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Furbaby_Mom

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Insgesamt 493 Bewertungen
Bewertung vom 30.03.2020
Lester, Natasha

Die Kleider der Frauen


ausgezeichnet

Ein bedeutender Roman!
N. Lester hat mit ihrem tiefgründigen Roman "Die Kleider der Frauen" (erschienen im Februar 2020 bei Aufbau Taschenbuch) ein ganz zauberhaftes, inspirierendes Werk erschaffen, das nicht nur Mode-Fans in Verzückung versetzen wird, sondern auch ob seiner Mannigfaltigkeit an reizvollen Themen und spannenden Handlungssträngen einen mitreißenden Pageturner voller Hoffnung und Schönheit darstellt.
Paris 1940: Seit geraumer Zeit hat Estella, die als Haute-Couture-Schneiderin in der französischen Hauptstadt lebt, bereits den Verdacht, dass ihre Mutter Jeanne im Widerstand tätig sein könnte, nur hatte diese stets ausweichend auf ihre Fragen reagiert. Indes rücken die Deutschen immer näher und die Hoffnung, dass Paris vor ihnen verschont bleiben würde, schwindet mit jedem Tag mehr. Wer kann, flüchtet. Als Estella sich eines Abends für wenige Stunden gemeinsam mit ihren Freunden von der tristen Situation ablenken möchte, steht sie plötzlich dem charismatischen wie auch geheimnisvollen Alex gegenüber. Er kennt ihre Mutter, mehr noch – er benötigt dringend Estellas Hilfe. Wider Erwarten findet sich die junge Frau in einer Undercover-Spionage-Aktion der Résistance wieder. Sie ahnt nicht, d. dieser schicksalhafte Abend, ebenso wie die Begegnung mit Alex, ihr Leben grundlegend verändern wird. Wenige Tage später muss sie Frankreich überstürzt verlassen und nach Amerika flüchten. In New York will sie endlich eigene Kleider entwerfen und sich einen Namen in der männerdominierten Modewelt machen. Vor allem möchte Estella dieses Geschenk, ein Leben fernab vom Krieg, Jeanne zuliebe nutzen. "Zwar konnte sie nicht in den Krieg ziehen, konnte Paris nicht retten, aber sie konnte Kleider nähen, Kleider, in denen Frauen sich stärker, wagemutiger und tapferer fühlten." Gerade als Estella glaubt, sich langsam in New York City zurechtzufinden, wird sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert. Basiert ihr ganzes Leben auf einer Lüge? Im Erzählstrang der Gegenwart hadert Estellas Enkelin Fabienne mit der Frage, ob sie sich die Nachfolge in Estellas Unternehmen zutraut und stolpert dabei über einige Ungereimtheiten in ihrer Familiengeschichte.
In eindringlichen, stimmungsvollen Bildern und mit unglaublicher Authentizität zeichnet die Autorin das unverwechselbare Flair von den Metropolen Paris und New York City. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken mit gleichem Setting werden hier nicht nur Sehenswürdigkeiten aneinandergereiht und der Leserschaft in leeren Phrasen aufgelistet – nein, im vorliegenden Roman spürt man in jeder Zeile, in jeder detaillierten Beschreibung den Puls der jeweiligen Stadt, streift mit Estella durch die verlassenen Straßen des Marais, erlebt den Charme und die unerschütterliche Eleganz von Paris, taucht in den lebendigen Buzz des Big Apple ein. Für mich war es das 1. Buch der Autorin und ihr erfrischender, beinahe schon poetischer Schreibstil hat mich restlos begeistert!
Die Geschichte lebt von ihren starken Charakteren, insbesondere Estella ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die man einfach nur bewundern kann und ins Herz schließen muss; gebannt habe ich ihren Lebensweg mitverfolgt. Die Beziehung zu ihrer Mutter, ebenso die Bindung zwischen Estella und Fabienne sind mit außergewöhnlich viel Feingefühl porträtiert worden. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, wobei der Fokus auf den beiden weiblichen Hauptfiguren liegt.
Es ist ein Buch über Hoffnung & Mut, über Freundschaft & Liebe, über Familie & Geheimnisse. Der rote bzw. goldene Faden, der sich als zentrales Thema durch die Handlung zieht, ist Mode: die Kleider, die für Estella so viel mehr sind als nur ein hübsches Stück Stoff. Nach der Lektüre dieses Romans wird man seine Kleidung mit anderen Augen sehen. "Erstaunlich, dass ein Kleidungsstück so viel Bedeutung haben konnte und eine Macht besaß, die weit über Stoff, Faden und Schnittmuster hinausging."
Fazit: Unbedingte Leseempfehlung für alle Liebhaber von historischen Romanen!

