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LichtundSchatten

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Insgesamt 340 Bewertungen
Bewertung vom 11.11.2021
Behbehani, Sara Maria

Schwarzweißdenken


weniger gut

Hey, warum all der Hass?

Wir lesen in diesem Buch über das Leben von Sara Maria Behbehani, deren Vater ihr mit 13 eröffnet, sie sei Muslimin. Dieser Vater kam zur Schah-Zeit nach Deutschland, studierte, gab sich westlich und heiratete eine deutsche Frau. Nach der Scheidung, kurz nach dem 13. Geburtstag der Tochter, heiratet er dann eine Muslimin aus dem Iran.

Ich frage mich bei dieser Gelegenheit immer wieder, wann eine Auseinandersetzung mit der eigenen Religion stattfindet. Die Tochter, also die Autorin, sieht sich als Atheistin, die Religionen einfach so wegwischt, ihnen keine Bedeutung zumisst. „Immer nur dienen sie dazu, Grenzen zu ziehen und zu unterscheiden. Und da ist der Islam nicht prominenter vertreten als das Christentum mit all seinen Kreuzzügen.“

Analyse von Religionen auf dünnstem Eis also. Offensichtlich wurde mit ihr nie über Religionen geredet und ihre zentrale Wichtigkeit für Kulturen und Völker. Für ihre Werte braucht sie keine Religion, schreibt SMB auf Seite 103.

Hätte Sie die Religionen ausführlich studiert, würden ihr einige Antworten auf ihre Fragen sehr leicht fallen:

Hey, warum integrierst Du dich nicht in diese Gesellschaft?
Hey, warum willst Du mir die Hand nicht geben, weil ich eine Frau bin?
Hey, warum denkst du, die Regeln deiner Religion sind wichtiger als das Grundgesetz von dem Land, in dem du lebst?
Hey, warum verachtest Du meine Religion?
Hey, warum darfst Du keine Freunde unter Christen haben?

Ein offener Diskurs sei wichtig, aber bitteschön nicht mit denen, die in der AfD sind, lesen wir. Das ginge gar nicht. Ihr Vater hätte schon gesagt, 10% der Deutschen seien immer Rassisten gewesen und würden es bleiben.

Hey, warum all der Hass? Ich würde sagen, auch wegen solcher Vorurteile. Und wegen der Unfähigkeit über Religion zu reden. Einige reden darüber grundsätzlich nicht. Warum? Weil sie es nicht dürfen. Schon Zweifel ist Sünde.

Wenn Menschen nicht begreifen, dass Kulturen, dass Religionen trennen und oft ihr letzter Stolz sind, dann versteht man wenig. "Eine durch Religionen geteilte Stadt liegt entweder schon in Trümmern oder ist kurz davor.“ (Giambattista Vico)

Bewertung vom 26.07.2021
Neubauer, Luisa;Ulrich, Bernd

Noch haben wir die Wahl


schlecht

Hier spricht eine jung Aktivistin und baldige Politikerin, geschult im Bereich Rhetorik und persönlicher Katharsis. Und Bernd haut solche Sachen raus: „Tatsächlich, wir haben einen Körper, mindestens das hat Corona uns gelehrt, oder, wir haben tatsächlich einen Körper, die anderen auch, und deren Körper gehen mich etwas an, wir sind tatsächlich Biologie, es gibt gar keine Umwelt, wir sind selber durch-weltet.“ Ganz erstaunlich, erwidert Luisa und weist auf die große Lücke, das Riesen-Menschheitsproblem hin, die zwischen Wissen und Handeln läge. Neunmalklug am Siebeknie, hier reden zwei miteinander wie noch keine zwei Menschen das jemals getan haben. Oder doch! Die verbale Selbstgeißelung erinnert an das Ahsura-Fest bzw. die Demonstrationen hilfloser Massen im Mittelalter.

Luisa sagt, dass man es den Menschen erklären müsse, der Aperitif der Zukunft seien Pandemien und vor allem Verzicht. Das sei mit Corona verloren gegangen, niemand wolle das mehr. Aber sie sei Possibilist-in, sie meint, auch nach langem Frust wollen Menschen gut sein, es wieder schaffen, alles possible machen. (O-Töne, sehr viel Denglish)

Aktivistinnen kümmern sich um die großen Zukunftsfragen, wir wollen auf jedem erdenklichen Weg Forderungen an die Politik äußern, meint Luisa. Wie kann Herr Kretschmann in Zeiten von Corona die Abwrackprämie aufrechterhalten? How dares he? Tschurnalisten müssten endlich Ressorts gründen, die sich täglich nur um die Umwelt kümmern.

