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Leseigel
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Villingen

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Insgesamt 1082 Bewertungen
Bewertung vom 12.06.2022
Engel, Cornelia

Im Schein der Morgenröte


ausgezeichnet

gelungene, abwechslungsreiche Fortsetzung
Elisabeth versucht weiterhin Zutritt zum exklusiven Kreis der Pflanzer zu bekommen. Noch immer konnte sie keinen Handel über die von ihrem Bruder geforderten Gewürznelken abschließen. Nur gut, dass sie Preston absolut vertraut und sich seiner Liebe sicher ist, bis dieser einen unverzeihlichen Fehler begeht. Nun steht Elisabeth alleine da und ihr bleibt nur noch Gramberg als letzter Ausweg. Ein gefährliches Spiel beginnt.

Schon im 1. Band habe ich Elisabeth, die ich für ihren Wagemut und Standhaftigkeit weiterhin bewundere, gewünscht, dass sie mit Preston glücklich wird. Zuerst deutet alles daraufhin, dass es so kommt. Es gibt ein paar sehr gefühlvolle Szenen zwischen den beiden, die nicht kitschig sind.

Dann begeht Preston diesen Fehler, den ich ihm so nie zugetraut hätte. Ich habe aufrichtig mit Elisabeth gelitten. Gleichzeitig war ich entsetzt, dass nun Gramberg, dem ich schon im 1. Band misstraut habe, wieder eine wichtige Rolle übernimmt. Auch weil er den Eindruck vermittelt, aufrichtige Gefühle für Elisabeth zu entwickeln.

Dann überstürzen sich die Ereignisse und es gilt einen Abschied von einer lieb gewonnen Figur zu nehmen. Das kam überraschend und hat mich deshalb sehr getroffen.

Wie erhofft, glätten sich die Wogen am Ende des Buches und die Autorin schenkt mir nochmals eine sehr romantische und bewegende Szene.

Ich kann das Buch jedem ans Herz legen, der sich für historische Liebesromane begeistert. Die Geschichte bietet viele emotionale Momente, einiges an Spannung, viel Exotik verbunden mit einem interessanten historischen Hintergrund. Ich habe den Roman mit Begeisterung gelesen und hoffe auf mehr Lesestoff aus der Feder der Autorin.

Bewertung vom 09.06.2022
Fondraz, Charlotte

Der Prinz im Labyrinth


ausgezeichnet

Die Minotaurus - Sage überzeugend neu erzählt
ch habe als Jugendliche die klassischen Sagen geliebt. Deshalb war ich sehr gespannt , was die Autorin aus dem mir bekannten Sachverhalt gemacht hat.

Die Geschichte wird als Mordermittlung dargestellt. Asterion, Sohn von Pasiphae, Mina und Königin von Knossos, wird in seinem Zimmer im Palast tot aufgefunden. Es gab Gerüchte, er sei das uneheliche Kind der Königin mit dem Sklaven Tauros. Als man den Toten findet, fehlt auch jede Spur von der Königstochter Ariadne und dem Athener Theseus. Beide hatten gute Gründe, Asterion zu töten.

Pasiphae lässt Daedalos und seinen Sohn Ikarus gefangen nehmen, da sie ihnen eine Beteiligung an der Tat unterstellt. Bei einem Fluchtversuch, stürzt Ikarus zu Tode.

Die Lösung des Kriminalfalles ist am Ende eine echte Überraschung und hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Ein Kompliment an die Autorin ! Ich finde, sie hat die Sage überzeugend , mit Respekt und ohne sie in einer Form zu beschädigen neu erzählt. Alle wesentlichen Punkte finden sich wieder und werden logisch und für unser heutiges Empfinden realistisch wiedergegeben. Ein gutes Beispiel hierfür ist Ikarus Tod. In der Sage kommt er der Sonne , dem Licht, zu nahe und stürzt ab. Hier fällt er in einen Lichthof.

Auch die Art und Weise , wie die Autorin die Geschichte erzählt, war in meinen Augen packend und hat die Spannung hoch gehalten. Die Ereignisse werden abwechselnd im Rückblick beginnend mit Pasiphaes Krönung und der Gegenwart sowie aus der Sicht der Beteiligten geschildert. So fügen sich die einzelnen Puzzleteile zu einem überraschenden Ganzen.

