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Rebecca1120
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Oranienburg
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bin eine absolute Leseratte; besonders gerne lese ich Krimis, Thriller und historische Romane

Bewertungen

Insgesamt 967 Bewertungen
Bewertung vom 24.05.2023
Wacker, Florian

Die Spur der Aale / Ein Fall für Greta Vogelsang Bd.1


gut

Während ihrer Bereitschaft wird Staatsanwältin Greta Vogelsang zu einem Polizeieinsatz an den Main gerufen. Die Wasserleiche ist ein Kollege, der Zollfahnder Lars Mathissen. Vogelsang lässt der Tod von Mathissen, vermeintlich soll es sich um Herzversagen mit anschließendem Fall ins Wasser und Ertrinken die Todesursache sein, keine Ruhe. Schließlich wollte Mathissen sie seit Tagen so dringend sprechen. Er muss irgendetwas entdeckt haben. Vielleicht ein neues Schmuggelnetzwerk. In seinem Kühlschrank daheim wird der Kopf eines Aals gefunden, was sich keiner erklären kann. Als nun auch noch vor Vogelsangs Haustür ein ebensolcher Aalkopf liegt, kann sie sich nicht länger aus den Ermittlungen heraushalten.
Das hört sich sehr spannend an, war für meinen Geschmack aber nur ansatzweise gut umgesetzt. Um richtige Spannung beim Leser zu erzeugen, hätte die Handlung nicht so abgehackt sein dürfen. Jedenfalls habe ich es so empfunden, wenn immer wieder ein Schwenk auf Paul und Samy erfolgt ist. Schlussendlich stehen sie indirekt mit dem Tod von Mathissen in Verbindung, aber eben nur am Rande. Bis zum Schluss weiß ich auch nicht, was Vogelsang in Genua so Schreckliches erlebt hat, das ihr noch bis heute Angstausbrüche beschert. Und warum nennt sie ihre demente Mutter eigentlich immer die Königin? In meinen Augen ist die Geschichte nicht „rund“, so dass ich etwas enttäuscht von diesem Krimi bin. Darum gebe ich auch nur 2,5 Lese-Sterne.

Bewertung vom 23.05.2023
Daniel, Sibel

Der Duft der schwarzen Erde


ausgezeichnet

In Buenos Aires erhält die bereits hochbetagte und schwerkranke Alma Steiner Besuch von ihrer Nichte, der Tochter ihres siebzehn Jahre jüngsten Bruders Albert. Bisher hatten beide keinen Kontakt. Doch nun besucht ihre Nichte sie und möchte mehr über die Familie und ihr bewegendes Schicksal erfahren. So beginnt Alma zu erzählen und taucht gemeinsam mit ihrer Nichte wieder in die Vergangenheit ein. Und hier muss ich sagen, dass es der Autorin sehr gut gelingt auch den Leser eintauchen zu lassen in das Jahr 1940 in Bessarabien. Hier hat die Familie Steiner ein Weingut und Alma lebt dort mit Vater, Stiefmutter und 5 Brüdern. Die Autorin beschreibt, eingebettet in die historischen Hintergründe die Mühsal der aus dem Württembergischen umgesiedelten Deutschen. Trotz der harten Arbeit kann man beim Lesen die Liebe zur neuen, liebgewordenen Heimat spüren. Aber auch ihre Unsicherheit nach Hitlers ersten Kriegserfolgen, seinen Umsiedlungsplänen, insbesondere seinem Pakt mit Stalin trauen die Deutschen nicht.
Es ist nur das Jahr 1940, das hier von Alma geschildert wird. Doch dieses Jahr hat es in sich. Hitlers Pläne, die eine Umsiedlung aller Deutschen zurück nach Deutschland vorsieht, hat gravierende Auswirkungen auf die Familie Steiner. Innerhalb kürzester Zeit müssen sie ihre Sachen packen und die lieb gewordene Heimat verlassen. Ihnen werden Entschädigungen in Aussicht gestellt, an die diese Familie während der strapaziösen Reise immer weniger Glauben kann. Jeder von Almas Brüder geht mit dem Verlust, der Unsicherheit und den Strapazen anders um. So ist August, Almas 17jähriger Bruder, noch immer versucht mit Charme und Tricks die Reise zu überstehen. Spielen und Wetten sind Augusts große Leidenschaft. Doch nun muss auch er bittere Erfahrungen machen. Ganz anders ergeht es ihrem großer Bruder Alwin. Der war in Bessarabien ein frommer, gütiger Mensch. Doch hier auf der Reise verliert sich seine Frömmigkeit und Nächstenliebe. Er setzt sich zu Almas Entsetzen mit Fäusten durch. Alma selbst hatte einen Traum. Sie will Winzerin werden. Doch ob sie das in der neuen Heimat, wo auch immer die sein wird, werden kann, wird sich erst in der Fortsetzung dieses Romas herausstellen. Ich finde dieses Buch sehr, sehr lesenswert und gebe daher 5 Lese-Sterne.

