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Maddinliest
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Borken

Bewertungen

Insgesamt 947 Bewertungen
Bewertung vom 01.11.2020
Elbel, Thomas

Der Todesbruder / Viktor Puppe Bd.3


ausgezeichnet

Auf den Spuren von Dante

Ein grausamer Serientäter sorgt in der Hauptstadt Berlin für Angst und Schrecken. Sein erstes Opfer wurde bei vollem Bewusstsein verbrannt und sein zweites von unzähligen Wespenstichen getötet. Die Taten verbindet eine römische Zahlenfolge, die an den Tatorten hinterlassen wurde. Was mag hinter den Taten stecken? Wird es weitere Opfer geben? Die ersten Spuren führen Viktor Puppe mit seinem Kollegen Ken zu einer kirchlichen Schule, bei der sie aber auf eine Mauer des Schweigens stoßen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...

"Der Todesbruder" ist der dritte Band um den sympathischen Ermittler Viktor Puppe und seinem Team. Die ersten beiden Bände konnten mich bereits begeistern, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung ins neue Werk vom Autor Thomas Elbel gestartet bin. Nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich nicht enttäuscht werden würde. Mit seinem temporeichen und hervorragend zu lesenden Schreibstil, hatte mich Thomas Elbel schnell wieder in den Bann gezogen. Der Spannungs-bogen wird gleich zu Beginn des Buches mit dem grausigen Auffinden des ersten Opfers gut aufgebaut und über die, mit überraschenden Wendungen gespickten, Ermittlungsarbeiten auf einem sehr hohen Niveau gehalten. Es fiel mir sehr schwer das Buch zur Seite zu legen, was auch an der sehr interessanten Weiterentwicklung der charismatischen Protagonisten lag. Sie prägen den Thriller und geben ihm eine besondere Note. Auch die wohldosierten humorvollen Einlagen heben den Unterhaltungswert des Buches, welches mit einem fulminanten Finale und einem aus meiner Sicht äußerst gelungenen Plot abgerundet wird.

"Der Todesbruder" ist für mich ein außerordentlich gut gelungener Thriller, der mir einige packende Lesestunden beschert hat. Ich empfehle es daher sehr gerne weiter, rate aber auch dazu, die Serie von Beginn an zu lesen, denn es lohnt sich. Meine Bewertung fällt folgerichtig mit den vollen fünf von fünf Sternen auch positiv aus.

Bewertung vom 01.11.2020
Schmidt, Joachim B.

Kalmann


ausgezeichnet

Der Sheriff von Raufarhövn

Kalmann Odinsson jagt für sein Leben gerne Polarfüchse und Grönlandhaie, sich selbst sieht er als Sheriff von Raufarhövn und zeigt sich daher gerne mit Cowboyhut und Pistolengurt in der Öffentlichkeit. Er ist schon ein wenig speziell, was sicherlich auch an seinem unterdurchschnittlichen IQ liegt, der ihm mit in die Wiege gelegt wurde. Nichts desto trotz tritt er als ein herzens-guter Mensch, der eines Tages auf der Jagd nach einem Polarfuchs auf eine große Blutlache stößt. Hat diese mit dem plötzlichen Verschwinden des ansässigien Hotelbesitzers zu tun? Oder ist dort jemand Opfer eines Eisbären geworden, die in der isländiscen Region eher seltener zu finden sind? Auf alle Fälle ändert sich das Leben von Kalman von einem Tag auf den anderen...

Der Autor Joachim B. Schmid hat aus miener Sicht mit "Kalmann" einen besonderen Roman geschrieben. Er erzählt die Geschichte in einem klaren und gut zu lesenden Schreibstil, der mich schnell in die Welt des Hauptprotagonisten Kalmann entführt hat. Der ganze Roman wird aus der Sicht von Kalmann geschildert und seine manchmal naive, aber immer grundehrliche Art verleiht der Geschichte ihren besonderen Charme. Der Spannungsfaktor kommt aufgrund der zunächst unerklärlichen Blutlache auch nicht zu kurz, und die Entwicklungen bis zur Lösung des großen Rätsels, sowie ein fulminantes Finale halten diesen auch auf einem guten Niveau. Besonders Augenmerk wird aber auf die einfache und klar definierte Person von Kalmann gelegt. Wie er die Welt sieht, sorgt beim Leser sicherlich für den einen oder anderen Schmunzler, macht aber auch manchmal ein wenig nachdenklich. Auf alle Fälle wächst der interessante Charakter dem Leser ans Herz und man fiebert gerne mit, wenn er seiner Rolle des Sheriffs von Raufarhövn nachkommt.

