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gaby2707

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Insgesamt 2031 Bewertungen
Bewertung vom 19.01.2023
Hübner, Véronique

HIRNSALAT


ausgezeichnet

Eine ganz wichtige Geschichte

„HIRNSALAT“ - darunter konnte ich mir zuerst gar nicht so viel vorstellen. Aber das Cover hat mich neugierig gemacht.

Veronique Hübner stellt uns in diesem Buch 4 neurodivergente Kinder mit ADHS, Autismus, FAS und Bindungsstörung vor. Noah, Lea, Oskar und Nancy, die ihr HIRNSALAT anders macht wie andere Kinder. Ich lerne sie in ihrem Alltag kennen mit ihren, wie es andere empfinden, „schlechten“ Eigenschaften und lese, wie es sich für sie wahrscheinlich in ihrem Kopf anfühlt, wenn sie HIRNSALAT haben. Die vier so unterschiedlichen Kinder lernen sich kennen und gründen den HIRNSALATCLUB. Sie erkennen die Probleme und Stärken der anderen und helfen sich gegenseitig.

Die Autorin erklärt auf 52 Seiten, aufgeteilt in 17 kleine Kapitel kindgerecht, durch was dieser HIRNSALAT zustande kommen kann, wie er sich auswirkt und wie die Kinder sich damit fühlen.
An die Illustrationen von @ulierbes habe ich mich erst gewöhnen müssen. Sie sind außergewöhnlich (vielleicht genau wie die Kinder) und spiegeln die Emotionen sehr gut in den Gesichter wieder.

Mit diesem tollen Buch habe ich einen neuen Verlag und eine neue Autorin kennengelernt, die ich beide im Auge behalten werde.
Ein besonderes Buch über besondere Kinder, bei dem ich mir wünsche, dass es noch viele Menschen lesen. Nicht nur Kinder.

Bewertung vom 16.01.2023
Henselmann, Nicola

Septemberschnee


ausgezeichnet

Die berührende Geschichte einer starken Frau

Pia Lückerath ist 40 Jahre alt, als ihr Mann Christoph ihr an ihrem 15. Hochzeitstag erklärt, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat. Und schon ist er aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Pia, die jahrelang alles getan hat um ihm für seine Karriere den Rücken frei zu halten, nimmt ihr Leben wieder selbst in die Hand und zieht mit den beiden Töchtern Helen und Kim von Bergisch Gladbach zurück in ihre Heimatstadt Köln.
Wie sie ihr neues Leben zwischen Kindern, neuem Job, neuen Freunden, neuen Dates und den nicht immer einfachen Papawochenenden meistert, das lest ihr in dem tollen Roman von Nicola Henselmann „Septemberschnee“.

Es hat nicht lange gedauert, bis mich die Autorin mit ihrer Geschichte so richtig gepackt hat. Weil ich vieles, was hier bei Pia passiert, sehr gut nachvollziehen kann; weil ich einiges davon auch selbst schon erlebt habe. Und weil Pia eine Frau ist, die ich sofort ins Herz geschlossen habe und die ich als Freundin sofort annehmen würde. Da ich schon einge Male in Köln war, habe ich einiges gleich wiedererkannt, was das Lesen für mich noch interessanter macht.
Der Schreibstil von Nicola Henselmann ist sehr bildhaft und dynamisch. Die Stimmung und die vielen Emotionen bringt sie sehr gut rüber. Ich habe mit Pia gelitten und gelacht, mich mit ihr gefreut und habe mit ihr ihren Ärger verarbeitet. Ich bin mit ihr in die Steiermark gefahren und habe auf einem Bergbauernhof mit geholfen. Ein paar Freudentränchen sind auch geflossen. Sie ist einfach eine Frau wie du und ich, herzlich, einfühlsam und eine echte Rabenmutter. Sogar Spannung baut sich langsam auf.
In der Steiermark und vor allem oben aufm Berg wird ja steirisch gesprochen. Und da dies nicht jeder versteht, hat die Autorin diese Worte und Sätze mit kleinen Fußnoten versehen und in „Übersetzungen aus dem steirischen“ auf zwei Seiten hinten im Buch erklärt.
Eine Geschichte so richtig aus dem Leben gegriffen mit ganz viel Liebe und Gefühl. Ich habe mich mit Pia, ihren Freunden und ihrem ganzen Umfeld sehr wohl gefühlt.

