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Raumzeitreisender
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Buchwurm, der sich durch den multidimensionalen Wissenschafts- und Literaturkosmos frisst

Bewertungen

Insgesamt 791 Bewertungen
Bewertung vom 30.07.2016

Einführung in den Konstruktivismus


sehr gut

Die erfundene Wirklichkeit

Wird die Wirklichkeit von den Menschen erfunden und nicht gefunden? Wenn diese These zutrifft, ist Erkenntnis absoluter Wahrheit unmöglich. Auf diesem Standpunkt stehen Vertreter des Konstruktivismus.

Das Buch erschien erstmals 1985 und enthält Beiträge aus Vorträgen zum Thema Konstruktivismus. Namhafte Vertreter dieser Lehre (Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster, Paul Watzlawick, Peter M. Hejl und Siegfried J. Schmidt) stellen den Konstruktivismus aus der Sicht ihrer jeweiligen wissenschaftlichen Disziplinen vor. Die Leser bekommen einen Eindruck von den Grundlagen und von der Bedeutung dieser aus der wissenschaftlichen Forschung hervorgegangenen Denkrichtung.

Ernst von Glasersfeld führt in das Thema ein. Er beschreibt den Weg der Menschheit auf der Suche nach Wahrheit von der Antike bis zu Immanuel Kant. Wir können nicht hinter die Welt der Erscheinungen schauen, da die Wahrnehmung nicht vom Beobachter getrennt werden kann. Während die traditionelle Philosophie davon ausgeht, dass es eine objektive Welt hinter der Welt der Erscheinungen gibt und wir uns dieser durch Erkenntnisse der Wissenschaft stetig annähern, klammert der Konstruktivismus die objektive Welt (als vom Beobachter getrennte Welt) einfach aus.

Heinz von Foerster führt diese Gedanken weiter fort. Seine Perspektive ist die der Kybernetik. Er beschäftigt sich mit selbstbezüglichen Systemen und erläutert an Hand zahlreicher Beispiele, dass wir den damit verbundenen Kreislauf nicht verlassen können. Seine These: Leben ist ein Eigenprozess.

Paul Watzlawick erläutert die Konstruktion von Wirklichkeiten an Hand von Diagnosen aus der Psychiatrie. „Fehlerhafte“ Diagnosen führen zu „Wirklichkeiten“, die sich später selbst bestätigen, da alle Maßnahmen im Sinne der Diagnose getroffen werden und alle Indizien im Sinne der Diagnose interpretiert werden. Von Watzlawick stammt die Aussage: „Manchmal reicht es aus, die Bewertung des Problems zu verändern, statt das Problem zu verändern.“ Der Konstruktivismus wird damit instrumentalisiert, um positive Verhaltensänderungen zu erzielen. Wer Watzlawicks Schreibstil kennt, wird hier nicht enttäuscht. Sein Beitrag ist tiefsinnig und unterhaltsam.

Eine konstruktivistische Sozialtheorie (Beitrag von Peter M. Hejl), die den Standpunkt vertritt, dass wir unsere Realitäten selber erzeugen und wir damit für unser Glück und Leid selbst verantwortlich sind (erinnert an Glaubenssätze des Buddhismus), wird nicht von jedem angenommen. Es liegt in der Natur des Menschen, sich für sein Glück und seinen Erfolg selbst verantwortlich zu sehen, aber für sein Leid andere verantwortlich zu machen.

Aus den vielen Gedanken zum Thema konstruktivistischer Literaturwissenschaft (Beitrag von Siegfried J. Schmidt) greife ich einen heraus: Eine Konzeption der Realität als Konstrukt bedingt eine veränderte Diskussion über Kunst und Wirklichkeit. Der Gegensatz zwischen Kunst und Wirklichkeit würde wegfallen und Literatur und Kunst wären zwei von vielen (gleichberechtigten) Beschreibungsmöglichkeiten der Wirklichkeit. Der Unterschied liegt in der Methode. Hier bietet der Konstruktivismus die Chance, den Graben zwischen Natur- und Geisteswissenschaften zu überwinden.

Der Literatur zum Konstruktivismus wurde ein eigenes Kapitel gewidmet. Es enthält einführende Erläuterungen zu ausgewählten Werken und ermöglicht damit eine gezielte Vertiefung der behandelten Themen.

