Benutzername: Baerbel82
Danksagungen: 13 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 285 Bewertungen
Bewertung vom 13.10.2017
Blutzeuge / Jane Rizzoli Bd.12 (eBook, ePUB)
Gerritsen, Tess

Blutzeuge / Jane Rizzoli Bd.12 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine Frage der Perspektive

„Blutzeuge“ von Tess Gerritsen ist bereits der 12. Fall für Detective Jane Rizzoli und Rechtsmedizinerin Dr. Maura Isles. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
In Boston wird eine junge Frau tot aufgefunden. Jemand hat ihr die Augen rausgeschnitten und in die Hände gelegt. Kurze Zeit später taucht die Leiche eines Mannes auf - mit drei Pfeilen in der Brust. Die Morde scheinen religiös motiviert: „Irgendetwas ist da, Jane. Etwas, was mit Heiligen und Märtyrern zu tun hat.“ Die Spur führt weit zurück in die Vergangenheit zu einem Missbrauchsfall in einer Kindertagesstätte, als die damals neun Jahre alte Lizzie verschwand…
Was einen guten Spannungsroman ausmacht, hat Tess Gerritsen erneut unter Beweis gestellt. „Blutzeuge“ punktet mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen die Autorin die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Eine Geschichte, die sich zudem flott und flüssig lesen lässt. Nichts ist wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut.
Erzählt wird die komplexe Geschichte aus wechselnden Perspektiven, auch in der Ich-Perspektive aus Sicht der 30-jährigen Holly. Ein seltsames Mädchen. Sie kannte beide Opfer. Und sie kennt ein Geheimnis. Es geht um Manipulation. Darum, wie Erinnerungen im Lauf der Zeit verzerrt werden. Und dass die Wahrheit eigentlich nur eine Frage der Perspektive ist.
Die Vergangenheit wirft lange Schatten, die die Autorin gründlich ausleuchtet. Die Auflösung ist erschütternd, aber absolut stimmig. Eine fesselnde Reise in die dunkelsten Winkel der menschlichen Psyche. Faszinierend düster.

Fazit: Thrillerstoff erster Güte, der nicht nur den Schlaf raubt, sondern auch Fingernägel in existenzielle Gefahr bringt.

Bewertung vom 11.10.2017
Das Vermächtnis der Spione / George Smiley Bd.9 (eBook, ePUB)
le Carré, John

Das Vermächtnis der Spione / George Smiley Bd.9 (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Vergangenheit holt einen immer ein

John le Carrés neuer Roman „Das Vermächtnis der Spione“ knüpft an die Handlung seiner Erfolge „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ an. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht der berühmte britische Agent George Smiley, sondern sein ehemaliger Assistent Peter Guillam. Worum geht es?
Guillam, halb Engländer, halb Franzose, der seinen Ruhestand auf einem alten Bauernhof in der Bretagne genießt, wird nach London zitiert. Es geht um seine damalige Rolle in der Operation WINDFALL, die mitten im Kalten Krieg gegen die STASI geführt wurde und 1961 mit dem Tod des britischen Top-Spions Alec Leamas und seiner Freundin Liz Gold endete.
Die Kinder der Spione drohen nun, die Regierung zu verklagen. Warum mussten die beiden Agenten an der Berliner Mauer sterben? Zitat: „Da George nicht verfügbar ist, haben sie mich [Guillam] in der Rolle des Bösewichts besetzt.“ Oder soll Guillam den Sündenbock geben? Guillam muss sich auch damit auseinandersetzen, wie er selbst eine Frau verriet, die er liebte.
Gekonnt verbindet John le Carré, in „Das Vermächtnis der Spione“ Vergangenheit und Gegenwart zu einem spannenden Plot über die dunklen Seiten der Geheimdienste. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Guillam. Ab und zu werden aber auch Briefe und Berichte aus jener Zeit eingestreut.
Das Verhör ist interessant und informativ, keine Frage. Aber das Lesen der Protokolle ist durch die vielen Decknamen und Abkürzungen anstrengend und ermüdend. Das geht ein bisschen zu Lasten der Spannung. Am Ende ist Guillam auf der Flucht: Zitat: „Wenn die Wahrheit dich einholt, sei kein Held, lauf weg.“ Doch Guillam entschließt sich stattdessen, Smiley aufzuspüren...
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern, erscheinen alte Bekannte. Über das Wiedersehen mit Smiley & Co. habe ich mich sehr gefreut. Denn „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ gehören für mich zu den besten Spionageromanen, die ich je gelesen habe.

Fazit: Das große Finale der George Smiley-Serie, spannend und faszinierend zugleich.

