Benutzer
Benutzername: 
Rebecca1120
Wohnort: 
Oranienburg
Über mich: 
bin eine absolute Leseratte; besonders gerne lese ich Krimis, Thriller und historische Romane

Bewertungen

Insgesamt 967 Bewertungen
Bewertung vom 24.02.2023
Cross, Ethan

Die Stimme der Lüge / Ackerman & Shirazi Bd.4


sehr gut

Francis Ackerman (von mir hier Frank genannt) musss sich seinem größten Widersacher Demon stellen. Der fordert ihn zum Tanz der Dämonen heraus. Dazu soll Frank eine Gruppe von neuen Minenarbeitern aus einer Kupfergrube herausbringen. Keine leichte Aufgabe, da Demon viele menschliche Monster sowohl auf die Arbeiter als auch gegen Frank einsetzt. Als wäre das nicht genug, sind auch noch 2 der Minenarbeiter bezahlte Killer, die für Demon arbeiten. Demons Ziel ist es nicht Frank zu töten, er will ihn zwingen sich die Hände blutig zu machen. Er soll zu ihm auf die dunkle Seite kommen und dafür sind ihm alle Mittel recht. Durch geschickte Erwiderungen säht Frank aber kleine Zweifel in Demon. Zweifel, die sein Vorgehen und seine Zukunft betreffen und die ihm Unbehagen bringen. Ackerman will, dass alle Beteiligten, gut oder böse, überleben. Immer wieder steht er vor schier unlösbaren Aufgaben, die er einfach nicht lösen kann. Und doch entwickelt dieser dem Tode geweihte Mann einen Plan und zur Sicherheit einen Plan B. Das Ganze wirkt aber nicht an den Haaren herbeigezogen. Nein, auch der Leser versteht es als möglichen, realisierbaren Weg aus den Todesfallen zu entkommen. Dafür habe ich Frank bewundert und Spannung kommt dabei natürlich auch immer mehr auf. Einziger Kritikpunkt von meiner Seite ist, dass ich einige der Wortgefechte zwischen Demon und Frank als zu lang empfunden habe.
Das Ende ist absolut gelungen, denn es lässt zwar Franks ärgsten Feind Demon seine verdiente Strafe zukommen, gibt Frank aber gleichzeitig eine neue, nicht minder gefährliche, Aufgabe. Als Leser können wir uns also auf noch weitere spannende Abenteuer freuen. Von mir erhält der vierte Band 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 21.02.2023
Rehse, Angelika

Josses Tal


ausgezeichnet

2004 macht sich Helen auf den Weg nach Norwegen in ein einsames Tal, das nach dem einzigen Bewohner nur Jossetal genannt wird. Josse wohnt seit den 40er Jahren sehr zurückgezogen hier. Ursprünglich kommt er aus Deutschland, wohin ihn nichts mehr zieht und mit dem er eine tiefe Schuld verbindet. Und jetzt kommt Helen, die Urenkelin von Else Winkler, einer in den Kriegsjahren sehr mutigen Frau, und will mehr über sie und ihren Tod erfahren.
Josse erzählt sehr detailliert Helen seine, in meinen Augen sehr bewegende, Lebensgeschichte. Josse, der eigentlich Josef heißt, ist in den Augen seines herzlosen Großvaters ein Schandfleck in der Familie. Er ist unehelich geboren, Vater laut Geburtsurkunde unbekannt und seine Mutter schweigt sich dazu aus. Josef findet nicht einmal bei ihr Liebe, Verständnis und Schutz vor den rabiaten Großeltern. Erst mit dem Umzug nach Dorotheenthal, damals ist Josef 5 Jahre alt, begegnet ihm bei der Familie Reckzügel Freundlichkeit, erfährt er Anerkennung und liebevolle Zuneigung. Aber wie tief das Trauma des Jungen wegen der erlebten Lieblosigkeit und Strenge der Großeltern wirklich ist, merkt man an seinem ängstlichem und schreckhaften sowie unsicheren Verhalten. Insbesondere Wilhelm Reckzügel steht Josef bei. Zu ihm, dem angehenden Arzt und überzeugten Nazi blickt er auf und erst mit zunehmendem Alter kommen erste Zweifel an der Rechtschaffenheit von Wilhelms handeln bei Josef auf. Ich finde, es gelingt der Autorin meisterhaft den seelischen Spagat zwischen bedingungsloser Liebe zu Wilhelm und ersten aufkommenden Zweifeln an Wilhelms Verhalten im Roman zu entwickeln. Denn Wilhelm Reckzügel ist ein Blender, er nutzt die Macht, die ihm seine braune Uniform gibt skrupellos aus.
Das Buch ist zunehmend spannend, einfach weil man wissen will, wie weit sich Josef noch verleiten und ausnutzen lässt. Der Menschlichere der beiden Reckzügel-Brüder ist in jedem Fall Werner. Ich habe das Buch verschlungen und mich wunderbar unterhalten gefühlt. Da sind 5 Lese-Sterne absolut verdient.

