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Furbaby_Mom

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Insgesamt 493 Bewertungen
Bewertung vom 22.12.2019
Moran, Kelly

Redwood Dreams - Es beginnt mit einem Lächeln / Redwood Bd.4


ausgezeichnet

Mit Abstand der bisher wundervollste Band der Redwood-Reihe – zum Dahinschmelzen!
Nicht vielen Autoren gelingt es, nach einem Mega-Erfolg mühelos daran anzuknüpfen. Die international gefeierte und hochgelobte Redwood Love-Reihe von Kelly Moran hatte auch mich schwer begeistert und ich war gespannt wie ein Flitzebogen auf die Fortsetzung bzw. auf das Spin-off gewesen. Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt, denn die Autorin hat es geschafft, mit diesem Werk sogar die Bände 1-3 in den Schatten zu stellen. Wahnsinn! 'Redwood Dreams' ist nun mit Abstand mein Lieblingsbuch dieser Reihe und das hätte ich zuvor kaum für möglich gehalten. Die Geschichten um die 3 Brüder Cade, Flynn und Drake hatten mich bereits dermaßen gefesselt und von einem Umzug in das idyllische kleine Städtchen zwischen Bergen und Meer an der Küste Oregons träumen lassen, dass ich eine Steigerung meiner Euphorie als beinahe unmöglich abgetan hatte. Selten habe ich mich so gefreut, mich geirrt zu haben.
Ella Sinclair ist nach langer Zeit wieder in ihr Heimatstädtchen zurückgekehrt, wo sie als Grundschullehrerin arbeitet. Es hatte sie viel Kraft gekostet, nach einer persönlichen Tragödie zurück ins Leben zu finden, doch sie meistert ihren Alltag erfolgreich und erfreut sich an den kleinen Dingen, die anderen Menschen ganz selbstverständlich erscheinen. Wenn nur ihre Schüchternheit nicht wäre! Nie hätte sie geahnt, dass ausgerechnet sie, die sich quasi unsichtbar fühlt, in das Visier des berühmt-berüchtigten Drachen-Trios geraten würde: 3 ältere Damen, die im ganzen Ort für ihre resoluten Kuppel-Aktionen bekannt sind. Böse Zungen würden behaupten, sie mischen sich penetrant in das Leben ihrer Mitmenschen ein. Andere würden schmunzelnd auf die hohe Erfolgsrate der O'Grady-Damen verweisen – immerhin waren sie erheblich am Glück etlicher Paare beteiligt. Aber nun wollen sie Ella mit dem heißesten Mann von ganz Redwood verkuppeln, ihrem Nachbarn Jason - Feuerwehrmann, überzeugter Single und Serien-Dater, der mit seinem Selbstbewusstsein und Charme jede Frau um den Finger wickeln kann…wenn er denn will. Und Ella ist überzeugt davon, dass sie garantiert nicht die Art Frau ist, nach der sich solch ein Traummann verzehrt. Mit ihrer nervösen Plapperei hat sie bisher jeden Kerl nach wenigen Minuten in die Flucht geschlagen. Aber sowohl Jason als auch Ella haben nicht mit der Hartnäckigkeit des Drachen-Trios gerechnet.
Der humorvolle und gleichzeitig auch tiefgründige, emotionale Schreibstil der Autorin hat mich wieder einmal komplett überzeugt. Mehr noch: die Witze waren nicht überzogen, die Dialoge unheimlich authentisch und das sensible Thema von Verlust ist mit sehr viel Feingefühl behandelt worden. Dieses Buch ist so viel mehr als nur ein romantischer, neckischer Liebesroman; auch Familie, Freundschaft, (fehlendes) Selbstwertgefühl und Umgang mit Trauer sind zentrale Elemente der Handlung.
Ich habe mich sowohl in Ella als auch in Jason, aus deren beider Perspektiven erzählt wird, wunderbar hineinversetzen und hineinfühlen können. Mit diesen Figuren möchte man gerne im echten Leben befreundet sein, da sie so viele liebenswerte Eigenschaften besitzen. Vor allem ihrer beider Aufrichtigkeit und Güte hat mein Herz erwärmt. Sie sind von allen Charakteren aus allen Bänden der Reihe meine erklärten Lieblinge geworden. Ellas Stärke und positive Lebenseinstellung sind einfach nur bewundernswert; davon könnten sich viele Menschen eine Scheibe abschneiden. Apropos "Scheibe": über Ellas niedliche Schimpfworte ("Heiliger Bim Bam und Butzemann") habe ich mich immer wieder gekringelt!
Fazit: Ergreifend, spannend, sexy und voller Wortwitz - eine Achterbahnfahrt der Gefühle! Ich habe geschmunzelt, laut gelacht und Tränen des Mitgefühls und der Rührung vergossen. Nach Abschluss der Lektüre habe ich meinem Ehemann aufgeregt mit dem Buch vor der Nase herumgewedelt und selig schluchzend nur noch: "So schön!!" herausbringen können.