Alle Glaubenskonstrukte der Grünen seien zweifelsfrei von den Wissenschaftlern belegt, wird in dem Buch festgestellt. Es stimmt nicht. Neben vielen anderen sei hier das Buch „Unerwünschte Wahrheiten“ von Fritz Vahrenholt erwähnt. Oder ein anderes: "Grün und Dumm".

4 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.04.2019
Todenhöfer, Jürgen

Die große Heuchelei


schlecht

JT ist davon überzeugt, dass der Islam eine friedliche Religion sei und diese in der Vergangenheit sanft zu den Menschen gebracht wurde und nicht Angst und Schrecken in die Herzen der Ungläubigen legte. Ebenso tiefsinnig ist er davon überzeugt, dass die USA schuld an allem seien. Nichts lese ich von islamischen Strafsteuern oder Unterdrückung der Frauen, ein Lobbyist reinsten Wassers spricht zu uns, der die USA für die Schuld an allen Problemen des Islam und im Nahen Osten an den Pranger stellt.

Die Aufrechnung Christentum versus Islam ist JT's Spezialität. Unternehmt ihr Böses, dürfen wir es auch, so die kindliche Logik. Und Ihr habt mehr Menschen auf dem Gewissen als wir. Keine Exegese, kein Geschichtsbewusstsein, kein Bezug zu den Vorteilen und Segnungen der europäischen Aufklärung. JT scheint ein Überzeugungstäter, unfähig die Zusammenhänge in einem realen Licht zu sehen. Man ist beim Lesen fassungslos erstaunt.

Das Buch „Frauen sind Eure Äcker: Frauen im islamischen Recht“, von einem echten Islamwissenschaftler aus Ankara liest sich dagegen wie eine Offenbarung der Vernunft. Durchdrungen und motiviert vom Humanismus und der Gleichstellung von Frauen legte Ilhan Arsel, ein türkischer Verfassungsrechtler, Hochschullehrer und Religionskritiker, mit diesem Buch eine umfassende Kritik der Behandlung von Frauen im Islam vor. Wer das gelesen hat, stellt keine Fragen mehr, er kennt die Grundlagenwerke des Islam als Exeget, und nicht als Populist.

Den USA wirft JT vor, um Interessen zu kämpfen. Die Gegenfrage: wer tut das nicht? Sogar Linke haben das erkannt: "In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt." (Egon Bahr)

Wer das nicht begreift, sollte sich aus der Politik fernhalten, wer zudem vergleichende Religionsgeschichte mit Aufrechnen und Verschleiern betreibt, sollte zunächst eine Exegese der Grundlagenwerke durchführen, so wie das Wissenschaftler seit der Aufklärung gelernt haben. Es gibt, ich habe das in vielen Gesprächen bemerkt, eine weite Ahnungslosigkeit und einen ganz harten, nicht zu brechenden, dramatischen Unwillen, sich mit vergleichender Religionsgeschichte zu befassen. JT ist hierfür ein typisches Beispiel. Wenn ich dieses Buch lese, intoniert sich in mir der predigerhafte, religiöse Singsang eines modernen Märchenerzählers, dem als Henrystutzen das Verlegen von Büchern dient.

Jeder sollte prüfen, ob die Werte der Aufklärung in unterschiedlichen Religionen gelebt und erfüllt werden können: z.B. Gleichberechtigung von Mann und Frau, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, aus einer Religion austreten zu können, ohne Gefahr für Leib und Leben, Trennung von Kirche und Staat, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat.

8 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.02.2019

Reading Notes: Streifen


ausgezeichnet

Ich schreibe mir immer die besten Sätze von Büchern heraus und nutze aktuell dafür auch dieses wunderschön gestaltete Buch, gestreift, bunt und kompakt. Es liegt beim Lesen immer neben oder in der Nähe des Buches und wird entsprechend gefüllt:

Titel
Autor
Gelesen (Wann?Wo?)

