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Ritja
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Bücher, Bücher, Bücher...viele Träume und Geschichten, die einem atemlos, traurig, fröhlich oder nachdenklich machen. Sie sind gute und geduldige Begleiter durch das Leben und schaffen Platz für Kreativität und Ruhe. https://buchstabenfestival.blogspot.com/
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Bewertungen

Insgesamt 801 Bewertungen
Bewertung vom 03.07.2014
Schwarzhuber, Angelika

Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück


sehr gut

Oma Berta schafft es selbst nach ihrem Tod noch für Chaos und Unruhe zu sorgen. Hanna wird erben. Viel Geld und einen guten Hof, aber nur, wenn sie es schafft sich zu binden und zwar richtig. Mit Hochzeit und bis der Gott sie scheidet. Blöd für Hanna, dass da niemand ist, den sie mal eben schnell heiraten kann. Sie will aber auch nicht so ganz auf das Erbe verzichten und dem Max gönnt sie es erst recht nicht. Also werden Pläne geschmiedet und das Chaos nimmt seinen Lauf.

Ich habe sehr gehofft, dass es nicht platt und offentsichtlich wird. Und tatsächlich hat Angelika Schwarzhuber einen leichten, lockeren und witzigen Roman geschrieben, der mich immer wieder zum Schmunzeln brachte und für ein paar Stunden abschalten ließ. Hanna ist herrlich frech, bockig und manchmal zu laut. Sie nimmt vor den Fettnäpfchen noch mal so richtig Anlauf, um dann mit Schwung hineinzuspringen. Aber genau das macht die Figur so symphatisch und witzig. Sie ist keine Überfliegerin, sie hat gelegentlich ein ramponiertes Selbstbewußtsein (was wohl jeder mal erlebt hat) und sie muss für ihre Träume kämpfen. Gut fand ich, dass man nicht sofort wußte, wer was im Schilde führte und man nur häppchenweise die Wahrheit erfährt. Der Schluß ist zwar dann doch wieder wie gehabt (und wenn man ehrlich ist, erwartet man es auch), aber das schadet der Geschichte weniger als gedacht .

Wer etwas zum Schmunzeln, zum Abschalten und entspannen sucht, kann hier gern zugreifen. Eine wunderbare Geschichte natürlich über die Liebe, deren Wirrungen und vieles mehr.

Bewertung vom 13.06.2014
Luft, Marcus

Frühstück in Amsterdam (eBook, ePUB)


gut

Frühstück in Amsterdam ist eine leichte, kurzweilige und entspannte Geschichte von einem Mann, der sich neu orientieren muss und sein Glück findet.

Oliver Schmetter wird von heute auf morgen gekündigt und muss nun damit zurechtkommen, dass er nicht mehr in der Designer-Anzug-Liga mitspielt. Er legt viel Wert auf sein Äußeres, gibt gern Geld aus und arbeitet, wenn es sein muss bis zum Umfallen. Sein Tagesablauf ist ziemlich straff organisiert und Frauen sind nur für das reine Vergnügen eingeplant. Doch mit der Kündigung fängt die Fassade an zu bröckeln und so beginnt Oliver sein Leben zu hinterfragen.

Er muss erst mal raus. Weg vom Alltag, raus aus der alten Umgebung und rein in das Leben. Er landet in Amsterdam und macht erst mal nichts. Seine gute Position wird noch einmal verstärkt durch sein hohes Erbe, welches er von seinem Großvater erhält. Oliver nimmt sich eine Wohnung in Amsterdam und freundet sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit den Nachbarn an. Langsam beginnt er sich zu entspannen, die Gedanken an die Kündigung wegen dem Thüringer Landbrot werden weniger. Doch das Brot bleibt. Es gibt kein gutes Brot in Amsterdam. Das muss sich ändern.

Wer schon immer mal eine leichte Herz-Schmerz-alles-wird-gut-Geschichte aus der Sicht eines Mannes lesen wollte, kann sich dieses Buch vornehmen. Die inneren Monologe, die Gedankengänge und die geführten Gespräche unterscheiden sich doch erheblich von den „Frauenromanen“. Trotz des einfachen Themas wird Marcus Luft nie zu kitschig und zu romantisch. Es gab einige witzige Begebenheiten, die die Geschichte auflockerten und Figuren auf die man sich immer wieder freute. Now know, Joan?

