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bolie
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Langscheid

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Insgesamt 960 Bewertungen
Bewertung vom 29.12.2022
Schillings, Dirk

Der Chronist des Pilgers. Historischer Roman (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ritter sollten wie ein Edelmann handeln, und sich nicht wegen einer Frau prügeln. Fallen sie durch das Verletzen ihres Gegners auf, müssen sie mit Konsequenzen rechnen. So geschehen im Jahr 1496 in Köln. Ritter Arnold von Harff kann seinen Häschern nur durch eine List entkommen und nur so einer harten Strafe entgehen. Er begibt sich auf eine Pilgerreise. Welch glücklicher Zufall, dass ihn ein entlaufener Novize begleiten möchte. Nicht nur als Weggefährte. Da er in einem Kloster aufwuchs, kann Christian (der Novize) lesen und schreiben. Er wird alle Stationen der Reise in ein Tagebuch schreiben und so der Nachwelt erhalten.

„Der Chronist des Pilgers“ ist so viel mehr als „nur“ ein historischer Roman. Der Autor Dirk Schillings beschreibt den Weg der Pilger so genau, dass ich mich fühlte, als sei ich dabei gewesen. Alle Städte und Stätten werden mit historischen Fakten beleuchtet. Die Art und Weise von Kultur und Religion ist sehr präzise dargestellt, dass ich wirklich staunte. Ja, es gab Längen, aber die störten mich nicht. Ich genoss diese Bilder im Kopf, die dank der lebendigen Sprache entstanden.

Da die Zeitrechnung zwischen Christentum und Islam nicht einheitlich war, nimmt der Autor auch darauf Rücksicht. Alles, was in Köln geschieht, ist also etwa 600 Jahre später angesiedelt als die Abenteuer bei den Gläubigen des Islam. Auch die Liebe spielt in dem Roman eine Rolle. Aber nur am Rande und auch das tat dem Lesegenuss keinen Abbruch. Spannend wurde es zwischendurch zwar auch, der Spannungsbogen hielt sich aber in Grenzen. Darauf kam es nicht an. Ein wahrhaft wertvolles Buch über die wichtigen Stätten der Weltreligionen. Klare Empfehlung gibt es von mir.

Bewertung vom 26.12.2022
Hurst, Heidrun

Die Kräutersammlerin und der junge Flößer (eBook, ePUB)


sehr gut

Johanna lebt noch immer mit ihrer kleinen Freundin im Wald. Jedoch fühlt sie sich nicht mehr sicher. Eine junge Frau wurde brutal ermordet und nicht weit von ihrer Hütte „entsorgt“. Nach diesem grausamen Fund geht die Angst im kleinen Städtchen Schiltach um. Wer ist der Mörder und kommt er gar aus der Nachbarschaft? Flößer Lukas macht sich große Sorgen um Johanna. Die weist diese aber zunächst zurück. Allerdings nur zunächst. Denn auch sie schwebt bald in großer Gefahr ...….

„Die Kräutersammlerin und der junge Flößer“ ist ein weiterer Band, bei dem die Kräutersammlerin Johanna die Hauptrolle spielt. Wieder ist es die dunkle Stimmung des Schwarzwaldes, welche die Autorin gekonnt übermittelt. Nicht nur das Leben in Schiltach, welches von Entbehrungen und Ungerechtigkeit geprägt war, spielt im Buch eine Rolle. Die Armen werden ausgenutzt und es gibt kaum Jemanden, der sich ernsthaft um ihre Gesundheit bemüht. Wäre da nicht eine kräuterkundige Johanna, dann sähe es noch schlechter um die Bedürftigen aus. Dass es nun aber auch noch spuken soll, das können die Schiltacher nicht glauben. Auch Johanna ist nicht davon überzeugt und begibt sich auf eine Suche nach bösen Menschen, die sie in große Gefahr bringt.

Auch der zweite Band der Serie um die Kräutersammlerin ist gelungen. Abwechslungsreich und mit vielen illustrativen Erklärungen geschrieben, hat er mich gut unterhalten. Die Spannung kam ebenfalls nicht zu kurz und das liegt an den zahlreichen Wendungen. Ein schöner Roman für zwischendurch.

