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Benutzername: Leseigel
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Bewertungen

Insgesamt 229 Bewertungen
Bewertung vom 20.03.2019
Mitternachtsmädchen / Nathalie Svensson Bd.3
Moström, Jonas

Mitternachtsmädchen / Nathalie Svensson Bd.3


sehr gut

Wettlauf mit einem Mörder
Eine blonde Studentin wird tot im anatomischen Theater der Universität Uppsala aufgefunden. Sie wurde erwürgt und es fehlt der linke Schuh. Zuvor wurden zwei ebenfalls blonde Studentinnen vergewaltigt und der linke Schuh mitgenommen. Die Überfälle ereigneten sich immer rund um das Universitätsgelände und der Zeitpunkt war jeweils um Mitternacht. Da es sich um einen Serientäter zu handeln scheint, wird die Psychiaterin Nathalie und der Kriminalbeamte Johan hinzugezogen, um ein Täterprofil zu erstellen. Alle Ermittler gehen davon aus, dass der Täter erneut zuschlagen wird. Das muss unbedingt verhindert werden, damit nicht erneut eine junge Frau stirbt. Drei Verdächtige geraten in das Visier der Ermittler : der Freund des letzten Opfers , ein gerade entlassener Sexualstraftäter und ein Student, der Mitglied in einer obskuren Verbindung ist. Die Polizei hofft auf den entscheidenden Hinweis, während die Minuten bis Mitternacht unerbittlich herunter ticken.
Der vorliegende Krimi ist der dritte Fall rund um Nathalie und Johan. Es gibt zwar im Verlaufe der Handlung einige Anspielungen auf Geschehnisse in den Vorgängerbänden, aber die Handlung ist dennoch klar verständlich.
Die Stimmung im Buch ist von Anfang an geprägt durch die Notwenigkeit, den Täter vor Mitternacht zu fassen, um einen erneuten Mord zu verhindern. Der Wunsch, die Ermittler mögen sich beeilen, wird beim Leser noch verstärkt, indem der Autor parallel das nächste mögliche Opfer vorstellt und schildert, wie der Mörder sie in Sicherheit wiegt und ein Treffen verabredet. Das Ermittlerduo harmoniert gut, wobei mir Johan sympathischer war. Er ist ein Ermittler, der sich voll auf seine Aufgabe konzentriert und persönliche Probleme zur Seite schiebt. Bei Nathalie waren meine Empfindungen zwiespältig. Manche Handlungsweisen waren mir zu emotional und unprofessionell. Ein wenig gestört haben mich die persönlichen Rückblenden des Täters und damit verbundene Erklärungsversuche seiner möglichen psychischen Störung. Dennoch fand ich den Krimi gut zu lesen und er hat mich insgesamt gefesselt. Die Spannung lebt für mich eindeutig vom Wettlauf gegen die runter tickende Uhr bis zum nächsten Tatzeitpunkt.

Bewertung vom 17.03.2019
Das Erbe der Macht - Band 16: Hexenholz (eBook, ePUB)
Suchanek, Andreas

Das Erbe der Macht - Band 16: Hexenholz (eBook, ePUB)


sehr gut

Antworten und viele Fragen
Alex und Kyra verstecken sich im verlorenen Castillo. Häufige Besucher sind Nils und sein Hund Ataciaru. Sie bringen Lebensmittel. Auf der Suche nach Ataciaru, der durch die Räume streift, finden sie von einem Schutzzauber umgebene Knochen. Derweil sind die Schattenkrieger Moriarty, Alfie, Madison und Jason auf der Suche nach dem Ort, zu dem Jackson unbedingt will. Die Spur führt in das geheime Herz des Waldes, an dem das wertvolle Hexenholz wächst. Bran enthüllt Anne, die Identität des Unsterblichen, dessen Platz sie eingenommen hat.
Der Autor wartet wieder mit einigen Überraschungen auf. Neue Spieler betreten die Bühne und lassen auf weitere unerwartete Wendungen hoffen. Gut gefallen hat mir die Schilderung des Herz des Waldes als ein Ort des Friedens und der Harmonie. Die Informationen über den ursprünglich vorgesehenen Unsterblichen waren poetisch und haben mein Bedauern geweckt, dass er nicht ins Castillo gelangt ist. Insgesamt war der Fortgang der Handlung wieder sehr spannend. Unbedingt erwähnen möchte ich, dass die Geschichte trotz einige Bände nie langweilig ist und ich bisher auch keine Wiederholungen bemerkt habe oder logische Brüche, was mich sehr beeindruckt.