Etwas an der Realität schrammt Marcus Luft vorbei, aber zur reinen Unterhaltung ist das Buch gut geeignet. Die letzten Seiten ziehen sich etwas in Länge und natürlich darf auch hier das Finale mit allen Beteiligten und dem Happy End nicht fehlen, aber es war schön geschrieben und dadurch gut zu lesen. Und man erhält ganz nebenbei von einen netten Eindruck von Amsterdam.

Bewertung vom 05.06.2014
Corry, Jane

Der Garten über dem Meer


gut

Zwei Handlungen in unterschiedlichen Zeiten, ein Ring mit einem Fluch und rätselhafte Sticktücher haben mich neugierig gemacht. Geheimnisse aus der Vergangenheit aufzudecken und die Verbindungen zu der heutigen Zeit herzustellen, klang spannend und interessant.

Jane Corry kann schreiben und hat einen sehr angenehmen Schreibstil, jedoch reichte dies nicht aus, um aus den Ideen einen fesselnden Roman zu machen. Sie erzählt immer abwechselnd die Geschichte um Laura, die in der heutigen Zeit lebt und ihr Leben noch einmal umkrempelt. Sie heiratet sehr schnell einen Mann, den sie kaum kennt und zieht mit ihm und seinen Töchtern aus erster Ehe um. Jedoch versteht sie sich mit den Töchtern nicht so gut und so schwebt stets ein Schatten über dem gemeinsamen Glück.

Auf der anderen Seite der Geschichte befindet sich Mary Rose. Sie lebt im 19. Jahrhundert und muss miterleben, wie ihre tote Mutter durch ihre ehemalige Gouvernante ersetzt wird. Das Verhältnis zwischen den beiden ist schwierig und wird noch kälter als der versprochene Rubinring nicht am Finger der Tochter, sondern der neuen Hausherrin steckt. Der Fluch des Ringes wird ausgelöst und so nimmt die Geschichte seinen Lauf. Mary Rose muss 20 Jahre für etwas büßen, was sie nicht begangen hat. Um nicht durchzudrehen und ihre Unschuld immer wieder zu beteuern, bestickt sie Tücher.

Laura erhält von ihrer Großmutter genau diese bestickten Tücher und entdeckt darauf den mysteriösen Spruch. Sie forscht in der Vergangenheit der Familie und muss dabei etwas Schreckliches erfahren.

Die Geschichte hätte fesselnd und gut verstrickt sein können, jedoch schafft es Jane Corry nicht den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Sie verliert sich zu sehr in ausschweifenden Beschreibungen über den Alltag von Mary Rose und Laura und so geht die Suche nach dem Geheimnis unter. Ab und an schrieb sie wieder von der Recherche/Suche nach Informationen und der Familiengeschichte, aber stets war dies eher oberflächlich und zu schnell abgehandelt. Ich fand es schade, dass der Fokus zu sehr auf die Alltagsgeschichten gelegt und der eigentlich spannende Teil, die Verknüpfung von gestern und heute, nicht so verfolgt wurde. Was am Anfang sehr langsam, fast schon zäh voranging und sehr detailliert beschrieben wurde, musste am Ende sehr schnell und fast schon überstürzend gehen. Die Balance fehlte aus meiner Sicht und so war es am Ende nur ein Abhandeln der offenen Handlungsstränge.

Schade, denn die Idee war gut, nur leider hat die Umsetzung mich nicht so sehr begeistert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.05.2014
Roth, Charlotte

Als wir unsterblich waren


ausgezeichnet

"Die Welt verändern." daran glaubten sie. Das sie noch Möglichkeiten haben Spuren zu hinterlassen und das politische Geschehen zu beeinflussen. Sie schlafen wenig, sie arbeiten viel und müssen doch viele Rückschläge und Niederlagen einstecken. Für manche endet das politische Engagement tödlich, für andere kommt nur noch die Flucht in Frage.
Paula, Kutte, Manfred, Clemens, Klara, Johanna und viele mehr leben in einer wilden lauten Zeit. Es 1912 und die Freunde sind noch jung, unerfahren und sie wollen die Welt ändern.