Bewertung vom 28.03.2020
Lüpkes, Sandra

Die Schule am Meer


gut

Ein ungewöhnliches Internat!
Das Ehepaar Reiner hatte eine Vision: auf der Nordseeinsel Juist wollten sie eine Schule gründen, in der jedes Kind willkommen sein sollte; eine Lehranstalt, die sich mit innovativen Lehrmethoden auszeichnen, in der jedem Kind die nötige Aufmerksamkeit & individuelle Förderung zukommen sollte. Musik nimmt einen hohen Stellenwert ein, ebenso die Verbundenheit zur Natur. In diesem reformpädagogischen Inselinternat, das es einst tatsächlich so auf Juist gegeben hat, steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Dieser Zusammenhalt ist auch bitter nötig, denn vielen Bewohnern der Insel ist die Tatsache ein Dorn im Auge, d. die Schule als Hort für Juden & Kommunisten gilt.
Zu Beginn habe ich ein klein wenig mit der Vielzahl der Figuren gehadert. Für spätere Ausgaben des Werkes wäre ein Personenregister eine sinnvolle Ergänzung. Erzählt wird abwechselnd aus mehreren Perspektiven: Schulpersonal, Schüler/innen, Insulaner/innen…auch in die Gedanken des Antagonisten taucht man regelmäßig ein. Hierdurch lernt man viele Charaktere gleichermaßen intensiv kennen, sympathisiert mit dem einen o. anderen, während man gewissen Protagonisten am liebsten gehörig die Meinung geigen würde. Insgesamt blieben mir dennoch die meisten von ihnen eher fremd; ihr Schicksal berührte mich zwar, doch wirklich mitgelitten, mitgefiebert habe ich nicht. Den größten Teil der Handlung nimmt das Internatsleben selbst ein: die alltäglichen Erlebnisse des Lehrpersonals (wobei der Unterricht selbst eher oberflächlich skizziert worden ist), vor allem aber Freizeiterlebnisse der Schüler/innen stehen im Vordergrund: Mutproben, Freundschaft, 1. Liebe…
Geschichtliche Ereignisse fließen eher am Rande in die Rahmenhandlung ein. Es ist kein rasanter Roman mit unheimlich nervenaufreibenden Passagen; vielmehr erschien es mir, als würde man hier an einem Stück Vergangenheit teilhaben dürfen. Es erinnert mich entfernt an eine Art Familien-Saga. In aller Ruhe beschreibt die Autorin die Inselschönheit, die lokalen Begebenheiten der Schule & des Ortes, lässt uns am Entwicklungsprozess der Charaktere teilhaben. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Werk, damit sich dessen volle Wirkung entfalten kann & das ist auch gut so. Der Schreibstil ist gut verständlich, ebenso angenehm wie anspruchsvoll und voller detaillierter Beschreibungen. Es wird deutlich, welch intensive Recherche Autorin Sandra Lüpke betrieben hat; mühelos verknüpft sie wahre historische Hintergründe, Personen, Begebenheiten mit Fiktion. Alles in diesem Roman, von den Dialogen bis hin zur Szenerie, der Inselatmosphäre und den Charakteren wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Manche Passage des beinahe 600 Seiten umfassenden, in ungewöhnlich lange Kapitel eingeteilten Romans hätten etwas kompakter ausfallen können – oder wären idealerweise zu einer ausführlicheren Schilderung des eigentlichen Schulkonzepts genutzt worden; auch mehr Details zu geschichtlichen Begebenheiten wären möglich und durchaus interessant gewesen, so hätte ich z.B. gerne mehr über den Eiswinter gelesen. Hinsichtlich Waldi ahnte ich von Anfang an, welche Entwicklung folgen würde und fand diese absolut unnötig – musste das wirklich noch sein? Alles in allem überwiegt ein eher schwermütiger Ton, der hier und da durch die wundervolle Sprachkunst der Autorin abgemildert und durch humorvolle Anekdoten etwas aufgelockert wird. Nun ja, immerhin war die Realität damals tatsächlich kein Zuckerschlecken, es waren harte Jahre.
Fazit: Ein auf wahren Tatsachen basierender Internatsroman, der vor einem interessanten geschichtlichen Hintergrund angesiedelt ist. Der Fokus liegt ganz klar auf der persönlichen Entwicklung der Figuren sowie auf dem allgemeinen Internatsalltag - weniger auf dem historischen Aspekt. Ein Aufbau mit ein, zwei Perspektiven weniger hätte wahrscheinlich mehr Nähe zu den verbleibenden Figuren bewirkt. Tolle Grundidee, hervorragende sprachliche Umsetzung, Handlungsinhalt nicht mitreißend, aber unterhaltsam.

