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Xirxe
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Hannover
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Bewertungen

Insgesamt 876 Bewertungen
Bewertung vom 04.10.2014
Hoffman, Beth

Ein Laden, der Glück verkauft


sehr gut

Teddy Overman hat das große Glück, sich in einer Arbeit verwirklichen zu können, die sie über alles liebt: Sie restauriert alte Möbel und es gelingt ihr auch mit Erfolg, diese in ihrem eigenen kleinen Geschäft zu verkaufen. Wie es trotz mancher Widrigkeiten dazu kam, wie ihr Leben überhaupt verlaufen ist, welchen Menschen sie begegnete, die ihr halfen und zur Seite standen - das wie auch die Geschichte ihrer Familie wird in diesem Roman von Teddy selbst erzählt. Es sind schöne wie auch schlimme Dinge von denen sie berichtet. Doch das Gute überwiegt mehr als deutlich, denn beinahe alle Seiten dieser Lektüre strahlen eine Liebe zum Leben, zu Menschen und Tieren aus, dass es einem ganz warm ums Herz wird ;-)
Wie könnte das Leben schön sein, wenn es in der Realität nur ein bisschen mehr so wäre wie in diesem Buch ;-) Im Ernst: Diese Geschichte quillt über vor gutherzigen, rechtschaffenen und wahrhaften Personen - und die wenigen Bösen werden auch recht schnell ihrer gerechten Strafe zugeführt. Zugegeben, das klingt nun sehr nach rosarotem Kitsch und Wölkchen. Und irgendwie ist es das auch, aber trotzdem liest es sich meiner Meinung nach deutlich besser als das 'Zeug' von Hedwig Courths-Mahler oder Rosamunde Pilcher. Auf irgendeine Art und Weise gelingt es der Autorin, all ihren ProtagonistInnen soviel Liebenswertes und Aufrichtiges einzuhauchen, dass man sich mit ihnen freut und fürchtet. Für fünf Sterne ist es mir ein bisschen zu viel heile Welt (auch wenn das Böse oder Schlimme durchaus existiert), aber vier Sterne für eine herzerwärmende Wohlfühllektüre hat sich das Buch schon verdient :-)

Bewertung vom 24.09.2014
Del Principe, Claudio

Italien vegetarisch


ausgezeichnet

Italienische Küche finde ich einfach köstlich, egal ob mit oder ohne Fleisch. Aber da ich versuche, meinen Fleischkonsum zu reduzieren, kommt dieses Kochbuch natürlich gerade recht. 150 aromatische und sehr unterschiedliche Gerichte gibt es, die nach Jahreszeiten und der Kategorie Jederzeit eingeteilt sind. Darunter befinden sich jeweils die Rubriken Antipasti - Pane & Pizza, Suppen, Salate & Gemüse, Pasta-Polenta & Reis sowie Süsses. Was sofort ins Auge fällt, sind die eher kleinen Zutatenlisten: zumeist sind es nur ein oder zwei Hauptzutaten, daneben noch Gewürze und Dinge wie das obligatorische Olivenöl und der unverzichtbare Knoblauch (sieht man mal von den süssen Sachen ab ;-)). Den meisten Gerichten werden zwei Seiten gewidmet: auf einer ist ein Bild zu sehen, die andere zeigt die Zutaten und das Rezept. Die Zubereitung der Speisen ist recht einfach gehalten, bei den bisher von mir gekochten Gerichten (Rigatoni mit Mangold, Zucchiniauflauf, geschmorte Paprika und Tropeazwiebeln in Essig) war das Einmachglas wohl das Komplizierteste ;-) Im Gegensatz zu anderen Kochbüchern dieses Preisniveaus wirkt dieses eher schlicht: Das Papier ist zwar von wirklich guter Qualität, doch wurde auf Glanzpapier verzichtet, was ich persönlich nicht als Nachteil empfinde - es senkt die Hemmschwelle, das gute Stück auch tatsächlich in der Küche zu benutzen ;-) Alles in allem: Ein Kochbuch, das bereits seinen festen Platz in meiner Küche besitzt!

