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holdesschaf

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Insgesamt 616 Bewertungen
Bewertung vom 03.04.2022
Lüftner, Kai

Marie Käferchen


sehr gut

Mega-heavy Illustrationen
Normalerweise sind Käferchen niedliche Tiere mit zarten Flügelchen, die über die Wiese brummeln. Doch was ist das? Marie Käferchen entspricht so gar nicht diesem Bild. Sie tanzt, bängt und zappelt lieber über die Wiese und zieht dabei Grimassen. So ganz anders, als man das erwartet. Und dann hört sich auch noch so laut Rock, dass sie damit alle anderen Tiere von der Wiese vertreibt und allein zurückbleibt. Bis eine bekannte Käferband vorbeikommt und mit ihr zusammen rockt.

Als Fan von Alternative Rock und Heavy Metal weiß man, dass man mit seiner lauten Musik nicht überall auf Gegenliebe stößt. Auch meine Kinder sind mit diesem Rock-Gen infiziert. Wer braucht schon Kinderlieder? Daher habe ich mich gefreut, dass es nun mit Marie Käferchen auch einen musikalisch unangepassten Insektenfreund gibt. Nein, schon klar, Hard Rock ist beliebter als man glaubt, daher war es wirklich an der Zeit, dass er auch mal in einem Bilderbuch die Hauptrolle spielt.

Von den Illustrationen sind wir einfach begeistert. Die Mischung aus den eher pastelligen Hintergründen und den dunklen Rock-Käfern ist einfach gelungen. Der Sound wird als pinke und gelbe Streifen, Sterne oder Schwaden dargestellt und macht das Buch unheimlich lebendig. Der Hirschkäfer kommt einfach unheimlich nah, an die menschlichen Vorbilder heran. Eine richtige Perle unter den vielen bunten Bilderbüchern.

Die Reime sind auch schön, wobei sie manchmal bei Vorlesen - vor allem beim ersten Mal - stellenweise etwas holprig erschienen, so dass ich den Vers nochmal lesen musste. Warum die anderen Tiere erst vor der Musik flüchten und dann, als Marie mit der Band spielt, wieder zurückkommen und abrocken, war meinen Kindern nicht ganz klar. Vermutlich haben sie sich mitreißen lassen.

Insgesamt schon allein wegen der Illustrationen ein super Bilderbuch, das wir immer wieder gern anschauen.

Bewertung vom 03.04.2022
Wiebusch, Michaela;Erz, Rita

Im Dorf der Schmetterlinge


ausgezeichnet

Sanfte Therapie zum Lesen
Jule ist Ende 40, verheiratet mit Stefan, berufstätig, die einzige Tochter ist bereits ausgezogen und studiert im Ausland. Nun wird Jule oft von Panik und Ängsten geplagt, sie leidet unter Schlaflosigkeit, ihr Selbstvertrauen hat stark gelitten. Dauernd macht sie sich Gedanken, ob sie bei der Arbeit neben der jüngeren Kollegin noch bestehen kann, ob ihr Mann sie noch liebt und befürchtet, alles zu verlieren.

In einem Traum trifft sie auf den Specht Cupido, der sie vor die Wahl stellt, den einfach Weg zurück in ihr gewohntes Leben zu nehmen oder sich über einen dornigen Weg vorwärts zu arbeiten in ihr bestes Leben. So gelangt sie in ein Dorf, das ihr die Möglichkeit gibt, sich ihren Ängsten zu stellen und ihre Gedanken zu ordnen, so dass sie gestärkt in den Alltag zurückkehren und ihr Leben wieder selbst steuern kann.

Die Geschichte hört sich ziemlich fantastisch an und tatsächlich enthält sie Elemente, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, sondern aus einer Traumwelt. Die Protagonistin hat die Mitte des Lebens überschritten. Durch den Auszug der Tochter zweifelt sie an der Verbindung mit ihrem Mann und steigert sich daher in die Arbeit hinein. Doch auch dort hat sie das Gefühl nicht zu genügen, austauschbar zu sein. Sie hat viele Gedanken, die sicher die meisten von uns schon einmal hatten. Je älter umso mehr vermutlich.