Bewertung vom 11.03.2019
Das Schicksal (Romantasy, Young Adult) (eBook, ePUB)
May, Lucy

Das Schicksal (Romantasy, Young Adult) (eBook, ePUB)


sehr gut

Unheimliche Ferien
Pia macht Ferien bei einem reichen Geschäftspartner ihres Vaters in London. Pia freut sich darauf, obwohl sie Ted, ihren Freund, dadurch 3 Wochen nicht sieht. Leider ist der Besuch eine einzige Enttäuschung. Claire, die Tochter der Gasteltern, und deren Freundinnen machen sich über Pia lustig - zu provinziell , zu wenig Glamour. Claires Mutter scheint Pia als lästiges Übel zu betrachten. Der Sohn Nathan ist mehr als merkwürdig. Als Claires Vater, der einzige , der sich etwas um Pia kümmert, ihr die Bibliothek zeigt, beschließt Pia, ihre Zeit mit Lesen zu verbringen. Zufällig entdeckt sie das Tagebuch von Phillippa, die früher in diesem Haus gelebt hat und wegen Mordes angeklagt wurde. Je bedrohlicher die Ereignisse im Tagebuch werde, desto mehr fühlt sich Pia in der Realität beobachtet. Einbildung oder trachtet jemand tatsächlich Pia nach dem Leben ?
Die Geschichte ist sehr unterhaltsam geschrieben. Pia ist ein bodenständiges Mädchen, das Tiere liebt und sich auf den London -Aufenthalt freut, wie das wohl jeder tun würde. Claire ist dagegen das typische Upperclass- Mädchen. Überhaupt ist Pias Gastfamilie sehr exzentrisch. Auf sich allein gestellt lässt sich Pia immer mehr in das Leben von Phillippa hineinziehen. Buch und Wirklichkeit vermischen sich. ein wenig erinnert mich der Stil des Buches an die Mystery- Geschichten des 19.Jahrhunderts. Positiv fand ich auch, dass dem Buch jeder Gefühlsüberschwang fehlt.

Bewertung vom 11.03.2019
Der Wolf vom Bodensee
Schlegel, Tina

Der Wolf vom Bodensee


gut

Kommissar Sito unter Verdacht

(9)

Kommissar Sito macht zusammen mit seiner Freundin Miriam über den Jahreswechsel ein paar Tage Urlaub in Gaienhofen. Drei Ereignisse lassen den Urlaub beinahe zum Alptraum werden. Ein weißer Wolf wird gesichtet und spaltet die Bevölkerung in Jäger und Beschützer. Ungewöhnlich heftiger Schneefall blockiert die Straßen. Zeitgleich mit Sitos Ankunft am Urlaubsort wird eine Schriftstellerin brutal zu Tode geprügelt. Sie erwähnt Sito in ihrem Manuskript und Sito gerät unter Verdacht. Als dann auch noch ein kleines Mädchen tot aufgefunden wird, kochen die Emotionen hoch.
Ich muss gestehen, ich habe einige Seiten gebraucht, bis ich einen roten Faden in der Geschichte gefunden habe. Die Autorin macht viele Andeutungen, zitiert Hesse, so dass ich Mühe hatte zwischen realem Geschehen und Gedankenspielen zu unterscheiden. Erst in der 2. Hälfte des Buches ergeben die Puzzleteile ein Muster und Zusammenhänge werden deutlich. Der Schluss ist dann auch logisch.
Insgesamt konnte mich das Buch nicht völlig überzeugen. Sehr gelungen sind die Schilderungen der Bodenseelandschaft im Winter mit ihrem Nebel. Und die Krimihandlung an sich war auch spannend . Was mich aber sehr gestört hat, war in meinen Augen das bemüht Mystische und die Vermischung der Realität mit der Phantasie der toten Schriftstellerin zusammen mit unzähligen Hesse-Zitaten und Hinweisen auf das Hesse-Haus und Otto Dix, der ebenfalls dort zuhause war . Das hat für mich nicht gepasst und ich fand es eher ermüdend.

