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Benutzername: jam
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Bewertungen

Insgesamt 147 Bewertungen
Bewertung vom 10.10.2019
Hüttenkatz / Frau Merkel Bd.4
Panizza, Kaspar

Hüttenkatz / Frau Merkel Bd.4


ausgezeichnet

Plötzlich wars wieder vorbei mit Hannis Ruhe. "Der Brandner Kaspar und der Tod", flüsterte sie, verdrehte die Augen und sackte in seine Arme.
In diese gespenstische Stille hinein meldete sich plötzlich Frau Merkel. "Yeah, mein schwarzer Bruder ist gekommen, jetzt geht der Spaß erst richtig los."

Eigentlich fährt Steinböck nur zu einem gemütlichen Klassentreffen. Das einzig außergewöhnliche: Es findet auf einer einsamen Berghütte statt und niemand weiß genau, wer es organisiert hat. Ach ja, und die Katze Frau Merkel hat sich selber dazu eingeladen - aber das ist eigentlich schon wieder gewöhnlich.
Doch ehe sie es sich versehen, wird tief in der Vergangenheit gegraben, aktuelle Verfehlungen angeprangert - und die Anzahl der noch lebenden Klassenkameraden dezimiert sich schlagartig¿ Wie soll Steinböck diese Morde aufklären? Gut, dass er sein Team inklusive der etwas eigenwilligen Katze rund um sich hat!

Ich gestehe alles - ich bin Wiederholungstäterin! Wenn rund um Steinböck gemordet wird, bin ich in der ersten Reihe mit dabei!
Was diese Krimis so besonders macht? Da hätten wir einerseits ein absolut unschlagbares Ermittlerteam: Steinböck, dessen Vornamen nicht genannt werden darf, den absolut politisch korrekten Emil, ein stark pigmentierter Rollifahrer, seine Kollegin Ilona Hasleitner und die Katze Frau Merkel. Manche Menschen können quasi die Gedanken der Saukatz lesen - was sie gerne auch zu ihrer eigenen Belustigung ausnutzt und Steinböck den Ruf eines komischen Kauzes eingebracht hat. Manchmal hilft sie auch bei den Ermittlungen - aber wirklich nur, wenn es ihr grade gut in den Kram passt. Ansonsten ist sie auch gerne mal ungewöhnlich schweigsam, wenn sie wichtige Beobachtungen gemacht hat.
Auf der anderen Seite einen realistischer Mord mit glaubwürdigen Motiven, authentischen Ermittlungen in einem flüssig-unterhaltsamen Stil mit jeder Menge Humor erzählt.
Diesmal mischen auch noch sehr unterschiedliche und interessante Charaktere in Form von Steinböcks ehemaligen Klassenkameraden mit. Sei es der "doch nicht so Bio"-Bauer Waldmeister, die sehr Bio-Gras-rauchende Hanni oder der dubiose Halbkriminelle Obstler, den man schon aus den Vorbänden kennt. Das verspricht einen unterhaltsamen Krimiabend! Sehr lesenswert!

Bewertung vom 02.10.2019
Stille Nacht, flauschige Nacht
Schier, Petra

Stille Nacht, flauschige Nacht


ausgezeichnet

„Ja, stimmt, ich habe kürzlich ein kleines Schwätzchen mit Petrus gehalten und ihn gebeten, ein bisschen am Wetter zu drehen. (…) Als Dankeschön kriegt er bis Weihnachten regelmäßig Kostproben von meinem Gebäck.“
„Du hast Petrus bestochen?“ Santa Claus riss empört die Augen auf.
Seite 424

Joel schreibt einen Brief an den Weihnachtsmann: Er möchte einen Hund und… sein Papa Patrick Sternbach arbeitet zu viel und Joel hat Angst, dass er und seine Zwillingsschwester Jessica zurück zu den Großeltern und ins Internat müssen… Da wäre es doch toll, wenn sein Papa jemanden hätte, der ihn bei all dem unterstützt.
Es ist zwar erst Oktober, aber da muss Santa mit seiner Frau und den Elfen dringend eingreifen!
Gut, dass Patrick mittlerweile schon einen Hund aus dem Tierheim geholt hat, so ist ein Punkt erledigt und vielleicht kann Oskar die weihnachtliche Mission ja unterstützen?