Meine schönsten Sätze aus diesem Buch:

Insgesamt 26 Linien (pro Buch 2 Seiten, oft muss ich auf 4 erweitern) mit 1 cm Zeilenabstand, man muss sich konzentrieren auf 2-3, vielleicht 4 Sätze, Seitenzahlen und eigene Einschätzungen. Es ist so spannend zu lesen, später, wie die ursprünglichen Bücher. Die Gespräche zwischen Autor und Leser werden weiter gesponnen und neue Perspektiven entstehen.

Am Ende finden sich noch persönliche Listen. Zum Beispiel:

Meine ersten Bücher
Bücher, die ich als Kind geliebt habe
All-Time-Favoriten
Bücher, die mich zutiefst berührt haben
Bücher, ohne die ich verloren wäre
u.v.m.

Das bunte Streifenlayout spricht mich sehr an, das Buch fällt auf, erinnert immer wieder ans Notieren, ein Genuss, es zur Hand zu nehmen.

Format: 12x18cm, goldenes Lesebändchen, Fadenheftung, ganz aufschlagbar und damit gut zu beschreiben.
Ein Geschenk in ausgefüllter Form an Freunde oder Kinder, ein Buch als Wegweiser zum Verstehen und Nachempfinden.

Bewertung vom 06.02.2019

Das Lexikon der Geistesblitze


ausgezeichnet

„Nichts reizt Frauen so sehr wie kein Widerspruch.“ Diese Aussage von Jean-Paul Belmondo ist immer wieder bedenkenswert, wenn man eigentlich etwas andere erwidern möchte. Denn auch diese Sätze von Humphrey Bogard sind wahr: „Kein kluger Mann widerspricht einer Frau. Er wartet, bis sie es selbst tut.“

Eine wirklich gelungene Sammlung der witzigsten und wirklich nachdankenswerten Aussagen, sozusagen Aphorismen mit einem Schmunzeln, hier wird man für viele Anlässe und Gelegenheiten fündig, ein Anreger für jedes Treffen mit Freunden: einfach aufschlagen und einen Spruch vorlesen, weiterspinnen und Spaß haben.

Besonders schön, wenn ein Lehrer dieses Zitat zum Erklären erhält: „Wer kann, handelt. Wer nicht kann, unterrichtet.“ (G. B. Shaw) Und wenn der Freund etwas weiter oben lesen kann: „Die beste Erziehung ist die Erziehung zum Widerspruch.“ (M. Piccoli)

Sollte etwas schiefgehen, gilt das: „Gott wird mir vergeben, das ist sein Geschäft.“ (Heine) Ich habe nahezu alle Zitate/Aphorismen-Sammlungen, aber hier sind mir wirklich einige neue, nicht bekannte Sätze begegnet, die beeindrucken. Es ist immer ein Mix aus Bekanntem und Neuem, hier aber in einer pfiffigen, ansprechenden Art und Weise.

Die Typo steht in Rot-Schwarz: links bzw. rechts außen die Stichwörter (Glück, Gott, Grüne Witwen, Guter Rat, Hand, Hass, Heil, Mode, Moral etc.) in Rot und die Aussagen in Schwarz. Insgesamt sehr haltbares, gut ausliegendes, stabiles, edles Buch, das beeindruckt und sich gut als Geschenk eignet, wenn man von den gewöhnlichen Aphorismen-Sammlungen genug hat.

Bewertung vom 06.02.2019
Fukuyama, Francis

Identität


ausgezeichnet

Herr Habeck formulierte in seinem letzten Buch die steile These, man müsse gewisse Dinge denkunmöglich machen. So reden normalerweise Diktatoren und man fragt sich, zu wessen Vormund sich die Linksgrünen noch aufschwingen wollen. Noch wird ihren Gedanken nahezu religiös vertraut, aber wäre es nicht an der Zeit einzusehen, dass die politische Bemutterung übertrieben wurde?

