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jam

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Insgesamt 507 Bewertungen
Bewertung vom 10.10.2018
Raab, Thomas

Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

„Einfach hingehen!, spielt die alte Huber mit dem Gedanken, sich zu dieser fremden schwarzen Witwe an den Tisch setzen und die Dame fragen: >Muss ja ein inniges Verhältnis zu meinem Mann gewesen sein, wenn Sie hier so losplärren!< „
Seite 57

Endlich ist er da, der von Hannelore Huber langersehnte Tag: Sie kann ihren Gatten zu Grabe tragen! Doch leider ist nichts, wie es auf den ersten Blick aussieht, da sind ein paar Leichen zu viel, auch eine trauernde Witwe ist überzählig, genauso wie die Herren in Schwarz, nur ihr Walter fehlt.
Ein Leben lang zum Teufel gewünscht, muss sie ihn jetzt, wo er nicht mehr lebt, suchen gehen – und ein paar andere Wahrheiten entdecken!

Was für ein scheinbar ruhiges Örtchen Glaubenthal. Und was für eine Geschichte! Hanni, eine Protagonistin, die ihresgleichen sucht. Störrisch, ihren eigenen Kopf durchsetzend, ihr Herz schon vor langer Zeit verschlossen und den Schlüssel verloren. So struppig und widerborstig und manchmal auch furchteinflößend wie ihr vierbeiniger Begleiter, der scheinbar aus dem Nichts auftauchte.

Sie spart auch nicht mit Weisheiten, da wird über unsere Gesellschaft gelästert (Ins Einkaufszentrum am Stadtrand fahren, um BioBio zu kaufen, statt beim Bauern ums Eck.) genauso wie über ihre Mitmenschen oder sich an früher erinnert, als dem Kaffee noch keine motorischen Fähigkeiten durch Anglizismen angedichtet wurden.

„Wie konnte sie an diesem vermeintlichen Freudentag auch nur vergessen, mit welchen Schwachköpfen diese herrliche Gegend besiedelt ist.“ (Seite 60)

Hannelore beginnt ihre Ermittlungen auf eigene Art, in ihrer dem Alter geschuldeten Langsamkeit und oft gesellschaftlichen Unsichtbarkeit wird sie unterschätzt und ermittelt schneller und präziser als das ungleiche Polizeiduo Swoboda und Unterberger-Sattler.
Und gegen Ende findet sie ihre Ruhe, ihren Walter und auch der Schlüssel zu ihrem Herzen taucht wieder auf…

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mit Hanni (und dem Schreibstil) warm wurde, dafür habe ich sie auf den letzten Seiten umso mehr ins Herz geschlossen und ein paar Tränen zerdrückt!

Thomas Raab schreibt mit einem schier unglaublichen Wortwitz. Und es heißt aufmerksam lesen, denn das Tempo, in dem er Anspielungen einfließen lässt ist beachtlich!

Ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der seinesgleichen sucht!

Bewertung vom 10.10.2018
Mallery, Susan

Die Liebe trägt Giraffenpulli / Happily Inc Bd.2


sehr gut

„Wenn sie aufstand und die Kommodenschublade öffnete, würde sie das Geschenk in die Hand nehmen müssen. Sein Abschiedsgeschenk. Da war es doch viel vernünftiger, hier liegen zu bleiben und das verflixte Ding einfach zu ignorieren. Denn dann würde er vielleicht nicht gehen. Kein Abschiedsgeschenk, kein Abschied.

Das war doch logisch, oder?“

Seite 357



Wildhüterin Carol hat zwei große Träume: Endlich ihren Nachbar Mathias Mittchel küssen und eine Herde für Millie. Jeden Morgen geht sie mit der einsamen Giraffendame durch die Savanne – sehnsüchtig beobachtet von Mathias!

Als er ihr hilft, Spenden für Millies Herde zu sammeln, kommen sich die beiden näher… Doch die Verletzungen ihrer Vergangenheit lassen sie nicht zur Ruhe kommen.



Willkommen zurück in Happily Inc!

Ich habe mich sehr auf ein Wiedersehen mit meinen guten Bekannten aus dem ersten Band gefreut, den ich verschlungen habe! Das Buch lässt sich aber auch für Quereinsteiger gut lesen.

Diesmal dreht sich die Geschichte um Carol und ihre Giraffe Millie sowie ihre Schwester Violet, die Knöpfesammlerin. Aufgelockert wird das Ganze von der quirligen Hundedame Sophie, die Mathias für seine Mutter hütet. Auch die Geschichte der Familie Mitchel, die Entfremdung der Brüder wird vorangetrieben.

