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Tintenwelten

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Insgesamt 569 Bewertungen
Bewertung vom 17.11.2020
Baumann, Eva

Feuerbilder (eBook, ePUB)


sehr gut

Auf Oliver lastet großer Druck: seit dem Tod seines Onkels fühlt er sich für seine Tante verantwortlich, die nicht nur ihren Seelenverwandten verloren hat. Doch Olivers Ruf in seinem Wohnort ist schlecht, was die Jobsuche ziemlich erschwert. Außerdem möchte er dieses Jahr eigentlich das Abitur machen, allerdings lassen auch seine Noten zu wünschen übrig. Als sein Vertrauenslehrer ihm dann noch ungeheuerliches vorwirft, bricht seine Welt erst recht auseinander.

Bei der Elemente-Trilogie erhält der Leser Einblicke aus verschiedenen Perspektiven. „Waldträume“ berichtet über Luisa, die dem Waldelement angehört. In „Wasserflüstern“ geht es um Finn, der eine Affinität für das Element Wasser hat und hier in „Feuerbilder“ dreht sich alles um Oliver, der seine Verbundenheit zum Feuer entdeckt. Das besondere daran ist, dass große Teile der drei Bände parallel verlaufen, so dass man nach und nach die komplexen Zusammenhänge aufdeckt und in jede der drei Gedanken- und Gefühlswelten eintauchen kann. So versteht man erst im letzten Teil richtig, warum die Charaktere vorher dieses oder jenes getan haben. Spannend.

Wie in den Vorgängern tut einem auch in „Feuerbilder“ der Protagonist unheimlich Leid. Und auch hier wieder: was ist eigentlich mit den Erwachsenen in dieser Geschichte los? Wieso lastet in allen drei Bänden soviel Verantwortung und Druck auf den Jugendlichen, die völlig hilf- und ahnungslos mit den Herausforderungen des Lebens oder ihrer Elemente zu kämpfen haben? Das hat mich teilweise echt wütend gemacht, denn von denen kommt wirklich keinerlei brauchbare Unterstützung.

Wir treffen natürlich auch auf bereits bekannte Charaktere, deren Schicksale und Handlungsstränge werden zusammen geführt. Letztendlich gipfelt die Geschichte in einem würdigen Finale, das sämtliche Fragen beantwortet. Ich mochte die Trilogie, weil sie so phantastisch angehaucht ist. Man erhält Einblick in verschiedene Perspektiven, so dass klar wird, dass gut und böse nicht immer klar zu unterscheiden sind. Teilweise wird auch auf Umweltsünden hingewiesen: ein Gleichgewicht von allen Elementen ist wichtig, damit die Welt bestehen kann. Rodung von Wäldern, Wasserverschmutzung oder ein genereller unbedachter Umgang mit der Umwelt stört nicht nur das Gleichgewicht von Flora und Faune empfindlich, sondern hat natürlich auch Auswirkungen auf die Menschen. Dementsprechend ist die Elemente-Trilogie für mich auf jeden Fall lesenswert!

Bewertung vom 13.11.2020
Moran, Kelly

Redwood Love - Es beginnt mit einem Blick / Redwood Bd.1


ausgezeichnet

Avery ist grade erst zusammen mit ihrer autistischen Tochter Hailey nach Redwood gezogen. Sie will dort nach einer unangenehmen Trennung einen Neustart wagen. Die letzten Jahre waren nicht unbedingt geprägt von Zuneigung, Gleichberechtigung und Liebe. Daher hat sie sich geschworen, dass sie sich nie mehr auf einen Mann einlassen will. Die Rechnung hat sie allerdings ohne den attraktiven Tierarzt Cade gemacht. Während sie noch versucht seinem Charme zu widerstehen, beginnen die Einwohner des kleinen Städtchens Amor zu spielen.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll... bei den süßen Geschichten rund um die tierischen Patienten? Bei den hilfsbereiten und liebenswürdigen Mitbürgern, die nicht viel von Privatsphäre halten? Denen aber sofort klar ist, was zwischen Avery und Cade läuft? Bei dem wärmenden und wohligen Gefühl, das "Redwood Love" vermittelt und dem Eindruck, dass dort die Welt noch in Ordnung ist? Bei den Ärzten und Angestellten der Tierklinik, die mehr sind als Kollegen? Bei Hailey, Averys süßer kleiner Tochter? Bei Avery, die eine tolle und fürsorgliche Mutter ist, die aber von ihrem Exmann klein gemacht wurde und deswegen das Vertrauen in sich und ihre Mitmenschen verloren hat? Die immer alleine auf sich gestellt war und nie wirklich Freundlichkeit erfahren hat? Oder bei Cade, der seinen Ruf als Playboy der Stadt sowas von satt hat. Der sich große Mühe gibt, um Averys Vertrauen zu gewinnen und der einfach insgesamt ein Traumtyp zu sein scheint.

