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bolie
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Langscheid

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Insgesamt 960 Bewertungen
Bewertung vom 11.08.2022
Jong, David de

Braunes Erbe (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Verena Bahlsen, 26 Jahre alt, gehört ¼ der Fabrik Bahlsen. Vor wenigen Monaten sagte sie: „Ich will es (Geld aus der Fabrik) behalten, will mir Jachten kaufen. Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg? Das war vor meiner Zeit. Wir haben sie bezahlt, wie Deutsche.“ So beginnt das Buch „Braunes Erbe“ von David de Jong. Das Interview mit Frau Bahlsen schlug hohe Wellen, änderte jedoch nichts an den Tatsachen.

Unternehmen, um die es in diesem Buch geht, werden bereits im Klappentext benannt. Die Firma Bahlsen zum Beispiel beschäftigte 700 Zwangsarbeiter. Die meisten von ihnen waren Frauen aus Polen und der Ukraine. Sie schufteten in einer Backwarenfabrik bei Hannover. Und Bahlsen war nicht der einzige Unternehmer, der durch Zwangsarbeiter sein Geld vermehren und seine Fabriken zu Großunternehmen werden ließ. Eine sehr beliebte Vorgehensweise war damals auch diese abscheuliche „Arisierung“. Es wurden Jüdische Werke für sehr wenig oder gar kein Geld übernommen. Die Not der Menschen wurde schamlos ausgenutzt und bis heute gibt es kaum Erben, die dieses Vorgehen verurteilen.

De Jong schreibt, wie die Nationalsozialisten so stark werden konnten. Es gab den Börsencrash, die höchste Inflation und eine übergroße Arbeitslosigkeit. Hit.. und seine Getreuen verstanden es, die Not der Deutschen zu instrumentalisieren. Sie versprachen ihnen das Blaue vom Himmel und durch großartige Spenden finanzstarker Unternehmer, konnten sie zunächst einiges erreichen. Dann kam die Aufrüstung und mit ihr der Rückgang der Arbeitslosen. Als dann diese sogenannte „Machtergreifung“ kam, war das der „Beginn von 12 langen und blutigen Jahren“.

Ein US-Amerikaner, der Colonel George Lynch sagte während einem der Nürnberger Prozesse:

„Die sogenannte Herrenrasse hat bewiesen, dass sie lediglich in den Bereichen Verbrechen, Grausamkeit und Sadismus führend ist. Den Respekt der zivilisierten Welt habt ihr verloren.“

Nein, verantwortlich ist keiner der heutigen Milliardäre für das, was ihre Väter damals taten. Aber es tut nicht weh, sich in deren Namen zu entschuldigen, Reue zu zeigen und auch Entschädigungsleistungen in Form von Geld zu leisten. Alleine zuzugeben, dass es Zwangsarbeiter, Arisierung und weitere unmenschliche Machenschaften gab, das wäre doch etwas. Würde sich in der Historie einiger Firmen gut machen und ein ganz anderes Licht auf die Nachkommen werfen. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

Das Buch liest sich wie ein Krimi, dabei besteht es nur aus Fakten. Es hat mich nachdenklich zurückgelassen und ich werde alles daran setzten, den leider immer stärker werdenden antidemokratischen Kräften entgegenzutreten. Einige Fotos zeigen die „Größen“ mit ihren Familien und machen das Geschriebene noch einmal mehr authentischer.

Bewertung vom 09.08.2022
Kurkow, Andrej

Samson und Nadjeschda (eBook, ePUB)


sehr gut

Samson muss mit ansehen, wie sein Vater ermordet wird. Dabei wird er selbst ebenfalls verwundet. Ein Hieb und seine Ohrmuschel liegt auf der Straße. Er kann sie zwar bergen aber nach einem Besuch beim Arzt muss er sich mit dem Verlust abfinden. Das Annähen verspricht keinen Erfolg. Aber zum Glück verbindet der Arzt die Wunde, sodass der Blutfluss gestoppt wird. Dass er danach für die Polizei in Kiew arbeitet und sogar noch ein nettes Mädchen kennenlernt, hilft ihm, sein Schicksal zu ertragen. „Samson und Nadjeschda“ ist nicht „nur“ ein Kriminalroman, sondern auch eine Milieustudie.

Samson lebt in Kiew und das bei einer Frau die ihn nervt. Sie ist zwar ganz nett, aber sie will ihn verkuppeln. Und nun, da er nur noch eine Ohrmuschel hat meint sie, dass eine Heirat für ihn noch wichtiger wurde. Das vergisst sie, als Samson noch zwei Soldaten in seiner Wohnung unterbringen muss. Die beiden sind nicht ehrlich und es ist gut, dass Samson ohne Ohrmuschel außerordentlich gut hört. Das wiederum hilft ihm auch bei seiner Arbeit. Er wird mit dem Aufklären von Mord und Raub beauftragt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten findet er sich sehr gut zurecht.

