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hamburger.lesemaus
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Bargfeld-Stegen

Bewertungen

Insgesamt 521 Bewertungen
Bewertung vom 10.11.2025
Zevin, Gabrielle

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry


sehr gut

DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES A.J. FIKRY
Gabrielle Zevin
ET: 29.8.25
Originalausgabe ET: 1.4.14

A.J. Fikry führt gemeinsam mit seiner Frau eine kleine Buchhandlung auf Alice Island – ein Lebenstraum, der jedoch jäh zerbricht, als sie viel zu früh an Krebs stirbt. Zurück bleibt ein Mann, der nichts mehr vom Leben erwartet und sich bewusst in den Alkohol flüchtet.

Doch zwei Ereignisse verändern alles.
Zuerst verschwindet mitten in der Nacht seine seltene Erstausgabe von Edgar Allan Poe – einst als Altersvorsorge gedacht, nun Symbol seiner letzten Hoffnung. Und dann geschieht etwas, das sein Leben völlig auf den Kopf stellt.
Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten – nur so viel: Dieses zweite Ereignis zwingt A.J., über den Sinn seines Lebens, über Liebe, Verlust und Neuanfang nachzudenken.

Gabrielle Zevin erzählt eine berührende Geschichte über zweite Chancen, über Bücher, Buchhandlungen und die Menschen, die ohne Geschichten nicht leben können. Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry ist eine leise, kluge Hommage an das Lesen und an die Magie, mit der Geschichten unsere Welt verändern können.

Fazit:
Ein ruhiges, atmosphärisches und tiefsinniges Buch, das lange nachklingt. Eine Liebeserklärung an das Lesen selbst.
4/5

Bewertung vom 10.11.2025
Szántó, Henrik

Treppe aus Papier


sehr gut

TREPPE AUS PAPIER
Henrik Szántó
ET: 20.8.25

Was wäre, wenn ein Haus eine Geschichte erzählen könnte – was hätte es wohl alles zu berichten? Henrik Szántó gibt diesem Haus eine Stimme, aber nicht nur ihm, sondern auch den Wasserrohren, der Treppe, den Fenstern und all den Dingen, die in so einem Haus zu finden sind.
Und es gibt viel zu erzählen. Das Haus ist über 100 Jahre alt und hat schon viele Mieter kommen und gehen sehen.

Da war zum Beispiel die Familie Thon. Josef Thon war eigentlich Briefträger, aber als die Braunen an die Macht kamen, blühte er auf – über Nacht wurde er wichtig. Seine Tochter Irma freundete sich, eher aus Mangel an Spielgefährten, mit dem jüdischen Mädchen Ruth aus der vierten Etage an. Ruth hatte auf dem Dachboden ein Geheimversteck, und Irma war die Einzige, die davon wusste. Sie hatte versprochen, es niemals zu verraten.

Auch wenn das Haus gern in Erinnerungen schwelgt, gibt es auch in der Gegenwart einiges zu berichten. Nele wohnt heute in Ruths damaliger Wohnung und hat ihre ganz eigenen Sorgen. Das schlimmste aller Probleme: Sie weiß, dass sie ihr Gymnasium wohl nicht schaffen wird. Zum Glück lebt in der ersten Etage die 90-jährige Irma – und die kann ihr für die nächste Geschichtsklausur so einiges erzählen …

Was für eine tolle Idee, ein Haus eine Geschichte erzählen zu lassen! Schon allein das verdient fünf Sterne. Auch die Geschichten zwischen Nele und Irma oder Irma und Ruth konnten mich unglaublich fesseln. Zwischendurch gab es jedoch Passagen, die etwas langatmig oder überladen wirkten.
Ein ungewöhnliches Buch, das ständig zwischen den Zeiten wechselt – manchmal sperrig, dann wieder genial und berührend ist.

Fazit:
Das Buch konnte mich nicht durchgängig überzeugen, ist aber besonders und wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Eine Leseempfehlung für alle, die Geschichten mögen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben – ungewöhnlich, leise und trotzdem voller Wirkung.
3½/5