Bewertung vom 20.12.2022
Meyer, Kai

Die Bücher, der Junge und die Nacht


ausgezeichnet

Bomben fallen auf das Haus. Der Junge hat Angst. Was geschieht hier? Es ist laut und er kann nichts sehen. Da, plötzlich hört er die Stimme eines Mannes. Der ruft ihm zu, dass er aufstehen und folgen soll. Der Junge überlegt nicht lange und gehorcht. Später erinnert er sich nur noch an die Gasmaske und nennt den Fremden nur noch „Maskenmann“.

So beginnt der neue Roman von Kai Meyer. Der Autor berichtet abwechselnd in zwei Zeitebenen. Einmal kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs und dann wieder geht es um Ereignisse, die Jahrzehnte später stattfinden. Neben dem Jungen, er heißt Julius, spielt auch sein Vater eine wichtige Rolle in dem Buch. Als Buchbinder arbeitet er nach alter Schule. Er legte Wert darauf, dass die fertigen Bände hübsch anzusehen und jedes Mal etwas ganz Besonderes sind. Massenproduktion kannte er nicht.

Die historische Story spielt im „Graphischen Viertel“ und Leipziger wissen wohl sehr genau, wo die genannten Straßen und Gebäude lagen. Ja lagen, Diese Viertel wurde nämlich im Bombenhagel dem Erdboden gleich gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Roman bei vielen Besuchern der Buchmesse und Kennern von Leipzig auf dem Gabentisch liegt.

„Die Bücher, der Junge und die Nacht“ war mein erstes Werk von Kai Meyer. Und ich bin beeindruckt. Nicht einmal die esoterischen Elemente störten mich. Die Sprache ist so einzigartig, dass ich es gewiss ein zweites Mal lese. Es klingt wie ein Klischee, aber ich habe tatsächlich eine Nacht durchgelesen. So gefangen war ich von der Erzählkunst des Autors. Nicht nur seine Ortskenntnis ist beeindruckend. Nein, es sind die vielen Bücher, die er hier erwähnt. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung. Es ist ein Muss für jeden, der gute Literatur zu schätzen weiß.

Bewertung vom 08.12.2022
Kowa, Thomas

Todesgelübde (eBook, ePUB)


sehr gut

Kommissar Alex Pandera ist sauer. Erst ließ sich sein bester Kumpel und Kollege dazu hinreißen, den Chef der Abteilung zu schlagen. Das er suspendiert wurde, ist nachvollziehbar. Dass Alex aber jetzt ausgerechnet eine Frau zur Seite bekommt, das nervt ihn jetzt doch. Und dann gibt es noch einen Mord in einem Labor in Basel. Nicht nur das Interesse der katholischen Kirche an den Ermittlungen bringt Alex zum Grübeln. Auch die Tatsache, dass seine Kollegin gar nicht so dumm ist, wie er zunächst dachte, verblüfft ihn.

Das „Todesgelübde“ von Thomas Kowa dreht sich um ein Relikt, welches schon häufig Thema für Romane und Thriller war. Allerdings geht es hier nicht nur um das Grabtuch Jesu. Viel mehr steckt dahinter. Also ich muss gestehen, dass ich von der „Heiligen Vorhaut“ noch nie etwas las oder hörte. Ergo durchaus spannend, wenn man als Vielleser immer mal wieder Fakten erfährt, die man nicht für möglich hielt. Der Spannungsboden ist gut aufgebaut und hält sich bis zum großen Finale.

Die unterschiedlichen Charaktere der handelnden Personen stellte der Autor für mich gut dar. Auch wenn einige Ereignisse ein wenig zweifelhaft erscheinen, im Bereich der Sagen und Glaubensgrundsätze ist nichts unmöglich. Gerne gebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung. Oder denken Sie, dass es keine Nachfahren von Jesus geben könnte?

Bewertung vom 07.12.2022
Haigh, Tara

Die Wiege der Hoffnung


ausgezeichnet

Luise wächst in einem ruhigen Elternhaus auf. Die Rosenbaums führen eine Apotheke in Berlin und die Tochter soll diese übernehmen. Leider darf Luise aber nicht studieren. Warum? Weil sie Jüdin ist und viel lieber Kunst studieren würde. Während der Bruder sich immer mehr mit den Nationalsozialisten engagiert, kämpfen die Eltern um ihre Existenz. Die Schikanen werden immer schlimmer. Einen Fluchtpunkt hat Luise, das Atelier ihres Onkels. Der hat volles Verständnis für ihren Berufswunsch.