Bewertung vom 24.09.2014
Rachman, Tom

Aufstieg und Fall großer Mächte


sehr gut

Mal wieder so richtig versinken in einem Buch, mitfürchten, -leiden, -freuen und was sonst noch alles mit der Heldin der Geschichte - ja, das gelingt mit dieser Lektüre schon ganz gut, wenn auch nicht perfekt. Aber was ist schon vollkommen im Leben ;-) ?
Tooly steht im Mittelpunkt dieser knapp 500 Seiten und man begleitet sie auf drei verschiedenen Abschnitten ihres Lebens, die nach und nach die Rätsel ihrer Vergangenheit offenbaren. Mit 10 Jahren kommt sie mit ihrem Vater nach Bangkok, wo sie die Menschen kennenlernt, die in der folgenden Zeit maßgeblich ihr Leben beeinflussen werden. Ungefähr 10 Jahre später in New York City, kurz vor ihrer Volljährigkeit, führt sie eine halbherzige Liebesbeziehung in einer WG, bevor sie mit einem radikalen Schritt all ihre Verbindungen löst. Und 2011, Tooly ist mittlerweile Anfang 30, lebt als Besitzerin eines nicht sehr gut gehenden Antiquariats in Wales, erreicht sie eine Nachricht aus ihrer Vergangenheit, die für sie noch immer mehr Unbekanntes als Bekanntes birgt. So macht sich Tooly wieder auf die Reise...
Es ist schon ein recht illustres und chaotisches Leben, das in einer sehr genauen und bildhaften Sprache von Tom Rachman hier beschrieben wird, wie beispielsweise gleich der erste Satz zeigt: 'Sein Bleistift schwebte über dem Verkaufsbuch, stieß, wenn Fogg einer Behauptung Nachdruck verleihen wollte, zum Blatt hinab, bis die Bleistifspitze auf's Papier traf, stieg gleich darauf wie ein Kunstflieger auf, um dann, wenn er wieder etwas betonte, erneut im Sturzflug niederzugehen, wodurch der immer stumpfer werdende Stift ein Sternenbild von Punkten rund um jenen einsamen Eintrag dieses Morgens hinterließ, der den Verkauf eines gebrauchten Exemplars von 'Landschnecken in Großbritannien' von A.G. Brunt-Coppell (Preis: 3,50 £) festhielt.' So versinkt man regelrecht in Toolys Leben, das immer konfuser zu verlaufen scheint - was mir irgendwann angesichts der merkwürdigen Personen, die nach und nach in ihr Leben treten, etwas zu viel des Guten wurde. Auch mit dem 'Fast-Ende' hadere ich etwas, in dem nach dieser doch sehr drastischen Enthüllung einfach - NICHTS passiert. Zumindest habe ich es so empfunden. Trotzdem: Es ist ein Schmöker mit einer bezaubernden Heldin und einer schönen Sprache, der die langen Herbstabende garantiert recht kurz werden lässt.
PS: Ist der Titel eine Anlehnung an das 1987 erschiene Buch von Paul M. Kennedy? Mit dem Motto '...dass eine imperiale Überdehnung eine Großmacht zum Niedergang führt.' (Quelle:wikipedia)?

Bewertung vom 17.09.2014
Mengestu, Dinaw

Unsere Namen


sehr gut

Zwei Erzählstränge umfasst dieses Buch, von denen einer sich langsam dem anderen annähert. Es ist Anfang der 70er in den USA, die Rassegesetze sind gerade einige Jahre zuvor aufgehoben worden, als die Sozialarbeiterin Helen den Auftrag erhält, sich um den afrikanischen Austauschstudenten Isaac zu kümmern. Es gibt nur wenige Informationen über seine Person und Helen beschleicht das Gefühl, dass er ein, wenn nicht mehrere Geheimnisse hat. Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) verliebt sie sich in ihn, eine Liebe, die ihr bisheriges Leben völlig durcheinanderwürfelt.
Der zweite Erzählstrang berichtet von Isaacs Leben in Uganda und wie er zu dem Menschen wurde, den Helen kennenlernt. Es ist die Geschichte eines armen Dorfjungen, der in der Hauptstadt eher zufällig in Unruhen und die Anfänge einer Revolution gerät und Zeuge wird, wie aus Liebe Entsetzen und Terror entstehen können.
Mir gefiel die Geschichte dieser zwei Menschen, die einerseits so viel gemeinsam haben, andererseits aber unglaublich viel trennt. Bei Beiden löst die Liebe erhebliche Veränderungen aus, doch die Erfahrungen die Isaac macht, bleiben Helen in dieser Grausamkeit glücklicherweise erspart. Dennoch wird auch ihr Leben schwieriger, denn die Liebe zu einem Afrikaner in jenen Zeiten ist alles andere als erwünscht. Leider werden die gesellschaftlichen Hintergründe nur grob umrissen - mehr Details hätten das Buch sicherlich um einige 100 Seiten anwachsen lassen können, was ich jedoch nicht als Nachteil empfunden hätte.
So bleibt es bei einer, nein zwei Liebesgeschichten vor dem Hintergrund der 70er Jahre in Uganda und den USA.