Bewertung vom 12.12.2019
Berg, Ellen

Der ist für die Tonne


ausgezeichnet

Herrlich amüsant!!
Eines steht fest: dieser spritzig-witzige Roman ist definitiv nicht 'für die Tonne', auch wenn man sich während der Lektüre - im wahrsten Sinne des Wortes – 'wegschmeißen' möchte vor Lachen! Ich habe mich köstlich amüsiert!

Bisher kannte ich von Ellen Bergs Werken lediglich die ulkigen Cover, die allesamt im humorvollen Comic-Stil gehalten sind und schon allein deshalb – sowie aufgrund ihrer ausgefallenen Untertitel - einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Noch während der Lektüre freute ich mich diebisch, dass in meinem Bücherregal bereits ein weiterer Roman der Autorin ("Den lass ich gleich an – (K)ein Single-Roman") auf mich wartet.

Ich war enorm erstaunt darüber, wie easy und selbstverständlich die Autorin hier Herzklopfen, Witz und Spannung zu einer gelungenen Story zusammengefügt hat. Angenehme, glaubwürdige Figuren (- von denen Hannahs entzückende, spirituell-angehauchte Mutter Marie-Luise meine absolute Favoritin war; ihre Sprüche sind der Knüller! -), eine turbulente, actionreiche Handlung, jede Menge Überraschungen – richtig klasse! Ich habe so viele außergewöhnliche Formulierungen und Bezeichnungen aus diesem Roman aufschnappen können und mit Freude in meinen alltäglichen Sprachgebrauch übernommen! Ich sage nur: "Licht und Liebe" oder Stichwort 'krümelnder Keks'.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