Bewertung vom 15.01.2023
Thiesler, Sabine

Verschwunden


ausgezeichnet

Abgründe der Seele

Wie in einem Alptraum gefangen sind Gitta und Elmar Wengler, als ihr 7-jähriger Sohn Jonas auf dem Dorffest in Ambra in der Toskana verschwindet. Maresciallo Donato Neri, der in der Carabinieri-Station von Ambra schon langsam von seiner Pensionierung träumt, ist verzweifelt, da es nicht das erste Verschwinden eines Menschen in der letzten Zeit ist. Als dann die erfolgreiche, in ihrem Tun etwas extravagante Maklerin von Luxusimmobilien Elena Ludwig, die für Donato und seine Frau Gabriella eine kleine Wohnung am Meer gefunden hat, nicht bei dem von ihr anberaumten Notartermin erscheint und auch ihre Tochter Kaya nicht mehr zu erreichen ist, läuten bei Neri alle Alarmglocken.
In seinem kleinen Urlaubsparadies in der Toskana verschwinden Menschen.


Bis zu dem Moment, wo Jonas vom Dorffest verschwindet, habe ich mich in Ambra richtig wohl gefühlt. Die immer wieder eingefügten italienischen Worte geben der Geschichte ihr toskanisches Flair. Auch die Beschreibungen der venezianischen Villen und der traumhaften Anwesen, die Elena Ludwig verkauft, tragen dazu bei.

Dann aber kommt so langsam das Grauen bei mir hoch. Denn ich komme einem Menschen immer näher, der sich in seiner Gier nach Macht und vor allem Geld und in seiner eiskalten Art immer mehr verliert und keine mehr Grenzen zu kennen scheint. Bei seinem perfiden Tun hatte ich Gänsehaut und war richtig schockiert. Einerseits wegen der Brutalität mit der er teilweise vorgeht, andererseits wegen seiner Feinfühligkeit, die für mich im krassen Gegensatz dazu steht. Mein Kopfkino habe ich an zwei Stellen abstellen müssen. Das war mir einfach zu heftig. Wie er hier agiert, ist nichts für schwache Nerven.

Ich habe mich gefreut, dass auch Donato Neri wieder mit an Bord ist, auch wenn seine Ermittlungen hier etwas am Rande stehen. Dafür sind die anderen Einblicke, die ich hier bekomme, um so entscheidender und ergreifender.

Sabine Thiesler hat erneut ein Buch geschrieben, bei dem mir die Seiten nur so durch die Finger geflogen sind. Die Spannung ist zuerst recht unterschwellig zu spüren, setzt aber dann mit voller Wucht ein und hält sich bis zum Schluss extrem hoch. Da macht es auch gar nichts, dass ich den Täter kenne. Zwischendurch wird es hier und da mal ein bisserl entspannter, wenn Donato und seine Gabriella überlegen, wie sie ihre Zeit im Ruhestand verbringen wollen. Diese kleinen Pausen habe ich aber auch gebraucht.
Die verschiedenen Erzählstränge nähern sich nach der Hälfte der Geschichte langsam an und ergeben schließlich ein rundes Ganzes.

Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt, die mich aufgewühlt und von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Absolut lesenswert!

Bewertung vom 12.01.2023
Köhlmeier, Michael

Frankie


sehr gut

Eine starke Geschichte

Frank „Frankie“ Thaler lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter im 4. Wiener Bezirk. Sie arbeitet abends als Garderobiere im Volkstheater. Frank ist fast 14, als er mit seiner Mutter mit der Bahn nach Krems fährt um seinen 71-jährigen Opa, den er nur wenige male gesehen hat, abzuholen. Der ist nach 18 Jahren Knast nun entlassen worden. Zwischen Großvater und Enkel entsteht von Anfang an eine irgendwie explosive Spannung. Bis die Geschichte mit einem Ende daher kommt, das mich zuerst sprachlos sitzen gelassen und dann meine eigenen Gedanken auf Reisen geschickt hat.

Dieser schnörkellose, eindrückliche Sprachstil den Michael Köhlmeier Frankie in den Mund legt, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, was mich ganz nah an ihm dran sein lässt, hat mich sofort gefesselt. Kurze knackige Sätze und ausdrucksstarke Dialoge, die teilweise nur mit jeweils einem Wort auskommen und hin und her springen, machen das Lesen für mich zu einem Genuss. Die immer wieder einfließenden österreichischen bzw. wienerischen Ausdrücke geben der Geschichte den lokalen Einschlag.
Allerdings kann ich bald weder mit Frankie noch mit seinem knurrigen Großvater viel anfangen. Sie bleiben mir leider bis zum Ende hin fremd. Gerade Frankies Reaktionen kann ich hier oft nicht nachvollziehen. Vielleicht bin ich aber auch schon zu weit von dieser Altersgruppe weg. Trotzdem hat mir die Gesamtgeschichte gerade wegen des Erzählstils gut gefallen.