Bewertung vom 16.09.2014
Pizzolatto, Nic

Galveston


sehr gut

Roy Cady hat gerade keinen guten Lauf. Erst erklärt ihm der Arzt, dass er Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium habe; dann erteilt ihm sein Boss einen Auftrag, allerdings mit der Absicht ihn dabei umbringen zu lassen. Doch der Plan geht schief und Cody gelingt es zu flüchten. Mit dabei ist die junge Rocky, der er das Leben rettete sowie einige brisante Unterlagen, die seinen nunmehr Exboss derbe Schwierigkeiten machen könnten. Auf ihrer Flucht nehmen sie noch (gegen den Willen Roys) Rockys kleine Schwester Tiffany mit und mieten sich in Galveston an der texanischen Küste in einem schäbigen Motel ein.
Angekündigt wird diese Geschichte als Krimi bzw. Krimi Noir. Doch wer nun einen spannenden Reißer mit actionreichen Verfolgungsjagden oder ähnlichem erwartet, wird wohl enttäuscht sein. Sieht man von der Rahmenhandlung ab, einem überaus blutigen und gewalttätigen Beginn und (Fast)Ende, kann man das Ganze wohl eher als Introspektion eines Gangsters bezeichnen, der angesichts seines nahestehenden Todes eine Art Bilanz seines Lebens zieht, die nicht gerade berauschend ausfällt. Doch bevor er resigniert den Whiskyflaschen verfällt, entdeckt er eine weitere Seite an sich: Gegen seinen Willen beginnt er, sich für Rocky und ihre kleine Schwester verantwortlich zu fühlen...
Auch wenn die üblichen Action- bzw. Spannungselemente fehlen, mich hat diese Ich-Erzählung des Syndikat-Killers Roy Cady in seinen Bann gezogen, nicht zuletzt auch aufgrund der genialen Lesung Walter Kreyes. Seine leicht raue Stimme und sein lakonischer Tonfall geben die Person Roys überzeugend wieder - nichts wirkte aufgesetzt oder gekünstelt. Eine gute Geschichte in typischer Südstaatenmanier mit einem ebenso guten Vorleser!

Bewertung vom 14.09.2014
Clement, Jennifer

Gebete für die Vermissten


ausgezeichnet

Dass Frauen in vielen Gegenden dieser Welt unterdrückt, misshandelt und vergewaltigt werden, ist nichts Neues. Liest man jedoch diesen Roman, erhalten solche Fakten eine völlig andere Brisanz.
Die junge Ladydi erzählt uns von ihrem Leben im mexikanischen Guerrero, tief in den Bergen im Süden des Landes, wo Drogen- und Menschenhändler die Macht besitzen. Hier werden kleine Mädchen von ihren Müttern als Jungen verkleidet und als Teenager auf hässlich getrimmt: die Haare kurz geschnitten, die Zähne mit Filzer schwarz bemalt, alte Männerklamotten als Kleidung. Tauchen am Horizont SUVs auf, verstecken sich die Töchter in Erdlöchern. Dennoch werden immer wieder Mädchen entführt und verkauft, so auch eine der besten Freundinnen von Ladydi. Der Berg, auf dem sie mit ihrer Mutter wohnt, ist wie die übrige Gegend eine männerfreie Zone. Entweder sind die Brüder und Väter auf die Dealerseite gewechselt oder sie sind in die USA geflohen, wo sie ein neues Leben begonnen haben. Als Ladydi nach Acapulco geht um dort als Kindermädchen zu arbeiten, hofft sie die Schrecken ihrer Jugend hinter sich zu lassen. Doch nach kurzer Zeit findet sie sich in einem Alptraum wieder: sie wird des Doppelmordes an einem Drogendealer und seiner Tochter beschuldigt.
Jennifer Clement hat eine unglaublich bildhafte und direkte Sprache für ihre junge Protagonistin gefunden. Man sieht und fühlt die Szenarien unmittelbar vor sich und kann angesichts des alltäglichen Grauens und Elends, das die Frauen dort durchleben, nur ungläubig den Kopf schütteln. Es ist ein rauhes, heisses Land (über 40 Grad), das keinerlei Aussichten auf die geringste Chance einer Verbesserung verspricht. Die Drogenmafia regiert diese Gegend und man ist deren Wilkür vollkommen ausgeliefert.
Mir ist dieses Buch sehr nahe gegangen und ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich dafür bin, in einem anderen Teil der Welt geboren worden zu sein.
Ansonsten bleibt nur, den letzten Satz von Ladydis Mutter zu wiederholen: Bete bloß, dass es ein Junge wird.