Ok, eine vorweihnachtliche Liebesgeschichte, in der wir in kurzen Einschüben Santa und seine Elfen bei der Arbeit beobachten und ein Hund, dessen Gedanken wir in Auszügen lesen können?! Normalerweise würde ich sofort Kitschalarm ausrufen!
ABER… bei Petra Schier werden diese Elemente zu einem absoluten Winter-Wohnfühl-Roman, den ich in einem verschlungen habe! Ihre jährlich erscheinenden Weihnachtsbücher finden alle in derselben kleinen Stadt statt, sind nur lose miteinander verbunden und auch für Neueinsteiger gut geeignet. Aber als Wiederholungstäter freut es mich immer wieder, bekannte Namen zu lesen!
In diesem eigenständigen Roman treffen wir wieder auf die Großfamilie Sternbach, die wir schon vergangenes Jahr kennenlernen durften. Patrick steckt bis zum Hals in Arbeit und auch das von den Großeltern Meininger auf die Matte gerufene Jugendamt macht ihm das Leben schwer. Da trifft es sich gut, dass Lauras Freundin Angelique gerade eine Auszeit im Ort macht. Die als „Tausendprozentig“ bezeichnete könnte als Assistentin der Geschäftsleitung Ordnung in sein Chaos bringen. Wenn Patrick es zulässt und ein paar Zügel aus der Hand gibt… und wenn nicht jedes Mal die Emotionen hochkochen, wenn die zwei aufeinanderprallen.
Und Angelique ist schon eine Person für sich. Mit absolutem Selbstvertrauen und langjähriger Erfahrung dreht sie binnen kurzer Zeit Patricks Büro – und sein Gefühlsleben – auf links, verweist Lieferanten in ihre Schranken, legt sich mit Meiningers Anwalt an und gewinnt rasch das Vertrauen von Patricks Zwillingen. Hat man sich erst Mal an ihren Namen gewöhnt genießt man es, ihr dabei zuzusehen, wie sie durch das Geschehen wirbelt!
Natürlich kommt dabei auch die Vorweihnachtszeit nicht zu kurz. Wir dürfen gemeinsam Kekse backen, Schneeballschlachten austragen und das ein oder andere Weihnachtslied bekommt man beim Lesen auch in den Kopf gezaubert! Ob das wohl das Wirken von Santas Frau ist?
Ein Buch zum „In-Weihnachtsstimmung-Kommen“, sich verlieben und einfach nur winterlich wohlfühlen!

Bewertung vom 30.09.2019
Männerlügen maßgeschneidert (eBook, ePUB)
Eckhaus, Tim

Männerlügen maßgeschneidert (eBook, ePUB)


sehr gut

„Stefan stand also mitten in der Nacht vor einem geöffneten Kühlschrank und trank ein Dosenbier, das ihm nicht gehörte. In einer Wohnung, die nicht seine war. Es beschlich ihn das Gefühl, dass sein Leben ganz schön aus dem Ruder gelaufen war.“

Je höher der Aufstieg, umso tiefer der Fall… Und es ist schon eine enorme Fallhöhe, die Stefan da hinter sich hat. Vom gefeierten Marketing-Guru, der einen Preis nach dem anderen einheimst, zum arbeitslosen Obdachlosen. Pleite steht er am Arbeitsamt – und trifft dort ausgerechnet Isabelle, in die er sich Hals über Kopf verliebt.
Also macht er sich selbst mal schnell zum Jobvermittler und verstrickt sich immer mehr in seinen Lügen, um Isabelle zu beeindrucken. Ein gefährliches Spiel, denn ihr Verlobter hat ihn im Visier…