Die beiden Autorinnen setzen dort mit ihrem psychologischen Wissen an. Jule muss sich überwinden, den Weg in ihr bestes Leben zu gehen. Einmal im Dorf angekommen muss sie sich Herausforderungen stellen, Ängste abbauen, negative Glaubenssätze in positive verwandeln. Teilweise klingt die Geschichte wie ein Märchen und wirkt auf mich als Leser irgenwie beruhigend. Sie bringt mich auch dazu, nachzudenken. Die ein oder andere Angst von Jule kennt man eben auch selbst und fragt sich, ob man sie vielleicht auch loswerden könnte. Vor allem der Specht, aber auch andere Personen leisten Jule dabei Gesellschaft oder geben Hilfestellung. So wie Jule ihre Ängste abbaut, fühlt man sich beim Lesen auch selbst befreiter. Es ist wie eine sanfte Selbsttherapie, ganz anders, als alles, was ich bisher gelesen habe und perfekt um gedanklichen Ballast abzubauen, sich weniger über die Vergangenheit zu ärgern, sondern die Zukunft zu gestalten, um in das eigene beste Leben zu starten. Hat mir sehr gut gefallen und wird mich noch weiter beschäftigen. Auch die Illustrationen sind wunderschön und tragen zum Wohlfühlen bei. 5 Sterne

Bewertung vom 03.04.2022
Snow, Rose

2 Seelen. Das erste Buch der Unsterblichkeit / Bücher der Unsterblichkeit Bd.1


sehr gut

Spannend vor allem am Ende
Kela und Brandon haben es nicht leicht im Leben. Erst verlieren sie ihre Mutter, dann stirbt ihr dementer Großvater. Um das Haus halten zu können, müssen sie Zimmer vermieten. Doch statt der beiden erwarteten jungen Frauen, tauchen drei mysteriöse, dunkle Typen auf. Kela ist so gar nicht begeistert, sie als Mitbewohner aufzunehmen. Vor allem der attraktive Nero, bringt etwas in ihr zum Schwingen. Als hätte sie nicht schon genug mit dem Großvater zu tun, der ihr als Geist erscheint und sie um Hilfe bittet und mit den Briefen, deren rätselhaften Inhalt nur sie lesen kann, hat sie das Gefühl, dass etwas viel Größeres auf sie zukommt. Nachdem Brandon auch noch von einem dunklen Wesen angegriffen und von Nero gerettet wird, erwartet Kela von ihm Antworten.

2 Seelen - das erste Buch der Unsterblichkeit ist der Auftakt zu einer neuen Romantasy-Reihe des Autorinnen-Duos Rose Snow. Wie oft typisch in ersten Bänden geht eh vor allem um die Vorstellung der Charaktere und den Aufbau von Beziehungen, um das Fundament, auf dem die Geschichte aufgebaut ist und das Erklären der Zusammenhänge. Auch hier nehmen diese Faktoren viel Raum ein und es ist ganz interessant zu lesen, wie sich die beiden Geschwister Kela und Brandon durchs Leben schlagen müssen. Sie haben viele Verluste erlitten und es ist toll, wie sie als Rest der Familie zusammenhalten.

Kela ist als Hauptfigur sehr sympathisch und entwickelt sich in der Geschichte von einer eher zurückhaltenden und wenig selbstbewussten Frau zu einer mutigen Schlüsselfigur. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Schon, dass sie ihren toten Großvater sehen und mit ihm sprechen kann, deutet darauf hin, dass sie etwas Besonderes ist. Man erfährt auch schon im zweiten Drittel, was ihre Rolle in dieser Fantasygeschichte ist. Es folgen sehr sehr viele Erklärungen, die teilweise nochmal wiederholt werden, wodurch die Story leider unnötigerweise etwas ausgebremst wird, die sich eigentlich flott und flüssig lesen lässt.

