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Frankfurt

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Insgesamt 812 Bewertungen
Bewertung vom 25.01.2021
Jebautzke, Kirstin

Im Kindergarten: Allererstes Schneiden


sehr gut

Toller Übungsblock mit Spaßfaktor
Schneiden ist eine essentielle Fähigkeit, die jedes Kind vor dem Schuleintritt können sollte. Hier gibt es einen Block der diese Entwicklung unterstützen kann.
Der handliche Block „Im Kindergarten: Allererstes Schneiden“ aus der Reihe ‚Hier kann ich alles alleine – ab 3 Jahre‘ ist ein schönes Geschenk zusammen mit einer ersten Kleinkindschere und einem handlichen Klebestift.
Ideale Beschäftigung für Kleinsten um sich dem Scheiden zu widmen. Die Seiten können alle einzeln aus dem Block getrennt werden, sprich das Kind kann sich selbst aussuchen was es machen möchte oder es kann auch gezielt für das Kind ausgesucht und aus dem Block getrennt werden.
Was sehr gut gemacht ist, dass die Anleitung ohne Schrift auskommt und alles in Symbolen beschrieben wird. Klar, der Anspruch von Ravensburger ist, dass die Kinder diesen Block selbstständig nutzen können und so auch die Anleitung verstehen. Das ist ein netter Weg in die Selbstständigkeit, aber wenn Kinder noch nichts vorher ausgeschnitten oder geklebt haben, ist natürlich Hilfe notwendig. Daher wäre ich da eher vorsichtig mit dem „braucht keine Hilfe“ – das ist stark altersabhängig bzw von den Vorerfahrungen des Schneidens. Ein 2jähriges Kind braucht sicher Hilfe, wo ein geübtes 4-5jähriges wirklich fast alleine basteln kann.
Die Zeichnungen sind herzallerliebst und haben uns überzeugt. Einfache graphische Darstellung, die nicht überlanden sind und doch sehr ansprechend und zeitgemäß. Auch die Ideen was Kinder hier ausscheiden können variiert. Nicht nur klassische Schneideübungen, auch kleine Basteleien und auch Mini-Puzzle aus 4 Teilen werden hier ausschneidbar.
Wir finden es ist ein gelungener Block, der mit einem Umfang von 80 Seiten für EUR 5 ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat.

Bewertung vom 18.01.2021
Kiechle, Marion;Gorkow, Julie

Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels


ausgezeichnet

Doch, es lässt sich noch was lernen!

Beeindruckend, dass man in der Tat noch was lernen kann mit diesem Buch, wo man doch schon etliche Ratgeber durchpflügt hat, die uns verraten haben wie wir unsere Ernährung optimieren und verbessern können um dann letztendlich auch Gewicht zu verlieren! Das Buch „Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels“ der beiden Bestseller-Autorinnen, die bereits mit den beiden Büchern „Tag für Tag leichter“ und dem dazugehörigen Kochbuch viel Wissen transportiert haben, gehen hier noch mal gezielt auf das Thema Fettstoffwechsel ein.
Das Buch gliedert sich in ein umfangreichen Wissensteil und einer Rezeptesektion. Was ich persönlich super fand ist das Verhältnis von Wissensvermittlung zu Rezepten. 2/3 Wissen zu 1/3 Rezepten grob geschätzt. Dieses Buch ist für alle wertvoll, die mehr erfahren wollen und auch physiologisch verstehen möchten was da im Körper passiert. Abgeleitet aus diesem Wissen ergibt sich eine entsprechende Ernährung.
Alleine das Wissen "Das ABC unseres Körperfetts" hat mich nachhaltig zum Nachdenken veranlasst. Das Buch gibt viel Hintergrundinformationen und mir gefällt die Fachtiefe kombiniert mit einfach umsetzbaren Tipps und Rezepten. Es wird nicht nur das „was“ soll ich machen erläutert, sondern eben auch das „warum“! Dann mach ich da auch viel lieber mit als nur Ansagen zu lesen.
Nur bei den Rezepten schien mir manches Mal die Angabe zu 2 Personen irreführend, sollten da wohl 4 Personen stehen, denn Salat aus 1,6kg Möhren und 800g Tofu erscheint mir für 2 Personen reichlich – vielleicht für mehrere Tage?
Vor allem finde ich das Teamwork gelungen der beiden Autorinnen, die beide einen unterschiedlichen Hintergrund haben, aber ein gemeinsames Ziel vor Augen: Erklären – aufklären – die Ernährung verbessern! Marion Kiechle ist eine Koryphäe der Frauenheilkunde und Julie Gorkow eine sehr erfahrene Journalistin und diese gelungene Kombination merkt man dem Buch an. Fachlich versiert, sprachlich gut erklärt und ansprechend dargestellt.
Fazit: Lesenswerter als so mach andere Bücher über gesunde Ernährung und wie der Körper tickt. Mich hat es trotz meiner bereits umfangreichen Kochbuch/Diätbuchmeter im Regal bereichert – wissentlich wie kulinarisch!