Bewertung vom 12.12.2019
Storks, Bettina

Leas Spuren


ausgezeichnet

Auf mehr als nur eine Weise ein absolutes Meisterwerk!
Für mich war es das erste Werk, welches ich von der Autorin lesen durfte - und nach Beendigung dieser wundervollen Geschichte habe ich es gar nicht fassen können, dass mir (– als Vielleserin –) solch eine grandiose Autorin bisher unbekannt gewesen war. Dieser Roman ist ein literarisches Meisterwerk und gehört ganz klar zu meinen Lesehighlights – nicht nur jener des Jahres 2019, sondern of all times!
Als die junge Stuttgarter Historikerin Marie zu einer Testamentsverlesung nach Paris eingeladen wird, glaubt sie zunächst felsenfest an einen Irrtum – schließlich war sie dem Verstorbenen, einem gewissen Monsieur Victor Blanc, nie begegnet. Warum sollte er ausgerechnet ihr die Hälfte seiner luxuriösen Wohnung in bester Pariser Lage vererben? Hat es womöglich mit ihrer lang verstorbenen Großtante Charlotte zu tun, über die daheim stets geschwiegen wird? Sie hatte einst für kurze Zeit in Paris gelebt… Nicolas, der Enkel Victors, soll die andere Wohnungshälfte erben. Zuvor müssen er und Marie jedoch eine Aufgabe erfüllen, die Victor sein ganzes Leben lang (– aus triftigem Grund –) beschäftigt hatte: sie sollen das verschollene Gemälde eines jüdischen Künstlers ausfindig machen, das während des Zweiten Weltkriegs verschwunden ist. Zu jener Zeit war Paris von den Deutschen besetzt gewesen. Weder Marie noch Nicolas ahnen den wahren Grund, warum die Aufklärung dieses Kunstraubs Victor so wichtig gewesen war. Ihnen ist nicht bewusst, wie eng ihrer beider Familiengeschichte miteinander verknüpft ist und welche dunklen Schatten die Vergangenheit noch immer auf die Gegenwart wirft.
Noch nie zuvor habe ich in einem Roman eine dermaßen atmosphärische Beschreibung von Paris erlebt! So real, so einladend, so bezaubernd! Zum 1. Mal kann ich den Spitznamen 'Stadt der Liebe' nachempfinden und habe gar nicht genug lobende Worte für die Tatsache, dass die Autorin sich nicht der gängigen Klischees bedient hat. Während der Lektüre habe ich mir immer wieder das Chanson ''Que reste-t-il de nos amours?‘' angehört, welches eine so bedeutungsvolle Rolle in der Geschichte spielt. Nach diesem Roman möchte man direkt selbst nach Paris reisen, um auf den Spuren der Protagonisten zu wandeln!
Die Handlung erstreckt sich auf 2 Zeitebenen und ist herrlich übersichtlich strukturiert. Selten haben mich beide Erzählzeiten so sehr gleichermaßen begeistert – man taucht in dieses Buch ein und nimmt ein Stück daraus für das weitere Leben mit! Ich habe vor Rührung geweint, war fassungslos vor Wut und ergriffen von dem Schicksal der Figuren, habe mitgefiebert und mitgelitten. Ausnahmslos alle Charaktere sind unglaublich facettenreich gestaltet worden und so liebenswert, dass man sie nicht verlassen möchte. Besonders bewundert habe ich Charlotte. Was für eine starke Frau! Ihr Mut und ihre bewusste Entscheidung, auch in schwierigen Zeiten ihrem Herzen zu folgen und das Richtige, das Menschliche zu tun, haben mich tief beeindruckt.
Geschickt hat die Autorin eine Vielzahl realer Personen in die Handlung eingewoben, was die Geschehnisse für mich noch viel aufwühlender gemacht hat. Auch die Kunstraub-Thematik ist enorm spannend und aktuell; vielerlei von den Nazis als 'entartete Kunst' eingestufte Werke sind noch immer verschollen.
Vom Schreibstil war ich schlichtweg hingerissen! Märchenhaft leicht und verträumt, auf den Punkt, ehrlich und an Authentizität nicht zu übertreffen (dies gilt sowohl für erzählende Schilderungen als auch für die Dialoge). Die Autorin hat mich auf jeden Fall als neuen Fan dazugewonnen!
Fazit: Poetisch, klug, mitreißend, tiefgründig, ergreifend, nervenaufreibend, hoffnungsvoll und durch und durch stimmig! Einfach ein Buch der Superlative! Für mich war es die perfekte Mischung aus historischem Roman, Liebesgeschichte, Spannungsroman und Familiensaga – rundum sensationell!

Bewertung vom 06.12.2019
Herwig, Ulrike

Schiefer die Socken nie hingen


ausgezeichnet

Amüsante Weihnachtsreise um die Welt!

Für mich war es das erste Werk, welches ich von Autorin Ulrike Herwig lesen durfte. Bereits der witzige Buchtitel ist so kreativ, dass er sofort im Gedächtnis bleibt und meine Hoffnung auf eine spaßige Weihnachtsstory wurde nicht enttäuscht!