Dass der mysteriöse Nero Kela nicht kalt lässt, merkt man auch ziemlich schnell. Er ist aber oft so unnahbar und auch launisch, dass ich hier noch nicht von Liebe sprechen kann. Allenfalls habe ich ein sexuelles Knistern wahrgenommen, das sich später noch verstärkt, je tiefer wir in die von den Autorinnen erdachte Fantasywelt eintauchen. In dieser wimmelt es von drohenden Gefahren, Verrat, Intrigen und undurchsichtigen Charakteren. Das macht vor allem das Ende dieses ersten Bandes sehr spannend. Trotzdem bleiben noch genug Fragen übrig, so dass ich bei diesem Cliffhanger nicht umhin komme und mich trotz aller Längen auf den zweiten Band freue, um endlich zu wissen, wie es weiter geht. 4 Sterne

Bewertung vom 03.04.2022
Bertram, Rüdiger

Die Glitzerbande hilft immer! (Leider wird es dann meist schlimmer)


ausgezeichnet

Herrlich schräge Typen
Die Glitzerbande - das sind Einhorn Ella, Faultier Franz, Lama Luna und Flamingo Felix - lebt beschaulich und völlig friedlich auf einem Regenbogen. Doch kaum gerät ein Kind in Not, flitzen sie los, durchqueren Wüsten und Meere, um zu helfen. Das können sie besonders gut. Zumindest sind die Vier von der Glitzerbande davon überzeugt. Leider fällt ihnen dabei gar nicht auf, wie schusselig sie wirklich sind. Zudem lassen sie sich nur allzu gern ablenken. So wird das Chaos perfekt. Doch Hauptsache die Mission ist erfüllt.

Rüdiger Bertram war mir schon durch seine oft humorvollen Kinderbücher (z. B. Coolman) bekannt. Hier fiel mir zuerst das regenbogenbunte Cover mit den lustigen Tieren auf. Alles bei den Kids sehr beliebte Figuren und so war klar, dass wir das Buch lesen müssen. Schon der Untertitel deutet an, dass bei der Glitzerbande nicht immer alles glatt läuft. Und tatsächlich sorgt bereits die Vorstellung von Ella, Franz, Luna und Felix für Lacher. Vor allem Ella, die natürlich die Beste ist und Felix, der noch besser ist streiten deswegen nieeeemals. Besonders ins Herz geschlossen haben wir Franz, der ganz Faultier-like dauernd schlafen könnte. Auch das Benehmen der glitzernden Freunde ist nicht immer ganz astrein. Trotzdem ist jedes der Tierchen auf seine Weise liebenswert schräg und chaotisch. Das sorgt für jede Menge lustige und skurile Situationen und das Vorlesen wird ein Riesenspaß.

Die tollen und sehr lebendigen Illustrationen tun ihr Übriges. Die Gesichter, die hier gemacht werden, sind einfach herrlich. Mir gefällt auch, wie der Text zusammen mit den Illustrationen gestaltet ist. Vor allem bei der Reise zum Einsatzort ist das super gelungen. Der Text ist kindgerecht geschrieben, es gibt sehr viele witzige Dialoge, die man mit verschiedenen Stimmen lesen kann. Aber auch zum Selberlesen ist die Geschichte bestens geeignet.

Fazit: Die Glitzerbande ist eine herrlich schräge Truppe, die durch ihren ungeschickten Übereifer für Chaos und jede Menge Lacher sorgt, was sie natürlich selber gar nicht merkt. Einfach witzig gemacht. 5 Sterne

Bewertung vom 03.04.2022
Brandis, Katja

Die Jaguargöttin


ausgezeichnet

Faszinierende Dschungelwelt
Kitana ist die Tochter des Jaguargottes Kem Balam. Die Gestaltwandler werden in der Stadt Elámon verehrt. Bisher führte Kitana ein sorgloses Leben in ihrem Tempel, bis ein Unglück geschieht und den Status der Jaguargötter bedroht. Kitana weiß sich keinen andern Ausweg mehr, als die wilden Panther, die im Dschungel leben und ihnen nicht wohlgesonnen sind, zu Hilfe zu holen. Denn eine Intrige in der Stadt bedroht nicht nur die Menschen dort, sondern auch den Fortbestand des Dschungels und ihre Familie.