Hach, ich habe mich im Buch sofort wohl und heimelig gefühlt. Es ist eine Geschichte, die bezaubert, in einem Ort mit Einwohnern, die das Herz erwärmen. Die perfekte Wohlfühl-Lektüre für kalte Tage. Besonders toll ist, dass Cade noch zwei ebenso vielversprechende Brüder hat. Den beiden ist auch jeweils ein Band gewidmet, die ich beide - hurra - sogar hier habe. Klare Empfehlung für alle, die sich gerne in Liebesgeschichten verlieren.

Bewertung vom 11.11.2020
Fracchiolla, Marcella

Becoming me


sehr gut

Jules ist DAS It-Girl in Los Angeles. Sie ist beliebt und jeder will mit ihr gesehen werden. Ihre Eltern sind bekannte Modedesigner und sehr wohlhabend. Eines Nachts leistet sie sich einen Faux-pas, von dem ihre Eltern wenig begeistert sind und den sie nicht tolerieren wollen. Daher schicken sie Jules in ein Sommercamp für verhaltensauffällige Jugendliche. Eine Katastrophe, findet sie. Um ja nicht erkannt zu werden, ändert sie ihr Aussehen radikal und passt auch ihr Verhalten an ihr neues Nerd-Dasein an. Sie hat nur ein Ziel: die zwei Monate möglichst schnell hinter sich zu bringen. Doch dann trifft sie gleich auf zwei Menschen, die ihr Leben noch zusätzlich auf den Kopf stellen. Nick, der ständig kurz vor einem Wutausbruch zu stehen scheint, in dessen Augen sie aber jede Menge Schmerz erkennt. Und auf der anderen Seite Cam, die sich wider aller Erwartungen als ziemlich gute Freundin entpuppt. Und plötzlich merkt Jules, die sich im Camp jetzt Julie nennt, dass ihr als schillerndes Partygirl vielleicht etwas gefehlt haben könnte...

Endlich geht es zurück an die Woodland-Academy! Dieses Mal allerdings nicht in den regulären Internatsbetrieb, den wir (möglicherweise) bereits aus weiteren Büchern der Autorin kennen, sondern in das therapeutische Sommercamp der Elite-Schule. Es handelt sich hier also um ein Spin-off mit ganz neuen Charakteren. Da ich "Too good to be true", "Never say never" und "Anything for you" schon sehr gemocht habe, war ich besonders von den Easter Eggs begeistert, die man hier finden kann, wenn man die Trilogie bereits gelesen hat. Da kamen direkt Gefühle und Erinnerungen hoch, die ich mit den Geschichten von Allie und Ethan, Leah und Logan sowie Lana, Nate, Luke und Maya verbinde. Hach, schön war's!

Auch in "Becoming me" mochte ich die Charaktere sehr gerne. Sowohl Julie, als auch ihre neuen Freunde waren mir sehr sympathisch und ich habe sie direkt ins Herz geschlossen. Es war spannend und auch emotional mehr über die Probleme von Nick und Cam zu erfahren und hinter die Fassade zu schauen. Denn auch psychische Erkrankungen werden im Buch aufgegriffen. Egal, wie fröhlich jemand auftritt, man kann ihm nur vor den Kopf schauen. Niemand, außer er selber, weiß wie es in seinem Kopf aussieht, wie seine Gefühlswelt ist, was er bereits erlebt hat und was das mit ihm gemacht hat. Psychische Erkrankungen sieht man nicht und dennoch sind sie da. Ich finde es wichtig, dass man sich das bewusst macht. Außerdem geht es auch um Mobbing und Bodyshaming, was beides leider immer noch aktuell ist.