Eins vorne weg: Ich liebe all diese Männer-Humor-Geschichten, sei es Sachau, Jaud oder Konecny, es darf gerne auch aus der untersten Schublade sein. Somit war klar, dass „Männerlügen maßgeschneidert“ in mein Beuteschema passt. (Und genauso klar ist, dass es für Freunde von zuckerlrosa Liebesgeschichten und gehobener Literatur wohl nichts ist ;) )
Und es ist durchaus eine unterhaltsame Geschichte, die Tim Eckhaus hier geschrieben hat. Stefan ist ein Klischee von einem abgehobenen, arroganten Marketinggott, von sich selbst überzeugt und besser als alles, was je diese Erde betreten hat. Umso härter schlägt er auf dem Boden der Realität auf und muss feststellen, dass auch Götter wie er nicht unsterblich sind. Alle Agenturen verweigern die Zusammenarbeit mit ihm und so erschafft er sich selbst ein Lügengebilde, um Isabelle zu beeindrucken. Doch die ist mit einem tollen Prinzen verlobt, der von sich selbst in der dritten Person redet und auch sonst ganz schöne einen an der Waffel hat.
Und Stefan hat auch mit seiner arbeitslosen Meute, die ihm zur Seite steht, ganz schön zu tun und muss sich so manch unangenehmer Wahrheit stellen. Gerade diese Teile haben mir gut gefallen!
„Deine tolle Agentur ist erstunken und erlogen. Gewerbsmäßiger Betrug. Stehen ein paar Jährchen schwedischer Gardinen drauf. Also sei nicht so überheblich. Fühl dich nicht sooo viel besser.“
Letzten Endes kommen aber auch die romantischen Elemente nicht zu kurz und so hat mich „Männerlügen maßgeschneidert“ gut unterhalten und könnte durchaus für eine Filmvorlage herhalten.
Manchmal hätte ich mir etwas mehr oder ausführlichere Dialoge gewünscht, ansonsten: Ein unterhaltsamer Roman mit viel Männerhumor!

Bewertung vom 28.09.2019
Herbstblüten und Traubenkuss
Schilling, Emilia

Herbstblüten und Traubenkuss


sehr gut

„Wie soll er das ohne dich schaffen?“ Sie lächelte. „Er kann das.“ Es sind nur diese drei kurzen Wörter, doch sie sagt sie so überzeugt, dass ich ebenfalls daran glaube.
Seite 276

Nachdem Mona ihren Job und ihre Wohnung verloren hat, schläft sie im Kinderbett ihrer Freundin. Höchste Zeit, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen! Kurzerhand bewirbt sie sich in einer Detektei.
Ihr Auftrag und gleichzeitig ihre Bewährungsprobe: Oliver Feeberger wieder zurück ins großelterliche Weingut zu bringen.
Tatsächlich findet sie ihn schon nach kurzer Zeit, doch er weigert sich, ohne sie dorthin zu gehen. Und so beginnt für das Stadtkind Mona ein 2monatiges Praktikum im Familienbetrieb der Feebergers…

