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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Rebecca1120
Wohnort: Oranineburg
Über mich: bin eine absolute Leseratte; besonders gerne lese ich Krimis, Thriller und historische Romane
Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 205 Bewertungen
Bewertung vom 21.10.2019
Die Kinder des Nordlichts
Winterberg, Linda

Die Kinder des Nordlichts


sehr gut

Marie hält nun, da sie ihre Oma Betty neben ihrer besten Freundin Oda gut gebettet weiß, nichts mehr in Norwegen. Sie will versuchen wieder in Deutschland Fuß zu fassen. Bis vor kurzem hat sie in einem kleinen Café, das ihre Freundin Elin betrieben hat, gearbeitet. Aber nun will Marie ihrer norwegischen Freundin helfen ihren Vater zu finden und nimmt sie mit nach Wiesbaden ….
Ich würde jedem raten, der dieses Buch lesen möchte, zuerst den Roman: “Das Haus der verlorenen Kinder“ zu lesen. Denn dieses (vor)weihnachtliche Buch knüpft an vielen Stellen an diesen Roman an.
Auch hier hat die Autorin sehr, sehr gefühlvoll die Charaktere, ihre Sorgen, Nöte und auch das menschliche Miteinander beschrieben. Was dieses Buch allerdings auszeichnet: beim Lesen bekommt man nicht nur Appetit, sondern auch Lust darauf selbst zu backen. Jedenfalls ging es mir so beim Lesen. Dabei gibt es auch gleich noch Backanleitungen mit dazu. Das fand ich super und werde es auch sicher zur Vorweihnachtszeit ausprobieren.
Marie ist wie immer etwas chaotisch, oft sehr direkt und doch so liebenswert. Denn noch immer vermisst sie ihre erst vor Kurzem verstorbene Oma sehr und hat so ihre Zweifel was das Eingehen in persönliche Bindungen betrifft. Ich hätte mir in diesem Buch etwas mehr Dramatik und weitere Verwicklungen gewünscht. Denn hier in diesem Buch liegt der Focus eindeutig auf Tradition, Trauerbewältigung und Backkultur. Trotzdem habe ich mich gut wie kurzweilig unterhalten gefühlt und vergebe 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 20.10.2019
Die Villa an der Elbchaussee / Hamburg-Saga Bd.1
Johannson, Lena

Die Villa an der Elbchaussee / Hamburg-Saga Bd.1


sehr gut

Hamburg 1919: Frieda führt ein recht behütetes Leben als Tochter eines Kakao-Händlers. Ihr Vater führt das Kontor Hannemann & Tietz und kämpft mit den Nachwirkungen des Krieges bzw. den Embargos der Siegermächte. Frieda würde gerne eine kaufmännische Ausbildung machen. Aber als Frau? Ihr Vater will nichts davon hören und baut darauf, dass sein Sohn irgendwann die Geschäfte übernehmen wird. Einzig in der kleinen Schokoladenwerkstatt darf Frieda neue Kreationen entwickeln und sich voll einbringen. Aber wird Friedas Bruder Hans den Erwartungen des Vaters gerecht werden? Das müsst ihr schon selbst nachlesen.
Ich fand die Figur der Frieda sehr sympathisch. Sie weiß was sie will, ist Neuem gegenüber aufgeschlossen und hat das Herz am rechten Fleck. Manchmal vergisst sie über dem Pflichtbewusstsein aber auch das eigene Glück. Das ist eine Erkenntnis, die sie erst im Laufe ihres Lebens lernen muss. Aber ihr Weg dahin ist einfühlsam wie nachvollziehbar im Buch beschrieben.
Ganz anders geht es mir da mit ihrem Bruder Hans. Klar hat er im Krieg Schlimmes erlebt, muss dieses Trauma auch verarbeiten. Aber ist der von ihm dabei gewählte Weg der richtige? Nein! Aber ich will ihn nicht verurteilen. Denn einen großen Anteil an diesem Irrweg hat auch seine Familie. Sie hätte ihm Rückhalt geben müssen, nicht nur Forderungen stellen, sondern ihm geeignete therapeutische Hilfe vermitteln müssen. Die Hauptschuld trägt in meinen Augen die Mutter mit ihrem Standesdünkel, ihren Scheuklappen vor allem Negativen sowie durch ihre finanzielle Unterstützung des Sohnes. Damit hat sie ihm nicht geholfen, sondern die Abwärtsspirale des Sohnes wie auch der Familie insgesamt vorangetrieben. All das ist in diesem historischen Roman sehr anschaulich und glaubhaft geschildert und eingebettet. Allerdings waren mir an manchen Stellen die Beschreibungen zu Friedas Schokoladen-Kreationsversuchen zu umfangreich und sie haben sich auch wiederholt. Doch insgesamt betrachtet ist dies ein unterhaltsamer Roman, der die Auswirkungen des 1. Weltkrieges und der sich anschließenden Inflation anhand der Kaufmannsfamilie Hannemann kurzweilig schildert. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 10.10.2019
Hinterhaus
Werrelmann, Lioba