Bewertung vom 10.11.2025
Schirach, Ferdinand von

Der stille Freund


sehr gut

DER STILLE FREUND
Ferdinand von Schirach
ET: 27.8.25

In vierzehn Geschichten bleibt sich Ferdinand von Schirach treu. Er schreibt über Moral, Schuld, Rache und Gerechtigkeit – aber auch über menschliche Existenz und Vergänglichkeit.
Wir begegnen Menschen, die einst mitten im Leben standen, Berühmten ebenso wie Stillen, vielleicht auch einem Freund des Autors. Jede Geschichte ist anders: Manche haben mich sofort berührt, andere weniger. Eine erschien mir bizarr, andere wiederum faszinierend und tiefgründig. Doch immer gelingt es von Schirach mit seinem präzisen, minimalistischen Stil, Begegnungen so zu schildern, dass sie nachhallen – ohne zu urteilen. Er verbindet, wie so oft, Realität und Fiktion auf meisterhafte Weise.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die vielen bedeutenden Persönlichkeiten etwas zu präsent waren, und besonders die zweite Geschichte war mir fast zu intellektuell. Dafür gab es aber viele Dialoge und Szenen, die ich unglaublich schön fand. Und ich liebe es, wenn von Schirach plötzlich die Richtung ändert und ein Ende völlig unerwartet kommt.

Lasst euch entführen – nach Afrika, an die Côte d’Azur oder nach Berlin – und begegnet seinen Freunden.
Bildet euch selbst eine Meinung.

Fazit:
Ein weiterer von Schirach mit großen Themen, klugen Gedanken und feinen Zwischentönen.
Ich habe ihn sehr gerne gelesen.
4/5

Bewertung vom 10.11.2025
Biedermann, Nelio

Lázár


sehr gut

LÁZÁR
Nelio Biedermann
ET: 1.9.2025

In seinem Debütroman verbindet Nelio Biedermann die Geschichte seiner ungarischen Familie väterlicherseits mit einer fiktiven Erzählung und schafft so ein eindrucksvolles Porträt zwischen persönlichem Schicksal und europäischer Geschichte.

Die Handlung beginnt um 1900. Sándor von Lázár lebt auf seinem Waldschloss in Südungarn und wird endlich Vater eines langersehnten Stammhalters. Doch Sohn Lajos sieht mit seinen blonden Haaren, der fast durchscheinenden Haut und den wasserblauen Augen so gar nicht nach ihm aus – und die Distanz zwischen Vater und Sohn wird auch nach dem tragischen Suizid der Mutter nicht kleiner.
Doch dieser Verlust bleibt nicht die einzige Prüfung für die Familie.
„Der Wald hat den Vater verschluckt, die Mutter getötet und den Bruder verrückt gemacht.“

Vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche – vom Zerfall der Habsburger Monarchie über die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis zur anschließenden sowjetischen Herrschaft – entfaltet sich die Geschichte einer Familie, die mit sich, der Schuld und den Veränderungen ihrer Zeit ringt.

Biedermann schreibt mit einer bildreichen, präzisen Sprache, die immer wieder von einem feinen, trockenen Humor durchzogen ist. Das macht das Lesen kurzweilig und zugleich atmosphärisch dicht. Lediglich das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen – es wirkte im Vergleich zum Rest des Romans etwas dünn und unausgewogen.

Fazit: Ein sprachlich starkes, eindrucksvoll erzähltes Debüt eines jungen Autors, das mit Tiefe, Atmosphäre und einem Hauch Melancholie überzeugt – ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.
4/5

Bewertung vom 30.10.2025
Abel, Susanne

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104


ausgezeichnet

Natürlich musste ich das neue Buch von Susanne Abel lesen! Schon ihre beiden Vorgängerromane "Stay away from Gretchen" und "Was ich nie gesagt habe" konnten mich restlos begeistern. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen – und ich kann schon verraten: Sie wurden erfüllt.

1945:
Im Mittelpunkt steht ein kleiner Junge, der nach dem Krieg mit einem Kindertransport aus Zoppot mitten in Deutschland ankommt. Um den Hals trägt er ein Pappschild, doch der Name darauf ist unleserlich. Der Junge kennt weder den Namen seiner Familie noch seinen eigenen. Im katholischen Kinderheim, in das man ihn bringt, erhält er eine neue Identität – Hardy und die Nummer 104.
Weil Hardy nicht spricht und mit drei Jahren noch Bettnässer ist, hält man ihn für „debil“. Nur Margret, ein acht Jahre älteres Mädchen, das ein ähnliches Schicksal teilt, nimmt sich seiner an. Sie wird seine Beschützerin. Doch das Leben im Heim ist von Gewalt, Erniedrigung und Angst geprägt. Als Margret schließlich von einer Tante abgeholt wird, ist Hardy fortan vollkommen schutzlos.

2006:
Viele Jahrzehnte später wächst die junge Emily bei ihren Urgroßeltern Margret und Hardy auf. Ihre Mutter und Großmutter sind mit sich selbst beschäftigt und nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Anfangs empfindet Emily Margrets Fürsorge als wohltuend und sicher – doch je älter sie wird, desto stärker wird Margrets Kontrolle. Was einst Schutz bedeutete, wird nun zur Last, und Emily beginnt, sich dagegen aufzulehnen.

