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liesmal
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Wilhelmshaven

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Insgesamt 553 Bewertungen
Bewertung vom 01.12.2020
Stern, Caroline

Nichts


sehr gut

Laut Inhaltsangabe ist dies ein Buch für den Mann, der sich NICHTS wünscht – oder es ist ein Geschenk für Erwachsene, die schon alles haben.

Nach dem ersten Durchblättern wird klar, was das Buch mir sagen will: NICHTS!
Aber mir sind dann bald viele Gedanken gekommen, die sich um NICHTS drehen: NICHTS und niemand – NICHTS für ungut – Macht NICHTS – NICHTS zu machen…
Das ist für mich eine gute Möglichkeit, NICHTS nicht zu verschenken, sondern selbst zu behalten und mich weiterhin auf die Suche nach passenden Redewendungen, Sprichwörtern, Liedtiteln und, und, und… zu machen und damit die herrlichen weißen Seiten zu befüllen.
Und weil Weihnachten nah ist und es viele Menschen gibt, die sich NICHTS wünschen, muss ich nur im Buchhandel nach NICHTS fragen und habe jederzeit die passenden Geschenke. Eine tolle und witzige Idee. Gern empfehle ich NICHTS weiter.

Bewertung vom 23.11.2020
Berg, Peter

Ein Sommer in Cassis


ausgezeichnet

Jens Schneider, Kriminalkommissar in Frankfurt, freut sich nach einem anstrengenden, endlich abgeschlossenen Fall auf seinen wohlverdienten Urlaub in Cassis, dem kleinen Fischereihafen am Mittelmeer, einem idyllischen Fleckchen Erde inmitten einer malerischen Landschaft.
Leider währt die Urlaubsfreude nicht lange, denn bald wird die Leiche einer jungen Frau aus dem Meer gefischt. Es ist die junge Kellnerin Isabelle, die Jens jeden Morgen im Hotel fröhlich das Frühstück serviert und immer gern auch ein wenig mit ihm geflirtet hatte. Warum zieht die Polizei weder Unfall noch Mord in Betracht? An einen Freitod aus Liebeskummer, der in der Gegend nicht der erste wäre, mag Jens nicht glauben, wenn er an das lebenslustige Mädchen denkt. Auch für die Empfangsdame des Hotels, Catherine, steht fest, dass ihre Kollegin nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Spätestens nachdem eine weitere junge Frau tot aufgefunden wird, ist für Jens klar, dass er sich nicht mit den Aussagen der Polizei abspeisen lässt. Er beginnt gemeinsam mit Catherine mit eigenen Ermittlungen, um den Todesfällen auf die Spur zu kommen.
„Ein Sommer in Cassis“ von Peter Berg mit herrlichen bildhaften Landschaftsbeschreibungen, die Urlaubsträume wecken, ist also kein locker-leichtes Urlaubsvergnügen, sondern entwickelt sich zu einem knallharten Kriminalfall mit teilweise sehr mysteriösen Ereignissen.
Peter Berg ist ein Autor ganz nach meinem Geschmack. Ihm gelingt es, mich total zu begeistern. Genieße ich gerade die Beschreibungen der herrlichen Landschaft und lasse meine Seele baumeln, so bin ich im nächsten Moment gelähmt vor Angst, dass Jens sich mal wieder in Schwierigkeiten bringt, wenn er zu forsch an eine Sache herangeht, oder wenn ich mich plötzlich frage, ob Catherine vielleicht ein falsches Spiel spielt…
Männer, die Tagebuch schreiben, kenne ich eher nicht. Aber ich finde es großartig, dass Jens eines führt und ich dadurch ganz viel seiner persönlichen Gedanken und Gefühle erfahre und ihn richtig gut kennen lerne.
Die tolle Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen hat mir vergnügliche und spannende Lesestunden gleichermaßen geschenkt.

