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easymarkt3
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Insgesamt 893 Bewertungen
Bewertung vom 04.06.2022
Kupferberg, Shelly

Isidor


ausgezeichnet

Eine besondere, jüdische Familiengeschichte, zusammengetragen aus mehreren noch vorhandenen Quellen.
Ungefähr 80 Jahre später entsteht eine Lebensgeschichte vom rasanten Aufstieg und brutalen Sturz ihres Wiener Urgroßonkels, über die damalige Zeit, die deutlich einen unbedingten Anpassungswillen, das Vertuschen der eigenen Herkunft, das unbedingte Dazugehören wollen, der Wunsch nach Anerkennung aufzeigen, geschrieben von seiner Urgroßnichte.
Der Akt der Vernichtung der Juden in Wien durch die Nazis manifestiert sich anhand bürokratischer Prozesse, die belegen, dass ein Mensch ausgelöscht wurde – zunächst materiell, dann physisch. Der ganze, kostbare Familienbesitz in Millionenhöhe ging um 1938 verloren, teils unter der Folter von Isidor, ihrem Urgroßonkel. Auch durch die Einbeziehung zahlreicher Briefe und diverser persönlicher und offizieller Dokumente bis ins Detail und Fotos aus Alben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhält dieses Buch eine lebendige, persönliche Sicht auf Isidor und die gesamte Familie über vier Generationen hinweg.

Bewertung vom 04.06.2022
Dieudonné, Adeline

23 Uhr 12 - Menschen in einer Nacht


gut

12 teils makabre, sexuell geschwängerte Geschichten von absonderlichen Menschen
Der Schreibstil und die Wortwahl sind radikal, tabulos und fantasievoll, gewöhnungsbedürftig.
Als Roman, als eine geschriebene Einheit, kommen diese 12 Kapitel nicht rüber, trotzdem mit seinem teils absurden Inhalt interessant zu lesen.

Bewertung vom 03.06.2022
Williams, Lara

The Odyssey


weniger gut

Der Sinn des Lebens: Weil alles aus dem Nichts kommt und wieder im Nichts verschwindet.
Seit fünf Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff in diversen Tätigkeiten im Rotationsverfahren eingesetzt ist Ingrid in diesem Zeitraum auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Wie bewältigen die Menschen ihr Leben? Die Lösung präsentiert sich ihr wie ein Stoppschild: Sie trinken. So hat es auch bei ihr angefangen, bei einer kaputten Ehe, einem unerfüllten Kinderwunsch und exzessivem Alkoholkonsum besonders bei den Landgängen. Sie denkt über ihr altes Leben nach und ihr wird schlecht bei diesen Erinnerungen.
Der Schiffskapitän Keith wählt sie für ein fragwürdiges Mentoren-Programm vor mit seltsamen, verrückten Maßnahmen zur Selbstoptimierung wie die Amputation eines Fingers, anfangs auch um die japanische Ästhetik des Wabi-Sabi. Welchen Sinn soll all das machen? Vielleicht um ein Zeichen zu setzen, um bereit zu sein für ein neues Leben ohne (Selbst-)Täuschung? Das Kreuzfahrtschiff, die WA genannt, diese Maßnahme und o.g. Programm sollte das Beste aus Ingrid herausholen. Endlich ist sie so weit.
Insgesamt etwas schwer ‚verdaulich‘ und zu langatmig zum Lesen.

Bewertung vom 31.05.2022
Wolff, Stephanie von

Fräuleinwunder


sehr gut

Historisch interessante Infos zum NWDR – interessant im Frauenroman eingebettet.
Starke Frauen im Hamburg des Jahres 1953 stehen ihren Mann in einer neuen Branche, nämlich der Fernsehwelt als neuem Medium der Nachrichtenübertragung neben bisherigen Radiosendungen nach dem 2. Weltkrieg. Veränderungen nicht nur an der Arbeitsfront, sondern auch im gesellschaftlichen, familiären Gefüge dominieren hier, was dem männlichen Geschlecht als Familienoberhaupt schwer zu schaffen macht. Zudem geht es um den Erhalt des ‚GUTEN RUFS‘ nicht nur in der Geschäftswelt, sondern auch bei der geschäftlich günstigsten Verkupplung der weiblichen Familienangehörigen ohne jegliche Rücksprachen. Dass Frauen sich von diesen Fesseln befreien möchten, selber berufliche und private Entscheidungen treffen wollen und ihr eigenes Geld verdienen wollen, verändert die bisher meist behütete Welt der Frauen in den 50-er Jahre in Deutschland – auch dank der Anfänge des NWDRs in Hamburg.

Bewertung vom 28.05.2022
Otero, Miqui

Simón


gut

Barcelona und die Magie von Büchern
Realität und die Welt der Literatur kollidieren in diesem Roman, der sich über mehrere Jahrhunderte spannt – von der Kindheit Simóns bis in sein Erwachsenenalter, in seine vierziger Jahre. Historische Abenteuerromane wie ,Die drei Musketiere‘ von Dumas, auf dem sonntäglichen Bücherflohmarkt von seinem Cousin erworben, bilden die Grundlage für eingeflochtene Zitate von Simóns Buch-Helden. In diesem Entwicklungsroman stellt er sich mannigfaltigen beruflichen und auch privaten Herausforderungen weltweit, um dann zurückzukehren in die Bar am Rande von Barcelona und in sein altes Milieu mit Familie und Jugendfreunden.
Der Inhalt jongliert zwischendurch auch zwischen politischen und historischen Fakten. Der Schreibstil scheint mir nicht durchgehend einheitlich gewählt.