Hinterhaus


sehr gut

Caroline Königsforst. ohne Abi, ohne Ausbildung, aber schwer verliebt – in Dr. Jens Wächter. So folgt sie ihm blind nach Berlin, wo er als Arzt an der Charité seine Karriere forciert. Doch nach sieben gemeinsamen Jahren ist Jens plötzlich weg. Caro findet nur noch eine – ihre ehemals gemeinsame – leere Wohnung vor. Einzig sieben Umzugskartons mit ihren wenigen Habseligkeiten sind noch da. Der Mietvertrag ist gekündigt, Caro muss sehen wo sie bleibt. Damit beginnt für sie ein rasanter neuer Lebensabschnitt…
Trotz Carolines Verlustes bleibt sie noch lange naiv und ist handlungsunfähig. Sie reagiert auf neue Situationen unkontrolliert, wie fremdgesteuert und gerät dadurch immer mehr ins Chaos. Ich fand das Buch sehr unterhaltsam. Auch wenn der Erzählstil und die Handlung schon etwas anders war. Man muss sich darauf einlassen. So kam beim Ich-Erzählstil sehr gut Carolines Naivität zum Ausdruck. Auf der anderen Seite habe ich mich immer gefragt, was ist damals wirklich in Bergisch Gladbach passiert. Warum weigert sie sich so vehement verschlossene Türen zu öffnen? Es gibt viele Fragen, die den Leser zu weiterlesen anregen. Denn spannend fand ich das Buch schon. Sehr gelungen und zutreffend sind die Beschreibungen zu den Szene-Vierteln im Prenzlauer Berg wie auch die Beschreibungen zu den Berliner Hinterhöfen. Oftmals ist man da nämlich wirklich überrascht, was in den Hinterhöfen und -häusern alles zum Vorschein kommt.
Von mir gibt es 4 Lese-Sterne und eine uneingeschränkte Lese-Empfehlung.

Bewertung vom 06.10.2019
Wunderbare Zeiten / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.2
Riebe, Brigitte