Bewertung vom 17.02.2023
Borck, Hubertus

Die Klinik / Erdmann und Eloglu Bd.2


ausgezeichnet

Malte Ostersetzer schwebt nach einem Fahrradsturz wegen der Hirnschwellungen in Lebensgefahr. Doch nun geben die Ärzte der Ehefrau Hoffnung. Er wird zwar mit starken bleibenden körperlichen und geistigen Einschränkungen leben müssen, aber durchkommen. Doch plötzlich stirbt er entgegen der ärztlichen Einschätzung. Die Witwe beharrt darauf, dass er umgebracht wurde. Den Rücken stärkt ihr der jahrelange Freund der Familie Rechtsanwalt Dr. Bergmann…
Mir gefällt es, wie der Autor den Leser hinter die Kulissen der polizeilichen Befragungstaktik blicken lässt. Wie durch geschickte Befragung und Verschweigen von Fakten der Verhörte zu Aussagen und Reaktionen angeregt, mitunter auch provoziert wird. Hier muss Alpay, der gerade von der Uni gekommen ist, noch einiges lernen. Da passt es gut, dass er mit Franka Erdmann eine erfahrene Kriminalbeamtin zur Seite hat. Mir haben die beiden als Team sehr gut gefallen.
Im Buch wechselt anfangs die Handlung immer zwischen dem Hermann-Löns-Krankenhaus in Soltau, wo Mecki als Krankenschwester arbeitet und der Mecki zehn Jahre später. Zu diesem Zeitpunkt ist sie inzwischen ausgebildete Intensivkrankenschwester und arbeitet im Hamburger Karesis-Krankenhaus und hat reichlich Erfahrung in ihrem Beruf gesammelt. Diesen Beruf sieht sie nicht nur als einfachen Broterwerb an, sie fühlt sich berufen. Diese Hauptfigur ist das spannungsbildende Element in diesem Thriller. Ihre Gedanken werden dem Leser recht früh offengelegt, so dass er eigene Schlüsse daraus ziehen kann. Und doch kommt es schlussendlich ganz anders. Nicht alles ist vorhersehbar und damit bleibt es bis zum Ende spannend, auch für die Ermittler. Schließlich müssen die nicht nur Schlüsse aus den Fakten ziehen, sie müssen sie auch beweisen. Eines hat dieser Thriller ganz sicher geschafft, mich spannend zu unterhalten und meinen Widerwillen und mein Misstrauen gegenüber Krankenhäusern zu vergrößern. Vor mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

Bewertung vom 14.02.2023
Bourne, Holly

Orte, an denen ich geweint habe (wegen dir)


sehr gut

Amelie ist 16 Jahre als sie mit ihren Eltern aus Sheffield wegzieht. Ihre alten Freunde bleiben zurück und Amelie hat Angst davor, an der neuen Schule eine Außenseiterin zu sein und keine neuen Freunde zu finden. Bereits am ersten Tag, als ihr neuer Klassenlehrer vorschlägt eine singende Vorstellungsrunde zu machen, sieht Amelie ihre Felle davonschwimmen. Sie denkt: herrlich, eine Olympiade der öffentlichen Demütigung. Dabei kann sie wunderbar singen und sich dabei mit der Gitarre begleiten. Wenn da nur nicht immer dieses Lampenfieber wäre. Leider werden nicht nur alle Lehrkräfte und Schüler auf ihr Talent aufmerksam, sondern auch Reese, der selbst in einer Band spielt. Damit beginnt für Amelie eine Achterfahrt der Gefühle, einer Fahrt auf der sie sich fast vollkommen verliert.
Diesen Weg, der mit ganz viel Anerkennung, Aufmerksamkeit, Schmeicheleien und vorgespielter Liebe von Reeses Seite beginnt, wird von Holly Bourne so gefühlvoll wie nachvollziehbar beschrieben. Beim Lesen der Rückblenden erlebt man die Veränderungen in Amelies Wesen und Verhalten mit. Amelies bedingungslose Liebe zu Reese, lässt sie auf einem Pfad von Tränen wandeln. Alle sehen in Reese das was er ist – ein selbstherrliches Arschloch, der immer im Mittelpunkt stehen muss und bewundert werden will. Nur Amelie braucht sehr, sehr lange, um ihm zu durchschauen. Sie lechzt nach seiner Liebe, sucht wenn sie von ihm abgewiesen wird einen Fehler bei sich, versucht ihr Verhalten anzupassen und verliert dabei immer mehr ihre eigene Persönlichkeit. Was sie mit Reese verbunden hat, war keine Liebe, das war etwas Finsteres, toxisches. Wie die Autorin den Leser an Amelies Weg teilnehmen lässt, hat mir gefallen. Anfangs fand ich ihr ständiges Weinen etwas nervig, doch mit jedem neuen Ort an dem sie geweint hat, konnte ich ihre Verzweiflung und ihre Tränen besser verstehen. In meinen Augen hat Joan, Amelies Psychologin, in den Sitzungen die richtigen Fragen gestellt und Denkanstöße gegeben, um Amelie neues Selbstvertrauen zu geben. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 14.02.2023
Deen, Mathijs