Enzensberger schrieb schon 1994: „In der Abenddämmerung der Sozialdemokratie hat dagegen Rousseau noch einmal gesiegt. Sie haben nicht die Produktionsmittel, sondern die Therapie verstaatlicht. Dass der Mensch von Natur aus gut sei, diese merkwürdige Idee hat in der Sozialarbeit ihr letztes Reservat. Pastorale Motive gehen dabei eine seltsame Mischung ein mit angejahrten Milieu- und Sozialisationstheorien und mit einer entkernten Version der Psychoanalyse. Solche Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab.“ („Aussichten auf den Bürgerkrieg“, 1994, S. 37)

Francis Fukuyama (FK) betont, dass heute haben die Linksgrünen den Zuwanderer als neues, zu betreuendes Proletariat entdeckt haben, während ihr altes Klientel sich im Haifischbecken des globalisierten Wirtschaftens nach Ruhe und Solidität sehnt. Die Lehrer in Deutschland haben Kinder zu Antifa-Aktivisiten sozialisiert, die politische Kultur geht mit ihnen und den gleichgeschalteten Medien im Anti gegen einen nicht mehr vorhandenen Faschismus völlig verloren. Freundschaften zerbrechen, Rechts und Links stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Die Vervielfältigung von Partikularinteressen und Multikulturalismus negiert nach FK das stärkste Bedürfnis von Menschen, jenem nach Identität und Zusammenhalt, nach Solidität. Alle Staaten zerfallen, die das nicht berücksichtigen. Dass Deutschland hier dramatisch übertreibt, wer wüsste es nicht. Ich wünschte, das linksdrehende Lager in Deutschland würde dieses Buch lesen. Vermutlich tun sie es erst, wenn sie unter 5% gefallen sind.

FK ist kein rechter Denker, er steht heute den Demokraten nahe, sein Konzept vergleiche ich mit dem von Sarrazin, etwas philosophischer, klar und unmissverständlich. Dass Nationale ist nach KF notwendig und gemeinsame Werte ebenso, um überleben zu können, der Multikulturalismus ist keine Lösung, sondern ein großes Problem, es kann in liberalen Demokratien keine Sonderrechte für andere Kulturen geben, die z.B. das Selbstbestimmungsrecht der Frauen negieren.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.02.2019
Bonilla, Rocio

Welche Farbe hat ein Kuss?


ausgezeichnet

Wir haben ein Patenkind, dessen ausgeprägte Fähigkeit, Farben zu identifizieren, wirklich auffällt. Sogar Zwischentöne sieht sie als 3–Jährige schon.

Dieses Buch ist ein Geschenk für sie und auch für einen Erwachsenen spannend zu lesen, man ahnt wirklich nicht, wie es ausgehen könnte, wenn Mia oder Minimia, der Kosename der Protagonistin, die unterschiedlichen Farbmöglichkeiten beschreibt.

Sie malt gerne und macht Lust auf Farben: „Ich male Millionen Dinge mit meinen Farben. Ich weiß, wie ich rote Marienkäfer male, blauen Himmel und gelbe Bananen. Ich habe sogar Raketen, Pinguine und Gorillas gemalt. Aber … einen Kuss habe nich noch nie gemalt.“

Wir wandern mit Minima durch ihre Phantasien: Ist ein Kuss rot wie Spaghettisauce, oder grün wie Krokodile, grün wie Gemüse….? Man wartete gespannt auf die Auflösung, ein geschicktes Spiel mit psychologischen Farbzuordnungen und einfach ein kindlicher Spaß. Klug und wunderschön gezeichnet zudem, ein Illustrationsstil, der anders ist, der berührt.

Das Spiel mit gut und nicht gut, ja, aber, es zeigt die Möglichkeiten und Einordnungen von Dingen und Situationen… und jedes Kind kann seine eigene Geschichte dazu erzählen. Jede Illustration kann wiederum Auftakt sein zu einer Geschichte, die man dem Kind erzählt oder von diesem erzählt bekommt.

Am Ende noch eine ausmalbare Seite und ein ausklappbares Plakat mit Größenangaben/Wachstum. Ein ungewöhnliches, wunderschönes Bilderbuch, das einen über Farben und ihre Wirkungen aufklärt, spielerisch und intelligent. Es ist Auftakt zum Nachdenken, zum Gespräch und eigenen Geschichten.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.11.2018
Strunz, Claus

Geht's noch, Deutschland?


ausgezeichnet

Sich durchwursteln in der Feigheitsfalle.