Das Cover deutet bereits daraufhin: Es ist eine wahnsinnig durchdachte, faszinierende und realistische Welt, die Katja Brandis für diese Geschichte zu Papier bringt und die sie so farbenfroh schildert, dass man sich förmlich hineingezogen fühlt in den Dschungel und in die fiktive Maya-Stadt Elámon. Sehr glaubwürdig ist auch die Hierarchie unter den Bewohnern und Tierwandlern. Schnell merkt man, dass das Gefüge durch Intrigen und Komplotte bedroht wird.

Die Protagonistin Kitana gefällt mir sehr gut. Sie macht im Laufe der Geschichte eine Wandlung durch, die man sehr gut nachvollziehen kann, die aber nicht zu übertrieben ist. Auch die wilden Panther sind tolle Charaktere. Besonders gut gefallen mir auch die andern Gestaltwandler, denn es gibt nicht nur Jaguare, sondern auch Affen, Schlangen, Vögel usw. Die Gespräche zwischen diesen sind teilweise wirklich sehr witzig und treffen genau meinen Humor.

In der Hauptsache ist die Geschichte sehr spannend und hat mich gefesselt. Zum Mitfühlen gibt es eine nicht zu ausufernde Liebesgeschichte, die mich am Ende tatsächlich sehr überrascht hat. Auch beinhaltet die Geschichte einen Umweltaspekt, der leider sehr aktuell ist: der Schutz des Waldes. Dazu findet der Leser am Ende noch Tipps.

Fazit: Eine faszinierende, gut durchdachte Dschungelwelt und eine meisterlich erzählte Geschichte, die spannend ist und den Leser fesselt. Sehr empfehlenswert und daher 5 Sterne

Bewertung vom 03.04.2022
Blesken, Julia

Mission Kolomoro oder: Opa in der Plastiktüte


sehr gut

Letzte Spur Berlin
Katja hat Ärger mit einem ihrer Papas und flüchtet runter auf die Straße, wo sie zufällig auf Zeck, Fridi, Mustafa, Polina und Jennifer trifft. Und irgendwie auch Jennifers Opa, dessen Asche sie in einer Tüte herumträgt. Sie möchte ihm unbedingt seinen letzten Wunsch erfüllen und seine Asche in seinem Kleingarten in KoloMoro verstreuen. Nur leider hat Jennifer keine Ahnung, wie man da hinkommt. Und weil die anderen gerade nichts besseres zu tun haben, begeben sie sich gemeinsam auf diese außergewöhnliche Mission. Doch kann das gut gehen ohne Handys und ohne Geld quer durch die Großstadt?

Ich fand die Idee, dass ein Mädchen seinem Opa den letzten Wunsch erfüllen möchte echt rührend und gleichzeitig sagte mir das Cover, dass es sich hierbei um ein besonderes Abenteuer handeln muss. Und so ist es auch. Leider hat mir der Anfang der Geschichte dann leicht das Lesevergnügen verhagelt, weil die Autorin bei der Auswahl ihrer Kindercharaktere sehr spezielle gewählt, z.B. Musti, als Kind mit türkischem Migrationshintergrund, Katja, als Kind gleichgeschlechtlicher Eltern, Jennifer, als Tochter einer alleinerziehenden, arbeitenden Mutter usw. Und nein, ich habe nichts gegen die wirklich netten Kinder, aber es wirkte mir zu konstruiert. Und obendrein war es gar nicht mal so leicht, sie auseinanderzuhalten.