Im Gegensatz zu den Bänden der Trilogie wird hier nicht aus der Sicht von verschiedenen Personen geschrieben. Hier gibt es "nur" Jules und dennoch finden Perspektivenwechsel statt. Denn zunächst haben wir das oberflächliche IT-Girl, das sich für das Sommercamp in die unscheinbare Julie verwandelt, um negativer Presse zu entgehen. Ich fand es gut wie glaubhaft Jules/ Julies Emotionen und Gedanken sowie deren Wandlung rüber gebracht wurden. Die Botschaft ist klar: Verstell dich nicht, sei du selbst und lass dich nicht davon beeinflussen, was andere über dich denken oder sagen. Geld, Materielles und Ansehen sind nicht alles, Freundschaft und Zusammenhalt sind viel wichtiger.

Auch diese Geschichte aus der Feder von Marcella Fracchiolla hat mir wieder sehr gut gefallen. Charaktere, Setting, Themen sowie die Message haben mich überzeugen können. Deshalb freut es mich auch umso mehr, dass es weitere Bände aus dem Woodland-Universum geben wird.

Bewertung vom 11.11.2020

Wonderlands


sehr gut

Es handelt sich hierbei um eine Art Führer durch die imaginären Reiche der Weltliteratur. Er entführt in die phantastischen Welten von beispielsweise J.R.R. Martin, J.K. Rowling und Lewis Carroll. Das Buch umfasst dabei 3000 Jahre, beginnt mit alten Mythen und Legenden bis zum Jahr 1700. Weiter geht es mit den Kapiteln Wissenschaft und Romantik, das goldene Zeitalter der Fantasy, über die neue Weltordnung bis zum heutigen Computerzeitalter. Dementsprechend findet man also 100 Essays über verschiedene Geschichten wie „Der Sturm“, „20000 Meilen unter dem Meer“, „Der kleine Prinz“, „Das letzte Einhorn“ oder „Der Report der Magd“. Da ist für jeden etwas dabei.

Der Leser erhält spannende Hintergrundinformationen: es geht um die Thematiken der Bücher, deren Entstehung sowie Worldbuilding, Intention und Botschaft der Autoren. Manchmal erfolgt auch eine Einordnung der Bedeutung des Werks. Hat man die jeweiligen Bücher noch nicht gelesen, macht es definitiv Lust auf mehr. Kennt man sie jedoch schon, kann man noch weiter in sie eintauchen und lernt bestimmt noch etwas neues über Autor, Geschichte, Setting oder Charaktere.

Außerdem ist „Wonderlands“ auch sehr schön illustriert. Es gibt zahlreiche Cover, Photos, Plakate oder Karten. Die Essays sind auch nicht allzu lang, meist umfassen sie nur ein bis zwei Doppelseiten.

Eine Empfehlung für Fantasy-Liebhaber, die noch mehr über ihre liebsten Geschichten erfahren möchten.

Bewertung vom 11.11.2020
Monti, Olivia

Sterbewohl (eBook, ePUB)


sehr gut

Das Deutschland der Zukunft ist nur noch eine Scheindemokratie. Die Regierung hat sogenannte Sterbeseminare eingeführt zu denen der ältere Teil der Bevölkerung in Luxushotels eingeladen wird. Dort erleben sie einen mehrwöchigen Urlaub auf Kosten des Staates. Während ihres Aufenthaltes wird ihnen „Sterbewohl“ schmackhaft gemacht, eine tödliche Pille, die sie einnehmen sollen bevor sie der Gesellschaft oder ihren Angehörigen durch Rentenzahlungen, Erkrankungen oder lediglich Einschränkungen des Alters zur Last fallen. Angeblich ist es eine freiwillige Entscheidung, ob man sein Leben beenden möchte oder nicht. Doch es geht das Gerücht um, dass noch niemand aus diesen Hotels zurückgekehrt ist.

Nadja, Anna, Fred und Max sind in heller Aufregung, denn sie haben den gefürchteten Brief vom Gesundheitsamt bekommen, der sie zu einem solchen Seminar „einlädt“. Alle sind zwar über 65 Jahre alt, aber definitiv noch nicht bereit zum Sterben. Grade Nadja ist eben erst in Rente gegangen und hat noch so einiges vor. Die vier beschließen, dass sie sich keinesfalls freiwillig aus dem Leben zu verabschieden werden.

