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katikatharinenhof

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Insgesamt 998 Bewertungen
Bewertung vom 22.02.2023
Haller, Ina

Liestal in Flammen


ausgezeichnet

Am Ende bleibt nichts als verbrannte Erde

Fassungslos mit Samantha die Nachricht vom Tod ihrer Chefin verarbeiten. Fest steht, dass Annemarie nicht an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben sein kann. Doch mit dem Tod der Unternehmerin beginnt eine Serie von Brandanschlägen, die sich niemand erklären kann. Allerdings sind sich Zeug:innen mehr als sicher, dass Samantha an den Tatorten gesichtet wurde. Obwohl diese mehr als einmal ihre Unschuld beteuert, rückt sie immer mehr in den Fokus der Ermittelnden. Wird Samantha beweisen können, dass sie nur als Mittel zum Zweck dient, um von anderen Dingen abzulenken ?


Ich liebe die Krimi-Reihe mit Samantha Kälin als Hobby-Ermittlerin, denn hier bewiest Ina Haller nicht nur Ideenreichtum, sonder auch Fingerspitzengefühl, wenn es darum geht, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und mit vorschnellen Urteilen in Bezug auf Menschen, die nicht europäisch aussehen, aufzuräumen.

Immer wieder sieht sich Samantha bezüglich ihres fremdländischen Aussehens Anfeidungen gegenüber gestellt, die ihr das Leben nicht einfach machen. Auch in diesem Fall scheint die vermeintlich Schuldige schnell gefunden zu sein, denn alles spricht dafür, dass Zeugen ausgerechnet Sammy an den Tatorten gesehen haben wollen. Auch Nussbaum kommt ins Wanken und seine Fragen sind schon als bohrend zu bezeichnen, die er Sammy immer wieder stellt, um endlich Klarheit zu erlangen.

Der Plot ist in meinen Augen der bisher Beste, den Ina Haller ihrer Hauptfigur auf den Leib geschneidert hat. Es gibt unheimliche Momente, die mir regelrecht eine Gänsehaut auf die Arme jagen und spannende Szenen, bei denen ich mehr als einmal die Luft anhalte und hoffe, dass alles ein gutes Ende finden wird. Gerade die fast ausweglose Situation im Baum ist so mitreißend beschrieben, dass ich mit Sammy ausharre, hoffe und bange und spüre, wie mir die Kälte in die Knochen kriecht. Die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen sind zunächst noch gut verschleiert und so können die Lesenden wirklich bis zum Schluss miträtseln, wie aus den kleinen Puzzleteilen ein stimmiges Gesamtbild zusammengesetzt wird

Die besondere Beziehung zwischen Sammy und Nussbaum wird hier auf eine harte Probe gestellt und daraus entsteht eine packende Handlung, die mich regelrecht an die Seiten kettet, um mitzuerleben, wie das Miteinander ein anderes Level erreicht. Ähnlich wie die Flammen, die der Feuerteufel immer wieder entfacht, züngelt auch meine Neugier immer wieder hoch und ich kann nicht anders, als Seite um Seite regelrecht zu inhalieren, um die Auflösung des Falles zu erfahren.

Für mich ist dieser Band der bisher beste aus der Samantha-Kälin-Reihe und daher vergebe ich gerne 5 Sternchen

Bewertung vom 20.02.2023
Husmann, Rieke

Inselangst


sehr gut

Die Wellen der Nordsee spülen ein Geheimnis nach dem anderen an

Ein Vermisstenfall wird für Hella Brandt zu einer Art Puzzlespiel, denn nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die scheinbar weltoffene Art einer Kommune birgt mehr Grund für Spekulationen, denn die Vermisste hat dort ihre Zelte aufgeschlagen. Doch hinter der aufgeschlossen Art der Bewohner:innen brodelt es. Hella muss nun in alle Richtungen ermitteln, denn der Fall bekommt eine unerwartete Wendung...


Rieke Husmann zeichnet statt Dünenzauber und Wellenflüstern eine sehr düsteren und geheimnisvolle Atmosphäre auf Spiekeroog, die vom ersten Augenblick an für mehr Fragen als Antworten sorgt. Auch Hella Brandt steht gleich vor mehreren Rätseln, die es zu lösen gilt. Auch wenn sie hofft, dass ihr die Bewohner:innen der unkonventionellen WG aufgeschlossen und weltoffen begegnen, hat sie es mit eher verschlossenen und abweisenden Menschen zu tun, die sich winden wie ein Aal und sie mehr oder weniger gegen eine Wand des Schweigens laufen lassen.