Dem Ehepaar Bachmann steht ein ungewöhnliches Weihnachtsfest bevor: zum ersten Mal werden sie ohne ihre drei Töchter feiern, denn diese sind mittlerweile rund um den Globus verstreut. Wenigstens Oma Elisabeth kommt zu Besuch. Dennoch will sich keine rechte Festtagsstimmung einstellen, da helfen auch weder Stollen noch Gänsebraten. Nie hätte Julia Bachmann es für möglich gehalten, aber ihr ansonsten so auf Traditionen beharrender, reisescheuer Gatte, lässt sich erweichen für eine Hauruck-Aktion…schließlich kann er die Behauptung, ein gemütlich-langweiliger Spießer geworden zu sein, nicht auf sich sitzen lassen. Spontan brechen sie alle gemeinsam zu einer Weihnachts-Weltreise auf – besuchen Tochter Emily in Berlin, genießen ein Christmas Dinner mit Tochter Anne in London und überraschen schließlich Tochter Charlotte in Seattle. Natürlich stolpern sie unterwegs von einer Katastrophe in die andere…

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, wobei jene vom Mama Bachmann den größten Anteil ausmacht. Jedes Kapitel ist mit einem passenden Weihnachtslied als Überschrift sowie mit einer Angabe von Datum, Uhrzeit und Ort versehen; dies macht es leicht, den Überblick zu behalten.

Der herrlich humorvolle Schreibstil hat mich während der Lektüre des Öfteren zum Lachen gebracht, doch die Autorin schlägt hier und da auch leisere Töne an. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir beispielsweise eine Nebenfigur der Geschichte, die nur ganz kurz erwähnt, dafür allerdings umso eindringlicher beschrieben wird: die im Seniorenheim lebende Frau Kahnert. - Sie ist fest davon überzeugt, dass ihre Kinder sie zum Weihnachtsfest abholen werden…und wartet Jahr um Jahr vergeblich. Das hat mir das Herz gebrochen; am liebsten möchte man die Dame in den Arm nehmen und trösten. Ich gebe zu, an dieser Stelle sind mir beim Lesen die Tränen in die Augen geschossen. Fakt ist aber, dass es vielen älteren Menschen tatsächlich so ergeht. Die Autorin hat kein Schmuse-Kuschel-Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb-Buch geschrieben, sondern die Realität in so viel Witz wie möglich verpackt und mit sympathischen Protagonisten ausgestattet. Als zusätzliches Schmankerl sind im Anhang des Romans allerlei Weihnachtsrezepte aus Deutschland, England und den USA enthalten.

Ursprünglich war ich versucht, ein kleines Sternchen abzuziehen, da in der Story mehrmals eine Pointe über den aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eingeflochten worden ist. 'Nicht schon wieder Politik – noch dazu in einem Weihnachtsbuch', dachte ich ermattet und las weiter. Im Nachhinein erschien es mir allerdings unfair, einem ansonsten durchaus witzigen Werk etwas negativ anzukreiden, nur weil ich persönlich den in der Presse veranstalteten Zirkus um politische Angelegenheiten nicht mehr aushalte.

Dank der Autorin habe ich, die ich mich doch 'Weihnachtsfan' nenne, sogar noch etwas über internationale Bräuche dazugelernt: in England werden Papierkrönchen zum Fest getragen und in den USA glaubt man scheinbar unerschütterlich an den angeblich deutschen Brauch der "Weihnachtsgurke". Ich fand diese Idee so köstlich, dass mein Mann und ich gleich losgezogen sind und unsere eigene 'Christmas Pickle' für den diesjährigen Weihnachtsbaum geholt haben – sowie ein paar zusätzliche Exemplare, die wir nun an Freunde in den USA verschickt haben.

Fazit: Eine humorvolle Familiengeschichte über die schönste Zeit des Jahres, gespickt mit internationalem Weihnachtsflair!

Bewertung vom 24.11.2019
Morland, Isabel

Sehnsucht nach St. Kilda / Hebriden Roman Bd.3


sehr gut

Der Titel ist Programm.
Autorin Isabel Morland hat mit ihrem Werk "Sehnsucht nach St. Kilda" der verlassenen Hebriden-Insel, um die sich seit jeher Legenden ranken, ein würdiges Denkmal gesetzt.