Bewertung vom 09.06.2022
Dicken, Dania

Traum von Ruhm und Tod (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Tod in Hollywood
In Hollywood wird der bekannte und beliebet Schauspieler Devon ermordet. Zurück bleibt seine trauernde Witwe Lucy, auch sie ein Star, wenn auch weniger erfolgreich.

Nathan, ein alter Weggefährte von Libbys Mutter Sadie kommt mit seinen Ermittlungen nicht voran und bittet die BAU um Unterstützung. Libby, Julie und der Kollege Dennis machen sich auf in die glitzernde Welt des Films. Nach Durchsicht der Ermittlungsakten gerät ein Erpresser und möglicher Stalker von Lucy in Verdacht. Der Fall eskaliert, als der mögliche Täter in das Haus des Mordopfers eindringt. Plötzlich sind Libby und Julie wie vom Erdboden verschluckt und die einzige Person, die Licht ins Dunkel bringen könnte, schweigt beharrlich.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich durch die Inhaltsangabe erfuhr, dass es dieses Mal nach Hollywood geht. Ich fand die Nachforschungen in dieser Scheinwelt, hinter der sich ein Haifischbecken verbirgt, sehr spannend und eine schöne Abwechslung zu den üblichen Schauplätzen.

Routiniert nehmen Libby und Julie ihre Arbeit auf. Der Fall scheint schnell geklärt, so fern man des Täters habhaft werden könnte. Kurz vor dem Ziel verschwinden Libby und Julie spurlos. Zuerst bin ich Zeugin der Geschehnisse rund um die beiden. Mitten in einer prekären Situation nimmt die Autorin plötzlich einen Ortswechsel vor. Nun finde ich mich im Polizeirevier wieder, wo man fieberhaft nach den Frauen sucht. Das war ein absolut gelungenes Manöver, da es die Spannung beträchtlich in die Höhe treibt. Ich tappe nun wie die übrigen Polizeikollegen im Dunkeln über das Schicksal der FBI-Agentinnen.

Die Lösung hat mir gut gefallen und obwohl einige Punkte für den Täter sprechen, wollte sich kein Mitleid einstellen. Hier fand ich, dass die Kälte und Arroganz mit der die Tat ausgeführt wurde, jedes Verständnis erstickt.

Besonders erwähnen möchte ich noch die geschilderte Gerichtsverhandlung, die den Fall aus dem vorigen Band abschließt. Für mich war die Darstellung absolut realistisch und ein gutes Beispiel, mit welch abstrusen Argumenten Verteidiger versuchen, ihre Mandanten rein zu waschen. Es war ein Vergnügen , das zu lesen.

Wieder ein packender und lesenswerter Fall aus der Feder der Autorin !

Bewertung vom 07.06.2022
Giordano, Mario

Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen / Die Carbonaro-Saga Bd.1


sehr gut

Großartig erzählte Familiengeschichte
Barnaba Carbonaro wird 1880 in Sizilien in eine arme Familie geboren. Schon als Junge verdingt er sich auf den Mandarinenplantagen das ansässigen Patriarchen. Und Barnaba ist sich sicher, er wird mit Mandarinen reich werden. Obwohl er nicht lesen und schreiben kann, baut er sich ein Imperium mit Mandarinen auf, denn er hat eine Begabung für Zahlen.

Im 1. Weltkrieg verliert er alles, fängt von vorne an. Durch eine Laune des Schicksals verschlägt es ihn nach München und er weiß plötzlich, hier will er bleiben.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefangen genommen. Zuerst war ich überwältigt von der bilderreichen Sprache, die es mir ermöglichte zu riechen, zu schmecken und in Gefühlen zu baden. Bald schon zieht mich Barnabas Geschichte in ihren Bann.

Die Armut, die Gewalt, die Barnaba in der Familie und dann beim Arbeiten erlebt, ist kaum auszuhalten. Ich habe mich mehrmals gewundert, wie Barnaba es überlebt und seine Träume am Leben halten konnte. Unbeirrt nutzt er seine Chancen, die ihm manchmal unvermittelt in den Schoß fallen.