Wunderbare Zeiten / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.2


ausgezeichnet

Leider habe ich den ersten Teil nicht gelesen. Darum ist es mir auch am Anfang recht schwer gefallen die doch recht vielen Personen, die direkt oder indirekt zur Familie Thalheim gehören richtig einzuordnen. Also mein Rat an neue Leser: erst Teil 1 lesen.
Nachdem ich diese Anfangsschwierigkeiten überwunden habe, konnte ich das Buch einfach nicht weglegen. Denn Familie Thalheim erlebt in den 50er Jahren so einiges. Freude, Sorgen und Trauer wechseln sich ab und Familiengeheimnisse, die Jahrzehnte lang gehütet wurden, kommen ans Licht. Auf keinen Fall ist die Handlung vorhersehbar, was das Lesen abwechslungsreich macht und zum Weiterlesen zwingt. Denn schließlich will der Leser ja wissen, ob Silvies Motto: Kein Mann. Kein Haus. Kein Kind. weiter bestehen bleibt, oder sie vielleicht doch noch ihren Traummann findet.
Silvie ist in meinen Augen das Herz der Familie. Mit ihrer Gradlinigkeit, ihrem Optimismus und ihrer Herzenswärme hat sie für jeden in der Familie ein offenes Ohr und versucht zu helfen wo sie nur kann. Am meisten am Herzen liegt ihr ihr Zwillingsbruder Oskar. Der blauäugig durchs Leben geht, kein Risiko scheut und in meinen Augen ein Leben am Limit führt. Ihn zu erden und in die Verantwortung zu nehmen, ist für Silvie eine große Aufgabe, die sie oft an ihre Grenzen bringt.
Ganz anders dagegen ist ihre große Schwester Rike. Sie steht ihre Frau im Unternehmen, dem Modekaufhaus Thalheim und gibt die Verantwortung dabei ungern an andere ab. Sie hält die Zügel lieber selbst in der Hand. Dabei wirkt sie eher konservativ, als könne sie ihr Leben nicht richtig genießen. Aber das muss ja nicht immer so bleiben…
Diese 3 Hauptfiguren sollen nur beispielhaft benannt sein, denn es gibt noch viele liebenswerte oder auch weniger liebenswerte Personen in und um der Familie Thalheim. Sie alle zusammen erzählen eine kurzweilige wie wunderbar unterhaltsame Geschichte zur Zeit des Wiederaufbaus Berlins in den 50er Jahren. Von mir gibt’s eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 5 Lese-Sterne

Bewertung vom 25.09.2019
Das Böse in ihr
Way, Camilla

Das Böse in ihr


ausgezeichnet

Claras Freund Luke verschwindet spurlos. Noch kurz bevor er Feierabend macht, kündigt er ihr per Mail an, dass er gleich nach Hause kommt. Aber er kommt nie an. Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen und auch durch ihre eigenen Recherchen stellt Klara fest, dass sie vieles über Luke nicht weiß. Sie erfährt Dinge über ihn, die sie stark verunsichern, sie ihre Beziehung hinterfragen lassen. Sehr gut gelungen fand ich die Beschreibungen zu Claras Gefühlen hierbei, das ständige auf und ab, die innere Aufruhr. Das war in meinen Augen sehr realistisch und brachte Claras inneres Zerwürfnis sehr gut zum Ausdruck.
Die Autorin erzählt diesen Thriller in zwei Zeitebenen - 1988 und 2017. Anfangs bilden diese Zeitabschnitte eigene Handlungen. Als Leser erkennt man die Zusammenhänge zwischen diesen Personen und Zeitebenen nicht, wird dadurch aber neugierig und muss unbedingt weiterlesen.
Der ständige Wechsel zwischen den 80er Jahren und dem jetzt, macht das Lesen abwechslungsreich. Sicher auch, weil man sich immer wieder fragt: worauf läuft das hinaus?
Ich empfand das als
sehr spannend. Denn ich musste einfach wissen, was mit Luke geschehen ist und was damals seiner großen Schwester zugestoßen ist. Warum haben ihre Eltern alle Erinnerungen an Emily verbannt? Wohin ist sie abgetaucht? In diesem Thriller geht die Autorin so geschickt in der Handlung vor, dass das ganze Ausmaß des Grauens, seelisch wie physisch, nicht erahnbar ist. Für mich war das super spannende Unterhaltung und hat 5 Lese-Sterne verdient, eine absolute Leseempfehlung eingeschlossen. Die Autorin steht ab sofort bei mir unter „Beobachtung“.