Nach dem Tod ihres Mannes Josh schlägt sich die alleinerziehende Rachel mehr schlecht als recht mit kleinen Jobs durch, macht sich allerdings Hoffnung auf eine Vollzeitstelle im Londoner Kleidungsgeschäft 'Character!', in welchem sie wie eine Sklavin schuftet, um die Vorgesetzten von ihrer Motivation zu überzeugen. Gerade als die neue Position und die damit einhergehende, dringend benötige Verbesserung ihrer Finanzen zum Greifen nahe scheint, funkt das Schicksal Rachel bitter dazwischen. In einem Anflug von Verzweiflung und dem Eingeständnis gegenüber sich selbst, dass es so nicht weitergehen kann, lassen sie und ihr kleiner Sohn Sam die Großstadt hinter sich und ziehen zu Annie, Sams Urgroßmutter, nach Schottland. Wider Erwarten ergibt sich für Rachel direkt eine neue Verdienstmöglichkeit – sie wird als Köchin zur kulinarischen Betreuung eines Workshops angestellt und verbringt mit besagtem Team vier Wochen auf St. Kilda. Dies ist ausgerechnet jene Insel, auf der Annie einst eine glückliche Kindheit verbracht hatte. Das Leben war hart gewesen, es mangelte an vielem, aber dennoch war die Evakuierung der damaligen Inselbewohner ein traumatisches Erlebnis für Annie. Sie hatte sich gefühlt, als hätte man ihr ein Stück vom Herzen herausgerissen. Auch ihren besten Freund Finlay hatte Annie nach dem Umzug aus den Augen verloren. Unter den aktuellen Kurs-Teilnehmern ist der gleichermaßen charmante wie geheimnisvolle Fotograf Ailic, dem die Herzen der Damen zufliegen. Gemeinsam mit Rachel begibt er sich auf die Suche nach einem Erinnerungsstück, dass Annie und Finlay damals auf der Insel zurückgelassen hatten. Sie ahnen nicht, dass die größte Entdeckung eine ganz andere sein wird...

Für mich war es das erste Buch der Autorin und nachdem ich zuvor gerade einen enttäuschend emotionsarmen Roman beendet hatte, war dies nun eine reine Wohltat für mich, in die gefühlvollen Szenen eintauchen und mit den liebevoll ausgearbeiteten Figuren mitfiebern zu können. Mittels bildgewaltiger Beschreibungen lässt Isabel Morland die raue Schönheit St. Kildas vor dem inneren Auge lebendig werden – zerklüftete Klippen, sattes Grün, spritzende Gischt, kreischende Seevögel… Vor allem aber hat mich beeindruckt, wie mühelos ein Zauber geschaffen wurde, der die Insel zu umgeben scheint. – Eine Art Magie, eine mystische Stimmung, die man nicht genau benennen oder greifen kann, die größer ist als das Leben der einstigen Inselbewohner. Diese hatten 1930 vor der unsagbar bedrückenden Tatsache gestanden, aus Sicherheitsgründen ihre geliebte Heimat aufgeben zu müssen. Es war eine Entscheidung des Verstands gewesen, nicht des Herzens. Viele von ihnen sehnten sich ein Leben lang nach St. Kilda zurück, konnten nie erneut Wurzeln schlagen. Diese Sehnsucht und Melancholie kommt nicht nur im Rahmen der Handlung und aufgrund des eindringlichen Schreibstils zum Ausdruck, sondern spiegelt sich auch im treffend gewählten Buchtitel wider. Die Liebe der Autorin für diese Region wird mehr als deutlich.

Das Buch enthält allerlei kleine Besonderheiten, wie z. B. eine Karte, ein Gedicht und eine bebilderte Einleitung der Kapitel. Die Kapitellänge habe ich als genau richtig empfunden; lediglich die Zeitsprünge waren zwischenzeitlich ein wenig verwirrend für mich (– von 1930 zu 2005 zu 1929 usw.; die Handlung erstreckt sich auf zwei Zeitebenen, Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab).