Auf der anderen Seite steht Alex(andra). Es ist 1989 und sie erlebt gerade den Mauerfall. Mit ihrer Momi (93) lebt sie im Osten von Berlin und kann die Wende gerade nicht begreifen. Doch sie zieht mit ihrer Freundin los - zum Grenzübergang und läuft ihm in die Arme. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie verbringen die Tage miteinander und dann geschieht es. Momi bricht beim Anblick des jungen Mannes zusammen.

Dies ist dann der Zeitpunkt an dem sich die beiden Handlungsstränge miteinder immer mehr verknüpfen. Der Leser wechselt immer wieder zwischen den Zeiten hin und her. Jedoch kann man den Geschichten gut folgen und lange bleibt es ein Rästel, wer der junge Mann ist und warum die Momi so eine Angst vor ihm hat. Mit jeder Geschichte wird die Verbindung offensichtlicher und man versteht Momi immer mehr. Auch ihren eigenen Wandel kann man dann nachvollziehen.

Das Buch lässt den Leser in eine politisch brisante Zeit reisen. Ab 1912 bis zum zweiten Weltkrieg reicht der Rückblick der Paula Klein. Die Autorin geht sehr stark auf die politischen Vorgänge ein und man fühlt sich fast schon in diese Zeit versetzt. So manches kennt man noch aus dem Geschichtsunterricht, anderes wird durch die Geschichte deutlich und verständlicher. Wer auf eine klassische Liebesgeschichte zwischen Alex und Oliver oder Paula und Clemens hofft, wird etwas enttäuscht werden, denn der politische Wandel und die Beziehungen der Freunde stehen hier eher im Vordergrund.

Die Autorin hat einen spannenden und interessanten Roman geschrieben, der den Leser in die Zeit der Weltkriege zurückführt. Durch ihren sehr guten Schreibstil lassen sich die 570 Seiten schnell lesen und am Ende hätte man dann gern noch mehr erfahren.

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.05.2014
Hallberg, Lin

Wir beide zusammen, der Himmel so weit


sehr gut

Emma fühlt sich in ihrer Familie nicht wohl. Hat sie denn noch eine Familie, wenn sich die Eltern nur noch streiten und in ihrer Gegenwart das gemeinsame Glück schauspielern? Sie weiß doch längst, dass ihre Eltern sich nicht mehr lieben. Emma flüchtet lieber zu Ajax. Ajax versteht sie und mit ihm kann sie reden und bei ihm kann sie ihre Probleme los werden. Nur antworten kann Ajax nicht. Denn Ajax ist ihr Lieblingspferd, mit dem sie auch auf Turnieren reitet. Reiten. Reiten ist das größte Glück für Emma und so kann sie nicht verstehen, dass ihre beste Freundin Katrin damit aufgehört hat. Sie ist jetzt mit Tova befreundet und hat kaum noch Zeit und Verständnis für Emma. Warum hat sich in der letzten Zeit alles verändert? Noch bevor sie die Probleme lösen kann, muss sie ihre Eltern in die Mongolei begleiten. Neues, Land, neue Menschen, neue Kultur. Etwas, was sie jetzt wirklich nicht gebrauchen kann.
Lin Hallberg packt ganz behutsam die Probleme der jungen Mädchen an. Der Verlust der besten Freundin an ein anderes Mädchen und damit der Verlust einer Vertrauensperson stellt für Emma eine starke Belastung dar. Auch die ständigen Kritiken an ihrem Pferdehobby kränken und verunsichern sie. Was hat die Neue, was ich nicht habe? Das Selbstbewusstsein bekommt Risse und die Zweifel werden immer größer. Selbst die Streitereien der Eltern geraden in den Hintergrund.
Hallberg hat einen schönen ruhigen Schreibstil, der die Geschichte unaufgeregt erzählt. Sie stellt die menschlichen Beziehungen in den Vordergrund. Sie lässt Emma in einem Briefwechsel mit Katrin ihre Ängste und Sorgen mitteilen und schafft damit wieder eine Basis für die Freundschaft. Fast schon kann man es als Hilfestellung für das „echte“ Leben sehen. Auch das Zulassen von neuen Kontakten und Kulturen wird hier als etwas Positives dargestellt und kann durchaus auch die Augen der Leser öffnen sich nicht vor Veränderungen zu verschließen.
Mir hat gut gefallen, dass die Geschichte sehr nah an der Realität ist. Die Leser können sich in die Geschichte hineinversetzen. Vielleicht geht die Reise im "echten" Leben nicht in die Mongolei, dafür aber in die nächste Stadt oder in ein anderes Land. Die Aussage bleibt die gleiche. Auch die Pferdefans werden hier ihre Freude haben, dann es wird einiges über Pferde erzählt und vor allem über das Leben in der Mongolei, welches sich stark von dem Leben in Europa unterscheidet. Eine Landkarte mit der Reiseroute von Emma wäre aus meiner Sicht noch gut gewesen. Das lässt die Entfernung und das "Abenteuer" noch realer werden.
Insgesamt ist es ein gelungenes Jugendbuch mit viel Herz, kleinen Anregungen für die Freundschaftspflege und natürlich Pferden.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.04.2014
Ludwig, Stephan