Bewertung vom 26.03.2020
Iosivoni, Bianca

Feeling Close to You / Was auch immer geschieht Bd.2


sehr gut

Schon viel Positives hatte ich über das schriftstellerische Talent von B. Iosivoni gehört und freute mich unbändig über die Gelegenheit, mir endlich selbst eine Meinung diesbezüglich bilden zu können. "Feeling Close To You" ist der 2. Band der "Was auch immer geschieht"-Reihe. Aufgrund der vielversprechenden Leseprobe ahnte ich bereits im Vorfeld, d. dieses Buch mir in Sachen Schreibstil, Handlungsaufbau & Ausarbeitung der Figuren außerordentlich gut gefallen würde. Tatsächlich habe ich mir nach wenigen Kapiteln zusätzlich Band 1 der Dilogie bestellt; beide Werke haben jeweils eine in sich geschlossene Handlung & können unabhängig voneinander gelesen werden.
Teagan steht kurz vor ihrem Highschool-Abschluss. Sie ist die klassische Außenseiterin, weil sie anders ist als der Durchschnitt. Selbstbewusst trägt sie ihre Tattoos & ihre neonlila gefärbten Haare zur Schau. Auch charakterlich sticht Teagan aus der Masse hervor, indem sie Oberflächlichkeit jeglicher Art keine Bedeutung beimisst & sich nicht von aufgesetzter Freundlichkeit einlullen lässt. Sie möchte Game Design studieren, denn in der Onlinewelt fühlt sie sich wohl, hier kann sie sich mit Gleichgesinnten austauschen, hier ist sie kein Freak, kein Sonderling. Nachts streamt sie live Videospiele & bessert mit den Einnahmen ihre Collegekasse auf, denn ihr Dad würde ein Studium finanziell zwar unterstützen, allerdings nur, wenn Teagans Studienfach etwas 'Vernünftiges', etwas 'Seriöses' wäre. - Nur über Teagans Leiche! In einer ihrer nächtlichen Sessions besiegt sie ausgerechnet den erfolgreichen Gamer Parker. Der mit einem eigenen YouTube-Kanal & Millionen von Followern gefeierte Star der Gaming Szene ist wenig begeistert, dermaßen vorgeführt zu werden von einer unbekannten Spielerin und will unbedingt mehr über sie herausfinden. Schon bald entwickelt sich ein Dialog zwischen ihm & Teagan; beide genießen den lockeren, ungezwungenen Chat und kommen sich trotz der räumlichen Distanz immer näher… Man merkt, d. die Autorin selbst eine Vorliebe für Videospiele hat; ihre Begeisterung dafür ist in allen betreffenden Szenen deutlich spürbar - man möchte am liebsten direkt selbst zum Controller greifen und mitspielen! Die detaillierten, enorm ansprechenden Beschreibungen der Onlinespiele haben mich – zu meiner eigenen Überraschung - absolut mitgerissen, beeindruckt und mein Interesse für dieses Hobby geweckt. Nie hätte ich gedacht, d. ich die Schilderung von einzelnen Spielzügen o. Spielfiguren dermaßen spannend finden könnte! Wer sich selbst nicht mit Onlinespielen identifizieren kann & befürchtet, gewissen Szenen des Romans nicht folgen zu können, dem kann ich diese Sorge getrost nehmen: auch für Nicht-Zocker (& unerfahrene Neulinge wie mich) ist alles zu diesem Thema mehr als verständlich erläutert worden. Ich finde es großartig, dass die Autorin mit sämtlichen Vorurteilen aufräumt – Gamer sind nämlich nicht automatisch männlich, Nerds & von Gewaltphantasien besessen.
Leider wirkte der Abschluss nicht ganz so 'rund', wie ich es mir gewünscht hätte. Das nennt man wohl Jammern auf hohem Niveau, denn abgesehen davon kann ich dieses Werk nur in den höchsten Tönen loben und jedem empfehlen, dessen Herz für New Adult-Romane schlägt!

Bewertung vom 24.03.2020
Bailey, Tessa

Verboten sinnlich / Duty & Desire Bd.2


ausgezeichnet

Ein Cop zum Verlieben!
Das wunderschöne, in blauen Farbtönen funkelnde Cover ist ein absoluter Eyecatcher & bildet den Mittelteil einer Panorama-Abbildung der Manhattan Skyline, welche sich über alle Bände der Trilogie erstreckt. Diese wundervoll amüsante, wahnsinnig sexy Buchreihe gehört schon jetzt zu meinen Jahreshighlights!
Zwar ist "Duty & Desire – Verboten sinnlich" eigentlich der 2. Band, jedoch war mir Teil 1 bis dato unbekannt gewesen & da jedes Werk eine in sich geschlossene Handlung hat, stellen im Grunde alle Romane eine ideale Einstiegsmöglichkeit dar.
Der Klappentext war enorm vielversprechend, die Leseprobe witzig und hey, die Geschichte spielt in New York City, einer meiner Lieblingsstädte – natürlich MUSSTE ich dieses Buch lesen! Noch ehe ich die letzte Seite umgeblättert hatte, war bereits der Vorgängerband bestellt, so begeistert hatten mich Setting, Figuren & Schreibstil der Autorin. Zeitgleich fragte ich mich: wie konnte es sein, dass ich noch nie zuvor von Tessa Bailey gehört hatte?!
In Buchforen & Onlineshops habe ich einige gemischte Reaktionen zu diesem Buch gelesen; natürlich ist es in puncto Gesamtentwicklung der Charaktere nicht mit einem schicksalsträchtigen Drama oder einem historischen Roman zu vergleichen, aber das hatte ich auch gar nicht erwartet. Im Gegenteil, ich hatte auf einen unterhaltsamen Feel-Good-Roman mit hohem Herzklopf-Faktor, allerlei prickelnden Szenen und dem obligatorischen Happy End gehofft – und all das habe ich bekommen. Obendrein gab es liebenswerte Figuren, authentische Dialoge und eine interessante Hintergrundstory, die ich so noch nie zuvor in einem Werk gelesen habe. Hätte Jacks Background weiter ausgebaut werden können? - Sicher, doch ich denke, das hätte dem Ganzen einen deutlich schwermütigeren Stempel verpasst. Die aktuelle Auflösung hingegen fand ich ideal – definitiv ausreichend genug, um Spannung zu erzeugen und detailliert genug, um glaubwürdig zu sein. Alles andere wäre mir – im Rahmen eines Wohlfühlromans – too much gewesen.
Katie ist mehr als nur eine klassische irische Schönheit. Sie hatte ihre Jugend dem Profisport gewidmet und dabei sogar olympisches Gold geholt - für Freizeitvergnügungen und Männer war wenig Zeit geblieben...bzw. nie. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts in der 'Stadt, die niemals schläft' möchte sie unbedingt all das Versäumte nachholen - inklusive einer heißen Nacht, denn Katie ist noch Jungfrau. Als sie Jack begegnet, scheint er der perfekte Kandidat für dieses Vorhaben zu sein. Sie ahnt nicht, dass sie einander bald auf gänzlich unerwartetem Terrain wiedersehen werden… Jack hat das Herz am rechten Fleck. Er ist unheimlich loyal, stets ehrlich, charmant und irrsinnig attraktiv. Allerdings betrinkt er sich regelmäßig, um gewisse Erinnerungen zu verdrängen, anstatt sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen. Der Mann braucht Struktur in seinem Leben – das findet auch seine beste Freundin Danika, die ihn zu einer Ausbildung beim NYPD überredet hatte und nicht begeistert ist von der Tatsache, dass Jack sich lieber in bedeutungslose One-Night-Stands flüchtet als sich auf sein Polizeitraining zu konzentrieren.
Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptprotagnisten. Ich war positiv überrascht darüber, wie gut ich Jacks Sichtweise nachvollziehen konnte; es war faszinierend und berührend zugleich, seinen Wandel mitzuverfolgen. Katie ermutigt Jack, an sich selbst zu glauben. Ihr erfrischend herzliches, aufrichtiges Wesen und ihre beinahe schon kindliche Begeisterungsfähigkeit haben mich direkt für sie eingenommen. Auch die Nebenfiguren, speziell Danika, gefielen mir sehr! Den Schreibstil würde ich als eine Mischung aus sündig-heiß (- es sind zahlreiche Erotikszenen & entsprechende Formulierungen enthalten -) und humorvoll-locker beschreiben – die Seiten flogen nur so dahin!
Fazit: Das heißeste Lesevergnügen seit Langem!