Bewertung vom 30.07.2016
Zastrow, Volker

Gender - Politische Geschlechtsumwandlung


sehr gut

Grundlagen und Zielsetzung des Gender Mainstreaming auf den Punkt gebracht

Journalist Volker Zastrow gliedert sein Buch in zwei Teile. Im ersten Teil geht er dem Begriff „Gender Mainstreaming“ auf den Grund und erläutert seine politische Bedeutung. Im zweiten Teil steht die wissenschaftliche Grundlage der Theorie im Fokus. Das Buch ist dünn und handlich, es sind daher keine umfangreichen wissenschaftlichen Ausarbeitungen zu erwarten. Das ändert aber nichts an der Bedeutung des Inhalts.

Wie Autor Zastrow deutlich macht, mangelt es „Gender Mainstreaming“ an einer wissenschaftlichen Grundlage. Gender behauptet (in letzter Konsequenz), dass es biologisches Geschlecht gar nicht gebe. Geschlechterrollen werden zu sozialen Konstrukten erklärt. Dies widerspricht nicht nur der wissenschaftlichen Forschung, sondern auch dem Empfinden der meisten Menschen. Trotzdem hat diese Ideologie, getragen von der Gleichstellungsbewegung, ihren Weg in die Politik gefunden.

Das Buch hat einen schwarzen Einband und kann durchaus als Schwarzbuch zum Thema angesehen werden. Eine Abgrenzung zwischen Gleichstellung und Gender Mainstreaming wäre hilfreich gewesen. Den Begriff „Gender Mainstreaming“ hört man in der Öffentlichkeit kaum. Welche Ideologie dahinter steckt, dürfte vielen Menschen nicht klar sein. Insofern handelt es sich um ein wichtiges Aufklärungsbuch zum Thema.

Bewertung vom 30.07.2016
Safier, David

Plötzlich Shakespeare


sehr gut

Leichte Unterhaltung

Bereits die ersten Kapitel stecken voller Humor und sind ein besonderes Lesevergnügen. David Safier schreibt unterhaltsam, witzig, abgedreht und einfühlsam. Er bevorzugt Frauen als Protagonisten. "Frauen reden über Gefühle, also kann ich einfacher über Frauen scheiben", sagt Safier in einem Interview dazu.

Grundschullehrerin Rosa ist auf der Suche nach der wahren Liebe. Die Geschichte spielt, dank Seelenwanderung, in zwei verschiedenen Zeitebenen. Es gibt Parallelen zwischen den Personen des 16. Jahrhunderts und der Neuzeit. Die Geschichte steckt voller Intrigen.

Mit dem Thema Seelenwanderung hat Safier eine literarische Lücke gefunden, die er auf wunderbare Weise ausgefüllt hat. Insbesondere Vielleser sind dankbar dafür, wenn Autoren kreativ sind und neuen Stoff liefern. "Plötzlich Shakespeare" passt zu den bisherigen Werken von Safier. Seine Bücher lassen sich leicht lesen und sind zurecht Bestseller.

Bewertung vom 29.07.2016
von Ditfurth, Hoimar

Das Erbe des Neandertalers


ausgezeichnet

Das Geheimnis unserer Existenz

Hoimar von Ditfurth war zweifelsohne einer der beeindruckendsten Wissenschaftspublizisten der Nachkriegszeit. Das Werk „Das Erbe des Neandertalers“ ist nach seinem Tode entstanden und enthält Beiträge aus mehr als vier Jahrzehnten wissenschaftlicher Arbeit.

Wer Hoimar von Ditfurths Bücher gelesen hat, findet hier Stichproben seiner wissenschaftlichen, philosophischen und politischen Schriften. Wer seine Bücher nicht kennt, wird durch die breite Palette grenzüberschreitender Schriften neugierig auf seine früheren Werke.

Was zeichnete Hoimar von Ditfurth besonders aus? Er hatte sich die kindliche Neugier bewahrt, die Geheimnisse der Natur und der menschlichen Existenz zu ergründen. Er war in der Lage, isolierte Erkenntnisse der Spezialisten in einem interdisziplinären Zusammenhang darzustellen. Auf diese Weise hatte er stets die Bedeutung neuer Forschungsergebnisse für eine breite Leserschaft herausgearbeitet.

Das Buch enthält mehrere Aufsätze Hoimar von Ditfurths aus den 40er und 50er Jahren. Auffallend ist, dass er sich bereits zu dieser Zeit intensiv mit Sinnfragen beschäftigt hat. Man spürt beim Lesen, wie sehr ihn derartige Fragen berührten. So wundert es nicht, dass er immer mehr zum (politischen) Mahner wurde, wie es in den letzten Kapiteln des Buches deutlich wird.

