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Xirxe
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Hannover
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Insgesamt 877 Bewertungen
Bewertung vom 08.02.2016

Adler und Engel, 4 Audio-CDs


sehr gut

Was für eine chaotische Geschichte, die da aus einer Teenagerliebe erwächst. Es geht um Drogenhandel und -schmuggel, geschickt vermischt mit den Kriegswirren auf dem Balkan und der danach folgenden Osterweiterung - das sind die unschönen Beigaben einer Liebesgeschichte die keine ist. Max ist verliebt in Jessy, die aber in Scherscha - der wiederum nur an viel Geld interessiert ist, an das er über Jessy heranzukommen glaubt, deren Vater ein Drogenhändlier im großen Stil ist. Max zieht sich zurück, wird ein erfolgreicher Anwalt im Völkerrecht und begegnet Jessy wieder. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als sich der Kontakt zu seiner alten Liebe intensiviert...
Grundsätzlich keine schlechte Geschichte, wie hier das Grauen des Drogenhandels wie auch des Balkankrieges einem vor Augen geführt wird wie auf übelste Weise beides zusammengeführt wird. Doch irgendwie empfand ich die Art in der Alles zusammenhing, ziemlich konstruiert. Nichts, aber auch überhaupt nichts wurde hier dem Zufall überlassen, alles war geplant und von bösen Hintermännern in die Wege geleitet worden. Es löst sich am Ende (wenn auch nicht in Wohlgefallen) zwar alles auf und die Zusammenhänge sind klar erkennbar, doch etwas weniger Konstruktion hätte für meinen Geschmack dem Roman sehr gut getan. So bleibt es im Rückblick für mich eine recht chaotische Geschichte mit noch chaotischeren Hauptfiguren.
Sehr gut gefallen hat mir aber Anna Thalbach als Vorleserin, die Jessy für mich überdeutlich darstellte mit ihrer feinen, manchmal leicht abwesend klingenden Stimme. Auch der Part von Max gefiel mir - recht neutral, schwer zu entscheiden ob Mann oder Frau, genau richtig für diese Figur.
Alles in allem also ok - wenn man Anna Thalbach mag ;-)

Bewertung vom 21.12.2015
Raabe, Wilhelm

Die Chronik der Sperlingsgasse


ausgezeichnet

Wilhelm Raabe lässt in 'Die Chronik der Sperlingsgasse' einen älteren Mann von seinem Leben und dem der Menschen die ihn in dieser Gasse umgaben, erzählen, während er zeitgleich aktuelle Erlebnisse miteinbezieht. Es ist keine chronologisch verlaufende Geschichte, von der hier berichtet wird, stattdessen lässt sich Wachholder (so sein Name) vom Moment inspirieren, etwa beim Blick aus dem Fenster auf die Sperlingsgasse oder wenn er alte Aufzeichnungen durchsieht.
Das Geschehen, sowohl vergangen wie auch gegenwärtig, ist nichts Aufsehenerregendes. Es geht um eine unglückliche Jugendliebe, eine dennoch fortdauernde Freundschaft, ein Kind, das Wachholder anvertraut wird und dessen Erwachsenwerden er begleitet. Naturerlebnisse werden beschrieben wie auch Ereignisse bei der Arbeit und in seiner Umgebung. Nun mögen Manche fragen, ob es sich überhaupt lohnt diese Chronik zu lesen. Ich kann nur schreiben: Ja! Denn Raabe gelingt es, in diese so alltäglichen Geschichten das ganze Weltgeschehen miteinfließen zu lassen, ohne dass man sich dessen groß bewusst wird. Für seine Zeitgenossen mag dies offensichtlicher gewesen sein als für uns, mehr als 150 Jahre später. Doch die recht umfangreichen Erläuterungen und insbesondere das schöne Nachwort von Joachim Bark helfen hierbei weiter, wobei ich persönlich Manches aus dem Nachwort noch lieber in den Erläuterungen vorgefunden hätte. Sei's drum, in jedem Fall erhält man durch das Lesen dieses Büchleins einen weitaus tieferen Einblick in die Verhältnisse dieser damaligen Gesellschaft als man das auf den ersten Blick vermuten würde.
Und nicht ganz unerheblich: Gut geschrieben ist es zudem. Zu Beginn mag es für unsere heutigen Ohren etwas ungewöhnlich klingen, doch ich war bald mit Wachholders bzw. Raabes Erzählstil vertraut und freute mich an seinen bildhaften Beschreibungen ebenso wie an seinen humorvollen und auch selbstironischen Sätzen. Gelegentlich geraten sie vielleicht etwas ausschweifend, sodass ich Manches zweimal lesen musste, doch es ist der Mühe wert.
Schade, dass dieser Klassiker fast schon vergessen scheint und deshalb ist es umso schöner, dass der Alfred Kröner Verlag dieses Frühwerk in einer kleinen und feinen Ausgabe mit blauem Leineneinband herausgebracht hat. Neben den Erläuterungen und dem Nachwort ist das Ganze noch mit diversen Zeichnungen von Raabe versehen - eine wirklich schöne Ausgabe, die auch noch lesenswert ist ;-)