Dieses Buch hat mich wohl genau zur richtigen Zeit erreicht… Denn noch während des Lesens hat es mich in eine Weinregion verschlagen, in der ich als Kind viel Zeit verbracht habe und auch bei der Lese helfen durfte. Aber auch ohne diese Spaziergänge im Weingarten katapultiert „Herbstblüten und Traubenkuss“ den Leser sofort ins herbstliche Wien und bringt einem den Zusammenhalt in einem Familienbetrieb näher. Auch lernen wir viel Wein und über die kulinarischen Genüsse in einem Buschenschank – durchzogen von authentischen Rezepten. Eine Besonderheit, die mir nicht neu ist, die ich aber immer wieder gerne in Büchern sehe.
Mona ist ein herzensguter Mensch, fast etwas zu herzensgut und so wirkt es manchmal, als wäre sie schwach und würde sich herumschubsen lassen. Ich selbst habe sie als starke Frau empfunden, die die Chance hat, in ein Leben fernab von dem, in das sie geboren wurde, kennenzulernen. Und diese Chance auch nutzt.
Sie ist in einem lieblosen Haushalt mit zwei Zahnärzten als Eltern aufgewachsen, deren einzige Erwartung an sie es ist, ihre Nachfolge anzutreten. Der einzige Wunsch, den sie ihnen nicht erfüllen will, denn ihre Welt sind die Zahlen.
Was für eine Ironie, dass ausgerechnet Mona nun Oliver überreden soll, das familiäre Weingut zu übernehmen. Denn nach einem schweren Schicksalsschlag vor fünf Jahren hat dieser die Familie überstürzt und ohne ein Wort verlassen. Dennoch wird er von den meisten herzlichen aufgenommen und fühlt sich sofort wieder in seinen Weinbergen zu Hause. Ein Gefühl, das ich nur zu gut verstehen kann.
Doch das Leben wäre nicht das Leben ohne Überraschungen. Und so hält auch diese Geschichte einige Herausforderungen für die Protagonisten bereit, sorgt für Missverständnisse und Beschuldigungen, die Mona meist stoisch über sich ergehen lässt. So herzlich sie vom Großteil der Familie aufgenommen wird, so hinterhältig versuchen andere, sie zu vertreiben.
Hätte ich mir hier mehr Ellbogeneinsatz von ihr gewünscht, wie manch anderer Leser?
Nein, denn Mona ist eine ruhige, gelassene Person, die weiß, wann stiller Protest wirkungsvoller ist als lautes Gebrüll.
So wunderbar die Beschreibungen der Gegend, des Essens, der Arbeit in sengender Sonne und klirrender Kälte waren, bei den Personen hat mir dieses runde Bild etwas gefehlt. Auch wenn ich Monas Art schätze, warum sie Hals über Kopf alles zusammenpackt um mit Oliver zu gehen, habe ich nicht ganz nachvollziehen können. Hier hätte mir ein etwas längerer Einstieg besser gefallen.
Die Liebesgeschichte selbst entwickelt sich langsam und somit glaubwürdig, und auch wenn ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte, war ich froh, dass Emilia Schilling uns nicht mit rosaroten Zuckerwolken verwöhnt sondern durchaus ein Maß an Realität zutraut.

Eine Liebesgeschichte, die uns in die Weingärten Wiens entführt und langsam wie die Trauben dort in der Sonne reift…

Bewertung vom 19.09.2019
Nerventee
Vitz, Antonia

Nerventee


ausgezeichnet

„Die glaubt wohl, ich hocke den ganzen Tag daheim und bohre in der Nase? Ich habe Haushalt!“

Der ganz normale Wahnsinn, den Franzi da lebt. Wohnen in einem kleinen bayrischen Kaff, Kinder, Erziehung, Haushalt, Teilzeitjob –und dazu noch einen Vater, der sowieso immer besser weiß, wie es zu laufen hat.
Doch gottseidank naht die Rettung: Denn Tante Hilde hat nicht nur die schönsten Tomaten und besten Zucchini, nein, auch in Sachen Kräuteranbau kann ihr keiner das Wasser reichen. Und diese neue Sorte Kräutertee, die sie in ihrem Gewächshaus hochzieht, scheint ja wirklich ein Wundermittel zu sein, wenn man Franzis Mama und dem halben Dorf Glauben schenken kann. Blöd nur, dass das tolle Biokraut erstklassiges Cannabis ist…
Und so ein bisschen gechillt läuft es doch gleich viel besser, oder? Bis… bis die Polizei an die Tür klopft und sich die Ereignisse überschlagen. Da ist es dann mit der Entspannung auch nicht mehr weit her…

Eine unglaubliche Geschichte hat Antonia Vitz da geschrieben! Die von ihr knackig, humorvoll erzählten Situationen sind so nah am Leben, das ich kenne, dass ich nicht nur einmal laut auflachen musste! Seien es absolut unverständliche, ausartende Gespräche in der Whatts-App-Elterngruppe, der allabendliche Zu-Bett-Geh-Terror der lieben Kleinen oder eben der gute Papa Sepp, der alles so sagt, wie er es sich denkt – ohne Rücksicht auf Verluste. Und dazu noch Tante Hilde, die keine Ahnung hat, was sie da eigentlich in ihrem Garten hat und den Tee munter übers ganze Dorf verstreut.
Und die Wirkung scheint wirklich toll zu sein, denn obwohl sie es partout nicht schaffen, dem manchmal doch etwas anstrengendem Sepp etwas von dem Tee einzuflößen, können sie mit seinen Eigenarten auf einmal viel besser umgehen. Manchmal war es mir fast ein wenig zu verherrlichend, welche Eigenschaften dem Kraut da alles zugeschrieben werden, was die sympathische Autorin in einem ausführlichen Nachwort relativiert, in dem sie erklärt und auch warnt