Die von Olivia Monti erdachte dystopische Welt ist mehr als erschreckend und menschenverachtend, denn sie vertritt das Motto „Wer nichts beiträgt, ist nichts wert“. Das gilt dementsprechend für Kranke, Alte und sogar Arbeitslose. Eine verstörende Vorstellung, die allerdings leider auch irgendwie aktuell ist. Denn durch Corona erheben sich manche Stimmen, die verlauten lassen, es träfe „nur“ die älteren, schwächeren oder sowieso schon kranken Menschen. Das erweckt den Anschein als würde ihr Sterben keinen großen Verlust darstellen. All diese Menschen sind aber auch Großeltern, Eltern, Kinder, Geschwister oder Freunde von irgendjemanden und deren Tod wiegt natürlich schwer... Daher ist für mich schon fast unverständlich, dass sich im Buch niemand gegen diese neue Regelung auflehnt oder sie wirklich hinterfragt. Im Gegenteil: sie findet immer mehr Fürsprecher.

Ich finde die Botschaft des Buchs sehr wichtig: Wann ist Leben lebenswert und wann nicht mehr? Und vor allem: wer darf darüber entscheiden. Jawohl nur der Betroffene selber! Deswegen sind beispielsweise Patientenverfügungen auch so wichtig, denn darin legt jeder selber fest, welche lebensverlängernden Maßnahmen in welcher Situation durchgeführt werden sollen und wann nicht.

Auf der anderen Seite wird natürlich auch die Frage nach Sterbehilfe aufgeworfen.. Ein schwieriges und unangenehmes Thema, das allerdings nicht weniger von Bedeutung ist. Denn auch hier sollte doch gelten: Jeder sollte entscheiden dürfen, dass er schmerzfrei und in Würde gehen darf, wenn für ihn sein Leben nicht mehr lebenswert ist.

Für mich ist „Sterbewohl“ nicht unbedingt der typische Kriminalroman, auch wenn es so draufsteht. Es ist eher eine Dystopie mit Gesellschaftskritik und Elementen des Kriminalromans. Denn die Senioren versuchen die Machenschaften der Sterbehotels aufzudecken und begeben sich dabei in zunehmende Gefahr.

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und mitreißend geschrieben. Man erlebt die Geschehnisse aus Nadjas Sicht, kann ihre Gedankengänge und vor allem ihre Angst sehr gut nachvollziehen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto haarsträubender wird das Ganze. Sie wird mir garantiert noch lange im Gedächtnis bleiben und ist definitiv sehr lesenswert!

Bewertung vom 23.10.2020
Hoersch, Judith

Juno und die Reise zu den Wundern


sehr gut

Juno war schon immer eine Träumerin, die sich in Büchern oder ihrer Phantasie verloren hat. Dies stieß auf wenig Begeisterung bei ihren Eltern oder Mitschülern. Aus diesem Grund hat sie sich nie verstanden und akzeptiert gefühlt und war stets einsam. Als sie alt genug ist, zieht sie von zuhause weg, doch auch in der Stadt fehlt ihr etwas. Letztendlich begibt sie sich auf eine magische Reise rund um die Welt. Dabei ist sie auf der Suche nach sich selbst und der großen Liebe. Sie trifft auf viele verschiedene Menschen, Tiere und erkundet neue Orte. Im Verlauf zieht sie wichtige Lehren aus ihren Erlebnissen, die sie nach jedem Aufenthalt in einer Lektion festhält. Diese findet man auch zusätzlich zusammengefasst am Ende des Buches.

Die Botschaften, die Juno für einen bereit hält, sind allesamt wertvoll, wichtig und machen das Buch so lesenswert. Es geht darum mit der Vergangenheit abzuschließen, zu vergeben, sich selber zu finden und anzunehmen. Besonders hervorzuheben ist aber vor allem auch der metaphorische und bildgewaltige Schreibstil, der ebenso magisch, phantastisch und märchenhaft ist. Es handelt sich hierbei um eine Fabel, aus der man viel für sich mitnehmen kann und die das Herz erwärmt.

Die Länder, in die Juno reist werden nicht so bezeichnet wie wir sie kennen, sondern bekommen einen neuen, aber dennoch ausdrucksstarken Namen, wie beispielsweise "das Land der qualmenden Köpfe", "das Land der dicken Menschen" oder "das Land der bunten Fahnen". So kann man immer miträtseln, ob man anhand von Junos Beschreibungen erkennen kann, wohin die Reise geht. Für die, die sich nicht sicher sind oder die es ganz genau wissen wollen: Am Ende befindet sich eine Karte samt Legende. Diese Karten und auch die wenigen Illustrationen im Buch sind sehr schön gestaltet.

