Benutzer
Benutzername: 
Baerbel82

Bewertungen

Insgesamt 992 Bewertungen
Bewertung vom 01.04.2019
Buist, Anne;Simsion, Graeme

Zum Glück gibt es Umwege


gut

Der Camino verändert dich

Zoe und Martin wandern den Jakobsweg, von Cluny in Frankreich bis nach Santiago de Compostela. Doch bis dahin ist es ein weiter, steiniger Weg. Zoe ist Künstlerin und kommt aus Kalifornien. Martin ist Engländer und will eigentlich nur seinen Wanderkarren testen. Beide sind grundverschieden. Hieraus resultiert ein gehöriges Maß an Witz und Humor.
Graeme Simsion (Das Rosie-Projekt) und seine Frau Anne Buist sind den Jakobsweg zweimal gegangen. Örtlichkeiten und Wegbeschreibungen gehen auf eigenen Augenschein zurück, und so manche Begegnung auf dem Camino ist, fiktiv abgewandelt, in die Romanhandlung eingeflossen.
Erzählt wird die Geschichte in wechselnden Perspektiven aus Sicht von Zoe und Martin. Mit Zoe bin ich bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Martin dagegen habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Denn er ist ein Kopfmensch, der alles vorab geplant und strukturiert hat.
Zoe jedoch läuft morgens einfach los, ohne Karte und ohne zu wissen, wo sie am Abend übernachtet. Einmal landet sie in einer Kirche, ein anderes Mal - zufällig - in einem von Martins vorgebuchten, aber kurzfristig stornierten Zimmer. Immerhin, am Ende wächst sie über sich hinaus.
Die Gespräche der Pilger drehen sich meines Erachtens im Kreis: Woher kommst du? Wo bist du gestartet? Bis wohin gehst du? Waschen, Essen, Schlafen. Immer wieder geht es um Geld - und um Alkohol. Viel Alkohol. Das hat mir nicht gefallen. Interessant fand ich, dass es mehr als einen Jakobsweg gibt. Alles in allem hat das Buch mich nicht inspiriert, meine eigene Reise anzutreten.

Fazit: Ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss. Berührt hat es mich nicht.

Bewertung vom 28.03.2019
Wolf, Klaus-Peter

Ostfriesennacht / Ann Kathrin Klaasen ermittelt Bd.13


sehr gut

13 Fälle und kein bisschen müde

„Ostfriesennacht“ ist bereits der 13. Fall für Ostfrieslands Kultkommissarin Ann Kathrin Klaasen. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Ein Serienkiller geht um in Ostfriesland. Er tötet Frauen mit einem Tier-Tattoo, einem sogenannten Krafttier. Auch die Tochter von Anns Ehemann Frank Weller, Jule, hat so ein Tattoo - und einen neuen Freund…
Klaus-Peter Wolf hat seinen neuen Kriminalroman wieder packend in Szene gesetzt. Wechselnde Perspektiven, auch aus Tätersicht, sorgen für Dynamik. Spannend, keine Frage. Aber auch etwas unappetitlich.
Über das Wiedersehen mit Ann, Frank und Kollege Rupert habe ich mich sehr gefreut. Ann tappt diesmal lange im Dunkeln, Frank ist mir ziemlich auf den Keks gegangen und Rupi sorgt wie immer für humorvolle Einlagen.
Zitat: »Manchmal«, sagte Rupert tapfer, »muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss.«

Fazit: Der 13. Fall für Ann Kathrin Klaasen und zugleich Frank Wellers persönlichster.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.03.2019
Strobel, Arno

