Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Baerbel82
Danksagungen: 13 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 322 Bewertungen
Bewertung vom 24.04.2018
Wahrheit gegen Wahrheit
Cleveland, Karen

Wahrheit gegen Wahrheit


gut

Die Wahrheit des einen ist die Lüge des anderen

Wir lernen die CIA-Analystin Vivian Miller und ihre perfekte Familie kennen. Eines Tages entdeckt sie eine Datei - und blickt in das Gesicht ihres Ehemanns. Wird sie ihn verraten? Denn offenbar ist Matt ein russischer Schläfer. Aber ihre Achillesferse sind die Kinder. Das macht sie erpressbar.
Zitat: »Für meine Kinder würde ich alles tun. Einfach alles.«
Die Geschichte ist spannend, keine Frage. Aber auch das Privatleben nimmt viel Raum ein. Ein tempo- und actionreicher Spionageroman ist „Wahrheit gegen Wahrheit“ von Karen Cleveland somit nicht.
Mit Viv bin ich bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Die klassische Honigfalle. Unglaublich dämlich, hirnlos und naiv. Ihre Gedanken, ihre Ängste, berührten mich nicht. Matt ist ein Manipulator. Nichtsdestotrotz liebevoller Ehemann und Vater.
Story und Stil haben mir gefallen. Allerdings handelt es sich um ein typisches Buch für den US-amerikanischen Markt. Bisschen kitschig. Die USA, das sind die Guten, Russland die Bösen. Und jeder, einfach jeder, hat mindestens eine Waffe.
Zitat: „Der Reisesafe für Dads Waffe. Ganz unten im Koffer.“
Alles in allem eher ein Psychothriller, als »Ein furioser Thriller, den man geradezu verschlingt.« (John Grisham) Die Auflösung ist lange nicht vorhersehbar und dann gleichermaßen verblüffend wie plausibel. Matt ist wirklich ein perfekter Ehemann, Vater und Lügner!

Fazit: Gelungenes Debüt. Spannend und psychologisch stimmig. Aber definitiv kein Spionage-Thriller!

Bewertung vom 23.04.2018
Frankfurter Schattenjagd
Aurass, Dieter

Frankfurter Schattenjagd


ausgezeichnet

Was wäre wenn…

...die Katastrophe von Tschernobyl sich 1986 aus ungeklärten Gründen weiter ausgebreitet hätte und Europa von einer gigantischen Flüchtlingswelle überrollt worden wäre? Ein hochspannendes Szenario, das sich Dieter Aurass ausgedacht hat.
20 Jahre später hat sich die Welt verändert. Frankfurt am Main ist Hauptstadt der "Vereinigten Föderation von Europa" und ein internationales Polizeiteam unter Leitung des jungen deutsch-chinesischen Kommissars Xaver Xiang, genannt Dex, muss eine grausige Mordserie aufklären.
Handelt es sich um einen Bandenkrieg zwischen der mongolischen und der russischen Mafia, der Yakuza und den chinesischen Triaden? Und welche Rolle spielt die geheimnisvolle Lilith, die Dex den Kopf verdreht hat?
„Frankfurter Schattenjagd“ ist eine Utopie, die in einer Parallelwelt spielt. Gut geschrieben, keine Frage. Zudem bestens recherchiert. Selbst wenn der Leser der Polizei oft einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Xaver und Lilith, Chang, Boris und Basil sowie Sabina und Jacqueline - eine sympathische Truppe. Am Ende wird alles schlüssig aufgelöst. Alles in allem hat mir diese „Was-wäre-wenn“-Geschichte sehr gut gefallen, mal was anderes. Über weitere Fälle für Dex & Co würde ich mich daher sehr freuen!

Fazit: Spannende Utopie. Starker Stoff. So muss Krimi!

Bewertung vom 18.04.2018
NACHTWILD
Phillips, Gin

NACHTWILD


weniger gut

Wie weit würdest du gehen, um dein Kind zu schützen?