Er verliebt sich, heiratet eine andere und zeugt Kinder. Er besitzt den Instinkt fürs Geschäft. Was ich nie verstanden habe. warum er nicht lesen und schreiben und später deutsch lernt. So bleibt er immer von anderen abhängig. So leicht er Vermögen anhäuft, so leicht scheint es ihm zu fallen, es zu verlieren. Das hat mich sehr beeindruckt.

Obwohl ich Barnaba sein ganzes Leben begleite, bleibt er mir dennoch fremd. Ich bleibe unbeteiligter, aber interessierter Zuschauer , was mich aber nicht gestört hat.

Mein Lesevergnügen ergab sich aus der überschäumenden Phantasie und Erzählkunst des Autors, die manchmal etwas märchenhaftes hatte. Und diese unbändige Lebenslust, die Barnaba für mich verkörpert.

Bewertung vom 06.06.2022
Engel, Henrike

Ein Leben für das Glück der Kinder / Die Hafenärztin Bd.2


ausgezeichnet

Der 2. packende Fall für die Hafenärztin
Hamburg 1911 - Zeit der großen Auswanderungswelle
Für die einen ist es die Hoffnung auf ein besseres Leben, für die anderen eine gute Möglichkeit, sich die Taschen zu füllen.
Anne Fitzpatrick, Ärztin mit eigener Praxis, aktiv in der Frauenbewegung und belastet mit dunklen Punkten aus der Vergangenheit, arbeitet zusätzlich im Veddel, dem abgesonderten Wartebereich der Auswanderer.
Helene Curtius, gebildete Bürgertochter, frauenbewegt, arbeitet dort als Lehrerin. Als Kinder unter ungeklärten Umständen erkranken und sogar sterben, sind die beiden alarmiert. Gift scheint die einzige Erklärung, wird aber von der Leitung als Hirngespinst abgetan. Nur Kommissar Rheydt nimmt die Angelegenheit ernst. Zumal er einen Zusammenhang zu einem Mord im Mädchenhändlermilieu vermutet.
Aber wer sollte vom Tod der Auswandererkinder profitieren ?
Das ist der 2. Band, in dem die Hafenärztin Anne Fitzpatrick eine Hauptrolle spielt. Auch ohne Vorkenntnisse lässt es sich der Handlung gut folgen, da wichtige Informationen in der Geschichte erwähnt werden.
Mir eröffnet sich mit dem Betreten des Veddels eine völlig neue Welt. Ich wusste um die Auswanderungswelle, aber nicht wie es organisiert war und nichts über die Gefahren, vor allem für die jungen Mädchen. Das Ausmaß des Mädchenhandels hat mich erschreckt und gleichzeitig traurig gestimmt bei dem Gedanken, dass sich in den letzten hundert Jahren in dieser Hinsicht nichts geändert hat.
Anne und Helene waren mir beide gleichermaßen sympathisch. Ich konnte sie für ihren Mut, Stärke und Einsatz für die Frauenrechte nur bewundern. Um so überraschender und auch empörend empfand ich, dass Anne sich den Anfeindungen der "Lilith", einem Zusammenschluss militanter jüdischer Frauen, ausgesetzt sieht.
Zwiegespalten bin ich gegenüber dem Kommissar Rheydt. Mich hat seine akribische Ermittlungsarbeit beeindruckt und dass er den neuen Ideen der Frauenbewegung offen gegenüber steht. Weniger gut gefallen hat mir seine Rückwärtsgewandtheit im privaten Bereich.
Gefreut habe ich mich über historische Einsprengsel wie etwa das schlechte Ansehen des Fußballs oder die halsbrecherische Fahrt mit einem Mercedes durch die Nacht. Diese Kleinigkeiten machen den Roman lebendig und geben ein unterhaltsames Bild der damaligen Zeit.
Neben dem historischen Rahmen überzeugt das Buch mit der fesselnden Krimihandlung. Die war nervenaufreibend und gibt zugleich gute Einblicke in die sozialen Zustände. Überzeugend fand ich, wie die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt wurden. Das Ende war furios und hat mir zuletzt nochmals einige bange Lesemomente beschert.