Man mag zu Hanf und seiner Wirkung stehen, wie man, dieses Buch schafft eine humorvolle Auszeit vom Alltag, inklusive Lachflash – und das auf absolut legale Weise!

Bewertung vom 13.09.2019
Drei Leben mit dir
Böhm, Kerstin

Drei Leben mit dir


ausgezeichnet

„Sie sind eine starke Frau. Und doch nehmen Sie ihr Leben nicht in die eigene Hand.“
Seite 185

Was wäre wenn… du zu dem Zeitpunkt einer Entscheidung zurückreisen könntest und dieses Mal den anderen Weg nehmen könntest? Aber bedenke: Nicht nur du bist von dieser Entscheidung betroffen – und sie kann für andere fatale Folgen haben!
Schon in ihrer Jugend waren sie ein unzertrennlich: Marc, Jonas und Rebecca. Doch mit dem Älterwerden kommen mehr als nur freundschaftliche Gefühle und Becca entscheidet sich für einen der beiden. Was sie nicht ahnt: Sie wird viel später zu diesem Zeitpunkt zurückkehren und einen anderen Weg einschlagen können!
Ein interessanter Gedanke hinter dieser Geschichte, es gibt sogar eine Art „Glaubensgemeinschaft“, die überzeugt ist, dass diese Art der „Zeitreise“ möglich ist.
Wie der Titel schon verrät, dürfen wir Rebecca über drei Leben begleiten, die sie mit Marc und Jonas verbringt. Sie ist eine liebenswürdige Protagonistin und in ihren wankelmütigen Zügen wird sich wohl die eine oder andere Leserin wiedererkennen. Es fällt ihr schwer, sich für einen der beiden zu entscheiden, dabei kennt sie noch nicht mal alle schrecklichen Fakten aus ihren vorherigen Versuchen.

Dieses Buch hat mich auf eine emotionale Achterbahn geschickt! Kerstin Böhm schaffte es, mich schon in den ersten Seiten ins Buch und in Rebeccas Gefühlswelt zu ziehen und mir Tränen zu entlocken. Man spürt die Anziehung zwischen den Protagonisten, wie schwer es Rebecca fällt, eine eindeutige Antwort zu geben und ihr Leben zu leben. Über weite Teile hat sie sich lenken lassen und es sich leicht gemacht, indem sie es anderen überließ, für sich zu entscheiden. Dadurch entwickelte sich eine Dynamik in ihren Beziehungen, die ich spannend zu lesen fand. Etwas gehadert habe ich mit der Rolle des „Buhmanns“ die ihrem Gegenüber zuteilwurde und mir der Erklärung für ihre „Zeitreisen“, die ich gar nicht gebraucht hätte und die sich dann ein wenig zog.

Fazit: Eine berührende Liebesgeschichte die altbekannte Frage an uns stellt „Was wäre wenn?!“

Bewertung vom 06.09.2019
Leben wird aus Mut gemacht
Landsteiner, Anika

Leben wird aus Mut gemacht


sehr gut

Unten angekommen, klatschte die Inderin laut in die Hände, und ich zuckte zusammen. Sie drehte sich um und sagte zu mir: „Geschafft. Alles ist schwierig, bis man es einfach macht.“

Seite 151



Die 84jährige Emma kontaktierte die Autorin, um jemandem ihr Leben erzählen, alle Teile und nicht nur die einzelnen Fragmente, von denen manche ein wenig wussten.

Inspiriert durch ihre Lebensgeschichte beschloss Anika, sich ein Jahr lang ihren persönlichen Herausforderungen zu stellen und in sieben Geschichten darüber zu berichten.