Schauplatz von „Nachtwild“ von Gin Phillips ist ein Zoo, irgendwo in den USA. Die Leseprobe ließ auf einen spannenden Thriller hoffen, doch ich wurde enttäuscht. Worum geht es?
Joan ist mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln auf einem Spielplatz im Wald. Sie vergessen die Zeit und müssen sich dann beeilen, denn in wenigen Minuten schließt der Zoo. Plötzlich hört Joan Geräusche, die sie schnell als Schüsse erkennt. Am Ausgang sieht sie Tote auf dem Boden liegen und auch einen der jugendlichen Täter. Er hat ein Gewehr. Sie dreht um und versteckt sich mit Lincoln in einem leeren Gehege...
Leider konnte mich diese Mutter-Sohn-Geschichte nicht fesseln. Mit der Protagonistin bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Die langatmigen Schilderungen ihrer Gedanken und Gefühle gehen zu Lasten der Spannung. Im Zoo befinden sich auch noch Kailynn, ein Teenager, und die ehemalige Lehrerin Margaret. Zudem sind zwischendurch sogar Kapitel aus der Perspektive von Robby, einem der Täter, eingestreut. Aber diese Beziehung zwischen Mutter und Kind macht alles andere nebensächlich.
Die Geschichte beginnt um 16:55 Uhr und endet um 20:05 Uhr. Alles passiert also quasi in Echtzeit. Über die Vorgeschichte der anderen Personen erfährt man fast nichts, auch nicht über die Hintergründe der Täter. Für einen Thriller hat mir der Thrill gefehlt. Und so richtig Action, wilde Tiere (Titel!), gab es auch nicht. Ein Satz mit X - das war wohl nix!

Fazit: Definitiv kein Thriller! Schade um die Lesezeit…

Bewertung vom 17.04.2018
Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1
Bingül, Birand

Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1


ausgezeichnet

Tricksen, Tarnen, Täuschen

Um es gleich zu sagen, „Riskante Manöver“ von Birand Bingül ist echt der Hammer. Schon die Leseprobe ließ auf einen packenden Krimi hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Mats Holm und seine Partnerin Laura May haben eine PR-Agentur, die sich auf Krisenmanagement spezialisiert hat. Nun sollen sie für den Pharma-Riesen Wenner die Kohlen aus dem Feuer holen. Denn die kleine Sophie ist nach Einnahme des Schmerzmittels Validolor gestorben, weitere Kinder sind schwer erkrankt.
Die Spur führt den „Master of Desaster“ von Berlin nach Indien und zu unsauberen klinischen Studien. Eine Mitarbeiterin des Konzerns verschwindet, ein Mitarbeiter wird tot aufgefunden. Mats und Laura glauben nicht an Zufälle…
Birand Bingül hat mit „Riskante Manöver“ einen Krimi mit abenteuerlichem Tempo und viel Humor geschrieben. Die spritzigen Dialoge machen das Buch zu einem wirklichen Lesevergnügen. Eine raffinierte und wirklich spannende Geschichte über Profitgier und Menschenverachtung. Ein tödliches Netz aus Erpressung und Korruption, in das auch das Management von Wenner verstrickt zu sein scheint.
Unterlegt ist die Krimihandlung mit bestens recherchierten Einblicken in die Welt von Big Business und Medien. Man merkt sofort, dass der Autor ein Profi ist, auch wenn dies sein erster Krimi ist. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Neben dem Fall plagen Mats private Probleme. Nichtsdestotrotz, sind er und Laura ein sympathisches Team, dem ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Abgezockt und kaltblütig. Starker Stoff. So muss Thriller!