Bewertung vom 21.05.2023
Trommer, Michael

Schuldig (eBook, ePUB)


gut

Der erfolgreiche und beliebte Schauspieler Franz Wolf soll in Aachen am Stadttheater die Hauptrolle spielen. Doch am Premierenabend wird er in seiner Garderobe erschossen. Gerd Mehrwald und Eleonore Kalb, genannt Kälbchen, von der Aachener Kripo beginnen mit den Ermittlungen….
Franz Wolf ist kein unbeschriebenes Blatt, ist er doch noch immer ledig, lässt sich gerne feiern und von der Damenwelt bewundern. Es kann auch gerne etwas mehr sein. Doch Mehrwald und Kälbchen können hier keine Indizien, die einen Mord begründen würden ermitteln. Erst als sie in seine weitzurückliegende Vergangenheit recherchieren, ist das Tatmotiv schnell ermittelt.
Die beiden Ermittler, Mehrwald und Kälbchen, fand ich recht sympathisch. Zwei Polizisten, die unterschiedlicher nicht sein können. Mehrwald schon im fortgeschrittenen Alter und die moderne Computertechnik ablehnende Polizist weiß was er an seiner ewig zu schnell fahrender junger Kollegin hat. Im Grunde genommen mag er sie, auch wenn er dies nie offen zeigen würde.
Das Buch liest sich schnell du flüssig. Was ich aber vermisst habe, war Spannung. Schon recht bald war offensichtlich, wer Franz Wolf in seiner Garderobe umgebracht hat. Das hat bei mir die Spannung erstickt und ich fand es schade. Der genaue Tathergang würde dann zwar noch vom Mörder ausführlich dargestellt. Aber wie gesagt: von Spannung war dann bei mir keine Spur mehr. Aber eines muss ich zugeben, den Mörder und sein Motiv konnte ich nachvollziehen und habe sogar Verständnis für seine emotionale Tat.
Von mir erhält das Buch 3 Lese-Sterne.

Bewertung vom 15.05.2023
Johannsen, Anna

Die Tote am Fastensee


ausgezeichnet

Merle Harmsen, Polizistin aus Schleswig, ist seit einigen Wochen krankgeschrieben. Born Out. Sie versucht auf dem elterlichen Hof in Fehmarn wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Zuvor hatte sie auf ihrer Dienststelle noch Anzeige gegen einen Kollegen erstattet. Ihr Vorwurf lautet Bestechung im Amt und Korruption. Die Untersuchungen dazu laufen noch in der Kripo Schleswig. Doch nun wird Merle erstochen im Gebüsch am Fastensee auf Fehmarn gefunden. Lena Lorenzen, LKA-Kiel, wird mit den Ermittlungen beauftragt….
Auch in diesem Fall mit Lena Lorenzen beweist die Autorin, dass sie spannende Krimis schreiben kann und dabei den menschlichen Teil der Figuren nicht außer Acht lässt. Wieder muss Lena den Spagat zwischen Mann, Kleinkind und Beruf bewerkstelligen. Das wirkte auf mich sehr lebensecht. Zusätzlich bekommt Lena auch noch die neue, wenig erfahrene Kollegin Naya Olsen als Unterstützung. Es heißt für beide sich erst einmal als Team zu finden und die Stärken und Schwächen auszuloten. Aber zum Glück steht Ole Kotten, ihr Kollege und Freund, bei der Ermittlung zur Seite. Diesem erfahrenen Kollegen vertraut Lena blind.
Doch der Fall stellt sich zunehmend als schwierig heraus. Während ihrer Krankschreibung hatte Merle verstärkt wieder Kontakt zu ihrer Jugendclique gesucht. Ob einer der ehemaligen Freunde dahintersteckt oder Merles Nachforschungen zu dem in der Nähe des elterliches Hofes geplanten Windparkneubaus zu ihrer Ermordung geführt haben, bleibt lange im Dunkeln. Es gibt einige Indizien, die aber insgesamt kein abgerundetes Bild des Tathergangs ergeben. Somit bleibt der Krimi spannend bis zum Schluss und endet mit einer so nicht vorhersehbaren Auflösung.
Ich fand den Krimi super und gebe darum auch 5 Lese-Sterne.