Bewertung vom 14.09.2019
Große Elbstraße 7
Serno, Wolf

Große Elbstraße 7


ausgezeichnet

Hamburg zur Wende des 20. Jahrhunderts. Viktoria zur Haiden, von allen nur Vickie genannt, wächst behütet in der großen Elbstraße gemeinsam mit ihrem Bruder Bernhard auf. Der Vater ist Professor an der Hamburger Klinik und genießt dementsprechend hohes gesellschaftliches Ansehen. Das geniest seine Ehefrau Luise. Sie Ist gefangen im Standesdünkel und plant für Vickie bereits die Ehe mit einem gesellschaftlich hoch angesehenen Ehemann. Doch leider, besser gesagt: zum Glück kommt alles ganz anders….
Ja, Vickie habe ich von Anfang an gemocht. So eine empathische, mit beiden Beinen im Leben stehende Frau. Leider wird ihr Tatendrang und ihr Wissendurst durch die damaligen, den Frauen aufgezwungenen Einschränkungen, stark eingeschränkt. So fügt sie sich in die angebahnte Heirat mit dem Staatsanwalt Ernst-Otto Schädeba. Gott sei Dank merkt Vickie rechtzeitig welch wahrer Charakter sich hinter diesem devoten jungen Mann, für den ihre Mutter so schwärmt, verbürgt. Die Verlobung lässt sie platzen, den dadurch entstehenden gesellschaftlichen Makel nimmt sie in Kauf. Sie beginnt gegen den Willen ihrer Eltern eine Schwesternausbildung bei den Erika-Schwestern im Hamburger Krankenhaus an dem auch ihr Vater arbeitet. Dort zeichnet sie sich nicht nur durch ihre aufopferungsvolle, wenn es notwendig ist auch nachdrücklichen, Fürsorge für ihre Patienten aus. Oft steht sie bei der Arbeit zwischen den Stühlen, da sich die Anweisungen der Oberschwester und die der Ärzte widersprechen. Aber auch diesen Spagat schafft sie mit Hilfe von Mut, Entschlossenheit und wachem Verstand. Mit dem Pflegeberuf hat Vickie ihre Berufung gefunden.
Einen ganz anderen Lebensstil legt dagegen ihr Bruder Benno an den Tag. Er liebt nur seine Malerei, zugegeben etwas ausgefallene Malereien, schmeißt sein Medizinstudium in Heidelberg und lebt einfach in den Tag hinein. Dabei hätte Vickie so gerne selbst in Heidelberg Medizin studiert. Aber das war deutschen Frauen in der damaligen Zeit verboten. Zwei Kinder, ein Elternhaus und doch so unterschiedliche Entwicklungen.
Das Buch hat mich wunderbar unterhalten. Stehen doch hier nicht nur die Familie zur Haiden im Fokus, sondern auch die Arbeiterunruhen und die Schicksale vieler anderer Familien. Alles zusammen ist dadurch ein rundes Bild der damaligen Zeit und ein sehr unterhaltsames wie kurzweiliges Buch entstanden. Von mir gibt’s 5 wohlverdiente Lese-Sterne und ich fiebere schon jetzt der Fortsetzung entgegen.