Ab einem bestimmten Punkt habe ich mir das Hörbuch dazugeholt und das hat dafür gesorgt, dass ich eine viel bessere Vorstellung von allem bekam, da der Sprecher eben jedem Kind seine eigene Stimme gegeben hat. Noch dazu teilweise in echtem Berliner Dialekt, was dann sehr authentisch rüberkam. Auch Musti, ich schwör, war total lustig, wenn auch hier wieder ein bisschen überspitzt das Klischee durchkommt.

Die Kinder stoßen bei ihrer Suche nach dem Standort von Kolomoro jedenfalls auf jede Menge Probleme, große wie kleine. Auch treffen sie verschiedenste Personen von der Bettlerin bis zur männlichen Verkäuferin in einem Second-Hand-Klamottenladen. So bunt wie Berlin ist auch das Buch, was es ganz liebenswert macht. Ein Problem hatte ich dann wieder damit, dass das für die Stadtkinder immer wie Neuland gewirkt hat. Aus so manch gefährlicher Situation werden sie ganz unverhofft von magisch auftauchenden Tierchen gerettet.

Es ist vor allem ein tolles Buch, weil man fühlt, wie die Gruppe zusammenwächst, wie sie sich gegenseitig aufrichten, trösten, Mut zusprechen und ermuntern. Am Ende ist es fast traurig, dass die Geschichte schon vorbei ist und das war dann der Moment, wo ich die Kritik vom Anfang als nicht so wichtig angesehen habe.

Fazit: Wer sich am Anfang durchbeißt erlebt ein witziges, herzerwärmendes Abenteuer von sechs tollen Kindern auf einem Roadtrip durch Berlin, ich schwör! 4 Sterne

PS: Dem Hörbuch würde ich schon allein wegen des echt tollen Sprechers 5 Sterne geben.

Bewertung vom 03.04.2022
Schreiber, Chantal

Drachen sind auch nur Einhörner / Kurt Einhorn Bd.4


ausgezeichnet

Kurt ist einfach Kult
Eigentlich möchte Kurt nur immerzu fressen. Stattdessen darf er den romantischen Ergüssen der Zweihorndame P. lauschen. Doch dann geht es ans "Eingemachte". Der königliche Obstgarten wurde geplündert, berichten Prinzessin Floh und der Vogel Tüdelü. Alle Äpfel sind weg und damit gibt es für Kurt auch kein Apfelmus. Empört ermitteln die Freunde und finden eine seltsame Spur. Das muss ein Obstdrache gewesen sein! Schon macht Kurt sich bereit, den Drachen mit seiner Wassermagie zu verscheuchen. Was zunächst nach einem heldenhaften Sieg für Kurt aussieht, entwickelt sich zu einem nervenaufreibenden Abenteuer.

Wir kannten Kurt schon und wussten, worauf wir uns bei diesem ganz untypischen Einhorn einlassen. Rosa Glitzer und niedliche Feengeschichten sucht man hier vergeblich, denn Kurt ist meistens nur verfressen und grummelig. Und genau das lieben wir so, an dieser tollen Figur. Kurt ist unser Anti-Held, den wir hier in seinem vierten Abenteuer erleben dürfen.

Die Autorin Chantal Schreiber schafft es auch diesmal, uns mit einer turbulenten, witzigen Geschichte zu begeistern und zum Lachen zu bringen. Ihr Ideenreichtum ist einfach herrlich und das Vorlesen ist sowohl für meine Tochter als auch für mich immer ein großer Spaß. Die Dialoge sind sehr lebendig, man fiebert mit den Freunden, die auch in den vorhergehenden Bänden eine Rolle spielten, mit. Zudem gibt es Magie, wenn sie denn funktioniert und viele Überraschungen. Meine Tochter war auch diesmal wieder hin und weg, so dass ich immer mehr vorlesen sollte, was mir ganz recht war, weil ich genauso neugierig war, wie es weitergeht.

