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Baerbel82

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Insgesamt 992 Bewertungen
Bewertung vom 29.04.2019
Milonás, Nikos

Kretische Feindschaft / Michalis Charisteas Bd.1


sehr gut

Sodom und Gomorra auf Kreta

Als begeisterte Krimi-Leserin und Kreta-Urlauberin musste ich „Kretische Feinschaft“ unbedingt haben und wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Kommissar Michalis Charisteas ermittelt auf der griechischen Insel Kreta, genauer gesagt in seiner Heimatstadt, die Hafenstadt Chania, an der Nordwestküste. Er freut sich schon auf den Besuch seiner deutschen Freundin Hannah, die in Berlin lebt, als er nach Kolymbari gerufen wird.
Der Bürgermeister des Nachbarorts ist verschwunden. Kurz darauf wird Stelios Karathonos‘ Leiche aus einem Autowrack an der Felsenküste geborgen. Wie es scheint, handelt es sich um einen Unfall. Denn in seinem Blut wird Alkohol gefunden. Die Ermittlungen werden eingestellt.
Doch dann gibt es einen weiteren Toten…
Nikos Milonás alias Frank D. Müller hat seinen ersten Krimi atmosphärisch und mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Dem starken Anfang folgt ein etwas schwächerer Mittelteil. Auch das Privatleben des Protagonisten nimmt einen breiten Raum ein. Familie wird auf Kreta groß geschrieben.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Michaelis und Hannah sind mir sofort ans Herz gewachsen. Er ist ein stolzer Kreter und verbeißt sich in den Fall, fast wie ein Deutscher.
„Nikos“ als Hommage an Nikos Kazantzakis, der Alexis Sorbas geschrieben hat? Jedenfalls hat der Autor seiner Geschichte zwei Zitate des Schriftstellers vorangestellt. Gut gefallen hat mir, dass es vorne im Buch eine Übersichtskarte der Schauplätze und ein Personenverzeichnis gibt.
Alles in allem eine Geschichte, die für meinen Geschmack etwas spannender hätte sein können. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den zweiten Fall für den sympathischen Kommissar.

Fazit: Auftakt einer Krimi-Serie, die auf Kreta spielt. Die perfekte Urlaubslektüre!

Bewertung vom 19.04.2019
Edvardsson, Mattias

Die Lüge


sehr gut

Lügen, Lügen, Lügen

Adam ist Pfarrer, seine Frau Ulrika Anwältin. Nun warten sie im Gericht auf den Prozess gegen ihre Tochter: Die 19-jährige Stella soll ihren wesentlich älteren Geliebten Chris erstochen haben.

Adam kann es nicht glauben, seine eben noch glückliche Familie liegt in Scherben. Verborgen hinter Lügen, liegt eine Wahrheit, die nie ans Licht kommen sollte...

Erzählt wird die Geschichte in drei Perspektiven, aus Sicht von Adam, Stella und Ulrika. Gelungener Schwedenkrimi, der alle Gewissheiten infrage stellt.

Fazit: 3 Perspektiven, 3 Lügen. Spannend bis zur letzten Seite!

Bewertung vom 19.04.2019
Chirovici, Eugene

Das Echo der Wahrheit


ausgezeichnet

Die Dämonen der Vergangenheit

„Das Buch der Spiegel“ hatte mich begeistert und auch „Das Echo der Wahrheit“ hat mich nicht enttäuscht. Worum geht es?

Der sterbende Millionär Joshua Fleischer bittet Psychiater James Cobb, die Wahrheit über einen lange vergangenen Mord aufzuklären.

Das neue Werk von Eugene Chirovici ist ein wirklich herausragender Krimi. Der Plot, den er um den todkranken Millionär und den ambitionierten Psychiater strickt, ist hoch komplex, aber immer nachvollziehbar, die Spannung greifbar.

Cobbs Bemühungen, Wahn von Wirklichkeit, Gute von Bösen zu unterscheiden, und letztlich den Fall zu lösen, fesseln bis zur letzten Seite.

Zitat: Wer hatte sich in wen verliebt, und wer war auf wen eifersüchtig? Irgendwo in einer großen Stadt, die funkelt wie ein Diamant, hatten sich drei Schicksale für immer miteinander verwoben.

Fazit: Verhängnisvolle Ménage à trois. Ein Highlight!