Bewertung vom 11.03.2019
Cats Bestimmung
Konrad, Lily

Cats Bestimmung


sehr gut

Die neue Hüterin von Sisong - ein ungewöhnlicher Fantasy-Roman
Catriona Thalmann - genannt Cat - fängt ihren Dienst bei der Frankfurter Kriminalpolizei an. Gleich ihr erster Fall ist sehr ungewöhnlich. Eine junge nackte Frau wird tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Die Tatwaffe ist ein altertümlich wirkender Dolch. Gleichzeitig nimmt Cat Veränderungen an sich selbst wahr. Ihre Augenfarbe verändert sich. Sie kann Gedanken lesen und hört Stimmen in ihrem Kopf. Cat ist irritiert, arbeitet aber weiter an der Aufklärung des Falles. Kurz darauf kommt Cats Mutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Dieser Tod löst eine Reihe von Ereignissen aus. Nun sieht Cat auch noch einen Mann, der dann wieder spurlos verschwindet. Kurz bevor Cat an ihrem Verstand zweifelt, erklärt ihr der Mann, der sich als Hunter vorstellt, dass er und sein Freund dafür da sind, Cat zu beschützen. Sie gehört wie die beiden zum Volk der Sisoner. Zudem leben auch Iszeroniten unter den Menschen. Zwischen den beiden Völkern herrscht Krieg. Cat ist besonders gefährdet, da sie eine wichtige Rolle bei den Sisonern übernehmen wird. Bald weiß Cat nicht mehr, wem sie trauen kann. Sogar einer der Wächter scheint ein falsches Spiel zu spielen.
Zu Beginn der Geschichte habe ich mich etwas schwer getan. Der Einstieg mit dem Mord fand ich gut, weil gleich Spannung aufgebaut wurde. Als dann die Wächter in das Geschehen eingreifen, wird es ein wenig kompliziert, da sie Cat und so mit dem Leser eine ganze Reihe an Informationen über die Sisoner und Iszeroniten geben. Das ist aber notwendig für das weitere Verständnis. Dann wird es wieder richtig spannend, gilt es doch weiterhin den Mord an der jungen Frau aufzuklären. Zeitgleich wird es für Cat immer bedrohlicher. Wem kann sie trauen? Und natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, die mir persönlich etwas zu rührselig war. Da es sich um eine Fortsetzungsgeschichte handelt, endet das Buch mit vielen offenen Fragen.
Insgesamt hat mich der Roman gut unterhalten. Gut gefallen hat mir der ungewöhnliche Ansatz, die Geschichte auf der bekannten Erde spielen zu lassen. Cat ist mir sympathisch und wächst immer mehr in ihre neue Rolle hinein. Ich bin gespannt, wie sie mit der Bedrohung durch die Iszeroniten weiter umgeht.