Toter Schrei / Max Bischoff - Im Kopf des Mörders Bd.3 (eBook, ePUB)


sehr gut

Hölle, Hölle, Hölle

„Im Kopf des Mörders - Toter Schrei“ ist der dritte und letzte Teil einer Thriller-Trilogie von Arno Strobel um den jungen Düsseldorfer Kommissar Max Bischoff. Die Vorgänger hatten mich begeistert, doch diesmal wurde ich etwas enttäuscht. Worum geht es?
Max wird aus allem gerissen, was sein bisheriges Leben ausmachte, sowohl beruflich als auch privat. Ein Unbekannter hat seine Schwester Kirsten, die im Rollstuhl sitzt, entführt. Er will Max vernichten und hat einen perfiden Plan, dem Max nicht gewachsen scheint.
Um seine Schwester zu retten, nimmt Max den Tod Unschuldiger billigend in Kauf. Auch, wenn er selbst betroffen ist, Max ist schließlich Polizist. Bisher hat Max immer nur reagiert, die Befehle des Entführers befolgt. Aber ist er auch ein Mörder?
Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Zwischendurch sind auch immer wieder Abschnitte in Kursivschrift und Briefe des Entführers eingestreut. Spannend, keine Frage. Gekonnt spielt Arno Strobel hier mit unseren Urängsten.
Über das Wiedersehen mit Max und seinem Partner Horst Böhmer habe ich mich sehr gefreut. Doch Max‘ Handeln war für mich oft nicht nachvollziehbar. Wie gehabt, erschließt sich einem der Titel erst ganz zum Schluss. Ein echter Strobel eben.

Fazit: Spannender Abschluss der Thriller-Trilogie um Max Bischoff. Gut, aber nicht so gut wie die beiden Vorgänger.

Bewertung vom 13.03.2019
Herrmann, Elisabeth

Schatten der Toten / Judith Kepler Bd.3


sehr gut

Spione, Schläfer und Agenten

Die beiden Vorgänger hatten mich überzeugt. Deshalb stand „Schatten der Toten“ schon lange auf meiner Wunschliste. Auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Eigentlich ist Judith Kepler ein Cleaner, ein Tatortreiniger. Aber davon merkt man in diesem Band wenig. Sie sieht sich eher als Putzfrau. Als Judiths Chef auf der Intensivstation liegt, muss sie die Geschäfte für Dombrowski Facility Management übernehmen.
Doch dann stirbt Eva Kellermann, eine frühere Stasi-Spionin. Der Plot führt Judith tief in die Vergangenheit, auf der Suche nach ihrem Vater Richard Lindner, alias Bastide Larcan. Zu DDR-Zeiten war er ein sogenannter Romeo, heute ist er ein international gesuchter Mann.
Dann ist da auch noch die kleine Tabea, in dessen Vater Frederik sich Judith verliebt. Auch er ist ein Spion. Ab und zu finden sich Bezüge zu den Vorgängern, erscheinen alte Bekannte. Ich könnte mir vorstellen, dass Neueinsteiger, die die ersten Bände nicht kennen, Verständnisprobleme haben.
Viele Ebenen des organisierten Verbrechens und des Ermittlungsapparates werden berührt. Geheimdienstliche Aktivitäten sind im Spiel. Der einzelne Mensch wird oftmals hart getroffen von den Handlungen der Mächtigen und ihrer brutalen Handlanger.
Alle Spuren führen nach Odessa. Hier nimmt der Thriller endlich Fahrt auf, gerade noch rechtzeitig, um in einem Finale zu münden, das zwar nicht alle Fragen löst, dies jedoch auch gar nicht will. Ein gut recherchiertes Buch. Ein Stück Zeitgeschichte.

Fazit: Schöner Abschluss der Judith Kepler-Trilogie. Gut, aber nicht das beste Buch der Reihe.

Bewertung vom 11.03.2019
Ullberg Westin, Gabriella

Der Läufer / Kommissar Johan Rokka Bd.2 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Im Himmel bringt uns niemand zum Schweigen