Bewertung vom 13.05.2023
Haller, Elias

Die Schrift


sehr gut

Lena Kasarek, eine Prostituierte, wird schwer verletzt aufgefunden. Sie ist kaum noch am Leben wegen des großen Blutverlustes und doch flüstert sie immer wieder diesen einen Satz. Alles oder nichts. Arne Stiller ist der leitende Ermittler, denn seit Chef, Bernhard Hoheneck, ist seit einiger Zeit eher abwesend und grübelt vor sich hin. Irgendetwas beschäftigt den Chef.
Doch Arne hat ganz andere Sorgen. Der Täter hat nicht nur massive Verstümmelungen an Lena vorgenommen, er hat auf ihrem Rücken auch ein riesiges rechteckiges Tattoo mit wirren Buchstabenfolgen hinterlassen. Es handelt sich um einen Code, den Arne entschlüsseln muss wenn er dem Täter auf die Spur kommen will. Arnes Anstrengungen beschreibt der Autor auch sehr umfangreich. Verstanden habe ich es trotzdem nicht. Aber gut, ich bin ja auch kein Kryptologe.
Bernhard Hoheneck geht eigenen Recherchen nach, denn seine Stiefschwester, die ebenfalls als Prostituierte arbeitete, gilt seit Jahren als vermisst. Und nun kommt das alles wieder hoch. Oder gibt es noch etwas anderes das ihn beschäftigt?
In diesem Fall empfand ich Arne gar nicht mehr so sehr als den knurrigen, polternden Ermittler. Da hat wohl Martina, seine neue Freundin positiven Einfluss auf ihn genommen. Sogar gegenüber Inge Allkammer, seiner direkten und stets fleißigen Mitarbeiterin, tritt er freundlicher auf. Der neue Arne gefällt mir jedenfalls gut.
Der aktuelle Fall, seine Verwicklungen und Wendungen hat mir sehr gut gefallen. Vor allem habe ich die getrennte Arbeit von Arne und Bernhard, die schlussendlich doch ein Gesamtbild ergeben hat, als sehr gut herausgearbeitet empfunden. Auf jeden Fall habe ich mich spannend unterhalten gefühlt. Zum Schmunzeln fand ich die Ausführungen zur Dresden Mania. Toni Talent, auf so einen Namen muss man erst einmal kommen. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.

Bewertung vom 11.05.2023
Jasmund, Birgit

Die Elbflut


ausgezeichnet

1784, Jacob Ehrmann ist erfahrener Elbfischer und seine geräucherten Fische wird er wegen seines Geheimrezeptes reißend los. Aber seit seine Frau Barbara vor 15 Jahren verschwand, musste er sich allein um die beiden kleinen Kinder Luise und Georg kümmern. Seit damals ist er ein grummeliger Mann. Gibt er sich doch selbst die Schuld an Barbaras Verschwinden. Noch immer hofft er, dass sie wieder zurückkommt, denn ihre Leiche wurde nie gefunden. Im Moment hat Jacob aber ganz andere Sorgen. Nach eisigem Winter kommt es auf der Elbe bei nun langsam steigenden Temperaturen zu Eisverwerfungen. Dick und scher türmen sie sich auf. Sie können, wenn auch noch Schmelzwasser aus dem Gebirge dazukommt, die Gegend überschwemmen, Brücke beschädigen wie auch die Deiche. Doch keiner nimmt seine Warnungen ernst in Dresdens Amtsstuben. Hier lernt er den einzigen Gleichgesinnten den Geologen Conrad Meinel kennen…..
Ich fand diesen historischen Roman sehr unterhaltsam. Dazu beigetragen haben die liebevoll entwickelten Charaktere. So fand ich Luise, die unermüdlich für Vater und Bruder den Haushalt führt und zusätzlich noch für reichere Dresdener die Wäsche reinigt und flickt, sehr sympathisch. Luises größter Traum und sogleich ihr größtes Talent, ist das filigrane Besticken von Stoffen. Nur leider findet sie niemanden, der solche Aufträge an eine arme Fischerstochter vergeben will. Als die vornehme Angelique La Trebe während des Hochwassers in ihrer Fischerhütte strandet, schöpft sie neue Hoffnung. Nur leider hat die edle Dame ganz andere Ziele und Interessen.
Herrlich fand ich die Beschreibungen zu Jacobs Arbeit in der Kommission zur Nachbereitung der Elbflut. Das hat mich mehrmals zum Schmunzeln gebracht und erinnerte mich an die auch heute noch oft behäbige Bürokratie sowie der Verschwendung von Geldern. Gespickt mit Tragik, Komik und Verbrechen ist dieses Buch einfach lesenswert. Ich gebe 5 Lese-Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Bewertung vom 08.05.2023
Born, Leo