Bewertung vom 07.03.2019
Gleann Comhann - Gefangen im Tal der Tränen
Vogel, Daniela

Gleann Comhann - Gefangen im Tal der Tränen


ausgezeichnet

Amor vincit omnia
Catriona - genannt Cat - Campbell ist eine Nachfahrin jenes Clanführers Campbell, der für das historisch verbriefte Massaker am MacDonald-Clan in Glencoe im 17. Jahrhundert verantwortlich war. Cat hatte bisher kein Glück mit ihrer Männerauswahl und hat erstmal genug von der Liebe. Während eines Spazierganges trifft sie auf den Geist von Dusten MacDonald, der am Tag des Massakers ins Feenreich entführt wurde. Aus einem unbestimmten Gefühl der Verantwortung beschließt Cat zusammen mit ihrer Freundin Gwenny und Fiona, einer Nachfahrin Dustens, ihn aus dem Feenreich zu retten, obwohl er ihr alles andere als sympathisch ist. Mit Hilfe eines Feenbanners gelangt Cat nicht wie erwartet ins Feenreich , sondern auf die MacDonald-Burg einige Woche vor den tragischen Ereignissen. Sie lernt Dusten kennen und lieben. Und von da an hat Cat nur noch ein Ziel. Sie muss Dusten aus dem Feenreich befreien.
Das Buch ist eine bezaubernde Liebesgeschichte. Sie ist dabei nicht rührselig, sondern die Autorin erzählt das Ganze mit einem zwinkernden Auge, so dass man das Taschentuch eher für die Lachtränen benötigt. Besonders gut hat mir der Abschnitt gefallen, in dem sich Cat auf der Burg befindet. Die Schilderung des Burglebens erscheint mir realistisch und war sehr interessant. Cat war mir rundum sympathisch und ich war beeindruckt, wie gut sie mit den für sie ungewohnten Lebensumständen zurecht kam. Die Wortgefechte zwischen Cat und Dusten sind sehr amüsant. Es gibt aber eine Szene, die ist ganz großes Herzkino. Allerdings müssen die beiden, nachdem sie zueinander gefunden haben, noch einige Hürden genommen werden, bis sie ein richtiges Paar sind.
Das Buch bietet wunderschöne Unterhaltung mit viel Herz und Humor. Wer mal wieder in eine Welt voller Romantik abtauchen will, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Bewertung vom 07.03.2019
Die Schand-Luise
Grunewald, Ulrike

Die Schand-Luise


sehr gut

Luise - Opfer politischer Machtinteressen
Luise ist der letzte Spross aus dem Hause Sachsen - Gotha- Altenburg. Luises Mutter stirbt kurz nach ihrer Geburt. Liebevoll und voller Fürsorge kümmert sich ihre Großmutter und später ihre Stiefmutter Karoline um das kleine Mädchen. Allzu streng ist die Erziehung der jungen Prinzessin nicht. Durch ihrer lebhafte Phantasie lebt sie in einer Welt voller Märchen und heldenhafter Ritter. Da Luise die einzige Nachkommin bleibt, hat sie einen beträchtlichen Wert auf dem Heiratsmarkt. Das weckt das Interesse des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg , dessen Chancen auf eine vorteilhafte Verbindung durch seinen Lebenswandel erheblich weniger gut sind. Sein Verhältnis mit einer gewissen Madame Panam- eine angeblich junge Griechin, aus dem auch ein illegitimer Sohn hervorgegangen sein soll, erregt die Gemüter europaweit. In einer Schmähschrift , die damals sehr beliebt waren, bezichtigt Madame Panam Ernst, er habe sie als Minderjährige verführt und dann mit dem gemeinsamen Sohn im Stich gelassen. Wutentbrannt versucht Ernst seine ehemalige Geliebte zum Schweigen zu bringen, erregt dadurch aber nur noch mehr Aufsehen. Es kommt zur Heirat mit der gerade 16jährigen Luise, die voller romantischer Träume in Ernst ihren Ritter sieht. Nach einem rauschenden Hochzeitsfest siedelt Luise nach Coburg über. rasch hintereinander bekommt sie zwei Söhne - Ernst und Albert, den späteren Gemahl der englischen Königin Victoria. Nachdem Luise ihre Pflicht zur Sicherung der Erbfolge erfüllt hat, verliert Ernst das Interesse an seiner Frau. Luise fühlt sich von ihm vernachlässigt und sucht Zerstreuung durch Feste und Tändeleien. Ernst bezichtigt sie des Ehebruchs und Hochverrats und verbannt sie nach St.Wendel. Sie wird ihre Kinder nie wiedersehen und lebt in bescheidenen Verhältnissen. Sie stirbt mit 31 Jahren. Das Buch gibt interessante Einblicke in das haus Sachsen-Coburg und Gotha. Auf der einen Seite Ernst, der dem Gedankengut des Anciem Regime anhängt und als absoluter Herrscher agiert. Die zeigt sich deutlich in seinem Verhalten und Umgang mit seinen Mitmenschen. Luise ist nur ein Mittel, um seine wirtschaftliche Position zu stärken und sein Hoheitsgebiet auszudehnen. Im Gegensatz zu Ernst ist sein Bruder Leopold den Gedanken der Aufklärung verpflichtet, ausgestattet mit einem hohen Maß an Diplomatie, der vorausschauend die Geschicke Europas zu lenken versucht. Und Luise ? War sie möglicherweise eine frühe Verfechterin der Frauenrechte ? In meinen Augen ist sie eher das weltfremde, vertrauensselige Mädchen, das glaubte den Ritter aus ihren Träumen zu heiraten. Leider entpuppte sich dieser als kalter Machtmensch. Das Buch hat mir gut gefallen, da es viele Aspekte der damaligen Zeit anspricht. Allein die Sprache war gelegentlich eine Herausforderung, da die Autorin viele Zitate in den Text einfließen lässt, die in Schreibweise und Stil so gar nicht mehr der heutigen Zeit entsprechen. weniger