„Der Läufer“ von Gabriella Ullberg Westin ist bereits der zweite Fall für den sympathischen Ermittler Johan Rokka aus Hudiksvall, Nordschweden. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Tindra wird am Abend ihrer Abiturfeier auf dem Köpmanberg brutal ermordet. Genau dort wo vor zwanzig Jahren auch Johans erste Liebe Fanny verschwand. Rokka glaubt nicht an Zufälle. Bald ist klar, er wird überwacht, seine Ermittlungen behindert. Wo liegt das Motiv?
Und was hat das alles mit einem Zettel, der am Tatort gefunden wurde „Im Himmel bringt uns niemand zum Schweigen“ zu tun?
Gabriella Ullberg Westin hat ihren neuen Kriminalroman wieder packend in Szene gesetzt. Wechselnde Schauplätze und Perspektiven sorgen für Dynamik. Spannend, keine Frage. Aber auch blutig und brutal. Ab und zu sind Briefe in Kursivschrift eingestreut. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger. Das macht Lust auf mehr für die, die den ersten Band (noch) nicht kennen.
Über das Wiedersehen mit Johann und Kollegin Janna Weissmann habe ich mich gefreut. Die Geschichte nimmt viele überraschende und dramatische Wendungen. Der Titel erschließt sich einem erneut erst ganz zum Schluss. Am Ende ist alles stimmig aufgelöst. Bleibt abschließend festzustellen, dass man auf den nächsten Einsatz für Johan gespannt sein darf: „Der Todgeweihte“ Johan Rokka Band 3, der im Januar 2020 erscheint.

Fazit: Johan Rokkas persönlichster Fall. Genauso spannend wie Band 1.

Bewertung vom 10.03.2019
Einsingbach, Thomas;Wilunpan, Sirirat

Siam Affairs


ausgezeichnet

Patriarchat 2.0

Bangkok, 11. September 2001: Das Buch startet mit einem mysteriösen Prolog.
Siebzehn Jahre später: Ein berühmter plastischer Chirurg wird entführt, ein deutscher Geschäftsmann verschwindet und die Hochzeit des Jahres steht an. Ex-FBI-Agent William LaRouche, der als Trauzeuge seiner guten Freundin Penelope aus New York angereist ist, wird um Hilfe gebeten.
Und damit nicht genug. Plötzlich taucht auch noch ein Müllsack mit einem amputierten Unterarm auf…
Chalor Supanapa, Erbe aus der zweitreichsten Familie Thailands, soll nicht nur heiraten. Er will auch in Ostdeutschland Land kaufen. Sein Konkurrent ist Maik Yang, der für den chinesischen Geheimdienst arbeitet, zu dessen Aufgabe auch der Erwerb von Grund und Boden im Ausland gehört.
Es geht um patriarchale Strukturen, Transgender und um Landraub. Es geht aber auch um Gier und Macht - und um Wut und Rache.
„Siam Affairs“ hat letztendlich alles, was einen guten Thriller ausmacht: Eigenwillige, originelle Charaktere, einen nachvollziehbaren wie spannenden Plot, ein überzeugender Schreibstil und mit Bangkok ein Setting, das nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern für die Handlung zwingend erforderlich ist.
Wechselnde Schauplätze und Perspektiven sorgen für Dynamik. Wahrhaft positive Identifikationsfiguren existieren nicht. Jeder hat auf die eine oder andere Art Schuld auf sich geladen. Außer William und Penelope. Beide bleiben bis zum Schluss eher blass.
Thomas Einsingbach kannte ich bisher nicht, werde ihn aber nun im Auge behalten.

Fazit: Harter, blutiger Thriller, der in Bangkok verortet ist. Ich bin begeistert!

Bewertung vom 05.03.2019
Kepler, Lars

Lazarus / Kommissar Linna Bd.7 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Das Böse stirbt niemals wirklich

