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Uli Geißler
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Fürth/Bay.

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Insgesamt 768 Bewertungen
Bewertung vom 19.02.2009

Pasta. Brigitte Kochbuch Edition


sehr gut

Nicht nur Nudeln

Band 3 der ein ganzes Dutzend umfassenden Kochbuch-Edition bringt die Nudel auf den Tisch. Längst ist die schmackhafte Teigbeilage in ihrer so unendlichen Vielfalt Lieblingsgericht für Viele geworden. Kein Wunder, denn auch hier haben die internationalen Einflüsse zu unzähligen abwechslungsreichen Darbietungsformen geführt.

Unterteilt in die Abschnitte „Die Kurzen“, „Die Langen“, „Die Gefüllten und Überbackenen“ sowie „Die Asiatischen“ finden sich Rezeptkreationen von ganz einfach bis raffiniert edel. Jeweils eine ganze Seite zeigt in einem den Appetit anregenden Farbfoto für jedes Gericht eine mögliche Servierweise, schließlich nudelt das Auge mit.

Eindeutig und klar bieten Stichworte wie zum Beispiel "einfach", "schmeckt Kindern" oder "für Gäste" schon eine Hilfe zur ersten Vorauswahl. Selbstverständlich sind die Portionsmengen und die Zubereitungszeit sowie die Kaloriengehalte angegeben. Danach folgt die Auflistung der Zutaten und in einfachen, gut nachvollziehbaren Schritten wird die Zubereitung beschrieben.

Kleine ergänzende Tipps für weisen auf Varianten in der Zubereitung, Tipps zur Verfeinerung oder eine besondere Behandlungsart hin.

So kurz und knapp alles dargestellt ist, so lassen sich nahezu alle Gerichte einfach und in aller Regel auch in einem Zeitraum zwischen 20 und höchstens 90 Minuten (Maultaschen) herstellen, sofern die benötigten Zutaten bevorratet oder eingekauft sind.

Die Nudel-Ideen reichen von inzwischen zu den Klassikern zählenden „Penne all`arrabbiata“ über „Orecchiette mit Oliven“ oder „Fussili mit Tofu“ bis hin zu „Gefüllte Conchiglioni“ oder „Wok-Nudeln mit Spargel“.

Wie in jedem Titel der Reihe rundet das Kapitel "Das große Plus" das Buch ab und informiert über ein paar grundsätzliche Aspekte wie zum Beispiel über die unterschiedlichen Nudelarten, spezielle Küchenhelfer, blitzschnelle Nudelsaucen sowie über das Selbermachen von Nudeln.

© 2/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

7 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.02.2009
Storm, Theodor

Die Regentrude


gut

Klassische Wettergeschichte warmherzig erzählt

Ob Theodor Storm seinerzeit schon den Klimawandel im Fokus hatte, ist eher unwahrscheinlich, wenngleich in der Erzählung um die mutige Maren und ihren Geliebten Andrees die ungewöhnlichen Witterungsbedingungen Thema sind.

Aber auch der Aberglaube spielt eine Rolle, denn Marens Mutter Stine hält die so genannte „Regentrude“ für die Schuldige an dem zu heißen Sommer und dem mangelnden aber bitter nötigen Regen. Andrees Vater kann darüber nur lachen und in seiner Selbstgefälligkeit verspricht er ihrer Tochter sogar den Sohn zum Ehemann, wenn die wundersame Wetterfrau es regnen ließe.

Mit voller, warmherziger Stimme erzählt Rosemarie Fendel die alte Geschichte, spielt ein wenig mit den Stimmlagen und verströmt eine angenehme Gemächlichkeit. Egal, ob draußen die Sonne brütet oder der Regen hernieder platscht – die Geschichte, sanft und passend mit der Harfenmusik von Camilla Baier begleitet, vertreibt schnell jedweden möglichen Ärger sowohl über das eine als auch über das andere Witterungsextrem.