Racheherz. Der Schrecken in dir (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Jakob Diehl, von allen nur Jack genannt, arbeitet beim LKA Wiesbaden. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten und sieht mit seiner Armeejacke und den abgewetzten Cowboystiefeln eher abgerissen, denn wie ein erfolgreicher Ermittler aus. Bis zu seinem Job als Mordermittler musste er einen harten Weg gehen, denn seine Kindheit war geprägt vom gewalttätigen kriminellen Vater. Dank Robert Kornfeld, bis vor kurzem sein direkter Chef, ist er nun gefestigt und erfolgreich auf der Seite des Gesetzes. Dass Kornfeld gehen musste, nagt noch immer an Jack. Er fehlt ihm. Vielleicht auch, weil die Kommissariats-Leitung nun Oreana Massoudi übernimmt. Genau wie Jack ging es mir auch. Ich wusste einfach nicht, was ich nach Massoudis Vorstellung von ihr halten sollte. Geradlinig und direkt macht sie sich nicht unbedingt Freunde auf der Dienststelle. Sie scheint aber auch unwahrscheinlich unter Druck zu stehen. Durch wen? Jack und sein Team, denn Massoudi ist nicht wirklich eine Hilfe bei der Aufklärung, haben es innerhalb kürzester Zeit mit drei Toten zu tun. Ob oder wie die Morde zusammenhängen bleibt lange offen. Einzig ein Bild, dass 6 Jugendliche zeigt, dient den Ermittlern möglicher Anhaltspunkt. Daraus entspinnt sich eine unwahrscheinlich spannende Ermittlung, die mich in ihren Bann gezogen hat. Sehr geschickt und weitere Spannung bringend fand ich auch die Abschnitte von Sarah in der Wüste. Anfangs verwirrend, dann aber das alles entscheidende Puzzleteil, um diesen kniffligen Fall mit den nicht zu erahnenden Verwicklungen zu lösen. Dieser 2. Fall von Jakob Diehl hat mich von Anfang bis Ende gepackt und darum sind 5 Lese-Sterne absolut verdient.

Bewertung vom 07.05.2023
Lind, Hera

Mit dem Mut zur Liebe


gut

Erzählt wird in diesem auf wahren Begebenheiten basierenden Buch das Leben von Dieter Kretzmar, der sich in späteren Jahren Dieto nennt. Im Ich-Zählstil beginnt er seine Erinnerungen, damals ist er 4 Jahre alt, an das im Februar 1945 unter starken Bombardierungen stehende Dresden zu erzählen. Seine Mutter Gretel ist für ihn ein Hort des Schutzes. Doch auch sie hat den Auswirkungen des Krieges nicht viel entgegenzusetzen. So müssen Dieter und seine große Schwester Inge zusammen mit der Mutter viele Entbehrungen, Demütigungen und Erniedrigungen erleiden. Dieser Teil des Buches hat mit stark bewegt, erinnerte er mich doch an die Beschreibungen meiner Großmutter aus dieser Zeit.
In jungen Jahren lernt Dieter die Tochter eines Freundes seines Vaters kennen. Mit ihm war der gemeinsam in Kriegsgefangenschaft. Johanna, das weiß er vom ersten Moment an, wird er heiraten, auch wenn sie zwei Jahre älter als er ist. Johannas gesamte Familie sind Artisten und auch Dieter sieht darin für sich den Traumjob. Sehr detailgetreu erzählt Dieto, dies wird sein Künstlername, seinen Weg bis zum gefeierten DDR-Artisten, der noch immer in Johanna die Frau seines Lebens sieht. Beide merken, dass ihnen der künstlerische Erfolg nicht reicht, sie wollen freibestimmt leben, reisen und ihre Meinung äußern können. Daraus entsteht ein riskanter Fluchtplan von Jugoslawien über die Adria nach Italien. Leider hat mir dieser Teil des Buches nicht mehr so gut gefallen. Es war zu weit ausgeholt, mit vielfachen Wiederholungen.
Die Tricks die Dieto bei den Grenzkontrollen anwandte, fand ich aufgesetzt. War er wirklich der gewiefte Clown als den er sich darstellt? Insgesamt gebe ich 3 Lese-Sterne.