Bewertung vom 18.01.2021
Klingenberg, Malin

Elchtage


ausgezeichnet

Johanna, die Protagonisten des Romans, ist nach dem Sommer auf eine neue Schule gekommen und nun Teil „der Großen“ – sie besucht die Mittelschule. Ihre beste Freundin hat sich verändert und will Teil der Coolen sein und hängt nun mit anderen Mädchen herum. Johanna hätte es lieber noch so wie alles vorher war, sie mag die Veränderung nicht sonderlich um sie herum. Johanna zieht sich zurück und liebt dafür die Hütte, die sie zusammen mit Sandra im Wald gebaut hat.
Bei einem dieser Momente in denen sie sich zurückzog passiert es: Elche kommen an der Hütte vorbei! Ein Wahnsinn, sie kann es kaum glauben, aber auch andere entdeckten die Elche und wollen ihnen nichts Gutes!
Dieser Roman ist toll für Kinder die gerade auf eine weiterführende Schule gewechselt haben oder das nach den Sommerferien tun werden. Man kann sich wunderbar mit Johanna identifizieren, eine sympathische und liebenswerte Person. Klar, da sie weiblich ist, fällt es Mädchen sicherlich leichter als Jungs mit der Identifikation.
Ich finde auch, dass man merkt, dass die Geschichte in Skandinavien spielt und dadurch ein weiterer toller Anreiz zum Lesen gesetzt wird. Ähnlich wie bei uns, aber leicht anders. Klar, vor allem durch die Elche ist es anders. Aber nicht nur das – auch die Umgebung, die schulischen Gegebenheiten, Namen und andere Details.
Kleiner Hinweis für die erste Seite, dort sind extrem viele spezielle Begriffe : Emo-girls, Rockabilly-Gang, Buchnerds, Hipster, Longboard..da war ich kurz irritiert, aber das gab sich gleich auf Seite 2 komplett. Sprich wenn Kinder mit diesen Begriffen nichts anfangen können, einfach überlesen und in die Geschichte abtauchen!
Malina Klingenberg hat mit „Elchtagen“ einen tolles Kinder/Jugendbuch geschrieben, in dem sich alle wiederfinden, die nicht schneller erwachsen werden wollen und lieber in ihrer Kindheit bleiben möchte.

Bewertung vom 17.01.2021
Joyce, Rachel

Miss Bensons Reise


ausgezeichnet

Wie so oft sind die spannendsten und bereichernsten Freundschaften welche bei denen zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen und sich lieben lernen. Auch hier treffen zwei Welten aufeinander. Die eine mit offenen Armen für die Welt und die andere mit eingetrichterter Distanz. Zu Beginn kaum zu glauben, dass diese beiden zu einem dream team mutieren.
Der Titel des Romans passt in doppelter Hinsicht, macht Miss Bensons nicht nur die Reise ihres Lebens um den halben Erdball herum, sondern auch eine innerliche Reise, die viel weiterführt! Das ganze Unterfangen ist waghalsig, riskant und dann am Ende zwar mit hohen Verlusten und doch so bereichernd für sie.
Rachel Joyce schreibt treffend, charmant und leicht. Sie nimmt uns als Leser mit in die Herzen der beiden Protagonistinnen und schafft es an den richtigen Stellen einen humorvollen Moment einzubauen, damit die Dramatik nicht überhandnimmt. Leicht lesbar und herrlich unterhaltsam, auch wenn es uns lehr mal zu schauen was uns im Leben wichtig ist.
Mich hat dieses abenteuerlustige Buch besonders erfreut um eine Reise in Gedanken zu erleben. Nicht nur fern ab meines Alltags hier um nach Neu-Kaledonien zu reisen, auch ist ein wenig Zeitreisen angesagt, denn der Roman spielt hauptsächlich 1950. Da tickte die Welt noch ein wenig anders!
Fazit: Ein unterhaltsamer schöner Roman – über alle Leseraltersklassen hinweg!

