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easymarkt3
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Insgesamt 850 Bewertungen
Bewertung vom 29.03.2022
Wendt, Lena

Danke, Afrika! Was ich zwischen Dschibuti und Marokko fürs Leben lernte.


gut

Ein Reisebericht, der mich leider nicht überzeugt hat!
Dass es in Afrika sehr viele schöne Abenteuer in der Natur zu geben scheint, lasse ich sehr gerne zu 100 % zu. Dass man an fremden Kulturen, Sprachen, Sitten und Gebräuchen interessiert ist, kann ich auch sehr gut nachempfinden. Auch eine längere Auszeit aus seinem normalen Umfeld kann ich mir sehr gut vorstellen, erst recht in jungen Jahren. Aus gewichtigen beruflichen Gründen im Ausland wie hier in Afrika zu leben, wäre auch akzeptabel für mich.
Verstehen kann ich sehr wohl all die Afrikaner, die aus diesem Kontinent fliehen, ob aus politischen, finanziellen oder privaten Gründen. Ich wollte nicht mit Lena Wendt tauschen. Neben vielen hier beschriebenen Glücksmomenten schrecken mich die aktuellen Lebensbedingungen in Afrika zu sehr ab. Lenas Großmutter kann ich sehr gut verstehen in ihrem Wunsch, die Enkelin in Deutschland wiedersehen zu wollen.

Bewertung vom 28.03.2022
Läckberg, Camilla;Fexeus, Henrik

Schwarzlicht / Dabiri Walder Bd.1


ausgezeichnet

Magie voll von rätselhaftem, düsterem Ambiente – spannend!
Mit dem Mentalisten Vincent Walder im Team der Stockholmer Polizei bekommt dieser Krimi ein besonderes Ambiente, bei dem nicht nur bei den Leichenfunden besonders viel Kreativität versprüht wurde.
Auch bei der Entwicklung einzelner Charakteren wie z.B. der Kommissarin Mila mit ihrem krankhaften Umgang mit Keimen oder Ruben mit seiner extremen Einstellung zu Frauen lugt viel Ideenvielfalt durch, was insgesamt die Teamarbeit sicherlich nicht vereinfacht.
Bezweifeln möchte ich jedoch, dass ein siebenjähriger Junge nach Bauanleitungen allein schon kraftmäßig zum Bau von solchen Zaubertrickkisten fähig ist, das notwendige Geld für all dieses Material und notwendiges Werkzeug wohl auch kaum vorhanden war.
In meiner Vorstellungskraft habe ich etwas Schwierigkeiten mit der Umsetzung folgender Situation z.B. auf S. 591-592: Zwei Erwachsene (Vincent und Mila) zunächst eng stehend in Houdinis Water Torture Cell, im Glasbehälter mit dicken Scheiben, in einem mit Wasser gefüllten Becken konstruiert für eine hängende Person. Wie könnte die 2. Person sich schnell genug winden und tauchen, um rechtzeitig zum unteren Schnorchel zwecks Sauerstoffzufuhr zu gelangen bei dieser Enge?

Bewertung vom 25.03.2022
Gabriel, Micaela A.

Stimmen der Freiheit / Die Frauen vom Reichstag Bd.1


sehr gut

Wissen Frauen die heutige ‚Freiheit‘ noch genügend zu schätzen?
Zwei Tage bevor Kaiser Wilhelm II. seinen Thron verlor, verkündete Reichskanzler Max von Baden erstmals die Einführung eines Frauenwahlrechts. Damit war die Revolution natürlich nicht mehr aufzuhalten – mit einigen anderen Beschlüssen verkündete der regierende Arbeiter- und Soldatenrat aber auch am 12.11.1918 offiziell das allgemeine Stimmrecht für Frauen. Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands durften die Staatsbürgerinnen nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden.
Nach dieser teils trockenen, langatmigen Lektüre kann ich den langen, mühsamen Weg zu unserem aktiven und passivem Wahlrecht für Frauen, zu unseren Studienplätzen in Deutschland sehr gut nachvollziehen. Um 1918 war es ein sehr steiniger, strapaziöser Gang zur Wahlurne, zum Rednerpult für meist studierte Frauen, die etwas bewegen wollten: ‚Marlene wurde nicht von ihrem Wunsch nach Anerkennung angetrieben, sondern ihrem Ehrgeiz und unbedingten Willen, etwas zu verändern. Sie betete, dass es ihr gelingen mochte, das Leben der Menschen, die neben, vor oder hinter ihr in den geschnitzten Bänken saßen, wenigstens ein bisschen zu verbessern.‘
In der Handlung spielt die Ausbildung von Marlene eine wichtige Rolle. In ihrer ersten Rede vor den Parlamentariern in Weimar betont sie: «Der Revolution verdanken wir unsere Sitze, wir danken nicht im althergebrachten Sinne dafür. Die Revolutionsregierung tat damit nur ihre Pflicht, denn die deutsche Demokratie war ohne die deutschen Frauen nicht möglich. Die deutschen Frauen sind von ihrer politischen Unmündigkeit befreit. Für Deutschland ist die Frauenfrage damit gelöst. Die neuen Rechte können uns nicht wieder genommen werden!»
Für diese Frauen war eine Ehe ausgeschlossen. Das sogenannte Beamtinnenzölibat machte es nicht nur verheirateten Lehrerinnen unmöglich, im Staatsdienst tätig zu sein. Angeblich ließ sich die Rolle der Gattin und Mutter nicht mit der Arbeit für den öffentlichen Dienst verbinden. Erst Anfang bzw. Mitte der Fünfzigerjahre wurden diese Gesetze in der Bundesrepublik Deutschland endlich geändert.