Fazit: Ein berührender, mystischer Roman, den ich gerne weiterempfehle. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

Bewertung vom 24.11.2019
Scharer, Whitney

Die Zeit des Lichts


weniger gut

Wunderschönes Cover, enttäuschender Inhalt.
Selten hatte ich mich so sehr in einem Buch getäuscht. Schade! Ich liebe historische Romane, bin insbesondere von starken Frauencharakteren fasziniert und hatte daher angenommen, mit einem Werk, in dem die Autorin Whitney Scharer uns ins Paris der Dreißigerjahre entführt und das Leben der berühmten Lee Miller portraitiert, könnte ich nichts falsch machen.

Das Cover ist wirklich passend gewählt worden. Es spiegelt den Stil der damaligen Zeit wider, strahlt schlichte Eleganz aus und rückt das Thema Fotografie, auf welches tatsächlich sehr detailliert eingegangen wird, da es eine Hauptkomponente des Romans bildet, in den Fokus.

Die Amerikanerin Lee Miller, die mir bis dato noch gänzlich unbekannt gewesen war, hatte ein aufregendes Leben geführt. Als Kind nach einem sexuellen Übergriff traumatisiert, wuchs sie zu einer Schönheit heran und arbeitete sehr erfolgreich als Model für die Vogue, ehe sie beschloss, nach Paris zu ziehen, wo ihr der Fotograf Man Ray begegnete. Lee wird seine Muse, Man Ray wird Lees Liebhaber und Lehrmeister in Sachen Fototechnik. Die Arbeit hinter der Kamera erscheint ihr erfüllender als das Posieren davor und wenige Jahre später wird sie mit ihren Kriegsreportagen Weltruhm erlangen: sie lässt sich in Hitlers Badewanne ablichten, berichtet von der Befreiung der Konzentrationslager.

Mit dem nüchternen, gänzlich emotionslosen und dauerhaft distanzierten Schreibstil bin ich leider überhaupt nicht warmgeworden. Die Autorin schreibt im Präsens; Lees Gedanken und Gefühle werden eingeleitet mit Formulierungen wie 'Lee fühlt XYZ' oder 'Lee denkt, dass XYZ'… Anfangs dachte ich noch, ich würde mich im Laufe der Lektüre daran gewöhnen, aber ich habe auch nach bald 400 Seiten keinerlei Zugang zur Hauptfigur gewinnen, geschweige denn Sympathie oder Mitgefühl für sie entwickeln können.

Die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit folgen – bis auf den ersten Rückblick - keinem logischen Muster. Wirklich interessant erschienen mir nur wenige Sequenzen, jene Momentaufnahmen aus Kriegszeiten; abgesehen davon empfand ich das Werk als langatmig und langweilig. Von Lees so bedeutender Arbeit als Kriegsreporterin ist beinahe gar nichts zu lesen, bis auf ein paar scheinbar flüchtig eingeworfene Seiten, auf ein Minimum reduziert. Schwerpunkt des Romans ist stattdessen Lees Beziehung zu Man Ray. Nun, damit hätte ich mich arrangieren können…mit einer unsympathischen, egoistischen und selbstbezogenen Hauptfigur allerdings nicht. Ich verstehe, dass Lees lieblose Kindheit sie geprägt haben muss, dennoch triefte das Werk quasi vor Schwermut, Depression und Verbitterung – mir war, als säße ich während des Lesens unter einer düsteren Wolke, alles fühlte sich negativ an. Letztlich springt Lee mit anderen Menschen so um, wie sie selbst nicht behandelt werden möchte – andauernd fühlt sie sich auf ihre Schönheit reduziert, als Fotografin bzw. Künstlerin nicht genügend geschätzt, von ihrem Partner eingeengt…aber sie hat keinerlei Hemmungen, andere Menschen für ihre Bedürfnisse auszunutzen. Mir kam sie hart, eitel und uneinsichtig vor. Das Paris der Dreißigerjahre wird auf Opium-Parties und sexuelle Freizügigkeit reduziert, ein sehr einseitiges Portrait.

Fazit: Meine 2 Sterne setzen sich aus dem schönen Cover und der Grundidee zur Story zusammen, deren Umsetzung leider gar nicht mein Fall war.