Bewertung vom 13.01.2021
Mol-Wolf, Katarzyna

Du hast die Power! _ Verwirkliche deinen Traum


ausgezeichnet

Eine inspirierende Unternehmerin!

Ich war schon immer eine erfreute Leserin der Zeitschrift emotion, weil sie nicht so standardmäßig daherkommt und auch immer gute Büchertipps hat! Dann entdeckte ich, dass Kasia Mol-Wolf, die Verlegerin von emotion einen Podcast begann und mit allerlei interessanten Personen über ihre Selbständigkeit, weibliche Führung, Unternehmertum, und vieles mehr sprach. Solch motivierende und großartige Gespräche, da konnte das Buch nur gut sein! Daher habe ich natürlich mit großer Erwartung und Vorfreude „du hast die power“ gelesen. Klar, wenn man sie nicht kennt, mag man den Titel und vor allem den Untertitel „Verwirkliche deinen Traum“ etwas sehr dick aufgetragen finden. So aber passt es perfekt! Ist es doch eines ihrer Mottos!
In diesem Buch erzählt Kasia Mol-Wolf ihre persönliche Unternehmerinnengeschichte. Eine sehr persönliche Erfolgsgeschichte, die nicht immer gradlinig war und die auch Zweifel bargen. Aber sie demonstriert wie sie mit viel Energie und Liebe ihrem Ziel Schritt für Schritt näher kam. Klar, es ist verdammt viel Arbeit sich sein eigenes Business aufzubauen und definitiv kein 9 to 5 Job. Es zeigt aber, wenn man einen beruflichen Traum hat, sollte man, äh, frau es versuchen. Es schlummert noch so viel Potential in den Köpfen der gut ausgebildeten Damen dieses Landes!
Zum Ende hin gibt es ermutigende Worte, dass es IMMER eine gute Idee ist sich seiner Individualität bewusst zu werden und die eigene Kreativität zu nutzen um seinen Traum zu verwirklichen. Natürlich nicht verblendet mit sofortiger Kündigung des sicheren Jobs. Nein, mit Plan, Muse und Durchhaltevermögen und einer gewissen Risikobereitschaft. Denn der stärkste Antrieb ist und bleibt der Wille etwas zu tun für was man brennt.
Fazit: Packen wir es an Ladies!