Bewertung vom 14.09.2019
Bis ihr sie findet / DCI Jonah Sheens Bd.1
Lodge, Gytha

Bis ihr sie findet / DCI Jonah Sheens Bd.1


ausgezeichnet

Sechs Jugendliche im Alter von 14-18 wollen gemeinsam zelten und Spaß soll dabei an erster Stelle stehen. Diesmal ist Topaz kleine Schwester Aurora, die erst 13 Jahre ist, mit dabei. Sie erblüht gerade zu einer wunderschönen jungen Frau und man erkennt jetzt bereits welche Schönheit aus ihr werden wird. Noch ist die schüchtern und zurückhaltend der eingeschworenen Clique gegenüber und beobachtet die 6 Jugendlichen nur aus sicherem Abstand. Sie beteiligt sich nicht an deren Aktivitäten und geht auch schon früh zum Zelt. Doch am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Und das bleibt 30 Jahre lang so. Durch Zufall werden ihre sterblichen Überreste gefunden. Die Polizei nimmt die alten Ermittlungen wieder auf...
Vom Typ her sind die Jugendlichen alle sehr unterschiedlich und doch ist jeder stolz zu dieser angesagten Clique zu gehören. Da gibt es die dominante, stets für Sexabenteuer offene und von allen Jungen der Schule angeschmachtete Topaz. Sie ist sich ihrer Wirkung auf andere bewusst, nutzt dies aus und wirkt in meinen Augen sehr berechnend. Ihr größter Fan ist Coralies (auch Mitglied der Gruppe), die wie ein Hund oder Schatten treu an ihrer Seite hängt und sie bewundert. Coralies ist fremdgesteuert, will den anderen gefallen und ist dabei nie sie selbst. Für beide konnte ich mich nicht erwärmen. Ganz anders war das bei Jojo. Sie ist mehr der bodenständige Typ, der Kumpel den man sich wünscht und auf den man sich verlassen kann. Aber gerade sie wird vom Leben stark gebeutelt. Dieses Mädchen /Frau war mir sehr sympathisch. Überhaupt finde ich die Charaktere der Figuren von der Autorin wunderbar lebendig ausgearbeitet.
Gegenwart und Rückblicke in die 30-jährige Vergangenheit wechseln sich beim Lesen ab. Dieser Erzählstil hat mir gefallen, so dass ich das Buch nur ungern aus er Hand gelegt habe.
DC Jonah Sheens ist der leitende Ermittler in diesem Fall. Beim Verschwinden von Aurora war er selbst erst am Beginn seiner polizeilichen Ausbildung, kannte aber alle Beteiligten aus seiner Schulzeit. Lange ist er unsicher, ob er jetzt die Ermittlungen leiten soll, denn irgendetwas verband ihn damals mit Aurora. Diese Andeutungen haben hier bei mir die Spannung geschürt.
Beste Gelegenheit Aurora etwas anzutun und damit am meisten tatverdächtig sind natürlich die 6 Jugendlichen. Aber auch Auroras Lehrer, der ihr sogar private Nachhilfe gegeben hat, war damals in der Nähe des Zeltplatzes. Ja, fast bis zum Schluss habe ich nicht geahnt wer Aurora getötet hat. Dementsprechend spannend fand ich diesen Krimi auch. Als gelungen sehe ich an wie die Autorin die Rechtfertigung des Täters hat einfließen lassen. Da kam das übersteigerte Selbstbewusstsein gepaart mit Kontrollzwang wunderbar zum Ausdruck. Ich habe mich mit diesem Krimi wunderbar kurzweilig wie spannend unterhalten gefühlt und kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Also gibt’s auch 5 Lese-Sterne von mir.

Bewertung vom 01.09.2019
Die englische Fürstin
Weigand, Sabine

Die englische Fürstin


gut

Daisy, eigentlich heißt sie Mary Theresa Olivia Cornwallis-West, gehört dem englischen Adel an. Allerdings sind ihre Eltern pleite, so dass Daisy einen reichen Deutschen heiraten muss. Die Ehe ist alles andere als glücklich. Ihr Ehemann Hans Heinrich XV., Graf von Hochberg, Fürst von Pless, hat sie nur wegen ihres Namens und ihrer sehr guten Verbindungen zum Hochadel geheiratet. Das Einzige, was er von ihr erwartet, sind männliche Erben….
Detailliert beschreibt die Autorin das Leben des englischen als auch des deutschen Adels. Deren Leben, so hat sich bei mir der Eindruck gefestigt, bestand nur aus Reisen, Jagden, Bällen und sich sonst noch bietenden Vergnügungen. Ehen wurden nicht aus Liebe, sondern wegen Titel und Macht geschlossen. Dies alles kam beim Lesen gut zum Ausdruck. Selbst als Hans fremdgeht, findet Daisy darum bei ihrer Mutter auch keine Unterstützung, sondern lediglich den Hinweis: „Du hast den Status und das Geld.“ Zum Glück haben sich die Zeiten heute geändert.
Während des Lesens haben mich die ganzen Adelshäuser mit ihren entsprechenden Titeln ganz verwirrt. Zum Glück hat die Autorin ein Personenverzeichnis mitgegeben.
Daisy, eigentlich ein lebensbejahender Mensch, muss ganz schön viel zurückstecken. Aufgrund ihrer Erziehung – Mädchen müssen anmutig, hübsch und damit begehrenswert sein – war anfangs gutes Aussehen ihr das Wichtigste. Leidvoll musste sie dann aber erfahren, dass dieses Aussehen ihr zwar Türen öffnete, aber ihr Herz nicht zufriedener und sie dadurch glücklicher wird. Leider hat es mir hier an Dramatik beim Lesen gefehlt. Die kam nicht richtig zum Ausdruck. Ein mitfiebern bei all ihren Sorgen und Nöten habe ich beim Lesen darum auch nicht verspürt.
Das Buch liest sich gut, wird durch Zeitungszitate und Briefe aufgelockert, wirkte aber insgesamt oft langatmig. Von mir gibt’s 3 Lese-Sterne.

