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Ritja
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Bücher, Bücher, Bücher...viele Träume und Geschichten, die einem atemlos, traurig, fröhlich oder nachdenklich machen. Sie sind gute und geduldige Begleiter durch das Leben und schaffen Platz für Kreativität und Ruhe. https://buchstabenfestival.blogspot.com/
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Bewertungen

Insgesamt 801 Bewertungen
Bewertung vom 20.03.2014
Jagusch, Rudolf

Amen


ausgezeichnet

Das Cover zeigt Köln und die Folgen einer Explosion. Beides hat mich nicht direkt angesprochen. Zu reißerisch, zu offensiv, zu laut. Aber nach den ersten Zeilen auf dem Cover war das Interesse geweckt. Vielleicht doch.

Es war die richtige Entscheidung. Das, aus meiner Sicht, weniger gelungene Cover ignorieren und direkt in die aktionsreiche und schnelle Geschichte einsteigen. Rudi Jagusch fackelt nicht lange und steigt direkt laut und polternd ein. Er zögert nicht, er zaudert nicht und es gibt keine langen Erklärungen. Die Charaktere müssen sich direkt entfalten. Innerhalb der Geschichte werden Rückblicke eingefügt und für den Leser parat gehalten. Es gibt wenig Platz für Sentimentalität oder große Familiengeschichten, dafür lässt Rudi Jagusch seinen Nero böse durch den Dom springen und so manche Hektik auf der anderen Seite auslösen. Doch trotz der Gewalt und der Skrupellosigkeit zeigt auch Nero (Roman Winter) Nerven und menschliche Züge. Er ist zu hektisch, zu ungeduldig und scheinbar doch nicht optimal vorbereitet. Die vielen Facetten des Roman Winter machen den Charakter spannend und nicht vorhersehbar. Die Vergangenheit des Roman Winter wird von seiner Frau erzählt und so langsam werden aus den einzelnen Puzzelteilen ein großes Ganzen. Derweil kämpft die Polizei mit internen Kompetenzgerangel, schwierigen Ausgangssituationen und einem Kommissar, der eigentlich krankgeschrieben ist.

Beide Hauptcharaktere, Roman Winter und Kommissar Landgräf sind gut gelungen und geben der Geschichte die Würze, auch das Tempo der Geschichte war sehr schnell und gut. Rudi Jagusch hat sich nur wenig mit Nebensächlichkeiten aufgehalten und dadurch das Tempo auch bis zum Schluss halten können.

Spannend geschrieben, ein Tempo wie bei einem Sprint und interessante vielschichtige Charaktere machen dieses Buch lesenswert. Mein erstes Buch von Rudi Jagusch, aber sicherlich nicht mein letztes Buch von ihm.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.03.2014
Funder, Anna

Alles, was ich bin


ausgezeichnet

Ein Buch mit einer bewegenden Geschichte über die Liebe, die Freundschaft und den Krieg.

Die Haupterzähler (Ich-Erzähler) Ruth Becker und Ernst Toller beschreiben jeweils aus ihrer Sicht das Geschehen. Die Gefahren und das Risiko, welches sie eingehen, um die Menschen wachzurütteln und ihnen die Augen zu öffnen. Sie erkennen das Grauen und müssen es auch selbst erleben. Sie sehen und hören, was mit den Widerständlern, den Andersgesinnten, den Juden und politischen Gegnern passiert. Anfangs noch glaubten sie, wie viele, dass Hitler seine Machtbestrebungen nicht durchsetzen kann. Aber das Blatt wendet sich sehr schnell und sie müssen handeln. Ihre Flucht gelingt, aber sie werden trotzdem weiter beobachtet und verfolgt. Woher wissen die Nazis so viel von ihnen? Wie konnten sie bestimmte Verbindungen aufspüren? Gibt es einen Verräter unter ihnen? Kann man seinen eigenen Freunden und Bekannten nicht mehr trauen?

