Möglichkeit einer Fortsetzung offenlässt.

Bewertung vom 28.04.2020
Stückler-Wede, Alexandra

Stars Crossed. Silberblut (eBook, ePUB)


sehr gut

Ausdrucksstarke Charaktere und die Rettung eines Planeten
Der ferne Planet Aureon liegt im Sterben. Kenna und ihre Familie versuchen nun unerkannt, ein Heilmittel für ihren Heimatplanet auf der Erde zu finden. Dabei müssen sie vorsichtig sein, um nicht von den Jägern des Forschungsinstituts erwischt zu werden, welches sie für Experimente an den Ausserirdischen missbrauen will. Nach einem Umzug nach London trifft sie an ihrer neuen Schule auf Einzelgänger Cas, von allen als Freak bezeichnet und dennoch auf gewisse Weise faszinierend. Warum, weiß Kenna anfangs nicht zu sagen, doch schon bald stellt sich heraus, dass die beiden etwas verbindet.
Ich war ziemlich überrascht, als ich das Buch begann. Statt auf einem fernen Planeten beginnt das Buch mit Cas, den ein großes, ihn erdrückendes Geheimnis umgibt und der ausser seiner Adoptivmutter und deren Sohn niemanden wirklich an sich heran lässt. Und auch Kenna und ihre Familie sind bereits seit Jahren auf der Erde und kürzlich vor dem „Institut“ aus Manhatten nach London geflohen. Mir waren sowohl Kenna wie auch Cas auf ihre jeweilige Art gleich sympathisch, wobei ich immer neugierig war, was wohl hinter Cas‘ Vergangenheit steckt, aber auch, was es mit Kennas Heimatplanet Aureon und dem Silberblut auf sich hat. Für die Auflösung beider Geheimnisse muss man sich etwas gedulden, der Weg dahin ist unterhaltsam und abwechslungsreich, zumal das Buch sowohl aus Kennas wie auch aus Cas' Sicht erzählt wird. Etwas weniger gefiel mir die Story von dem Punkt an, an dem überraschend jemand hinzu kam, den ich jetzt nicht spoilern möchte. Da handelten Kenna und Cas in meinen Augen etwas zu überstürzt, die neu hinzugekommene Person wirkte in vielen Dingen zu perfekt. Von dem Moment an switcht der Focus ein wenig mehr auf Action, was natürlich der Spannung ganz gut tat, mir aber etwas zu holterdipolter wirkte. Mag jemand anders vielleicht nicht so empfinden. Das ist auch der Grund, warum ich dem Buch einen Stern abziehe, denn ansonsten ist das Buch gut geschrieben und die Idee dahinter gefällt mir auch sehr, besonders die Hintergründe um Cas. Der Romantikanteil ist übrigens eher sparsam gehalten, was ich persönlich ganz angenehm empfand, zumal es dadurch realistischer wirkte. Da es eine Fortsetzung gibt endet das Buch mit einem Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht.
Eine schöne Fantasystory mit leichtem Romantikanteil, in der Bewohner eines fremden Planeten versuchen, ihre Heimat zu retten und deren Feind auf der Erde der Mensch selbst ist.