Bewertung vom 16.04.2018
Schwarzes Watt / Theo Krumme Bd.4
Berg, Hendrik

Schwarzes Watt / Theo Krumme Bd.4


ausgezeichnet

Nordsee ist Mordsee

„Schwarzes Watt“ von Hendrik Berg ist bereits der vierte Fall für den ehemaligen Berliner Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Gleich mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Die Schwestern Nelly und Ina leben in Hamburg. Eines Tages wird Nelly brutal ermordet. Ina fühlt sich schuldig an ihrem Tod. 20 Jahre danach. Ina hat inzwischen Familie und lebt in Köln. Sie kämpft noch immer mit den Dämonen der Vergangenheit. Als sie Urlaub in St. Peter-Ording machen, ist Ina sicher, den Mörder ihrer Schwester gesehen zu haben. Krumme und seine junge Kollegin Pat von der Kripo Husum ermitteln…
Hendrik Berg hat seinen Krimi wieder sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die ersten Bände (noch) nicht kennen. Selbst wenn der Leser der Polizei oft einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.
Zwischendurch sind Rückblicke in die Vergangenheit beginnend mit dem Jahr 1634 eingestreut. Sie handeln von einem Mädchen mit schwarzen Haaren. Die Abschnitte sind toll geschrieben und haben mich sofort an den ersten Band der Reihe, „Deichmörder“, erinnert. Dieses Mystische. Das macht die Krimis des Autors so anders, so besonders.
Ab und zu finden sich sogar Kapitel aus Tätersicht. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Alles sehr mysteriös. Über das Wiedersehen mit Krumme & Co habe ich mich sehr gefreut. Hendrik Berg blickt erneut in die dunklen Abgründe der menschlichen Seele. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Fazit: Auf Theodor Storms Spuren in Nordfriesland. Überraschend und dramatisch!

Bewertung vom 12.04.2018
Ich beobachte dich
Stevens, Chevy

Ich beobachte dich


sehr gut

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Seit „Still Missing“ bin ich ein großer Fan der kanadischen Autorin Chevy Stevens, deren Geschichten in Vancouver und Umgebung verortet sind. Worum geht es in „Ich beobachte dich“?
Lindsey lebt mit ihrer 17-jährigen Tochter im fiktiven Dogwood Bay an der an der kanadischen Westküste. Vor elf Jahren war sie mit Sophie vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet. Als Andrew sie verfolgte, hatte er einen Autounfall, bei dem eine Frau ums Leben kam. Andrew musste ins Gefängnis, doch nun ist er wieder frei.
Es geht um Stalking. Aber es geht auch um Verlustängste - und um Rache.
Chevy Stevens hat erneut eine Story über starke Frauen geschrieben, die zu Opfern werden, dennoch überleben. Wie immer, harte Kost und nur schwer zu ertragen. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Die Autorin erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen mit wechselnden Perspektiven, teils aus der Sicht von Lindsey, teils aus der von Sophie.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Andrew ist ein Kontrollfreak, krankhaft eifersüchtig und Alkoholiker. Nichtsdestotrotz bin ich mit Lindsay bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Sie macht es dem Leser schwer, sich mit ihr zu identifizieren. Denn Männern gegenüber ist sie sehr naiv und blauäugig, um ihre Tochter dagegen gluckenhaft besorgt.
Dem starken Anfang folgt ein schwacher Mittelteil. Ständige Wiederholungen (und Selbstgespräche) gehen zu Lasten der Spannung. Doch Chevy Stevens versteht es, den Leser mit unvorhergesehenen Wendungen zu überraschen. Und am Ende kommt es zu einem spektakulären Showdown.

Fazit: Spannung made in Canada. Bewegend!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.04.2018
Krokodilwächter
Engberg, Katrine