© 10/2008, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

7 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.02.2009
Snow, Alan

Arthur und die Käsediebe


sehr gut

Erste Folge der skurrilen Abenteuer des Unter-der-Erde-Bewohners Arthur

Allein die Tatsache, dass Arthur, der Hauptprotagonist der Geschichte, unter der Erde in einer Höhle wohnt und fliegen kann, sondern die Vielzahl weiterer handelnder Figuren Gestalten ziehen jede Leserin und jeden Leser schnell in die Geschichte hinein. Es ist schon sehr skurril, wenn Käse sich blökend verständigen können, dabei aber neuerdings wieder um ihr Leben fürchten müssen, weil die eigentlich „ausgestorbene“ Käse-Gilde aus unerfindlichen Gründen die Käse-Jagd neu belebt. Aber auch geschäftstüchtige, im großen Stil Wäsche waschende Ratten, kästchenförmige Schachteltrolle oder Kohlköpfe geraten in der verrückten Erzählung von Alan Snow zu wichtigen Beteiligten des Geschehens.

Trotz großer Achtsamkeit und geheimer Mission wurde Arthur seiner Flügel entledigt und findet zudem keinen einzigen Eingang mehr zur Unterwelt und seinem Heim bei Großvater, sind sie doch plötzlich alle verschlossen. Irgendetwas geht da vor sich. Gemeinsam mit ein paar neu gefundenen Unterstützern und ungewöhnlichen, aber hilfsbereiten Fabelwesen macht sich Arthur auf, dem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Die Geschichte ist ausgesprochen ungewöhnlich, weil sehr verrückt und sehr phantasiereich und man darf gespannt sein, ob es den aufgewühlten Bewohnern des verwinkelten Städtchens Rattingen gelingt, hinter das Geheimnis der sonderbaren Ereignisse kommt. Der Autor hat jedenfalls mit seiner lustig-abgedrehten und mit feinen detailfreudigen Federzeichnungen illustrierte Geschichte die Grundlage erwartungsvoller Neugier geschaffen, die er im Folgeband hoffentlich ausreichend befriedigt.

© 10/2008, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

7 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.02.2009

Lookout Games LOG00028 - Agricola


ausgezeichnet

Spielerisch die komplexe Entwicklung eines Bauernhofes nacherleben

Eine echte Herausforderung für Spielerinnen und Spieler ab 10 Jahren mit viel Zeit stellt das Bauernhof-Spiel des „Bohnanza“-Autors Uwe Rosenberg dar. Spielziel dieses mit üppigem Material ausgestatteten Ausbau- und Erweiterungsspiels ist es, die Bewirtschaftung eines mittelalterlichen Bauernhofes im ausgehenden 17. Jahrhundert nach der großen Pest-Epidemie gegen die Unbilden der Natur zu bewerkstelligen und ihn über 14 Spielrunden zu einem „florierenden Betrieb“ auszubauen.
Anfänglich lediglich mit einer kleinen Hütte, einem Bauern und einer Bäuerin ausgestattet versucht man die vielfältigen Möglichkeiten und Erfordernisse möglichst klug und gewinnbringend für das eigene Wohlergehen zu nutzen. Da müssen Land urbar gemacht, ausgesät, geerntet, Tiere angeschafft und versorgt, Anschaffungen getätigt und Mitarbeitende angeworben und ausgebildet werden. Daneben braucht es den Ausbau oder die Renovierung der Gebäude, das Errichten von Weidezäunen und immer genug Nahrung, um die arbeitenden Leute auf dem Hof bei Kräften zu halten.