Bewertung vom 09.10.2017
Die Attentäterin / Gabriel Allon Bd.16 (eBook, ePUB)
Silva, Daniel

Die Attentäterin / Gabriel Allon Bd.16 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Inside IS

Die Legende ist zurück. In Paris und Amsterdam explodieren Autobomben. Zu den blutigen Anschlägen bekennt sich der IS. Auch eine alte Freundin des israelischen Geheimagenten Gabriel Allon kommt dabei ums Leben. Statt es sich im Chefsessel „des Dienstes“ bequem zu machen, schmiedet Gabriel Rachepläne und schleust die junge Ärztin Nathalie in die Terrororganisation ein. Als Schwarze Witwe Leila soll sie Mastermind Saladin ausspionieren.
Ein erschreckendes Szenario das Daniel Silva sich ausgedacht hat. Eine der Wirklichkeit nur wenig vorauseilende, im Grunde ziemlich realistisch anmutende Vision. Denn das sogenannte Kalifat hat nach den Attentaten in Europa nun die USA im Visier. Leilas Erlebnisse im Islamischen Staat in Syrien werden eindringlich beschrieben. Gänsehaut garantiert.
„Die Attentäterin“ ist bereits der 16. Band aus der Gabriel Allon-Reihe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern, erscheinen alte Bekannte.
Viele Handlungsstränge und ein Herr von Protagonisten, das sind die Zutaten dieser komplexen Geschichte. Gabriel ist mir in mittlerweile 17 Jahren ans Herz gewachsen, auch wenn er ein Profikiller ist. Denn er ist auch ein begnadeter Restaurator, liebender Ehemann und Vater.
Auch im neuen Thriller geht die Jagd durch viele Länder, der Spannungsbogen wird ständig gesteigert und das dramatische Finale ist besonders gelungen. Hervorragender Mix aus Fakten und Fiktion, fundiert recherchiert. Ein Thriller mit dem Finger am Puls der Zeit.

Fazit: Beste Unterhaltung für Fans von Agenten-Thrillern, aktuell wie nie!

Bewertung vom 07.10.2017
Die Farm
Gerling, V. S.

Die Farm


sehr gut

Abgründig und packend zugleich

„Die Farm“ von V.S. Gerling ist bereits der 4. Fall für das Ermittlerpaar Nicolas Eichborn und Helen Wagner. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Gleich mehrere spannende Handlungsstränge, häufig in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nicolas erzählt, gilt es zu verfolgen:
Nicht nur in Deutschland verschwinden Ehepaare. Es gibt keine Lösegeldforderungen, keine Leichen. Allen Fällen gemeinsam: die Paare sind jung und kinderlos.
In Deutschland werden zudem mehrere Geldtransporter überfallen. Günther Maria Helmes vom Amt für innere Sicherheit entdeckt eine Verbindung. Nicolas und Helen ermitteln…
Last but not least bekommt Nicolas Stress aus den eigenen Reihen. Kriminalrat Gunkel intrigiert und setzt ausgerechnet den ehemaligen Generalstaatsanwalt Stoll auf ihn an.
Es geht um Organisierte Kriminalität, Menschenhandel und Korruption - und um ein furchtbares Verbrechen. Die Spuren führen in die höchsten politischen Kreise - und in tiefste menschliche Abgründe.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Über das Wiedersehen mit Helen, Nicolas, Frettchen Helmes und Aspie Patrick Ebel habe ich mich sehr gefreut. Denn sie sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Aber auch Nicolas‘ alte Feinde Stoll und Semjonow sind wieder mit dabei.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die ersten Bände (noch) nicht kennen. Gefallen haben mir auch wieder die witzigen Dialoge: „Ich brauche ihn lebend.“ „Gatzke (Präsident des BKA) oder den Killer?“ […] „Den Killer.“

Fazit: Eine skurrile, abgedrehte Geschichte mit ernstem Hintergrund, die aber nicht an die Klasse der ersten Bände heranreicht.

Bewertung vom 04.10.2017
Kein guter Ort (eBook, ePUB)
Stäber, Bernhard

Kein guter Ort (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Komm nicht zurück!

„Kein guter Ort“ von Bernhard Stäber ist bereits der 3. Fall für den Psychologen Arne Eriksen, zur Hälfte Deutscher, zur Hälfte Norweger. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so stand der neue Krimi schon lange auf meiner Wunschliste.
Arne ist in die südnorwegische Provinz Telemark gezogen und arbeitet dort als Psychiater an einer Klinik. Währenddessen ist Kari Bergland, von der Bergener Kriminalpolizei, auf der Suche nach einem Drogendealer - und trifft auf Janne, die 20-jährige Tochter ihres Chefs. Sie hat ein Drogenproblem und soll deshalb bei Arne eine Therapie machen.
Vor vielen Jahren war in der nahegelegenen Rabenschlucht eine junge Frau vor den Augen ihrer Schwester von einem Unbekannten in den Tod getrieben worden. Der Täter wurde nie gefasst. Als Janne davon erfährt und im verlassenen Hotel Rabenschlucht zufällig ein altes Tagebuch findet, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an…
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Über das Wiedersehen mit Arne und Kari habe ich mich sehr gefreut. Denn sie sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Arne leidet noch immer unter Panikattacken und hat erneut Visionen. Zwischen beiden knistert es gewaltig.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die ersten beiden Bände (noch) nicht kennen. Gut gefallen haben mir auch wieder die Einblicke in die Mythen und Riten der Samen. Aber auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht.