Bewertung vom 09.03.2020
Mommsen, Janne

Wiedersehen in der kleinen Inselbuchhandlung / Inselbuchhandlung Bd.3


ausgezeichnet

Home is where the heart is.
Erneut hat Erfolgsautor Janne Mommsen einen Roman erschaffen, der Lust auf einen Urlaub an der Nordsee macht. Was für ein gutes, ehrliches Buch! Es mag viele Wohlfühlromane geben, deren Handlung auf einer Insel angesiedelt ist, aber oftmals gehen die Beschreibungen nur in seltenen Fällen über kreischende Möwen und rauen Wind hinaus. Hier allerdings sieht man die idyllische Nordseeinsel Föhr durch die Augen des Autors und spürt seine Liebe für das kleine Eiland auf jeder Seite. Zudem ist dieses Werk viel mehr als nur ein gemütlicher Schmöker mit sommerlichem Cover – wie auch im Vorgängerband ("Die Bücherinsel") wird eine wichtige und interessante Thematik aufgegriffen.
Wie ist das eigentlich, wenn Freunde sich auseinanderleben? Wenn Menschen, die einem einst näherstanden als der Rest der Welt, plötzlich so tun, als hätte man sich nie gekannt. Am Ende einer gescheiterten Beziehung wird (zumindest in den meisten Fällen) offiziell ein Schlussstrich gezogen; bei gescheiterten Freundschaften hingegen gibt es kein derartiges Trennungsritual. Stattdessen lässt man die Bekanntschaft (meist in stillschweigender Übereinkunft) im Sande verlaufen. Warum ist das so? Und gibt es ein Zurück, wenn man merkt, dass man einen wichtigen Menschen zu früh aufgegeben hat?
Vor ähnlichen Fragen steht die männliche Hauptfigur Hauke. Einst auf Föhr aufgewachsen, lebt er inzwischen als erfolgreicher Krimiautor in Berlin. Kürzlich hat einen Roman veröffentlicht, der auf seiner Heimatinsel spielt und nun wird er prompt zu einer Lesung in Gretas kleine Inselbuchhandlung eingeladen. Über zwanzig Jahre lang hatte Hauke keinen Fuß mehr auf die Insel gesetzt. In Aufregung und Vorfreude mischt sich auch ein Fünkchen Unbehagen. – Mit seinen 3 besten Freunden von damals hat er keinen Kontakt mehr. Als Kinder waren Hauke, Wiebke, Nicole und Kai unzertrennlich gewesen; als Teenager hatten sie eine eigene Band gegründet. Für Nicole hatte Hauke sogar geschwärmt. Aber dann war es zu einem Bruch gekommen und mit einem Mal hatte die eingeschworene Clique nicht mehr existiert. Nie hätte Hauke damit gerechnet, ausgerechnet seine ehemaligen besten Freunde im Publikum zu entdecken. Sie alle ignorieren einander, dennoch sind sie gekommen. Insbesondere Wiebke bringt Hauke völlig aus dem Konzept – aus dem stillen Mädchen, das immer wie eine Schwester für ihn gewesen war, ist eine wunderschöne, starke Frau geworden.
Der Band ist zwar Teil einer Buchreihe, hat jedoch eine in sich geschlossene Handlung. Erzählt wird aus Haukes und Wiebkes Perspektive; in beide Figuren habe ich mich wunderbar hineinversetzen können. Wiebkes ist eine Frohnatur, eine aufrichtige junge Frau und liebevolle Mutter zweier Kinder. Sie schreckt nicht vor harter Arbeit zurück und bemüht sich nach Kräften, die Zukunft ihres Hofes abzusichern. Auch die Nebencharaktere sind überaus facettenreich gestaltet worden – speziell Kai hat mich positiv überrascht und daran erinnert, dass der erste Eindruck nicht zwingend der richtige sein muss; dass die scheinbar stärksten, unnahbaren Menschen manchmal jene sind, die am dringendsten Hilfe benötigen.
Der Schreibstil des Autors ist luftig leicht und zugleich so eindringlich wie das Glücksgefühl, das man bei einem Spaziergang am Strand verspürt. Die detaillierten, atmosphärischen Beschreibungen der Insel bilden den perfekten Rahmen zur ruhigen, tiefgründigen Geschichte, die von reifen Charakteren getragen wird und beinahe gänzlich ohne Drama auskommt. Liebe, Freundschaft, Heimat und das Erwachsenwerden sind die zentralen Elemente der Handlung. Alle Gedanken und Dialoge der Protagonisten erschienen mir so real, so glaubwürdig. Nichts wirkt überzeichnet. Die gelegentlichen Dialekt-Begriffe haben diesen Eindruck nur verstärkt.
Dieses Buch brachte mich zurück an einen Ort, an dem ich im realen Leben noch nie war und dennoch fühlte es sich wie ein Nachhausekommen an.
Fazit: Herrlicher Inselroman zum Träumen!