Bewertung vom 21.11.2020
Christie, Michael

Das Flüstern der Bäume


ausgezeichnet

„Das Flüstern der Bäume“ von Michael Christie ist erschienen im Penguin Verlag und überzeugt äußerlich und inhaltlich von hoher Qualität. Fester Einband, aussagekräftiges Cover, Lesebändchen, Ahornblätter auf den Umschlaginnenseiten, Abschnitte mit Jahreszahlen und Abbildungen von Baum und Ahornzweigen lassen die Schönheit des Buches auf den ersten Griff und den ersten Blick spürbar und sichtbar werden.
Großartig ist die Übersicht der Leseabschnitte in Form einer Baumscheibe. Ganz besonders und für mich ein völlig neues Leseerlebnis ist, dass die Geschichte einer Familie über vier Generationen, verbunden mit den Wäldern Kanadas, in der Zukunft beginnt und mich rückwärts durch die Zeit führt. Durch Jacinda, die im Jahr 2038 als Naturführerin unterwegs ist, wird deutlich, dass nur radikales Umdenken helfen kann, Natur und Klima zu schützen. Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät!
Ganz langsam dreht sich die Zeit entgegen dem Uhrzeigersinn. Viele verschiedene Erzählstränge verbinden sich zu einer einzigen großartigen Geschichte, der überwältigenden Geschichte der Familie Greenwood. Sie beginnt im Jahr 2038 mit Jacinda und geht zurück bis ins Jahr 1908. Es ist eine Familie, aber es sind viele Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, mit Einzelschicksalen, die mich unglaublich bewegt haben. Und so wie an den Jahresringen erkennbar ist, ob ein Baum Dürreperioden, Regenzeiten, starkem Wind, Schädlingsbefall oder … ausgesetzt war, so beschreibt Michael Christie die verschiedenen Charaktere und deren unterschiedliche Wege durchs Leben.
Ich bin überwältigt von dem „Flüstern der Bäume“, von dem ich mir manchmal gewünscht hätte, es wären Schreie, aber über vieles Wissen schweigt der Wald. Ein Leseerlebnis, das es so intensiv nicht oft gibt.

Bewertung vom 21.11.2020
Haigh, Tara

Das schwarze Gold des Südens


sehr gut

Familienbande
Ich hatte gerade wieder mal ein paar Tage in Bamberg verbracht, als ich auf „Das schwarze Gold des Südens“ von Tara Haigh aufmerksam wurde, dessen Geschichte im Jahr 1887 in Bamberg beginnt. Ich habe die genauen Beschreibungen der Stadt genossen, konnte mir ein Bild machen vom Stephansberg, wo Elise, die jüngere Tochter der Familie, vier Jahre lang das Lehrerinnenseminar besucht hatte, und habe mich zurück in die Zeit geträumt, in der man noch mit der Kutsche in die Stadt fuhr und mit der Fähre von einem Ufer der Regnitz ans andere gelangte. Bamberg mit dem Anbau von Süßholz und damit der Herstellung von Lakritz in Verbindung zu bringen, davon habe ich erst durch das Buch erfahren. Tara Haigh hat jedoch auch diesen Teil voller Begeisterung und so detailliert beschrieben, dass ich mich fühlte, als wäre ich mittendrin in der Geschichte.
Elise und Amalie, das sind die beiden Töchter des Familienunternehmens Imhoff. Während es für die pflichtbewusste Amalie selbstverständlich ist, in der Süßholzfabrik ihres Vaters mitzuarbeiten und den Mann zu heiraten, der ihren Vater in der Firmenleitung unterstützt, so ist Elise nicht bereit, eine Vernunftehe mit einem Bankier einzugehen, um die in Schwierigkeiten geratene Firma ihres Vaters zu retten. Lieber verschwindet sie heimlich mit dem Mann, den sie liebt, nach Paris, um ihren Traum von einer eigenen Confiserie zu verwirklichen.
Um die Firma zu retten, verschlägt es Amalie in den Südwesten von Italien. In der Hitze Kalabrien kaufen sie Süßholzfelder, um die sich Amalie kümmern soll. Pflichtbewusstsein und Vernunft, das waren die Dinge, die für Amalie zählten. Ihre Meinung, dass die Liebe dabei keine Rolle spielt, gerät in Kalabrien allerdings ordentlich ins Wanken…
Die Schwestern haben lange Zeit keine Verbindung. Tara Haigh lässt allerdings ihre Leser nicht im ungewissen darüber, wie es Elise und Amelie ergeht. Die Schauplätze wechseln sogar innerhalb der einzelnen Kapitel recht häufig. So fühlte ich mich zwar beiden Schwestern immer sehr nah, doch ab und zu wäre ich schon gern länger an einem Ort geblieben.
Mir hat das abwechslungsreiche Buch recht gut gefallen in seiner Leichtigkeit, die aber schnell und unverhofft so manches Mal ins Gegenteil umschlagen konnte. Es gab Situationen, da nahmen meine Gedanken einen Weg in die richtige Richtung, und andere, deren Verlauf vollkommen überraschend war und anders als vermutet endete. Ganz besonders berührt hat mich das liebevolle Verhältnis zwischen Elise und Ferdinand zu Colette und Frédéric.