Anika Landstein ist bekannt für ihren Reiseblog und ihren Podcast ÜberFrauen. Ich persönlich kannte sie noch nicht und war gespannt auf dieses Buch!

Was ich mir erwartete, war mehr über das Leben von Emma zu erfahren, die Beweggründe der Autorin, sich auf ihre eigenen Abenteuer zu begeben, eine Beschreibung, warum es genau jene sein sollten –und am Schluss ein wenig von dem Gefühl, es jetzt selbst auch anpacken zu wollen. Einen Kick, eine Motivation…

Zuerst sei gesagt, auch wir erfahren nur Eckpfeiler von Emmas Leben, da habe ich mir etwas mehr erhofft und erwartet, denn sie ist sicherlich eine bemerkenswerte Frau!

Auch warum es genau jene sieben Aufgaben wurden, war mir bis zum Ende hin nicht ganz klar.

Die ersten drei Herausforderungen waren, die Familiengeschichte erforschen, eine Reise nur für mich (also ohne viele Fotos und bloggen) und dem Tod ins Auge blicken… Das waren große Herausforderungen für mich zu lesen, da ich mir einerseits eben mehr von Emmas Leben erwartet habe – und andererseits mit den Aufgaben an sich nicht viel anfangen konnte. Irgendwie wirkten sie mir zu groß und zu klein in einem. Um das kurz zu erklären: Eine Reise ohne großartiges Teilen – das ist für mich jede. Die Reise führte zum Burning Man – organisatorisch und finanziell ein Ding der Unmöglichkeit, wohl nicht nur für mich. Nach diesen Abschnitten war ich kurz davor, das Buch abzubrechen – und bin froh, es nicht getan zu haben!

Denn das war der Moment, an dem ich das Buch bewusst aus der Hand legte und mich fragte, was das Wort „Herausforderung“ für mich bedeutet. Warum etwas für einen Menschen selbstverständlich und für den anderen schwierig ist. Und musste dabei für mich feststellen, dass es eher die mentalen Herausforderungen sind, die mich reizen - und das jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, die ihm manches einfach und manches schwierig gestalten.

Die vierte Herausforderung, der sich Anika stellt, war eine Woche Schweigen im Ashram – und dieser Abschnitt hat mich regelrecht gefesselt! Von da weg hatte ich mich auf der eine Seite damit abgefunden, dass Emma eine Randfigur bleiben wird – und die Herausforderungen, denen sich die Autorin stellte, waren welche, die ich besser nachvollziehen konnte als die ersten. Und ihre Erkenntnisse daraus für mich dadurch auch verständlich und hilfreich.

Und so habe ich die zweite Hälfte des Buches dann doch noch genießen können, auch wenn es ganz anders war als erwartet!

Am Ende des Buches erwartet den Leser noch ein Mutmach-Manifest, das mir sehr gut gefallen hat!

Fazit: Ein Lebensbericht über ein Jahr voller sieben Herausforderungen für die Autorin - und Herausforderungen sind für jeden etwas anderes.

Bewertung vom 04.09.2019
Blut. Rausch. Gift.
Morus, Liv

Blut. Rausch. Gift.


ausgezeichnet

„Ich weiß was ich tue. Der Geruch hat meine Erinnerung zurückgebracht. Es wird zwar noch ein bisschen dauern, (…) aber ich werde rechtzeitig für meine Rache bereit sein.“
Prolog

In einer Schreinerei werden zwei Personen brutal erstochen – der Täter ist flüchtig. Und als dann auch noch ein Giftmord auf der Wiesn geschieht, drängt die Zeit!
Privat kommen sich Henri und Elisa immer näher. Doch als Elisas Chefredakteur von dieser Verbindung erfährt, verlangt er exklusive Vorabinformationen – die Elisa nicht liefern kann und will. Um mehr zu erfahren und ihren Job zu sichern, ermittelt Elisa auf eigene Faust…
Die Fahndung nach dem Mörder in der Schreinerei gestaltet sich als zäh. Und der vergiftete Pilot hat sich nicht nur Freunde gemacht, seine Witwe muss unangenehme Wahrheiten erfahren. Und die Polizei muss eine Mischung aus Warnung und Beruhigung veröffentlichen, um nicht die Gaudi auf der Wiesn zu gefährden.