Im Gegensatz zu den nackten wissenschaftlichen Erkenntnissen haben Hoimar von Ditfurths Aussagen nicht an Bedeutung verloren. Themen wie „Naturwissenschaft und Religion“ oder „Verantwortung der Wissenschaft“ bleiben auch künftig aktuell.

Bewertung vom 29.07.2016
Comte-Sponville, André

Woran glaubt ein Atheist?


sehr gut

Atheismus und Spiritualität

Im Vorwort erläutert André Comte-Sponville seine Motivation für das Buch. Er hat nichts gegen eine Wiederkehr des Glaubens und begrüßt ausdrücklich Spiritualität, gleichzeitig verurteilt er Dogmatismus, Aberglauben und Fanatismus. "Der Kampf für die Aufklärung geht weiter, und er war selten so dringlich, denn die Freiheit steht auf dem Spiel."

Sein Buch gliedert Autor Comte-Sponville in 3 Teile, in denen er den zentralen Fragen "Kann man auf Religion verzichten?", "Gibt es Gott?" und "Welche Spiritualität für Atheisten?" auf den Grund geht.

Die erste Frage beantwortet er eindeutig mit "Ja" und begründet ausführlich seine Position. Wenn man nachvollziehen kann, dass Religion nicht das Fundament der Moral ist, sondern umgekehrt Moral das Fundament der Religion (s. Kant), wird der Verzicht auf Religion plausibel. Nicht verzichten sollte man auf Traditionen im weitesten Sinne und auf Liebe, um nicht dem Nihilismus zu verfallen.

Im zweiten Teil des Buches untersucht der Autor einige der sog. Gottesbeweise und zeigt deren Schwächen auf. Des Weiteren führt er Argumente auf, die ihn zu seiner Entscheidung für den Atheismus veranlasst haben. Neben dem Recht auf Glauben proklamiert er das Recht, nicht zu glauben.

Die Überschrift des dritten Teils des Buches "Welche Spiritualität für Atheisten?" impliziert, dass es eine geben muss. Aus Sicht des Autors kann auf Religion, aber nicht auf Spiritualität verzichtet werden. Spiritualität ist das Leben des Geistes und dieser ist real. Der (religiöse) Begriff "Seele" zu Beginn der Ausführungen verwirrt. Hier hätte der Begriff "Psyche" besser gepasst. In den weiteren Ausführungen thematisiert der Autor seine spirituellen Erfahrungen, bestehend aus einem ozeanischen Gefühl der unauflöslichen Einheit mit dem großen Ganzen und der Zugehörigkeit zum Universellen. Stanislav Grof bezeichnet solche Bewusstseinszustände in seinem Buch "Kosmos und Psyche" als holotrop. Diese sind verbunden mit Veränderungen der sinnlichen Wahrnehmungen, heftigen und ungewöhnlichen Emotionen sowie tiefgehenden Änderungen in den Denkprozessen. Das Bewusstsein verändert sich und die im Alltag erlebte Fragmentierung löst sich auf. Holotrope Erfahrungen gehen weit über die Grenzen des "Ich" hinaus und erinnern stark an mystische Erfahrungen, wie sie unter anderem im Taoismus, Buddhismus oder in der christlichen Mystik bekannt sind.

Autor Comte-Sponville begründet seinen Weg zum Atheismus und zeigt auf, dass Atheismus und Spiritualität keine Gegensätze sind. In den ersten beiden Teilen überwiegen rationale Argumente. In den dritten Teil seines Buches fließen persönliche spirituelle Erfahrungen ein. Eine Verifikation ist nicht möglich, es sei denn, man macht eigene Erfahrungen dieser Art. Damit basiert auch der Atheismus, so wie Comte-Sponville ihn vertritt, auf einem Glauben.

Bewertung vom 29.07.2016
Baker, Stephen

Die Numerati


sehr gut

Die Analyse digitaler Spuren

Wenn es um das Erzeugen digitaler Daten geht, sind wir sehr produktiv. Handys, Notebooks, Kreditkarten und Kundenkarten hinterlassen – oft ungewollt - digitale Spuren. Daneben gibt es zahlreiche persönliche Einträge in den sozialen Netzwerken wie Facebook, wer-kennt-wen oder studiVZ, die freiwillig abgegeben werden. Wen wundert es da, dass es Experten gibt, die sich darauf spezialisiert haben, diese Daten zu analysieren. Die Numerati wenden komplexe mathematische Methoden mit dem Ziel an, Profile zu erstellen und nach gewünschten Fragestellungen auszuwerten. Auf diese Weise entstehen Informationen, die für viel Geld vermarktet werden können. Betreiber von Suchmaschinen wissen und nutzen das schon lange.