Alle Aktionen stehen im Zusammenhang und das gesamte Spiel über braucht es eine überlegte Strategie, um nicht am Ende durch falsches Wirtschaften zu viele Mängel auf dem Hof mit Minuspunkten „büßen“ zu müssen. Wer die klügste und ausgewogenste Bewirtschaft hinbekommt, wird am Ende das Spiel gewinnen. Eine wirklich außergewöhnliche, komplexe und dennoch nicht schwierige Aufgabe, die 2-5 Spiel-Landwirtschaftbetreibende mit viel Spielspaß gut, allerdings auch eine lange Spielzeit (etwa 150 Minuten!) fesseln. Es wird sicher drei Spielrunden dauern, bis die Finessen und Möglichkeiten des Spieles verstanden sind, aber das sich stetig entwickelnde Spielverständnis stellt auch einen großen Reiz dar. Nicht nur deswegen gestand die Jury „Spiel des Jahres“ Uwe Rosenbergs Werk „Agricola“ den Sonderpreis Komplexes Spiel 2008 zu.

© 10/2008, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge, Freier Journalist, Fürth/Bay.

10 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.02.2009
Lethcoe, Jason

Benjamin Piff und die Macht der Flüche


ausgezeichnet

Gefahrvolle Suche nach neuer Energie zur Wunscherfüllung
Die Wunschwirkwerke unter der ungewollten neuen Führung von Benjamins bösartiger Cousine Penelopé müssen befreit werden, um die Wünsche der Kinder wieder erfüllen zu können. Die Tatsache, dass üble Gemeinheiten und Boshaftes an die voller Hoffnung steckenden Kinder mit ihren geheimen Wünschen "auszuliefern" ist unerträglich und nicht länger zu dulden.

Da die Dschinns - Energiespender für die Wunschwirkwerke - abgezogen und verschwunden sind, machen sich Benjamin und einige seiner Freunde auf, im geradezu undurchdringlichen Tunnellabyrinth die Fluchmaschinen zu überwinden und die vier Elementaren zu besiegen und den Thaumaphor zu finden.

Ein lebensgefährliches Unterfangen für Benjamin, den Leiter der Abteilung "Geburtstagswünsche/Kinder von 3-12 Jahren" trotz Unterstützung durch Kobolde und einen zauberhaften Uhrwerkhelm. Die Lage spitzt sich extrem zu, als Alles verloren scheint und Penelepé auch noch die "Lampe der tausend Alpträume" ausfindig macht und diese zurück in die Wunschwirkwerke bringen möchte.

Eine herrlich phantastische Geschichte in unglaublicher und von zauberhaften Dingen erfüllter Umgebung zieht einen auch im 3. Teil der Reihe in Bann. Der Wort- und Erfindungswitz des Autors fördert immer wieder neue Ideen, Möglichkeiten und Gerätschaften zutage, so dass eine oft hoffnungslos scheinende Entwicklung ganz plötzlich eine ganz neue und positive Wendung nimmt. Dennoch entsteht immer wieder aufs Neue eine angespannte Aufregung, denn bedrohliche und oftmals gar ausweglose Situationen entstehen von Augenblick zu Augenblick.

Auch wenn das Ende gerade eben noch einmal gut ausgeht, so spürt man geradezu schon die aufkeimenden Schwierigkeiten für Benjamin Pfiff und seine Freunde in der nächsten Folge, die hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lässt.

© 2/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.02.2009
Remes, Ilkka

Hochzeitsflug


gut

Eiskalt und rücksichtslos: Staatsmacht kontra „Honeymoon“

Alles sollte so schön und romantisch werden, doch das letzte Vorhaben Tina Carabellas kurz vor ihrer geplanten Hochzeit mit dem Hirnforscher Christian Brück endet mysteriös und tragisch. Das Flugzeug stürzt auf unerklärliche und nicht nachvollziehbare Weise ab, ja es verschwindet sogar. Die besorgten Angehörigen werden hingehalten, eine Aufklärung geschieht nur schleppend. Dr. Brück macht sich schließlich zutiefst besorgt zum Unglücksort auf. Gemeinsam mit einer Zufallsbekanntschaft – Rebecca - gerät er in einen Strudel offenbar sektiererischer und schließlich geheimdienstlicher Machenschaften und zudem in größte Gefahr, weil der ein von seiner Verlobten gefilmtes Videoband findet. Krasse Zusammentreffen, gefährliche Verfolgungsjagden und lebensbedrohliche Situationen reihen sich Schlag auf Schlag aneinander, bis ein kaum zu glaubender Showdown dem Ganzen ein Ende setzt.