Illustriert wurde die Erzählung wieder einmalig von Stephan Pricken, der Kurt einfach die besten Gesichtsausdrücke ins Gesicht zaubert und die Slapstick-Komik der Geschichte richtig toll umsetzt. Wir haben uns gekringelt vor Lachen. Ein neuer Band von Kurt muss ganz dringend her! Und für die kleine Schwester am besten ein Bilderbuch.

Kurt ist ein Highlight und am liebsten würden wir mehr als 5 Sterne geben. Unbedingt (vor-)lesen!

Bewertung vom 03.04.2022
Aydemir, Fatma

Dschinns


sehr gut

Vom Leben dazwischen
30 Jahre lang hat Hüseyin, der aus einem kleinen türkischen Bergdorf stammt, als Gastarbeiter Schwerstarbeit in einer deutschen Eisenfabrik verrichtet, sich krumm gearbeitet, um sich im Ruhestand eine kleine Wohnung in Istanbul leisten zu können und dort mt Frau Emine den Lebensabend zu genießen. Auch sie hat unter dem Leben in Deutschland gelitten, wo sie ohne gute Sprachkenntnisse sehr isoliert in der kleinen Wohnung lebte und sich vorwiegend um Haushalt und die vier Kinder Sevda, Hakan, Peri und Ümit kümmerte. Doch noch bevor die Wohnung in Istanbul komplett eingerichtet ist, stirbt Hüseyin dort allein. Völlig geschockt reisen Frau und Kinder dorthin, während sie jeder für sich ihre Erinnerungen aufleben lassen.

Ich hatte von dem Buch die Leseprobe gelesen und weil ich viel mit Kindern mit Migrationshintergrund zusammengearbeitet habe, hat mich das Thema sehr interessiert und auch irgendwas in mir berührt. Die Autorin kannte ich vorher nicht und auch das Cover sagte mir eher wenig.

Der Aufbau der Geschichte ist gewöhnungsbedürftig, vielleicht auch ungewöhnlich, erschließt sich mir aber spätestens gegen Ende des Buches. Jedes Familienmitglied bekommt bei Fatma Aydemir genau eine Chance, seine Erinnerungen, Ängste, Ziele, Wünsche oder Sorgen und seinen Blick auf die Familie zu schildern, angefangen bei Hüseyin. Während die Sicht der Kinder von einem Erzähler in der dritten Person erzählt wird, ist es bei den Eltern anders, denn dort spricht eine Art Geist oder körperloses Wesen mit den beiden, das alles zu wissen scheint.

Der Text lässt sich sehr gut lesen, ist detailliert, aber nicht zu bildhaft. Jedes der Kinder berichtet von Ereignissen in der Vergangenheit, von Entscheidungen, die getroffen wurden, von Geheimnissen, davon wie sie zur Mutter und Hüseyin stehen und standen. Man merkt bald, dass es viel um Konventionen und Traditionen geht, die - obwohl man das in Deutschland nicht müsste - trotzdem aus Gehwohnheit beibehalten wurden.

So ging die älteste Tochter Sevda nie zur Schule, heiratete sehr früh und geriet in ein Leben, das dem ihrer Mutter glich, obwohl sie ganz anderes erreichen wollte. Ümit versucht seine sexuelle Orientierung zu verbergen, Peri studiert zwar, hat aber auch Erfahrungen mit Drogen und Hakan erfüllt nahezu alle Klischees des kleinkriminellen Tachodrehers. Nach und nach zeichnet sich das Bild einer Familie, die sich zwar teilweise integrieren, sich jedoch kaum von den alten Rollenbildern und Traditionen losgelöst hat und in der jedes Mitglied gegen seinen eigenen Dschinn ankämpft.

Zudem kommen Geheimnisse ans Licht, deren Geheimhaltung dafür sorgten, dass es immer wieder zu Ärger und dann zur Entzweiung kam. Vor allem zwischen Emine und Sevda. Das ganze Ausmaß der Tragik erfährt der Leser erst am Ende, welches mich betroffen gemacht, mich auch zu Tränen gerührt hat und das Leben der Familie im wahrsten Sinne des Wortes erschüttert. Gut zeigt die Autorin auch, wie "dazwischen" sich die Familie oft fühlt. In Deutschland Ausländer, im Heimatland ebenso. Das spiegelt auch die Erfahrungen wieder, die mir von KIndern mit Migrationshintergrund berichtet wurden.