Aber Hella wäre nicht Hella, wenn sie gleich bei der ersten Hürde aufgeben würde. Sie lässt nicht locker, dreht jedes Sandkorn zweimal um, bis sie die Hinweise erhält, auf die sie gehofft hat. Husmann verbindet die Puzzlestücke mit einem gut durchdachten Plot, der von toxischen Beziehungen, Zwangsheirat und falschen Versprechungen handelt.

Auch wenn die Charaktere sehr undurchsichtig und vielschichtig sind, können sie manchmal nicht ganz so überzeugen, wie ich das von anderen Insel-Krimis aus der Feder von Husmann gewohnt bin. Hella wagt immer wieder den Spagat zwischen Beruf und Familie und an ihr nagt das schlechte Gewissen. Das ist auch sehr gut nachvollziehbar und hemmt sie manchmal in ihren Entscheidungen.

Bis zur Auflösung des Falles sind Lügen und Intrigen an der Tagesordnung und stiften so einige Verwirrung. Mir persönlich fehlt der Bezug zum Titel, denn mit der Angst hätte man meines Erachtens noch mehr "spielen" können. Alles in allem ein solider Krimi, den ich gerne gelesen habe.

Bewertung vom 19.02.2023
Nygaard, Hannes

Jenseits der Marsch


sehr gut

Auf gute Nachbarschaft ?!

Über Eiderstedt liegt der leichte Hauch von Gegrilltem und eine kleine, aber feine Grillsause in in vollem Gange. Diese nimmt ein jähes Ende, als Renate von Jarchow leblos in ihrem Stuhl zusammen sinkt. Der herbeigerufene Arzt möchte sich nicht festlegen und stellt den Totenschein mit einer ungeklärten Todesursache aus. Kommissar Große Jäger steht zunächst vor einem Rätsel, denn alle Anwesenden sind gut miteinander befreundet und zudem Nachbarn, die sich wirklich gut verstehen. Doch erstens kann man niemand hinter die Stirn schauen und zweitens bröckelt die Fassade...


Hannes Nygaard lädt zum nachbarschaftlichen Grillen ein und lässt verführerische Grillaromen durch die Seiten ziehen. Es ist ein wirklich gemütliches Stelldichein, an dem seine Leser:innen teilhaben dürfen. Und doch ist die Stimmung irgendwie angespannt und unterschwellige Misstöne sind zu vernehmen, die in kleinen Sticheleien ihren Ausdruck finden.

Das Ganze endet mit dem Tod von Renate von Jarchow und das Rätselraten fängt an. Was auf den ersten Blick noch wie das Zusammentreffen von wirklich guten Nachbarn, die im Verlauf der Jahre zu echten Freunden geworden sind, aussieht, entwickelt sich nach und nach zu einer Büchse der Pandora, die mit den tragischen Ereignis geöffnet worden ist. Der Autor lässt tief in menschliche Abgründe blicken, die bisher hinter dem schönen Schein gewohnt haben.

Da sich alles in der der kleinen Straße abspielt, bewegen sich die Leser;innen mit dem Husumer Kult-Duo im Mikrokosmos und decken immer neue Geheimnisse auf, die nicht nur erkenntnisreich sind , sondern auch teilweise eine unglaubliche Unverfrorenheit ans Tageslicht bringen, mit der hier gelogen wird, dass sich die Balken biegen.

Die Ermittlungen gleichen dem Wühlen im Sündenpfuhl, sodass sie die Gartenzwerge bei Pfeiffers im Garten verschämt die roten Zipfelmützen über die Augen ziehen. Manche Erkenntnisse liegen schon recht früh auf der Hand und führen bei erfahrenen Leser:innen im Krimi-Genre dazu, dass die Auflösung schon zum Greifen nah ist. Jedoch bleibt es bis zum Schluss spannend, welche Hinter- & Beweggründe letztendlich dazu geführt habe, dass Renate von Jarchow aus dem Weg geräumt wurde.

Auf gute Nachbarschaft hinterm Deich ?! Bei Hannes Nygaard wohl kaum, denn er kitzelt das Böse aus den Menschen und macht sie alle zu potentiellen Verdächtigen.