Zorn - Wo kein Licht / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.3


ausgezeichnet

Mit Kommissar Zorn einen Mord aufzuklären kann furchtbar langweilig werden. Seine Antriebslosigkeit, keine Faulheit (selbst zugegeben) und seine vielen Raucherpausen machen die Arbeit von ihm nicht gerade spannend.

Hängt man sich jedoch an Schröder, dann bekommt man Spannung, Rätsel zum Lösen und jede Menge schlechte Charaktere zu sehen. Nun kann man die beiden nicht trennen, denn Zorn ohne Schröder geht genauso wenig, wie Schröder ohne Zorn. Aber genau diese Mischung aus Faulheit, Trägheit und schlechte Laune sowie Intelligenz, Arbeitseifer und Durchhaltevermögen machen die Krimis von Stephan Ludwig so interessant und spannend.

Ich muss mich als Fan von Schröder outen, denn durch seine akribische Arbeit bekommt man den Mord so gut präsentiert. Seine ruhige und ausgeglichene Art ist ein gutes Gegenstück zu Zorns Charakter. Beide sind in diesem Fall eigentlich mit ihren privaten Problemen voll ausgelastet, aber nun will noch einer in der Stadt für Gerechtigkeit sorgen. Es werden immer mehr Tote und so langsam wird es eng für Zorn und seine Kollegen. Die privaten Sorgen von Schröder geben dem Krimi eine persönliche und traurig-beklemmende Note. Die Belastungen sind enorm und kaum auszuhalten, denn Schröder muss sie allein aushalten. Und Zorn? Er bemüht sich und versucht Interesse an Schröder zu zeigen. Dass dies jedoch nicht zu seinen Stärken gehört, weiß der Leser bereits aus den ersten beiden Krimis. Und doch raufen sie sich zusammen. Das Ende überrascht etwas und schon kommt die Frage auf: wird es eine weitere Folge geben? Und wie soll die denn werden, wenn…?

Ich fand den dritten Fall von Zorn und Schröder sehr gut. Gerade das „Menscheln“ zwischen den beiden Hauptcharakteren fand ich gelungen. Die private Situation von Schröder war realistisch dargestellt (deshalb auch so beklemmend). Dass in diesem Buch Schröder eine größere Rolle zugeschrieben bekommen hat, hat mir persönlich gut gefallen. Aus meiner Sicht trägt er auch den Krimi zum größten Teil (wie auch die Ermittlungen).
Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.

Bewertung vom 18.04.2014
Schütze, Silke

Die Sängerin von Berlin (eBook, ePUB)


sehr gut

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich absolut keine Ahnung hatte, wer Henny Walden ist. Aber die Zeit, in der die Geschichte spielt, hat mich interessiert und so beschloss ich Henny Walden, die vergessene Soubrette kennenzulernen.