Sich durchwursteln in der Feigheitsfalle. Mit diesem Satz umschreibt Claus Strunz (CS) die aktuelle Politik der Regierenden, plus der Grünen, Linken und auch der FDP. Will man heute jemand diskreditieren, so nennt man ihn einen AfD-Versteher. Diesem Schicksal unterliegt CS und läuft damit Gefahr, vom herrschenden Mainstream ausgegrenzt und denkunmöglich (Lieblingswort der Grünen) gemacht zu werden.

Das Establishment der Parteien heute ist nicht nur unter Beschuss durch die AfD, sondern vor allem vom gesunden Menschenverstand, der Vernunft und einer Verantwortungsethik, wie CS sie formuliert. Ein Buch, das heute auf jeden Tisch in allen Parteien gehört, leider aber vorher denkunmöglich gemacht werden wird. Erste Buchhandlungen heute gehen schon dazu über, sog. rechtsradikale Bücher auszusortieren und einem Konzept zu unterjochen, das Franz Werfel in seinem 1946 veröffentlichten Roman „Stern des Ungeborenen" so ausdrückte: „„Zwischen Weltkrieg II und Weltkrieg III drängten sich die Deutschen an die Spitze der Humanität und Allgüte. Und sie nahmen das, was sie unter Humanität und Güte verstanden, äußerst ernst. Sie hatten doch seit Jahrhunderten danach gelechzt, beliebt zu sein. Und Humanität schien ihnen jetzt der bessere Weg zu diesem Ziel. Sie fanden diesen Weg sogar weit bequemer als Heroismus und Rassenwahn. So wurden die Deutschen die Erfinder der Ethik der selbstlosen Zudringlichkeit.“

CS umschreibt gekonnt, warum das so ist und in welchen Irrgarten der Macht sich die Politik verstrickt hat, weitab vom normalen Wähler, der mit wachsenden Werten eben dort liest, wo keine alternativlose Politik zu Hause ist, sondern erfrischende, auch harte Diskussionen möglich sind. Niemand hört heute einem anderen noch zu, die Politik wird über Sündenböcke gesteuert, wie eh und je. Und je weiter die unselige Zeit von 33-45 zurückliegt, desto härter kämpfen Linke gegen Nazis und Rechtsradikale, allerorten hören wir statt Argumenten Hass und Totschlagargumente.

Um einander zu verstehen, müssen wir über das sprechen, was uns unterscheidet, sagte Chaim Noll. Dieser klare Satz wird heute in Zeiten der Frohen Botschaft multikultureller Toleranz völlig übersehen und CS umschreibt dieses Thema klar und eindeutig so: „Es ist gut, wenn die Richtigen kommen, und schlecht, wenn es die Falschen sind.“ Und er schreibt weiter: „Es kommen Muezzin statt Molekularbiologen, Koran-Extremisten statt Krankenschwestern, Analphabeten statt Blockchainprogrammierer und wir haben eine dauernde Kopftuchdebatte statt Köpfchen und Mathe.“

Ein verständliches Auswahlverfahren für die Migration mit transparenten Kriterien und die Sicherung der Grenzen, um illegale Einwanderung zu verhindern. So einfach wäre es, wenn in Deutschland nicht ein völlig aus dem Ruder gelaufenes Denken Platz gegriffen hätte, das Auswahl nach Selektion klingen lässt und Grenzen nach Zäune, Selbstschussanlagen und Mauer. Ein weiteres Problem: die meisten erfolgreichen Einwanderungsländern sind von Ozeanen umgeben, Deutschland liegt im Herzen Europas. Niemand leugnet die Verantwortung vor der eigenen Geschichte, aber Deutschland braucht ein modernes, das Eigene sicherndes, zukunftsbefähigtes Einwanderungsrecht. Dabei muss jedem klar werden, dass Asyl nur gewährt werden kann, wenn Menschen politisch verfolgt werden, d.h. gezielten und ausgrenzenden Rechtsverletzungen ausgesetzt ist. Dazu zählt eben nicht, wenn man sich in der Fremde ein besseres Leben sichern möchte.

CS belässt es nicht bei einer treffenden Analyse aktueller Zustände, sondern benennt auch, was sich ändern muss. Ganz hervorragend. Man muss nicht mit allen Maßnahmen einverstanden sein (z.B. Wahlpflicht, wer nicht wählt, zahlt eine Strafe), aber es ist eine hervorragende, demokratische, umfassend begründete Sicht der Dinge, die man Punkt für Punkt diskutieren sollte.