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bolie
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Langscheid

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Insgesamt 960 Bewertungen
Bewertung vom 14.10.2021
Stachniak, Eva

Die letzte Tochter von Versailles


sehr gut

Der französische König Ludwig der XV. war bekannt für seine Vorlieben. In seinem Bett bevorzugte er sehr junge und besonders hübsche Mädchen. Das musst auch Veronique im Jahr 1755 erfahren. Sie galt als heranwachsende und bald erblühte Schönheit und ihre Mutter „verkaufte“ sie gerne. Sie gelangte also an einen Haushalt, der zum Dunstkreis des Königs gehörte. Dort lernte sie, wie sie als Dame von Welt zu agieren hatte. Also, wie sie essen, sich kleiden und auszudrücken hatte. Schon bald führte man sie dem König zu und sie wird ist sehr bald „sein Mädchen“. Aber, oh Wunder, als sie schwanger wird, musste sie gehen. Das bestimmte die Königin. Schließlich sollten ja die „Eskapaden“ des Herrschers nicht publik werden. Sie wird zwar so gut versorgt, dass sie künftig wohl keine Not mehr leiden muss. Aber ist das alles, was von den Liebesschwüren des Königs übrig bleibt? Veronique kann und will es nicht glauben.

Das Buch ist sehr detailverliebt geschrieben. Das war mir dann doch zwischendurch zu viel. Es gibt etliche Passagen, die meiner Meinung nach nicht so recht zum Thema passen. Was mir aber sehr gut gefiel, das waren die Fakten aus der Geschichte. Davon soll dies ein Sachverhalt verdeutlichen:

Angélique du Coudray war Hebamme und sorgte bereits zu jener Zeit dafür, dass Hebammen und Geburtshelfer eine fundierte Ausbildung durchliefen. Und nicht nur das. Sie erfand die sogenannte „Maschine“. Dabei handelte es sich um eine Puppe, an der Handgriffe geübt werden konnten. Und zwar jene, die bei einer Geburt wichtig waren. Bei ihren Schülern musste also niemand am lebenden Objekt üben und es bestand keine Gefahr der Verletzung von werdenden Müttern und Babys.

Neben der Darstellung von Charaktereigenschaften des Königs, beschreibt die Autorin auch die Zeit vor der Revolution. Auch das ist bildhaft und ansprechend geschrieben. Von mir gibt es vier Sterne und eine Empfehlung, zumal auch das Cover sehr gut zum Inhalt des Buches passt.

Bewertung vom 11.10.2021
French, Tana

Der Sucher (eBook, ePUB)


sehr gut

Cal Cooper verließ die USA und kaufte sich ein Haus in Irland. Das wollte er nach seinen Vorstellungen in Ruhe herrichten. Zwar gibt es einen neugierigen Nachbarn aber das stört Cal nicht wirklich. Nur dieses Gefühl, bei dem sich ihm die Nackenhaare aufrichten, das nervt gewaltig. Er fühlt sich beobachtet. Rasch bestätigt sich sein Verdacht. Ein Kind streift immer wieder in seinem Garten herum und schaut ihm beim Arbeiten zu. Als er dann endlich ein Gespräch beginnen kann, wird sein Vorhaben, den Cop in ihm zu vergessen, im Nu hinfällig. Er wird Der Sucher.

Tana French ist Bestsellerautorin und steht wohl immer wieder auf den ersten Plätzen gängiger Listen. Für meinen Geschmack schreibt sie sehr langatmig und mir fehlte der „rote Faden“. Ansprechend empfand ich die Schilderung von Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Die mit Vorurteilen überschüttet werden und nicht zur Dorfgemeinschaft gehören. Das Buch ist also eher ein kritischer Bericht über Menschen in Ausnahmesituationen als ein spannender „Pageturner“. Die Autorin hat ihren eigenen Stil und die Übersetzer Ulrike Wasel und Klaus Timmermann hatten es gewiss nicht leicht. Daher erwähne ich ihre sehr gute Arbeit ausdrücklich.

Bewertung vom 05.10.2021
Schier, Petra

Das Kreuz des Pilgers / Pilger Bd.1


sehr gut

Das Mittelalter ist eins der Spezialgebiete von Petra Schier. Dass diese Zeit keineswegs „dunkel“ war, belegt sie einmal mehr mit ihrem neusten Roman „Das Kreuz des Pilgers“.