Susan Mallery hat wieder einen typisch amerikanischen Unterhaltungsroman geschaffen, mit vielen Gänsehautmomenten, romantischen Liebesszenen und großen Dramen.

Mir war es diesmal einen Tick Drama zu viel, manche Sachen sind für mich als Europäerin etwas schwer zu verstehen. Dennoch schafft sie es, mich zu bewegen und mir Gänsehaut und Tränen in die Augen zu schreiben! Und ich bin schon neugierig, wann und wie Ronan endlich zur Ruhe kommt!

Fazit: Reich und Schön zum lesen – und sehr unterhaltsam!

Bewertung vom 06.10.2018
Simon, Emma

Selfie mit Zuckerguss (New Adult, Chick Lit, Liebe)


weniger gut

„Schönheitsideale ändern sich eben nicht so schnell, nur weil sich in den Sechzigern ein paar Mutige die Kleider vom Körper gerissen und allen ihre schönen und weniger schönen Seiten gezeigt haben. Sie ändern sich auch nicht, nur, weil ein paar beleibte Frauen mit Kurven Werbung für Körpermilch machen. Oder weil eine übergewichtige Popsängerin die Muse für einen Modedesigner wird.“
(Pos 237 von 735)


Und durch Bücher wie dieses wohl leider auch nicht…

Louisa ist nicht perfekt. Sie hat Speckröllchen, liebt flauschige Hausschuhe und ihre gemütliche Couch. Ganz anders als die Instagram-Models, denen sie folgt. Als sie dann Johannes, den Traumtypen mit den blauen Augen, kennenlernt, fasst sie einen Plan: Weg mit der alten Louisa und her mit dem trainierten Beach-Body! Sie will endlich das perfekte Leben, von dem sie schon immer geträumt hat: Perfekter Body, perfekter Freund und perfektes Instagram-Feed! Louisa ist bereit, alles dafür zu geben, um endlich die beste Version ihrer selbst zu sein. Doch sie erkennt, dass die schöne Selfie-Welt nicht das ist, wofür sie sie gehalten hat ... Kann Louisa sich selbst lieben wie sie ist? Und was ist an einem unperfekten Ich eigentlich so verkehrt?

So verspricht es uns die Inhaltsangabe, freche, lustige Chick-Lit mit einer wichtigen Botschaft.

Leider kann das die Geschichte nicht halten… Beginnt das Buch noch rotzig frech mit der Bier trinkenden, feiernden Luisa, verschreibt sich diese bald darauf dem Fitnesswahn – und lässt uns über zwei Drittel des Buches teilhaben an Low-Carb, Low-Fat , dubiosen Drinks und exzessivem Muskelaufbau bei maximalem Ergebnis – und maximalem Verlust sämtlicher sozialer Kontakte. Mir persönlich war es zu wenig überzeichnet, um das Gefühl zu erwecken, satirisch gemeint zu sein.

Das Erweckungserlebnis für diesen Lifestyle ist so banal wie real, die Selbsterkenntnis „Kann Louisa sich selbst lieben wie sie ist?“ kam so schmal daher wie die Protagonistin am Ende des Buches. Auch das Thema Instagram wird nur am Rande gestreift.

Was bei mir hängen bleibt ist das ungute Gefühl, ein Werbeprospekt eines Fitnesscenters gelesen zu haben und nebenbei gleich eine gehöre Ess-Störung mitverkauft zu bekommen. Von einer netten Botschaft in Richtung Body-Positivity leider weit entfernt.

Einige Ausflüge in die Vergangenheit lassen Louisas Leidensdruck erahnen und sorgen für ein wenig Gefühl, leider ein trauriges.
Mich lässt das Buch verstört zurück, ich glaube zu wissen, was uns die Autorin sagen wollte, der Schuss ging aber gehörig nach hinten los. Die Hauptbotschaft scheint zu sein: Ohne Fitness geht gar nichts, je extremer umso besser. Belohnt wirst du mit dem Körper deines Lebens und einem Ruhepuls der nur knapp über dem Jan Ulrichs zu Spitzenzeiten liegt.

Positiv bleibt zu vermerken, dass sich das Buch locker dahinliest und für ein E-Book kaum Fehler enthält.