Der Autor schafft schon nach wenigen Seiten eine absolut angespannte Atmosphäre voll Aufregung und Verzweiflung, voll Anspannung und Hoffnung, voll Mitgefühl und Verachtung. Die Charaktere beschreibt er knapp und doch ausreichend, die Abläufe der Geschichte gut nachvollziehbar. Bisweilen jedoch verlangsamt der Plot sich etwas, wenn sich bestimmte Spannungsmomente letztlich in ähnlicher Weise wiederholen. Auch wirkt der verzweifelt handelnde Arzt doch außergewöhnlich verwegen und professionell in einem Umfeld, welches einem medizinischen Spezialisten wohl eher fremd sein dürfte, hat er doch wohl kaum im Alltag mit gnadenlosen Geheimdiensten und Regierungskräften oder sektiererischen Verbrechern zu tun. Hier hat Ilka Remes etwas zu dick aufgetragen und aus einem verliebten Arzt einen Supermann kreiert, was der Glaubwürdigkeit der Geschichte etwas schadet.

Berücksichtigt man das Ersterscheinungsjahr des Thrillers, lässt sich gut daraus ablesen, dass es eben ein früheres Werk des Top-Autors ist. In der Tat kann man bei Remes‘ später erschienen Thrillern eine deutliche Verbesserung beim Aufbau und Spannungsbogen der Geschichten feststellen.

Trotzdem ist auch „Hochzeitsflug“ eindeutig ein ausgezeichneter Thriller, der Spannung bis zum Schluss bei fulminanten Ende verspricht.

© 02/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

5 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.02.2009
Oetker

Dr. Oetker Die besten Landfrauenrezepte von A-Z


sehr gut

Klassische und moderne Ideen erfahrener Köchinnen


„Mutters oder auch Großmutters Rezepte sind die besten“. Dieser vielfach ausgerufene Spruch mag stimmen. Die Einschätzung liegt sicher darin begründet, dass man sich eben an das Gewohnte gut und gerne erinnert und in der Wiederholung die Erfahrung reift und tiefer greift. Auch Landfrauen sind häufig Mütter oder Großmütter und wen wundert es da, dass auch ihnen nachgesagt und offensichtlich auch nachgewiesen wird, besonders gut für die Ihren zu sorgen. Da kann man sich sicher gut inspirieren lassen.

Genau das tut das umfangreiche Buch, denn es strotzt geradezu von der Erfahrung der Rezepte-Lieferantinnen aus ländlichen Regionen Deutschlands. Dabei sind auch die regionalen aber auch internationalen Einflüsse auch in die Deutsche Küche unverkennbar. Deftig und zart, frisch und herb, süß und würzig kommen die zahlreichen Kochanleitungen für alle erdenklichen Mahlzeiten und Anlässe daher. Das Register am Schluss des Buches sorgt für eine schnelle Auswahlmöglichkeit nach Kategorien wie Aufläufe, Backen, Fisch, Gemüse, Kartoffeln oder Kuchen. Darüber hinaus weisen die einzelnen Rezepte weitere Auswahlkriterien an wie zum Beispiel „für Kinder“, „für Gäste“ oder „einfach“.

Wie in allen Dr. Oetker Kochbüchern üblich finden sich Kalorien-, Nährwert- und Mengenangaben, Zubereitungszeiten, schrittweise Anleitungen, Zusatz- oder Variationstipps sowie ein Foto zu jedem Rezept.

Das Buch bietet dreihundert Rezepte einer eher „gut bürgerlich-ländlichen“ Küche, allesamt einfach und in aller Regel auch schnell nachkochbar für jeden Geschmack. Eine wirklich tolle Sammlung zu einem zudem sagenhaft günstigen Preis.

