Benutzer
Benutzername: 
Baerbel82

Bewertungen

Insgesamt 992 Bewertungen
Bewertung vom 01.03.2019
Hansen, Thore D.

Die Reinsten


ausgezeichnet

Wer wird überleben und zu welchem Preis?

Ich lese nicht so viel Science Fiction, aber „Die Reinsten“ von Thore D. Hansen hat mich überzeugt. Denn das Thema KI (künstliche Intelligenz) interessiert mich brennend, neue Autoren sowieso. Doch worum geht es?
Die Geschichte spielt 2191 in einer nicht wirklich fernen Zukunft. Seit der Klimakatastrophe vor 150 Jahren wird die Erde von der künstlichen Intelligenz „Askit“ beherrscht. Es handelt sich um einen Supercomputer, ein „lernendes System“, das sich selbständig modifiziert und weiterentwickelt. Fluch und Segen zugleich.
Eve Legrand hat seit ihrer Kindheit ein Hirnimplantat, über das sie sich mit Askit verbinden kann. Sie steht kurz davor, in die Akademie der Wissenschaft aufgenommen zu werden, als sich bei ihr erste Zweifel regen. Die Ereignisse überschlagen sich und Eve flieht in die Kolonien, bevor sie offiziell degradiert wird…
Thore D. Hansen zeichnet in seinem Roman „Die Reinsten“ ein düsteres, dennoch realistisches Szenario. Der Klimawandel, das Abdecken von Gletschern, plastikfressende Raupen. Die beschriebenen Entwicklungen in der Technik und die Veränderungen in der Natur befinden sich im Rahmen des Wahrscheinlichen.
Aber es geht auch um totale Überwachung und Kontrolle. Eine beängstigende Vision, die aber gar nicht so fern erscheint, wenn man bedenkt, wie transparent der Mensch durch das Internet und andere Überwachungsmechanismen bereits ist. Spannend geschrieben, keine Frage. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik.
Eve ist mir sofort ans Herz gewachsen, denn sie hat viel Empathie. Dem starken Anfang folgt ein etwas schwächerer Mittelteil. Philosophie und IT. Ethik und Moral. Das war mir ein bisschen „too much“. Das Ende ist überraschend, aber absolut stimmig. Alles in allem ein Roman, der nicht nur beste Unterhaltung bietet, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Fazit: Visionärer SF-Roman. Faszinierend und beklemmend zugleich!

Bewertung vom 25.02.2019
Neumann, Julia

Finsternis im Herzen (eBook, ePUB)


sehr gut

Kindersoldaten und Coltan

„Finsternis im Herzen“ ist der erste Fall für die Düsseldorfer Kommissarin Eva Langenberg und führt sie tief hinein in einen grausamen Krieg im afrikanischen Kongo. Es ist der Kampf um den kostbaren Rohstoff Coltan. Ein Erz, das unter anderem für Smartphones benötigt wird. Worum geht es?
Der kleine Abasi wurde brutal ermordet. Zusammen mit seiner Schwester Rahima wurde er erst vor drei Tagen von Hagen und Anna Seeger adoptiert. Beide Kinder stammen aus dem Kongo. Liegt hier das Motiv? Zusammen mit Entwicklungshelfer Tomke Krieger folgt Eva den blutigen Spuren…
Julia Neumann hat ihren ersten Thriller packend in Szene gesetzt. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Immer mal wieder sind Abschnitte in Kursivschrift eingestreut. Sie informieren über die Zustände im Kongo: vom Leben der Kindersoldaten, von Gräueltaten und magischen Ritualen.
Der Leser merkt sofort, dass der Autorin das Schicksal ihrer Figuren sehr wichtig ist. Tomke kommt sympathisch rüber. Nur mit Eva bin ich bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Sie macht viele Fehler, aber sie ist ja auch noch jung und hat meiner Meinung nach reichlich Potenzial.
Die Auflösung ist unerwartet und schockierend, aber absolut stimmig. Und so freue ich mich schon heute auf den nächsten Fall.

Fazit: Realitätsnaher Thriller mit politischem Hintergrund. Fesselnd und bewegend!