Bewertung vom 23.03.2022
Glaser, Brigitte

Kaiserstuhl (eBook, ePUB)


sehr gut

Deutsch-Französische Geschichte interessant fiktiv verwoben.
Aus dem Elsass, dieser Grenzregion – mal zu Deutschland, mal zu Frankreich gehörend in Zeiten der Weltkriege, aus dieser Region stammen auch meine Großeltern. Da ich sie aber leider nie kennengelernt habe, hege ich ein besonderes Interesse für Land und Leute, ihre Kultur und ihre besondere Sprache.
Mit dem Kaiserstuhl auf deutscher Seite verband mich bisher nur die Kenntnis über dortigen Weinanbau. Über diesen fiktiven Roman, verknüpft mit romantischen aber auch politischen Passagen, zieht ein interessanter Spannungsbogen mit Kriegserfahrungen aus dem 2. Weltkrieg beider Länder bis zum Élysée-Vertrag 1963 zwischen Deutschland und Frankreich. Auch ich hatte als Schülerin an einem Jugendaustausch mit einer französischen Partnerstadt teilgenommen und kann jetzt beim Lesen den damaligen Zeitgeist wieder erneut nachempfinden.

Bewertung vom 22.03.2022
Schwiecker, Florian;Tsokos, Michael

Der dreizehnte Mann / Eberhardt & Jarmer ermitteln Bd.2


ausgezeichnet

Spannend bis zur letzten Seite.
Sexueller Missbrauch an Kindern in dieser besonderen Konstellation – hier exemplarisch für die Stadt Berlin herausgestellt – all das geht tatsächlich auf absurde Theorien eines Psychologen namens Helmut Kentler zurück, der über 30 Jahre lang Jugendliche und Pflegekinder in die Obhut von pädophilen Männern gegeben hat.
Sehr realistisch wird im Thriller ein Szenarium aufgebaut, das wach rüttelt neben dem gewaltigen, überzeugenden Unterhaltungseffekt. Denn die sehr produktive Zusammenarbeit des Anwalts Rocco Eberhardt und des Mediziners Dr. Jarmer verhilft diesem Krimi in seiner sachlich fundierten Schreibweise zu viel informativer Tiefe, korrekter Beschreibung aller Sachverhalte neben allzu menschlichen, lieben Kontaktaufnahmen zum anderen Geschlecht.
Sehr angenehm finde ich die Darstellung der weiblichen Charakteren: Sowohl die Journalistin Anja Liebig von der Tagespost als auch die Staatsanwältin Claudia Spatzierer kommen als sehr qualifizierte, engagierte Frauen rüber.

Bewertung vom 21.03.2022
Hall, Georgie

Einatmen, ausrasten


gut

Wechseljahre der Frau – sprachlich witzig verpackt!
Wie geht es einer Frau um die fünfzig gesundheitlich, mental, emotional? Beschrieben wird das Familienleben mit drei Kindern, auch das Versterben des geliebten Hundes wird nicht ausgespart und läuft wie ein roter Faden mit durch den Roman. Hitzewallungen, Wutanfälle, überhaupt emotionale Unausgeglichenheit und Launen wechseln mit ihren Gedanken zum Sinn des Lebens, zum beruflichen Dahinplätschern, zum Familienleben im heutigen Großbritannien.
Als Leserin kann ich mich mit einigen Situationen bei Beschwerden während der Wechseljahre gut identifizieren, finde sie auch sehr humorvoll und kreativ herausgestellt. Nur leider kenne ich mich in der britischen Literatur-, Schauspiel- und Musikbranche nicht so aus, um mitreden zu können. Daher kann ich nichts mit den vielen Musiktiteln bzw. Namen von Künstlern anfangen, und daher mein Interesse für diesen Inhalt insgesamt geschmälert wird.
Das Cover lässt mich in der Interpretierung von Bild und Text unschlüssig zurück.