Bewertung vom 18.11.2019
Schwarzhans, Ernst

Gesund leben trotz Strahlenflut


ausgezeichnet

Lobenswerter Ratgeber zum Thema Strahlenschutz!
Es lässt sich nicht leugnen: wir sind permanent umgeben von Strahlung: in unseren eigenen vier Wänden, auf der Arbeit, sogar unterwegs – in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto. Studien hin oder her, wirklich abschätzen, welchen Einfluss all die Strahlung auf uns hat (ob nun elektromagnetische Strahlung oder Erdstrahlen), weiß niemand so genau. Umso wichtiger ist eine kompetente Aufklärung zu diesem brisanten Thema, das in den Medien noch immer viel zu wenig Beachtung findet.
Mit "Gesund leben trotz Strahlenflut", dem farbig bebilderten und mit allerlei anschaulichen Illustrationen ausgestatteten Ratgeber zum Thema Strahlenschutz, kann man absolut nichts verkehrt machen. – Auch jene Leser/innen, die sich noch nie mit der Thematik auseinandergesetzt haben, werden dem Inhalt mühelos folgen können, da alle Erklärungen überaus nachvollziehbar sind.
Es gibt so viele Aspekte dieses Werks von Ernst Schwarzhans und Sabrina Mašek, die ich positiv hervorheben möchte!
Der Aufbau ist sehr übersichtlich strukturiert. Der Ratgeber enthält nicht nur 7 umfangreiche und zugleich kompakte Kapitel, die alle wichtigen Informationen auf den Punkt genau erläutern, sondern auch einen Leitfaden zum Buch. Weiterhin inkludiert sind eine Definition zum Thema Strahlung, ein Anhang mit Quellenangaben sowie ein Verzeichnis über verwendete Literatur und Stichworte.
Wir erfahren, was die häufigsten Strahlungsarten und -quellen sind und wie wir uns wirksam dagegen schützen können. Besonders gut hat mir gefallen, dass keinerlei Panikmache betrieben wird, z.B. dass nicht alle technischen Geräte direkt verteufelt werden. Stattdessen sprechen die Fakten für sich und es bleibt der Leserschaft selbst überlassen, wie sie mit den Erkenntnissen umgeht. Gerade die kritische Hinterfragung von 5G sowie die Erklärung des digitalen Stromzählers Smart Meter (- etwas, das selbst meinem digital-affinen Ehemann noch kein Begriff war -), hat mich schwer beeindruckt. Es werden zahlreiche Schutzmaßnahmen für alle verschiedenen Wohnräume genannt, vom Kinderzimmer bis hin zur Küche, inklusive nützlicher Extra-Tipps zur Wohnraumgestaltung - z.B. hinsichtlich Abschirmstoffen (Gardinen, Teppiche, etc.). Weiterhin zeigen 3 Erfolgsgeschichten, dass wir den Strahlen nicht "hilflos ausgeliefert" sind.
Auch wenn ich in der Vergangenheit bereits ein wenig Recherche zum Thema Strahlenschutz betrieben hatte, habe unheimlich viel dazugelernt, vor allem was den Umgang mit dem Handy angeht. Den Online-Dialog zum Thema 'Spezifische Absorptionsrate' (SAR) werde ich fortan im Auge behalten. Wie sollen die Werte, die bereits 1998 festgelegt worden sind, für heutige Technologie ausreichend bzw. verlässlich sein?! Es ist wirklich erschreckend, wie wenig wir über unseren Alltag mit dem Smart Phone nachdenken. Fakt ist, die Langzeiteffekte können von keinem Wissenschaftler der Welt mit 100%iger Sicherheit bestimmt werden – weil eben noch nicht genügend Zeit vergangen ist, seitdem die breite Masse der Bevölkerung Mobiltelefone benutzt.
Fazit: Ein sehr informativer Ratgeber zum Thema Strahlenschutz, der mit nachvollziehbaren Erklärungen, anschaulichen Beispielen und gut umsetzbaren Strategien punktet.