Bewertung vom 14.11.2020
Fröse, Sonja;Krüger, Margit

Zu Hause statt Pflegeheim


ausgezeichnet

„Zu Hause statt Pflegeheim“ von Sonja Fröse und Margit Krüger ist erschienen bei SingLiesel. Der Untertitel verspricht Möglichkeiten, Maßnahmen, Fördermittel. Für ein langes Leben in den „eigenen vier Wänden“ – das alles im DIN A4-Format und auf knapp 200 Seiten.

Bei einem ersten Durchblättern fallen mir die große Schrift und der große Zeilenabstand positiv auf. Die Hauptüberschriften sind in Rot gehalten. Das Buch ist durchgehend illustriert, enthält verschiedene übersichtliche Tabellen, Checklisten und farblich unterlegte Empfehlungen. Eine tolle Idee ist das Geschenke-Symbol als Hinweis auf sinnvolle Geschenkideen. Das Symbol eines Sparschweins weist darauf hin, dass es Anregungen für Umbauten und Änderungen für jeden Geldbeutel gibt. Das alles habe ich auf den ersten Blick entdeckt, doch der Ratgeber für Senioren, Angehörige und andere Interessierte hat noch viel mehr zu bieten. Das zeigt ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln, die häufig mit vielen Untertiteln ins Detail gehen.

Ob es um bauliche Standards geht oder um Kommunikationsmöglichkeiten, eine Notfall-Telefonliste, die häusliche Sicherheit, altersgerechte Möbel oder auch um Anpassung und Veränderung einzelner Räume oder um Veränderungen im Außenbereich oder… Es scheint keine Frage zu geben, die das Buch nicht beantwortet. Hilfreich bei der Suche ist ein Stichwortverzeichnis am Ende des Buches ebenso wie eine Übersicht mit Adress- und Kontaktdaten in alphabetischer Ordnung.

Alles ist einfach und gut verständlich erklärt.

Ich persönlich habe mit diesem Ratgeber ein wunderbares Hilfsmittel gefunden, um für aufkommende Fragen im Seniorenkreis gewappnet zu sein.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.11.2020
Kampas, Doris