Für Leser, die fabelhafte Märchen mögen, ein Muss!

Bewertung vom 21.10.2020
Neumayer, Antonia

Zwischen dir und der Dunkelheit


sehr gut

Sera und ihre Freunde Jo(hanna) und Mark veröffentlichen regelmäßig YouTube-Videos über die Mythen und Sagen Bayerns. Diese sind so beliebt, dass sie die Genehmigung erhalten nachts in der Münchener Frauenkirche drehen zu dürfen. Als sie sich dem sogenannten Teufelstritt nähern beginnt dieser auf mysteriöse Art und Weise zu glühen und ein unerklärlicher Wind geht durch die Kathedrale. Obwohl sie alles aufgenommen haben, glaubt man ihnen nicht und sie werden als Lügner beschimpft. Das geht vor allem Sera sehr nahe und sie befürchtet schon, sich alles nur eingebildet zu haben. Sie war schon immer feinfühlig und hat mehr wahrgenommen und gesehen als andere. Als sie Nachforschungen anstellt, bietet ihr Lily unerwartet Hilfe an.

Man wird direkt in das Geschehen hineingeworfen und es geht dementsprechend aufregend los. Die Geschichte spielt in der Gegenwart, allerdings erlebt Sera auch immer wieder Visionen, in denen sie in den Körper von Margarete schlüpft, die scheinbar im Mittelalter gelebt hat. Grade diese Zeitsprünge/ Perspektivenwechsel halten die Spannung permanent aufrecht. Nach und nach deckt man zusammen mit der Protagonistin die komplexen Zusammenhänge auf und bringt Klarheit ins Dunkel.

Am Anfang handelt Sera ziemlich impulsiv und naiv. Für meine Begriffe lässt sie sich doch ein bisschen zu überstürzt auf ihr völlig fremde Personen ein. Grade wenn man bedenkt, was sie mit denen eigentlich geplant hat, standen mir die Haare zu Berge. Im Verlauf macht sie aber eine ziemlich große Veränderung durch, die mir sehr gut gefallen hat.

Leider bleiben ihre besten Freunde Jo und Mark eher ein wenig im Hintergrund, schade, denn ich mochte die beiden. Mehr im Vordergrund steht Elias, den sie durch Lily kennenlernt. Als sie ihn das erste Mal trifft, scheint es ihr als habe sie ihn schonmal gesehen. Er ist geheimnisvoll und wirkt ständig abwesend.

Interessant fand ich auch die Bezüge zu realen Plätzen in und um München. Den Teufelstritt gibt es tatsächlich, ebenso wie die Sagen, die hier im Buch aufgegriffen werden.

Die Thematik des Buches ist ganz anders als ich erwartet habe, deshalb aber nicht weniger gut. Religion und Glaube spielen eine große Rolle, Gut und Böse, Gott, Engel sowie der Teufel und seine Dämonen. Das ist etwas, worüber ich in dem Umfang bisher noch nichts in einem Jugendbuch gelesen habe. Es war mal was neues, man muss es aber mögen und/ oder sich dafür interessieren. Für mich ist es absolut lesenswert!

Bewertung vom 21.10.2020
Marzi, Christoph

Mitternacht


sehr gut

Es gibt einen Ort in den Nebeln, der von Geistern bevölkert ist. Sie führen dort zuzusagen ein zweites Leben nach dem Tod und handeln mit Alpträumen und Geschichten. Der junge Autor Nicholas übertritt durch einen Zufall die Grenze zwischen dieser und unserer Welt und wird dabei in Machtkämpfe und Intrigen hineingezogen.

Zwei Aspekte sind hier besonders hervorzuheben: die tollen und liebenswerten, aber manchmal auch ein wenig verschrobenen Charaktere sowie der sehr bildhafte und detaillierte Schreibstil. Ich mochte vor allem Chesterton, der Nicholas unter seine Fittiche nimmt. Szenen mit ihm haben mir immer ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Auch der sogenannte Findelgeist Agatha ist sehr interessant. Sie weiß nicht wirklich, wer sie eigentlich ist, weil sie keinerlei Erinnerung an ihr Leben hat. Aber natürlich war mir auch Nicholas selber sympathisch, auch wenn er ab und zu ein bisschen naiv und unüberlegt handelt.

Mich hat die Story mit ihrem metaphorischen Schreibstil und der düsteren, leicht gruseligen Atmosphäre sofort in ihren Bann gezogen. Wer gerne Geistergeschichten liest, dem wird auch dieses Buch gefallen.