Bewertung vom 03.10.2018
Vogd, Anne

Ich hab's auch nicht immer leicht mit mir


gut

„Ich liebe ja eher die einfachen Dinge im Leben – meinen Mann zum Beispiel!“

In kurzen Kapiteln gewährt uns Anne Vogd einen Einblick in ihr ganz normales Leben und lustige Sichtweisen auf bekannte Alltagsphänomene. Sollte man die Autobahn, auf der man täglich im Stau steht, gleich als Hauptwohnsitz anmelden? Warum wird man als Mutter geadelt und darf ab sofort einen Titel tragen: „Mutter von … „. Und ob die bei Zalando wohl den gleichen Begeisterungsschrei ausstoßen, wenn all die von ihrer Teenie-Tochter bestellten Pakete dort einlangen, weil sie sie postwendend retourniert?


Das Hörbuch wird von der Kabarettistin selbst gesprochen. Manchmal wirkte mir ihre sehr betonte Stimme mit dem bemüht humorigen Unterton etwas zu aufgesetzt.


Vor allem am Beginn reiht sie so viele bekannte Sprüche aneinander, in einem Tempo und Tonfall, dass ich auf ein „Kölle-alaaf“ gewartet habe. Denn es klang für mich eher nach diesen um Lacher ringenden Karnevalsabende.


„Er genießt sein Leben in vollen Zügen – ich übrigens nicht, ich fahre lieber Auto!“


Im Verlauf der zweiten CD habe ich mich an ihre Sprechweise gewöhnt und auch die Sprüche nahmen ab, der Humor und mein Unterhaltungsgrad exponentiell zu. Schonungslos geht sie mit ihrer Familie und sich selbst ins Gericht, ehrlich berichtet sie von ihren Ausflügen in die Schönheitschirurgie, was mir sehr sympathisch war.


Anne Vogd ist sehr schnell und pointiert mit ihren Aussagen, eine kleine Pause zum Sacken lassen und Lachen hätte mir gut getan. Gegen Ende dann das ein oder andere Highlight für mich:
„Lebst du schon – oder erfüllst du noch immer die Erwartungen anderer?“

Manchmal hätte ich mir weniger Klischees und dafür etwas mehr Originelles gewünscht, im Großen und Ganzen habe ich mich aber gut unterhalten!

Fazit: Mit betont humorvoller Stimme startet Anne Vogd ein Gag-Feuerwerk, das leider nicht immer zündet.

Bewertung vom 01.10.2018
Schönherr, Sybille

Lesbe auf Butterfahrt


ausgezeichnet

„Aber in gewisser Weise weiß ich die Antworten auf alle Fragen, sie wohnen in mir. Um sie an die Oberfläche zu bringen, kommen Personen in dein Leben, um dir widerzuspiegeln, was du bei dir ändern musst, und diejenigen, die dir besonders wehtun und dein Herz brechen, sind auch diejenigen, denen wir am meisten verdanken.“

Nach einer Affäre mit einer verheirateten Frau steht Jessi vor den Trümmern ihres Lebens: Job weg, Freunde weg, … da hält sie nichts mehr in Deutschland. Sie gönnt sich eine Auszeit als Backpackerin und macht sich auf nach Thailand…

Öfter mal was Neues – das hab ich mir gedacht, als ich zu diesem Buch gegriffen habe, und mich an ein für mich neues Genre gewagt. Und ich wurde mit einem etwas anderen Lesevergnügen belohnt!
Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg sehr schwer viel, ich habe das Buch eine Weile weggelegt und dann wieder losgestartet. Der erste Teil ihrer Reise führt Jessi nach Thailand, und dort sind die Begegnungen mit anderen oft von kurzer Dauer und bleiben an der Oberfläche. Auch Reiseeindrücke bleibt sie uns schuldig, das war mir zu Beginn zu wenig.

Sybille Schönherr hat eine sehr humorvolle Art zu schreiben, kleine Seitenhiebe, die nicht platt daherkommen und auflockern.
Und im weiteren Verlauf der Reise offenbart Jessi immer mehr Gefühle – sich selbst und dem Leser gegenüber. In Down Under trifft sie auf alte Bekannte, lernt sehr interessante neue Freunde kennen und macht sich auf den einen oder anderen „Trip“. Am Ende ihrer Reise durch Thailand, Australien und Neuseeland hat Jessi endlich den Flecken auf der Erde entdeckt, auf den es ankommt und den sie gesucht hat: Einen Ruhepol in ihr selbst!