Es geht in den ersten Kapiteln um Simulationen der Wirklichkeit, um gezielte Werbung und um effiziente Methoden der Wählerbeeinflussung. Wie macht man in der Bevölkerung die Zielgruppe aus, die sich für ein bestimmtes Produkt begeistern lässt? Wie findet man vor einer Wahl die Wechselwähler, die für den Ausgang des Wahlergebnisses entscheidend sein können? Mit welchen Themen spricht man sie an? In weiteren Kapiteln geht es um Blogger im Internet, um das Aufspüren von Terroristen, um die Zukunft der Gesundheitsvorsorge und um Partnersuche. Ob die Wohnungen von Patienten künftig mit Sensoren ausgestattet werden, um krankheitsbedingte Auffälligkeiten festzustellen, bleibt abzuwarten. Die Methoden wären sicherlich wirksam. Sind sie auch im Interesse der Patienten?

In dem Buch werden die Aufgaben und Ziele der Numerati sachlich vermittelt. Die mathematischen Methoden beschreibt Autor Stephen Baker nicht. Hier hätte ich ansatzweise Erklärungen erwartet. Es kommt zwar explizit nicht zum Ausdruck, jedoch haben wir längst einen Überwachungsstaat. Was in den 1980er Jahren noch für heftige Proteste gesorgt hat, wird heute hingenommen. Hier hätte eine kritische Reflexion zur Aufklärung beigetragen. Die Frage des Autors im letzten Kapitel „Bin ich wirklich so, wie sie mich darstellen?“ bringt das Thema humorvoll-kritisch auf den Punkt und bildet einen würdigen Abschluss für dieses populärwissenschaftliche Buch.

Bewertung vom 29.07.2016
Marx, Ben

Linux Manager Guide


weniger gut

Ein Wegweiser für IKT-Entscheider

Dies ist kein Buch für Entwickler und Systemadministratoren, sondern für IKT-Entscheider und sonstige Interessierte, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen. Es räumt mit Vorurteilen auf und vermittelt Grundlagen über Open Source. Die Autoren erläutern, woher Open Source kommt (GNU-Projekt) und wie die Rechtslage aussieht, wie sich Hersteller gegenüber Open Source positionieren und welche Anwendungen es gibt (Linux-Distributionen, Samba, LDAP u.v.a.m.), welche wirtschaftlichen Vorteile Open Source bietet und wie die Projekteinführung aussehen könnte. Neben den textlichen Erläuterungen befinden sich Randbemerkungen. In Verbindung mit den Zusammenfassungen am Ende der Kapitel ist es möglich, das Buch im Schnelldurchgang zu lesen. Die Erläuterungen zur Einführung von Open Source (Kapitel 10) ersetzen nicht Erfahrungen im Projektmanagement, die zwingend notwendig sind, wenn Open-Source-Produkte nicht nur im Systembereich, sondern insbesondere im Anwendungsbereich eingeführt werden sollen. Referenzen über Open-Source-Projekte werden nicht genannt. Der Aufbau des Buches ist übersichtlich und damit ok. Aufgrund des Alters ist das Buch heute nicht mehr zu empfehlen. Eine überarbeitete Neuauflage würde aber Sinn machen.

Bewertung vom 29.07.2016
Hall, Jerry

Mein Leben in Bildern


ausgezeichnet

Spaß am Leben

Das Buch enthält, wie man es bei einem Supermodel wie Jerry Hall erwartet, zahlreiche professionelle Fotos. Das Titelbild zeigt ihre Lieblingsaufnahme aus einem Pin-up-Kalender, den Annie Leibovitz, Cheffotografin des Magazins „Rolling Stone“, erstellt hat. Jerry Hall ist zweifelsohne fotogen.

In dem Buch dominieren die schönen Seiten aus dem glamourösen Leben der Texanerin Jerry Hall. Ihrer (nicht einfachen) Kindheit widmet sie ein von zehn Kapiteln und so erfahren die Leser, dass Jerry vier Schwestern, darunter eine Zwillingsschwester namens Terry hat.