Der Taucher / Liewe Cupido ermittelt Bd.2


sehr gut

Das niederländische Bergungsschiff Freyja findet bei der Suche nach einem erst vor kurzem über Bord gegangenen Container das seit 1950 verschollenes Wrack der Skua. Kapitän Sil van Heel weiß, dass das Schiff bevor es gesunken ist, Anodenkupfer an Bord hatte. Eine Fracht, die heute einen Wert von einer Million Euro hat. Auch wenn das Wrack sich im deutschen Gewässer befindet, schaut der Kapitän es sich näher an und entdeckt neben dem Kupfer einen mit Handschellen angeketteten, toten Taucher. Van Heel informiert die Polizei. Liewe Cupido, Kommissar bei der Bundespolizei See, wird hinzugerufen. Er sieht sich Wrack und Leiche vor Ort an. Er ist ausgebildeter Taucher und irgendetwas stört ihn, als er den angeketteten Toten sieht. Er weiß nur noch nicht was. Liewe Cupido ist etwas eigen. Er ist brillant beim Kombinieren, arbeitet aber gerne und meist allein. Das macht die Arbeit der leitenden Ermittlerin, Judith Schulze, nicht gerade leichter. Ich hatte den Eindruck, dass sie Liewes Alleingänge nur toleriert hat, weil er an den richtigen Stellen triggert, Zusammenhänge und Widersprüche klar erkennt. Außerdem ist er bei diesem Fall, deren Recherchen und Ermittlungen sich über drei Länder (Holland, Dänemark und Deutschland) erstreckt genau der richtige Mann. Als gebürtiger Holländer mit deutscher Mutter und auf der Insel Texel als Fischersohn aufgewachsen, kennt er die Gepflogenheiten der Fischer und der Wracktaucher und hat auch keine Sprachbarrieren zu überwinden. Mir war dieser Ermittler nicht unbedingt sympathisch. An Absprachen mit der Ermittlungsleiterin in Wilhelmshaven hält er sich nicht, weil ihm kurz vorher ein neuer Ermittlungsansatz, dem er nachgehen will, einfällt. Natürlich bringt sein Verhalten Spannung in diesen Krimi, unbestritten. Doch sieht so Polizeiarbeit aus? Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 14.02.2023
Furre, Heidi

Macht


weniger gut

Mich hatte das eher schlichte, doch aussagekräftige Cover wie auch die Kurzbeschreibung neugierig auf das Buch gemacht. Doch gleich bei den ersten Kapiteln habe ich festgestellt, dass der Schreibstil der Autorin sehr hektisch auf mich wirkt. Die Gedanken von Liv, die darin beschrieben werden, gehen immer vor, zurück, ganz weit zurück, vor, usw. Liv als Ich-Erzählerin wollte mir zu viel auf einmal vermitteln. Zum Teil zusammenhanglose Belanglosigkeiten, die für mich kein Bild ergeben haben. Sollte damit ihr minutiös getakteter Job als Pflegerin gespiegelt werden? Oder ihre innere Zerrissenheit aufgrund der unverarbeiteten Vergewaltigung zum Ausdruck gebracht werden? Einer Vergewaltigung, die in ihrer Jugend erfolgt ist und über die sie noch nie mit jemanden, nicht einmal mit ihrem Ehemann, gesprochen hat. Von daher glaube ich auch nicht, dass diese Ehe je vorbehaltlos glücklich war. Dazu zählt in meinen Augen auch sich anzuvertrauen.
Insofern konnte ich mich mit der Hauptfigur, Liv, überhaupt nicht anfreunden. Der Erzählstil gab dann noch ein Übriges, so dass dieses Buch für mich eine absolute Enttäuschung war. Verwirrend, zusammenhanglos und ohne bei mir Emotionen beim Lesen aufkommen zu lassen. Mehr als 2 Lese-Sterne sind da nicht drin und von einer Leseempfehlung möchte ich absehen.