Bewertung vom 14.04.2019
Roderick, Mark

Herzen aus Wut / Post Mortem Bd.5


gut

In den Händen eines Psychopathen

„Post Mortem - Herzen aus Wut“ ist bereits der 5. Band um Profi-Killer Avram Kuyper und Interpol-Agentin Emilia Ness. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Kyril Owalischenko ist einer der einflussreichsten Männer im Baltikum. Er liefert alles, was der Osten zu bieten hat: Wodka, Zobel, Kaviar, Drogen und Mädchen. Aber er hat auch eine dunkle, abgründige Seite: Der Herr der Finsternis hat es auf Schwangere und junge Mütter abgesehen.
Emilia ermittelt in Riga. Aber auch Avram ist an Owalischenko interessiert. Denn der hat ihn aus dem Gefängnis entführt, weil er mit Avram noch eine alte Rechnung offen hat.
Die Schilderung der Handlung aus wechselnden Perspektiven in meist kurzen Abschnitten sorgt für ein abwechslungsreiches und nie langweilig werdendes Lesevergnügen, bei dem der Leser meist einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern hat.
Die ersten beiden Bände hatten mich begeistert. Doch diesmal wurde ich enttäuscht. Eigentlich ist es immer das Gleiche: Sex und Gewalt, Folter und finstere Mächte. Natürlich ist es schwierig, nach einem hervorragenden Beginn einer Serie die Erwartungen zu erfüllen und sich nochmals zu steigern oder zumindest die Qualität beizubehalten, um den Leser mitzureißen.
Die Figurenzeichnungen sind gelungen. Avram und Emilia sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Auch Lina ist wieder mit von der Partie. „Herzen aus Wut“ ist definitiv nichts für sanfte Gemüter, Leute mit einem schwachen Magen - oder Schwangere. Ihr seid also gewarnt. Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt, wie es mit Avram und Emilia weitergeht.

Fazit: Band Nr. 5 mit Avram und Emilia. Nicht so gut wie Band 1 und 2 der Post Mortem-Serie.

Bewertung vom 08.04.2019
Wendelken, Barbara

Nur wer die Hölle kennt / Nola van Heerden & Renke Nordmann Bd.4


ausgezeichnet

Die Vergangenheit holt einen immer ein

„Nur wer die Hölle kennt“ ist bereits der vierte Fall für die ostfriesischen Kommissare Nola von Heerden und Renke Nordmann. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Martinsfehn 1997. Als die 15-jährige Melody von einer Geburtstagsparty heimkommt, steht der Reiterhof ihrer Mutter in Flammen. Ihre Mutter, ihr kleiner Bruder Michel und die Reiterin Daniela kommen ums Leben. Der Brandstifter wurde nie gefunden.
Melody hatte eine verkorkste Kindheit. Aber auch ihr Leben danach verlief nicht besonders glücklich. 20 Jahre später scheint Melody ihr Leben endlich in den Griff zu bekommen. Jedenfalls kehrt sie mit ihrem 5-jährigen Sohn Linus in ihr Heimatdorf zurück.
Wieder feiert ihre Freundin Simone Geburtstag und Melody begegnet dort ihrer großen Liebe Thore, der inzwischen verheiratet ist. Damit sind Konflikte vorprogrammiert. Am nächsten Tag ist Simone tot. Wieder ein Brandanschlag. Hat der Täter von damals erneut zugeschlagen?
Barbara Welndelken erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen und aus wechselnden Perspektiven. Wobei der Leser der Polizei fast immer einen Schritt voraus ist. Über das Wiedersehen mit Nola und Renke habe ich mich sehr gefreut. Auch, wenn privat nicht alles rund läuft, verbeißt Nola sich in den Fall, während Renke sich im Gestern zu suhlt.
Es wird ermittelt, manch falsche Fährte begangen, überraschende Nebenwege tun sich auf und lassen bis zum Schluss mehrere Verdächtige als Täter infrage kommen. Dass Barbara Wendelken im Finale nochmal richtig Gas gibt, steigert das Lesevergnügen. Denn einige Überraschungen gegen Ende des Krimis hält die Autorin für ihre Leser noch bereit.

Fazit: Fall Nr. 4 für Nola und Renke. Atmosphärisch!