Leider kam das Ende allerdings unerwartet zackig daher. Die letzten Seiten unterscheiden sich vom Rest des Buches wie Tag und Nacht: deutlich kürzere und „abgehacktere“, ja schon fast eher zusammenfassende Kapitel und dementsprechend auch ein völlig anders anmutender Schreibstil. Zuerst war ich etwas enttäuscht, vor allem weil ich auf Anhieb auch nicht alles verstanden habe. Dann habe ich das Nachwort des Autors gelesen. Die Erklärung ist leider traurig und tragisch: 2018 erlitt Christoph Marzi einen schweren Schlaganfall. „Mitternacht“ hat er deshalb nur unter großen Anstrengungen beenden können. Er hat meinen vollen Respekt, dass er es trotzdem geschafft hat die Geschichte von Nicholas, Agatha und Chesterton für uns Leser und wahrscheinlich besonders auch für sich selbst abzuschließen.

Übrigens ist im Nachwort auch die Rede von einem möglichen Folgeband. Vielleicht wird das Ende dort nochmal neu aufgerollt? Zu wünschen wäre es diesem ansonsten überaus überzeugenden Buch.

Bewertung vom 21.10.2020
Lane, Melanie

Running Wild - Liebe, Chaos und Alpaka (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Chess Bruder Peter wird seit einer Woche vermisst. Für ihn ist es völlig unüblich ohne ein Wort zu verschwinden, schließlich ist er - im Gegensatz zu Chess - der Goldjunge der Familie. Außerdem wird er in ein paar Wochen heiraten. Kurzerhand springt Chess in ihren alten VW-Bus und macht sich auf die Suche nach ihm. Mit an Bord ist, neben Hund Mango und dem verhaltensgestörten Alpaka Ross, auch Peters bester Freund Matt. Auf seine Begleitung hätte Chess gerne verzichtet, denn er verkörpert alles, was die junge Frau verachtet.

Ich mochte Chess direkt von der ersten Seite an. Sie ist tough, nicht auf den Mund gefallen und weiß, was sie will. Sie liebt Tiere und träumt von einer eigenen Tierpension und Praxis. Theoretisch hat ihre Familie das Geld, um ihr diesen Wunsch zu erfüllen, aber sie will es alleine schaffen. Kein Wunder, denn ihre Eltern verhalten sich ihr gegenüber sehr kalt und abwertend. So lassen sie ihre Tochter immer wieder spüren, dass sie ihre Erwartungen nicht erfüllt. Toll finde ich grade deswegen auch, dass Chess sich von den Vorurteilen ihr gegenüber nicht kleinkriegen lässt. Natürlich verletzt es sie, wie ihre Familie sie behandelt, aber sie gibt ihnen Kontra. Und was „andere“ Leute angeht, so lässt deren Meinung sie nahezu kalt. Hier frage ich mich doch ernsthaft, was an ein paar Tattoos, knappen Klamotten und roten Lippen so schlimm sein soll. Und auch ihr Job und ihre Leidenschaft für Tiere finde ich eher bewundernswert als abschreckend.

Auch Matt ist ein wirklich sehr charmanter, sympathischer und hilfsbereiter Charakter, was Chess zunächst allerdings nicht besonders in den Kram zu passen scheint. Aber beide fühlen sich dann doch irgendwie zueinander hingezogen. Ich mag das Gekabbel zwischen den beiden, zumal die Geschichte sowohl aus Chess als auch Matts Perspektive geschrieben ist.

Die beiden tierischen Begleiter sind einfach nur Zucker, ich finde es so süß, wie sie auf das Verhalten der Menschen eingehen, bemerken, wenn Chess sich beispielsweise anspannt und nervös wird. Aber auch die Art und Weise wie Chess und Matt mit ihnen umgehen ist so schön.. Grade die Szenen mit Mango und Ross brachten mich immer wieder zum Schmunzeln.

„Running Wild - Liebe, Chaos und Alpaka“ ist ein tolles Buch mit liebenswürdigen menschlichen sowie tierischen Charakteren. Es ist teilweise sehr emotional, aber auch oft total witzig. Es macht einfach Spaß Chess, Matt, Mango und Ross auf ihrer Reise zu begleiten. Es ist ein spannender Roadtrip mit viel Gefühl und Drama.