Kein leicht zu lesendes Buch. Es gibt etliche Wechsel bei den Zeiten und der rote Faden ist nicht immer gut erkennbar. Gefallen hat mir, dass der Autor recht authentisch berichtet, wie die Situation damals in Kiew war. Die Furcht vor Denunzianten und die absolute Treue, welche Obrigkeiten vom Volk verlangten. Das Cover ist wie eigentlich immer bei Diogenes passend ausgewählt

Bewertung vom 04.08.2022
Simons, Martin

Beifang (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

„Beifang“ ist nicht nur der Titel des Buches. Auch eine Zechensiedlung trägt diesen Namen. Hier lebte Winfried, der Vater von 12 Kindern und Großvater von Frank. Martin Simons, der Autor, schreibt in der Ich-Form und aus Sicht Franks, wie es sich damals im Ruhrgebiet leben ließ. Schwerpunkt des Buches liegt auf der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Als Kind des „Potts“ habe ich diese typische Beschreibung der Menschen und ihrer Umwelt genossen. Viele Erinnerungen kamen auf und sehr oft musste ich schmunzeln. Nein, die Zechenarbeiter hatten es wahrlich nicht leicht. Aber die meisten von ihnen nahmen alles mit Humor und diesen ließen sie sich nicht nehmen. Aber viele Männer wollten ihr Elend auch vergessen und der Gang an den Kiosk „umme“ Ecke war normal. Dann kam es oft vor, dass Kind oder Ehefrau vergeblich auf den Ernährer mit seiner Lohntüte warteten.

Enge Wohnverhältnisse waren normal und Privatsphäre gab es nicht. Nachbarn hörten alles. Wer für sich sein wollte, der musste raus aus dem Haus und in einen Park gehen. Herr Simons schreibt abwechslungsreich und so, dass der Lesefluss nie gestört wird. Und nicht nur Menschen aus dem Ruhrgebiet empfehle ich das Lesen des Romans. Es lohnt sich, da er ein Stück der Geschichte Deutschlands erzählt.

Bewertung vom 02.08.2022
Prange, Peter

Der Kinderpapst (eBook, ePUB)


sehr gut

Wie alt „Der Kinderpapst“ tatsächlich war, darüber streiten sich die Gelehrten. Aber dass es ihn gab, ist unbestritten. Er gab sich den Namen Benedikt IX und wollte überhaupt kein Papst werden. Aber die Gier nach Macht und Geld zwangen ihn auf den Thron. Seine Familie wollte ihn unbedingt dort sehen. Da es immer auch Neider gab, hat Benedikt keinen leichten Stand. Er muss kämpfen und wird dabei ungerecht. Ja, etliche sagen, dass er seine Anhänger hungern ließ und sich selbst ein schönes Leben machte. Dass dies aber einen durchaus menschlichen Grund hatte, das sahen nur wenige.

Peter Prange schreibt gut recherchierte Romane und dazu gehört auch dieser. Er lässt sich flott lesen und birgt viele Fakten. Für mich gab es aber zu viele Längen, die das Lesen beschwerlich machten. Und Herr Prange mag wohl ausgiebige Erläuterungen über den Beischlaf. Das fiel mir schon häufiger auf. Wen das nicht stört, der wird an dieser Neuauflage seine Freude haben. Positiv zu erwähnen ist das Cover. Das ist sehr gut gewählt und passt zu den Verhältnissen damals zwischen Papst und Gläubigen.

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Bewertung vom 02.08.2022
Liljestrand, Jens

Der Anfang von morgen (eBook, ePUB)


sehr gut

Didrik und Melissa sind mit ihren drei Kindern verreist. Sie verleben unbeschwerte Tage am Wasser. „Unbeschwert“? Nein, das ändert sich plötzlich. Was zunächst wie ein schwarzer Schatten in weiter Ferne aussah, das kommt als Feuerwalze immer näher. Diese bringt dunkle Rauchwolken mit sich. Die Menschen sollen fliehen aber wohin und wie, das wissen sie nicht.

Das Fatale für mich war, dass ich das Buch während des heißesten Tages im Jahr 2022 las. Und ja ich roch förmlich den Rauch und mir wurde immer heißer. So mitreißend schildert der Autor die Gefahr, welche von den Großbränden ausgeht. Und dann die Flucht. Wie mag es den Menschen gehen, die real davon betroffen sind? Denn nein, „Der Anfang von morgen“ ist kein Zukunftsroman oder gar eine Utopie. Alles geschieht täglich und jeder, der nicht davon betroffen ist, der kann froh und dankbar sein.