© 02/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

11 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.02.2009
Schwindt, Peter

Die Rückkehr der Eskatay


sehr gut

Vier Flüchtige erkennen die Veränderungen der Gesellschaft

Start einer phantastischen Geschichte aus Morland, einem Land jenseits des Polarkreises. In der dortigen Hauptstadt Morvangar herrscht - Parallelen zur heutigen Zeit sind vermutlich erwünscht - eine Wirtschaftskrise. Dort geht der aktuelle Präsident mithilfe seiner Getreuen rigide gegen Anfechter, Kritiker und Zweifler vor. Entgegen herrschenden Rechts will er eine dritte Legislaturperiode weiter regieren, nicht zuletzt jedoch auch wegen einer offensichtlich drohenden Gefahr für das Land.

Ziemlich knackig beginnt die Geschichte um Jugendliche mit offenbar ihnen eigenen Sonderbegabungen gleich mit dem Fund kopfloser Leichen, der Flucht des dreizehnjährigen Mädchens Tess aus dem berühmt-berüchtigten Waisenhaus Nr. 9 und dem Mord am Obersten Richter von Morland, heimlich beobachtet von seinem Sohn York, welcher zudem eigene übersinnliche Fähigkeiten an sich entdeckt. Mit etwas Gedankenkraft kann er sich an Orte versetzen, an welchen er schon einmal war.

Der unter Schutz-Hausarrest stehende fünfzehnjährige Junge entkommt der Aufsicht durch Egmont, den undurchschaubaren und zwielichtigen Hausbediensteten und trifft später auf Tess, deren erste Anstellung als Aushilfe in einer düsteren Spelunke damit endet, dass sie einen aufdringlichen Gast tötet. Der aufgeregt-panische Ausruf des Wirtes, sie sei ein "Eskatay" weist deren Herkunft und unglaubliche Fähigkeiten hin.
Und ein dritter Junge ist ebenfalls auf der Flucht vor brutalen und bösartigen Verfolgern: Hakon, Illusionskünstler in einem Wanderzirkus und der offensichtlichen Fähigkeit, Gedanken lesen zu können. Schließlich ist bald darauf noch jemand auf der Flucht: Inspektor Lennart, Ermittler in Sachen Richter Urban.

Es zeigt sich sehr bald, dass Alles nicht mit rechten Dingen zugeht, Vorgänge unerklärlicher Art zu beobachten sind, deren Bedeutung und Wirkung sich wohl erst im Verlauf des auf drei Bände angelegten Fantasy-Romans ergeben werden.

In einer gelungenen Mischung ausgesprochen aktuell-realistischer Lebensumstände der handelnden Figuren erzählt Peter Schwindt eine spannende Geschichte, welche aufgrund der so beschriebenen Gegebenheiten knapp hundert Jahre angesiedelt scheint. Holzvergaserfahrzeuge sind so ein Indiz dafür.

Die Protagonisten sind charakterisiert und die Vielschichtigkeit der Geschichte inklusive eines "historischen" Rückblicks in die Vergangenheit Morlands erzeugen ausreichend Spannung. Gut, dass noch zwei Bände folgen.

© 2/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

8 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.02.2009
Rose, Joel

Kein Rabe so schwarz


weniger gut

Hommage an den Autor düsterer Kriminalromane

Es ist zwar eine ungewöhnliche Form der Würdigung eines großen Autors, diesen in eine tatsächlich stattgefundene Mordgeschichte zu verwickeln, aber auch durchaus reizvoll. Der Roman – die Geschichte als „Thriller“ zu bezeichnen scheint aufgrund der doch sehr mäßig und flau dahin plätschernden Erzählweise als unpassend – beginnt mit dem Fund der Zigarrenverkäuferin Mary Rogers, dann einer weiteren und schließlich einer dritten ermordeten Frau im schwarz-weißen New York zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Dem ermittelnden High Constable Hays fallen Zusammenhänge mit dem Dichter E. A. Poe auf. Der Ermittler in den angeblich wahren Fällen wurde später das Vorbild für den fiktiven Kommissar Dupin in den Kriminalromanen des Verdächtigen Poe. Der heutzutage viel gelobte und anerkannte Schriftsteller gerät aufgrund seiner offensichtlichen Detailkenntnis und seiner Ankündigung, den Fall aufzuklären und darüber in der Presse zu berichten, plötzlich ins Zwielicht der Zeit. Seine genügend an den Tag gelegten Verhaltensauffälligkeiten unterstreichen den Verdacht geradezu. Möglicherweise war er der brutale Mörder? Der High Constable wird es herausfinden.