Reinhild und ihr Ehemann reisen heimwärts nach Koblenz. Sie haben eine lange Pilgerfahrt hinter sich und sind froh, dass sie bald ihren kleinen Sohn Hannes in die Arme schließen können. Doch es kommt ganz anders. Die Handelskarawane wird überfallen und Reinhilds Mann rettet mit seinem Leben das eines Kindes. Zwar ist das für die Witwe ein großer Schock, jedoch sie will und muss an ihren Sohn denken. Nicht nur, dass sie sich eine Beschäftigung sucht, um ihren Geist wach zu halten und sich abzulenken. Nein, sie weiß gut, dass sie sich erneut vermählen muss. Davor fürchtete sie sich, da auch ihr Vater bei der Wahl des Ehemannes ein Wort mitsprechen wird.

Von guten Historischen Romanen erwarte ich, dass sie gründlich recherchiert und nicht mit irgendwelchen Phantastereien oder hypererotischen Abenteuern daherkommen. „Das Kreuz des Pilgers“ nahm mich mit auf eine weite Reise in die Vergangenheit. Direkt am Anfang gibt es den Stadtplan von Koblenz, da hier viele Stationen der Geschichte besucht werden. Der Plan macht das Zurechtfinden in dem Gebiet recht einfach.

Lebendig und sehr bildhaft geschrieben, hält die Autorin auch ein gerüttelt Maß an Spannung bereit. Was mich sehr berührte, das waren die Ängste und Anfeindungen, die viele Menschen damals erleiden mussten. Und nur, weil sie nicht so waren, wie es die Oberen der Kirche vorschrieben. Viele Menschen hatten eine Buchstabenglauben und ließen sich kaum davon abbringen.

Neben Koblenz kommt auch Köln in dem Roman vor und sogar Bekannte aus den Büchern über den Lombarden traf ich erneut. Einige Elemente aus der Urban Fantasy sind ebenfalls dabei. Das stört allerdings nicht, da es im Mittelalter viele Menschen gab, die an Übersinnliches glaubten. Und die Geschichte rund um den Gral fasziniert ja etliche bis heute noch. Ein lesenswertes und zugleich lehrreiches Buch. Dass es einige Cliffhanger gibt, ist klar. Denn das ist der erste Band einer Reihe.

Bewertung vom 01.10.2021
Vor Schulte, Stefanie

Junge mit schwarzem Hahn (eBook, ePUB)


sehr gut

Der 11jährige Martin musste schon sehr jung alleine klarkommen. Ohne Eltern und Geschwister. Einen treuen Freund hat er aber noch: den schwarzen Hahn, der ihm kaum von der Seite weicht. Als ein Maler ins Dorf kommt, nimmt er den Jungen mit. Denn er merkt rasch, wie intelligent und umgänglich Martin ist. Die Vorbehalte der Menschen aus dem Dorf kann der Maler nicht nachvollziehen. Aber so war das damals. Wer Waise war, der wurde von den Mitbewohnern kaum beachtet.

„Junge mit schwarzem Hahn“ fällt in jedem Buchladen auf, weil das Cover so einzigartig ist. Hier wurde ein Gemälde Pablo Picassos verwendet und das harmoniert perfekt mit der Geschichte. Es stammt aus dem Jahr 1905 und der Titel ist: „Garcon á la Pipe“. Das Buch lässt sich nicht einfach mal „nebenbei“ lesen. Dafür ist die Sprache zu eigen und die Story teilweise mit Elementen der Phantasie bestückt. Der Junge erlebt gute und schlechte Tage und nicht alle Menschen kommen mit offenen Armen auf ihn zu.

Am Schluss des Buches gibt es einen Einblick in die Gedanken der Autorin. Sie berichtet darüber, warum sie das Werk schrieb und welche Botschaft sie vermitteln wollte. Nein, es ist kein Schmöker und trifft nicht jedermanns Geschmack. Lesenswert fand ich es aber trotzdem und zwar für alle, die hochwertige Literatur mögen. Ein tolles Debüt.

Bewertung vom 29.09.2021
Reyer, Sophie

1431 (eBook, ePUB)


sehr gut

Um Johanna von Orléans ranken sich etliche Sagen und Legenden. 1431 ist ein gut recherchiertes Buch über jene Frau, die als Nationalheldin Frankreichs in die Geschichte einging. Aufgewachsen in Armut und stets ihrer Großmutter lauschend, entwickelte sie sich zu einer Persönlichkeit, welche stets die Stimme Gottes hörte. Auch viele Heilige sah sie vor sich und auch mit denen führte sie lange Gespräche.