Das Kapitel zur Entstehung der Geschichte fand ich sehr hilfreich, da man sonst die Einschübe nicht so ganz versteht. Es muss ungeheuer schwierig gewesen sein, Henny Waldens Leben zu verfolgen. In Zeiten des Internets und des WWW ist es nicht schwer Informationen zu erhalten, aber in den 20er Jahren wurde noch alles handschriftlich dokumentiert. Zudem war sie nicht so bekannt, wie Marlene Dietrich oder Hans Albers, aber daran mag vielleicht auch der Reiz gelegen haben.

Ich hatte ein paar Seiten gebraucht, um mit der wilden Henny (Henriette Wuttke) warm zu werden. Aber ich konnte ihre Sehnsucht nach der großen Welt in der großen Stadt Berlin nachvollziehen. Dort war in den 20ern das Zentrum der Kunst und Kultur und das pulsierende Leben. Während halb Deutschland noch an dem verlorenen Krieg denkt und sich damit lähmt, will Henriette berühmt werden. Sie will die Bühnen erobern und singen.
Doch Berlin ist nicht nur groß, laut und bunt, sondern auch schnell, hart und fordernd. Henny hat Probleme sich über Wasser zu halten und muss sich mit kleinen Engagements in weniger berühmten Clubs zufrieden geben. Henny Walden hat selten viel Geld. Immer wieder muss sie umziehen und sich verkleinern oder auf neue Kleider verzichten. Sie wird zu einem Nachtmenschen und verkehrt in den Künstlerkreisen, jedoch nicht in denen von Albers, Dietrich & Co.. Sie muss vorsprechen und mit Niederlagen umgehen und verliert doch nie den Lebensmut. Auch die Liebe ist nicht das, was sie sich erhofft hat. Doch sie ist eine Kämpferin, die immer wieder aufsteht und an sich glaubt.

Das Buch erzählt von Henny Walden und ihren "Kampf" um ein kleines Stück von der Berühmtseintorte. Es werden dabei die Verhältnisse in den 20iger Jahren so detailliert und lebensnah beschrieben, dass es einfach nur Spaß macht, in diese Zeit zu reisen. Silke Schütze zeigt aber nicht nur die goldene Seite, die Parties, die Kunst, die Kleider und die Unbeschwertheit nach einem harten Krieg, sondern auch den Überlebenskampf, wenn man keine Auftritte hat, den Hunger, den Geldmangel und den Abstieg.

Immer wieder werden Lieder, Gedichte und kleine Eintragungen aus den Tagebüchern, von Briefen und Notizzetteln eingefügt und dies schafft ein authentischeres Bild von Henny Walden. Die Texte spiegeln die Zeit wieder und wie auch schon die Autorin erwähnte, muss man sich diese auch beim Lesen der Texte vor Augen halten, denn sonst wirken sie eigenartig oder kitschig. Für die damalige Zeit waren sie jedoch passend und teilweise mit einem Augenzwinkern.

Insgesamt fand ich das Buch gut geschrieben und verständlich. Manchmal war es mir etwas zu träge, langatmig, dann zog die Autorin das Tempo wieder etwas mehr an. Manche Passagen hätten auch etwas kürzer sein können, aber das ist ein subjektives Empfinden.

Ansonsten hat mir das Buch gut gefallen und ich bin gern mit Henny Walden in den 20ern gewesen.

PS: Ganz zum Schluß lässt die Autorin noch eine kleine "Bombe" platzen.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.04.2014
Bonnet, Sophie