Das sensationelle Winterhochbeet


ausgezeichnet

„Das sensationelle Winterhochbeet“ von Doris Kampas ist erschienen im Verlag Löwenzahn. Als ich das Cover sah, erinnerte ich mich an Doris Kampas‘ Buch „Das unglaubliche Hochbeet“, das mir beim Anlegen und Bepflanzen meines Hochbeetes eine große Hilfe war und mich auch jetzt – zwei Jahre später – immer noch mit tollen Informationen versorgt. Deswegen war ich auch gleich Feuer und Flamme für „Das sensationelle Winterhochbeet“. Kein Wunder, steht doch in der Buchbeschreibung: „Drinnen knistert das Feuer im Ofen, draußen tanzen dir die Schneeflocken auf der Nase rum …“
Unter der Überschrift „Und der Frost kann kommen“ bietet das Buch einen tollen Einstieg, wenn man Lust verspürt, sich mit Anbau und Ernte von Wintergemüse im Hochbeet anzufreunden. Auch für Neulinge ist alles leicht verständlich beschrieben und sehr übersichtlich aufgebaut. Dazu tragen auch die vielen Fotos bei. Ganz viel Freude habe ich mit Bildern wie zum Beispiel dem Rosenkohl, der unter der Schneehaube geschmacklich zur Hochform aufläuft. So wie der aussieht, glaube ich ihm aufs Wort! ;-)
Ganz großartig ist auch der Teil gestaltet, der unter der Überschrift „Der Winter zeigt sich von seiner Gemüseseite“ gleich sieben(!) verschiedene Themenbeete zum Nachanbauen in allen Einzelheiten und wieder reichlich illustriert anbietet.
„5-fach genial fürs Klima“ ist für mich ein sehr wertvoller Beitrag. 5 Punkte für das Klima werden angesprochen – und jeder Punkt ist ein Volltreffer!
Das Buch hat so viel zu bieten, dass ich gar nicht alles im Einzelnen beschreiben kann: Tolle Winterrezepte, übersichtliche Informationen zu vielen Gemüsesorten, ein Thema, das Schädlinge betrifft, und ein wunderschön illustriertes Poster mit den perfekten Anbauzeiten für Wintergemüse lassen mein Herz höher schlagen.
Meine Begeisterung gebe ich sehr gern weiter mit einer Empfehlung an alle, die sich gut informiert auf das Anlegen und Bepflanzen eines Winterhochbeetes einlassen wollen. Mit diesem Buch gelingt es. Garantiert!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.11.2020
Bittlinger, Clemens

Behütet und beflügelt


ausgezeichnet

Schon äußerlich ist es ein Schmuckstück: das Buch „Behütet und beflügelt“ von Clemens Bittlinger, erschienen im Brendow-Verlag.
Das Hardcover ist in einem hellen Blau gehalten und mit einem weißen Rand abgesetzt. Der Titel besteht aus zarten silberfarbenen Buchstaben. In der Unterzeile heißt es „Wie Engel uns begegnen“, darunter liegt eine weiche flauschige Feder, die an einen Engel erinnert.
Dass ein Engel aber gar nicht unbedingt ein Wesen mit Flügeln sein muss, das erfahren wir in den Geschichten, denn manchmal ist er auch in einem Menschen zu erkennen.
Das Buch ist eingeteilt in vier Abschnitte, die ersten beiden befassen sich mit Engeln, die uns in der Bibel - im Alten und im Neuen Testament - begegnen. Es sind weitestgehend bekannte Geschichten, die Clemens Bittlinger mit seinen eigenen Worten erzählt. Dadurch bekommen sie einen ganz besonderen Charme.
Im dritten Teil geht es um Erlebnisse mit Engeln, die uns auch heute erscheinen, zum Beispiel in Form eines „Schubsengels“. Bittlinger sagt: „Ein Schubsengel spricht zu uns, schubst uns an durch Zeichen, durch Begegnungen, durch Ereignisse oder noch einfacher gesagt durch Impulse, die wir plötzlich verspüren und die uns zu Herzen gehen. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird immer wieder seine Spuren entdecken.“ Das stimmt! Denn mehrmals konnte ich in seinen Geschichten Gemeinsamkeiten mit Situationen aus meinem eigenen Leben entdecken.
Im letzten Teil gibt es Engelgeschichten, die Clemens Bittlinger selbst erlebt oder von anderen Menschen erfahren hat. Passende Liedtexte, besinnliche Sprüche und Gedichte aus eigener Feder oder von anderen Autoren, aber auch ausgesuchte Bibelzitate bilden eine schöne Ergänzung zu den Geschichten.
Mir gefällt das Buch auch deswegen besonders gut, weil sich die Geschichten zum einen sehr gut zum Vorlesen eignen und andererseits einen geeigneten Einstieg für Gespräche in einer Gruppe bieten.