Bewertung vom 30.08.2019
Ein neues Blau
Saller, Tom

Ein neues Blau


ausgezeichnet

Lilis lebt im Berlin der 20er Jahre. Ihre Mutter stirbt als sie noch sehr klein ist und so versucht ihr Vater Jakob für sie beides zu sein – Vater und Mutter. Dabei hat er einen sehr ungewöhnlichen wie einfühlsamen Helfer: Takeshi. Jakob hat ihn auf seinen Dienstreisen kennen und schätzen gelernt. Takeshi ist nicht nur ein ausgesprochener Teekenner und -liebhaber, er ist mit seiner unaufdringlichen empathischen Art ein sehr, sehr guter Freund zu dem auch Lili sich sehr hingezogen fühlt.
Ich kann nur sagen, dass das Buch mich wunderbar unterhalten hat. Gerade der Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden in die 20er und 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts ist fließend und macht das Lesen spannend. Dabei finde ich die gefühlvolle Art, wie der Autor dem Leser nicht nur den Lebensweg von Lili Cohen (Kuhn) nahe bringt unwahrscheinlich nahe gehend, sondern auch die Informationen zum Zelebrieren von Tee haben mir gefallen und haben die Geschichte authentisch erscheinen lassen. Mittelpunkt des Ganzen bleibt aber immer die Porzellanherstellung und auch hier konnte ich mir bisher nicht Bekanntes lernen. Lilis Verbundenheit mit der Kunst der Porzellanherstellung ist wunderbar im Roman zum Ausdruck gekommen, einfühlsam wie anschaulich. Porzellan ist in der heutigen Zeit das Normalste der Welt, aber nachdem ich dieses Buch gelesen habe, sehe ich mehr darin.
Der Austausch zwischen Lili Kuhn und der jungen Anja Hermann, bei dem Lili ihr Stück für Stück ihre Lebensgeschichte erzählt, empfand ich sehr unterhaltsam. Schon allein das Kennenlernen der beiden, die altersmäßig mehrere Jahrzehnte trennt, war herrlich beschrieben. Denn Annes Wortwahl stieß oftmals bei Lili auf Unverständnis. Mir hat dieses Buch jedenfalls wunderbar gefallen mit seiner ansprechenden bildhaften, gefühlvollen Schreibweise. Von daher gibt’s eine absolute Leseempfehlung und 5 ausgesprochen verdiente Lese-Sterne.

Bewertung vom 30.08.2019
Es wird Zeit
Kürthy, Ildikó von

Es wird Zeit


sehr gut

Judith ist 50, die Kinder sind erwachsen und sie hat einen Mann, den sie nicht aus Liebe geheiratet hat. Mit ihrem Leben ist sie mehr als unzufrieden – nicht nur mit ihrer Figur. Nun muss sie nach 2 Jahrzehnten in ihre alte Heimat zurück, um die Beerdigung ihrer Mutter zu organisieren. Ja und hier trifft sie nicht nur ihre Jugendliebe wieder, sondern auch ihre beste Freundin aus Jugendtagen…
Die Autorin hat diesen Roman in Ich-Form geschrieben, was ich sehr ansprechend fand. Dabei trifft sie mit ihrem einzigartigen Humor genau den Nerv des Lesers. Ohne es zu wollen muss man beim Lesen einfach schmunzeln. Gleich am Anfang des Romans, als Judith aus Versehen auf einem Grab stolpernd zu Fall kommt und dieses gedanklich als Grundstück der darin zur letzten Ruhe gebetteten Eheleute bezeichnet, das fand ich originell. Darauf muss man erst einmal kommen. Irgendwie hat Judith alles im Leben und an sich selbst von der humoristischen Seite betrachtet. Irgendwann war mir das dann doch zu viel. Die Hauptfigur hat mich mit dieser ganzen humoristischen Selbstdarstellung nicht wirklich angesprochen. Sehr schön fand ich die Illustrationen, die immer wieder in einzelnen Kapiteln auftauchen. Alles in allem gibt’s von mir 3,5 Lese-Sterne.