Bewertung vom 26.02.2020
Davis, Siobhan

Hate is all I feel


schlecht

Düster & verstörend.
Dieses Werk ist erst für Leser ab 18 Jahren empfohlen; es enthält zu Beginn eine Trigger-Warnung, die unbedingt beachtet werden sollte – meines Erachtens ist sie noch sehr milde formuliert. Wer eher zartbesaitet ist & einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, sollte die Finger von diesem Roman lassen.
Noch Tage nachdem ich dieses Buch beendet hatte, war ich erschüttert & nur fassungslos den Kopf darüber schütteln, mit welcher Intensität hier rohe Gewalt zwischen 2 Buchdeckel gepresst worden ist. Für mich war es das 1. Werk aus dem Genre 'Dark Romance'. Was ich erwartet hatte? Eine New Adult-Lovestory inkl. ein paar düsterer Szenen, in denen es etwas 'rauer' zugehen würde; also definitiv keinen Wohlfühl-Roman zum Zurücklehnen & Träumen. Tatsächlich fühlte mich vorbereitet auf ein gewisses Level an Gewalt. So ungewohnt die derbe, vulgäre Ausdrucksweise anfangs auch für mich gewesen war – die Leseprobe hatte ich dennoch insgesamt als vielversprechend empfunden: eine verhängnisvolle Nacht, in der eine verzweifelte Frau ihrem Leben ein Ende setzen möchte & dann von einem mysteriösen, attraktiven Fremden zunächst gerettet & anschließend entjungfert wird. Mein einziger Kritikpunkt war zu diesem Zeitpunkt gewesen, d. die Begierde zwischen den Figuren nicht so ganz glaubwürdig & authentisch erschien, mir fehlte das Prickeln. Kurzum: ich hoffte auf etwas mehr Intensität. Ich ahnte ja nicht, d. ich wenig später entsetzt auf die Seiten starren & mich fragen würde, warum in aller Welt ich mir mehr Intensität gewünscht hatte.
Abby wächst in einem goldenen Käfig auf. Ihre Familie ist steinreich & mächtig. Sie & ihr Bruder sind bereits als Kinder ihren zukünftigen Ehepartnern versprochen worden, im Rahmen eines väterlichen Business-Deals. An der Rydeville Highschool macht ihr Reichtum sie unantastbar. Abbys Zwangs-Verlobter ist Trent: sexy, cholerisch, grausam & masochistisch - ein Widerling par excellence. Kein Wunder, d. sie nicht begeistert von ihm ist & verzweifelt nach einem Ausweg aus ihrer Situation sucht. Dann tauchen 3 heiße Jungs an der Schule auf & für Abby beginnt ein Albtraum. Sie hatte gedacht, nach dem Tod ihrer geliebten Mutter könnte es nicht mehr schlimmer kommen. Doch ihre Hölle auf Erden hat gerade erst begonnen.
Der Schreibstil der Autorin ist direkt, unverblümt & absolut schonungslos; sehr passend im Hinblick auf die Handlung. Leider hat der Roman mich emotional überhaupt erreichen können, abgesehen davon, d. ich zwischenzeitlich so angewidert war, d. ich am liebsten die Lektüre abgebrochen hätte. Schwerer seelischer & körperlicher Missbrauch (an Jugendlichen!), Vergewaltigung, Mobbing - Erniedrigung/Demütigung & menschliches Leid auf beinahe jeder Seite. Zwischenzeitlich werden humorvolle Kommentare eingestreut, die jedoch den Grundton der Story nicht mehr auflockern können & eher plump eingestreut wirken, nach dem Motto: 'jetzt mal kurz was zum Lachen, mit Überblende zur nächsten Vergewaltigung'. Die Figuren sind klischeeüberladen – ausnahmslos alle Frauen sind devote, hilflose Kreaturen, die jederzeit gefügig sein müssen & von der 'Gnade' der Männer abhängig sind. Mit der Hauptfigur hatte ich anfangs noch Mitleid, was sich allerdings zügig in Verständnislosigkeit ob ihrer widersprüchlichen Verhaltensweise verkehrte. - Ihren sexy Verlobten hasst sie, weil er ihr körperliche Gewalt antut. Auf einen ihrer sexy Peiniger hingegen fliegt sie…weil er ihr körperliche Gewalt antut?! Mit 'Romance' hat das für mich nichts zu tun. In vielerlei Hinsicht war die Handlung dermaßen überspitzt & unrealistisch (Stichwort: 'Weltherrschaft'), d. sie einfach nur grotesk auf mich wirkte & ich sie absolut nicht ernstnehmen konnte. Einzig die Missbrauchsszenen wirkten authentisch & waren geradezu verstörend realistisch geschildert. Ein Cliffhanger am Ende soll zum Weiterlesen animieren, allerdings denke ich nicht, d. ich den Folgeband o. ein weiteres Werk der Autorin lesen werde.
Meine Wertung (1 Stern) basiert