Bewertung vom 24.02.2019
Dannenberg, Meike

Gefährdet


gut

Nicht so meins

„Gefährdet“ von Meike Dannenberg ist nach „Blumenkinder“ der 2. Fall für die Berliner BKA-Sonderermittlerin Nora Klerner. Schauplatz ist Hamburg. Worum geht es?
Die Kinder des Hamburger Reeders und Lokalpolitikers Justus Stein wurden entführt. Doch es gibt keine Lösegeldforderung. Nora wird nach Hamburg beordert. Unterstützt wird sie von Fallanalytiker Johan Helms. Bald ist klar, Lasse und Livia sind in einem Container eingesperrt. Wobei der Leser der Polizei hier einen Schritt voraus ist.
Und was hat der Tod eines russischen Ex-Zuhälters mit der Sache zu tun? Die Spur führt zu Tarek, der für Justus‘ Bruder Jürgen Container transportiert und im Drogenschmuggel durchstarten will. Können Nora und Johan die Kinder retten, bevor es zu spät ist?
„Gefährdet“ kommt anfangs trocken wie ein Sachbuch daher. Es fehlen Dialoge mit denen ein Autor die Handlung voran und die Spannung in die Höhe treibt. Dazu unsympathische Protagonisten. In der zweiten Hälfte überschlagen sich dann die Ereignisse und die Spannung steigt.
Mit ihren Alleingängen bringen Nora und Johan nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Beide plagen private Probleme. Nora kämpft zudem mit den Dämonen ihrer Vergangenheit. Um an Informationen zu kommen, überschreitet sie zunehmend jede Grenze.
Gefallen haben mir die wechselnden Perspektiven, denn sie sorgen für Dynamik - und die solide Ermittlertätigkeit. Ich bin gespannt, wie es mit Nora und Johan weitergeht.

Fazit: Solide Krimikost mit unsympathischen und unprofessionellen Protagonisten.

Bewertung vom 18.02.2019
Wood, Michael

Gieriger Zorn / DCI Matilda Darke Bd.2 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Matilda unter Druck

Michael Wood legt mit „Gieriger Zorn“ den zweiten Band seiner Krimi-Serie um DCI Mathilda Darke vor. „Stumme Wut“ hatte mich überzeugt und auch die Fortsetzung hat mich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Ein mysteriöser Einstieg: Ein Mann wurde brutal ermordet, eine Frau schwer verletzt und vergewaltigt. Wie sich herausstellt, handelt es sich nicht um seine Ehefrau.
Außerdem jährt sich das Verschwinden des kleinen Carl zum ersten Mal - genau wie der Todestag von Matildas Ehemann James. Die Presse greift die Story wieder auf. Zudem bekommt Matilda anonyme Drohungen und wird auch noch gestalkt…
Michael Wood hat seinen Kriminalroman erneut packend in Szene gesetzt. Die Spannung wird langsam, aber nachhaltig aufgebaut. Schöne, solide Ermittlungsarbeit. Über das Wiedersehen mit Matilda und ihrem Team habe ich mich gefreut.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger, erscheinen alte Bekannte. Das macht Lust auf mehr für die, die den ersten Band (noch) nicht kennen.
Am Ende wird alles schlüssig aufgelöst. Ein bisschen konstruiert, aber was soll‘s. Bleibt abschließend festzustellen, dass man auf den nächsten Einsatz für Matilda gespannt sein darf.

Fazit: Fall Nr. 2 für DCI Matilda Darke aus Sheffield. Für mich sogar noch einen Tick besser als Band 1.

Bewertung vom 13.02.2019
Lorenz, Wiebke

Einer wird sterben (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Das Spiel mit der Angst

„Alles muss versteckt sein“ und „Bald ruhest du auch“ hatten mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Schon der Einstieg ist grausig, ist er doch überschrieben mit „Am Ende“.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht diesmal Stella. Sie ist mit Paul verheiratet, einem Piloten, der oft wochenlang unterwegs ist. Eines Tages parkt ein schwarzes Auto in ihrer Straße. Ein Mercedes Cabriolet. Genau so eins wie ihr Mann Paul damals hatte. Bis zu dem schweren Unfall, bei dem seine Ex-Frau Natalie ums Leben kam und Stellas Gesicht fürchterlich entstellt wurde.
Stella ist allein. Allein mit ihrer Angst. Denn am nächsten Tag steht das Auto immer noch da. Was wissen die beiden Insassen, ein Mann und eine Frau, über die schreckliche Nacht vor sechs Jahren? Merkwürdige Dinge geschehen. Ist Stellas Paranoia berechtigt? Warum ist Paul nicht zu erreichen?
Wiebke Lorenz ist mit „Einer wird sterben“ erneut ein fesselnder, psychologisch raffinierterer Thriller gelungen. Spannend, wendungsreich und unvorhersehbar erzählt. Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Und wie das so ist, bleibt es nicht bei einer Lüge. Auf die erste folgt die zweite, und so weiter.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Stella ist mir sofort ans Herz gewachsen. Man fiebert und leidet mit ihr mit - bis zum überraschenden Ende. Es geht um Schuld und Sühne. Erpressung und Rache. Und um eine große Liebe. Zitat: Wie sehr musst du mich lieben, dass du so etwas für mich tust?

Fazit: Packender Psychothriller. Bedrückend!