Bewertung vom 05.03.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

Das Schicksal spielt
Das Schicksal führt verschiedene Menschen zusammen und verändert die jeweiligen Lebensläufe nachhaltig. Madeleine Winther ist Journalistin bei Nyhetsbladet. Sie träumt von der ganz großen Karriere und geht dafür auch mit ihrem verheirateten Chef ins Bett. Ibrahim Chamsei verdient seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren. Seine Frau Fatima und er betrachten Schweden als ihre Heimat. Ihre Tochter Mitra ist in Schweden geboren und studiert Jura. Carl Cederhielm und seine Freunde Frederik und Lars sehen ihr Schweden am Abgrund. Die vielen Einwanderer haben in ihren Augen die Gesellschaft zu ihrem Nachteil verändert und die politisch Verantwortlichen unterstützt durch eine verleumderische Presse verharmlosen das Problem. August Novak, der lange im Ausland gelebt hat, kehrt nach einem schweren Verlust nach Schweden zurück. Gleich nach seiner Ankunft nimmt er Kontakt zu seiner Jugendliebe, der Reporterin Amanda Lilja, auf.
Nach einem Anschlag mit vielen Toten auf ein Stockholmer Hotel gerät die Welt der Beteiligten aus den Fugen.
Die Geschichte beginnt sehr verhalten. Wir lernen die Protagonisten kennen, ihr Leben, ihre Träume. Zuerst habe ich mich schon gefragt, wie das alles zusammenpassen soll. Da die Schilderungen kurzweilig sind, habe ich weiter gelesen. Ibrahim war mir sympathisch. Die Journalistin Madeleine war mir etwas zu egoistisch und karrierebesessen. August Novak ist für mich ambivalent. Seine letzten Lebensjahre fand ich abstoßend. Für ihn spricht seine Verlässlichkeit und seine bedingungslose Hingabe für die, die er liebt. Carl und seine Freunde würde ich als Großmäuler bezeichnen. Dann entwickeln die Ereignisse eine Dynamik, die mich mitgerissen hat. Ich war fassungslos über die Niedertracht und Kaltblütigkeit der Täter und die Hilflosigkeit der Opfer. Am schlimmsten ist jedoch, dass das Geschehen so unglaublich real wirkt. Einige Vorgänge kam man fast täglich in den Nachrichten hören. Unwillkürlich stellt man sich die Frage, ob nicht genau so ein Szenario gerade stattfindet. Der Schluss passt zum düsteren Bild der Ereignisse.
Der Autor wechselt mit den unterschiedlichen Handlungssträngen auch jeweils den Blickwinkel auf die Abläufe und erhöht dadurch die Spannung. Ich fand das Buch einfach umwerfend.