„Frankie“ ist ein aussergewöhnlicher Roman über Familie und Erwachsen werden, der über das Ende hinaus viele Fragen aufwirft und offen lässt.

Bewertung vom 11.01.2023
Gemmel, Stefan

Ganz schön ausgefuchst / Die Yetis sind los! Bd.2


ausgezeichnet

Erlebnisse im Eis

Beim graben im fluffigen Schnee entdecken die Yeti-Kinder ein unbekanntes Ding, das wohl zu den Menschen gehört. Sofort müssen Rosa und Bibber ran, denn die waren ja schon mal bei den Menschen. Bestimmt können ihnen die Menschenkinder Jette und Finn erklären, was für ein seltsames Ding sie da gefunden haben und was sich alles darin versteckt. Also machen sie sich zusammen mit Polarfuchs Pikko auf den Weg zur Menschenstation.

„Ganz schön ausgefuchst“ ist der zweite Band der Reihe „Die Yetis sind los“ von Stefan Gemmel, in dem wir die Yetikinder Rosa und Bibber und ihre Menschenkinderfreunde Jette und Finn bei ihren Abenteuern begleiten. Obwohl es bestimmt schöner ist mit dem ersten Band zu beginnen, hatte ich nicht den Eindruck, dass ich entscheidendes verpasst habe. Ausserdem bekomme ich auf der ersten Seite einen kleinen Einblick ins Reich der Yetis.

Es ist so schön zu lesen, wie neugierig die Yetikinder sind und wie sie durch ihren Wissensdurst wieder mit ihren Menschenkinderfreunden zusammen kommen. Durch eine Karte, die sie auch im Rucksack finden, gelangen sie zu einem Ziel, wo sich für sie ein großes Geheimnis offenbart. Da wird es richtig spannend.
@stefan_gemmel hat einen sehr humorvollen, leichten und kindgerechten Erzählstil, bei dem keine Langeweile aufkommt. Im Gegenteil – nach einem Kapitel will ich unbedingt mehr wissen und noch weiter lesen.
Mit ihren wundervollen Illustrationen untermalt Stefanie Reich das Gelesene und haucht den liebevollen Figuren Leben ein.

Am Ende des Buches bekomme ich noch einen Bogen mit vielen kleinen Stickern, die wir unter jedes gelesene Kapitel kleben können.
Durch die große Schrift und die kurzen Kapitel eignet sich dieses Buch auch sehr gut für Erstleser zum selbstlesen. Mir als Vorleseoma hat die Geschichte genau so viel Spaß gemacht, wie sie den kleinen Zuhörern bereiten wird.

Eine wundervolle Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, Offenheit gegenüber Neuem und Anderen, Toleranz, Neugier, Abenteuerlust und Mut. Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich auch den ersten Band unbedingt mit meinen Enkeln noch lesen möchte.

Bewertung vom 10.01.2023
Gaar, Gillian G.

Elvis - Die Legende


ausgezeichnet

Ein grandioser Bildband

Als ich geboren wurde, war Elvis Aaron Presley gerade 19 Jahre alt. Und als ich 19 Jahre alt war, war Elvis mein erklärter Star mit Poster überm Bett und vielen Schallplatten in meiner Sammlung. Dass er 4 Jahre später schon nicht mehr leben würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können und war total entsetzt, als ich am 16. August 1977 die schreckliche Nachricht durchs Radio erfahren habe.

Ich habe mich riesig über diesen exzellenten Bildband mit den vielen hochwertigen Bildern und den interessanten Beiträgen gefreut. Das Buch spiegelt den faszinierenden Lebensweg dieses Ausnahmekünstlers von seiner Kindheit und Jugend über seinen Aufstieg vom Lastwagenfahrer zum Plattenmillionär, seine Zeit als Soldat, seine Musik und seine Filme, Elvis als Country-Boy, Elvis und Hawaii, Elvis als Wohltäter, sein Comeback und leider auch seinen langsamen Untergang. Ich bekomme Einblicke in sein Anwesen Graceland in Memphis, das er 1957 kaufte. Und bei einer Doppelseite des Buches hatte ich Tränen in den Augen.

Autorin Gillian G. Gaar bestückt dieses Buch „ELVIS – Die Legende“ aber nicht nur mit über 150 Fotos, von denen ich viele noch nicht kannte. Sie fügt auch persönliche Briefe, Telegramme, Rechnungen, Rezepte, Filmplakate, Konzerttickets, Tourprogramme und Notenblätter mit ein.