Bewertung vom 05.06.2022
Baumgartner, Michaela

Seidenwalzer


sehr gut

Wiener Liebeswirrungen
Wien 1815. Während die meisten Männer im Krieg gegen Napoleon sind, fechten die Töchter des Grafen Wohlleben ihre eigenen Kämpfe aus.

Sophie, die ältere Tochter mit einem englischen Adligen verheiratet, kämpft um den Erhalt ihrer Ehe.

Die jüngere Fanny kämpft mit den Konventionen der Gesellschaft und den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens.

Dem gegenüber steht Emilia, die ihren Lebensunterhalt selbst verdient, indem sie grandiose Roben entwirft. Sie kämpft gegen die Beschränkungen, die alleinstehenden Frauen auferlegt sind.

Der Roman erzählt die Irrungen und Wirrungen der Liebe dieser Frauen. Ein wenig fühlte ich mich an die Atmosphäre in Schnitzlers Reigen erinnert . Im Mittelpunkt steht für mich die erst 16jährige Fanny, die zwar verheiratet ist, sich aber nicht so verhält, wie es die Gesellschaft von einer verheirateten Frau erwartet. Was soll ich sagen, ich mochte sie nicht besonders. Sie war in meinen Augen egoistisch, unreif und ohne Empathie. Da sie von allen verhätschelt wird, gibt es auch keinen Grund, sich zu ändern.

Sophie ist genau das Gegenteil. Sehr auf Konventionen bedacht, niemanden verletzen, versucht sie Fanny von den größten Dummheiten abzuhalten und gleichzeitig ihre in Schieflage geratene Ehe zu retten. Ihr größter Fehler in den Augen der Gesellschaft ist, dass sie Bücher liebt und sehr gebildet ist. Sie war mir bedeutend sympathischer..

Meine Lieblingsfigur war eindeutig Emilia, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten muss. Mir hat imponiert, wie sie sich geschickt im männlichen Dschungel bewegt und dabei die nicht vergisst, denen es schlechter geht.

Obwohl es sich für mich um eine Liebesgeschichte handelt, kommen die historischen Komponenten nicht zu kurz. Die damalige gesellschaftlichen Normen sind allgegenwärtig und bestimmen die Handlung wesentlich mit. So erfahre ich vieles über die herrschende Moral, Lebensumstände und Standesunterschiede. Sehr gut gefallen haben mir die Ausflüge in die Welt der Mode, wenn Kleidung anschaulich beschrieben wird.

Besonders gefreut habe ich mich über den Sprachstil des Romans. Die Autorin benutzt Idiome der damaligen Zeit, was für mich den historischen Rahmen perfekt ergänzt.

Mich hat der Roman gut unterhalten durch seine gelungene Mischung aus Liebesgeplänkel und historischem Ambiente.

Bewertung vom 05.06.2022
Dorra, Simone;Zellner, Ingrid

Der Strom des Lebens


ausgezeichnet

Abschied von den Bewohnern des Dar-as- Salam
Die Zeit steht auch im Waisenhaus nicht still. Paare finden sich, die man so nicht erwartet hätte. Kinder werden geboren und tragen die Fackel weiter.

Doch da das Waisenhaus keine Insel ist, sind weiterhin die Feinde aktiv und versuchen , den Bewohnern zu schaden. Auch wenn es schon einige Jahre her ist, sinnt Sinan immer noch auf Rache für seine Schwester Salma, die vergewaltigt wurde. Die Täter wurden nie gefasst und er macht Vikram dafür verantwortlich. Aus diesem Grund hat sich Sinan einer radikal islamischen Gruppierung angeschlossen.

Wieder zwingt das Schicksal die Bewohner des Dar-as-Salam ihr Leben neu zu ordnen. Nur gut, dass die Bande des Vertrauens und der Freundschaft so fest geknüpft sind, dass neue Hoffnung entstehen kann.

Da ich wusste,, dass dieser 7. Band definitiv der letzte aus der Reihe sein würde, war ich - so glaubte ich zumindest - auf das schlimmste gefasst. Doch wie bereits in den wundervollen und absolut lesenswerten Vorgängerbänden haben mich die Autorinnen überrascht. Wer hätte gedacht, dass Ahmad, der gefeierte Sternekoch, die Küche im Dar-as-Salam übernimmt ? Auch dass Najiha Kamal sich nochmals verlieben würde, war eine freudige Wendung.