Bewertung vom 03.03.2019
Putzmuffel (eBook, ePUB)
Boyd, Lyl

Putzmuffel (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der Schein trügt
Amir sitzt mit seiner Mutter im Wartezimmer von Frau Dr. Liebherz. Amirs Mutter ist Reinigungskraft und während des Wartens macht sie sich Gedanken über Amirs Zukunft und ihr Leben.
Ich hatte das Glück schon mehrere Kurzgeschichten von Lyl Boyd lesen zu dürfen. Sie nehmen immer überraschende Wendungen und regen zum Nachdenken über das Ende der Geschichte hinaus an. Doch dieses Mal hat er mich echt verblüfft. Der Beginn der Geschichte gibt so gar keinen Hinweis auf das Ende, das einfach umwerfend ist. Für mich eine der besten Geschichten des Autor !

Bewertung vom 03.03.2019
Der Gesang der Bienen
Dorweiler, Ralf H.

Der Gesang der Bienen


sehr gut

Wettlauf gegen die Zeit

(0)
Der Autor nimmt uns mit auf Zeitreise in das Jahr 1152. Er erzählt die Geschichte des Zeidlers Seyfried und seiner Familie. Nach einem schweren Schicksalsschlag hat Seyfried sein Glück gefunden. Er lebt zusammen mit seiner Frau Elsbeth, einer Apothekertochter und den drei Kindern in bescheidenem Wohlstand. Die Bienen sichern sein Auskommen. Sein Leben ändert sich schlagartig, als Elsbeth einer kranken Adelstochter hilft. Als diese stirbt, wird Elsbeth der Hexerei bezichtigt und zum Tode verurteilt. Seyfried ringt dem Gericht das Zugeständnis ab, dass , wenn die hochgeachtete Hildegard von Bingen sich für Elsbeth verwendet, seine Frau nicht sterben muss. Seyfried macht sich auf den Weg, wohlwissend dass die Zeit gegen ihn arbeitet. In der Zwischenzeit müssen seine Kinder Anna und Jasper in der Burgküche arbeiten. Die Burgbewohner begegnen den beiden mit Wut und Ablehnung, sind sie doch die Kinder der Hexe und Mörderin. Es bleibt nur die Hoffnung, dass Seyfried mit der lebensrettenden Botschaft rechtzeitig zurückkehrt.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefangen genommen. Ich war fasziniert von den bildhaften Schilderungen der Arbeit eines Zeidlers. Mir war nicht bewusst, dass die Bienen genauso wie heute lebensnotwendig waren. Erschreckend war für mich die Erkenntnis, wie schnell man damals in lebensbedrohende Situationen geraten konnte. Elsbeth wollte nur helfen und sah sich dafür dem Anwurf der Hexerei ausgesetzt. Ihre Unschuldsbeteuerungen blieben ungehört. Dann habe ich mit Seyfried gefiebert, ob er wohl rechtzeitig zurückkommen wird. Interessant war die Darstellung der Hildegard von Bingen, die mir nicht immer sympathisch war. Der Autor zeigt sie als politisch denkende und handelnde Frau, die trotz ihres Rufes auf das Wohlwollen der sie umgebenden Männer angewiesen ist. Am besten gefallen hat mir die Figur der 14jährigen Anna, die einen schweren Stand auf der Burg hat, aber nicht bereit ist, sich aufzugeben.
Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es war eine Achterbahn der Gefühle mit überraschenden Wendungen und vielen Informationen über die damaligen Zeit. Und nicht zuletzt bietet die
Geschichte sehr gute Unterhaltung.