Fazit: Ein Reisebericht der anderen Art, der nicht mit großen Beschreibungen der Landschaft punktet sondern mit vielen kleinen Einblicken ins Leben und einer tollen Art von Humor!

Bewertung vom 28.09.2018
Torkler, Christian

Der Platz an der Sonne


gut

„Es ist schon eigenartig. Wenn ich euch rausschmeiße, fragt mich keiner, warum ich das tue. Ist ja meine Scheune und somit mein gutes Recht. Sogar der Herr Pfarrer würde das verstehen. Doch wenn ich euch was zu essen und zu trinken gebe, dafür brauche ich einen guten Grund. Sollte es nicht umgekehrt sein?“
Seite 327

Josua Brenner kommt 1978 in Berlin auf die Welt. In einem „anderen“ Berlin, zerstört vom dritten Krieg. Das Einzige, was funktioniert, ist das Verbrechen und die Korruption. Nach der Schulzeit versucht er, sich mit ehrlicher, harter Arbeit etwas zu verdienen, um sich und seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Nach jedem Rückschlag rappelt er sich wieder auf und beginnt von vorne – bis er eines Tages genug hat und versucht, ins reiche Afrika zu gelangen.

Es ist eine fiktive Welt, in die uns Christian Torkler in „Der Platz an der Sonne“ führt. Eine Welt, in der die Menschen in Deutschland in Armut und schrecklichen Verhältnissen leben, Plumpsklos im Hof, kaum medizinische Versorgung, Bestechung überall. Politische Gegenbewegungen werden mit Gewalt niedergeschlagen. Manchmal werden kleine „Geschichtsbrocken“ gestreut, um ein wenig zu erklären, wie es dazu kam. Prägend war für mich die Trostlosigkeit, die über allem liegt.


Als Erzähler führt uns Brenner in der Ich-Perspektive durch das Buch. Er ist ein Anti-Held, der hart an der Grenze zur Legalität agiert, sich manchmal auch durch die Umstände dazu gezwungen sieht, offizielle Wege zu umgehen, um zu seinem Ziel zu gelangen. Seine Sprache ist gewöhnungsbedürftig, derb und von Schimpfwörtern geprägt, hinter denen sich oft eine Botschaft versteckt.

Egal, wie hart ihm das Schicksal und andere Menschen mitspielen, er rappelt sich immer wieder auf und versucht es mit Schwung nochmal… Bis er eines Tages genug hat und es einem Freund nachmachen will: Ab ins gelobte Land, wo es allen besser geht, ab nach Afrika!

Seine Flucht ist geprägt von zwei Extremen: Zwielichtigen Schleppern, bestechlichen Grenzbeamten und Soldaten, die sie berauben auf der einen, und Menschen, die ihnen ohne offensichtlichen Grund Haus und Hof öffnen, zu Essen geben und ihnen weiterhelfen auf der anderen Seite. Sein Weg ist beschwerlich, lebensgefährlich und immer wieder muss er von liebgewordenen Weggefährten Abschied nehmen. Am Ende holt ihn die Realität ein, aber Brenner wäre nicht Brenner, wenn er nicht weiterträumen würde…

Mich lässt „Der Platz an der Sonne“ etwas ratlos zurück. Erst Mal haben wir Brenners Leben in Berlin, teils sehr langatmig mit vielen Wiederholungen. Ob uns der Autor damit die Eintönigkeit vor Augen führen will?

Nach langen 300 Seiten beginnt Brenners Flucht, die Geldbeschaffung gestaltet sich als langwierig, aber weitere Details zur Vorbereitung bleibt uns der Autor schuldig.

Die Flucht ist hochdramatisch und oft nahe an dem, was Flüchtende in den letzten Jahren und leider auch heute noch jeden Tag erleben müssen. Manchmal bleibt nur noch, einen Fuß vor den anderen zu setzten und sich nicht umzudrehen, um nicht sehen zu müssen, wer hinter einem bleibt. Diese Abschnitte haben mich sehr berührt und auch zum Nachdenken angeregt. Sie wechseln sich ab mit sich wiederholenden Strecken in klappernden Bussen.

Immer wieder hat Brenner großes Glück – und genauso oft großes Pech. Manchmal hätte ich gern etwas mehr von ihm gespürt, so langatmig das Buch teilweise ist, Anmerkungen zu seinen Gefühlen macht Brenner nicht. Manchmal erkennt man erst im Nachhinein an Kommentaren seiner Freunde, wie schlecht es ihm gegangen ist. Dadurch haben mich auch schreckliche Ereignisse oft erstaunlich wenig berührt - und ich lasse mich an sich gerne kopfüber in Bücher fallen und fiebere wirklich mit.