Die Hintergründe der Geschichte sind offensichtlich wohl recherchiert und präzise in den historischen und zeitgenössischen Details, wohlweislich dennoch komponiert und somit auch erfunden. Trotzdem bleibt die authentische Stimmung und das macht den Roman unwidersprochen glaubhaft. Auch sprachlich hat sich der Joel Rose dem damaligen Duktus in Ausdruck und Erzählweise angeglichen und es ist, als läse man ein Buch aus einer vergangenen Epoche.

Neben der Jagd auf den oder die Mörder gerät der Roman jedoch auch zur biographischen Begleitgeschichte über Edgar Allan Poe, selbst wenn auch hierzu nicht alles der reinen Wahrheit entspricht. Kein Geschichtsbuch, keine Biographie, kein Report – „Kein Rabe so schwarz“ ist einfach ein Roman, der ein wenig aufklären und informieren, in der Hauptsache jedoch unterhalten möchte. Die allerdings sehr langatmige Erzählweise lässt einen hin und wieder vor Spannung gähnen …

© 2/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.02.2009
Kehlmann, Daniel

Ruhm


sehr gut

Ein Roman in neun Geschichten

Das eher ungewöhnliche literarische Konzept des Autors Daniel Kehlmann beeinhaltet die Idee, eine Geschichte in Abschnitten zu erzählen, welche jeder für sich abgeschlossen ist und doch eine durchgängige Verbindung zu den vorherigen oder nachfolgenden Kurzgeschichten aufweist.

Nicht immer augenfällig gelingt ihm das auch und man wechselt zwischen fiktiver Fiktion und realer Fiktion, wohlwissend, dass es da letztlich keinen Unterschied gibt, sind doch alle Ebenen im Buch erdacht. Einzig einige Figuren aus den unterschiedlichen Episoden – geradezu nachbarschaftlich nah charakterisiert, als kennte man sie – tauchen zwischenzeitlich auf und schaffen eine gedanklich-inhaltliche Verbindung. Es ist fast schon ein Denkspiel, herauszufinden, wo und worin die Verbindungen der doch sehr unterschiedlichen Erzählungen liegen.

Es geht um die Identität des Individuums, das „Wer bin ich“. Dabei überschreitet der Autor immer wieder die fiktionale Ebene und lässt die Handlungen seiner Figuren zur von der Leserschaft empfundenen Wirklichkeit werden. So wird reizvoll das Mediale real und das Reale zum Medium, eine Art erwünschter Wirklichkeitsverlust.

Das nicht sofort Augenfällige des bestehenden Zusammenhangs der einzelnen Abschnitte macht die Qualität des Buches aus. Im Wissen, dass wohl alles miteinander zusammenhängt ist man bemüht, Verwebungen zu entdecken, zusammen zu denken, was zusammen gehört und so sich einen eigenen Roman zu erschaffen. Insofern scheint die Geschichte Daniel Kehlmann’s - wie so Vieles in der Mediengesellschaft auch - lediglich vorgetäuscht zu sein. Die wahre, im Sinne von eigentlicher, wirklicher Geschichte, erdenkt man sich selbst. Das Buch fordert und fördert Kreativität und Auseinandersetzung. Geschichten provozieren Geschichten. Das ist aber auch gut so.

© 2/2009, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

22 von 26 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.