Ich mag die Bücher von Tara Haigh. Sie sind gut recherchiert und unterhaltsam geschrieben. Mit „Die Wiege der Hoffnung“ ist ihr ein weiterer guter Roman gelungen. Dass Apulien ein Zufluchtsort für Juden war, das war mir neu. Will sagen, dass ich immer wieder etwas dazu lerne. Über die grausamen Taten der Nazis schreibt die Autorin so bildhaft, dass ich zeitweise das Buch zur Seite legen musste. Es nahm mich immer wieder mit.

Die Liebesgeschichte gehört dazu, nimmt aber nicht zu viel Raum ein. Spannung muss man beim Lesen nicht missen und das Ende ist absolut nicht vorhersehbar. Klare Empfehlung von mir.

Bewertung vom 06.12.2022
Falk, Thilo

Dark Clouds


ausgezeichnet

Eine Alfetta zu fahren, das war schon immer sein Traum. Er hätte sie am liebsten in einer Garage stehen lassen und nur hin und wieder betrachtet. Dass er sie jetzt aus der Tiefgarage seiner Dienstelle vor Wassermassen retten muss, das hätte er niemals erwartet. Und der Besitzer namens Graf ist nicht der einzige, dem plötzlich auftretende Wassermassen Probleme bereiten. Auch in Frankfurt verwandeln sie Straßen in reißende Flüsse und selbst Menschenleben ist in Gefahr. Drei Kenner der Materie sind sich sicher, dass dies nur der Anfang ist. Der Beginn einer viel größeren Katastrophe, die etliche Menschenleben fordern wird. Und die Politiker sehen die Gefahr nicht.

Eine Wolkenkundlerin, ein Spezialist für das große Gebiet der Informationstechnik und ein Schadensgutachter sind der einhelligen Meinung, dass das Ende der Welt fast erreicht ist. Diese Wassermassen sind nicht nur eine Gefahr für Leib und Leben der Menschen. Es vernichtet die Infrastruktur, zerstört die Natur und weder Flora noch Fauna werden überleben. Wie sie zu diesem Schluss kommen, das schreibt der Autor Thilo Falk sehr ausführlich. „Dark Clouds“ ist viel mehr als ein Thriller. Meiner Meinung nach tendiert es eher zum Sachbuch. Etliche Fakten und wissenschaftliche Erläuterungen bringen mich zu dieser Ansicht.

Keine leichte Kost. Wer die Flut im Jahr 2021 erlebte, der sollte vorsichtig sein. Sich genau überlegen, ob er sich diese Buch kauft. Es triggert ungemein und der Autor erwähnt zum Schluss, dass er beim Schreiben niemals dachte, dass es tatsächlich so schnell zu einer solchen Katastrophe kommen kann. Die Sprache ist gehoben und viele Exkursionen in die Wissenschaft erfordern konzentriertes Lesen. Klare Botschaft an uns alle: „Achtet auf eure Umwelt und geht behutsam mit den Ressourcen um.“

Bewertung vom 30.11.2022
Maurer, Jörg

Shorty (eBook, ePUB)


gut

Shorty, 42 Jahre alt, bezeichnet sich selbst als „Jobhopper“. Nein, nicht dass er faul ist. Er wechselt halt gerne seine Arbeitgeber und auch privat mag er keinen langweiligen Trott. Immer dann, wenn er eintönige Arbeiten zu erledigen hat, verfolgt er spannende Hörbücher. Damit er nicht einschläft. Ja und dann hört er plötzlich aus seinem Headphone den Lieblingssprecher Simon Jäger. Der spricht ihn direkt an und gibt ihm eine Aufgabe. Er soll mit einer einzigen Aktion die Welt retten. Ein aufreibendes Abenteuer beginnt.

Jörg Maurer war mir als Autor netter Alpenkrimis bekannt. Dieses Buch kann man damit nicht vergleichen und es fiel mir schwer, der Story zu folgen. Ja, sprachlich gibt es nichts zu kritisieren. Aber die Handlung war mir dann doch zu weit hergeholt. Zu abstrakt und abgehoben. Keineswegs glaubwürdig. Schade, aber ich hoffe, dass bald wieder ein Alpenkrimi des Autors erscheint. Als Science-Fiction-Autor konnte er mich nicht überzeugen.