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.12.2015
Scheunemann, Frauke

Im Auftrag der Ölsardine / Winston Bd.4 (3 Audio-CDs)


sehr gut

Das ist mein zweites Abenteuer mit Kater Winston und seinem Sprecher Oliver Kalkofe - und wieder ist es spannend und witzig zugleich. Winston ist ein etwas überheblicher, im Herzen aber liebenswerter Kater, der für die von ihm verehrte Katzendame Odette, aber auch für seine Freunde alles tun würde. Dieses Mal muss er sogar zwei Verbrechen zugleich aufklären - und das auch noch kurz vor Weihnachten! Aber natürlich hat er die Unterstützung seiner Freundin Kira und den Muskeltieren (seinen Katzenfreunden).
Es ist ein wirklich wunderbar kindgerechter Katzenkrimi, der in der Hörbuchform von Oliver Kalkofe toll umgesetzt wird. Winstons Sprache ist gut verständlich und zu meiner Freude werden an den Menschen angepassten Ausdrücke liebevoll in Katzenform gebracht ;-) (Zum Beispiel statt Handvoll Pfotevoll oder pfotenwarm statt handwarm). Auch ist Winstons Verständnis der menschlichen Lebensweise immer wieder zum Kringeln, beispielsweise wenn er seine Definition von Weihnachten darstellt (wobei - so ganz falsch liegt er ja nicht damit ;-)) oder sich Gedanken über die Aufgaben einer Püschologin macht.
Kinder werden bei diesem Abenteuer sicherlich viel Freude haben (Erwachsene übrigens auch ;-)) und mit großer Wahrscheinlichkeit mehr von Winston hören wollen. Vier Sterne sind es 'nur', weil mir Cathlen Gawlich als Sprecherin einfach noch besser gefällt als Oliver Kalkofe. Zwar mag ich seinen Winston wie auch Babuschka und Sandro sehr, aber die anderen Figuren gehen beinahe etwas unter. Doch das ist Mäkeln auf sehr hohem Niveau ;-)

Bewertung vom 07.12.2015
Ruiz Zafón, Carlos

Der Gefangene des Himmels / Barcelona Bd.3


gut

Wer die beiden Vorgängerromane von Zafón 'Das Spiel des Engels' und 'Der Schatten des Windes' gelesen hat, wird hier bald auf bekannte Namen stoßen. Daniel Sempere und David Martín spielen eine wichtige Rolle, doch zum Verständnis ist das Lesen der anderen Bücher nicht vonnöten, vielleicht erhöht es den Lesegenuss ein bisschen.
Wieder spielt die Geschichte im Barcelona vergangener Zeiten, in den Jahren 1957/58 und von dort mit Rückblicken in die Zeit des Franco-Regimes. Als Daniels bester Freund heiraten will, muss er seine Vergangenheit offenbaren, die intensiver mit der Daniels verbunden ist als dieser weiß. Und gleichzeitig taucht ein unheilvoller Bekannter aus jener Zeit auf - Zufall? Es geht um Liebe, Verrat, Betrug, Macht und Geld. Und wie bei Zafón üblich, ist alles miteinander verbunden und verworren, der Rückblick offenbart nur einen Teil der Wahrheit.
Doch gegenüber den beiden anderen Büchern ist diese Geschichte deutlich kürzer gefasst, auch wenn das Taschenbuch mit mehr als 400 Seiten angegeben wird. Wäre die Schrift nur etwas kleiner und das Format nur geringfügig größer, hätten 250 Seiten vermutlich vollauf genügt. So fehlt dem Ganzen jedoch der Umfang zu einem richtigen Schmöker: Kaum ist man dabei ganz und gar in die Geschichte einzutauchen, vollzieht sich ein Wechsel in eine andere Richtung. Keine Frage, das Buch ist voll mit überraschenden Wendungen und unterhält die Lesenden bis zum Ende ohne jede Schwierigkeit. Doch zum wirklichen Schmökern fehlt die intensive Darstellung der einzelnen Bereiche. Vieles wird angerissen, manches auch geklärt, doch allzu viele Frage bleiben offen. Stoff für einen Folgeband? Das wäre schön, wenn dieser wieder die Opulenz der ersten beiden Barcelona-Bände hätte.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.11.2015
French, Tana