"Kalmann" ist für mich ein äußerst gelungener Roman, der zeigt, dass in unserer komplizierten und komplexen Welt gerade eine naive Weisheit und der Mut des reinen Herzens die Lösung vieler Probleme sein kann. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 01.11.2020
Schlegel, Tina

Still schweigt der See


ausgezeichnet

Terror in Konstanz

Hauptkommissar Sito wird mit einer dramatischen Entführung in der Elite-Universität von Konstanz konfrontiert. Die Täter stellen die außergewöhnliche Forderung, die Aufklärung einer Vergewaltigungsserie, die die Stadt am Bodensee in der jüngsten Vergangenheit in Angst und Schrecken versetzt hat, sofort zum Abschluss zu bringen. Als dann zudem direkt vor dem Polizei-Präsidium ein entführter Bus mit einer Bombe und vielen Insassen auftaucht, droht die ganze Situation aus dem Ruder zu laufen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und Hauptkommissar Sito ahnt noch nicht, dass der Fall für ihn eine ganz persönlicher werden soll...

Tina Schlegel hat mich mit ihren Kriminalromanen und die beiden Ermittler Sito und Enzig bereits mehrfach begeistern können, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in den vierten Fall der Beiden gestartet bin. Schnell hatte mich die Autorin auch wieder mit ihrem fesselnden und tiefgründigen Schreibstil gefangen und an den Bodensee entführt. Sie entwickelt im Verlauf eine immer komplexere und sehr clever konzipierte Geschichte, in der sie den Leser mehrmals mit unvorherseh-baren Wendungen und Einblicken in die Gedanken ihrer Protagonisten überraschen kann. Der Spannungsbogen wird mit der Geiselnahme klassisch aufgebaut und über die Dramatik der Situation und den Ermittlungen von Hauptkommissar Sito auf einem hohen Niveau gehalten. Das Ganze wirkt sehr atmosphärisch und erhält einen wohldosierten Lokalkolorit dieser schönen Region Deutschlands. Sehr gut hat mir auch die Weiterentwicklung der ausschlaggebenden Protagonisten gefallen, die mit ihren interessanten Charakteren zum Gelingen des Kriminalromans beitragen.

Insgesamt ist "Still schweigt der See" für mich eine mehr als gelungene Fortsetzung einer besonderen Krimi-Reihe um zwei charismatische Ermittler, die noch viele Folgebände verdient hat. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 31.10.2020
Sabrowski, Sylvia

Zechenkiller


ausgezeichnet

Auf Kohle gebaut...

Kaum ist die letzte Zeche des Ruhrgebiets in Bottrop geschlossen, gibt es Vermutungen, dass in den Tiefen der Schächte einiges verborgen liegt, was die Umwelt und den Menschen nachträglich schaden wird. In dieser Diskussion stirbt plötzlich ein Umweltaktivist und es stellt sich schon bald heraus, dass der Mann offensichtlich ermordet wurde und kurz vor seinem Tod Drohungen vom sogenannten "Zechenkiller" erhalten hat. Welche Geheimnisse verbergen sich in den dunklen Schächten der Zeche. Die Psychologierstudentin Liesa Kwatkowiak, sowie ihr Freund und Computer-Nerd Tim Goretzka nehmen auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

"Zechenkiller" ist der zweite Band um die beiden sympathischen Privatermittler aus dem Ruhrgebiet. Der erste Teil konnte mich beriets überzeugen, so dass ich mit viel Vorfreude in das neue Werk gestartet bin. Die Autorin Sylvia Sabrowski erzählt die Geschichte in einem lockeren und sehr temperamentvollen Schreibstil, der dem Leser schnell die Eigenheiten des Ruhrgebiets und seinen Menschen vor Augen führt. Den Spannungs-bogen baut sie über den spektakulären Todesfall des Umweltaktivisten direkt zu Beginn des Buches gut auf und hält ihn mit den ereignisreichen und streckenweise unkonventionellen Ermittlungsarbeiten von Liesa und Tim auf einem hohen Niveau. Es entwickelt sich ein raffiniert konzipierter Kriminalroman mit einem sehr gut dosierten Lokalkolorit, der authentisch und sympathisch eingebunden wird. Sylvia Sabrowski führt in ihren Büchern den besonderen Gemeinschaftssinn der Kumpels sehr gut vor Augen und hält ihn so ein wenig aufrecht für die nachfolgenden Generationen.