Bewertung vom 14.11.2022
Zerback, Ralf

Triumph der Gewalt (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Was geschah wirklich, als die Nationalsozialisten das Zepter in die Hand nahmen und Deutschland zum diktatorischen Staat wurde? Der Autor Zerback schildert die frühen 30er Jahre anhand von Fakten und neuen Erkenntnissen. Er beschreibt die Zerrissenheit der Menschen und die Spaltung innerhalb der Gesellschaft. Intrigen, Machtspiele und Straßenschlachten gab es zuhauf. Auch das Terrorisieren von Menschen, die nicht ins Schema F der Nazis passten, erläutert er. Männer, wie Goebbels, Hitler, Papen und ihre Machenschaften finden Erwähnung. Diese drei sind nur einige von den zahlreichen, die damals Hand und Mund im Spiel hatten.

Warum lese ich immer wieder Sachbücher über die Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges? Weil es stets neue Erkenntnisse gibt. Die Parallelen zu heute sind nicht zu leugnen und niemand soll denken, dass es diese Führerfiguren heute nicht mehr geben wird. Niemals werde ich darüber schweigen und vor allen Dingen innerhalb der Familie von den Geschehnissen damals berichten.

Die mangelnde Führungsstärke der damaligen Reichskanzler ebnete einem Despoten den Weg nach oben. Die berechtigte Unzufriedenheit der Menschen unterstützte sie maßgeblich. Dabei waren die Weichen für den Aufschwung schon Monate vor der „Machtergreifung“ gelegt. Das übersahen aber die meisten Menschen. Und noch etwas übersahen sie. Denunziantentum brachte vielleicht kurzfristig Genugtuung und Anerkennung in gewissen Kreisen. Dauerhaft aber schadeten so Handelnde nur sich selber.

„Triumph der Gewalt“ ist keineswegs ein Buch zum nebenher Lesen. Dafür ist es zu wertvoll. Wer sich Zeit nimmt und gewissenhaft den Geschehnissen folgt, der wird einmal mehr verstehen, warum einige der heutigen Geschehnisse so gefährlich sind. Und folgen konnte ich leicht. Der Autor schrieb in gehobener Sprache und so gefällig, dass das Lesen eine Freude war.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.11.2022
Kupferberg, Shelly

Isidor (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Er war der Sohn orthodoxer Eltern und wurde mit dem Namen Israel getauft. Der Ort seiner Geburt lag im habsburgischen Galizien. Sein einziger Wunsch war, dass er dem armen Elternhaus entkommt und irgendwann einmal reich wird. Dass ihm das tatsächlich gelang, lag unter anderem daran, dass er sein Elternhaus hinter sich ließ und nach Wien zog. Das war im Jahr 1908 und zu dem Zeitpunkt war die Welt in Österreich noch in Ordnung.

Isidor war der Onkel der Autorin Shelly Kupferberg. Er lebte in der Canovagasse in Wien. Durch schlaue Investitionen brachte er es zu einem beachtlichen Reichtum und konnte von den Zinserträgen seines riesigen Kapitals sehr gut leben. Zwei Ehefrauen trennten sich von ihm,
(oder er sich von ihnen). Danach heiratete er nicht mehr. Er genoss sein Leben mit hübschen Geliebten.

„Isidor“ ist ein unglaublich ergreifendes Buch. Die Autorin schaffte es, dass sie mich hautnah in das Geschehen rund um die Verfolgung von Juden involvierte. Sie zeichnet akribisch und nachvollziehbar auf, was damals mit ihrem Onkel geschah. Ein anerkannter und gerne besuchter Gastgeber, der niemals Kosten und Mühen scheute, seine Eingeladenen mit ausgesuchten Delikatessen zu bewirten. Er, der niemals gegen das Gesetz verstoß war plötzlich ein Verfolgter. Weder Isidor noch seine Geschwister wollten es wahr haben und trotzdem war es die Realität. Für mich unvorstellbar, das sich „Freunde“ von ihm abwandten, obwohl er ihnen nie negativ begegnete.

In eindrücklicher Art und mitreißender Sprache schildert Frau Kupferberg das Schicksal ihres Onkels. Und das nur aus Aufzeichnungen, die sie in mühevoller Kleinarbeit zusammensuchte und zu einem exzellenten Roman verarbeitete. Für dieses Buch gebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.