Bewertung vom 17.02.2023
Klisa, Peter

In den letzten Stunden der Dunkelheit


sehr gut

Ein Himmelfahrtskommando zwischen Hass und Hoffnung

Der Krieg liegt in den letzten Zügen, als Carvis 1945 nach Berlin zurückkehrt. Zurück in eine Stadt, mit der er wunderschöne Erinnerungen verbindet, die ihn nicht mehr loslassen. Doch zwischen all den Trümmern, Verwundeten und dem erbitterten Kampf ums Überleben scheint kein Platz zu sein für die Suche nach Anna, der Carvis Herz gehört. Vielmehr sieht sich Carvis als Teil eines Himmelfahrtskommandos, um den Physiker Bergmann aus Berlin herauszuholen, damit seine Kenntnisse und Fähigkeiten in Bezug auf den Bau einer Atombombe nicht in falsche Hände geraten...


Peter Klisa lässt von der ersten Seiten an das Grauen aus den Seiten steigen und zeigt seinen Leser:innen ein völlig zerstörtes Berlin, das nicht nur in Trümmern liegt, sondern Schauplatz eines erbitterten Kampfes wird. In Rückblenden gelingt es dem Autor, die Erinnungen an Olympia 1936 in unglaublich bunten Farben und lebendigen Szenen zu schildern und gemeinsam mit Carvis und Anna den Sportler:innen zuzuschauen, wie sie den olympischen Geist leben und zum Gelingen des Großsportereignisses beitragen. Sportgrößen wie Long und Owens treten gegeneinander an und es ist eine Freude, ihnen beim Wettkampf zuzuschauen und mit in diese unglaublich trubelige Atmosphäre einzutauchen.

Der Sprung in das Jahr 1945 könnte nicht krasser und ernüchternder sein, denn hier herrscht der erbitterte Kampf uns Überleben, der sinnlose Gehorsam zum Töten für den Endsieg und es pfeifen tatsächlich beim Lesen die Geschosse um die Ohren. Die Bilder sind so real, dass ich eine unglaublich Anspannung beim Lesen spüre.

Ist der Einstieg ins Buch noch etwas schleppend, da viele technische Details und Fachbegriffe aus der Physik vorherrschen, gelingt es dem Schreibenden, die Leser;innen nach und nach mit ins Boot zu holen und sie gemeinsam mit Carvis auf eine Mission zu schicken, die scheinbar zum Scheitern verurteilt ist. Dabei tauchen die Lesenden tief in die fesselnde Geschichte ein. Klisa schafft es nämlich , aus tatsächlich wahren Geschehnissen in Verbindung mit Ereignissen, die nicht stattgefunden haben und Personen, die seiner Fantasie entsprungen sind, eine neue Realität zu schaffen, die so authentisch vermittelt wird, dass sich alles genauso hätte zutragen haben können.

Mit Carvis hat der Autor eine sehr starke Persönlichkeit erschaffen, die auf positive Weise sehr einnehmend und fordernd zugleich ist. Mit ihm steht und fällt die Handlung und ich kann nicht anders, als ihn für seine Courage und seinen unbedingten Willen, das gesteckte Ziel zu erreichen, zu bewundern.

Die Wirren des Krieges im Buch vereinen sich mit den aktuellen Bildern aus dem Urkainekrieg und zeigen so die schreckliche Fratze eines Krieges, den niemand gewollt hat und in den Unschuldige hineingezogen werden .Auch wenn im Buch der Zweite Weltkrieg in seinen letzten Zügen liegt wird deutlich, dass die Lunte recht kurz ist, um den Kampf gegen die Zeit zum Bau der ersten Atombombe erneut in einer Katastrophe enden zu lassen.

Der Roman ist eine gelungene Mischung aus historischen Ereignissen, Romanze und mitunter Nerven zerreißenden Szenen und daher gibt es 4 Sternchen von mir

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.02.2023
Pleschko, Romina

Offene Gewässer


ausgezeichnet

Wenn Karma zurückschlägt, sitze ich in der ersten Reihe und applaudiere (Quelle unbekannt)

Elfi hat es als Jugendliche schwer, als Zuagroaste überhaupt Fuß in Liebstatt zu fassen. Ihre Bemühungen schlagen allesamt fehl, obwohl ihre Einfälle samt und sonders nicht von der Stange sind. Schnell wird klar, dass das Mädchen immer eine Außenseiterin bleiben wird, ganz egal, wie lange sie in dem kleinen Ort wohnen wird. Elfi kehrt ihrem Heimatort den Rücken, nur um Jahre später wieder vor den Türen von Liebstatt zu stehen und einen ungerechten Kampf auszutragen. Doch mit Elfi muss man rechnen, denn sie hat es faustdick hinter den Ohren...