Dadurch hat mich diese Geschichte nicht wirklich gekriegt, sie liest sich – für das Thema – oft zu leicht weg, ohne großen Eindruck zu hinterlassen. Schade.

Fazit: Ein interessantes Gedankenexperiment, dessen Potential nicht ausgeschöpft wurde.

Bewertung vom 28.09.2018
Frank, Elisabeth;Homma, Christian

Nie zu alt für Casablanca


ausgezeichnet

„… dann lasst uns auch rausfinden, wie gut wir noch sind!“
„Gut?“, zweifelte Gero. „Ohne Trainingseinheiten wird das bestimmt ein Fiasko: schleichen, Geheimsprache, Maskierung, Knoten, Taschenspielertricks … das habt ihr doch bestimmt alles verlernt.“
(Seite 30)

Über vierzig Jahre haben sich die Mitglieder der Jugend-Detektiv-Bande V.I.E.R. nicht mehr gesehen und keine Fälle mehr gemeinsam gelöst.
Als Ina ein Kreuzfahrtschiff des Elfenbeinschmuggels verdächtigt, ist es an der Zeit, die V.I.E.R. zu reaktiveren - und eine spannenden Ganovenjagd von Gran Canaria über Casablanca bis nach Mallorca beginnt!

Wie sehr habe ich als Kind all diese Bücher über mutige jugendliche Detektive verschlungen… Und wie sehr sie mir gefehlt haben, ist mir erst so richtig beim Lesen dieses Buches bewusst geworden!
Gero, Ina, Elli und Rüdiger sind schon etwas in die Jahre gekommen und haben sich aus den Augen verloren, als die taffe Ina sie wieder zusammenruft: Die mütterliche Elli, den etwas kleinbürgerlich wirkenden Rüdiger, und Gero, den konsequenten Strategen. Diese so unterschiedlichen Charaktere, die sich auch mal aneinander reiben, gepaart mit einer wirklich spannenden und überraschenden Handlung machen das Lesen so interessant!
Wir bekommen alle Elemente, die sich auch in einem klassischen Jugendroman wiederfinden, angefangen von interessanten Schauplätzen, überraschenden Wendungen, geglückten und nicht so gelungenen Observationen – und neuen Freunden, die zu Helfern werden!
Das Ganze noch garniert mit wirklich tollen Beschreibungen der Städte und Sehenswürdigkeiten, durch die die Reise führt, man hat das Gefühl, selbst mit an Bord des Luxusliners zu sein!

Ich freue mich schon auf den nächsten Band der V.I.E.R. und möchte in jedem Fall wieder mit ermitteln!

Bewertung vom 18.09.2018
Sturm, Anca

Der Welten-Express Bd.1


sehr gut

„Wo bin ich hier?“
Fedor sah überrascht aus, doch dann grinste er – was sein Gesicht um Jahre jünger wirken ließ.
„Am besten Ort der Welt“, sagte er, dann schlug die Eisentür hinter ihm zu.!
Seite 33/34

Seit Flinns Bruder Jonte verschwunden ist, zerbrach die Familie vollends. Als Flinn in der Nacht an einem stillgelegten Bahnsteig einen Zug sieht, der aussieht wieder auf der Postkarte, die Jonte ihnen geschickt hat, springt sie auf.
Der Zug ist ein Internat mit besonderen Menschen… und so lernt Flinn ihre eigenen Besonderheiten kennen und stürzt mit neuen Freunden in ein großes Abenteuer!

20 Jahre nach Harry Potter ist es an der Zeit, eine neue, phantastische Welt kennenzulernen! Und die hat uns Anca Sturm mit dem Weltenexpress geschaffen! Tiere, die nicht jeder sieht, flüsternde Sterne, Buchstaben die sich bewegen – und vor allem Mysterien und Menschen, die sich kennenlernen und über sich selbst hinauswachsen. Getragen von neuen, tollen Freunden, die ihnen das geben, was ihnen selber fehlt!
Mich hat der Weltenexpress mitgenommen auf eine wunderbare Reise durch Europa!
Anca Sturm verwendet bekannte Elemente wie unterschiedliche Klassen, merkwürdige Direktoren und scheinbar böse Lehrer – auf sehr unterhaltsame Weise.
Manchmal hat mir etwas Spannung gefehlt, was der für mich überraschende Schluss wieder wettgemacht hat!