Insgesamt ist "Zechenkiller" eine aus meiner Sicht sehr gut gelungene Fortsetzung einer Krimi-Reihe aus dem Ruhrgebiet mit viel Charme und einem hohen Unterhaltungswert. Ich empfehle daher den Kriminalroman sehr gerne weiter und bewerte ihn mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.10.2020
Leipciger, Sarah

Das Geschenk des Lebens


sehr gut

Die Totenmaske

Vom Leben enttäuscht wirft sich zum Ende des 19. Jahrhunderts ein junges Mädchen aus Verzweiflung in die Seine. Ihren aus Instinkten aufkommenden Lebenswillen zum Trotz kann sie nur tot geborgen und in ein Hospital eingeliefert werden. Ihre befreiten und lächelnden Züge motivieren einen Leichenbeschauer, das Gesicht anhand einer Totenmaske für die Ewigkeit festzuhalten. Eine Eingebung, die viele Jahre später noch dafür sorgen soll, dass Menschen mit dem Atem des Lebens versorgt werden und auf dem schmalen Grad zum Tod eine neue Chance bekommen...

Die Autorin Sarah Leipciger hat mit "Das Geschenk des Lebens" einen aus meiner Sicht besonderen Roman geschrieben. Sie erzählt die Geschichte in einem lebendigen und gut zu lesenden Schreibstil, der mich in den Bann ziehen konnte und bedient sich dreier zeitlich voneinander abgegrenzter Handlungsstränge, die im verlauf des Buches immer mehr zueinander finden. Es handelt sich um drei schicksalshafte Erlebnisse, die unabsehbar miteinander in Verbindung stehen und über das Wasser ein verbindendes Element erhalten. Mit den Sprüngen zwischen den Kapiteln und den einhergehenden Perspektivwechseln wirkt das Ganze noch lebendiger. Was mir ein wenig fehlte, war die emotionale Tiefe, um sich in die jeweiligen Protagonisten besser einfühlen zu können. So entsteht eine rationale und durchaus interessante Geschichte, die mich als Leser aber nicht richtig berühren konnte.

Insgesamt hat die Autorin Sarah Leipciger aus meiner Sicht eine spannende Thematik gut aufbereitet und mit ihrem außergewöhnlichen Erzählstil einen Stempel aufgesetzt. Gerade aufgrund der erfrischenden Herangehensweise und des lebensbejahenden Themas empfehle ich das Buch gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.10.2020
Kuhn, Greta R.

Goldene Bremm


ausgezeichnet

Ein ganz persönlicher Fall

Die Stadt Saarbrücken wird von einer Mordserie in Atem gehalten. Ein Serientäter tötet in einem beängstigenden Tempo Prostituierte des stadt-bekannten Straßenstrichs. Die Kommissarin Veronika Hart übernimmt mit ihrem Team den Fall, muss sich allerdings immer mehr mit dem Gedanken anfreunden, dass sie selbst im Fokus eines Täters steht. Nur mit viel Glück entgeht sie zwei Anschlägen auf ihre Person und muss sich eingestehen, auch ihr persönliches Umfeld in Gefahr zu bringen. Sie kann sich nicht erklären, womit sie einen solchen Hass einer Person auf sich gezogen hat. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...

"Goldene Bremm" ist bereits der zweite Band um die sympathische Ermittlerin Veronika Hart. Ich bin als Quereinsteiger mit diesem Teil in die Reihe eingestiegen und hatte zu keiner Zeit Verständnisprobleme. Die Autorin Greta R. Kuhn erzählt die Geschichte in einem äußerst lebendigen und hervorragend zu lesenden Schreibstil, der mich schnell in den Bann ziehen konnte. Sie arbeitet mit vielen kurzen und knackigen Kapiteln, die mit den jeweiligen Perspektivwechseln noch für ein zusätzliches Tempo sorgen. Den Spannungsbogen baut Greta R. Kuhn mit den Anschlägen auf die Hauptprotagonistin direkt zu Beginn des Buches auf und hält ihn mit den packenden Ermittlungsarbeiten auf einem hohen Niveau. Die Ermittlerin wird interessant gezeichnet und sorgt mit ihrem Auftreten für einen besonderen Charme. Die zwei Handlungsstränge werden im Finale gut miteinander verbunden und mit einer schlüssigen Auflösung beendet.