Auch wenn mir die bildhafte Sprache gut gefiel, so mochte ich diese wiederkehrenden Schwenks in die Vergangenheit nicht. Für meinen Geschmack hätte sich der Autor entweder auf das Heute beschränken, oder aber durch Kapitel abgrenzen sollen, was heute und was in der Vergangenheit geschah. Meine uneingeschränkte Leseempfehlung gilt trotzdem. Das Buch kann aufrütteln und die Sinne für den Erhalt von Mutter Natur schärfen.

Ein Zitat aus dem Buch, das mir besonders gefiel:

„Die Natur verhandelt nicht. Sie kann nicht überredet werden oder besänftigt oder genötigt.“

Bewertung vom 25.07.2022
Sten, Camilla

Das Haus der stummen Toten


gut

Sie hat sich mit ihrer Großmutter verabredet. Irgendwie war die in den letzten Tagen beunruhigt und wartete auf ihre Enkelin. Das passt so gar nicht zu dieser selbstbewussten, taffen Seniorin. Als Enkelin Eleanor dann vor ihrer Haustüre steht, kommt eine Gestalt aus dem Flur. Eleanor kann keine Gesichter erkennen und kann auch diese Person nicht zuordnen. Sie betritt die Wohnung und sieht, dass Vivianne, die Großmutter, auf dem Boden liegt. In einer Blutlache. Tot, mit einer Schere ermordet. Der Schock sitzt tief und Eleanor fällt in ein Loch. Sie begibt sich in Therapie. Bis sie den Inhalt des Testaments erfährt. Sie soll ein Anwesen geerbt haben, von dem Sie vorher niemals hörte. Warum hat Vivianne nie darüber gesprochen?

„Das Haus der stummen Toten“ ist in zwei Zeitschienen erzählt. Dem Hier und Jetzt und dem ab den Jahren 1962. Verwirrend sind dabei die vielen Namen, von denen einige mit gleichen Buchstaben anfangen. Aber auch die ganze Story ist nicht immer schlüssig. Zu oft gibt es ausführliche Schilderungen von Nebenschauplätzen, die meiner Meinung nach das Ganze unnötig in die Länge ziehen.

Spannend ist die Story zwar auch, aber wiederum nicht immer schlüssig. Das gilt besonders für das Ende. Die Idee fand ich gut. Mal anders als momentan üblich und nicht die momentan üblichen „Geheimnisse“ vom Zweiten Weltkrieg und seine Folgen. Auch wenn die Story nicht wirklich gefangen nimmt, es ist kurzweilige Unterhaltung, bei der man sich nicht so sehr konzentrieren muss.

Bewertung vom 15.07.2022
Kalisa, Karin

Fischers Frau


sehr gut

Mia ist aufgewühlt. Eigentlich hatte sie ihre Traumata mit dem Vater erfolgreich verdrängt. Bis heute. Denn heute kam ihr Kollege, zeigte ihr einen Fischerteppich und sprach einen Satz dazu. Zack, alle Demütigungen waren wieder präsent. Mia ist über sich selbst erschrocken. Aber es hilft nichts. Sie muss sich dem stellen, sonst findet sie nie dauerhaft ihren Frieden. Der Teppich hat Farben, die es eigentlich gar nicht geben dürfte und Mia findet immer mehr Eigenartiges, je länger sie das Kunstwerk betrachte. Die Faszination, die von der Knüpfarbeit ausgeht, bringt Mia zu einem für sie wagemutigen Entschluss. Sie beantragt eine Dienstreise und begibt sich auf die Suche nach der Künstlerin.

Der Roman beschreibt das Leben zweier Frauen, die durch den Teppich miteinander verbunden sind. In der Gegenwart ist es Mia, die viele Beschwernisse mit sich herumträgt. Die Gründe liegen in der Vergangenheit und dass sie so zurückgezogen lebt, ist nur eine Auswirkung davon. Nie unternahm sie eine Dienstreise und das Beantragen von Urlaub fällt ihr schwer.

Die andere Frau lebte in der Vergangenheit und die Autorin beginnt im Jahr 1928 mit ihrer Lebensgeschichte. Ein wenig Ähnlichkeit hat sie mit der von Mia und das ist wohl auch die Parallele, welche Karin Kalisa ganz bewusst so schrieb.