Wie die Geschichte weitergeht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden …

Ein zutiefst berührendes Buch über ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Rund 300.000 Kinder suchten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Familien – viele vergeblich. Susanne Abel verknüpft historische Fakten mit fiktiven Schicksalen und schafft so eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Es ist erschütternd, was Kindern in manchen Heimen widerfahren ist: Ungelernte Menschen ohne jegliche pädagogische Ausbildung züchtigten und erniedrigten sie. Liebe und Fürsorge gab es keine, Schutz vor sexuellen Misshandlungen ebenso wenig. Medikamente wurden an Kindern in erhöhten Dosierungen getestet.

Fazit:
Abels Schreibstil ist gewohnt klar, eindringlich und wunderbar lesbar.
Ein schweres Thema – aber ein wichtiges und meisterhaft erzähltes Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.
Große Leseempfehlung!
5/5

Bewertung vom 28.10.2025
Keweritsch, Katja

Das Flüstern der Marsch


ausgezeichnet

DAS FLÜSTERN DER MARSCH
Katja Keweritsch
ET: 5.9.2025

Mona fährt von Hamburg zu ihren Großeltern in die Marsch – und findet dort nur ihren Großvater Karl vor. Wo ihre Großmutter Annemie geblieben ist, weiß er nicht. Er scheint darüber auch nicht besonders beunruhigt zu sein. Wann er sie zuletzt gesehen hat, kann er ebenfalls nicht genau sagen – nur daran, dass er seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hat, weil niemand das Essen zubereitet hat, daran erinnert er sich. Auch die Zwillingssöhne Stefan und Sven wissen nicht, wo ihre Mutter ist, haben aber keine Zeit, sich zu kümmern. Lediglich Janne, Stefans Frau, die mit drei kleinen Kindern und den Vorbereitungen für Schwiegervater Karls 80. Geburtstag ohnehin völlig überlastet ist, hört sich Monas Sorgen wenigstens an.

Als Annemie auch nach einigen Tagen nicht wieder auftaucht, wird schließlich die Polizei informiert. Doch noch immer ist sich die Familie sicher, dass Annemie einfach eine Freundin besucht – völlig außer Acht lassend, dass sie gar keine Freundin hat und so etwas noch nie zuvor getan hat.

Katja Keweritsch erzählt ihren Roman auf mehreren Zeitebenen.
Neben Mona in der Gegenwart kommt auch Annemie selbst zu Wort – ein junges Mädchen, das eigentlich gerade ihr Abitur machen wollte, als sie sich in ihren Lehrer verliebt und eine folgenreiche Affäre beginnt.
Janne erhält einen eigenen Erzählstrang, in dem wir erfahren, was sie alles auf sich nimmt, um ihre Familie glücklich zu machen.
Und schließlich ist da noch Freya, deren Bruder sich das Leben genommen hat und die bald auf Geheimnisse stößt, die alles miteinander verbinden.

Wie diese Erzählstränge am Ende ineinandergreifen, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.
Was ich aber verraten kann: Das Flüstern der Marsch fängt die besondere Atmosphäre dieser Landschaft wunderbar ein – das weite, flache Land, die Stille, den Wind, das Licht. Zugleich porträtiert Katja Keweritsch eindrucksvoll das Leben in einem kleinen Dorf bei Hamburg, mit all seinen heimlichen Geschichten, ungesagten Wahrheiten und über Generationen hinweg weitergetragenen Verletzungen.

Ein stiller, atmosphärisch dichter Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte, weil man unbedingt hinter das Geheimnis kommen will.
4½/ 5

Bewertung vom 27.10.2025
Howard, Jules

MEGA


ausgezeichnet

MEGA – Faszinierende Giganten von Gestern und Heute
Jules Howard
ET. 29.10.25

Wusstet ihr, dass es vor vier Milliarden Jahren noch gar kein Leben auf der Erde gab?
Die ersten Lebewesen waren winzige schwimmende Zellen. Erst viel später – vor rund 200 Millionen Jahren – entwickelten sich daraus immer größere Tiere, bis einige schließlich mehrere Hundert Kilogramm wogen. Es entstanden riesige Fische, Haie und Reptilien, aus denen sich schließlich die Dinosaurier entwickelten. Diese erreichten gigantische Ausmaße: Der Giganotosaurus etwa war 13 Meter lang und gehörte – neben dem berühmten Tyrannosaurus Rex – zu den größten an Land lebenden Dinos. Doch auch im Meer gab es wahre Riesen: Der Spinosaurus wurde bis zu 18 Meter lang und jagte erfolgreich durch die Unterwasserwelt.