Ein Mann, der mit seiner Musik und seinen Filmen nie vergessen werden wird. Der mit diesem Buch nochmal ein ganz besonderes Denkmal gesetzt bekommt. Ein Buch, vom Graceland Archiv autorisiert, das ich immer wieder anschauen werde. Ein Muss für alle Fans dieses großartigen unvergessenen Künstlers.

Bewertung vom 09.01.2023
Ross, Stefanie

Der Reiz des Bösen / Team Lauer ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Super spannend

Da ich es als äußerst schwierig empfunden habe, eine kurze Inhaltsangabe zu dieser Geschichte zu verfassen, ohne zu viel zu verraten, habe ich hier einfach auf den Klappentext zurück gegriffen:
„Der Reiz des Bösen – für Serientäter ist er wie eine Droge, für Kommissar Marcus Lauer die größte Herausforderung. Als eine Reihe von Verbrechen verübt werden, die nicht zwingend zum Tod der Opfer führen, aber ihr Leben zerstören, steht er vor seinem kniffligsten Fall. Erst als er sich mit der durchtriebenen Lokalreporterin, der brillanten Analytikerin und dem stadtbekannten Obdachlosen zusammentut, kann das ungewöhnliche Ermittlerteam einen Zusammenhang zwischen den Handlungen herstellen. Doch der Täter hat seinen Racheplan minutiös vorbereitet. Können sie ihn noch aufhalten oder ist es schon zu spät?“

Schon nach dem Prolog hatte ich eine Gänsehaut und war froh, dass es nicht gleich ganz so extrem spannend und verstörend weiter ging. Aber es hat nicht lange gedauert, bis die Spannung einen sehr hohen Stand erreicht und dann auch gehalten hat. Bei dieser Geschichte hatte ich kaum eine Chance, das Buch aus der Hand zu legen.
Dies ist das erste Buch, das ich von Stefanie Ross gelesen habe. Aber sie hat es damit sofort auf meine „Diese Autorin lohnt es sich zu lesen“-Liste geschafft. Durch die kurzen Kapitel und die dauernden Perspektivwechsel wird die Geschichte sehr schnell, immer interessanter und spannender.

Allein die Zusammenstellung der Ermittler finde ich absolut gelungen und genial. Da wäre als erstes Kriminaloberkommissar Marcus Lauer vom LKA Hamburg, der sich seit einem traumatischen Erlebnis zumeist aus den Ermittlungen heraus hält; Lokalreporterin Sabrina von Wesenberg, die es schafft auch einen Stein zum reden zu bringen; den ehemaligen Rechtsmediziner Professor Dr. Winfried Kohlmorgen mit seinem Boxer Freddy und der Obdachlose, der sich Astra nennt und am liebsten Astra trinkt. Dazu Lauers schwerhörige Assistentin Juliane und sogar seine Tochter Valerie, die sich entschlossen hat, ab nun bei ihrem Vater zu leben, mischt in diesem Fall ein bisserl mit. Es ist so toll zu lesen, wie die so unterschiedlichen Menschen nach und nach zu einer taffen Ermittlergruppe zusammen wachsen.

Ein sehr interessanter Fall und aussergewöhnliche Ermittler haben mir durch Autorin Stefanie Ross ein paar sehr spannende und abwechslungsreiche Lesestunden geschenkt.

Bewertung vom 03.01.2023
Yamada, Kobi

Vielleicht - Eine Geschichte über die unendlich vielen Begabungen in jedem von uns


ausgezeichnet

Ein wunderschönes Buch, nicht nur für Kinder


In „vielleicht – eine Geschichte über die unendlichen Begabungen in jedem von uns“ begleite ich ein geschlechtsneutrales Kind und ein kleines Schwein durch die verschiedensten Situationen. Zu den wunderschönen Bildern von Gabriella Barouch wird oft eine Frage gestellt. „Hast du dich jemals gefragt, warum du hier bist“, „Vielleicht wirst du einmal etwas erfinden, was es noch nie gegeben hat“, „Vielleicht bist du hier, um auf eine besondere Art zu helfen, wie nur du es kannst“ oder „Vielleicht bist du hier um Licht an Orte zu bringen, die viel zu lange dunkel waren“. Aber auch sehr positive Aussagen geben Zuversicht, machen Mut und begleiten das Kind und das Schweinchen durch die Seiten.

Jede Seite kommt mit nur wenigen oder gar nur einem Satz aus, die zum Nachdenken anregen oder die Phantasie beflügeln. Es ist schon eine Freude nur die Illustrationen anzuschauen, die so viele Kleinigkeiten verbergen, die entdeckt werden wollen. Sie lassen viel Raum für eigene Überlegungen und laden zum Träumen ein.