Bewertung vom 22.04.2020
Suchanek, Andreas

Der Ash'Gul'Kon-Zyklus 1 - Aus Asche geboren / Heliosphere 2265 Bd.25-27


ausgezeichnet

Gnadenloser Feind: Die Ash’Gul’Kon
Der Beginn des Ash’Gul’Kon-Zyklus umfasst die Einzelbände 25-27 der Serie und schließt nahtlos an den vorherigen Zyklus an. Wie der Titel des Zyklus bereits vermuten lässt, sind die Ash’Gul’Kon nun Hauptthema – und Feind Nummer 1! Mithilfe einer Person, welche sie assimiliert haben, verfügen die Aliens schnell über sehr viel Wissen über die Menschen und anderen Rassen, was sie, in Kombination mit ihrer ausgefallenen Technik, schier unbesiegbar scheinen lässt. Waffenstärke, Angriffstaktik – für sie alles ein offenes Buch. Und in der Tat gestalten sich ihre Angriffe als äußerst brutal. Zeit, sich Verbündete im Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu suchen – doch wen? Und die Zeit rennt…
Ich bin vom Beginn des neuen Zyklus begeistert. Schon jetzt gestaltet sich der Kampf gegen den Feind als aussichtslos, so dass ich gespannt bin, was der Autor sich hat einfallen lassen, um die brutalen Aliens hoffentlich besiegen zu können. Ebenfalls wurden Verknüpfungen zu früheren Ereignissen erstellt, während das aktuelle Geschehen seinen weiteren Lauf nimmt. Alles höchst interessant und überaus spannend, sowohl der Versuch, Verbündete zu finden wie auch, Informationen über die neuen Aliens und deren Waffen zu erhalten. Zugleich treibt ein Raumschiff der Solaren Union ab in unbekannte Gegend – deren Abenteuer sind nachzulesen im Spinoff „Das Marsprojekt“, welches empfohlen wird, parallel, zum Ash’Gul’Kon-Zyklus zu lesen.
Eine äußerst vielschichtige und angenehm komplex gestaltete Serie, die mit diesem Band in eine spannende dritte Zyklusrunde startet. Meine absolute Leseempfehlung, wobei man die Vorgängerbände gelesen haben sollte.

Bewertung vom 22.04.2020
Suchanek, Andreas

Der Helix-Zyklus 4 - Der genetische Schlüssel / Heliosphere 2265 Bd.22-24


ausgezeichnet

Ein würdiger Abschluss des Helix-Zyklus und Vorbereitung auf kommende Abenteuer
Der abschließende Band des Helix-Zyklus umfasst die Einzelbände 22-24 der Serie. Die IL HYPERION hat den Weg aus der Zukunft zurück in die Heimat geschafft, mit an Bord ein paar technische Erweiterungen sowie die KI CARA. Und natürlich jede Menge Wissen um Meridians Jahrhundertplan. Nun gilt es erstmal für die totgeglaubte Besatzung, Kontakt mit der Solaren Union aufzunehmen, ohne als mutmaßlicher Feind angegriffen zu werden, bevor die genetischen Schlüsselträger ausfindig gemacht werden können. Auch Sjöberg macht Jagd auf die Schlüsselträger, doch kennt jeder nur einen Teil der ganzen Wahrheit.
Ich muss sagen, das Buch war wirklich überaus spannend, ich mochte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Das Wettrennen um die genetischen Schlüsselträger, während Meridian versucht, sein grausames Ziel zu erreichen, liest sich überaus genial und ist gespickt mit Überraschungen, Wendungen und schockierenden Momenten. Die ganze Story ist herrlich komplex angelegt und macht von Seite zu Seite Lust auf mehr. Zum Schluss ist natürlich längst nicht Schluss, sondern man wird vorbereitet auf den dritten Zyklus der Serie, welcher ins Ende des zweiten Zyklus greift wie zwei ineinander verschränkte Hände. Sehr genial gemacht!

Bewertung vom 21.04.2020
Rindlisbacher, Corinna

Das Dämonen-Labyrinth


ausgezeichnet

Hilf den Zwillingen aus dem Reich der Dämonen
Echte Magie gibt es nicht! Davon überzeugt wollen die Zwillinge Henna und Gregor den Magier Anthro P. Phagus entlarven und stellen sich für einen seiner Zaubertricks als Assistenten zur Verfügung: Er will die Kinder aus einer Kiste verschwinden lassen. Zur Überraschung der Kinder fallen sie dabei aber nicht durch einen doppelten Boden, sondern in die Welt der Dämonen. Und hier beginnt das Abenteuer für den Leser: Dieser darf selbst entscheiden, welchen Weg die Kinder nehmen, muss ein paar Rätsel lösen und ihnen dabei helfen, das Portal in die Menschenwelt zu finden und Anthro P. Phagus zu besiegen.
Mir gefällt das Buch, es gibt mehrere Möglichkeiten, die Welt der Dämonen zu erkunden und dadurch verläuft das Abenteuer der Zwillinge jedes Mal ein wenig anders. Da muss man sich schon mal entscheiden, ob man auf den Berg oder doch lieber in den Höllenschlund, über den brodelnden Lavastrom oder in den ekligen Sumpf möchte. Gruselige Wesen bereichern das Abenteuer ebenso wie Rätsel, die zum Glück nicht allzu schwierig ausfallen. Sehr gut gefällt mir vor allem, dass man nie wirklich falsch abbiegen kann. Bei interaktiven Abenteuern für Erwachsene kann es schon mal vorkommen, dass man komplett von vorn beginnen muss, während es hier immer auf irgendeine Art vorwärts geht. So bleibt dem kleinen Leser unnötiger Frust erspart. Und natürlich erfolgt am Ende des Abenteuers der Anreiz, doch mal andere Wege durch das Dämonenlabyrinth zu wählen, um zu sehen, was dort wohl geschehen wäre.
Ein unterhaltsames, interaktives Abenteuer für Mädchen und Jungen in der Welt der Dämonen, welches viele verschiedene Möglichkeiten bietet.