Bewertung vom 09.02.2019
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

Die Angst geht um

…nach dem Mord an der Stockholmer Journalistin Hannah Löwenström und Drohungen gegen Vertreter der sogenannten Lügenpresse. Weitere Opfer folgen. Nur eine fürchtet sich nicht: Die junge Madeleine Winther. Sie nutzt die Morde als Sprungbrett für ihre Karriere.
Woher kommt dieser Hass? Der rechtsextreme Carl Cederhielm will Rache nehmen an allen, die dazu beitragen, dass seine Heimat Tag für Tag von Flüchtlingen überschwemmt wird. Gemeinsam mit zwei Gleichgesinnten eine Todesliste mit zehn Namen aufgestellt.
Und dann ist da auch noch Ibrahim Chamsai, der einst aus Syrien nach Schweden eingewandert war, Taxi fährt und sich scheinbar voll integriert hat. Last but not least, der Schwede August Novak, ein ehemaliger Fremdenlegionär, der in Chile als Leibwächter eines Russen arbeitet.
Bald wird ihr Schicksal miteinander verwoben und in Schweden wird nichts mehr so sein wie es war…
Pascal Engman war selbst Journalist und hat mit seinem Thrillerdebüt ein aktuelles und heißes Eisen angepackt. Gut geschrieben, keine Frage. Stets glaubwürdig und niemals, wirklich nie vorhersehbar. Gleich mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Erst ganz am Ende schließt sich der Kreis und mündet in einen actionreichen Showdown. Ich bin begeistert, auch wenn der Epilog etwas kitschig daher kommt.

Fazit: Gelungenes Thrillerdebüt. Spannend, erschreckend, real.

Bewertung vom 05.02.2019
Burke, James Lee

Nacht über dem Bayou / Dave Robicheaux Bd.9


ausgezeichnet

Südstaaten-Stoff vom Feinsten

„Nacht über dem Bayou“ von James Lee Burke ist der 9. Fall für Detective Dave Robicheaux aus New Iberia, Louisiana - und ein grandioses Buch. Es handelt sich um die überarbeitete Neuausgabe aus dem Pendragon Verlag. Worum geht es?
Die Ermittlungen führen Dave zurück in die Vergangenheit zu einem 28 Jahre alten Mord an einem schwarzen Bürgerrechtler. Aaron Crown, der damals ein Geständnis abgelegt hatte, beteuert jetzt seine Unschuld und bittet Dave um Hilfe.
Buford LaRose, ein schmieriger Politiker, zeigt auffälliges Interesse am Geschehen. Mookie, ein schwarzer Riese mordet sich durch die Sümpfe. Und dann ist da auch noch Daves alte Flamme Karyn, die ihm mehr zu Leibe rückt, als ihm lieb ist.
Die Spuren führen Dave nach Texas und Mexiko und sein Kumpel Clete muss ihn mehrmals retten. Angst und Misstrauen greifen um sich. Denn jemand hat es offenbar auf Dave abgesehen. Als Crown aus dem Gefängnis fliehen kann, überstürzen sich die Ereignisse…
James Lee Burke schreibt Krimis fürs Kopfkino, hochspannend und mit filmischer Dichte erzählt. Kein Wort zu viel, keins zu wenig. Wie immer gelingt es dem Autor Spannung aufzubauen - und zu halten. Auch mit Gesellschaftskritik spart er nicht.
Vietnam-Veteran Dave ist trockener Alkoholiker mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Er ist ein Kind des Bayous, der Sümpfe von New Orleans, wo die Rassentrennung noch sehr präsent ist und Drogen und Gewalt auf der Tagesordnung stehen.

Fazit: Packender Krimi mit einer unvergleichlichen Atmosphäre.

Bewertung vom 01.01.2019
Krist, Martin

Hexenkessel


weniger gut

Schlimmer geht immer

„Hexenkessel“ ist der erste Band der neuen Serie „Freak City“. Als großer Fan von Martin Krist und seinen Thrillern musste ich dieses Buch unbedingt haben. Doch diesmal wurde ich enttäuscht. Worum geht es?
Schauplatz ist New York. Zwei Handlungsstränge gilt es zu verfolgen: Pearl, ein Halbblut, ist so etwas wie ein moderner Kopfgeldjäger. Sein Auftraggeber heißt Bobby. Für ihn soll er Geld eintreiben. In einem weiteren Erzählstrang lernen wir Patsy und Milo kennen. Sie wollen an das große Geld. Doch ein Serienkiller hat etwas dagegen.
Krist schreibt wie auf Speed. Rasant und gnadenlos. Aber eben auch trivial. Auf dem Niveau eines Groschenromans. Ein Werk, das bei weitem nicht an die David Gross- oder Kommissar Kalkbrenner-Thriller heranreicht. Zudem unsympathische Protagonisten. Immerhin ein überraschendes Ende. Auf Band 2 werde ich aber wohl verzichten.

Fazit: Enttäuschend trivial und wirklich nur für treue Krist-Fans.