Bewertung vom 21.12.2020
Holzapfel, Falk

Der Schleier von Arken / Millenia Magika Bd.1


ausgezeichnet

Abtauchen in eine mystische Welt auf dem Lande

Ich wurde von dem toll gestalteten Cover angezogen, es hat etwas geheimnisvolles, spannendes und auch ein wenig grusselige Elemente. Erstaunt war ich, als ich entdeckte, dass Falk Holzapfel nicht nur Autor des Textes ist, sondern auch alle Illustrationen im Buch selbst erstellt hat. Nach einer kleinen Recherche wurde mir dann klar, dass ich ihn als Illustrator schon kannte (Zapf). Und wer seine Illustrationen von anderen Büchern kennt, weiß, dass er das mit Leidenschaft und großer Kreativität und Präzision tut. Aber nun zu Millenia Magika – hier kommt beides aus seiner Feder Illustrationen, die sehr gelungen sind und der Text. So kreativ wie er illustriert so schreibt er auch!
Im Mittelpunkt steht Adrian, ein Junge, der zu Hause abhaut und nach Jahren wieder einmal seine Tante besuchen möchte, die auf einem langweiligen Kaff wohnt, wo nicht mal das Internet funktioniert. So recht weiß er zu Beginn nicht warum es ihn dort hinzieht und er kämpft mit starken Kopfschmerzen und Stimmen im Kopf. So recht geheuer ist ihm das alles nicht…zu Recht! Er trifft seine Tante umgeben von merkwürdigen Gestalten an, aber hat dann einen seiner Anfälle. Er flieht, bleibt aber im Dorf und die schicksalhaften Begegnungen nehmen seinen Lauf, die in einer Suche nach seiner Tante münden. Hier unterstützen ihn vor allem zwei Gestalten, eine Hexenanwärterin, Jazz, und ein Troll, Juri. Insgesamt hat das Buch noch weitere interessante Charaktere, die tiefe haben. Da sind noch andere wie ein Zauberer, ein König, ein Landstreicher…. Vieles was erst unklar ist wird im Laufe des Buches gut erklärt.
Von den zum Teil witzigen und sehr gelungenen Charakteren mal abgesehen, stimmt das Flair dieses Jungendbuches wunderbar. Durch die guten Illustrationen kann man sich das phantasievolle Setup sehr gut vorstellen und taucht so richtig ab in der Geschichte! Es ist mystisch, es ist wahnsinnig kreativ und zieht einen in den Bann. Insgesamt sehr gelungen aus meiner persönlichen Sicht!
Was mich verwundert hat, ist die Altersangabe mit 10 Jahren. Bisher habe ich oft Bücher für Kinder eher schon für Jüngere empfohlen. Hier wäre es eher anders herum, ich hätte das eher für 11-12jährige verortet, da selbst ich mich (schon lange jenseits der 12 Jahre…) gruselte und der Spannungsfaktor hoch ist! Ich sag nur: Achtung, Werwölfe! Sprich nichts für zarte 10jährige Gemüter.
Ach und was ich hier auch loswerden möchte und sehr gut finde ist, dass das Buch Mädchen und Jungen gleichermaßen anspricht, natürlich vorausgesetzt man lässt sich gerne in phantastische Welten entführen.
Tja und wie sollte es anders sein, am Schluss gibt es einen Hinweis, dass hier noch einiges passieren muss! Sprich die Fortsetzung ist, zum Glück (!!!), aus meiner Sicht vorprogrammiert!

Bewertung vom 18.12.2020
Zimmermann, Irene

Charlie - Ein Schulbus hebt ab / Schulbus Charlie Bd.1


gut

Wem gehört die Idee?

Was auffällig ist bei diesem Buch ist die frappierend ähnliche Idee wie bei einer Netflix-Serie aus Nordamerika „The Magic School Bus“ – Der Zauberschulbus ist wieder unterwegs. Da komme ich in der Tat ins Grübeln wessen ureigenste Idee dieses Buch eigentlich ist, weil die Idee sehr ähnlich ist. Man nehme einen Schulbus, lade Kinder ein und wie von Zauberhand reist man mit dem Bus an andere Orte, andere Zeiten usw…
Hier bei Irene Zimmermann und ihrem „Charlie – ein Schulbus hebt ab“ ist es der Bus der selbst aktiv wird (Charlie) und mit den Kindern die zufällig aufgesprungen sind (Luke, Frank, Maisie und Will) Abenteuer erlebt. Dieser Band wirkt auch wie ein Auftakt in einer Reihe.
Zum Inhalt des Romans für junge Leser muss ich sagen, dass es gut geschrieben und einfach zu lesen ist. Wunderbar für die Grundschulkinder, die schon etwas besser lesen können, ab der 3. Klasse. Auch sind einige Illustrationen von Tine Schulz enthalten, aber nur dezent und bei weitem nicht auf jeder Seite. Eine klare Entwicklung hin zum „nur-Text“-Roman. Für den Text und Umfang daher gelungen.
Leider muss ich erneut meinen Unmut kundtun, denn ich verstehe es leider nicht, dass deutsche Autor*innen ihren Charakteren oft englische Namen geben und es woanders verorten. In manchen Büchern unabdingbar und sinnvoll, aber hier hätte es auch ein Internat im deutschsprachigen Raum sein dürfen, ach das gibt es und auch mit Bussen…
Fazit: Wenn man Mal von meinen Idee-Bedenken und die Namens-Kritik absieht, dann ist es ein netter Roman den Grundschüler sicherlich mögen werden! Alles drin, vom Witz, zur Spannung und natürlich die Freundschaften!