Da das Schicksal nicht nur gute Dinge im Gepäck hat, gab es es auch reichlich Gelegenheit, mit ihm zu hadern und ab und zu war ich für ein Taschentuch in der Nähe dankbar.

So erschreckend die Ereignisse am Ende des Buches sind, überwiegt dennoch die Hoffnung. Der Zusammenhalt der Bewohner und die Liebe zu einander geben mir die Gewissheit, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Sie werden ihren Weg weiter gehen.

Ich aber bleibe allein zurück und bin den Autorinnen aufrichtig dankbar, dass sie mir die Tür zu dieser Welt geöffnet haben. Ich habe vieles über Kashmir gelernt wie die bedrückenden politischen und sozialen Verhältnisse, die Vielzahl der Gerichte, bei deren Beschreibung allein mir das Wasser im Mund zusammengelaufen ist und die Einblicke in indische Filmmusik. Das wird überstrahlt von den liebenswerten , lebendigen Charakteren, die ich über so viele Jahre begleiten durfte. Die Ereignisse waren oft erschreckend, berührend und auch zum lachen, aber nie pathetisch oder unrealistisch.

Shukriya !

Bewertung vom 31.05.2022
Morel, Susanne

Die Pfirsichblütenschwestern


sehr gut

Liebe überwindet alle Grenzen
München 1932 Der Tod der Mutter stellt das Leben der Geschwister Konstanze, Pauline und des kleinen Bruders Lorenz völlig auf den Kopf. Da kein Geld vorhanden ist, werden die Kinder auf Verwandte verteilt wie Möbelstücke.

Lorenz muss zum Onkel auf dessen Bauernhof im Allgäu. Pauline wird von ihrer Tante aus der Provence mitgenommen. Dort soll sie einst die Pfirsichplantage erben. Nur Konstanze bleibt im heimatlichen München.

Was auf den ersten Blick als gute Lösung erscheint, entwickelt sich immer mehr zu einem Schicksal, das kaum zu ertragen ist.

Der Roman beginnt mit der Beerdigung der Mutter und ich konnte gut nachempfinden, wie schrecklich das für die Geschwister gewesen sein muss.. Besonders das Nesthäkchen Lorenz tat mir leid, der zuvor gehätschelt wurde und sich nun dem kaltherzigen und gewalttätigen Onkel gegenüber sieht. Sein weiterer Lebensweg hat mich sehr bewegt.

Pauline scheint das Glückslos gezogen zu haben - reiche Erbin einer Pfirsichplantage. Zuerst konnte ich gut verstehen, dass sie wieder nach Hause will, denn alles ist fremd, auch die Sprache .Dann bestimmt die Tante, wen Pauline zum Wohle der Plantage heiraten soll , dem aber nicht ihr Herz gehört. Doch recht rasch hat sich mein Mitleid in Unverständnis gewandelt. Pauline versucht gar nicht heimisch zu werden, lehnt alles ab und deshalb ist ihr Schicksal in meinen Augen nur folgerichtig.

Konstanze hat es vergleichsweise gut getroffen . Sie kann sogar Kunst studieren. Sie ist diejenige, mit der ich mich am besten identifizieren konnte. Auch sie macht Fehler, ist aber nach kurzem Nachdenken bereit, das beste aus der Situation zu machen.

Die Autorin schildert die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Geschwister. Das hat mir gut gefallen. Der Roman wird dadurch abwechslungsreicher und spannend und ich hatte Einblicke in die unterschiedlichen Gefühlswelten. Nicht zuletzt feiert das Buch die Schönheit der Provence, was mich gefreut hat. Die Autorin erzählt zudem eine berührende Liebesgeschichte , die berührt und Haas und Grenzen überwindet.