1431 ist ein Roman und doch steckt viel Wahrheit in dem Buch. Die Autorin schreibt immer wieder abwechselnd vom Leben der Johanna und dann von ihrer Zeit im Gefängnis. Was trieb sie um und warum wollte sie unbedingt ihr Elternhaus verlassen und in den Krieg ziehen? Welche Bedeutung hatte der König für sie? Ausgesprochen brutal fand ich die Schilderungen aus dem Gerichtssaal. Wie die hohen Herren der Kirche immer wieder versuchten, ihr Ketzerei nachzuweisen. Ja, man wollte sie töten, egal aus welchem Grund. Grausam, wie damals der Umgang mit Menschen war, die sich nicht in allen Dingen der Obrigkeit beugten.

Das Buch ist außergewöhnlich geschrieben. Die Worte gleichen einer Melodie und immer wieder klingen die Töne so ganz anders. Ich meine, dass es ein „typisches“ Buch für die jährlichen Buchpreise von Deutschland oder Österreich ist. Will sagen, kein Werk zum nebenbei lesen, sondern eins für anspruchsvolle Liebhaber der Literatur.

Bewertung vom 26.09.2021
Hanke, Kathrin

Als die Flut kam (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Es ist im Jahr 1945, als viele Flüchtlinge in Hamburg eine neue Heimat suchten. Sie kamen in langen Trecks und oft sogar per pedes. Unter ihnen war Anne, die von ihrer Mutter begleitet wurde. Der Vater starb im Krieg. Das Elend dieser Menschen rührte auch die Familie Becker. Sie stellten den beiden Frauen Anne und Mutter ihre Laube in einer Kolonie zur Verfügung. Zwischen Anne und Johannes Becker entwickelte sich eine innige Freundschaft. Für Johannes sah diese allerdings so ganz anders aus, als für Anne.

Eine Sturmflut erschütterte Hamburg im Februar 1961. Viele Menschen starben und etliche Wohnungen und Häuser waren unbewohnbar. Die Ursachenforschung damals zeigte Erschreckendes. Es gab keinen Katastrophenschutzplan. Eine Mitschuld kann durchaus der britischen Militärverwaltung angelastet werden. Die Autorin schreibt im Anhang sehr ausführlich über ihre Recherchen zum Thema.

„Als die Flut kam“ erschien nur wenige Wochen nach den Ereignissen rund um Ahr und Erft. Die Autorin beschreibt die Situation der Betroffenen in Hamburg recht deutlich und die Furcht vor einem Tod durch Ertrinken war für mich spürbar. Die Spannung hielt sich allerdings in Grenzen. Sehr früh war mir klar, wie die Geschichte endet, also wer Täter war. Das ist eigentlich schade, da die Idee zum Krimi gut gewählt ist.

Bewertung vom 25.09.2021
Halle, Karina

Deluxe Nights / Dumont Saga Bd.3 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der finale Band einer Trilogie um Geld, Macht und Liebe hat mich überzeugt. Deluxe Nights dreht sich dieses Mal um den Fiesling Pascal. Als Sohn eines Dumont - Inhabers, der wohl zudem auch am Mord seines Bruders beteiligt war, hat auch Pascal keinen guten Ruf. Er gilt als arrogant und nimmt sich die Frauen so, wie es ihm beliebt. Sein unvorstellbarer Reichtum zieht sie an wie die Motten das Licht. Ein Playboy, wie er im Buche steht. Jetzt kommt Gabrielle, die Tochter der Hausangestellten zurück. Schon die erste Begegnung mit ihr fasziniert Pascal so sehr, dass er sie als Mädchen für alles einstellen möchte. Sie sträubt sich zunächst und der junge Mann fühlt sich in seiner Ehre gekränkt.

Ja, jetzt ist es leider vorbei mit dem Auf und Ab bei den Dumonts. Alle drei Bände las ich mit Neugier und auch dieser Band Deluxe Nights gefiel mir gut. Bei diesem ging es um Pascal, dem Sprössling des Fieslings und dem angeblichen Mörder seines Bruders. Und um Gabrielle, die im Hause Dumont nicht nur schöne Stunden erlebte. Direkt am Anfang schrieb die Autorin eine Triggerwarnung und das war gut so. Wer von sexuellem Missbrauch und Gewalt betroffen ist oder war, der sollte das Buch nur mit Vorsicht genießen.