Ein wunderbares, tiefsinniges Geschenk, nicht nur für Kinder.

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Bewertung vom 03.01.2023
Busch, Ulrike

Mordspiraten


ausgezeichnet

Ein äußerst kniffliger Fall

Obwohl die Kommissare Fenna Stern und Tammo Anders für die Region Husum nicht zuständig sind, werden sie von Kriminalrat Timo Derichsen zum ermitteln dorthin abkommandiert. Es fehlt dort im Moment an Personal und es wurde schon der zweite Tote innerhalb von 4 Wochen im Hafenbecken gefunden. Hängen die beiden Fälle zusammen? Und wenn ja, wie?
Ein kniffliger Fall für die sympathischen Kommissare aus St. Peter-Ording.

Gleich auf den ersten beiden Seiten stellt uns die Autorin das Stammpersonal vor, was ich gerade für Neueinsteiger sehr wertvoll finde. Da dieser Fall in sich abgeschlossen ist, kann das Buch auch ohne Vorkenntnisse sehr gut gelesen werden.

Ulrike Busch, die hier ein immer wieder aktuelles Thema aufgreift, zieht mich auch in diesen Fall ganz schnell hinein, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Da ich vor Jahren mal einen Urlaub in Husum verbracht habe, erkenne ich viele Stellen, die hier so anschaulich beschrieben werden, wieder. Was die Geschichte für mich noch einen Tick interessanter macht.
In diesem Fall hatte ich bei den meisten Menschen, die ich kennenlerne den Eindruck, dass ein jeder von ihnen irgendwie Dreck am Stecken hat. So richtig sympathisch sind mir hier eigentlich nur die Kommissare und ihre Familie. Wobei Frido Anders, der Onkel von Tammo, mit seiner neuen Aktivität bei mir auch nicht gerade auf vollstes Verständnis stößt. Aber er tut wenigstens was. Was, das lest doch bitte selbst.

Wieder ein Küstenkrimi mit einem ernsten Thema bei dem ich mit ermitteln und mit rätseln konnte und den ich sehr gerne gelesen habe.

Bewertung vom 03.01.2023
Benrath, Nora

Wehrlos


ausgezeichnet

Extrem spannend

Was für eine unglaublich schreckliche Vorstellung. Da sitzt du als Mutter am Spielplatz in einem ruhigen Vorort von Münster und siehst praktisch zu, wie dein Kind entführt wird. Und du kannst absolut nichts machen.
Genau so ergeht es Mareike „Mieke“ Ganter mit ihrer 4-jährigen Tochter Nele, die von einem etwas älteren Mädchen vom Spielplatz weggeführt und dann in ein Auto gezerrt wird.
Polizist Ben Andersen und sein Team sehen sich vor einer schwierigen Aufgabe. Aber nach und nach lüften sie ein Geheimnis nach dem anderen. Oder ist es für die kleine Nele schon zu spät?

Dies ist das erste Buch, das ich von Nora Benrath gelesen habe. Aber es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. Die Autorin hat einen so mitreißenden, aber auch nüchternen Erzählstil, der mir schon bei den ersten Seiten eine Gänsehaut über den Rücken treibt. Wie hier jemand über Einsätze und Ware redet, würde ich die in kursiv geschriebenen Seiten am liebsten zerreißen. Dieses Thema ist nichts für sensible Thrillerseelen.

Es wird sehr schnell klar, dass es um Kindesentführung geht. Lösegeldforderung geht aber keine ein und dann erkenne ich, dass es hier um so viel mehr geht. Ich will mir gar nicht vorstellen, was mit den Kleinen passiert.
Der Auslöser sind hier die sozialen Medien, wo manche Mütter ihre kleinen Kinder präsentieren, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was sie damit evtl. auslösen. Genau wie Mieke es mit Nele gemacht hat. Nur, dass hier zu der Entführung noch ein sehr persönlicher Grund dazu kommt.

Durch die kurzen, knappen Kapitel aus unterschiedlicher Sicht von Mutter Mieke, Polizist Ben, einer Nachbarin und weiteren, nicht namentlich genannten Personen wird die Geschichte ab der ersten Seite sehr spannend und schnell. Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen, hatte immer Angst etwas zu verpassen.

Meine Sympathien sind hier schnell vergeben, wobei mir Polizist Ben neben Mieke am besten gefällt. Durch ihn erfahre ich einiges über die Aktionen der Polizei bei einer Entführung und durch einen seiner Mitarbeiter auch über das Darknet.

Eine extrem spannende Geschichte über eine Entführung mit sehr vielen Emotionen und der Frage, in wie weit man sich gerade mit Kindern in die Welt des Internets einlassen sollte.