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Readaholic

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Insgesamt 431 Bewertungen
Bewertung vom 09.10.2018
Fox, Candice

Redemption Point


ausgezeichnet

Die Hetzjagd geht weiter
Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war: Der Polizist Ted Conkaffey hat das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Dutzende Zeugen haben ihn gesehen, wie er an einer Bushaltestelle anhielt, von der wenig später die 13jährige Claire verschleppt und vergewaltigt wurde. Seine Frau und seine Kollegen wenden sich von ihm ab, er wird inhaftiert. Mangels Beweisen wird Conkaffey freigelassen, doch sein Leben ist ein Spießrutenlauf, er ist der meistgehasste Mann Australiens. Er verzieht sich in das Kaff Crimson Lake, wo er die skurrile Amanda kennenlernt, die dort als Privatdetektivin arbeitet. Als Partner in ihrer Detektei findet er ein Stück weit zu einem normalen Leben zurück, bis der Vater des damaligen Vergewaltigungsopfers eines Tages bei ihm auftaucht und ihn bedroht.
Conkaffey liegen von Amanda gesammelte Unterlagen vor, die Hinweise auf den wahren Vergewaltiger enthalten. Claires Vater bekommt Zweifel, ob Conkaffey der Täter ist. Doch dann werden neue Vorwürfe gegen den Ex-Cop erhoben und Conkaffey bleibt nichts anderes übrig als sich endlich auf die Suche nach Claires Vergewaltiger zu machen.
Zur gleichen Zeit geschieht in einer zwielichtigen Kneipe in Crimson Lake ein Doppelmord. Der Vater des einen Mordopfers bittet Ted und Amanda zu ermitteln.
„Redemption Point“ ist die äußerst gelungene und im übrigen hervorragend übersetzte Fortsetzung von „Crimson Lake“. Einer der besten Krimis, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Bewertung vom 17.09.2018
Blondel, Jean-Philippe

Ein Winter in Paris


ausgezeichnet

Paris kann sehr einsam sein
Der junge Victor hat es geschafft, der Enge der Provinz zu entkommen und in Paris an einer Elitevorbereitungsschule angenommen zu werden. Von Anfang an ist er ein Außenseiter. Seine Mitschüler kommen aus reichen Elternhäusern und wohnen in den nobelsten Wohngegenden von Paris, während er täglich vom Wohnheim in der Vorstadt zum Unterricht pendelt. Das gesamte erste Jahr ist er isoliert, im zweiten Jahr lernt er Matthieu kennen, dessen Geschichte seiner eigenen ähnlich ist. Auch er stammt aus der Provinz und einem bildungsfernen Elternhaus. Die beiden kennen sich nur flüchtig, doch Victor beschließt, sich mit ihm anzufreunden. Aber dazu kommt es nicht mehr. Matthieu erträgt den Druck und die Sticheleien eines Lehrers nicht mehr und begeht Selbstmord.
Von diesem Moment an ändert sich alles für Victor. Er gilt als engster Freund des Toten und das macht ihn interessant.
Einerseits genießt Victor seine plötzliche Popularität, andererseits fühlt er sich wie ein Hochstapler. Er gewinnt Freunde und Selbstbewusstsein, doch gleichzeitig ist er sich nicht mehr sicher, den richtigen Weg gewählt zu haben.
„Ein Winter in Paris“ ist ein sehr eindringliches Buch, das nachdenklich macht. Blondel versteht es, in präzisen Worten Gefühle und Situationen zu beschreiben. Mich haben sein Schreibstil und Victors Geschichte gefesselt.

Bewertung vom 14.09.2018
Kelly, Erin

Vier.Zwei.Eins.