Die Art und Weise, wie Jerry Hall ihre Karriere in der Modebranche gestartet hat, ist jungen Mädchen nicht zu empfehlen. Es gehören schon Mut, Abenteuerlust und eine Portion Naivität dazu, als sechzehnjähriges Mädchen mit 800 Dollar in der Tasche, nach Paris zu gehen, um dort eine Karriere als Model zu starten.

Jerry Hall hatte Glück, lernte die richtigen Menschen aus der Mode- und Kunstszene kennen und tauchte ein in die Glitzerwelt von Paris. Sie posierte für den Topfotograf Helmut Newton und freundete sich mit Andy Warhol, dem Mediensuperstar der Pop Art, an. Ihre Ausführungen zu Andy Warhol und dem Selbstverständnis seiner Kunst finde ich bemerkenswert.

In den folgenden Jahren pendelte Jerry Hall zwischen Paris, London und New York hin und her. Bei Fotoaufnahmen für das Cover der LP Siren von Roxy Music begegnete sie Brian Ferry, mit dem sie später verlobt war. Die Beziehung ging in die Brüche, als sie Mick Jagger kennen lernte. Sie beschreibt ihn als witzig, gefühlvoll und selbstbewusst. Es ist ihm egal, was andere Menschen über ihn denken.

Mit Mick Jagger war Jerry Hall über zwanzig Jahre zusammen, davon neun Jahre verheiratet. Sie haben zusammen vier Kinder. Das Buch enthält einige Familienfotos aus der privaten Sammlung. Die Beziehung mit Mick Jagger war aufregend, trotzdem ging sie in die Brüche, weil Mick es mit den Seitensprüngen übertrieben hat. Als eine andere Frau ein Kind von ihm erwartete, ließ sie sich scheiden. Die Freundschaft blieb aber bestehen.

„Mein Leben“ ist die Autobiographie einer erfolgreichen Frau, die Spaß am Leben hat. Es überwiegen die positiven Momente. Mit Krisen ist sie gut fertig geworden. Neben der Beschreibung ihres Lebensweges, sind es ihre Charakterstudien, die lesenswert sind. Diese weibliche Sicht auf Rockstars wie Brian Ferry und Mick Jagger können Bill Wyman, Ronnie Wood und Keith Richards in ihren Büchern nicht vermitteln.

Bewertung vom 28.07.2016
Hoimar von Ditfurth, Volker Arzt

Querschnitt. Dimensionen des Lebens II.


ausgezeichnet

Reportagen aus der Wissenschaft

„Das staunende Fragen angesichts des nächtlichen Sternhimmels und des Rätsels der eigenen Existenz gehört zu den menschlichsten aller menschlichen Eigenschaften.“ Hoimar von Ditfurth bringt im Vorwort mit eigenen Worten zum Ausdruck, was bereits Immanuel Kant vor über 200 Jahren Ehrfurcht eingeflößt hat.

Das Buch besteht aus Reportagen der Sendereihe „Querschnitt“, die in den 1970er Jahren im ZDF ausgestrahlt wurde. Die behandelten Themen decken eine breite Palette naturwissenschaftlicher Fragestellungen aus Archäologie, Astronomie, Physik, Geologie und Biologie ab. Im Hinblick auf die mangelnde Qualität mancher aktueller populärwissenschaftlicher Bücher halte ich es für geboten, auf Klassiker des verantwortlichen Wissenschaftsjournalismus hinzuweisen.

Hoimar von Ditfurth und Volker Arzt untersuchen das Geheimnis der Pyramiden, demaskieren die Astrologie, setzen sich mit Vorurteilen gegen die Evolutionstheorie auseinander und beschreiben die biologischen Vorzüge der Warmblütigkeit, um nur Beispiele zu nennen. Die Ausführungen sind verständlich, informativ, umfassend und zudem spannend. Das Alter der Reportagen ist dem Buch kaum anzumerken; die Beiträge sind auch heute noch lesenswert.

Zum Schluss noch einmal Hoimar von Ditfurth: „Das wichtigste Resultat der Erkenntnisse, die dann u.a. auch zur Erfindung des Blitzableiters führten, hat sich in einer ganz anderen Dimension abgespielt, nämlich im geistigen Raum. Es bestand in der Reduktion des mit seinem Blitz auf den Menschen zielenden Dämons, vor dem sich die Zeitgenossen bis dahin gefürchtet hatten, auf ein dem menschlichen Verstand begreifbares Naturgesetz.“