Nach den Dinosauriern war der Europäische Waldelefant eines der größten Tiere, die jemals lebten. Er übertraf die heutigen Elefanten in seiner Größe deutlich, und seine beeindruckenden Stoßzähne hatten sich einst aus Vorderzähnen entwickelt.

Aber was erzähle ich euch das alles – am besten lest ihr das Buch selbst, denn es gibt einfach so viel Spannendes zu entdecken!

Was für ein großartiges Buch, das zudem von Gavin Scott wunderschön illustriert wurde. Hier stehen die größten Tiere im Mittelpunkt – von der Urzeit bis heute. Besonders gut gefallen hat mir der klare Aufbau: Die großen Tiergruppen wie Säugetiere, Vögel, Reptilien, Fische und Mollusken werden vorgestellt und in einzelne Familien – etwa Elefanten, Seekühe oder Menschenaffen – unterteilt. Ausgestorbene Arten werden ihren heute noch lebenden Verwandten gegenübergestellt, wodurch faszinierende Parallelen sichtbar werden.

Zu jeder Tierart gibt es eine Größentabelle sowie viele interessante Fakten zu Lebensraum, Ernährung und Besonderheiten – und natürlich zur wichtigen Frage, welchen Beitrag die Tiere für das Ökosystem leisten. Besonders schön ist die Doppelseite nach jedem Kapitel mit dem Titel „Megafauna in Aktion“, auf der das Zusammenspiel der Arten anschaulich gezeigt wird.

Fazit:
Ein Buch, das mich absolut begeistert hat!
Ein echter Hingucker – perfekt zum Verschenken und ideal für Kinder ab etwa 7 Jahren.
Große Leseempfehlung!
5+/5

Bewertung vom 22.10.2025
Khayyer, Jina

Im Herzen der Katze


ausgezeichnet

IM HERZEN DER KATZE
Jina Khayyer
ET: 20.7.25

Teheran 2022:
Als die junge Jina Mahsa Amini von der Sittenpolizei so brutal geschlagen wird, dass sie ins Koma fällt und wenige Stunden später stirbt – nur, weil ihr Kopftuch verrutscht war – geht ein Aufschrei durch die Welt. Immer mehr iranische Frauen protestieren ohne Schleier auf den Straßen und riskieren dabei ihr Leben.

Die Autorin Jina Khayyer versucht in ihrem fiktionalen Roman, all diesen Frauen ein Gesicht zu geben.
Ihre Protagonistin Jina, in Deutschland aufgewachsen und mit persischen Wurzeln, reist nach Teheran. Dort trifft sie nicht nur auf die vier Schwestern ihres Vaters, sondern auch auf ihre eigene große Schwester und ihre Nichte.

Durch diese vielen Frauenstimmen entsteht ein eindrucksvolles Mosaik weiblicher Erfahrungen.
Wir werden in die Geschichte des Iran zurückgeführt – in eine Zeit, in der Frauen unter Schah Mohammad Reza Pahlavi mehr Freiheiten genossen, Bildung und Berufschancen erhielten und moderne Kleidung tragen durften.
Doch auch diese Ära war von politischer Repression geprägt, der Schah ließ Oppositionelle verfolgen und regierte zunehmend autoritär.
Mit der Islamischen Revolution von 1979 änderte sich das Leben der Frauen radikal:

„Von einem Tag auf den anderen mussten wir uns den Männern vollkommen unterordnen, wir durften nur mit ihrer Einwilligung arbeiten, verreisen, unsere Eltern besuchen, einen Reisepass besitzen, uns scheiden lassen, sie durften uns schlagen, vergewaltigen, uns jederzeit verstoßen, sie durften so viele Frauen haben, wie sie wollten, und wir durften nichts. Bis heute dürfen wir nichts. Mit neun Jahren können wir verheiratet werden, wir müssen unserem Mann hörig sein, wenn wir ihn betrügen, verurteilt uns das Ajatollah-Gesetz zum Tod. Tod durch öffentliche Steinigung.“
(Tolino, S. 71)

Jina Khayyer bringt uns ein wichtiges Stück iranischer Geschichte näher.
Auch wenn ich zwischendurch kleinere Längen verspürte, habe ich das Buch sehr gerne gelesen.
Es ist unfassbar, was den Frauen im Iran angetan wird – und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass sich das eines Tages ändern wird.