Viele Ängste und noch mehr Frustration über die eigene Handlungsunfähigkeit macht der kleinen Gruppe zu schaffen. Sie müssen ihren Alltag in einem fremden Land bewältigen. Sie werden in Deutschland verfolgt und in London nur geduldet. Was passiert, wenn sie wieder zurück müssen? Wie lange dürfen sie bleiben? Und wie können sie den anderen Menschen helfen, wenn sie selber kaum noch etwas haben? Und dann schlägt doch der lange Arm der Nazis in London zu und zerreißt die Gruppe.

Es kostet etwas Zeit und Ruhe, um sich in dieses Buch einzulesen, denn Anna Funder springt immer wieder von dem Hier und Jetzt in die Vergangenheit und zwischen den einzelnen Personen hin und her. Zur Erleichterung sind die Kapitel mit Überschriften versehen, so dass man zumindestens weiß, aus welcher Sicht gerade erzählt wird. Ist diese kleine Hürde überwunden, kann man sich auf eine sehr gute Geschichte freuen. Mit ihrem klaren und schnörkellosen Schreibstil fängt sie den Leser schnell ein. Anna Funder weiß, wie sie aus dem Leben der Ruth Blatt und ihrer eigenen Fantasie eine gelungene und ergreifende Geschichte macht. Aus diesem Grund (mit dem Wissen das die Geschichte biografische Züge hat) wird diese Geschichte umso bedrückender und man wird zum Nachdenken bewegt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.03.2014
Extence, Gavin

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat


ausgezeichnet

Gleich zu Anfang: Ich habe selten ein so gefühlvolles, aber nicht kitschiges, humorvolles und intensives Buch gelesen.

Die Geschichte baut sich langsam auf und startet mit dem Leben von Alex. Er ist anders als die anderen Jungen in seinem Alter und das liegt nicht nur an dem Meteoiteneinschlag. Getroffen von einem großen Meteoitenstein muss er lange aussetzen und hat nun mit den Folgeschäden zu leben. Zusätzlich hat er mit seiner sehr fürsorglichen, aber auch eher unkonventionellen Mutter zu kämpfen. Er ist und bleibt ein Außenseiter mit einem speziellen Interesse an spannenden und anspruchsvollen Naturereignissen. Durch eine ungünstige Situation lernt Alex Mr. Peterson kennen. Mr. Peterson ist ebenso wie Alex ein Einzelgänger und wenig in der Gemeinschaft integriert. Doch aufgrund Alex Mutters müssen sie nun miteinander auskommen und entdecken über die Zeit gemeinsame Interessen und die Freundschaft für sich. Diese wird für beide im Laufe der Geschichte entscheidend und bedeutend werden.

Das Buch ist so leicht und schön geschrieben, dass man förmlich in der Geschichte versinken kann. Die Hauptcharaktere sind allesamt warm und herzlich beschrieben, dass sogar die etwas verdrehte Ellie symphatisch ist. Sowohl die humorvollen als auch die traurigen und melancholischen Szenen sind so intensiv und beeindruckend ohne ins lächerliche oder kitschige zu rutschen. Selten war ich so nah am Wasser wie bei diesem Buch. Gavin Extence konnte die Stimmungen und Gefühle von Alex, der Mutter und vorallem Mr. Peterson so genau und treffend beschreiben, dass man das Gefühl bekam, dabei zu sein. Am Ende klappte ich das Buch zu und konnte trotzdem nicht aufhören darüber nachzudenken. Was bedeutet der Wunsch von Mr. Peterson? Ist es richtig oder falsch? Kann man dies überhaupt so genau sagen? Und was hätte ich an Alex Stelle getan?