Insgesamt ist "Goldene Bremm" aus meiner Sicht die sehr gut gelungene Fortsetzung einer interessanten Krimi-Reihe, in der die Ermittler noch hoffentlich einige Fälle zu lösen bekommen. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.10.2020
Paar, Tanja

Die zitternde Welt


sehr gut

Historische Reise nach Anatolien

Am Ende des 19. Jahrhunderts beschließt die noch junge Maria dem werdenden Vater ihres heranwachsenden Kindes nach Anatolien zu folgen. Hochschwanger überrascht sie den Ingenieur Wilhelm, den die Faszination des Baus der Bagdadbahn in den Orient geführt hat. Die zukünftige Lebens-ader zwischen Orient und westlicher Welt soll das weitere Schicksal der Beiden samt ihrer Kinder bestimmen. Die Familie genießt ihre Gesellschaft-liche Stellung und wird von historischen Ereignissen immer wieder vor neue Prüfungen gestellt.

Die Autorin Tanja Paar hat mit "Die zitternde Welt" ein Familiendrama mit einem spannenden historischen Hintergrund veröffentlicht. Sie erzählt die Geschichte in einem bildreichen und gut zu lesenden Schreibstil, der mich schnell in die damalige Zeit entführt hat. Im Mittelpunkt steht zunächst die selbstbewusste und lebenshungrige Hauptprotagonistin Maria. Sie nimmt für die damalige Zeit die sehr mutige Reise auf sich, um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Ihr großes Glück findet sie mit Wilhelm trotz der größer werdenden Familie nicht, sie genießt die gesellschaftliche Anerkennung flüchtet sich aber schnell in eine Affäre um das Leben mit ihrem oberflächlichen Mann erträglicher zu gestalten. Die historischen Ereignisse fordern aber den bedingungslosen Zusammenhalt der Familie um das zerbrechliche Konstrukt aufrecht zu erhalten. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und wird von der Autorin Tanja Paar mit den gut recherchierten Fakten interessant umgesetzt.

Insgesamt ist "Die zitternde Welt" eine aus meiner Sicht spannende Reise in die Vergangenheit des selten im Fokus stehenden Orients. Die Familiengeschichte hat mir einen guten Einblick in die damalige Weltgegeben und für unterhaltsame Lesestunden gesorgt. Ich empfehle den Roman daher gerne weiter und bewerte ihn mit guten vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 04.10.2020
Neubauer, Ralph

Neid kennt kein Gebot / Südtirolkrimi Bd.8


gut

Krimi mit viel Lokalkolorit

Das Entsetzen ist groß in der idyllischen Gemeinde Südtirols, als Touristen einen fachmännisch abgetrennten Arm im Weiher finden. Commissario Fabio Fameo nimmt die Ermittlungen auf, die sich aber zunächst als sehr schwierig gestalten, da die Identität des Opfers nicht ermittelt werden kann. Auch das Auffinden weiter Leichenteile bringt das Ermittlerteam nicht weiter, so dass man sich auf die Metzger, Jäger und Ärzte der Umgebung konzentriert. Handelt es sich um die Tat eines Serientäters? Drängt die Zeit ehe es ein weiteres Opfer gibt? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...

Ich habe bereits einige Kriminalromane aus dem Athesia-Verlag gelesen und war bisher immer von dem sehr angenehmen Lokalkolorit des schönen Tirols begeistert. Der Autor Ralph Neubauer legt in seinem mittlerweile achten Fall für Commissario Fabio Fameo auch sehr viel Wert auf die Umgebung und Atmosphäre, vergaloppiert sich dabei aber meiner Ansicht nach ein wenig in Handlungsstränge, die für die eigentliche Geschichte wenig bis keine Bedeutung haben. Der Spannungsbogen leidet unter diesen Nebenkriegsschauplätzen und testete beim Lesen das eine oder andere mal mein Durchhaltevermögen. Der Kriminalfall an sich wird gut und raffiniert konzipiert und mit einer nachvollziehbaren Lösung abgeschlossen, aber meines Erachtens nach, hätten die Ermittlungen, die immer wieder durch neue Hinweise in Sackgassen führen, mehr im Fokus stehen müssen. Der bildreiche Schreibstil vom Autor Ralph Neubauer liest sich sehr flüssig, so dass aus meiner Sicht das Potential der Geschichte nicht ausgeschöpft wurde.

Insgesamt hat mich "Neid kennt kein Gebot" als Kriminalroman nicht ganz überzeugen können, da der Autor es für mich mit den lokalen Gegebenheiten ein wenig zu gut gemeint und so dem Buch die Spannung genommen hat. Aufgrund des angenehm zu lesenden Schreibstils will ich dem Autor aber gerne noch ein weitere Chance geben, zumal seine Bücher viele gute Bewertungen erhalten. Ich gebe dem Kriminalroman drei von fünf Sterne.