Bewertung vom 04.11.2020
Jando

Bilder die ich dir aus Worten male


ausgezeichnet

„Bilder, die ich dir aus Worten male“ – Diesen Titel trägt das Buch, das zum zehnjährigen Jubiläum bei KoRos Nord erschienen ist. Seit zehn Jahren gibt es den großen Geschichtenschreiber Jando und genauso lange ist auch der kleine Jando aus der Hand der Illustratorin Antjeca dabei. Im wirklichen Leben sind Jando und Antjeca Geschwister, die in ihren Büchern ihre unterschiedlichen Talente zeigen und ihre Leser und Zuschauer stets mitnehmen auf eine Reise dorthin, wo die Liebe zu Hause ist.

Zum Jubiläum hat Jando die schönsten Bilder und Zitate aus seinen bisher erschienenen Geschichten in einem Buch gesammelt. Dazu gibt es noch die bezaubernden Erzählungen „Sternenreiter – Wie alles begann“ und „Die kleine Weihnachtsbäckerei“. Als zusätzliche Überraschung bekommt man noch Geschenke: die digitalen Hörbücher „Im Himmel gibt es einen Bahnhof“ und „Die kleine Weihnachtsbäckerei“. Wer mag, ist an unterschiedlichen Stellen im Buch eingeladen, seine eigenen Gedanken, Wünsche und Träume schriftlich festzuhalten.

Jandos Geschichten laden nicht nur ein zum Träumen, sondern sie regen mich auch an, an meinen Träumen festzuhalten. Zusammen mit den wunderschönen Bildern von Antjeca bekommen sie einen ganz besonderen Wert. Bezaubernd und herzbewegend sind die aus liebevollen Herzen kommenden Worte und Bilder und schenken Ruhe und Frieden.

Wie bereits andere von Jandos Büchern bringt mich auch dieses Buch dazu, meine Seele baumeln zu lassen. Es ist meiner Meinung nach gut geeignet als besonderes Geschenk – zu Weihnachten oder einfach so – und ich gebe gern meine Empfehlung dafür.