Ein rundum gelungenes und beeindruckendes Buch über ein trauriges Thema, aber auch über die Freundschaft und Liebe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.02.2014
Shafak, Elif

Ehre


ausgezeichnet

Ich kannte Elif Shafak vor diesem Buch nicht. Jedoch konnte sie mich schon mit der Leseprobe einfangen und begeistern. Das Buch habe ich genossen und konnte es kaum aus der Hand legen. Shafak hat einen so wunderbaren Schreibstil, der einfach nur einlädt beizubleiben. Die Geschichte ist aus einem Guss ohne Störungen oder Ungereimtheiten (zumindest sind mir keine aufgefallen). Elif Shafak zieht mit ihrer Familiengeschichte den Leser in ihren Bann und verschafft ihm einen Platz als stiller Beobachter und Zuhörer. Man muss sich anfangs daran gewöhnen, dass die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und vor allem zwischen den Jahren hin und her wechselt. Eine kleine Hilfestellung bieten hier die Kapitelüberschriften. Hat man sich erstmal daran gewöhnt, ist es nicht mehr schwer der Geschichte zu folgen.

Elif Shafak greift ein Thema auf, welches in Europa eher auf Unverständnis und Entsetzen stößt. Häufig kann man die Gründe für eine solche Tat - Ehrenmord - nicht nachvollziehen. Es fehlt das Wissen über die Religion und das Leben der Menschen und genau hier setzt Elif Shafak an. Sie erzählt von einer Familie, die ihre Wurzeln in einem kurdischen Dorf haben. Die Familie zieht jedoch bald nach Istanbul und schon dort erfährt man von den vielen kleinen und großen Unterschieden und den Problemen unter Kurden und Türken.
Pembe, ihr Mann und ihre Kinder (Iskender, Esma und Yunus) ziehen weiter nach London und erst hier werden die kulturellen Probleme so richtig sichtbar. Pembe versucht die Traditionen der Heimat mit in das pulsierende Leben von London mitzunehmen und stößt dabei immer wieder an Grenzen. Doch nicht nur ihre Kinder entwickeln sich weiter, auch sie bekommt die Chance das Leben neu zu entdecken mit Elias.

Während dessen lebt und arbeitet Jamila, ihre Zwillingsschwester weiter in der alten Heimat als Hebamme und (er)lebt die Traditionen des Landes bewusst mit. Das unterschiedliche Leben der Schwestern und doch die enge Verbundenheit, die sie haben, machen das Buch noch interessanter. Elif Shafak schafft es den Spannungsbogen zu halten und immer wieder kleine Impulse zu setzen. Der Sohn von Pembe, Iskender, erzählt sehr eindrucksvoll aus seiner Sicht über das Leben in London, seiner Erziehung und seiner Einstellung zum Verhalten der Familienmitglieder. Er, der Sultan, wie ihn seine Mutter nannte, muss jedoch auch lernen, dass London nicht das Dorf am Euphrat ist.

Elif Shafaks "Ehre" wird nicht mein letztes Buch von ihr sein, denn sie schreibt mit so viel Liebe zum Detail ihre Geschichte, dass man das Gefühl bekommt, sie hat sie selbst erlebt.

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.02.2014
Edwardson, Åke

Der letzte Winter / Erik Winter Bd.10


gut

Der letzte Winter ist wie gewohnt beklemmend, kalt und dunkel. Doch diesmal hatte ich das Gefühl, dass Ake Edwardson noch eine Schippe obendrauf gelegt hat. Mir, persönlich, war es stellenweise schon zu viel Dunkelheit, Traurigkeit und Angst.
Winter muss Morde an jungen Frauen aufklären. Das Besondere daran ist, dass die Männer während der Morde angeblich geschlafen haben. Oder doch nicht? Und was soll das Video? Welche Verbindungen gibt es zu Spanien und seiner Familie?
Die Geschichte kommt nur langsam in Schwung und driftet leider auch phasenweise immer wieder ab. Es waren diesmal sehr viele Gedankeneinschübe und Grübeleien von Winter und seinen Kollegen dabei. Diese Gedankengänge unterbrachen teilweise die gerade in Schwung gekommene Geschichte und so zog sich der Fall diesmal erstaunlich lang. Interessant waren die Lösung und die Gründe für die Morde und vorallem die Verstrickungen der Familien. Auch die Entwicklung von Erik Winter und seiner Familie und die Geschichte rund um die neue Kollegin von Winter fand ich gut. Aber insgsamt hat mich dieser Ake Edwardson Fall nicht 100% überzeugt. Er kann es besser und ich hoffe auf den neusten Fall von Erik Winter.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.02.2014
Kanitz, Brigitte

Mord mit Schnucke


ausgezeichnet

Was für ein Spaß in der Heide mit Schnucke. Ein Regionalkrimi mit vielen Verwirrungen, einer guten Portion Misstrauen, einigen Missverständnissen und natürlich einem Mord.