Mit ihrem ersten Buch "Ameisenmonarchie" hat sich Romina Pleschko schon einen festen Platz in meinem Leserinnenherzchen gesichert, aber mit "Offene Gewässer" hat sie sich dort auf Dauer eingenistet und ich hoffe, dass noch viele, viele Bücher von ihr auf dem Markt erscheinen.

Mit der jungen Elfi zeichnet sie das typische Bild einer Anti-Heldin, die es wirklich schwer hat, in die bestehenden Cliquen und die Dorfgemeinschaft aufgenommen und anerkannt zu werden. Das Makel der Zuagroasten klebt an ihr wie Pech und von selbigen wird sie auch regelrecht verfolgt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Elfi übrig ist wie ein Kanten Brot und genauso lieblos wird sie auch behandelt. Selbst die eigene Großmutter zieht es vor, ihr mit einer gewissen Gefühlskälte zu begegnen und das macht es dem Mädchen nicht leichter.

Pleschko gelingt der Spagat zwischen ironischem Wortwitz und dezentem Sarkasmus, baut skurrile Szenen (Hamster, Achterbahnfahrt etc) mit ein und schürt so natürlich das Feuer, um Elf weiterhin zur unfreiwillig komischen Außenseiterin abzustempeln. Dabei sind ihre Bemühungen nach Anerkennung und dem Erlangen eines Zugehörigkeitsgefühl herrlich unbeholfen, enden fast immer in einer Katastrophe und sind doch gut gemeint.

Mit Elfis Rückkehr als Erwachsene müssen die Liebstätter:innen erkennen, dass Elfe sich eben nicht mehr von einer Ecke in die andere schubsen lässt. Sie fährt nämlich die Ellenbogen aus und ersinnt eine Racheplan, der sich sehen lassen kann. In ihrer ganz eigenen Art strotzt sie dem Baulärm und allen ihr auferlegten Schikanen, bis es zum Showdown kommt, der ganz Elfi-like für einen außergewöhnlichen Auftritt sorgt. Elfi ist ein Unikat, ein Pfiffikus und ihr sitzt der Schalk im Nacken, auch wenn es hier und da nicht ganz so durchblitzt.

Die Geschichte liest sich frank und frei von der Hand, hält uns den Spiegel vor und spart nicht an feinen Nadelstichen, die wohl dosiert an den richtigen Enden weh tun. Das Zitat "Wenn Karma zuschlägt, sitze ich in der ersten Reihe und applaudiere" könnte tatsächlich von Elfi stammen, denn sie wird oft verkannt und wartet nur darauf, dass ihre Stunde schlägt.

Für mich schon jetzt eines der Highlights im Buchjahr 2023

Bewertung vom 12.02.2023
Forde, Cindy

Wundervolle Welt von Morgen


ausgezeichnet

die Zukunft fängt schon heute an

Die Klima- & Energiekrise ist in aller Munde, das Umdenken findet nur sehr langsam statt. Es ist fünf vor zwölf und es muss etwas geschehen, damit unser Planet auch morgen noch für die nachfolgenden Generationen eine wundervolle Heimat bietet.

Dass die Zukunft nicht erst irgendwann, sondern schon heute anfängt, zeigt Cindy Forde in ihrem Buch "Wundervolle Welt von morgen", denn sie spinnt die bereits jetzt vorhandenen Ideen und Möglichkeiten einfach weiter und zeigt Kindern wie Erwachsenen, dass die überaus gefährliche und bedenkliche Situation, in der wie uns gerade befinden, abgewendet werden kann.

Ein farbenfrohes lebendiges Buch, das uns die bunte Welt von morgen zeigt und dabei die innovativen Lösungen und Ideen zur Sprache bringt, die den Twist in letzter Minute möglich gemacht haben. Bäume, die statt einem Blätterdach Solarpanels tragen und sich so in das Grün der Umgebung einfügen, biologisch abbaubare Mode, Wohnkonzepte in intelligenten Städten, ein gleichberechtigter freier Zugang zur Bildung für alle oder magnetbetriebene Öffis - was wie ein faszinierendes utopisches Märchen klingt, kann nur wahr werden, wenn wir alle unsere Kräfte und unser Wissen bündeln und an einem Strang ziehen.