Krokodilwächter


sehr gut

Jeppe und Anette ermitteln in Kopenhagen

„Krokodilwächter“ von Katrine Engberg ist eher ein literarischer Krimi als ein Thriller, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Worum geht es?
Eine junge Literaturstudentin, die gerade erst nach Kopenhagen gezogen war, wird brutal ermordet. Julies Vermieterin, die ehemalige Literaturprofessorin Esther de Laurenti, schreibt an einem Manuskript, das Parallelen zum Mordfall aufzeigt. Aber ist sie deshalb auch die Täterin?
Zitat: „Sie [Esther] musste ihr ganzes Projekt neu bewerten. Sie musste sich entscheiden, ob sie der Polizei erzählen sollte, dass sie Julie ermordet hatte“.
Julie hatte kurz vor ihrem Tod einen älteren Mann mit Brille kennengelernt. Handelt es sich um ihren Mörder? Wo liegt das Motiv? Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln - und schon bald gibt es eine weitere Leiche. Beseitigt der Täter Mitwisser?
Katrine Engberg ist eine genaue Beobachterin. Jedenfalls konnte ich mich gut in die Protagonisten hineinversetzen. Jeppe hat private Probleme, die sich auch auf seinen Job auswirken. Er kann nicht akzeptieren, dass seine Frau ihn wegen eines Anderen verlassen hat. Anette dagegen ist glücklich verheiratet und hochmotiviert. Meine Lieblingsfigur ist Esther. Sie hat viel Empathie und kümmert sich rührend um ihren Mitbewohner Gregers, der im Krankenhaus liegt. Seit sie im Ruhestand ist, macht sie was sie will. Ok, sie trinkt zu viel. Aber wer ist schon perfekt?
Katrine Engberg hat ihr Krimidebüt packend in Szene gesetzt, mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen. Eine Geschichte über Einsamkeit und Verlust. Auch der Titel erklärt sich erst ganz zum Schluss:
Zitat: „Wie ist ihr Verhältnis zu Christian Stender?“ „Er ist einer meiner Krokodilwächter. Alle Künstler haben ein paar davon. Zumindest die erfolgreichen.“ Der Krokodilwächter ist ein afrikanischer Vogel, der angeblich in den Mäulern von Krokodilen nach Nahrung sucht. Widerlich, aber praktisch.
Gut geschrieben, keine Frage. Nichtsdestotrotz, ein Thriller ist es nicht. Zudem bin ich mit Jeppe bis zum Schluss nicht warm geworden. Das finde ich wiederum typisch für einen skandinavischen Krimi. Denn die meisten skandinavischen Ermittler haben eine Menge persönlicher Probleme.

Fazit: Gelungener Start einer neuen Serie, der verschiedene Fährten legt und diese am Ende plausibel zusammenführt. Unterhaltung auf hohem Niveau!

Bewertung vom 01.04.2018
Die Gottesformel
Hemstreet, Patrick

Die Gottesformel


sehr gut

Gier nach Macht

„Die Gottesformel“ von Patrick Hemstreet ist der zweite Band einer Sci-Fi-Trilogie. „Die Gotteswelle“ hatte mich begeistert. Deshalb wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Neurowissenschaftler Chuck Brenton, Mathematiker Matt Streegman und den Zetas weitergeht.
Chuck und Matt hatten eine Formel entwickelt, mittels derer die Probanden, die sogenannten Zetas, Computer und Maschinen durch Gedanken bedienen können: sie lassen einfach ihre mentalen Muskeln spielen. Dies hatte eine zwielichtige paramilitärische Organisation namens Deep Shield auf den Plan gerufen.
Chuck und sein Team konnten den Militärs entkommen. Aber ist ihr Retter Kristian Lorstad wirklich einer der Guten? Matt ist quasi als Spion bei General Howard geblieben. Sara, Mike und Tim haben sich im Berg verschanzt.
Sie sorgen nun dafür, dass das Militär sich gegenseitig niedermetzelt. Sara und ihre Jungs wollen den Weltfrieden. Aber die Welt retten mit kriegerischen Mitteln? Matt nimmt Kontakt zur Präsidentin auf. Doch erneut gibt es jemanden, der ein falsches Spiel spielt.
Macht korrumpiert, auch die Alpha-Zetas. Ihre mentalen Fähigkeiten sind Fluch und Segen zugleich. Sie fühlen sich als Götter. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt...
Über das Wiedersehen mit Chuck, Matt &Co habe ich mich sehr gefreut. Wie schon in Band 1 gibt es wieder viel Technik. Aber mir gefällt das, auch wenn ich längst nicht alles verstehe. Erneut gibt es Bezüge zu Star Wars. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Die Wissenschaft dagegen ist diesmal auf der Stecke geblieben, zu Gunsten von Action, Gewalt und Krieg. Mentale Muskeln, das ist visionär! Aber Kämpfe mit Elfen und Schmetterlingen? Das war mir dann doch etwas „too much“. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf Band 3.