Bewertung vom 14.02.2020
Barry, Jessica

Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod


sehr gut

Spannender Debütroman!
Mit ihrem im Dez. 2019 bei dtv erschienenen Werk "Freefall" hat Jessica Barry definitiv keine 'Bruchlandung' hingelegt, sondern einen äußerst gelungenen Debütroman erschaffen. Direkt zu Beginn wird man unmittelbar in die Handlung hineinkatapultiert & verfolgt gebannt, wie die Hauptprotagonistin Allison sich durch die raue Wildnis der Rocky Mountains kämpft, nachdem sie als einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes gerade erst dem Tod entronnen ist. Als wäre ihre Situation nicht dramatisch genug, wird schnell klar, d. Ally auf der Flucht ist – jemand trachtet ihr nach dem Leben. Zeitgleich erhält Allys Mutter Maggie die Nachricht, dass ihr einziges Kind an Bord jenes Kleinflugzeugs gewesen war, das in den Bergen Colorados abgestürzt ist. Erst vor wenigen Jahren hatte Maggie ihren geliebten Mann verloren & nun soll auch Ally tot sein? Seit geraumer Zeit hatten Mutter & Tochter keinen Kontakt mehr; eine Tatsache, die Maggie stets schwer belastet hatte. Dennoch war sie immer davon ausgegangen, d. sie eines Tages Gelegenheit zu einer Versöhnung haben würden. Diese Chance scheint für immer verloren. Fassungslos beginnt Maggie, Nachforschungen über Allison anzustellen, ihre letzten Schritte zu rekonstruieren. Bald stößt sie auf Ungereimtheiten & erkennt, dass sie beinahe nichts darüber weiß, wer ihre Tochter in den letzten Jahren gewesen ist, in welchen Kreisen sie verkehrt hatte. Ohne es zu ahnen, stößt Maggie mit ihren Nachforschungen in ein Wespennest & setzt eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang…
Erzählt wird abwechselnd aus Allys & Maggies Perspektive. Während Allys Parts von einem hektischen, rasanten Ton bestimmt sind, wird in Maggies Abschnitten die Verzweiflung spürbar. Dieser Kontrast ist der Autorin wunderbar gelungen; man fiebert mit Ally mit, während man mit Maggie leidet & sie am liebsten trösten würde. Immer wieder gibt es kurze Rückblicke in Form von Erinnerungen, durch welche wir die Figuren zusätzlich besser kennenlernen. Auch die Ursache für das Zerwürfnis der beiden Frauen wird näher erläutert. Geschickt erlaubt uns die Autorin diesbezüglich in die Gedankengänge von Ally & Maggie eintauchen & überlässt es den Lesern, sich eine Meinung zu bilden bzw. Stellung zu beziehen. Ab & zu erhalten wir zudem einen Einblick in die Gedanken von Allys Verfolger. Über Allisons routiniertes Verhalten direkt nach dem Absturz habe ich nur staunen können. Als wäre sie seit Jahren auf einen Survival-Einsatz vorbereitet worden! Ich weiß nicht, ob ich in ihrer Situation so zielstrebig & logisch hätte handeln können, zumal sie körperlich schwer verletzt war. In Maggie konnte ich mich hingegen voll & ganz hineinversetzen. Sie tat mir unheimlich leid! Aufgrund ihres liebenswerten, warmherzigen Wesens war Maggie mir auf Anhieb sympathisch und blieb auch im Laufe der Handlung meine Lieblingsfigur.
Der Roman ist ein wahrer Pageturner, weil man einfach wissen möchte, wie die Einzelinformationen, die man aus den verschiedenen Perspektiven entnehmen kann, zusammengehören. Ich brannte darauf zu erfahren, wer Allys Verfolger ist und ob Mutter & Tochter sich jemals wiedersehen würden. Was zunächst offensichtlich & logisch erscheint, stellt sich als entsetzlicher Irrtum heraus; man weiß nie, wem man trauen kann. Ich lag in einem Punkt komplett daneben & war richtig baff, als die Wahrheit enthüllt wurde. Zahlreiche Wendungen hatten mich immer wieder auf eine falsche Fährte gelockt, weshalb ich bis zum großen Showdown am Ende im Dunkeln getappt hatte. Die Spannung wird bis zum Schluss aufrechterhalten.
Das einzige Manko für mich waren ein paar kleine Ungereimtheiten, welche gewisse Szenen & Verhaltensweisen von Figuren etwas unrealistisch erscheinen ließen. So bildete beispielweise Allys Verhalten während der Flucht einen krassen Gegensatz zu ihrem Verhalten während der letzten Jahre. Manche ihrer Erinnerungen ließen Allison zudem charakterlich in keinem guten Licht erscheinen, weshalb ich zu dieser Figur ke