Und wer glaubt, dass ein Zug ein sehr begrenzter Rahmen für ein phantastisches Abenteuer ist – tja, der war wohl noch nicht im Weltenexpress!

Bewertung vom 12.09.2018
Nuottimäki, Petteri

Ein besoffener Bär im Bergwerkswald


sehr gut

„Es heißt ja, wenn man tausend Affen tausend Schreibmaschinen gibt, schreiben sie früher oder später auch Shakespear-Sonette. Wenn man ihnen auch noch tausend LSD-Trips dazu spendiert, könnten sie vielleicht so was wie das hier schreiben, dachte Per“

Seite 96



Dieses Zitat beschreibt ganz gut mein Lesegefühl. Aber erst kurz zum Inhalt:

Eigentlich wollte Bürgermeister Per nur mit der Familie zum Pilzesammeln, als sie von einem merkwürdigen, lauten Irgendwas verfolgt werden. Emil, der Sohn, macht das, was man als gestandener Teenager in so einem Fall als erstes tut: Handy raus, Kamera an.

Der Film schlägt ein wie eine Bombe, und auf einmal strömen Touristen in das sterbende Dörfchen und den mysteriösen Wald. Vom Hippie über Kristallmenschen bis zu Aluhutträgern ist alles dabei. Und sie alle haben eine glaubhafte Erklärung, was das denn war: Aliens, ein Elefantenbaby, ein besoffener Elch…



Petteri Nuottimäki hat eine unglaublich schräge Satire geschaffen, in der er unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Besonders fällt auf, dass er sich nicht auf eine Gruppe stürzt, die er durch den Kakao zieht, nein, wir bekommen alle unser Fett weg!

Per ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, seine Gedanken zu verfolgen war sehr unterhaltsam. Denn als Bürgermeister ist er natürlich verantwortlich für dieses Phänomen und muss die Touristen im Dorf halten fürs Geschäft – und auf jeden Fall loswerden, bevor die Elchjagd losgeht.

Was herrlich zu lesen war, waren die immer abstruseren Erklärungen der Suchenden. Als man ahnt, was es gewesen sein könnte, bestärkt sie das nur noch mehr in ihrem Glauben. Es zeigt unsere Gesellschaft: Je mehr Erklärungen uns die Wissenschaft liefert, umso mehr suchen wir den Glauben: an eine Verschwörung der Regierung, Illuminaten und Außerirdische.

Bei all den Gags, der Situationskomik und den herrlichen Formulierungen hat für mich dann doch etwas Spannung gefehlt, dafür gibt’s einen kleinen Punkteabzug.

Bewertung vom 10.09.2018
Maxeiner, Alexandra

Karlas ziemlich fabelhafter Glücksplan


ausgezeichnet

Karla wohnt mit ihrer Mama und ihrem Bruder Nino zusammen, ihr Papa ist verstorben, als sie noch ganz klein war. Aber das ist nicht schlimm, sie vermisst ihn nicht. Denn er ist ja bei ihr und schickt ihr immer wieder Hasenmotive…

Und mit solchen magischen Momenten kann Karla zaubern, und das ist auch bitter nötig, wenn die Familie von grantigen Nachbarn, fordernden Chefs und einem richtig gemeinen Mitschüler umgeben ist!



Karla ist ein witzig-freches 9jähriges Mädchen, das mit viel Phantasie und tollen Freunden ihren Alltag meistert. Sie ist selbstbewusst und will tatkräftig helfen, als ihr Bruder Nino vom Miesen-fiesen-Finn gemobbt wird. Und dazu muss sie ihren Zauber aktivieren!

Ich bin ihr gerne gefolgt bei ihrer Reise, durfte auch als Erwachsene noch Neues dazulernen, wie das so ist mit Padautzern und mit den Dinge-Regeln. Die werde ich mir auch zu Hilfe holen, wenn es darum geht, meinem Kind zu erklären, wann man selber aktiv wird und wann man besser um Hilfe bittet.

Ich habe mir Karla geweint beim Lied vom traurigen Schienbein und fürchterlich mit ihr gelacht, als sie losgezogen ist, um zu zaubern!

Mit vielen komischen Begegnungen, ernsten Momenten und vor allem magischen Augenblicken führt uns Alexandra Maxeiner durch dieses ziemlich fabelhafte Mädchenbuch!