Bewertung vom 06.04.2019
Beck, Peter

Die Spur des Geldes


ausgezeichnet

Atemlos und spannungsgeladen

Um es gleich zu sagen, „Die Spur des Geldes“, der dritte Band um den sympathischen Ermittler Tom Winter, Sicherheitschef einer Schweizer Bank, hat mich begeistert. Es handelt sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
In einem Schacht beim Tegeler See wird der Brunnenmeister der Berliner Wasserwerke tot aufgefunden. Otto Harnisch wurde brutal gefoltert. Er hatte eine Geliebte und ein Bankkonto in der Schweiz. Schnell ist klar, dass ein russischer Oligarch seine Finger im Spiel hat. Doch wo liegt das Motiv?
Tom Winter folgt der Spur des Geldes von Berlin, über London, München und Zürich bis in die Türkei und nach Russland.
Ein erschreckendes Szenario, das sich Peter Beck ausgedacht hat. Wechselnde Perspektiven und exotische Schauplätze sorgen für Dynamik. Rückblenden in Kursivschrift verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
„Die Spur des Geldes“ ist ein Spiel mit der Angst. Viele Ebenen des organisierten Verbrechens werden berührt. Ein gut recherchiertes Buch mit einem ganz intensiven Spannungsbogen bis zum actionreichen Showdown. Brillant erzählt.

Fazit: Tom Winter rettet die Welt. Ein echter Pageturner!

Bewertung vom 03.04.2019
Berg, Hendrik

Kalte See / Theo Krumme Bd.5


sehr gut

Kinder, wie die Zeit vergeht

„Kalte See“ ist bereits der fünfte Fall für den ehemaligen Berliner Kommissar Theo Krumme und seine nordfriesische Kollegin Pat. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Auf der Insel Föhr wird die Leiche einer jungen Frau am Strand entdeckt. Schnell ist klar, dass es sich um einen Serienkiller handeln muss, der zuvor schon in Düsseldorf und den Niederlanden gemordet hat. Ist die einzige Tatzeugin, Kim, nun auch in Gefahr?
Über das Wiedersehen mit Krumme und Kollegen habe ich mich sehr gefreut. Auch, wenn Krumme hier ziemlich unsympathisch 'rüber kommt. Harke sorgt wieder für die mystische Komponente und Hund Watson für Witz und Humor.
Die Schilderung der Handlung aus wechselnden Perspektiven, auch aus Tätersicht, sorgt für ein abwechslungsreiches und nie langweilig werdendes Lesevergnügen, bei dem der Leser meist einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern hat.
Dieses Mal hat Hendrik Berg seinen Plot nicht ganz so fein gesponnen. Er ist wesentlich einfacher und geradliniger aufgebaut. Man vermisst ein wenig die Raffinesse aus den Vorgängern. Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt, wie es mit Krumme & Co weitergeht.

Fazit: Solider Krimi mit viel Atmosphäre, der jedoch nicht an die Vorgänger heranreicht.

Bewertung vom 02.04.2019
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Loverboy 2.0

„Eisige Tage“ ist mein erster Roman von Alex Pohl. Unter seinem Pseudonym L.C. Frey kannte ich ihn nicht. Es handelt sich um den ersten Fall für die Leipziger Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic. Worum geht es? Malinowski, ein schmieriger Anwalt mit Verbindungen zur Russenmafia wurde ermordet. Wer ist der Täter und wo liegt das Motiv?
In einem anderen Handlungsstrang lernen wir die 13-jährige Elise kennen. Ein junges, naives Mädchen aus einem behüteten Elternhaus, das sich in der Stadt rumtreibt und unsterblich in einen Gangster verliebt ist. Aljoscha ist ein skrupelloser Loverboy, der noch einen älteren Bruder namens Sergej hat. Beider Onkel ist Mafiaboss Iwanow.
Die Story ist verwirrend und der Stil etwas hölzern. Denn der Autor springt durch Zeit und Raum. Dem spannenden Einstieg folgt ein schwacher Mittelteil. Wechselnde Perspektiven sollen für Dynamik sorgen. Spannend, keine Frage. Aber auch blutig und brutal. Schließlich geht es um junge Mädchen und alte Männer..
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Nur mit Hanna bin ich bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden. Sie ist alleinerziehend und braucht dringend die ausverkaufte Legoburg als Weihnachtsgeschenk für ihren Sohn. Zudem klüngelt sie mit dem Boss der Russenmafia. Novic, der aus dem Kosovo stammt, kommt sympathisch rüber. Auch, wenn er mit den Dämonen der Vergangenheit kämpft.

Fazit: Solider Auftakt einer neuen Krimi-Reihe. Harter Stoff!