Bewertung vom 02.09.2014
Hillenbrand, Tom

Letzte Ernte / Xavier Kieffer Bd.3


sehr gut

Xavier Kieffer, der luxemburgische Koch, steckt wider Willen mal wieder mittendrin in einem Verbrechen. Ein Unbekannter stolpert offensichtlich betrunken in Kieffers Stand auf der Luxemburger Kirmes und verliert dabei Schlüssel und eine Magnetkarte. Als der Fremde am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, rufen die beiden Männer, die am Vorabend nach ihrer eigenen Aussage ihren betrunkenen Freund heimbringen wollten, einen unguten Verdacht bei Xavier wach, der noch durch einen mysteriösen Anruf einer unbekannten Firma verstärkt wird, die die Rückgabe der Karte und der Schlüssel wünscht. Xavier beginnt zu ermitteln...
Auch in diesem dritten Band dreht sich der Krimi um ein aktuelles Thema: spekulative Wertpapiergeschäfte im Nahrungsmittelbereich. Doch keine Sorge: Selbst für völlig unwissende Lesende wird hier in verständlicher wie auch unterhaltsamer Form eine Art Einführung zu diesem Gebiet geliefert. Das Ganze ist um einen angenehm spannenden Krimi drumrum gestrickt, der wie üblich jede Menge luxemburgisches Lokalkolorit liefert (wobei mir einfällt: Ich war immer noch nicht dort ;-)).
Gefehlt haben mir indes die ausführlichen Koch- und Essbeschreibungen der vorherigen Bücher. Nicht, dass in diesem Band davon nicht die Rede wäre. Aber es fällt doch deutlich weniger detailgetreu aus und kommt auch seltener zur Sprache - was ich eindeutig daran festmachen kann, dass mir beim Lesen kaum das Wasser im Munde zusammenlief und ich dieses Mal an keinem Rezept Interesse zeigte.
Doch alles in allem: Eine schöne kurzweilige Krimiunterhaltung mit sympathischen Figuren und viel luxemburgischen Flair.

Bewertung vom 29.08.2014
Kremser, Stefanie

Der Tag, an dem ich fliegen lernte


sehr gut

Auch wenn Luisas Eintritt ins Leben etwas, nun ja, ungewohnt luftig war, scheint sie doch ein vom Glück begünstigtes Kind. Ihre Mutter Aza lässt sie kurz nach der Geburt aus ihrem Zimmer im 5. Stock des Krankenhauses fallen, doch wie ein Wunder wird sie von Fergus' großen Händen aufgefangen, der zufällig gerade zur Stelle ist. Da Aza verschwunden ist, zieht Luisa zu ihrem Vater Paul in die Studenten-WG und ihr Lebensretter kommt gleich mit. So wächst die Kleine wohl behütet und geliebt in einem unorthodoxen Umfeld auf, sodass das Fehlen ihrer Mutter ihrem Vater mehr zu schaffen macht als Luisa. Als sich sieben Jahre später, wie der Zufall es will, ein Lebensumbruch für beinahe alle WG-BewohnerInnen abzeichnet und nun auch die ersten Fragen von Luisa nach ihrer Mutter kommen, entscheidet Paul, sich gemeinsam mit seiner Tochter auf die Suche nach Aza zu machen.
Drei Teile umfasst diese schön zu lesende Familiengeschichte, die von Luisa als 20jähriger erzählt wird: Zuerst von ihrem wohlbehüteten Aufwachsen in der WG und den dort lebenden und teilweise wechselnden BewohnerInnen. Dann folgt der Aufbruch mit ihrem Vater, um Azas Vergangenheit in Deutschland aufzuspüren und zuguterletzt machen sich die Beiden nach Brasilien auf, wohin Azas Spur führt und Paul eine Stelle als Referendar bekommen hat. Sehr liebevoll und lebendig werden all die Menschen beschrieben, die Luisa von klein auf um sich hat und ich konnte gut nachvollziehen, wie sie diese ihr zugewandte Aufmerksamkeit und Liebe zu einem glücklichen und fröhlichen Kind machte - auch ohne Mutter. Wie heisst es in einem afrikanischen Sprichwort: Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf. Hier ist es eine WG - und die macht ihre Sache gut :-)
Abwechslungsreich und überwiegend vergnüglich liest sich diese Suche nach Aza, denn selbst die traurigsten Stellen (und davon gibt es einige) bleiben es nicht allzu lange. Lediglich der Umstand, dass hier eine sehr junge Frau in einer derart lebendigen Wortvielfalt erzählt, die ich einer 20jährigen schlicht nicht zutraue (ich bitte schon im Voraus alle 20jährigen um Entschuldigung, falls ich ihnen Unrecht tue ;-)), wirkte zu Beginn etwas irritierend auf mich.