ausgezeichnet

Der Stein der Schuld
1999: Bei einer Sonnenfinsternis in Cornwall kommt Laura zu einer Vergewaltigung hinzu, zumindest stellt es sich für sie so dar. Es kommt zum Prozess, bei dem der Vergewaltiger, Jamie, nicht zuletzt aufgrund von Lauras Aussage verurteilt wird. Das Opfer, Beth, sucht nach dem Prozess Laura und ihren Freund Kit in London auf. Für sie sind Laura und Kit die einzigen verbliebenen Freunde, denn in ihrem Heimatort herrschen Zweifel an Beths Integrität.
Kit ist von Beths Eindringen in ihre Zweierbeziehung nicht begeistert, und auch Laura wird die Beziehung zu Beth bald zu eng. Dann passieren bedrohliche Dinge, für die sie Beth verantwortlich machen. Ist Beth psychisch gestört? Laura und Kit ändern ihre Identität und tauchen ab. Die Angst vor Beth macht beiden das Leben zur Hölle. Laura schafft es kaum, die Wohnung zu verlassen. Kit, der sich rührend um sie kümmert, verliert seinen Job.
15 Jahre später: Laura ist mit Zwillingen schwanger, Kit fährt ohne sie zu einer Sonnenfinsternis. Obwohl so viel Zeit vergangen ist, haben beide immer noch Angst, dass Beth sie aufspüren könnte. Dann passiert genau das, doch plötzlich erscheint alles, was sich damals zugetragen hat, in einem völlig anderen Licht...
„Vier. Zwei. Eins“ ist einer der besten Krimis, die ich in langer Zeit gelesen habe. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen und die Handlung bleibt spannend und glaubhaft bis zum Schluss. Unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung vom 10.09.2018
Benjamin, Ali

Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren


sehr gut

Die faszinierende Welt der Quallen
Die Welt der 12jährigen Suzy gerät aus den Fugen, als sie erfährt, dass ihre ehemals beste Freundin Franny bei einem Badeunfall ums Leben gekommen ist. Sie kann nicht verstehen, wie das „einfach passieren konnte“, zumal Franny eine hervorragende Schwimmerin war. Eine bessere Erklärung scheint ihr zu sein, dass Franny an einem giftigen Quallenstich gestorben ist. Um dies zu beweisen, liest sie alles über Quallen und informiert sich über die besten Quallenforscher der Welt. Einen davon, Jamie aus Australien, möchte sie am liebsten persönlich kennenlernen, denn sie ist sicher, er würde ihre Theorie unterstützen.
Was Suzy am meisten zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass sie sich mit Franny im Streit getrennt hat und die Dinge nun nie wieder ins rechte Lot bringen kann. Gefangen in ihrer Trauer und ihren Gedanken hört Suzy auf zu sprechen, da ihr Smalltalk schlimmer erscheint als nicht zu sprechen.
In der Schule ist die offensichtlich hochbegabte Suzy eine Außenseiterin, denn im Gegensatz zu ihren Altersgenossinnen interessiert sie sich weder für Jungs, noch für Haarpflegeprodukte oder coole Outfits. Viel interessanter erscheinen ihr wissenschaftliche Fakten und Zusammenhänge. So gefällt ihr beispielsweise der Gedanke, dass in einem einzigen Sommermonat drei Millionen Käfer über sie hinwegfliegen und sie errechnet, dass in jeder einzigen Sekunde vier bis fünf Menschen auf der Welt von einer Qualle gestochen werden.
„Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren“ ist ein sehr berührendes und gleichzeitig höchst informatives und unterhaltsames Buch. Wir erleben, wie Suzy mit ihrer Trauer umgeht und ganz langsam akzeptiert, dass nicht alles auf der Welt wissenschaftlich erklärbar ist. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist, dass einige der im Buch genannten Personen wirklich existieren und die beschriebenen Experimente tatsächlich so stattgefunden haben. Dieser außergewöhnliche Debütroman ist zwar ein Jugendbuch, doch ist er auch für Erwachsene ausgesprochen lesenswert.

Bewertung vom 09.09.2018
Greiner, Lena;Padtberg-Kruse, Carola

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen! / Helikopter-Eltern Bd.2


sehr gut

Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken

Helikoptereltern und ihre Premiumsprösslinge sind natürlich ein sehr ergiebiges Thema. Die beiden Autorinnen haben Dutzende von Anekdoten zu diesem Thema gesammelt, die witzig, absurd, haarsträubend und teilweise erschreckend sind. Das Buch beginnt mit Anekdoten, die sich mit werdenden Eltern und Hebammen befassen und behandelt die einzelnen Lebensabschnitte der Kinder und deren überbeschützenden Eltern über Kindergarten, Schule, Freizeitaktivitäten bis hin zu Ausbildung und Studium. Was sie dem Baby im Mutterleib vorlesen solle, fragt eine werdende Mutter. Die schlagfertige Antwort der Hebamme: „Gedichte von Schiller. Oder das Telefonbuch, Hauptsache das Kind hört ihre Stimme“. Im Kindergarten bitten die Eltern die Erzieherin, doch bitte die Clobrille vorzuwärmen, indem sie sich zuerst draufsetzt. Das Kind ist es von zuhause so gewöhnt.
Bei manchen der beschriebenen Vorkommnisse bleibt einem allerdings das Lachen im Hals stecken, wenn Eltern beispielsweise wegen einer Lappalie den Notarzt samt Hubschrauber anfordern! Oder in die Ambulanz fahren, weil das Kind einen Eiswürfel verschluckt hat...
Mit hat das Buch sehr gut gefallen und ich könnte die Sammlung ohne weiteres mit etlichen Anekdoten aus meinem eigenen Berufsleben erweitern.