Das kunterbunte Buch ist eine gelungene Mischung inspirierenden Sachtexten und anschaulichen Zeichnungen, die zwar die aktuelle Thematik als heißes Eisen anpacken, ohne oberlehrerhaft oder besserwisserisch zu sein. Vielmehr ist es eine schier unerschöpfliche Quelle an Möglichkeiten, um aufzeigen, dass wir alle heute schon für unseren Planten von morgen sorgen müssen, damit alles funktioniert und wir die wundervolle Welt von morgen genießen können.


Bibliographische Angaben:

Autor: Cindy Forde
Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
2023, 80 Seiten, Maße: 26 x 34,3 cm, Kartoniert (TB), Deutsch
Verlag: moses. Verlag
ISBN-10: 3964552666
ISBN-13: 9783964552662
Erscheinungsdatum: 08.02.2023

Bewertung vom 12.02.2023
Lüftner, Kai

Walter Falter


ausgezeichnet

Fetzig gereimtes Kinderbuch

Auf den ersten Blick ist Walter Falter ein eher schüchterner und sehr unauffälliger Bewohner des Dachbodens. Doch das täuscht, denn Walter hat Rhythmus im Blut. Am liebsten möchte er immerzu Schlagzeug spielen, aber das erscheint unmöglich. So ganz ohne Band wird das wohl nichts. Außerdem ist Walter in Marie Käferchen verknallt, die für ordentliche Beats im Wald sorgt. Ob das Konzert von Marie die Wendung in Walters Leben bringt ?


Kai Lüftner lässt erneut heiße Beats und coole Groves in seinen fetzigen Reimen erklingen und gerade der Rhythmus bumm bum tschak verführt die Vorlesenden dazu, den Takt mit den Füßen mitzuschlagen. Erinnert dieser doch an "We will rock you" von Queen.

Die Geschichte von Walter Falter ist in cool gereimten Versen verfasst, die von großen Träumen, heimlichen Leidenschaften und ganz viel Rhythmus im Blut erzählen und Kinder dazu ermutigt, ihre Träume zu verwirklichen. Irgendwie schleicht sich der Beat von Bassdrum und Snare beim Lesen mit ein und dieser Sound gibt den Takt für die Verse vor - ein sehr außergewöhnliches Leseerlebnis ist garantiert. Die Zeichnungen erleichtern Jungen und Mädchen, sich mit Walter anzufreunden und ein großer Fan von ihm zu werden. Das Herz flattert genauso aufgeregt wie bei Walter selbst und ein warmes Glücksgefühl durchströmt die Kinder, wenn sie gemeinsam mit Walter auf der Bühne stehen.

Ergänzt wird das fetzig gereimte Kinderbuch mit einem QR-Code, der zum Hörbuch und zum Walter-Falter-Song führt. Cooles Buch mit noch cooleren Ideen, die bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen richtig gut ankommen.

Bewertung vom 11.02.2023
Stutzman, Jonathan

Maus mit Haus


ausgezeichnet

Platz ist in der kleinsten Hütte

Vincent ist keine gewöhnliche kleine Maus, sondern er trägt ein kleines Haus mit sich, das ein Geheimnis verbirgt. Denn überall dort, wo jemand in Not geraten ist und Hilfe braucht, da stellt Vincent sein Häuschen ab und bittet denjenigen hinein, um sich auszuruhen, sich aufzuwärmen und sich satt zu essen. Je mehr Gäste Vincent einlädt, desto größer wird sein Haus. Alles ist bunt und voller Leben, aber dar der große Bär dort über Nacht bleiben, auch wenn die anderen Gäste Angst vor ihm haben ?


Es gibt Kinderbücher und dann gibt es kleine, liebevolle Schätze, die das Herz weit machen und ein warmes wohliges Gefühl verbreiten, Und genau so ein Buch ist "Maus mit Haus", das in kindgerechten Worten von Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl erzählt.

Dabei steht das kleine Haus von Vincent stellvertretend für unser Herz und versinnbildlicht Kindern, dass wir allen in Not geratenen Menschen nicht nur unser Herz, sondern auch unsere Türen öffnen sollen, um ihnen in Zeiten der Angst und Ungewissheit mit Warmherzigkeit und Nächstenliebe zur Seite stehen.

Das Buch hilft Kindern gerade jetzt in der aktuellen Situation - Ukraine-Krieg, Erdbeben in der Türkei - gemeinsam mit ihren Eltern Herz und Haus zu öffnen, um benötigte Herzenswärme und Mitgefühl in hilfreiche Unterstützung umzuwandeln.