Bewertung vom 12.02.2020
Cole, Tillie

A Wish for Us


gut

Tragischer Jugendroman!
Diesem Werk stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es war der erste Roman, den ich von der Autorin Tillie Cole lesen durfte und zu Beginn der Geschichte war ich ziemlich begeistert angesichts der Thematik und des ungemein bildreichen Schreibstils. Im Mittelteil der Story war mein Enthusiasmus dann schon etwas verhaltener und während der letzten Kapitel hatte ich Mühe, dem Werk überhaupt noch etwas Positives abzugewinnen.
Ich hatte eine angenehme College-Story erwartet, die mit Humor und Herzklopfen punktet, und in der gerne auch ein paar ernste Themen angesprochen werden können, um dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu verleihen. Natürlich war ich darauf vorbereitet gewesen, dass die rund 450 Seiten keine geballte Ladung Glückseligkeit beinhalten und die Protagonisten sicherlich mit einigen Problemen konfrontiert werden würden.
Direkt zu Beginn der Handlung erlebt man eine Begegnung der beiden Hauptfiguren – dem international gefeierten Star-DJ Cromwell Dean und der Studentin Bonnie. Sie begegnen sich in England und ahnen nicht, dass sie sich wenige Monate später in den USA, auf dem Campus der Jefferson Young University, erneut gegenüberstehen werden. Ihr erstes Treffen war recht unterkühlt verlaufen. "Deiner Musik fehlt es an Seele" hatte Bonnie zu ihm gesagt. Zu ihm, dem die ganze Musikwelt zu Füßen liegt! Lächerlich! Und ausgerechnet mit diesem Mädchen soll Cromwell nun ein gemeinsames Musikprojekt ausarbeiten? Das soll wohl ein Scherz sein! Auch Bonnie ist alles andere als begeistert, als Professor Lewis sie für eine Teamarbeit mit Cromwell einteilt. Alle anderen Mädchen im Kurs würden sich darum reißen, mit dem sexy DJ gemeinsame Sache zu machen. Aber im Gegensatz zu ihnen sieht Bonnie mehr in ihm. Den Jungen, der er einst war. Den unmotivierten Studienpartner, der ihr dieses eine Projekt, an dem ihr ganzes Herz hängt, ruinieren könnte. Das begnadete Musikgenie. Der Kurs bei Professor Lewis bedeutet Bonnie die Welt; es ist die eine Sache, die sie sich nicht nehmen lassen will. Deshalb muss sie einen Weg finden, zu Cromwell durchzudringen.
Ich habe Bonnie dafür bewundert, dass sie gegenüber dem von sich selbst eingenommenen Star-DJ kein Blatt vor den Mund nimmt. Cromwell ist die Definition eines Bad Boys: arrogant, herablassend, rücksichtslos. Er flucht gerne und oft. Seine inneren Dämonen verheimlicht er vor der Welt und bekämpft sie mit harten Beats, Alkohol und bedeutungslosem Sex.
Die Autorin verknüpft die Themen Synästhesie und Musik auf ganz wundervolle Art und Weise und ließ mit ihren detaillierten, leidenschaftlichen Beschreibungen auch in meinem Kopf ein wahres Feuerwerk der Farben entstehen. Leider nehmen Drama und Tragik Überhand; jegliche potentielle Romanze erscheint dadurch eher nebensächlich. Das Werk ließ mich komplett ausgelaugt und deprimiert zurück. Fazit: Bittersweet. Eine Geschichte mit wahnsinnigem Potential, die mich sicherlich mehr berührt hätte, wäre zumindest die Hälfte der Negativität entfallen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.02.2020
Tack, Stella

Spiel um dein Schicksal / Night of Crowns Bd.1


ausgezeichnet

WOW! WOW! WOW!
Das Jahr 2020 ist noch relativ jung, dennoch kann ich nach der Lektüre von Stella Tacks Jugend-Fantasyroman "Night of Crowns" (erschienen am 22.01.2010 beim Ravensburger Verlag) mit Freude verkünden, d. ich mein erstes Jahres-Highlight gefunden habe! Was für ein mitreißendes, an Spannung nicht zu übertreffendes, beispiellos kreatives Werk! – Und noch dazu aus der Feder einer solch jungen Autorin! Respekt! Ich würde sagen, hier kommt die neue J. K. Rowling!
Eine Party im Wald, auf dem Grundstück zweier Elite-Internate – hier wollen Alice & ihre Freundin einen ausgelassenen Abend verbringen, tanzen, flirten, sich amüsieren. Weder sie noch die meisten der anderen Feiernden ahnen, dass auf den einstigen Adelshäusern ein jahrhundertealter Fluch liegt. Alle 18 Jahre verwandelt sich der Wald zwischen den geheimnisumwobenen Privatschulen in ein Spielfeld und die Nachkommen der Häuser Chesterfield & St. Burrington werden zu lebendigen Schachfiguren. Sie haben keine Wahl; das grausame Spiel um Leben & Tod fordert ihren Einsatz und wird erst dann enden, wenn einer der beiden Könige getötet worden ist. All dies bleibt vor der Außenwelt, der nahegelegenen Kleinstadt Foxcroft, in die Alice und ihre Mutter vor zwei Jahren gezogen sind, verborgen. Ein verstörendes Erlebnis sorgt dafür, d. Alice die Party fluchtartig verlässt. Die nächsten Monate werden zur Qual, denn fortan leidet sie unter Halluzinationen: große Spinnen krabbeln überall um sie herum – aber niemand außer Alice kann sie sehen! Nicht ihre Mom, nicht ihre beste Freundin Cordy, die sich Alice gegenüber irgendwie immer distanzierter verhält. Als die beängstigenden Visionen Überhand nehmen, rutschen Alice‘ Schulnoten in den Keller & beim Cheerleading passiert ihr ein Fehler nach dem anderen. Um das Schuljahr nicht wiederholen zu müssen willig Alice zähneknirschend ein, die Summer School auf Chesterfield zu besuchen. Schnell wird deutlich: dort ist nichts so, wie es scheint. Und für Alice gibt es kein Entkommen mehr.
Sowohl die Hauptprotagonistin als auch sämtliche Nebenfiguren beeindruckten mich hinsichtlich ihres facettenreichen Wesens sowie der ihnen zugeschriebenen Charaktertiefe. In die sympathische, von der ganzen Situation ziemlich überforderte Alice habe ich mich sofort hineinversetzen können. Speziell über ihre Wortgefechte mit dem sprechenden Kater namens Curse habe ich immer wieder schmunzeln müssen. Überhaupt schließt man dieses freche Katerchen einfach ins Herz – seine Sprüche sind der Knüller! Beide Könige, Vincent & Jackson, sind äußerst charismatisch, sehen verboten gut aus und könnten doch unterschiedlicher kaum sein; vor allem weiß Alice nie, woran sie bei ihnen ist bzw. wem sie trauen kann.
Der bildgewaltige Schreibstil ist mal schwungvoll, mal eindringlich, gleichermaßen locker & humorvoll, leicht verständlich & durchgehend fesselnd. Einmal angefangen mit der Lektüre, kann man nicht mehr aufhören. Ich habe dermaßen mitgefiebert, dass ich bis spät in die Nacht gelesen habe & mich kaum zum Schlafen zwingen konnte. Rasante Action und romantische Herzklopf-Momente, glaubwürdige Dialoge, eine spektakuläre Hintergrundgeschichte, jede Menge unvorhersehbare Wendungen, welche die Handlung plötzlich in eine gänzlich unerwartete Richtung lenken… Dieses Buch macht absolut süchtig!
Die von der Autorin erschaffene Story-Welt ist umwerfend realistisch gestaltet worden – das College-Setting, die mystische Atmosphäre, die den Wald und die beiden Internate umgibt…all das wirkt so echt! Man taucht direkt in die Handlung ein & das Kopfkino nimmt seinen Lauf.
Fazit: Nicht nur für Fans von Fantasyromanen ein definitives Must-Read! Eine frische, gänzlich neue Story-Idee, grandios umgesetzt. Wahrlich ein sensationeller 'Schachzug' der Autorin!