Bewertung vom 14.02.2023
Peters, Katharina

Inselmord / Romy Beccare Bd.12


ausgezeichnet

Svenja Bellheim wird geschlagen, missbraucht und erdrosselt in der Nähe des Nonnenlochs gefunden. Um dieses Nonnenloch ranken viel alte Geschichten. Hier sollten vor langer Zeit nicht keusche Nonnen mit dem Tod bestraft worden sein. Will der Täter hier auf die alte Sage hinweisen? Romy und ihr Team beginnen mit den Ermittlungen und stellen dabei fest, dass bereits vor 7 Jahren eine Klassenkameradin von Svenja während einer Klassenfahrt ums Leben gekommen ist. Direkte Zusammenhänge zwischen den beiden lassen sich nicht feststellen und doch ist Romy fest davon überzeugt, dass es sie gibt. So dehnt sie ihre aktuellen Untersuchungen auch auf das Geschehen vor 7 Jahren aus. Sie trifft auf Zeugen, die keine Aussage machen wollen, bei denen Romy überzeugt ist, dass sie etwas verheimlichen. Darum kann Romy nur eines denken: sie kommen damit durch! Romy und ihr Team finden immer mehr Hinweise bei der Ermittlung zu Svenjas Tod, es sind aber nur Hinweise, keine Zeugenaussagen und somit nichts gerichtlich Verwertbares. Der Druck auf die Ermittler ist beim Lesen spürbar, übertrug sich beim Lesen auf mich. Die Autorin hat also alles richtig gemacht, wenn man selbst so sehr in die Handlung einsteigt. Das liegt sicher auch daran, dass mir die Ermittler so ans Herz gewachsen sind. Allen voran Max, der im Hintergrund brillante Recherchen macht, aber in Panik verfällt, wenn er zu einem Außeneinsatz eingeteilt wird. Aber auch wie Romy es versteht ihre Vorgesetzten und den Staatsanwalt von ihren nicht immer geradlinigen Ermittlungsansätzen überzeugt, finde ich immer sehr gut beschrieben.
Für mich ist das wieder ein absolut gelungener Ostseekrimi, dem ich 5 Lese-Sterne gebe und eine 100%ige Leseempfehlung ausspreche. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Krimis dieser Autorin von Band zu Band immer spannender werden. Hier ist es der nicht zu erwartende Schluss, der mich überrascht und vollständig überzeugt hat.

Bewertung vom 13.02.2023
Grünig, Michaela

Licht und Schatten / Blankenese - Zwei Familien Bd.1


ausgezeichnet

Dieser historische Roman um die zwei so unterschiedlichen Familien hat mich überzeugt mit seiner geschichtsnahen Einbindung der Deutschlands und der liebevoll ausgearbeiteten Charaktere. Man merkt beim Lesen, wie intensiv die Autorin sich mit diesem Teil deutscher Geschichte auseinandergesetzt hat. Stilistisch perfekt lässt sie dieses Wissen über Dialoge der Hauptfiguren einfließen. Dadurch werden nicht nur die geschichtlichen Fakten vermittelt, nein man lernt auch gleichzeitig Hintergründe kennen und was das für Auswirkungen auf die Bevölkerungsschichten hat.
Spannung entsteht im Buch, weil man nicht weiß in was die Reederei Casparius, insbesondere Veith Casparius, in den Jahren vor 1919 getan hat. Kurze Rückblenden lassen grausames ahnen, wenn Veith Schweigegeld von 10.000 Goldmark an die Kapitänswitwe Irma Hansen gezahlt hat.
Trotz des Wissens stimmt Irma Hansen der Hochzeit ihrer Tochter Irma mit dem reichen Reedereibesitzer John Casparius zu. Anfangs fand ich das merkwürdig, dass John sich die arme Irma als Ehefrau wünscht. Sieht es doch so aus, als wollte er seiner abtrünnigen Verlobten Luise von Tannhausen nur verletzen, aber man wird eines Besseren belehrt. Als Figur habe mich Irma Hansen ins Herz geschlossen. Weil sie als Witwe, mit wenig Mitteln versucht ihren Kindern ein würdiges und vor allen von menschlichen Werten geprägtes Leben zu geben. Leider schafft sie das nicht bei allen Familienmitgliedern. Doch verzagen kommt für sie nicht in Frage. Dafür hat sie, die bereits drei ihrer fünf Jungen zu Grabe tragen musste, einfach zu viel Liebe zu geben. Für mich war dieses Buch spannend, streckenweise auch aufregend und ich habe mich wunderbar damit unterhalten gefühlt. 5 Lese-Sterne sind da absolut verdient.