Bewertung vom 06.09.2018
Lehane, Dennis

Der Abgrund in dir


sehr gut

Spannendes Verwirrspiel
Im Moment sind ja Storys sehr in, in denen sich der Ehepartner als jemand ganz anderes entpuppt, als man dachte. Auch in „Der Abgund in dir“ geht es um einen solchen Fall.
Das Leben der Journalistin Rachel Childs ist nach einem traumatischen Arbeitsaufenthalt auf Haiti von Angstattacken geprägt. Ihr Ehemann hat Verständnis für ihre Situation und ist ihr eine große Stütze. Leider muss er beruflich bedingt viel ins Ausland reisen. Eines Tages bekommt Rachel Zweifel an diesen Auslandsaufenthalten und sie folgt ihm. Von diesem Tag an ist nichts mehr wie es war...
Das Buch ist unglaublich spannend geschrieben und voller überraschender Wendungen, ein echter Pageturner. Die ersten zwei Drittel sind auch sehr realistisch, alles hätte sich tatsächlich so zutragen können und ich konnte mich gut in Rachel hineinversetzen. Im letzten Drittel hatte ich allerdings das Gefühl, nicht mehr über Rachel Childs, sondern über Superwoman zu lesen. Die eben noch von Angstattacken geplagte Rachel, die nicht in der Lage war, die Wohnung zu verlassen, entwickelt plötzlich die Fähigkeiten einer Superspionin. Die Handlung ist ausgesprochen packend, aber es fehlte mir am Schluss doch ein wenig der Realitätsbezug. Trotzdem habe ich die Lektüre genossen und kann sie Krimifans empfehlen.

Bewertung vom 04.09.2018
Bijan, Donia

Als die Tage nach Zimt schmeckten


gut

Gegensätzliche Kulturen
Die achtzehnjährige Noor und ihr Bruder werden vom verwitweten Vater zum Studium in die USA geschickt, weil er für sie in ihrem Heimatland Iran keine Zukunft sieht. Obwohl es am Anfang sehr schwer für sie ist, lebt Noor sich gut ein, heiratet und bekommt eine Tochter. Jahre später findet Noor ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Daraufhin beschließt sie, mit ihrer Tochter Lily, inzwischen ein Teenager, für einen Besuch nach Teheran zurückzukehren, wo ihr Vater Zod immer noch ein Restaurant, das Café Leila, betreibt.
Lily ist alles andere als begeistert von dem Gedanken, Kalifornien für den Sommer zu verlassen und will zunächst nichts von der fremden Kultur und den ihr unbekannten Menschen wissen. Für Noor tauchen Kindheitserinnerungen auf, schöne und weniger schöne. In diesem zweiten Teil des Romans schwelgt die Autorin seitenweise in Rezepten, Gewürzen und Gerüchen und manche der Szenen gleiten ein wenig ins Kitschige ab. Hier wäre definitiv weniger mehr gewesen. Ich habe mich durch diese Seiten gequält und war kurz davor, das Buch wegzulegen.
Doch dann wird die Handlung wieder interessanter. Wir erfahren die schlimmen Umstände von Noors Mutters Tod und dass es um die Gesundheit des Vaters nicht zum Besten steht. Zum Ende des Romans nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Alles in allem ein Roman, den man lesen kann, aber nicht unbedingt lesen muss. Ich hatte mir jedenfalls mehr davon versprochen.