Bewertung vom 20.04.2020
Dieudonné, Adeline

Das wirkliche Leben


ausgezeichnet

Widerstand gegen die Opferrolle
Irgendwo in Frankreich in den 90ern: Ein zehnjähriges Mädchen lebt mit ihrem Bruder in einer eintönigen Reihenhaussiedlung und versucht, die Attacken ihres jähzornigen Vaters auf ihre Mutter zu ignorieren. Ihr jüngerer Bruder ist ihr einziger Vertrauter. Bis ein gravierendes Ereignis den Wendepunkt ihres Lebens markiert.
Bisher war es das Milchzahnlachen ihres Bruders, welches Licht in ihr graues Leben brachte. Ihr einziger Vertrauter gegen den großen Feind „Vater“, der auf eine ungesunde Art von Macht und Waffen begeistert ist. Doch besagtes Ereignis entzweit die beiden Kinder mehr und mehr, lenkt ihren Bruder in Richtung des Vaters, während das Mädchen versucht, alleine stark zu werden, Ziele zu verfolgen und zugleich den hormonellen Veränderungen standzuhalten, welche sie und ihre Mitschüler nun überkommen. Ihre Mutter ist ihr dabei keine Hilfe, diese in ihren Augen schwache Frau ohne jegliche Ambitionen, welche von der eigenen Tochter als Amöbe bezeichnet wird.
Das Buch zieht sich über fünf Jahre, in denen die Kinder sich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickeln, in denen der Vater beginnt, in seiner heranwachsenden Tochter ein weiteres Opfer zu sehen und in denen das Mädchen versucht, nicht zur gejagten Beute zu werden, der „Opferrolle Frau“ zu entkommen. In vielen Dingen kam sie mir dabei pfiffig und mutig vor, während sie auf anderen Gebieten erstaunlich naiv wirkte. Inhaltlich ist das Buch stark auf die Ich-Erzählerin und ihr familiäres Umfeld sowie einige wenige Erwachsene beschränkt, Interaktionen mit Mitschülern sowie anderen Gleichaltrigen kamen kaum vor, was ich doch recht schade fand, da somit viel an Information über das Mädchen auf der Strecke blieb. Die Entwicklung der beiden Kinder, vom Wendepunkt bis hin zum Endpunkt der Erzählung, ist bewegend und ich hab mich als Leser fast schon hilflos gefühlt, dem Kind nicht helfen zu können bei seinen Problemen. Wobei fraglich ist, ob sie überhaupt Hilfe hätte annehmen wollen. Sie wirkt wie eine Einzelkämpferin, die versucht, den richtigen Weg zu finden, raus aus der Rolle der Beute hin zur selbstbewussten Frau. Ein Weg, der sich lohnt, gelesen zu werden.