Bewertung vom 03.11.2020
Woolf, Julia

Marigolds Töchter


ausgezeichnet

Traurigkeit vermischt mit Freudentränen
Ein kleines englisches Dorf ist Schauplatz der Geschichte. „Marigolds Töchter“ von Julia Woolf ist erschienen im List Verlag. Das Cover mit der einzigartigen Landschaft und den blühenden Pflanzen lässt mich träumen, weil es so friedlich wirkt. Genauso geht es mir beim Lesen. Ich fühle mich von Anfang an sehr wohl, und ich liebe es, sofort mitten im Familienleben zu landen.
Marigold ist eine wunderbare Ehefrau, ihrem Mann Dennis gefällt die Arbeit als Tischler in seiner Werkstatt und er liebt seine Goldie auch nach über vierzig Jahren Ehe noch über alles. Marigolds größte Freude ist es, wenn sie sich um alle kümmern kann. Ihre jüngere Tochter Suze wird verwöhnt und ebenso fürsorglich versorgt wie ihre Mutter, die seit einiger Zeit mit im Haus wohnt. Dass ihre Tochter Daisy wieder zu Hause einzieht, macht Marigold noch glücklicher. Außerdem führt sie seit mehr als dreißig Jahren den Dorfladen. Große Geschäfte sind dort nicht zu machen, aber es ist ein Treffpunkt für viele Dorfbewohner und bietet sich an für Klatsch und Tratsch.
Julia Woolf hat nicht lange gebraucht, bis sie mich von ihrer Geschichte überzeugt hatte. Mir macht es Spaß, die Dorfbewohner kennenzulernen, die ich anhand der genauen Beschreibungen all ihrer unterschiedlichen Wesensarten direkt vor mir sehe. Natürlich ist nicht alles nur friedlich und schön, es gibt auch Neid und Missgunst und so manche Streitereien, bei denen aus einem Floh auch schon mal ein Elefant gemacht wird.
Marigold merkt irgendwann, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Doch das, was immer klarer wird, darf nicht sein! Sie, die immer für alle anderen da war, sie kann doch nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein!
Das Buch hat mich gepackt und durch die anfängliche Leichtigkeit habe ich es fast in einem Rutsch durchgelesen. Diese Leichtigkeit war allerdings irgendwann verschwunden und die Geschichte war nicht mehr zum Lachen und Fröhlichsein.
Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber dennoch gern zum Ausdruck bringen, wie begeistert ich von der Recherche zu dem spannenden Thema bin. Das vorbildliche Verhalten der meisten Familienmitglieder und auch der Nachbarn und Freunde hat mir so sehr gefallen (war es doch so, wie ich es in Fortbildungen gelernt hatte). Nur mit viel Herzenswärme und Liebe kann das gelingen – und Julia Woolf hat eine Geschichte mit einer wichtigen Botschaft großartig in Worte gefasst und zu Papier gebracht.
Nicht etwa die Traurigkeit, sondern genau die Herzenswärme und die Liebe, die ich beim Lesen so deutlich gespürt habe, waren der Grund für die wunderbaren Tränen, die ich über weite Strecken vergossen habe. Von Herzen gern empfehle ich dieses wunderbare Buch.

Bewertung vom 29.10.2020
Mandelkow, Lars

Der Bullerbü-Komplex


ausgezeichnet

Tatsächlich wirkt „Bullerbü“ immer noch wie ein Magnet auf mich. Das habe ich feststellen können, als ich das Buch von Lars Mandelkow aus dem Verlag SCM mit dem Titel „Der Bullerbü Komplex“ entdeckt habe. Durch das rot-weiße Strickmuster auf dem Cover bin ich gedanklich schnell in meiner Kindheit gelandet, bei den Büchern und Filmen mit den Kindern aus Bullerbü. Und das ist gut so, denn:

Lars Mandelkow nimmt mich mit in die heile Welt von Astrid Lindgrens Bullerbü, die ihm als Grundlage dient für einen Ratgeber und Wegweiser der besonderen Art. Mit seinem locker-leichten und unterhaltsamen Schreibstil beleuchtet er die Themen Partnerschaft, Erziehung, Familie und Arbeit, ganz ohne erhobenen Zeigefinger, immer mit dem Blick auf Bullerbü und immer auch mit dem Hinweis darauf, dass man es „auch mal gut sein“ lassen darf. Es muss nicht alles perfekt sein. Wenn ich mich darauf einlassen kann, dann kann ich auch feststellen, dass Wunschbild und Wirklichkeit nicht zwangsläufig meilenweit voneinander entfernt liegen müssen.

Neben unterschiedlichen, häufig kleinen Abschnitten in Form von Anekdoten und Fragen, Beispielen und kurzen Zusammenfassungen einzelner Themen sind es auch die Briefe, die Lars Mandelkow an Astrid Lindgren und an Personen aus der Bibel geschrieben hat, die mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt haben.

Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich meine Lieblingsstelle zitiere aus dem Abschnitt über die Liebe, einem Gemisch aus Freundschaft, Partnerschaft und Leidenschaft, „…Wenn überhaupt, ist sie wie ein Wald. Da gibt es unterschiedliche Bereiche, Unterholz und Kleingetier. Es gibt immer was zu tun. Damit das Ganze gedeiht, muss man mal hier ein bisschen aufforsten, dort etwas lichten.“