Bewertung vom 04.10.2020
Kern, Claudia

Divided States of America


sehr gut

Eskalation in den Vereinigten Staaten

Ein neuer Präsident ist gewählt, aber gleich mit seinem Amtsantritt arbeitet er massiv an der Spaltung des Landes. Er ruft zur Ausweispflicht aus, was viele seit Jahren illegal in den USA lebende Menschen in Aufruhr bringt. Gleichzeitig bricht der schwelende Fremdenhass in der Öffentlichkeit aus und erste Hand-greiflichkeiten eskalieren immer weiter. Dem Präsidenten scheint die Situation aus den Händen zu gleiten und seine hilflose Situation verschlimmert sich mit jeder seiner unbedachten Entscheidungen. Am Unabhängigkeitstag kommt es zur Katatstrophe, die vielen Amerikanern das Leben kosten wird...

Das Thema könnte zur Zeit nicht brisanter sein. Die in Amerika bevorstehende Präsidentschaftswahl wirft ihre Schatten voraus und mit "Divided States of America" wirft die Autorin Claudia Kern einen düsteren Blick in die Zukunft. Der Charakter des fiktiven Präsidenten Johnson ist ähnlich gezeichnet wie der des aktuellen ersten Mannes in Amerika. Er polarisiert und treibt die Spaltung des Landes und eigentlich auch der Welt voran. Wie dieses gefährliche Spiel in einer Katastrophe enden kann, zeigt die Geschichte in diesem Buch. Die ganzen Szenarien wirken eigentlich sehr real und immer wieder fand ich beim Lesen auffällige Parallelen zu den aktuellen Geschehnissen in dem Land. Gerade diese Tatsache führt dazu, dass mich das Buch bewegt und nachdenklich zurückgelassen hat. Claudia Kern erzählt ihre Vision in einem lebendigen und temporeichen Schreibstil, der mich in den Bann ziehen konnte. Ich hätte mir vielleicht gewünscht, dass der unglücklich agierende Präsident als Keim des Übels mehr im Fokus gestanden hätte.

Insgesamt ist "Divided States of America" ein durchaus realistischer aber zugleich unbequemer Blick in die Zukunft. Das Buch sollte den ein oder anderen Wahlberechtigten in Amerika zur Verfügung gestellt werden, eher er an die Wahlurne tritt, um sich den Folgen seiner Handelns bewusst zu machen. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 04.10.2020
Winger, Luc

Mord auf dem Court


ausgezeichnet

Mehr als nur ein Spiel

Im Jahre 1972 soll der Grundstein zur großen Tennis-ATP-Tournee gelegt werden. Es geht um viel Geld, Ruhm und Ansehen, was natürlich auch der Nährboden für Neid und Missgunst ist. In diesem Szenario wird der erfolgreiche französische Tennis-Star Louis Lassalle ermordet. Da er im Organisationsteam war, werden die restlichen Mitglieder gleich verdächtig, oder ist das Motiv eher im lokalen Tennisclub zu suchen, in dem es zur Zeit ebenfalls drunter und drüber geht?

Der Autor Luc Winger konnte mich bereits mit den beiden vorherigen Bänden seiner Reihe um Commissaire Lucie Girard begeistern, so dass ich mit einer großen Vorfreude in den neuen Fall gestartet bin. Ich war auch schnell wieder im Charme der 70er Jahre gefangen und Luc Winger erzählt die Geschichte in seinem temperamentvollen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil, der das Buch für mich zu einem echten Page-Turner machte. Der Spannungsbogen wird mit dem Eintauchen in die regionale Tenniswelt von Saint-Tropez langsam aber raffiniert aufgebaut und über die anschließenden Ermittlungsarbeiten auf einem hohen Niveau gehalten. Es mangelt mal wieder nicht an potentiellen Tätern, die das Rätselraten um die Auflösung für den Leser nicht leichter machen. Luc Winger gelingt es dann mit einem gut nachvollziehbaren Finale die Geschichte gelungen abzurunden. Sehr gut gefallen hat mir die Weiterentwicklung seiner interessant und sympathisch charakterisierten Hauptprotagonistin, die der Reihe aus meiner Sicht einen besonderen Charme verleiht.

Insgesamt ist "Mord auf dem Court" für mich die gelungene Fortsetzung einer besonderen Krimi-Reihe, die mit dem zeitlichen Hintergrund der 70er Jahre, einer charmanten Kommissarin und dem Erzähltalent des Autors überzeugt. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.