Provenzalische Verwicklungen / Pierre Durand Bd.1


ausgezeichnet

Anfangs hatte ich die Befürchtung es könnte eine Kopie von den Krimis von Jean-Luc Bannalec werden. Viele Details sind ähnlich und schaffen somit einen unwillkürlichen Vergleich. Jedoch hat sich die Befürchtung nicht bestätigt. Ja, es gibt so einige Parallelen, aber die Hauptfiguren sind doch recht unterschiedlich vom Charakter und auch die Umgebung und Atmosphäre ist eine andere.
Mir hat der "neue" Kommissar Pierre Durand sehr gut gefallen. Er hat sich selbst ins Exil begeben (solange er noch die Wahl hatte, es selber auszusuchen) und somit ist er nicht ganz so sehr frustriert und deprimiert. Er genießt sein Leben in Sainte-Valerie und schafft sich ein neues Zuhause. Auch wenn er einen etwas übereifrigen Assistenten hat und auch sonst nicht viel in der Gemeinde los, mag er dieses Leben. Sein Glück mit den "örtlichen" Frauen ist leider nicht so stabil, aber er weiß damit umzugehen. Das Leben könnte nun ganz beschaulich weitergehen, wenn nicht ein ortsbekannter Casanova im Wein ertränkt wurden wäre. Nun gilt es einen Mord mit Rezept aufzuklären und das möglichst schnell. Bei Durand erwacht wieder das Jagdgen aus Pariser Zeiten und so untersucht er den Fall weit über seine Kompetenzen hinaus.
Nebenher wächst ganz langsam eine andere Geschichte heran, die zwischen Pierre und Charlotte. Man spürt die Sympathie, die sie für einander haben. Auch die kleinen Episoden mit Luc, dem Assistenten, sind recht gut gelungen und machen die Geschichte lebendiger und humorvoller. Etwas übereifrig, etwas zu laut und irgendwie erinnert er mich an einen Welpen. Wenn er sich festgebissen hat, lässt er nicht mehr los. Doch nicht nur die Morde in Sainte-Valerie halten Pierre auf Trab, sondern auch die alten Geister aus Paris, die ihn verfolgen und behindern wollen.
Ein gelungener Krimi mit Humor, Augenzwinkern, wenig Blut, aber Spannung und vielen kleinen Rästeln und einen sympathischen Kommissar, dem man das Beste wünscht und trotzdem auf den nächsten Mord hofft, damit er wieder in dieser wunderschönen Gegend ermitteln kann.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.03.2014
Kliesch, Vincent

Der Todeszauberer


sehr gut

Der Covertext klang spannend, interessant und die Geschichte spielte zudem noch in Deutschland. Die Hauptfiguren von Vincent Kliesch sind mit Ecken und Kanten und vielen Narben aus der Vergangenheit. Der Hauptkommissar Julius Kern kämpft gegen die Verbrechen in der Stadt und um die Aufmerksamkeit und Beziehung zu seiner Tochter. Durch seine Arbeit vernachlässigt er sie immer wieder und bereits einmal hat seine Frau die Notbremse gezogen. Er weiß, dass er keine weiteren Chancen auf ein Familienglück bekommt, wenn er sich nicht ändert. Doch ausgerechnet jetzt kommt ein Serienmörder in die Stadt und setzt seine Serie fort. Nichts weiß man von ihm, keine Indizien, keine Spuren nur die grausamen Verbrechen und die Leichen der Frauen. Wer tötet die Frauen? Und warum?
Auch Tassilo, der freigesprochene Massenmörder, taucht wieder auf. Julius weiß, dass Tassilo nie seine Hilfe ohne Gegenleistung anbietet und so kommt es zu einem Treffen mit Folgen. Die Figuren sind spannend und vielschichtig. Sie lassen die Geschichte aufleben und schaffen eine angespannte Stimmung. Man hat das Gefühl die Anspannung und die Abneigung zu spüren. Man kann nur schwer das Buch aus der Hand legen, denn mit jeder weiteren Seite zieht es einen mehr in den Strudel des Serienmörders hinein.

Wer ist der Schläfenmörder? Der Leser erfährt es schnell und kann nun beide Seiten verfolgen. Am Ende der Geschichte gewinnt der Schnellere und bis dahin werden viele blutige Szenen beschrieben, die für mich grenzwertig waren. Das ist für mich auch der einzige Kritikpunkt an diesem Buch. Mir waren die Verbrechen und das Vorgehen des Schläfenmörders zu blutig und zu detailiert beschrieben. Manchmal ist weniger mehr und hier hätte es gut gepasst.

Ansonsten ein spannender und gut geschriebener Krimi mit Charakteren, die mit vielen Problemen zu kämpfen haben und im Leben stehen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.