Bewertung vom 26.05.2022
Geipel, Ines

Schöner Neuer Himmel (eBook, ePUB)


sehr gut

DDR-Militärforschung und Sport. Seriöse Vergangenheitsbewältigung stark biographisch!
Engagiert in der gemeinnützigen Hilfsorganisation Doping-Opfer-Hilfe schreibt die Autorin über die ethische Bewertung dieser Forschung, über Doping und über die Sache mit der Codierung, sodass das nur teilweise noch vorhandene, teils geheime und codierte Material die Realität von vor 30, 40 Jahren nicht mehr widerspiegeln kann, um das politische Projekt DDR-Sportopfer weitgehend ad acta zu legen.
Des Weiteren geht es um Fragestellungen wie:
• Was ist mit der langen Diktaturgeschichte des Ostens und ihren weiter wirkenden Tabus, wenn es um Verantwortung geht?
• Was an Forschung in einer Diktatur bezogen auf die DDR kann überhaupt legitime Forschung sein?
• Geht es um Möglichkeiten von Heilung oder geht es um Ideologie?
• Wer übernimmt die Kontrolle?
• Wer sorgt für Transparenz?
• Was ist mit Manipulation, Geheimdienst, gezielter Vertuschung?
• Was ist übliche Praxis, und ab wann verlässt Forschung ihr ethisches Koordinatensystem und wird zum Verbrechen?
Vollständig war die Vernichtung wichtiger Unterlagen zu obigen Themen nicht. Aber letztendlich gibt es nach so langem Zeitraum mit Verjährung kein ‚Happy End‘.

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Bewertung vom 25.05.2022
Erler, Lukas

Das letzte Grab / Carla Winter Bd.1


gut

Raubkunstschmuggel spannend verpackt.
Die Szenerie spielt größenteils in Mardin, Türkei und in Duisburg, sowie Frankfurt. Besonders die Beschreibungen der Altstadt von Mardin ermuntern zum Besuch dieser wohl noch mittelalterlich wirkenden Stadt mit ihrem besonderen Flair in den engen Gassen. Eine geraubte babylonische Statue aus dem Irak steht im Mittelpunkt des Krimis. Der Titel des Buches ‚ Das letzte Grab‘ erschließt sich mir nicht ganz, wobei die Betonung auf ‚letzte‘ liegt. Gefunden wird dieser wertvolle, seltene, milliardenschwere Kunstgegenstand in einem Grab, dessen Sarg vorab aus der Türkei überführt wird. Dieser internationale Kunstschmuggel mit ihrem Exmann als Drahtzieher bringt die Frankfurter Rechtsanwältin Carla Winter in arge Bedrängnis an diversen Standorten.

Bewertung vom 24.05.2022
MacLeod Trotter, Janet

Das Wagnis in der Ferne


ausgezeichnet

Alice und ihr abenteuerliches Leben sehr spannend erzählt.
Schauplätze wie ein Leuchtturm in Northumberland, die Insel Skye bis zu den Gebirgen im Himalaya bilden den spannenden Rahmen um eine fiktive, abenteuerliche, romantische Geschichte rund um Alice und John. Der Leser erfährt einiges über die East India Company und der Großen Trigonometrischen Vermessung von Indien und den Entdeckungen von Handelsrouten im Himalaja, die das Leben des Helden John auszeichnen. Während Alice durch zwei sehr unterschiedlich geprägte Ehen teilweise in Kalkutta, Indien lebt, erfährt sie im weiteren Verlauf über die Invasion in Afghanistan und die folgenden Schrecken des Rückzugs und der Gefangenschaft der Frauen dort eine harte, unerfreuliche Bewährungsprobe. Dieser Teil des Romans basiert wohl auf Fakten.
Das sehr lange Glossar gibt Aufschluss über die Bedeutung vieler indischer Begriffe, die den Roman inhaltlich nicht negativ beeinflussen, eher den Leser in die exotische Welt dieses Kontinents intensiv hinein versetzen.

Bewertung vom 23.05.2022
Weiler, Rebekka

The Moment I Lost You / Lost Moments Bd.1


sehr gut

Das Trauma der Trauer ist gut beschrieben.
Warum ist hier ein englischer Buchtitel für die ganze Reihe vorgesehen?
Ja, jeder verdient eine zweite Chance, erst recht in jungen Jahren. Gut beschrieben sind die Wunden eines Gefängnisaufenthaltes, das Zusammenbrechen des sozialen Gefüges für einen Straftäter sowie für die Opfer mit dem verständlichen Drang des stillen, depressiven Rückzugs. Dass selbst nach vier Jahren des fatalen, tödlichen Ereignisses die Wunden nicht verheilt sind, ist einfühlsam beschrieben und auch nachvollziehbar. Viele mutige Akteure auch außerhalb der Familie der Opfer, nämlich von Mia und Nathan, spielen in diesem Roman eine wichtige, ernste Rolle. Sehr schnell kann jeder eigentlich in kolossale Schwierigkeiten geraten und es braucht viel Vertrauen zu rettenden menschlichen Ankern.
Das Cover mit lockeren floralen Illustrationen ist angenehm ansprechend gestaltet.