Bewertung vom 18.03.2022
Peck, Loraine

Der zweite Sohn (eBook, ePUB)


gut

Zu langatmiger Spannungsbogen für einen Thriller!

Das Leben, Klima und die multikulturelle Gesellschaft in Australien, speziell hier im Westen von Sydney ist gut skizziert: Die Bandenkriege, die vielen Biker-Gangs, die Drogengeschäfte, das heiße Klima auch um Weihnachten herum, die Brände in den Blue Mountains nahebei.
Insgesamt ist der Spannungsbogen rund um Johnny und Amy zu wenig gestrafft für einen Thriller. Die Textpassagen rund um Amys Rettung durch Johnny im 3. Stock am Kings Cross sind spannend gelöst.
Sehr wohl kommt folgende Botschaft aus diesem Buch rüber: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang, weg von Kriminalität, Gewalt, Rassismus, Klassenkämpfen. Gewalt sollte nie die Lösung aller Probleme sein. Jeder kann positive Entscheidungen für die Zukunft treffen, mit oder auch ohne reichlich angehäuftem Geld.

Bewertung vom 16.03.2022
Eder, Rebekka

Die Schokoladenfabrik - Das Geheimnis der Erfinderin / Die Stollwerck-Saga Bd.2 (eBook, ePUB)


sehr gut

Franz Stollwerck und seine Schokoladen sind auch mir ein Begriff.

In Köln geboren verbindet mit diesem Unternehmen mehr als eine leere Schachtel ‚Knuspergold‘, gefüllt mit meinen Glanzbildern als Kind. Diese Pralinenpackung im Besonderen mit seinen vier bunten Papageien auf dunklem Grund war bei uns zu Hause sehr beliebt selbst nach dem 2. Weltkrieg.
Sehr interessant für mich ist auch die Erwähnung von herausragenden Gebäuden zur Zeit um 1871 wie den Dombau, den Hauptbahnhof, der einengenden Stadtmauer etc. oder auch die damalige Nutzung vieler Plätze und Straßen zu Zeiten von preußischer Verwaltung, auch während des Deutsch-Französischen Krieges.
Daß es in der Familie Stollwerck keine Erfinderin gegeben hat, finde ich nicht weiter tragisch, da der Lebensweg von erfolgreichen Frauen zur damaligen Zeit ohnehin kaum dokumentiert wurde. Äußerst selten ist ohnehin eine naturwissenschaftliche Bildung für Frauen geschichtlich erwähnt im 19. Jahrhundert.

Bewertung vom 15.03.2022
Vigan, Delphine

Die Kinder sind Könige


sehr gut

Reality-TV, Internet-Plattformen und ihre Macht – zum Nachdenken!
Der Titel des Buches verrät eigentlich nichts über den tragischen Inhalt, der wohl viel Wahrheit enthält.
Der Begriff der Privatsphäre ist durch solche Sendungen wie z.B. Big Brother oder privaten Beiträgen auf YouTube, Instagram verändert worden. Die Inszenierung der eigenen Person, der Familie, des Alltags, und sogar die Einbeziehung der eigenen Kinder täglich vor der Kamera – diese Lebensweise mit vorgetäuschter Freude, mit einer digitalen Existenz ist Gegenstand dieses Romans, informierend und auch anklagend. Für ein Like oder einen hochgereckten Daumen zeigt man seine Kinder und seine Familie vor der Kamera mit vorgetäuschter Freude, zur Selbstdarstellung, als unverzichtbares Element der Selbstverwirklichung. Die Auswirkungen dieser digitalen Revolution können im Erwachsenenalter Angststörungen, Traurigkeit, eine hohe Suchtanfälligkeit, nur begrenztes Vertrauen zu den Eltern, Einsamkeit auslösen als Folge fortgesetzter Exposition von Kindern auf sozialen Netzwerken. Geht es hier sogar um eine gestohlene Kindheit?