Hanna Petersen ist nicht die diplomatischste Kommissarin und so wird es für sie schwerer als gedacht - hier in Hasellöhne. Sie ist der "Ersatz" für den geliebten Karl. Dabei wollte sie nicht wirklich nach Hasellöhne in die Provinz, aber sie musste. Weg von der Liebesleiche, weg von der alten Arbeitsstelle, weg von dem Ärger und nun sitzt sie zwischen den Heideschnucken und den verstockten Dorfbewohnern und muss einen Mord an einem Hamburger Jagdteilnehmer aufklären. Was für ein Einstieg. Hanna ist noch gar nicht so richtig angekommen und sticht schon in ein Wespennest. Doch sie beißt sich durch. Mit ihrer direkten und schroffen Art stößt sie so manchen Dorfbewohner vor den Kopf und so muss gelegentlich der neue Mitarbeiter, ein germanischer Gott, die Wogen wieder etwas glätten.

Brigitte Kanitz hat einen witzigen und charmanten Heidekrimi geschrieben. Die Figuren sind sehr gut getroffen. Sie hat Charaktere geschaffen, die man mag und mit denen man gern einen Mord aufklärt. Hanna ist laut, polternd, direkt und doch auch empfindsam, zuhörend und vorallem klug. Sie spürt, wenn sie belogen wird und hinterfragt sehr viel. Ich fand ihre Gespräche mit ihrer inneren Stimme immer wieder witzig. Man hatte das Gefühl, dass sie auch stets einen kleinen Kampf um das "Rechthaben" mit ihrer inneren Stimme führt. Ihre Vorliebe für potthässliche, sitzende Froschaugengäule macht sie noch mehr symphatisch und vorallem nahbar. Auch ihr falterndes Herz schafft eine Nähe, die sie sonst mit ihrer schroffen Art nicht immer hat.

Aber auch die anderen Figuren wissen in diesem Buch zu überzeugen und man kann nur hoffen, dass Frau Kanitz noch einen weiteren Mord in der Heide aufklären möchte und somit die Kommissarin und ihre Dorfbewohner wieder in Action treten können.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.02.2014
Neuffer, Sabine

Eine Liebe zwischen den Zeiten (eBook, ePUB)


sehr gut

Noch bevor ich mit dem Lesen begann, hielt ich mir selbst die Daumen, dass es nicht zu schnulzig oder anrührig wird. Mich hat bei der Inhaltsangabe besonders die Zeit interessiert. Eine junge Frau "fällt" in das Jahr 1938 zurück und erlebt bewußt die ersten Jahre der Diktatur. Es klang spannend und vielversprechend. Und jetzt nach dem Lesen kann ich sagen, dass es schon streckenweise etwas schnulzig und rührig war, aber es machte auch Spaß sich mit Lea in den engen Verschlag zu quetschen und in die alte Zeit einzutauchen.

Viele Dinge, die für uns alltäglich sind (z.B. Dampfbügeleisen, Waschmaschine, Mikrowelle), fehlten in dem Haushalt von Daniel, Maxi und Mirjam. Es wird noch so vieles mit der Hand gemacht und bedeutete demnach unheimlich viel Arbeit. Auch die Rollenverteilung ist noch eine andere. Lea muss sich anpassen, wenn sie in das Jahr 1938 reist. Sie muss aufpassen, was sie sagt und tut, wem sie etwas anvertraut. Und dann geschieht es...sie verliebt sich in einen Mann, der 1938 schon in Lebensgefahr schwebt.