Fazit: Ein atmosphärisch dichter und spannender Norwegen-Krimi, der mich mörderisch gut unterhalten hat.

Bewertung vom 01.10.2017
Durst / Harry Hole Bd.11
Nesbø, Jo

Durst / Harry Hole Bd.11


ausgezeichnet

20 Jahre und kein bisschen müde

Harry Hole ist zurück! „Durst“ ist bereits der 11. Fall für den kultigen norwegischen Ermittler. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so stand der neue Krimi schon lange auf meiner Wunschliste.
Jo Nesbø geht gleich in medias res. Wer ist dieser geheimnisvolle Mann mit dem Tattoo? Danach lernen wir Anwältin Elise kennen. Sie trifft sich mit Männern über die Dating-App Tinder und bezahlt dies mit dem Leben. Der Mörder beißt sie und trinkt ihr Blut - wie ein Vampir.
Harry ist inzwischen mit Rakel verheiratet, der Liebe seines Lebens, und arbeitet als Dozent an der Osloer Polizeihochschule. Einer seiner Studenten ist Rakels Sohn Oleg. Polizeipräsident Bellman, der Justizminister werden will, erpresst Harry mit Olegs krimineller Vergangenheit, um ihn zu einer Mitarbeit am Vampiristen-Fall zu überreden.
Über das Wiedersehen mit Harry, Katrine & Co habe ich mich sehr gefreut. Doch Harry kann sein Glück nicht genießen. Denn er kämpft noch immer mit den Dämonen der Vergangenheit, einem Killer, den er nicht fassen konnte, und dem Alkohol. Zudem erkrankt Rakel schwer.
„Durst“ hat alles was einen richtig guten Thriller ausmacht, dass einem beim Lesen der Atem stockt, dass man Gänsehaut und blutige Fingernägel hat und das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Falsche Fährten und überraschende Wendungen halten den Spannungsbogen hoch.
Nach einem fulminanten Showdown gelingt Jo Nesbø ein Cliffhanger der neugierig macht, wie der Autor diese geniale Reihe fortsetzen wird.

Fazit: Horror der ganz harten, vordergründigen Art, der buchstäblich die (Fleisch-) Fetzen fliegen und das Blut spritzen lässt. Hochspannung pur!

Bewertung vom 19.09.2017
Tödliche Ferien (eBook, ePUB)
Gibert, Matthias P.

Tödliche Ferien (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Thilo, Pia und Kommissar Zufall

Nach dem Tod seines Vorgesetzten und Freundes Paul Lenz war Thilo in ein tiefes Loch gefallen. Zwei Partner hatte er vergrault, es auf einen Rausschmiss abgesehen. Doch dann kam Pia…

„Tödliche Ferien“ ist der erste Fall für die Kasseler Kommissare Thilo Hain und Pia Ritter. Es handelt sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?

Eine Lehrerin und ihre Mutter werden brutal ermordet. Jede Menge Verdächtige, aber weit und breit kein Motiv. Erst ein Zufall bringt Thilo und Pia auf die richtige Spur.

Matthias P. Gibert hat seinen neuen Krimi routiniert und mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.

Es geht um eine verhängnisvolle Lehrer-Schüler-Beziehung, aber auch um Erpressung und Rache. Die Auflösung ist schockierend, aber absolut stimmig.

Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Pia, die Neue, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Und so fiebert man gerne mit ihr mit. Thilo und Pia, ein sympathisches Ermittlerduo, dem ich gerne wieder über die Schulter schauen möchte.

Fazit: Gelungener Auftakt einer Serie um ein neues starkes Team, nicht nur für das nordhessische Publikum!

Bewertung vom 18.09.2017
Die Gärten von Istanbul
Ümit, Ahmet

Die Gärten von Istanbul


sehr gut

Sieben Leichen. Sieben historische Stätten. Siebenhundert Seiten.