Bewertung vom 20.04.2020
Scholte, Astrid

Four Dead Queens


sehr gut

Vier Königinnen und eine Diebin
Die 17jährige Keralie hat sich für ein Leben als Diebin auf den Straßen Torias entschieden. Der Diebstahl der Comm Chips im Auftrag ihres Chefs, welche sie einem jungen Boten geschickt entwendet, wird jedoch unerwartet zum Wendepunkt ihres bisherigen Lebens. Scheinbar sind diese Erinnerungschips so wichtig, dass der Bote sogar versucht, diese Chips notfalls bei der anschließenden Versteigerung von Diebesgut wieder zu erlangen. Doch Keralies Boss stellt die Chips gar nicht zum Verkauf, obwohl sie eine Unsumme eingebracht hätten – merkwürdig. Als sie sich, mit dem jungen Boten Varin im Nacken, auf die Suche nach den Chips macht, kommt sie hinter ein böses Geheimnis: Auf den Chips sind die Morde an den vier Königinnen Quadaras gespeichert. Wer hat diese Erinnerungschips geladen? Fortan wird Keralie zur Gejagten, denn ihr neues Wissen ist – tödlich!
Der Roman spielt in Quadara, einst ein komplettes Königreich, welches nun in vier Abschnitte unterteilt regiert wird. Dabei steht jedes Viertel für eine komplett andere Lebensweise. In Archia z. B. besteht das Leben aus Landwirtschaft und harter Arbeit, technische Errungenschaften sind tabu. Eonia ist der Bereich der Wissenschaft und des technologischen Fortschritts, kann sich jedoch die Lebensmittel nicht selbst herstellen. Ludia bietet ein unbeschwertes Leben, durch welches Kreativität und Kunst gefördert werden, harter Arbeit ist dort niemand ausgesetzt. Und Toria schließlich ist für Handel und Schiffahrt zuständig. Regiert werden die Bezirke von den vier Königinnen, welche nach einem alten Regelwerk gemeinsam unter einer goldenen Kuppel im Palast leben. Durch diese strikte Teilung ist natürlich schnell klar, dass Neid und Vorurteile ebenso unter der Bevölkerung vorherrschen wie ein Schwarzmarkt für all die Produkte, welche in den anderen Quadranten verboten sind. Ein geniales Geschäftsfeld für Keralie und ihren Hehlerboss.
Die Idee mit den Comm Chips ist interessant: Einmal auf die Zunge gelegt, wird das darauf gespeicherte Wissen umgehend in die eigenen Synapsen überspielt. Dass Keralie dadurch die Morde an den Königinnen miterlebt ist natürlich erstmal ein Schock, zumal offiziell die Königinnen noch am Leben sind. Mit Varin, dem Boten aus dem Technologiebezirk Eonia, versucht Keralie, in den Palast zu kommen. Und von da an wurd mir die Handlung etwas schwammig. Statt ihr Wissen vorzutragen, um den Mörder zu entlarven, besteht sie darauf, selbst irgendwas heraus zu finden und zeigt wiederholt, wie wenig vertrauenswürdig sie ist. Ihr hin und her, ihr ewiger Alleingang, gingen mir da doch mehrfach auf den Keks. Mir waren die beiden nicht konsequent genug darin, die Morde aufzuklären, Keralie macht lieber zu oft ihr eigenes Ding und der auf Logik getrimmte Varin hätte ihr öfter mal vernünftig Konter geben sollen, der war mir viel zu antriebslos. Interessant ist, dass im Wechsel zu Keralies Erzählung die Königinnen eigene Kapitel erhalten, welche mal mehr, mal weniger interessant sind. Wer einen Vorteil davon haben könnte, die Königinnen umzubringen, wird im Laufe des Romans deutlich, ebenso die lange Planung der Morde, wobei mir die Idee dahinter wiederum ganz gut gefiel.
Das Buch hat definitiv seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Die Grundidee ist auf jeden Fall recht gut. Viele Charaktere blieben mir jedoch zu flach, Varin zu passiv, Keralie nervte mit ihrer Sprunghaftigkeit und Unzuverlässigkeit und von Quadara selbst bekommt man ebenfalls kaum etwas mit. Spannend waren auf jeden Fall die technologischen Errungenschaften, die meist leider nur kurz angerissen wurden. Und die vielen Perspektivenwechsel zu den vier Königinnen waren zwar abwechslungsreich, aber brachten die Handlung nicht immer voran.
Ein unterhaltsames Buch mit hervorragenden Ideen, das an einigen Ecken ein wenig schwächelt.

Bewertung vom 11.04.2020
Erdmann, Nadine

Die Totenbändiger, Äquinoktium / Unheilige Zeiten


ausgezeichnet

Geisterjagd in einem alternativen London
Das Buch enthält die Folgen 1 und 2 der Serie.