Sabine Neuffer packt viele Fakten aus der NS-Zeit in diese Geschichte und gelegentlich hatte man das Gefühl ein Geschichtsbuch zu lesen. Interessant, aber nicht unbekannt, waren die Gedankeneinschübe von Lea trotzdem. Es wird einem bewußt, wie lange die Juden auf das Gute in Deutschland und ihre Politik hofften. Das Hitler immer noch gestoppt werden kann und nur eine kleiner "Fehltritt" der deutschen Politik sein wird. Und wie schwer es für sie wird, wenn sich die Schlinge auf einmal zu zieht und die Angst Oberhand gewinnt.

Lea hat das Glück zwischen den Zeiten hin und her zu reisen und wird aber dabei fast selber zerrissen von ihren Gefühlen, der Trauer und der Angst um diese Familie, mit der sie sich so verbunden fühlt. Ihr guter Freund Carl steht ihr mit Erfahrung und Weisheit bei.

Das Buch liest sich wunderbar. Die Seiten blättern sich wie von alleine um und man kann kaum aus der Geschichte auftauchen, denn man möchte wissen, wie es weitergeht. Schafft es die Familie noch rechtzeitig zu emigrieren? Welche Verbindung gibt es zwischen Lea und dem SS-Mann? Trägt ihre Familie die Schuld am Schicksal von Maxi, Mirjam und Daniel? Darf sie überhaupt in das Schicksal eingreifen?

Man ahnt das Ende und trotzdem bleibt es spannend, da Sabine Neuffer immer wieder kleine Stolpersteine einbaut. Zwischendurch wird es etwas rührig, aber insgesamt passt es ganz gut in die Geschichte. Ich hätte mir gewünscht, dass Carl noch etwas mehr Bedeutung bekommt, da er aus meiner Sicht eine spannende Rolle in dieser Geschichte einnimmt.

Insgesamt eine schöne Familiengeschichte, die sich zwischen den Zeiten abspielt und ein Band zwischen zwei Familien knüpft, was der Leser vielleicht so nicht erwartet hätte.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.02.2014
Bannalec, Jean-Luc

Bretonische Brandung / Kommissar Dupin Bd.2


gut

Beim zweiten Fall von Kommissar Dupin hatte ich Anlaufschwierigkeiten. Ich brauchte ein paar Seiten, um den Charakter des Kommissars wieder aufzunehmen und mich in der Landschaft zurecht zu finden. Nachdem ich die vielen kleinen Inselchen auf der Landkarte im Internet mir angeschaut habe, konnte ich der Geschichte und den vielen Bootsfahrten besser folgen. Kommissar Dupin hat sich kaum verändert - er geht weiterhin seinen ganz eigenen Weg, um die Fälle zu lösen. Nicht immer stößt er dabei auf Gegenliebe und schon gar nicht bei seinem Vorgesetzten (den er häufig ignoriert und warten lässt). Denn dieser ist in diesem Fall irgendwie mit involviert oder doch nicht? Dupin bekommt noch immer als "Fremder" (also als Pariser in der Bretagne) misstrauische Blicke zu geworfen und muss sich die Antworten auf seine Fragen hart erarbeiten. Doch mittlerweile weiß er, wie er die Menschen "packen" muss, um zu seinem Ziel zu kommen. Doch auch dieser Fall wird alles andere als einfach. Denn nicht nur die Inselbewohner sind nur wenig zur Kommunikation bereit, auch die Verstrickungen mit dem Festland, der Politik und dem Geld bereiten Probleme. Dazu kommt noch ein starkes Unwetter, welches den Kommissar an die Insel fesselt.

Nach einem etwas zähen Einstieg wurde der Krimi immer besser und las sich zum Ende sehr flüssig. Die Zusammenhänge werden nur langsam freigegeben und so tappt man eine Weile durch das Dunkel und staunt doch ab und zu, wie der Kommissar zu seinen Schlussfolgerungen kommt.