Bewertung vom 09.02.2023
Hahn, R. P.

Der Riffgeist


sehr gut

Jens Lackner, frisch gebackener Kriminalkommissar bei der Kripo Stralsund, ist sehr ehrgeizig, will alles richtig machen in seinem neuen Dienstbereich. Damit setzt er sich selbst stark unter Druck. Dabei hat er doch gerade jetzt, nach der Fehlgeburt seiner Frau, arge Familienprobleme.
Im aktuellen Fall, der ermordeten jungen Frau in Binz, zeigt er seine Führungsqualitäten. Er bittet kurzerhand seine Kollegen aus anderen Bereichen zum Brainstorming nach Feierabend und in der gemeinsamen Diskussion kommen die Ermittler im festgefahrenen Fall entscheidend weiter. Ganz anders sieht es da mit seiner Ehe aus. Susanne zieht sich immer mehr vom ihm zurück und ertränkt ihre Verlustschmerzen im Alkohol. Bis sie auf Ylsa trifft, das syrische Flüchtlingskind.
Ab da ist im Buch Aktion angesagt. Es wird ein in meinen Augen nicht sehr realitätsnaher Befreiungsplan entwickelt. Trotzdem habe ich mich damit sehr kurzweilig unterhalten gefühlt. Liegt mit Sicherheit daran, dass das Befreiungsteam so unterschiedlich zusammengewürfelt ist. Da sind ein Expolizist, ein suspendierter Polizist, zwei vorbestrafte Schwerverbrecher, zwei friedfertige Frauen und Jens Schulfreund Maiki, ein zwar brillanter aber verkokster, lebensmüder Geist, dabei. Mit so einer Mannschaft kann die geplante Aktion nicht funktionieren. Mir kam das Ganze wie ein Himmelfahrtskommando vor und ich bin sicher, dass jeder Einzelne seinen Tod mit einkalkuliert hat. Das zu lesen, fand ich schon spannend. Gerade die vielen schrägen Figuren machen diesen Krimi aus. Ich gebe 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 06.02.2023
Heubner, Christoph

Als wir die Maikäfer waren


gut

Mich hat der Titel des Buchs dazu gebracht es zu lesen. Grundaussage dieser so unterschiedlichen Überlebenden von Auschwitz ist, ihr seid entkommen, nicht um zu leben, sondern um Zeugnis abzulegen. Ein Zeugnis über die Gräueltaten in den Konzentrationslagern. Deren Auswirkungen jeder einzelne Überlebende anders versucht zu verarbeiten. Denn vergessen kann das keiner. Einer schweigt Jahrzehntelang über das Erlebte, selbst der Familie gegenüber. Ein anderer hilft beim Aufbau der Mahnstätten. Täglich stellt er sich seinen Erinnerungen und dem alten Grauen. Beobachtet, wie die jungen Menschen heute auf die Dokumentationen reagieren. Tadek bewundere ich für seinen Mut dazu. Wieder ein anderer versucht das Erlebte zu verarbeiten indem er darüber schreibt und hofft dadurch viele Menschen zu erreichen, sie wachzurütteln.
Es werden im Buch recht unterschiedliche Erinnerungen von Überlebenden geschildert, die mich auch unterschiedlich stark berührt haben. Eins möchte ich herausstellen. Da gibt es einen Maler, der nach der Befreiung wieder versucht zu malen. Er kann aber nur noch schwarz-weiße Bilder malen. Erst Jahrzehnte später, kehrt auch die Farbe in seine Bilder zurück.
Der Autor gibt diesen Menschen im Buch eine Stimme und dem Leser einen Eindruck wie so eine Barbarei auch noch nach Jahrzehnten die Betroffenen beschäftigt. Leider habe ich beim Lesen der einzelnen Erinnerungen eine durchgehende Struktur im Buch vermisst. Da gibt es zwar Überschriften, doch nicht nach jeder berichtet ein neuer Überlebender. Da bei den Schilderungen immer im Ich-Erzählstil geschrieben sind, hat mich das beim Lesen gestört. Insgesamt gebe ich 3 Lese-Sterne.