Bereits zum vierten Mal gelingt es Liv Morus, mich mit ihrer Reihe rund um Elisa und Henri von der ersten bis zur letzten Seite zu packen!
Auch auf die Gefahr hin, mich in meinen Rezensionen zu widerholen, ihre Krimis haben einfach die perfekte Mischung für mich! Die Morde sind brutal, aber nicht zu „grausig“, die Motive und Täter absolut glaubwürdig – und dennoch schafft es die Autorin immer wieder, mich zum Ende hin zu überraschen!
Die Handlung ist so spannend aufgebaut, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Und auch die Rahmenhandlung, Elisas Herausforderungen in der Redaktion, der neue, etwas seltsame Ermittler in Henris Team, geht weiter und macht die Protagonisten noch glaubwürdiger und menschlicher. Aber in einem Ausmaß, dem auch Quereinsteiger leicht folgen können.
Und wie immer mein Star der Geschichte – München! Dass wir auch noch über die Wiesn geführt werden, macht das ganze doppelt lesenswert!
Zum Fall selbst kann ich nicht viel verraten, ohne zu spoilern… Lasst euch nur sagen, auch ihr werdet überrascht sein, wie nah an der Wahrheit ihr dran seid – ohne sie zu erraten!

Bewertung vom 27.08.2019
Das Geheimnis der Fjordinsel
Kabus, Christine

Das Geheimnis der Fjordinsel


ausgezeichnet

Und als sich wieder einmal ein Matrose von einem anderen Schiff über die kleine Frau an Bord des Schleppers lustig machte (…) hatte der Kapitän Rike auf die Schulter geklopft und gesagt: „Hör gar nicht hin. Du und die Greetje (das Schleppschiff), ihr passt gut zusammen. Nicht sehr groß, aber bärenstark, nicht unterzukriegen und immer bereit, die schwierigsten Herausforderungen anzunehmen.“



Norwegen, 1926: Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters will Johanne nicht so recht glauben, dass es Selbstmord war. Auf eigene Faust beginnt sie, dem nachzugehen und setzt sich in den Kopf, das Familienunternehmen allen Widrigkeiten zum Trotz und um jeden Preis weiterzuführen. Dabei erhält sie Unterstützung von ganz unverhoffter Seite – und gerät in große Gefahr.

Ostfriesland, 1980: Nach dem Tod ihres geliebten Opas Fiete erfährt Rieke, dass ihre Großmutter Johanne noch am Leben ist und gerne Kontakt zu ihrer Tochter und Enkelin hätte. Spontan begibt sie sich nach Norwegen und macht sich auf die Suche nach ihr. Die Spur führt zu einer alten Hütte auf einer kleinen Insel…



Christine Kabus hat mit „Das Geheimnis der Fjordinsel“ einen unglaublich abwechslungsreichen und spannenden Roman auf zwei Zeitebenen geschaffen. Ich kann mich noch immer nicht entscheiden, welcher Erzählstrang mich mehr gefesselt hat! Die Zeit um 1926 ist geprägt von der Prohibition, starke alkoholische Getränke sind verboten, der Schmuggel mit Hochprozentigem blüht.

Und 1980 widersetzt sich Rieke allen Konventionen und steht ihre Frau als Schlepperkapitänin. Obwohl die beiden Frauen in unterschiedlichen Zeiten und Welten leben, verbindet sie ihre starke Willenskraft, sich auch schwierigen Herausforderungen zu stellen und sich nicht in vorgegebene Rollenbilder pressen zu lassen. Dabei werden interessante historische Fakten ebenso eingeflochten wie lokale Besonderheiten, was ich auf unterhaltsame Art auch sehr lehrreich fand!

Die Geschichte ist auf zwei Zeitebenen geschrieben, die sich abwechseln. Über 49 Kapitel schafft es die Autorin, immer just an der spannendsten Stelle aufzuhören und uns in den anderen Erzählstrang zu führen, bis sich die beiden verbinden. Bis zur letzten Seite war ich gebannt!