Bewertung vom 03.05.2023
Maly, Rebecca

Sehnsucht nach Glück / Töchter des Ruhrpotts Bd.1


gut

Mühlheim an der Ruhr, mitten im Ruhrpott lebt die Albert und Gerda Neumann. Ausgehend vom Jahr 1945, dem Ende des Krieges, erzählt die Autorin deren Geschichte und der ihrer Kinder Annie, Charlotte und Ernst. Über Rückblenden erfährt der Leser, dass die Eltern, Albert und Gerda Anfang der 30er Jahre aktive und überzeugte KPD-Mitglieder waren, dies aber wegen der Sicherheit der Kinder einstellten. Während die Älteste, Annie, die Gesinnung ihrer Eltern bereits in ihren jungen Jahren begriffen und geteilt hat, sind die jüngeren Geschwister begeistert von der Nazi-Ideologie. So unterschiedlich ihre Gedankenwelt, so unterschiedlich sind auch ihre Wege. Bis sich Annie und Lotte im Kriegsgefangenenlager widertreffen. Beide hatten sich in der Zwischenzeit verliebt. Annie in den amerikanischen Dolmetscher Nathaniel und Lotte in den überzeugten Nazi Martin. Die Autorin schildert das Kennenlernen, die Zweifel in der Beziehung wie auch die Anfeindungen daraus sehr detailliert. Für mich zu ausführlich. Bei mir kam dabei keine Spannung auf. Der Abschnitt als Nathan Buchenwald zusammen mit Journalisten besucht und sein Groll gegen die Deutschen wieder aufflammte, hat mich nicht überzeugt. Als historische Tatsache eingebaut in die Geschichte, fand ich den Zusammenhang zu Annie und ihrer sich anbahnenden Beziehung aufgesetzt.
Gelungen habe ich dagegen den Anfang des Buches erlebt. Als Annie als Hilfsschwester die verletzten Soldaten unter den schlimmsten Bedingungen und ohne richtige Ausbildung versorgen musste und Tote zu ihrem täglichen Tagesablauf zählten. Meinen Gesamteindruck konnte dies aber nicht wesentlich aufwerten, so dass ich insgesamt nur 3 Lese-Sterne gebe.

Bewertung vom 03.05.2023
Henning, Greta

Halliggift / Minke-van-Hoorn Bd.3


ausgezeichnet

Minke van Hoorn ist Kriminalkommissarin in Jüstering an der Nordsee. Wohnt aber auf der in der Nähe liegenden Hallig Midsand, wo sie auch aufgewachsen ist. Sie liebt die Rauheit der Natur hier und am meisten liebt sie das Biikefeuer, das jährlich am 21.2. zur Vertreibung des Winters groß gefeiert wird. Auch in diesem Jahr fiebert sie diesem Ereignis wieder entgegen. Doch dann wird wenige Tage davor die hochgeschätzte Chorleiterin Hanni Krüderer nach dem Kirchenkaffee tot zu Hause aufgefunden. Minkes Zwillingsbruder Bo, Leiter der Rechtsmedizin in Kiel, zurzeit aber krankheitsbedingt auf der Hallig, glaubt im Gegensatz zum herbeigerufenen Notarzt nicht an Herzversagen. Er ist sicher, die großen Pupillen deuten auf Vergiftung hin. Aber wer soll dieser sozial so engagierten Frau nach dem Leben trachten? Durch Minkes Ermittlungen lernt der Leser einige Bewohner von Midsand und Jüstering kennen, deren Verhalten merkwürdig ist. Dialoge lassen Fragen offen, Antworten erhält man nicht. Dafür entwickelte sich aber bei mir Spannung.
Es sind die Figuren in diesem Krimi, die den Roman so lebendig erscheinen lassen und lesenswert machen. Ich denke da an den gehandikapten Bruder von Minke. Außer Dienst, so lässt ihn doch der Giftmord keine Ruhe. Vergleicht gedanklich die Symptome mit möglichen Giften. Lässt sich mit seinem Rollstuhl sogar über die Hallig schieben, um Giftpflanzen zu suchen. Ich fand ihn goldig, so beharrlich und mich hat sein Streit mit Minkes Assistentin Lisa Röhrle zum Schmunzeln gebracht. Da bahnt sich doch was an, zwischen ihnen. Lisa mit ihrem schwäbischen Dialekt, so unpassend wie auffällig im Norden, aber so liebenswert in der Person. Ich mochte sie. Genau wie die Einbindung der Mythen und Sagen der Nordseeküste in die Geschichte. Mit diesem Nordseekrimi habe ich mich ganz wunderbar kurzweilig unterhalten gefühlt, so dass ich gerne 5 Lese-Sterne vergebe, eine absolute Leseempfehlung eingeschlossen.