Bewertung vom 30.08.2018
Whitehouse, David

Der Blumensammler


ausgezeichnet

Spannender Roman von überbordender Fantasie
David Whitehouse ist mit „Der Blumensammler“ wirklich ein ganz besonderer Roman gelungen.
Als erstes lernen wir Professor Cole kennen, einen Meeresforscher, der um ein Haar in seinem U-Boot den Tod gefunden hätte, wäre ihm nicht das Schicksal in Form eines Wals zu Hilfe geeilt.
Danach treffen wir Dove, einen jungen Mann, der im London der Gegenwart lebt. Dove wird als Einzelgänger beschrieben, der in einem Notruf-Callcenter arbeitet. Als Kind wurde er von dem älteren Ehepaar Len und Maud adoptiert, wer seine leiblichen Eltern sind, weiß er nicht. Seine oft schwer kontrollierbaren Wutanfälle führt er auf seine Gene zurück. Dove leidet an starken Kopfschmerzen und erinnert sich an Dinge, die er gar nicht selbst erlebt hat.
Im nächsten Handlungsstrang geht es um Peter Manyweathers, der in Brooklyn im Jahre 1983 eine Reinigungsfirma betreibt. Bei der Reinigung der Wohnung einer Verstorbenen entdeckt Peter eine seltene Blume, was sein Interesse an Botanik weckt. Fortan verbringt er jede freie Minute in der Bücherei, um sein Wissen über seltene Pflanzen zu erweitern. In einem Buch findet er einen Liebesbrief, in dem von sechs extrem seltenen Pflanzen die Rede ist. Peter beschließt, auf die Suche nach diesen Pflanzen zu gehen. Er lernt einen anderen Botanikinteressierten, den Dänen Hens Berg, kennen, und gemeinsam brechen sie zu abenteuerlichen Reisen auf, auf denen es mehr als einmal zu gefährlichen Situationen kommt. Peter stellt außerdem fest, dass Hens nicht der gute Freund ist, für den er ihn gehalten hat...
Erst ganz am Schluss werden die Handlungsstränge miteinander verknüpft und die Zusammenhänge werden klar.
„Der Blumensammler“ ist ein spannender, kurzweiliger und interessanter Roman von überbordender Fantasie, der im Übrigen hervorragend ins Deutsche übersetzt ist. Ich habe ihn an einem Wochenende verschlungen. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 28.08.2018
Sabolo, Monica

Summer


gut

Monica Sabolo versteht es sehr gut, atmosphärisch dichte Stimmungen zu beschreiben. Was mich allerdings kolossal gestört hat, sind die unzähligen ungewöhnlichen, teilweise absurden Metaphern und Vergleiche, mit denen der Roman regelrecht überfrachtet ist. Es kommt mir vor, als wollte die Autorin um jeden Preis originell sein. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Das Ende des Romans kam für mich überraschend, doch konnte ich die Auflösung, was mit Summer wirklich geschah, nicht wirklich nachvollziehen.

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Bewertung vom 26.08.2018
Capus, Alex

Königskinder


sehr gut

Virtuos erzählte Geschichte
„Königskinder“ erzählt eine Geschichte innerhalb der Geschichte. In der Rahmenhandlung beschließen Max und Tina, ein Schweizer Ehepaar, die landschaftlich schönere, aber gesperrte Route über einen Alpenpass zu befahren. Aufgrund eines plötzlichen Wintereinbruchs bleiben sie im Schnee stecken und müssen die Nacht im Auto verbringen. Um die Zeit zu verkürzen, beginnt Max, eine Geschichte zu erzählen. Sie handelt vom armen Waisenjungen Jakob, der sich in der Schweiz des 18. Jahrhunderts in die Bauerntochter Marie verliebt. Da Jakob kein standesgemäßer Bewerber ist, versteht es Maries Vater zunächst, die beiden zu trennen, doch das Schicksal führt sie nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder zusammen.
Jakob arbeitet mittlerweile als Kuhhirte in der Nähe von Versailles, wo sich die Schwester des französischen Königs einen idyllischen Bauernhof hat bauen lassen. Da die bisherigen Kuhhirten mit den Schweizer Kühen nicht zurecht kamen, fordert sie Jakob an. Doch Jakob kann seine Marie nicht vergessen und würde lieber heute als morgen in die Heimat zurückkehren.
Interessant an diesem Erzählstrang sind die geschichtlichen Bezüge. So erfährt man von dem Ausbruch des Vulkans Laki auf Island im Jahr 1783, in dessen Folge Europa eine Eiszeit erlebte, vom Flug der ersten Montgolfiere sowie den Anfängen der französischen Revolution. Die Sprache dieser Geschichte von Jakob und Marie erinnert an ein Märchen, ist opulent und ausschweifend und manchmal ein wenig kitschig, wie Tina ganz richtig anmerkt. Stellenweise gerät die Erzählung auch ein wenig langatmig. Nichtsdestotrotz empfinde ich „Königskinder“ als intelligenten, unterhaltsamen und virtuos erzählten Roman.