Um es gleich vorwegzunehmen, „Lazarus“ von Lars Kepler ist bereits der siebte Schweden-Krimi mit dem sympathischen Ermittler Joona Linna. Die Vorgänger hatten mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Der Einstieg ist echt gruselig. Ist Serienkiller Jurek Walter doch noch am Leben? Hat er sich nach dem Tod seines Zwillingsbruders einen neuen Partner gesucht? Oder ist Joona paranoid? Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Zwei Streifenpolizisten machen einen grausigen Fund. Danach begegnen wir Valeria, Joonas Freundin.
Über das Wiedersehen mit Joona und Saga Bauer, Kommissarin beim schwedischen Staatsschutz, habe ich mich sehr gefreut. Aber der Killer hat Valeria und Sagas kleine Schwester Pellerina längst im Visier. Joona versucht, wenigstens seine Tochter Lumi zu retten. Denn Jurek droht, alle lebendig zu begraben, die ihm lieb sind. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
Lars Kepler ist das Pseudonym des schwedischen Autorenpaares Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril. „Lars“ verstehen sie als Hommage an Stieg Larsson, „Kepler“ erinnert an den Astronomen, der das europäische Weltbild erschütterte.
Lars Kepler hat seinen Kriminalroman wieder packend in Szene gesetzt. Wechselnde Schauplätze und Perspektiven sorgen für Dynamik. Spannend, keine Frage. Aber auch blutig und brutal. Ab und zu finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Nichtsdestotrotz könnte ich mir vorstellen, dass Neueinsteiger, die die ersten Bände nicht kennen, Verständnisprobleme haben.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Joona Linna ist Finnlandschwede und einer der besten Ermittler Schwedens, der auch vor unkonventionellen Methoden nicht zurückschreckt. Natürlich sieht er auch noch verdammt gut aus. Jurek, der Antiheld, ist quasi „unkaputtbar“ und der Polizei immer einen Schritt voraus.
„Lazarus“ hat alles, was das halbwegs gesunde Menschenhirn an Obsessionen, Foltern und Metzeleien ausbrüten kann - einschließlich eines psychopathischen Killers, eines charismatischen Ermittlers und eines actionreichen Showdowns. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, der offen lässt, wie es mit dieser genialen Reihe weitergeht.

Fazit: Joona Linnas 7. und persönlichster Fall. Mein Krimi-Highlight des Jahres!

Bewertung vom 03.03.2019
Radermacher, Ulrich

Hundsbua


sehr gut

Wo ist Sophia?

„Hundsbua“ ist nach „Saukerl“ und „Schickimicki“ der 3. Fall für den Münchener Kommissar Alois Schön. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Die kleine Sophia wurde entführt. Eine Lösegeldforderung gibt es nicht. Die Eltern verhalten sich beide äußerst seltsam. Der Vater ist ein Unsympath, mega aggressiv. Die Mutter hat vermutlich eine bipolare Störung. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt.
Und warum lügen ein Drehbuchautor und seine Frau wie gedruckt? Jede Menge Verdächtige, aber weit und breit kein Motiv. Als die Spuren nach Hamburg führen, bittet Alois seine ehemalige Stellvertreterin Diana um Unterstützung…
Ulrich Radermacher hat seinen neuen Kriminalroman wieder spannend in Szene gesetzt. Wechselnde Perspektiven, auch aus Sicht der kleinen Sophia, sorgen für Dynamik. Dass wieder Dialekt gesprochen wird, hat mir gut gefallen.
Über das Wiedersehen mit Alois und seinem Team habe ich mich sehr gefreut. Allerdings geht es auch im Privatleben der Ermittler drunter und drüber. Alois und sein Sohn, Julia und Martin, Natascha und Phil, das war mir dann doch etwas „too much“.
Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt, wie es mit Kommissar Alois Schön weitergeht.

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Reihe, die aber nicht an die beiden Vorgänger heran reicht.

Bewertung vom 01.03.2019
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Spannend und wendungsreich

"Dark Call - Du wirst mich nicht finden" ist das Thriller-Debüt von Mark Griffin. Es handelt vom ersten Fall der forensischen Psychiaterin Holly Wakefield, die schlimmste Serienkiller therapiert und zur Ermittlerin wird.
Was für ein gruseliger Einstieg! Hat Richard etwa seine Frau ermordet?
10 Jahre danach. Wir lernen Holly kennen. Sie ist Kriminalpsychologin und hat sich auf Serienmörder spezialisiert. Die Polizei bittet sie um Hilfe bei einem brutalen Doppelmord. Wie es scheint, hat der Täter nicht zum ersten Mal zugeschlagen.
Hollys erster Einsatz entwickelt sich zur Höllenfahrt. Wendungsreiche Geschichte. Meisterhaft erzählt.

Fazit: Vielversprechendes Thriller-Debüt. Bitte mehr davon!