Bewertung vom 09.02.2020
Prescott, Lara

Alles, was wir sind


gut

Anders als erwartet.
"Alles, was wir sind", erschienen im Rütten & Loening Programm des Aufbau-Verlags, war der 1. Roman, den ich von der Autorin L. Prescott lesen durfte und noch ehe ich die Lektüre überhaupt begann, kam ich nicht umhin, die überaus hochwertige und optisch aufwendige Buchausstattung zu bestaunen.
Vielleicht kennt nicht jeder Leser den Namen Boris Pasternak, aber sein Lebenswerk, der Roman "Doktor Shiwago", dessen Verfilmung Mitte der 60er Jahre gleich 5 Oscars gewann, ist ein Stück Kulturgeschichte. Tatsächlich sollte in der damaligen Sowjetunion die Veröffentlichung Pasternaks Romans mit allen Mitteln verhindert werden, wovon nicht nur er selbst, sondern vor allem seine Geliebte Olga Iwinskaja betroffen war. Trotz mehrerer Jahre Gefangenschaft, die sie aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Boris in einem weit von Moskau entfernten Gulag unter desaströsen Bedingungen verbringen muss, bleibt sie ihm treu und unterstützt ihn in seinem Schaffen. In den USA leitet die CIA derweil eine sanfte Propagandawelle ein, indem sie gedruckte Exemplare des Romans heimlich nach Russland zurückschmuggeln will, um die Menschen dort aufzurütteln und somit das Sowjetregime quasi von innen, vom eigenen Volk ausgehend, zu schwächen.
Erzählt wird aus Ost- & aus West-Perspektive, jeweils mit wechselnden Protagonisten als Hauptstimme des jeweiligen Kapitels. Insbesondere die Beleuchtung des Alltags und der Spionagetätigkeiten diverser Agenten/-innen in den USA fand ich unheimlich spannend, da das alte Washington D.C. der 50er Jahre faszinierend real von der Autorin zum Leben erweckt wurde, auch im Hinblick auf die damalige Gesellschaftsordnung. Frauen waren noch weit von der heutigen Gleichberechtigung entfernt und vor allem in den Kapiteln der Stenotypistinnen wird dies deutlich. Die junge Irina wird aufgrund ihrer russischen Abstammung von der Agency für Spionagetätigkeiten angeworben und von der charismatischen Agentin Sally (die meine Lieblingsfigur in diesem Roman war) entsprechend ausgebildet. Hierbei lag der Fokus allerdings größtenteils auf Irinas Privatleben – sie verliebt sich in jemanden, mit dem eine Beziehung unmöglich scheint…
Leider blieben mir die Charaktere in Prescotts Werk durchgehend fremd. Möglicherweise lag es an der Vielzahl der Figuren oder am permanenten Wechsel der Erzählstimme; oftmals hatte ich zu Kapitelbeginn Probleme zu erkennen, aus wessen Perspektive gerade erzählt wird. Die Protagonisten waren mir schlichtweg unsympathisch. Olga opfert ihr Lebensglück auf mehr als nur eine Weise für Boris (- der wiederum nur für seinen Roman lebt -), vernachlässigt sogar ihre Kinder darüber. Boris Pasternak mag ein großer Schriftsteller gewesen sein, aber menschlich wird er hier als selbstsüchtiger, rücksichtsloser Narzisst dargestellt; sein Erfolg geht ihm über alles, bedeutet ihm mehr als Olga. Sein Ego ist ihm wichtiger als Olgas Sicherheit, wichtiger als das Wohl seiner (sowie ihrer!) Familie. Ich hätte Olga vor Wut über ihre devote, naive Haltung ihm gegenüber am liebsten schütteln wollen!
Über das Werk "Doktor Shiwago" hatte ich mir insgesamt mehr Detailinformationen erhofft. Warum genau war der Roman der Sowjetregierung solch ein Dorn im Auge? Welche Kritik hat er am Staat geübt? Stattdessen nahmen allerlei 'Nebenschauplätze' einen dermaßen großen Raum ein, dass die Hauptthematik etwas verblasste und die Geschichte mich letztlich nicht so fesseln konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Speziell im Mittelteil zogen sich einige der Passagen in die Länge und lenkten vom Hauptfokus ab. Leider hat der wundervolle, mal poetisch schöne, mal nüchterne Schreibstil der Autorin nicht ausgereicht, um diese negativen Punkte auszugleichen. Für Kenner von "Doktor Shiwago" ist das Werk sicherlich interessant, sozusagen als Ergänzung. Im allgemeinen Vergleich mit anderen historischen Romanen würde "Alles, was wir sind" (aufgrund der bereits angesprochenen Oberflächlichkeit und Emotionslosigkeit) allerdings den Kürzeren ziehe