Bewertung vom 15.11.2019
Schweikert, Ulrike

Die Dirne und der Bischof (eBook, ePUB)


gut

Spannender historischer Roman mit Politikfokus.
Autorin Ulrike Schweikert hat mit "Die Dirne und der Bischof" einen soliden Auftakt zur Elisabeth-Reihe erschaffen.
Bereits das wunderschöne, farbintensive Cover lässt das Genre erahnen. Der Titel ist treffend gewählt worden und verrät bereits vor der Lektüre eine wichtige Information.
Die Handlung ist schnell zusammengefasst. - Als eine junge Frau bewusstlos und halbnackt im Flussgraben der Stadt entdeckt wird, liegt die Vermutung nahe, sie stamme aus dem örtlichen Hurenhaus. Zwar kennt Hurenwirtin Else die hübsche Frau nicht, wittert allerdings eine großartige zusätzliche Einnahmequelle, denn das Mädchen ist umwerfend schön. Praktischerweise erinnert sich die junge Dame, der man spontan den Namen Elisabeth gibt, an nichts aus ihrer Vergangenheit und wird bald darauf von Else zur Arbeit gezwungen. Aufgrund ihres Bildungsstandes (– im Gegensatz zu den anderen Dirnen kann sie lesen und schreiben -), ihrer tadellosen Manieren und Gottesfürchtigkeit lässt sich erahnen, dass Elisabeth aus einem guten Hause stammen muss. Als ihr dämmert, womit sie ihre Schulden bei Else abarbeiten soll, ist das Mädchen entsetzt und verzweifelt, denn es gibt scheinbar keinen anderen Ausweg. Doch nach und nach beginnt Elisabeth sich zu erinnern, wer sie wirklich ist…
Ort der Handlung ist Würzburg im 15. Jahrhundert. Der Alltag im Hurenhaus ist sehr intensiv und authentisch geschildert worden. Im Grunde hätten die Beschreibung der verschiedenen Mädchen und ihre Hintergrundgeschichten genügend Inhalt für einen eigenen Roman geliefert. Sehr gerne hätte ich mehr darüber erfahren, warum es die einzelnen Dirnen einst ins Hurenhaus verschlagen hatte; bis auf Ausnahmen wird dies nicht erwähnt. Das Mittelalter war keine frauenfreundliche Zeit, schon gar nicht, wenn man als Abschaum der Gesellschaft betrachtet wurde und sich als Dirne den widerwärtigsten Wünschen der Kundschaft beugen musste. Elisabeth tat mir anfangs unheimlich leid. Es ist bewundernswert, dass sie nie an Güte und Hilfsbereitschaft eingebüßt hat. Eine besonders interessant gestaltete Figur ist Else, die Eselswirtin, welche das Hurenhaus leitet; einerseits kümmert sie sich um ihre Mädchen, andererseits nutzt sie diese schamlos aus. In jedem Fall wirkte sie auf mich äußerst realistisch.
Den Schreibstil der Autorin sowie die Kapitellänge habe ich als sehr angenehm empfunden. Für meinen Geschmack nahm die Referenz zu politischen Entwicklungen, Kriegsgeberichten und Machtspielen/Intrigen jedoch zu sehr Oberhand. Vor allem der Mittelteil des Romans hat dadurch an Dynamik und Mitfieber-Faktor verloren. Elisabeth wurde über viele Kapitel zu einer Nebenfigur und ihre persönliche Geschichte rückte in den Hintergrund, weil unheimlich viel Zeit darauf verwendet wurde, politisches Geplänkel in die Story miteinzubinden. Hier wäre weniger mehr gewesen; speziell bei solch einer sympathischen Protagonistin sollte der Fokus nicht von ihr abrücken. So habe ich zwar das Beste für Elisabeth gehofft, wirklich emotional berührt war ich letztlich aber nicht. Das Ende ist mir ein wenig sauer aufgestoßen – für mich war es kein runder Abschluss.
Fazit: Super Grundidee, sympathische Hauptfigur, spannender Plot – leider etwas langatmig im Mittelteil und für meinen Geschmack zu Politik-lastig.