Bewertung vom 29.05.2022
Herzog, Kristina

Was der Morgen verspricht


ausgezeichnet

eine bewegende Familiengeschichte
Die Jüdin Hannah lebt in Berlin zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Ihr Weg ist klar vorgezeichnet - Ehe - Haushalt - Kinder. Doch Hannah träumt von einem Medizinstudium. Ihre Eltern planen die Hochzeit. Ihr Verlobter Daniel liebt Hannah aufrichtig und erobert ihr Herz. Gemeinsam stellen sie sich gegen die engen Grenzen der Gesellschaft.

Das Buch erzählt in meinen Augen erster Linie die Geschichte zweier, wenn auch sehr unterschiedlicher Frauen .

Da ist die rebellische Hannah, Tochter einer Industriellenfamilie. Ich mochte sie von Anfang an und konnte gut verstehen, warum sie sich gegen die elterlichen Erwartungen sträubt. Hannah gegenüber steht Alma, das Dienstmädchen im elterlichen Haushalt. Alma hatte nie Zugang zu Bildung und lebt beinahe das Leben einer Leibeigenen, wie es für Dienstboten damals üblich war. Beide Frauen eint eine großes Einfühlungsvermögen und der Wunsch, die engen gesellschaftlichen Grenzen zu überwinden. Durch einige Schicksalsschläge werden die beiden zu engen Freundinnen und gehen ihren Lebensweg gemeinsam. Das ändert sich auch nicht, als Hannah doch noch Daniel heiratet. Endlich scheint es so, als ob die beiden ihre Träume leben könnten.

Ich habe im weiteren Verlauf des Romans , das Glück die beiden und Hannahs Familie über 20 Jahre zu begleiten. Geburt, Tod, Krieg und was sonst das Leben so an Wechselfällen bereit hält, will bewältigt werden. Das gelingt mal gut. Dann wieder scheint es, keinen Ausweg zu geben.

Was mir besonders gut neben der Handlung gefallen hat, ist der unaufgeregte Erzählstil. Gerade durch diese Nüchternheit hat mich manches besonders berührt. Überhaupt wurden bei mir ganz viele Emotionen geweckt, denn ich habe durch die lebendige Darstellung mit Hannah und ihrer Familie gelebt.

Die Geschichte hat mich völlig überzeugt. Sie ist unterhaltsam und spannend und gibt gute Einblicke in das Leben einer großbürgerlichen Familie.

Bewertung vom 29.05.2022
Zannini, Patrizia

Commissario Leone und die Tränen der Madonna


sehr gut

Römische Mordermittlungen
Kurz hintereinander werden in Rom junge Menschen ermordet. Die Polizei unter Leitung von Commissario Enzo Leone sucht verzweifelt nach einer Gemeinsamkeit der Opfer und nach einem Motiv. Besonders drängend wird die Suche, als Rosa, die Schwester eines der Opfer, ins Visier des Mörders gerät, denn Leone beginnt, Gefühle für sie zu empfinden.

Der Krimi hat mich schnell gefangen genommen. Die Morde geschehen kurz hintereinander. Die Opfer scheinen zufällig ausgewählt. Als Leone bei den Opfern eine besondere Kunstbegabung feststellt, konzentriert sich die Suche nach dem Mörder auf das Umfeld der Kunsthochschule.

Durch Zufall ergibt sich der entscheidende Hinweis auf das Motiv und löst damit einen Wettlauf gegen die Zeit aus. Leone weiß nun, dass der Täter noch einige Opfer auf seiner Liste hat.

Leone hat mir gut gefallen. Er ist für mich der Prototyp eines Italieners, bis hin zu seiner Fürsorge für seine Eltern. Ich fand das nicht störend, sondern sehr angenehm. Rosa hingegen, für die Leone Gefühle entwickelt, war mir zu farblos. Ihr fehlte in meinen Augen das Temperament und ich fand sie eher langweilig.

Unbedingt erwähnen muss ich Leones Assistenten Vanni Amidei, der mit seiner rotznäsigen Art, die bedrückte Atmosphäre aufgehellt hat.

Abgesehen vom packenden und gelegentlich verstörenden Tatgeschehen - die Autorin lässt den Leser die Morde miterleben - liegt für mich der Reiz des Krimis in der lebendigen Darstellung der Ermittlungsarbeit gepaart mit dem römischen Lebensgefühl. Dadurch kam trotz der dramatischen Ereignisse auch ein wenig Urlaubsgefühl auf.