Spannend war es und es gab einige Wendungen, mit denen ich nicht unbedingt rechnete. Den Schluss fand ich gut durchdacht und ereignisreich. Wie in den Krimis halt üblich. Ja, es war auch vorhersehbar aber das störte mich bei diesem Buch absolut nicht. Es ist ein Schmöker für zwischendurch, der vorzüglich zum Ablenken von den Sorgen des Alltags taugt.

Bewertung vom 22.09.2021
Neumann, Constanze

Wellenflug


sehr gut

Wellenflug ist ein sehr persönlicher Roman, der auf vielen Fakten beruht. Zwei Frauen und ihr Schicksal sind Hauptbestandteile des Buches. Anna Reichenheim lebt in gut situierten Verhältnissen und ist bemüht, ihre Kinder nach dem jüdischen Glauben zu erziehen. Ihr jüngster Sohn Heinrich schert sich allerdings nicht darum und heiratet sogar eine Frau, die nicht dem Stand und der Religion der Reichenheims entspricht. Welch ein „Unglück“. Anna wird sich Zeit ihres Lebens weder mit Sohn noch mit Schwiegertochter versöhnen.

Constanze Neumann hörte viel von der Zeit, als Juden in Deutschland verfolgt wurden. Ihr Großvater berichtete davon. Einige Fragen blieben allerdings offen und sie begann zu recherchieren. All die Erkenntnisse verarbeitete sie in diesem Buch. Sie schreibt in zwei langen Kapiteln und beginnt mit dem Leben von Anna. Der zweite große Abschnitt ist dann Marie gewidmet.

Es ist ein einfühlsam und mit viel Empathie geschriebenes Buch. Vorrangig geht es um eine große Liebe, die gegen viele Widerstände anzukämpfen hatte. Der sich stetig aufbauende Hass gegenüber Juden wurde von der Autorin gefühlvoll dargelegt. Beide Frauen mussten durch ein Tal der Tränen gehen und fanden dennoch nie zusammen. Ein Roman, der zeigt wie schwer es ist, seine Kinder loszulassen. Selbst wenn sie einen Weg gehen, der Vater oder Mutter nicht zusagt, sollte der Eigensinn nicht siegen. Die Idee zum Titel des Buches stammt von einer Attraktion bei Kirmes und Jahrmarkt, dem Wellenflug. Auch dabei geht es um ein Hinauf und Hinunter, genau so, wie es im Leben ebenfalls ist.

Bewertung vom 21.09.2021
Behrens, Emma

Das Haus der Libellen (eBook, ePUB)


sehr gut

Sophie bekommt einen Brief von ihrer einst besten Freundin. Die teilt ihr mit, dass ihre Eltern tödlich verunglückt und ihr Bruder Noah verschwunden sei. Gleichzeitig bittet sie, dass Sophie eine Weile zu ihr kommt, unter anderem um Noah zu suchen. Sophie nimmt sich eine Auszeit und fährt nach Hamburg. Dort erlebt sie nicht nur Wechselbäder ihrer Gefühle. Immerhin war Noah einst ihre große Liebe und hat sie Knall auf Fall und ohne Vorwarnung verlassen. Und das Haus… Welch eine finstere Atmosphäre, in der Sophie lebt. Einzig ihre Liebe zu Libellen hält sie aufrecht und gibt ihr Lebensmut.

„Das Haus der Libellen“ erschien im dumontbuchverlag und stammt aus der Feder von Emma Behrens. Sie studierte unter anderem Philosophie und das habe ich beim Lesen eindrucksvoll erkannt. Der Roman hat es in sich. Hier gibt es Schilderungen aus der Gegenwart und auch immer wieder einen Blick in die Vergangenheit. Als die drei Hauptpersonen Kinder waren, wann und wo sich Sophie verliebte und auch die Schwierigkeiten mit den Eltern beider Familien werden geschildert.

Mich haben die Ausführlichkeit und zuweilen dann doch die zu unrealistisch geschilderten Sachverhalte gestört. Wobei die philosophischen Ansätze interessant waren. Aber die ganze Geschichte kam mir holprig vor. Allerdings erkenne ich bei meiner Bewertung an, dass es der erste Roman von Frau Behrens ist. Und das macht Hoffnung auf weitere Bücher, die dann mit Sicherheit auch immer besser werden. Was aber sehr schön und einzigartig gestaltet wurde, das ist das Cover. Für mich eines der besten, von all den vielen Covern, die ich in diesem Jahr sah.