Die Zeichnungen sind sehr ansprechend und wirken trotz der ernsten Thematik warm und niedlich. Besonderer Clou des Buches sind die Ausstanzungen in Form eines Hauses, die nicht nur als Guckloch, sondern auch als Türöffner dienen, um den Inhalt der Geschichte zu begreifen.

Ein zauberhaftes Buch mit einer einer ganz wundervollen Botschaft. Absolut lesenswert !

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.02.2023
Fehr, Daniel

Wir bauen einen Damm!


sehr gut

Stein für Stein ins Reich der Fantasie

Manchmal braucht es nicht viel, um das größte Abenteuer zu erleben. Mia, Leni und Noah spielen am See und bauen eine Damm. Mit jedem Stein, den sie auf den Damm setzen, wächst dieser nicht nur und staut das Wasser auf, sondern er lockt auch Besucher an, die die Kinder in ein echtes Abenteuer verwickeln...


Dieses wunderschöne Kinderbuch im Panoramaformat setzt genau da an, wo manche Erwachsene aufstecken und kapitulieren müssen, denn sie haben die kindliche Fähigkeit verloren, echte Abenteuer in ihrer Fantasie zu erleben. Die Zeichnungen beschränken sich auf den Mikrokosmos Staudamm und doch zeigen sie ihre ganze Bandbreite an Abenteuerlust und haben eine große Aussagekraft.

Die Handlung wird in einfachen Sätzen erzählt, sodass sich die wesentlichen Informationen zwar darin befinden, aber, angeregt durch die Zeichnungen, Kinder dazu anregt, ihre Fantasie zu gebrauchen und ihre Vorstellungskraft zu nutzen, um in das wirklich aufregende Abenteuer am See einzutauchen. Wie oft vergessen nämlich Kinder im Spiel die Realität und lassen nur durch ihre Vorstellungskraft die Fantasie Wahrheit werden.

Der Schluss des Buches lockt ein Grinsen aufs Gesicht und führt vor Augen, dass auch das schönste Spiel mitunter ein sehr abruptes Ende findet, wenn eine/r nicht am gleichen Strang zieht.

Wunderschön ausgedacht, einfallsreich umgesetzt und faszinierend bebildert ist dieses Buch ein kleines großes Leseabenteuer.

Bewertung vom 11.02.2023
Herrmann, Svenja;Paul, Baptiste

Auf geht's!


gut

Schön anzuschauen, aber der Lesefluss will nicht so richtig in Gang kommen

Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen...so oder ähnlich könnte das Buch umschrieben werden, denn hier geht es um das Versprechen, das ein Vater seiner Tochter gibt und es fällt ihm schwer, sich an sein gegebene Wort zu halten. Viel lieber möchte er einfach nur Fußball schauen und seine Ruhe haben. Doch die Tochter gibt nicht auf und drängt ihn so lange, bis er mit ihr den versprochen Ausflug macht. Und was sie auf ihrem Weg durch das Dickicht erleben, gleicht schon einem echten Abenteuer. Und am Ende wartet eine atemberaubende Belohnung auf beide....


Dieses wirklich zauberhaft illustrierte Kinderbuch erinnert Eltern auf sanfte Weise daran, ihren Kindern doch mehr Zeit zu widmen und sie nicht mit leeren Versprechungen regelrecht abzuwimmeln. Denn da draußen warten unzählige Abenteuer, die einfach nur erlebt werden wollen... Und das am besten gemeinsam.

Das Buch lebt von der mehr als prächtigen Flora und Fauna und ist ein Fest fürs Auge. Die Farbe Grün in all ihren Schattierungen wirkt wie ein geheimnisvolles kühlendes Blätterdach, die schillernd bunten Vögel und das Rot der Blüten werden zu echten Eyecatchern. Vor- und Nachsatzblatt machen Lust auf das Abenteuer. Doch was so vielversprechend beginnt, entpuppt sich beim Lesen leider als kleiner Stolperstein, denn die Erzählung ist in einer Art Versform gehalten und mit einigen kreolischen Wörtern versehen, die zwar eine gewisse Authentizität vermitteln, aber ein richtiger Lesefluss kommt nicht wirklich auf. Dadurch wird die Geschichte komplett aus ihrem Zusammenhang gerissen und die Kinder verlieren die Lust am Zuhören.

Viele wunderbare Details lassen die großformatigen Seiten lebendig wirken, aber sprachlich kann nicht wirklich umgesetzt werden, was das Auge erfasst. Schade :(