Spannend fand ich die Fakten zum Knüpfen und dem Färben der Wolle. Knüpfen war mein Hobby und daher weiß ich, dass die Autorin gut recherchierte. Ansonsten plätscherte die Story so vor sich hin. Mir fehlte das Fesselnde, wobei es mir gar nicht auf große Spannung ankommt. Die Sprache ist angenehm und gehoben. Das Cover etwas sehr Besonderes. Also gibt es von mir vier Sterne und eine bedingte Leseempfehlung.

Bewertung vom 15.07.2022
Kaml, Sylvia

Das Salz der Hoffnung (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Finley und Liliana finden gegen alle Widerstände zueinander. Der Vater ist zwar mit der Verbindung nicht so recht einverstanden, Lilianas Tante hat aber einen guten Einfluss auf ihn. Die Mutter von ihr ist aber hinterhältig und dem zu begegnen, das ist schwer. So werden die Liebenden noch auf weitere Bewährungsproben gestellt.

Auch der zweite Band der Preston-Saga gefiel mir gut. Es gab spannende Momente und niemand weiß vorher, wie sich die Liebe von Finley und Liliana entwickelt. Beide fühlen sich zwar wie im siebten Himmel. Aber auch dort gibt es kleine und größere Teufel, die einem das Leben schwer machen. Wir erfahren noch ein wenig mehr über die Vergangenheit der beiden Verlobten und ihren Eltern. Obwohl ich das erst Buch ein wenig spannender empfand, gebe ich auch hier sehr gerne fünf Sterne und eine Leseempfehlung. Zumal hier wieder die gute Recherche im Bereich von Seefahrt und Tieren für lehrreiche Fakten sorgte.

Bewertung vom 07.07.2022
Sigurðardóttir, Lilja

Betrug (eBook, ePUB)


sehr gut

Endlich wieder jeden Tag zuhause. Wieder mehr Zeit mit Kindern und Ehemann zu verbringen, das wünscht sich Ursula so sehr. Wie gut, dass sie ein Angebot bekommt, dass sie nicht ablehnen kann. Sie soll Innenministerin werden. Nach wenigen Stunden muss sie aber feststellen, dass diese Idee dann doch nicht so gut war. Sie wird in ein Spinnennetz aus Lug und Betrug gefangen und muss sogar um ihr Leben bangen.

„Betrug“ ist ein Thriller aus Island, der mich fesselte. Den drei unterschiedlichen Strängen zu folgen, das ist anfangs recht mühsam. Ich gewöhnte mich daran, las weiter und die Spannung hielt mich tatsächlich bis zum Schluss gefangen. Ist es typisch für Politiker, dass sie versuchen, durch Intrigen und Lügen eine weiße Weste zu behalten? Wie leicht lassen Menschen sich bestechen? Auch diese Fragen werden in dem Buch beantwortet.

Nordische Thriller und Krimis sind nicht immer das, was ich von ihnen erwarte. Dieser hat es aber in sich. Die Spannung ist rasch aufgebaut und der Bogen lockert sich kaum. Ja, hin und wieder gibt es auch Situationen wo ich dachte, nein, das ist jetzt übertrieben. Aber ich gebe eine Leseempfehlung für diesen sehr guten Thriller.

Bewertung vom 04.07.2022
Pfister, Kristina

Ein unendlich kurzer Sommer (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Lale will schlicht nur noch weg. Ihr Mann nervt sie und der letzte Streit brachte das Fass zum Überlaufen. Schnell ein paar Sachen gepackt und ab in den Zug. Wohin ist ihr erst einmal egal. Sie landet in einem kleinen Ort und will in einer Pension übernachten. Dann spricht sie ein älterer Mann an und Lale landet auf einem kleinen Campingplatz. Dass daraus das Abenteuer ihres Lebens wird, das ahnt Lale noch nicht. Denn nur wenige Tage nach ihr trifft Chris ein. Und der ist ihr alles andere als unsympathisch.

Hach das war mal wieder ein Buch fürs Herz. Nein, keineswegs schmalzig, im Gegenteil. Mit viel Humor beschreibt die Autorin Situationen, die so richtig typisch für Deutschland sind. Yogaübungen am See oder eisernes Festhalten an Traditionen zum Beispiel. Lale sucht einen Weg aus ihrem Alltag und sie muss zudem einen schweren Verlust verarbeiten. Sie braucht vor allen Dingen offene Ohren und Verständnis. Bei Chris findet sie beides.

Chris hilft Lale bei den Renovierungsarbeiten auf dem Campingplatz.
„Ein unendlich kurzer Sommer“ beschreibt, wie in wenigen Wochen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt wird. Es gibt traurige Momente aber viel mehr jene, die mir ein Lachen entlockten. Ja, es ist ein Sommerbuch zum Träumen und eintauchen in eine Welt der Freundschaft, dem Wandel und der Hoffnung. Toll.