Die erste Hälfte des Buches hätte etwas fesselnder sein können, schließlich gelingt dies im weiteren Verlauf der Geschichte zunehmend gut. Daher gebe ich "nur" 4 Sterne für diesen interessanten Blick auf eine Familie, die es verpasst hat, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Bewertung vom 03.04.2022
Laban, Barbara

Die Schule der Felidix / Mitternachtskatzen Bd.1


ausgezeichnet

Rettet die Königin!
Nova ist erst seit Kurzem in der neuen Schule, deren Räume versteckt auf dem Gelände des Tower of London liegen und in der Rektor Horatio jede Menge Katzen versorgt. Alles ist noch sehr ungewohnt für Nova, deren Vater angeblich einen Raub begangen hat und seitdem für seine zahlreichen Ausbrüche aus allerlei Gefängnissen bekannt ist. Jede Nacht schleicht sich Nova aus der Schule, um nach ihm zu suchen. Doch dann beobachtet sie, wie eine Truppe Katzen mit seltsamen Amuletten um den Hals eine andere Katze verschleppt. Und als wäre das nicht schon ungewöhnlich genug, konnte sie auch deren Hilferuf hören. Zusammen mit Freund Henry erfährt sie, dass sie zu den Felidix gehört, den Behütern der Katzen. Sie sollen helfen, die entführte Königin der Katzen zu befreien.

Bei "Mitternachtskatzen - Die Schule der Felidx" handelt es sich um den ersten Band der neuen Mitternachtskatzen-Reihe. Das tolle Cover, das schon auf jede Menge Katzenabenteuer und den Handlungsort London verweist hat uns auf Anhieb gefallen und nach dem Klappentext war eigentlich schon klar: Das müssen wir lesen!

Zwar fanden meine Tochter und ich den Anfang noch etwas verwirrend, weil zunächst die ganzen Umstände unbekannt sind, doch je weiter wir gelesen haben, umso gefesselter waren wir. Die menschlichen Protagonisten Nova und Henry haben meiner Tochter sofort gut gefallen. Beide sind zunächst unsicher und auch etwas traurig, da sie beide ihre Eltern gar nicht oder kaum sehen können. Da konnte man sich sofort gut hineinversetzen. Auch sehr sympathisch Henrys Schwierigkeiten mitten in der Nacht aufzustehen.

Zu den menschlichen Charakteren kommen dann noch die vielen verschiedenen Katzen, sowohl gute, als auch böse. Meine Tochter mochte die guten natürlich lieber, wobei ich sagen muss, dass beide Seiten wirklich toll beschrieben wurden. Vor allem Penelope, die die Macht an sich reißen möchte. Hin und weg war sie auch von den tollen, lebendigen Illustrationen, die dafür gesorgt haben, dass wir uns das Katzenreich und seine Bewohner viel besser vorstellen konnten. Und nicht nur die Seiten sind illustriert, auch die Szenen auf der Innenseite der Buchdeckel sehen einfach toll aus!

Der Schreibstil der Autorin war manchmal ruhig, meist spannend, sehr fesselnd und flüssig. Immer gerade so, wie es für die jeweilige Handlung passend war. Sehr gut hat uns gefallen, wie sie die Handlung in die englische Hauptstadt London und ihre Sehenswürdigkeiten einbettet. Das ist wirklich eine grandiose Kulisse und sie entwirft dazu eine Art Katzen-Parallelwelt.