Sterbenskalt / Mordkommission Dublin Bd.3


ausgezeichnet

So in etwa ist Frank Mackeys Einstellung zu seinen nächsten Verwandten, die er bis auf seine Schwester Jacky seit 22 Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch dann erhält er einen Anruf von ihr, der ihn zurückkehren lässt - und alles, was er längst vergessen glaubte, taucht mit einem Mal wieder unmittelbar vor ihm auf. Das Arme-Leute-Viertel am Faithful Place in Dublin, der jähzornige alkoholabhängige Vater, die stets schimpfende und alles bestimmende Mutter - und seine erste große Liebe Rosie, die ihn völlig unvorbereitet ohne jeden Grund verlassen hat. Ein Verlust, den er noch immer nicht wirklich verkraftet hat.
Auch wenn sich dies nun nicht so liest - es ist ein Kriminalroman. Zwei Tote und die Suche nach einem möglichen Täter stehen im Mittelpunkt, doch darum herum schlingen sich die Geschichten von Franks Kindheit und Jugend und die Beziehung zu seiner Familie in einer Intensität, dass es auch für zwei weitere Bücher gereicht hätte :-) Frank schildert seine Vergangenheit in der Ich-Perspektive derart deutlich und detailliert, dass ich diese Zeit förmlich mit ihm durchlebte. Die Beengtheit der Verhältnisse; die Bigotterie in der Familie; das stets nach aussen zu wahrende Gesicht, obwohl jeder wusste, wie es daheim zuging; die Lieblosigkeit und Kaltherzigkeit der Mutter; die fortwährende Angst vor den Ausbrüchen des besoffenen Vaters - ich litt mit Frank und freute mich, wenn es mal die Gelegenheit dazu gab; ich tauchte förmlich in diese Familie hinein. Vielleicht weil Vieles dieser Zeit (der 80er) so vertraut wirkte: die Musik, die Kleidung, die Art sich zu geben. Offenbar ähneln sich solche Dinge auch über Ländergrenzen hinweg. Oder es ist schlicht der gute Schreibstil Tana Frenchs, der die Figuren und das Drumherum so lebendig wirken lassen - ich weiss es nicht. Ich konnte mich auf jeden Fall kaum lösen von diesem Buch und habe es aufrichtig bedauert, als es zu Ende war.
Was ich nicht unerwähnt lassen möchte: Fast nebenbei werden noch große Fragen des Lebens aufgeworfen. Wie weit muss Verantwortung gehen? Muss ich den Erwartungen Anderer gerecht werden? Was kann ich von Anderen erwarten?
Alles in allem ein richtig tolles Buch, das einen nicht so schnell wieder loslässt.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.11.2015
Volks, Sybil

Wintergäste / Familie Boysen Bd.1


gut

Gerade mal viereinhalb Tage umfasst dieses Buch, doch in dieser kurzen Zeit lernt man die Mitglieder der Familie Boysen recht genau kennen. Und erfährt vielleicht mehr über sie, als sie selbst voneinander wissen.
Der Anlass für ihr Zusammentreffen im Haus Tide ist eigentlich ein trauriger, der sich letztenendes aber als amüsant herausstellt. Mutter Inge wird von ihrer Schwiegertochter Kerrin für tot gehalten und so informiert sie umgehend die drei Geschwister ihres Mannes Enno, die bis auf Sohn Boy sofort anreisen. Selbst Kerrins und Ennos Adoptivtochter Inka fliegt aus ihrem Auslandsaufenthalt in St. Petersburg zurück, wenn auch widerwillig (glücklicherweise passt der Anlass zu ihrer neu entdeckten Liebe zum Gothic Style ;-)). Doch es ist ein Fehlalarm - glücklicherweise. Mutter Inge schlägt wieder die Augen auf und freut sich, als sie fast all ihre Lieben, wenn auch verspätet, doch noch zu Weihnachten um sich hat. Doch die Freude währt nicht allzu lange. So gut wie alle tragen ihr mehr oder weniger großes Problempäckchen mit sich, die durch den durch einen Schneesturm zwangsweise verlängerten Aufenthalt nach und nach 'ausgepackt' werden.
Grundtenor des Buches scheint das nicht gelebte Leben zu sein; Wünsche und Träume, die zugunsten Anderer zurückgestellt oder schlicht als nicht realisierbar abgehakt wurden. Doch irgendwann holen sie einen ein und nun ist es wohl so weit. Allzu viel Handlung sollte man nicht erwarten, der Großteil der Geschichte spielt sich entweder in inneren Selbstgesprächen oder Dialogen ab, ausser der Zeit treibt nichts die Handlung voran. Ich empfand dies nicht als Nachteil, da zumindest zu Beginn vieles sehr humorvoll geschildert wurde und die Familienmitglieder mit liebenswerten Schrulligkeiten aufwarten. Doch der Humor lässt leiderleider nach und die Probleme der einzelnen Personen nehmen überhand, sodass für mein Empfinden zunehmend die Glaubwürdigkeit der Handelnden darunter zu leiden begann. Zwar versöhnte mich der Schluss (der nur vorübergehend sein soll ;-)) des Ganzen, doch so richtig begeistern konnte mich die Familie nicht mehr.
Alles in allem eine durchwachsene Lektüre mit durchaus schönen Momenten, die hoffen lassen, dass der zweite Teil sich in manchen Dingen etwas zurücknimmt - manchmal ist weniger mehr ;-)