Bewertung vom 16.12.2020
Shafak, Elif

Liane und das Land der Geschichten


weniger gut

Sehr unmodernes Frauenbild

Die Idee ist gut, aber von einer kosmopolitischen Schriftstellerin habe ich mehr erwartet. Da ich Elif Shafaks Werke für Erwachsene zum Teil gelesen habe und schätze, hatte ich eine ähnlich hohe Erwartungshaltung an dieses Kinderbuch „Liane und das Land der Geschichten – Ein Buch über die Magie des Lesens“. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Liane, ein Bücherwurm, die eine merkwürdige Kugel in der Schulbibliothek findet und mitnimmt. Mit dieser Kugel reist sie letztendlich in das Land der Geschichte, der 8. Kontinent auf Erden. So weit so gut, wie gesagt die Idee ist gut. Aber was mich an dem Buch massiv stört und das von einer Frau geschrieben, die eigentlich als Feministin bekannt ist, dass ein sehr klassisches Frauenbild transportiert wird und hier deutlich wird, was die traditionelle Lebensweise von Frauen ist. Warum sollte man sonst beim ersten Auftritt der Bibliothekarin überhaupt erwähnen, dass sie gewissenhaft war und alles sauber hielt!? Ihre Mutter ist Hausfrau und erklärt ihrer Tochter wie anstrengend es ist einen Haushalt zu führen, der Großvater geht außer Haus, wenn Nachbarinnen zu besuch kommen (er flüchtet). Die Liste könnte ich endlos weiterführen und finde es ärgerlich so was in einem neuen Kinderbuch von 2017 lesen zu müssen.
Hinzu kommt, dass ich das Buch nicht gut übersetzt finde, eine sehr einfach, wenig melodische Sprache und aus meiner Sicht etwas holprig.
Das Cover hat mich sehr angesprochen und wahrlich toll gezeichnet von Mila Marquis. Die Illustrationen im Buch selbst sind von Zafer Okur, die mir auch nicht sonderlich gefallen, fast manga-artig erscheinen sie.
Fazit: Mehr erhofft, zu traditionelles Frauenbild. Die Idee an sich war gut des Romans, aber auch dabei war die Umsetzung schwach. Nicht gelungen.

Bewertung vom 15.12.2020
Abarbanell, Stephan

Das Licht jener Tage


ausgezeichnet

Flashback – ein Leben unter der Lupe

Romancier Stephan Abarbanell, der hauptberuflich Kulturchef beim RBB ist, hat mit ‚Das Licht jener Tage‘ bereits seinen zweiten Roman vorgelegt. Wer den Hintergrund des Autors ein wenig kennt, wundert sich nicht über den Themenkomplex seines zweiten Romans. Sofort fällt auf, dass der Protagonist im Roman, Robert Landauer, ähnlich alt ist und mit dem Autor selbst einige Lebenseckpunkte verbindet und dabei besonders den Nahe Osten. Sprich hier sind viele eigene Erfahrungen eingeflossen. Aber nun mal ein paar Worte zum Roman, den ich mit Begeisterung gelesen habe. Robert Landauer, Arzt, hilft in Berlin einer jungen Muslimin, die einen leichten Hitzeschock im Auto erlitt. Wie der Zufall es will ist der Vater der jungen Frau ein Altbekannter von Landauer und so kommen nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten hoch auch löst der ehemalige Weggefährte einen Gefallen ein. Sein ehemaliger Retter benötigt seine Hilfe und wir reisen gedanklich mit ihm in den Nahen Osten.
Der Roman hat exakt 350 Seiten und davon ist aus meiner Sicht keine zu viel und keine zu wenig. Er schreibt auf den Punkt genau, konzentriert, aber wirkungsvoll und spannungsgeladen. Stephan Abarbanell hat den Roman zuerst strategisch durchgeplottet, dadurch ist der gut durchdacht. Mir gefällt diese klare Sprache und das durchkomponierte wie ein erdachtes Schachspiel. Äußerst gut.
Mir fiel beim Lesen dieses Romans ein anderer wieder ein: der Roman ‚Schwarzer September‘, der auch den Nahen Osten im Fokus hat und uns mit in die Vergangenheit nimmt. Allerdings ist er strukturell komplett anders und aus meiner Sicht sehr viel wirrer daher kommt. Sprich, wer einen Roman sucht mit Kontext „Naher Osten“ sollte lieber zu ‚Das Licht jener Tage‘ greifen.
Spannend ist auch,dass Abarbanell evangelische Theologie studierte, obwohl er gerne jüdische Theologie studiert hätte. Er lernte dafür auch Alt-Hebräisch gelernt, das moderne Hebräisch spricht er hingegen nicht! Man sieht der Autor hat sich viel mit der Gegen auseinandergesetzt und ist ein Nahost-Kenner. So was tut auch fiktionalen Geschichten gut, die uns den Horizont erweitern.
Insgesamt gelungen!