Einziger kleiner Kritikpunkt: Über weite Teile genoss ich die detailreichen und ausschweifenden Erzählungen – im Gegensatz dazu kam mir das Ende zu abrupt, hier passierte mir etwas zu viel in zu kurzer Zeit.

Fazit: Ein wunderbar spannend und interessant erzählter Norwegenroman auf zwei Zeitebenen!

Bewertung vom 26.08.2019
Rendezvous mit Lou
Brouillard, Fabienne

Rendezvous mit Lou


gut

„Für einen Mann zählt immer nur die Frau, mit der er gerade zusammen ist.“
„Und die wäre?“
„Nun, in dieser Minute sind Sie das wohl, oder?“
Seite 120

Journalistikstudentin Lou hat sich so richtig ins Fettnäpfchen gesetzt. Als sie herausfindet, dass ihr Geliebter und Dozent weit davon entfernt ist, seine Ehefrau für sie zu verlassen, bekommt er eine Champagnerdusche – und die Ehegattin Petit Four auf ihr Oscar-de-la-Renta-Kleid. Schon schlimm genug, aber vor laufenden Kameras und den Augen des Premierministers?!
Um nicht kurz vor ihrem Abschluss der Hochschule verwiesen zu werden, muss sie eine Aufgabe bestehen, um ihr Können zu beweisen: Ein Exklusivinterview mit dem absolut medienscheuen Geschäftsmann Frédéric d’Arambault.
Um an ihn ranzukommen, fasst sie einen wagemutigen Plan und schreckt vor nichts zurück. Doch sie ahnt nicht, wie eng ihre Leben eigentlich schon verbunden sind.

Wo fange ich an? Dies ist mein erster französischer Liebesroman und ich muss sagen, ich bin etwas mit den Protagonisten überfordert. Ich ziehe gerne Filmvergleiche und Ellen hat mich stark an die „zauberhafte Juliette“ aus „French Kiss“ erinnert. Sie sagt ja, wenn sie nein meint, und nein, wenn sie ja meint, ist impulsiv und man weiß eigentlich nie, was sie gerade antreibt. Dabei ist sie so wankelmütig, dass ich mir bei einer realen Person Sorgen machen würde.
Ihr Versuch, sich ein Interview zu erschleichen geht nach hinten los und Frédéric „erpresst“ sie und zwingt sie, 14 Nächte mit ihr zu verbringen. Was für ihn ein Racheakt ist, wird schnell zu einem Spiel mit dem Feuer... Und eigentlich hat Frédéric keine Zeit für solche Spielchen, denn um seine Firma zu retten steht ein großer Deal an, der eigentlich seine volle Aufmerksamkeit benötigt.
Ein Milliardär, der bei einem Interview Gefallen an einer Studentin findet und sie zu etwas „zwingt“? Ohne es jemals gelesen zu haben, war mir klar, dass das nach „50 Shades of Grey“ klingt und ich hab ehrlich gesagt angefangen querzulesen um abzuchecken, ob das Buch in diese Richtung geht. Doch Fabienne Brouillard verschont uns mit expliziten Sexszenen!
Ich weiß nicht, ob es eine Eigenart französischer Liebesromane oder der Autorin ist, aber mir waren die Protagonisten zu launenhaft und ihre Schicksale zu konstruiert. So ein auf und ab, solche schlimmen Verwicklungen waren für mich nicht angenehm zu lesen. Lou war für mich nicht stimmig und Frédérics ursprüngliche Motivation so fragwürdig… Wie er mit seiner Art ein großes Unternehmen langjährig erfolgreich führen konnte?
Ein absolutes Highlight in dieser Geschichte war für mich Frédérics Geschäftspartner Tanaka, der die Handlung antreibt und gegen Ende hin das Ruder umreißt und mich wirklich berührt hat.
Auch Paris mit seinen Plätzen und Straßen trägt das seine zum Flair dieser Geschichte bei…

Fazit: Ein durchwachsenes Lesevergnügen…