Spannend, interessant und gut verstrickt, ist auch diesmal die Bretagne und ihr Kommissar.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.02.2014
Link, Charlotte

Im Tal des Fuchses


sehr gut

Ich hatte dieses Buch empfohlen bekommen und habe mich (leider) ewig davor gedrückt es zu lesen. Warum? Der Covertext hat mich glauben lassen, dass ich den Leidensweg der Vanessa lesen muss. Wie sie langsam verhungert und verdurstet und wie sie um ihr Leben kämpft. Das wäre mir zu hart gewesen. Nachdem ich mich nun aufgerafft und einfach mal losgelegt habe, wurde ich eines Besseren belehrt. Die Befürchtungen blieben aus, dafür las ich einen spannenden und interessant verstrickten Roman, der mir wieder gezeigt hat, wie gut Charlotte Link schreibt.

Die Geschichte ist spannend, gut aufgebaut und teilweise undurchsichtig. Ich hatte trotzdem schnell einen Verdacht, wer es sein könnte, aber meine Argumente waren andere. Die Figuren sind greifbar und realistisch. Fast alle Figuren entwickeln sich in der Geschichte weiter und zeigen ihre verschiedenen Seiten. Teilweise überraschend, teilweise vorhersehbar, aber immer gut in die Geschichte eingepackt, werden Charaktere gezeigt, die man überall antreffen kann. Mit manchen Personen konnte man sich besser identifizieren, mit anderen Personen und deren Ansichten so gar nicht. Charlotte Link schaffte es, die Spannung sehr lange hoch zu halten. Erst am Ende (auf den letzten Seiten) wird es etwas langatmig. Sie verliert sich dann in zu viele Details und Einzelheiten, die sie sonst in der ganzen vorherigen Geschichte nicht so sehr ausgebaut hat.

Insgesamt ist es aber eine spannende Geschichte mit vielen Verstrickungen und Überraschungen und interessanten Charakteren.

27 von 38 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.01.2014
Chua, Amy

Die Mutter des Erfolgs


sehr gut

Nach diesem Buch war ich erstmal schockiert über die chinesische Erziehung.
Amy Chua erzählt hier ihre Geschichte. Wie sie und ihr Mann (aber im Vordergrund steht Amy) ihre Töchter Sophia und Louisa (Lulu) zu erfolgreichen Menschen erziehen will. Sie erklärt den Unterschied zwischen der westlichen (und aus ihrer Sicht verweichlichten) und der chinesischen (harten und strengen) Erziehung. Es ist teilweise so anders zum eigenen Denken, dass man vor lauter Staunen einfach weiterlesen muss. Immer wieder erwischte ich mich wie ich kopfschüttelnd weiterblätterte, aber das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich war entsetzt, wenn sie schrieb, dass sie ihre Kinder bis zur Erschöpfung anschrie und stundenlang zum Üben zwang, ihnen keine Freundinnen erlaubte oder Hobbies, die aus ihrer Sicht nichts bringen.

Ich war erstaunt über den fanatischen Ehrgeiz der Mutter, was sie auf sich nahm, um ihre Töchter zu fördern, zu motivieren und zu den Besten zu erziehen. Amy Chua schreibt sehr direkt und deutlich, welche Kämpfe sie mit ihren Töchtern geführt hat. Teilweise werden ganze Dialoge widergegeben, was das Ganze noch verständlicher macht. Sie schreibt aber nicht nur sehr offen über ihre Erfolge, sondern auch wie sie scheitert und immer wieder an ihre eigenen Grenzen stößt. Trotz der Strenge, die sie gegenüber ihren Kindern walten lässt, kann man auch herauslesen, wie sie ihre Kinder liebt und nur das Beste für sie möchte.

Das Buch lässt sich sehr gut lesen und fesselt auf seine ganz eigene Weise den Leser. Ich fand es sehr interessant, auch wenn es nicht meinen Vorstellungen von Erziehung entspricht (da bin ich wohl doch das westliche Weichei ;-)).