Fazit:
Ein wichtiges, starkes Buch – große Leseempfehlung!
4½/5

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.10.2025
Foenkinos, David

Das glückliche Leben


weniger gut

DAS GLÜCKLICHE LEBEN
David Foenkinos
ET: 4.9.25

Éric steht kurz vor einem Burnout, als ihn seine ehemalige Klassenkameradin Amélie überraschend für einen Job im Ministerium für Außenhandel gewinnt. Anfangs scheint alles bestens zu laufen – bis Éric gemeinsam mit Amélie zu einer Dienstreise nach Seoul aufbricht. Dort soll er eine entscheidende Präsentation halten, um einen koreanischen Konzern davon zu überzeugen, eine Niederlassung in Frankreich zu eröffnen.

Doch Éric erscheint nicht zu dem Termin und Amélie ist nicht ausreichend vorbereitet, um kurzfristig einzuspringen. Der Kunde springt ab – und bevor Amélie ihre Enttäuschung äußern kann, kündigt Éric völlig unerwartet seinen Job, ohne eine Erklärung abzugeben.

Was war geschehen?
Bei einem Spaziergang durch Seoul, kurz vor dem entscheidenden Meeting, stieß Éric auf eine Möglichkeit, seinem Leben eine völlig neue Richtung zu geben.

Zurück in Paris wagt er einen Neuanfang – wie dieser aussieht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.

Das glückliche Leben ist eine Geschichte, die Mut machen und zum Nachdenken anregen soll. Das Hörbuch ist wunderbar von Richard Barenberg gelesen und transportiert die Atmosphäre sehr stimmig.

Allerdings liegt mir der Magische Realismus nicht besonders. Während mich die erste Hälfte des Romans fesseln konnte, hat mich die Wendung rund um die Inszenierung der eigenen Beerdigung leider verloren. Ich möchte nicht bestreiten, dass dieses symbolische Ritual für manche Menschen inspirierend sein kann – mir persönlich war es schlicht zu viel.

Fazit:
Ich bin überzeugt, dass dieses Buch viele Leserinnen und Leser finden wird – und das wünsche ich ihm von Herzen. Für mich als Liebhaberin realistischer Geschichten war es jedoch nicht ganz das Richtige.
Allen, die Freude am Magischen Realismus haben oder Das Café am Rande der Welt mochten, kann ich Das glückliche Leben aber auf jeden Fall empfehlen.

Bewertung vom 13.10.2025
Ebrahimi, Nava

Und Federn überall


sehr gut

UND FEDERN ÜBERALL
Nava Ebrahimi
ET: 29.8.25

In einem kleinen Ort im Emsland werden in der Geflügelfabrik Möllring täglich 650.000 Hühner geschlachtet. Hier begleitet Nava Ebrahimi sechs ganz unterschiedliche Menschen durch einen einzigen Tag – Menschen, deren Leben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben und die doch auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sind.

Da ist zum Beispiel Sonja, die längst von Hühnern träumt. Eigentlich wollte sie nie in der Fabrik arbeiten – es sollte nur eine Übergangslösung sein, bis sich etwas Besseres findet. Doch dann durfte ihr kleiner Sohn in den betriebseigenen Kindergarten, und der war außergewöhnlich gut. Wie hätte sie ihn da wieder herausnehmen können? Nun steht sie Tag für Tag am Fließband, verdient wenig und sieht auch in ihrer Zukunft vor allem: Huhn. Ihre ältere Tochter wiederum begegnet ihr mit Schweigen – ein stiller Protest gegen all den Frust, den sie aus der Schule mitbringt. Heute Nachmittag will Sonja sich für einen Job in der Verwaltung bewerben und ihr Leben ändern ...

Sonja ist nur eine von sechs Stimmen, die Ebrahimi in diesem Roman zu Wort kommen lässt. Sie erzählt von Migration, vom Alltag Alleinerziehender, von Selbstbestimmung und von den leisen wie lauten Kämpfen des Lebens. Jede Figur bekommt ihren eigenen Raum, ihre eigene Sprache – das hat mir besonders gut gefallen.

Allerdings gab es für mich auch einige Längen, vor allem in der Geschichte von Peters Großmutter, die mich irgendwann etwas verloren hat. Trotzdem: Und Federn überall ist ein eindringliches Buch über Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt sind – und darüber, wie schwer dieses Suchen sein kann.

Fazit:
Ein kluges, fein beobachtetes Buch über das Leben am Rand und die Sehnsucht nach einem „Mehr“. Sehr Empfehlenswert!
3,5 /5