Byzantion war der erste Name Istanbuls. Eine Stadt, in der Geschichte geschrieben wurde, die dem Römischen, dem Byzantinischen und dem Osmanischen Reich als Hauptstadt diente.
Kaum einer kennt sie so gut wie Nevzat, Oberinspektor des Morddezernats. Das erste Opfer ist ein Professor für Kunstgeschichte. Weitere Leichen werden aufgefunden. Alle an historischen Stätten mit einer antiken Münze in den Händen. Wo liegt das Motiv?
„Die Gärten von Istanbul“ ist nicht einfach nur Krimi, sondern vor allem psychologisches Drama. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nevzat. Ab und zu werden aber auch Abschnitte in Kursivschrift eingestreut, die über die Geschichte der Stadt berichten.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Nevzat kommt sympathisch rüber. Frau und Tochter wurden ebenfalls Opfer eines Verbrechens. Und so leidet der Leser mit ihm mit.
Ahmet Ümit besitzt eine ruhige, unaufgeregte Sprache. Die Spannung ist nicht immer hoch. 200 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan. Die Geschichte nimmt viele überraschende, dramatische und auch brutale Wendungen, bis zum tragischen Ende.

Fazit: Ein guter Krimi, ein großes Drama. Lesenswert!

Bewertung vom 13.09.2017
Underground Railroad
Whitehead, Colson

Underground Railroad


ausgezeichnet

Düster und grausam

„Underground Railroad“ von Colson Whitehead ist ein Roman über ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte, der mich sehr bewegt hat.
Schauplatz ist eine Baumwollplantage im tiefen Süden, in Georgia. Die Geschichte spielt vor der Sklavenbefreiung, also vor mehr als 150 Jahren. Erzählt wird das Schicksal der 17-jährigen Cora. Aber auch das ihrer Großmutter und Mutter, die ebenfalls auf der Plantage gearbeitet haben.
Eines Tages wird Cora gefragt, ob sie Caesar auf seiner Flucht in den Norden begleiten möchte. Eine aufregende Zeitreise beginnt…
Colson Whitehead hat den Überlebenskampf der Sklaven in den Südstaaten spannend in Szene gesetzt. Ab und zu sind echte Steckbriefe eingestreut. Auch die Emotionen kommen nicht zu kurz. „Underground Railroad“ beinhaltet grausame Szenen, die schwer auszuhalten sind:
„Die Leichen hingen wie verrotteter Schmuck in den Bäumen. Manche waren nackt, andere teilweise bekleidet...“
Dieses geheime Netzwerk, das es wirklich gegeben hat, als unterirdische Eisenbahn darzustellen, finde ich genial. Denn ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. South und North Carolina, Tennessee, Indiana. Immer, wenn Cora an einer Station aussteigt, findet sie ein anderes Amerika.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Cora ist mir sofort ans Herz gewachsen. Sie ist eine starke Frau, die viele Rückschläge zu verkraften hat. Gekonnt seziert der Autor ihre Gedanken und Gefühle. Und so fiebert man mit ihr mit, ob am Ende tatsächlich die Freiheit wartet.

Fazit: Ein anspruchsvoller Roman, der ambivalente Gefühle auslöst. Gut geschrieben, ohne Frage. Eine Lektüre, die einen klüger macht und nachhallt.

Bewertung vom 08.09.2017
Kalte Seele, dunkles Herz
Walker, Wendy

Kalte Seele, dunkles Herz


sehr gut

Findet Emma!

„Dark Memories - Nichts ist je vergessen“ hatte mir gefallen und so war ich schon gespannt auf „Kalte Seele, dunkles Herz“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen fesselnden, psychologisch raffinierten Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Schauplatz ist eine Kleinstadt in Connecticut, USA. Drei Jahre waren die 15-jährige Cassandra und ihre zwei Jahre ältere Schwester Emma spurlos verschwunden, bis Cass eines Tages nach Hause zurückkehrt. Doch wo ist Emma?
Die forensische FBI-Psychologin Dr. Abigail Winter hat eine Theorie. Sie selbst kämpft noch immer mit den Dämonen ihrer Kindheit, ähnlich wie die von Cass. Zusammen mit Special Agent Leo Strauss versucht sie, Cass zu helfen und Emma zu finden.
Wendy Walker thematisiert in ihrem neuen Roman Narzissmus. Ein tödliches Szenario, das die Autorin sich ausgedacht hat. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd in der Ich-Perspektive aus Sicht von Cass und aus der Perspektive von Abby.
Der Roman punktet mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen Wendy Walker die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Eine Geschichte, die sich zudem flott und flüssig lesen lässt. Nichts ist wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut.
„Kalte Seele, dunkles Herz“ ist auch das Psychogramm einer Ehe und eine Familientragödie. Cass‘ und Emmas Leben war die Hölle. Es geht um Täuschung und Manipulation. Die Vergangenheit wirft lange Schatten, die die Autorin gründlich ausleuchtet. Die Auflösung ist schockierend und erschütternd, aber absolut stimmig.

Fazit: Wendy Walker zieht einen mit in den Abgrund. Faszinierend düster!