Fazit: Gut, aber nicht so gut wie Band 1. Mehr Fantasyroman als Sci-Fi-Thriller.

Bewertung vom 28.03.2018
Brennende Gischt / Liv Lammer Bd.2 (eBook, ePUB)
Weiß, Sabine

Brennende Gischt / Liv Lammer Bd.2 (eBook, ePUB)


sehr gut

Wer ist Täter, wer ist Opfer?

„Brennende Gischt“ von Sabine Weiß ist nach „Schwarze Brandung“ bereits der zweite Fall für die Flensburger Kommissarin Liv Lammers. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Bei Löscharbeiten auf Sylt finden Feuerwehrleute im Keller eines alten Hauses eine Leiche. Unfall oder Mord? Liv und ihre Kollegen ermitteln.
Schnell ist klar, es handelt sich um Pastor Casabione. Was hatte er im Haus des mehrfachen Millionärs Zurssen zu suchen? Der schwer kranke Armin Zurssen war vierzehn Tage zuvor gestorben. In den Sechziger- und Siebzigerjahren gehörte er zum Jetset der Insel.
Schon bald gibt es einen weiteren Toten. Unter der glänzenden Oberfläche tun sich Abgründe auf, in die auch die Polizei verstrickt zu sein scheint. Die Ermittlungen drehen sich im Kreis. Jede Menge Verdächtige, aber weit und breit kein Motiv. Erst ein altes Foto führt die Ermittler auf die richtige Spur…
Sabine Weiß hat ihren Krimi abgründig und düster in Szene gesetzt. Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger. Selbst wenn der Leser Liv oft einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut.
Liv ist alleinerziehende Mutter einer pubertierenden Tochter. Sanna war der Grund, weshalb sie vor Jahren mit ihrer reichen Sylter Familie gebrochen hatte. Nur ihre Großmutter Elise hält nach wie vor zu ihr. Leider bin ich auch in Band 2 mit Liv nicht wirklich warm geworden. Ihre Alleingänge bringen sie und andere in Gefahr.
Das Thema ist heikel, die Auflösung absolut stimmig. Viel Lokalkolorit und auch mit Sylter Mundart spart die Autorin nicht.

Fazit: Gut, aber nicht so gut wie Band 1. Pflichtlektüre für Sylt-Urlauber!

Bewertung vom 13.03.2018
Die Akte Baader
Schweizer, Stefan

Die Akte Baader


ausgezeichnet

Hölle! Hölle! Hölle!

Um es gleich zu sagen, „Die Akte Baader“ von Stefan Schweizer hat mich begeistert.
Fast hat man Mitleid mit dem kleinen Andreas. Er wächst ohne Vater bei Mutter, Tante und Großmutter in München auf. Wird behütet und überwacht. Aber schon früh zeigt sich, Baader hatte eben auch eine dunkle Seite.
Baader zieht nach Berlin und radikalisiert sich. Dort lernt er auch Gudrun Ensslin kennen, nach den ersten Anschlägen in Frankfurt/M. dann Ulrike Meinhof. Die RAF war geboren.
Stefan Schweizer zeichnet das Psychogramm eines Mannes, der vom Kleinkriminellen zum Schwerverbrecher wurde. Ein Selbstdarsteller mit der Gier nach Macht. Zudem ist es dem Autor ausgezeichnet gelungen, die Atmosphäre der 60er und 70er Jahre einzufangen.
Gut geschrieben, ohne Frage. Mir gefällt dieser Mix aus Fakten und Fiktion. Denn nicht jeder liest Biografien. Aber in Romanform bietet die Akte Baader beste Unterhaltung.

Fazit: Ein spannender, brillant erzählter Roman, der auf Tatsachen beruht. Unbedingt lesen!