Je weiter wir gelesen haben, umso spannender und rasanter wurde das Abenteuer, so dass wir gar nicht mehr aufhören wollten zu lesen. Dieser Plan zur Befreiung der echten Königin ist so gefährlich, dass man immer hofft, dass alles gut geht. Das Ende war dann wieder etwas ruhiger, brachte aber auch noch einige Fragen auf, so dass wir schon begierig auf Band zwei warten, der leider erst im Herbst erscheint. Ein tolles Buch, nicht nur für Katzenfans, sondern für alle, die gern magische Abenteuer lesen. 4,5 Sterne (aufgerundet auf 5)

Bewertung vom 03.04.2022
Schwandt, Dana;Schnicke, Stephanie

Easy Detox mit Ayurveda


ausgezeichnet

Detoxen auf Ayurvedisch für Anfänger und Wiederholungstäter
Vom Detoxen hatte ich schon einiges gehört, über Ayurveda wusste ich nicht wirklich viel. Beides sind aber Trends, die die sympathischen Autorinnen in diesem Buch zum Easy Detox verbinden. Dabei richtet sich das Buch sowohl an komplette Detox-Anfänger wie mich, aber auch an Menschen, die das schon mal gemacht haben und jetzt vertiefen wollen.

Das Buch hat einen logischen und sinnvollen Aufbau. Im ersten Teil erfährt man zunächst theoretisches Wissen über das Detoxen in Verbindung mit Ayurveda und dessen Philosophie. Auch wenn alles etwas esoterisch anmutet, erscheint es doch bei genauerer Betrachtung logisch. Die Texte sind gut verständlich und sehr positiv verfasst. Mich haben sie sehr motiviert.

Unter dem ersten Abschnitt werden nochmal Gründe für das Detoxen genannt, als es geht darum, welchen Nutzen der Körper daraus zieht. Ein wirklich sehr interessantes Feld. Um herauszufinden, welche Detoxart für mich geeignet ist, gibt es mehrere einfach auszufüllende Fragebögen mit klaren Auswertungsrastern. Sehr gut fand ich auch, dass am Ende des ersten Abschnitts noch einmal klar gegliedert die wichtigsten Detox-Empfehlungen und der Ablauf aufgezeigt werden. Auch mögliche Begleiterscheinungen werden erklärt und Tipps gegeben, wie man diese Begleiterscheinungen lindern kann. Diese vorausschauenden Hinweise, sind gerade für Einsteiger viel wert, da man eher durchhält, wenn man weiß, was auf einen zukommt.

Im zweiten Abschnitt folgen die Rezepte. Hier wurde an alles gedacht. Zunächst wird auf einer Extra-Seite der Umgang mit den Rezepten erläutert. Es folgt eine kurze Gewürzkunde, die auch die Detox-Typen berücksichtigt.

Die Rezepte beginnen mit dem Simple-Detox, der besonders für Anfänger geeignet ist. Dann steigert sich das Level. Alle Rezepte sind in Frühstück, Mittag- und Abendessen aufgeteilt. Portionsangaben, Zutaten und Zubereitung sind sehr strukturiert. Zudem sind Abwandlungen für die verschiedenen Detox-Typen durch Symbole, die man aus Abschnitt eins kennt, gekennzeichnet. Hervorragend sind die Fotografien zu den jeweiligen Rezepte, die einfach Lust machen, sie selbst auszuprobieren. Die Zutaten sind nicht zu ausgefallen und sind in Super- oder Biomärkten, notfalls auch via Onlineshopping erhältlich.

Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit verschiedenen Detox-Routinen, die während der Detox-Phase zur Reinigung, Seelenpflege oder als Unterstützung dienen. Auch diese werden gut begründet und verständlich erklärt. Dazu gehört Mundpflege, Selbstmassage, einfache Yogaübungen und Meditation. Ist der Detox beendet, geben die Autorinnen Empfehlungen, wie man nach dem Detox in den Alltag zurückkehrt.

Fazit: Ein tolles Buch vor allem für Detox-Einsteiger. Verständliche Erklärungen, machbare Rezepte und motivierende Hilfen sorgen dafür, dass man nicht nur entgiftet, sondern einfach auch körperlichen und seelischen Ballast loslassen kann. Sehr empfehlenswert! 5 Sterne