Folge 1:

In dieser düsteren Urban Fantasy Serie machen die Geister Verstorbener die Nächte unsicher. Verborgen in Dunkel und Zwielicht versuchen sie, an die Lebensenergie der Menschen zu gelangen, welche sich aufwendig zu schützen versuchen. Zur Jagd auf diese gefährlichen Wesen haben sich die Totenbändiger spezialisiert, von Geburt an ausgestattet mit besonderen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten sorgen jedoch in vielen Bürgern für große Angst, dass die Totenbändiger sich auch gegen die Menschen richten könnten, weswegen sie von vielen gefürchtet und diskriminiert werden.

Camren Hunt ist einer dieser Totenbändiger Londons. Vor 13 Jahren fand man ihn als kleines Kind inmitten eines Haufens hingerichteter Leichen. Bis heute weiß keiner, was damals wirklich geschah. Plötzlich wiederholen sich die Leichenfunde, welche dem damaligen Fund erschreckend ähneln…

Mir gefällt die Idee eines alternativen, düsteren Londons, wo diese neue Serie angesiedelt ist. Ein wenig hat es mich an eine Mischung aus Ghostbusters und Sherlock Holmes erinnert, die Serie spielt aber in der heutigen Zeit. Thematisch werden hier verschiedene Themen angesprochen, was die Serie recht vielfältig macht. So kommen gruselige Szenen, gefährliche Abenteuer und ein mysteriöser Kriminalfall ebenso vor wie die tägliche Diskriminierung der Totenbändiger oder eine queere Einstellung einiger Protagonisten. Zusätzlich sind die Hauptpersonen in verschiedene Altersgruppen unterteilt: Neben den Erwachsenen gibt es einmal die junge Generation Anfang 20 sowie Schüler um die 16-17 Jahre. Dadurch ergeben sich entsprechend unterschiedliche Handlungsschauplätze. Man könnte sagen, bei dieser Serie ist für jeden was dabei.

Zu Beginn habe ich ein wenig Zeit benötigt, um mich in dieser neuen Welt zurecht zu finden, da Namen und Informationen regelrecht auf mich einprasselten. Nachdem ich einen ersten Überblick erhalten hatte, zog die Spannung dann an und hielt sich bis zum Ende von Band 1. Da es eine Serie ist, ist die Handlung natürlich nicht abgeschlossen, die Geheimnisse um Camren und die Leichenfunde bleiben weiterhin ungelöst. Vielmehr habe ich das Gefühl, die Geheimnisse wurden hier erstmal nur stückchenweise angerissen, dass da noch einiges mehr kommen wird. Die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Handlung erzählt wird, gefallen mir, da sie dadurch mehr Einblicke in die verschiedenen Charaktere ermöglichen. Ebenso der Schreibstil der Autorin, welcher sich angenehm lesen lässt und sehr unterhaltsam ist.

Ein solider Start in eine gruselig-spannende Urban Fantasy Serie mit interessanten Ideen und vielfältigen Charakteren.

Folge 2:

Im zweiten Band der Urban Fantasy Serie rund um Geister und Wiedergänger in heutigen London gibt es einen Einblick auf die andere Seite der Totenbändiger. Auf diejenigen, die in der Akademie groß werden - und diese mit vorgefertigter Meinung über die Menschen verlassen. Eine von ihnen ist Schülerin Jaz, die als neuer Charakter zur Serie hinzukommt, bevor es mit Familie Hunt und ihren Freunden weitergeht.

Diesmal wird die Welt der Totenbändiger ein wenig erweitert, es kommen neue Personen hinzu und man erfährt mehr über politische und gesellschaftliche Meinungen und Hintergründe. Der Fokus liegt vor allem zu Beginn auf Jaz, bevor es langsam in der Handlung voran geht. Dadurch, dass die Welt nach und nach aufgebaut wird, kommt man als Leser gut mit, Perspektivenwechsel sorgen zudem für ausreichend Abwechslung. Die Action bleibt diesmal im Hintergrund, dafür lässt sich bereits erahnen, dass die Serie sich angenehm komplex gestalten wird.

Zwar befindet sich die Welt der Serie noch im Aufbau, zeigt sich aber bereits jetzt äußerst vielschichtig und bietet neben einer faszinierenden Welt auch interessant gestaltete Charaktere.